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WAS SO WEINIGES IM JAHR 2019 PASSIERTE ...

DEN MÄUSEN SEI DANK!

Schlechte Füllniveau sind schlecht. Für den Wein und für die Auktion. Schlechte Etiketten sind schlecht zum Verkaufen. Aber sehr gut zum Trinken. Also gilt hier das Motto: «des einen Freud, des anderen Leid». Dieser 1983er Figeac war so eine «Mäuseflasche». Will heissen, dass ich oft Bouteillen begegne, bei welchen die Etiketten von Mäusen an- oder gar abgeknabbert wurden. Dank dem mittleren Leimstreifen, blieb ein Teil des charakteristischen Namenszuges und sogar der Jahrgang erhalten.

Der Wein duftet trocken-süss, nach Datteln, Kardamom und Nelkenköpfen, dahinter Leder und Cigarbox. Im Gaumen moosig-süss. Er ist mit einem ältlichen, grossen Rioja zum Verwechseln ähnlich. Er hat sein Rentenalter schon seit ein paar Jahren erreicht, gibt sich aber noch rüstig. Der unterprozentige Cabernet-Anteil macht das partielle Altweinwunder aus. 17/20   

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GLEICH VIEL WASSER WIE WEIN

Das hat mir einmal ein Arzt empfohlen. Und ich versuche mich daran zu halten. Um dies besser zu kontrollieren hatte ich zur Magnum 2001 La Mission Haut-Brion gleich eine Anderthalbliterflasche Mineralwasser geöffnet. Doch leider ging die Rechnung nicht ganz auf. Der Wein war so gut und schön fast unverschämt süffig, dass am Schluss dann doch noch reichlich Wasser übrigblieb.
Im Vordergrund: Ein gut gefülltes Blech mit Schweinefüsschen und hausgemachten Frikadellen. Dazu gab es ebenfalls hausgemachten Kartoffelstock. Da war ich für einen guten Moment lang im siebten Genusshimmel.  




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2009 PINOT NOIR BANNOCKBURN FELTON ROAD

«Seid Ihr einverstanden mit einem Pinot?», fragte ich in die Tischrunde, als ich die Weinkarte vom Brandenberg studierte. Alle nickten. Also bestellte ich diesen Felton Road in der Magnum zu 189 Franken. Was ich meinen Tischgenossen nicht sagte, dass ich einen Pinot Noir aus Neu Seeland bestellt hatte. Claudia brachte den Wein in der Karaffe und servierte allen vier Mannen. Der Wein fand spontan Begeisterung und gefielt auch mir sehr, sehr gut. Nach 10 Jahre in der Flasche immer noch fruchtig, würzig und gehaltvoll. Ein ganz grosser 19-Punkte-Pinot. Zudem ist dies als Magnum und von der Reife her eine absolute und auch leistbare Rarität. Der Trinkfluss war beachtlich und wir waren einstimmig der Meinung, dass eine genau gleiche zweite Magnum geordert werden sollte. Geschickt leitete ich auf ein anderes Exemplar über. Falls es da wirklich noch weitere Magnums gibt, habe ich da schon eine ganz gute Idee. Mit anderen Weinfreunden …

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MONTE BELLO 1980

Es war kein grosses Jahr in Kalifornien! Man erkennt aber die besten Weingüter insbesondere daran, dass diese auch bei schwierigem Umfeld Sonderleistungen erbringen.

Als ich meine Gäste durch den Keller führte, sagte einer von ihnen – mit Blick auf die wenigen Flaschen von Monte Bello welche da im Regal herumlümmelten: «Das ist mein Lieblingswein».

Es gibt nicht Schöneres, als einem Weinfreund einen Gefallen zu tun. Und dabei selbst mittrinken darf. Also grapschte ich diesen «schönen Berg» und stellte ihn fürs Mittagessen bereit.

1980 Cabernet Monte Bello: Die Farbe war Orange und bräunlich ziemlich aufhellend. Solche Reflektionen hatte ich schon oft bei ganz alten Bordeaux aus mässigen Jahren gesehen. Die Nase torfig, ledrig, schwarze Pfefferkörner zeigend und mit einer ordentlichen Prise Jod versehen. Hätte ich wohl blind im Pessac vermutet. Dann legte er an Süsse zu und wurde kräutrig-malzg. Im Gaumen merkte man schon ein paar Lücken im dezent gezehrten Fluss. Als Speisenbegleiter, lebte er dann aber (nochmals) so richtig auf. Die beste Zeit hatte er hinter sich. Aber er lieferte allen Beteiligten eine sehr schöne Zeit.    

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UNPLUGGED GIBT’S JETZT NOCH MIT EINEM X

Hannes Reeh gehört zu den Aufsteigern am Neusiedlersee. Und zu den Vergrösserern in Andau. Erst wurde grad die neue Winery fertig. Jetzt baut man schon wieder. «Grösser, schneller, weiter» scheint in dieser lang verwaisten Region heute ein aktives Schlagwort zu sein.

Wir sind angemeldet und gehen durch die emsigen Hallen. Es wird überall gearbeitet und Weine für den Abtransport bereitgestellt. Das Geschäft brummt offensichtlich. Muss es auch – bei diesen immer grösser werdenden Dimensionen.

Dann werden wir zur Probe geladen. Hannes Reeh sitzt am Tisch wie ein gemütlicher Weinbär. Spricht ruhig, mit sonorer Stimme. Er hält nichts von modern-fruchtiger Vinifikation mit tiefen Gärtemperaturen und Kaltmazerationen. Er «köchelt» seine Weine auf recht hohen Temperaturen, gibt ihnen so viel Kraft und eine besondere Ausdrucksweise. Die Weine haben Power, verlangen nach Speisebegleitung und bieten den (zu) wenigen Weinfreaks von gereiften Weinen eine garantierte Genuss-Offenbarung in ein paar Jahren.

Die Palette überzeugt. Jeder Wein hält was er verspricht. Aber es sind halt keine Gaumenschmeichler, sondern fleischige bisweilen auch ziemlich fordernde Exemplare. Dann stellt er sein allerneuestes Projekt vor. Den Unplugged X. Der wird dann wohl bald zur gefragten Marketinglokomotive und zeigt das Maximum dessen auf, was die erfolgreiche Vision von Reeh bisher bietet.

2015 Unplugged X Hannes Reeh, Andau: Erster Jahrgang! Verkaufspreis 48 Euro. 35 % Cabernet Franc. 30 % Cabernet Sauvignon, 30 % Merlot, 5 % Zweigelt. Eine Best-Selektion aus verschiedenen Weingärten. 24 Monate in neuen französischen Eichenfässern ausgebaut. Extrem dunkles Violett mit Granatrand aussen. Das intensive Bouquet beginnt mit vorwiegend dunklen Aromen wie Mocca, Pumpernickelbrot, Lakritze, schwarzem Pfeffer und Tabak. Beim zweiten Ansatz sickern schwarze Beeren durch. Mehr Brombeeren wie Cassis. Alles liegt vom Nasendruck her im intensiven Bereich. Im Gaumen ist dieser massige Rote primär fleischig und zupackend, zeigt eine sehnige Muskulatur und eine versprechende Adstringenz durch die nicht ganz unbescheidenen Tannine. Die Aromen des Bouquets wiederholen sich im Gaumen. Das Finale ist mächtig und drückt sich nach weit hinten. Eine männliche, sehr robuste Cuvée, welche Jungweintrinkern wie eine Fata Morgana vorkommen muss. Den ersten richtigen Trinkgenuss sehe ich so ab 2024. Und dann kann dieser X zu einem der lagerfähigsten Rotweinen Österreichs mutieren. Für mich liefert er den Beweis, dass man in der Andau-Region durchaus mit Berechtigung von Terroir und Potential sprechen darf. 19/20 warten!   
Der mit den ungepluggten: https://hannesreeh.at/

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19 PUNKTE FÜR DEN FABIAN VON ERNST

Vor sechs Jahren stand ich schon einmal in seinem Keller. Aber nicht in dem heutigen. Damals konnte man die Produktion von Bernhard Ernst aus dem burgenländischen Deutschkreutz noch mit Fug und Recht als «Garagenweine» bezeichnen.

Die Weine waren genau so wie er zum Familiennamen hiess, nämlich «ernst». Straffe Weine, mit ausreichend Tanninen und Potential. Aber es waren auch Weine, welche Mühe hatten aus den etwas strengen Vinifikationseiern heraus zu schlüpfen. Das Potential war aber auf jeden Fall vorhanden und ich merkte mir den jungen Winzer, um ihm später wieder Mal auf die Finger zu schauen …

Gesagt – getan! Gegen Ende Februar 2019 war es wieder so weit. In der neuen, schlichten, modernen und gleichzeitig auf die Funktionalität getrimmten Winery empfing uns der sympathische Deutschkreutzer Winzer. Den «Ernsti» probierten wir nicht. Ist ja auch was für Kinder – denn dabei handelt es sich um einen Liter Traubensaft zu 4 Euro.

Bevor ich die Weine verkoste, studiere ich die Preisliste. Die Preise sind mega-attraktiv. Einen Grüner Veltliner gibt es für € 6.50. Den günstigsten Rotwein, den Zweigelt, kann man sich für € 7.50 in den Kofferraum packen lassen. Unter dem Seriennamen «Sideway’s» verkauft Ernst Merlot, Pinot Noir und Syrah. Kleine Produktionen unter tausend Flaschen, alle zu (extrem preiswerten) 22 Euro. Dichte, euphorische Weine – ein Fingerlecken für jeden Sommelier, der diese Weine entdeckt und seinen Gästen weiterempfiehlt.

Der teuerste Wein ist ein ERNST 2015 – ein Blend aus den besten Lagen Hochberg und Goldberg. Wir probierten ihn. Ein sattes Cuvée mit enorm Potential. Genau einzuordnen kann man diesen Luxuswein (Preis 100 Euro) wohl erst am Beginn seiner Reife. Etwas unten durch rutscht bei uns der ZION 2015. Nicht weil der Wein schlecht ist, aber bei den Spitzenweinen sind wir beim Verkosten so verwöhnt worden, dass dieser halt nicht ganz mithalten konnte.

Seine Bordeauxsehnsucht stillt Bernard Ernst mit seinem La Mission 2014. Eine solide Cuvée mit Merlot und Cabernet Sauvignon. Schmeckt logischerweise nicht nach seinem Vorbild La Mission Haut-Brion. Ist dafür mit 35 Euro wesentlich günstiger. Als Bordeauxkopie kommt er aber recht gut ins Glas und will sich lieber morgen als heute schon so richtig zeigen.        

Doch nun zum Epizentrum aus der Produktion von Ernst: Drei Mal Blaufränkisch. Der Hochberg 2015 (18/20) macht das Vorspiel und zeigt sich schon recht zugänglich und vermischt baldige Freude mit einem weiteren Zehnjahrespotential. Mit 14 Euro ein absolut spassiges «Soforthinfahrenundkaufmust». Der Goldberg 2015 zeigt seine goldene Qualitätsseite. Dieser lagerfähigste Blaufränkisch der Ernst-Produktion mischt in etwa 5 Jahren und dann für gute 10 Jahre bei der Topliga vom mittleren Burgenland mit. Ausser bei seinem Preis: 16 Euro. (Eine Sensation!)  

Am allerbesten hat mir der Blaufränkisch Fabian 2015 gefallen. Der hatte bei unserem Besuch so richtig seinen Tag. Dabei handelt es sich um Reben welche 1949 gepflanzt wurden. Der schwere Lehmboden lässt den Wein so richtig mollig und reich werden. Die Produktion liegt so um 4'000 Flaschen.

2015 Blaufränkisch Fabian, Weingut Ernst, Deutschkreutz: Sehr dunkles Weinrot und nebst intensivem Rot auch violette und lila Reflexe im Innern zeigend. Das Bouquet versprüht Brombeeren, Cassis und reife dunkle Pflaumen. Durch die lange Zeit am Stock findet man einen minim laktischem Schimmer, welcher das Nasenbild cremig-füllig abrundet. Nebst Frucht findet man auch frische, florale Nuancen und er zeigt, obwohl jetzt schon so enorm offensiv, auch eine bemerkenswerte Tiefe. Im Gaumen mit sehr reichem Körper unterwegs. Dieser zeigt jetzt schon wahnsinnig viel Charme. Der Fluss ist so samtig zu sein, dass man das verborgene Tanningerüst fast nicht bemerkt. Dieses bietet eine solide Lebensversicherung. Von der Entwicklung her wohl ein Model «Immerschön» mit einem Genuss-Potential für mindestens 10 Jahre. Wenn man bei den ganz grossen Blaufränkisch’ – nebst deren eigenen Typizität – auch manchmal Affinitäten zu einem grossen Burgunder oder Rhône-Wein nachsagt; dieser sensationelle Fabian hat von allen Etwas. Und von diesem «von allem Etwas» enorm viel! Die gesamte 2015er-Blaufränkischpalette von Bernard Ernst ist eine Preis-Genuss-Sensation sondergleichen. Und momentan hat dieser sagenhafte Fabian die Nase leicht vorn. 19/20 Bravo!  
Vom einstigen Newcomer zur Austria-Rotwein-Elite: https://www.weinguternst.at/

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ZUM TOD VON PATRICK BOPP

Unsere Wege kreuzten sich erstmals vor mehr als 20 Jahren. An einem Event mit Jacky Donatz. Ein junger, neugieriger Mann auf dem Weg zum Weinfreak. An seiner Seite sein Schatz Nadja. Sie waren ein Paar und blieben eins.
Erst waren es nur Begegnungen an weiteren Weinveranstaltungen. Die Mouton-Semesterraritäten-Probe 1998 in Adelboden der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Begegnungen im Familienkreis, Kartenspielen, Ausflüge. Mit seiner aufflammenden Weinliebe intensivierte sich auch unsere Männerfreundschaft. Die jährlichen Höhepunkte; die Semester-Raritäten-Degustationen.   

Irgendwann kam für ihn der Punkt, dass er sein weiniges Hobby zurückstecken musste, um sich seiner immer grösser werdenden Familie zu widmen. Eine Rochade, welche ihm erst nicht leichtfiel. Doch dann wurde er so richtig Vater. Ohne Wenn und Aber. Selten habe ich einen Freund erlebt, der sich so viel intensive, bewusste Zeit für Kinder und Frau nahm. Nicht einfach nur pflichtbewusst, sondern hingebungsvoll.

In allem was er machte, war er präzis und zuverlässig. Dokumentiert bis ins letzte Detail. Trotz dem Motto: «Family First», schaffte er es während seinem begrenzten Freiraum seinen Freundeskreis weiter zu pflegen. So stellte er sich auch immer sehr gerne als mein «Edelsommelier» zur Verfügung. Er war stundenlang in den verschiedenen Kellern meiner Weinproben in Bordeaux, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei hat er für eine kaum messbare Wertsumme Weine entkapselt, entkorkt und dekantiert. Auf die richtige Ausschanktemperatur geschaut. Und dann beim Einschenken geholfen. Er hat uns so unglaublich viel Veranstaltungsdruck abgenommen und ich konnte mich um die Gäste kümmern und in Ruhe verkosten. So war der Genuss dieser tollen Weine für mich, Dank Patrick, praktisch uneingeschränkt.  

In den vielen Stunden, in denen wir gemeinsam unterwegs waren, sprachen wir viel über die Zukunft. Er hatte da ganz konkrete Pläne. Kinder bis zum Erwachsensein begleiten, die Partnerschaft pflegen, beruflich aufs Maximum zu gehen. Vielleicht nochmals in Richtung Notar etwas Eigenes lancieren. Leben und Geniessen. Allenfalls mit einer etwas früheren Pensionierung.

Am Samstagmorgen, 16. Februar 2019 fanden diese Pläne ein jähes Ende. Nach zwei Wochen Skiferien mit der geliebten Familie fiel er auf der Piste einfach um. Sofort waren Hilfskräfte und Ärzte zur Stelle. Doch Patrick hat es leider nicht mehr geschafft, in diese zukunftsträchtige Welt zurück zu kehren.  

Wein ist nicht alles im Leben. Aber er hat ihn wie einen roten Faden durchs Leben begleitet. Was ihm noch viel mehr bedeutete (seine Familie), muss er nun, unfreiwillig zurücklassen. Mit nur 49 Jahren ist er gestorben. In meinem Kalender stehen mindestens noch 10 künftige Daten von Semester-Veranstaltungen, Abenden mit den Weinfreunden Pilatus, Ausflüge in die Unterlauelen, Jassen in Eschenbach. Ganz besonders hatte er sich auf den 1. Juni 2019 vorgefreut. Da wollte er mit seinen allerbesten Freunden seinen 50igsten Geburtstag feiern und seinen Lieblingsbordeaux, den Château Lafleur, zelebrieren. Schon vor einem Jahr fixierte er mit mir als ersten Gast diesen Termin, weil er mich da unbedingt dabeihaben wollte.

Lieber Patrick. Danke für die wertvollen Stunden. Für Deine notarischen Beratungen für mich und meine Familie. Für Deine stete Hilfe an meinen Verkostungen. Deine Zuverlässigkeit, Deine Offenheit, Dein Fachwissen und Deine Hilfsbereitschaft haben mich stets zu tiefst beeindruckt.   
Du bist uns, ohne Ankündigung, viel zu früh vorausgegangen. Deiner Nadja und Deinen Kindern wünschen wir viel Kraft diese Trauer zu überwinden. Die Zeit wird irgendwann helfen, den Schmerz zu vergessen. Dich aber werden wir nie vergessen! Häb’s guet – im Weinhimmel …     

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141-JÄHRIGER MOUTON-ROTHSCHILD

Als Entschuldigung für meinen Excel-Salat den ich bei den beiden Mouton-Anlässen im Old Swiss-House in Luzern angerichtet hatte, sponsorte ich der zweiten Gruppe einen 1878-Mouton aus meinem Keller. Irgendwann, vor recht vielen Jahren, hatte ich da zwei Flaschen gekauft. Keine Ahnung mehr wo und wann das war.

Will man heute so ein Ding in Top-Zustand kaufen, so müsste man wohl an die 10'000 Franken dafür hinlegen. Aber das Unterfangen ist utopisch, denn es gibt keine einzige Flasche davon im Markt. Nach längerem Surfen fand ich eine letzte Transaktion bei Christies im Jahr 2000.  

Als feierliche Zelebration entkorkten wir diese uralte Flasche direkt vor den Gästen. Ich war so aufgeregt, dass ich zuerst vergass die kaum sichtbare Bleikapsel zu entfernen. Dann griff ich zum Durand-Korkenzieher und brachte den schwarzbraunen Korken recht gut heraus.

Als ich anschliessend anfing den Wein zu kommentieren, bemerkte ich, dass es wohl keinen einzigen Mensch aus diesem Jahrgang gibt, welcher heute noch lebt.


Am anderen Morgen recherchierte ich meine Behauptung im Netz. Es soll da tatsächlich einen Mann namens Toto gegeben haben, welcher Jahr 1870 in Indonesien geboren wurde und im Alter von 146 Jahren 2016 starb. Unser Mouton 1878 war 141 Jahre alt und er «starb» 2019 am Valentinstag …


1878 Mouton-Rothschild: Füllniveau der Flasche; sehr tiefe Schulter. Mitteltiefe Farbe, trübes Braun, oranger Rand. Die Nase beginnt moosig, zeigt in der Folge feuchtes Leder, Tabak, Malagarosinen, nasse Baumrinde, minime Acetonoten, Spuren von Soyasauce, und Paste von Rinderbouillon. Im zweiten Ansatz findet man zunehmend süssere Komponente wie eingedicktem Birnensaft, Malagarosinen und braunem Nusslikör.  Im Gaumen ist die Konsistenz noch knapp da, minime Muskeln geben dem greisigen Körper halt, das Finale zeigt einen kapseligen Schimmer. Der Nachklang ist aber insgesamt ansprechend und – vom Geschmack her – immer noch sehr angenehm. Dieses sehr fragile Erlebnis ist kein Genuss-Moment wie man es mit jüngeren Erlebnissen vergleichen kann. Einem solchen Methusalem begegnet man mit Demut und Respekt. Und mit der Gewissheit, dass man nie mehr im Leben wieder Mal einem Mouton 1878 begegnen wird. Da braucht es dann auch keine Punkte …








Konzentriertes Arbeiten. «Baron Philippe de Buholzer» beim Dekantieren vom 141 Jahre alten Château Mouton-Rothschild 1878! 











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RIESENSCHNITZEL & LATOUR

Gibt es noch attraktive Weinkarten in der Schweiz? Ja - aber leider immer weniger. Eine Weinkartenoase in der Nähe ist das Restaurant Brandenberg in Zug. Hier gibt es nicht nur tolle Weine sondern auch reife Flaschen. Für den Latour 1975 haben wir 280 Franken bezahlt. Und er war wunderbar. Wenn man Altweine liebt ...







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GIBT ES NUR AUF DER WEINBÖRSE-AUKTION

Die Versteigerung ist am 4. Mai in Bad Ragaz. Martin Donatsch ist persönlich da und man kann diesen sagenhaften Pinot Noir dort auch verkosten. Ich habe ihn schon probiert ...

2013 «Privée» Pinot Noir Malans, Weingut Donatsch: Produktion: 300 Flaschen. Nicht im Verkauf erhältlich. 30 Flaschen werden an der nächsten Weinbörse-Auktion im Mai 2019 in Bad Ragaz versteigert. Verkostungsnotiz von René Gabriel: Sehr dunkles Rubin mit violettem Schimmer. Für einen Pinot Noir ist das eine unglaublich dunkle Farbe! Das Bouquet lädt aus und ist wuchtig zugleich. Bereits von der ersten Sekunde weg zeigt er einen Reigen von ganz reifen Beeren. Diese tanzen von Himbeeren, über Erdbeeren zu Maulbeeren bis hin zu Cassis. Reife Pflaumen, Vanille, Kokos wie auch geröstete Fruchtkerne findet man im zweiten Ansatz. Jedes Mal, wenn man diesen Wein wieder zur Nase führt, sind wieder völlig neue Aromen da. Die schon schier erotisch anmutende Süsse ist atemberaubend, aber nicht marmeladig. Im Untergrund schwingen Nuancen von Edelhölzern (Zedern), frisch geröstetem Kaffee (Arabica) und faszinierende Kräuternoten (Zitronenthymian) mit. Der Gaumenbeginn ist üppig – cremig – harmonisch. Die Säure und die Tannine geben sich in diesem Zusammenspiel richtiggehend harmoniesüchtig. Die perfekte Balance ist da! Beim Schlürfen explodieren die Fruchtnoten, welche Frische und Reife gleichzeitig zeigen. Dieser «Privée» erinnert mich an meine absolut allergrössten Burgunder-Jungweinerlebnisse. Und in diese Weltklasseliga gehört er fraglos. Was Martin Donatsch aber mit diesem unglaublichen Pinot Noir gezeigt hat: wo die neue Messlatte des Pinot-Maximums in der Schweiz aufgelegt wird. Als ich den Wein verkostete hatte ich, aufgrund des bisherigen Schaffens dieser Malanser Domaine, eine unverschämt hohe Erwartungshaltung. Diese wurde nochmals bei Weitem übertroffen. Mit der Verkostung von diesem ausserirdischen Wein verbinden mich die grössten Genuss-Emotionen meines Lebens. Er ist jetzt genial und wird sich selbst in den 20 Jahren ein helvetisches Denkmal setzen. Glück dem, der diesen Wein einmal verkosten durfte. Oder gar ein paar Flaschen besitzen darf. Zum Ersten! Zum Zweiten! Zum Dritten! Auf an die Auktion im Mai! 20/20 trinken

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DER LETZTE MOUTON-ABEND?
 
«Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche», sagte einst der Komponist Gustav Mahler. Also können Traditionen nur existieren, wenn das Feuer nicht erlischt…

Mit zunehmendem Alter kommt es bei mir zum Effekt, dass ich selbst grosse Weine schon x-mal verkosten, respektive geniessen durfte. Der Beginn des Jahres stand bei mir schon seit  mehr als einem Jahrzehnt als Mouton-Abend im Kalender. Meist im Januar setzten sich jeweils Weinfreunde aus ganz Europa im geschichtsträchtigen Restaurant Old Swiss House in Luzern an den Tisch. Philippe Buholzer (der Wirt) und René Gabriel (der Organisator) trafen sich jeweils schon am Nachmittag im rustikalen Rittersaal, um zusammen die Flaschen zu Entkapseln, zu Entkorken und zu Dekantieren.

Übernommen hatte ich diesen Event vom damaligen Leiter des Weinkellers Mövenpick in Basel. Marcel Voumard. Er – selbst ein unverbesserlicher Mouton-Fan, organisierte jeweils rund um den Todestag des Baron Philippe de Rothschild (20. Januar 1988) einen Event mit Weinen aus dem Hause Rothschild. Mit viel Mouton, aber auch mit Château Clerc-Milon, Château d‘Armailhac oder Opus-One.

Nachdem Marcel Voumard pensioniert wurde, übernahm ich diese Tradition. Und dies nicht ungern … Wie ganz viele, andere Sammler, hatte auch ich in meinen ersten Jahren Moutonflaschen subskribiert, gekauft oder ersteigert. Mit dem Effekt, dass diese Exemplare eigentlich mehr dem Exhibitionismus
wie dem persönlichen Genuss dienten.

Parallel fing ich an, Wein intensiv zu degustieren, an Verkostungen teil zu nehmen und auch selbst solche Events zu organisieren.
Dabei las ich aus Publikationen, dass Mouton-Rothschild vom ehemaligen Deuxième Status, mit dem Jahrgang 1973 zum Premier Grand Crus avancieren konnte.

Was ich jedoch aus dieser Epoche verkostete, machte mich selten glücklich. Und da ich Weine eigentlich zum eigenen Genuss kaufe oder um mit Freunden zu teilen, wollte ich mich von diesen nicht begeisternden Flaschen trennen.
Doch das Veräusserungsunterfangen gestaltete sich nicht einfach. Die Auktionskataloge waren berstend voll von Mouton-Flaschen und die Preise lagen am Boden.

Wenn Verkaufen nicht attraktiv genug ist, scheint das Entkorken dann doch wiederum die besser Alternative. So war ich denn recht froh, dass ich gewisse Flaschen über den Mouton-Memory-Abend «entsorgen» konnte. Da hatte ich nämlich den «Fünfer und das Weggli», wie die Schweizer manchmal zu sagen pflegen.

Denn – so bekam ich gutes Geld für meine Mouton-Flaschen und durfte dabei erst noch gratis mitschlürfen. Eine bessere Formel für diese Rothschild-Transaktion hatte ich bis noch vor ein paar Jahren nicht evaluieren können. Doch Zeiten können sich ändern! Bei Mouton, bei mir, aber auch bei den Gästen … Mouton-Rothschild mauserte sich in letzter Zeit an den Auktionen. Die Nachfrage stieg, die Preise zogen an. Daran ist nicht zuletzt der asiatische Markt mit schuld.

Mit zunehmenden Alter, wird man des Degustierens etwas müde. Ich schätze heute lieber einen Wein über längere Zeit zu geniessen, wie zwei Dutzend Provenienzen über einen Abend zu Verkosten. Gleichzeitig schien es mir, dass sich das Interesse an einem spezifischen Mouton Abend seitens Publikums reduzierte. Doch dieser Eindruck täuschte. Im Nachhinein … Da ich sehr lange im Voraus plane, hatte ich den Mouton-Abend im Januar 2019 schon längst publiziert und auch bereits ein paar Anmeldungen ins Excel eingetragen. Etwas später entschieden wir, mit Freunden im Januar 2019 eine längere Reise nach Australien und Malaysien zu unternehmen. Also musste ich den Mouton-Abend verschieben. Als ich das neue Datum festgelegt hatte, lud ich eine neue Excel-Datei mit dem Vermerk «2019 / Moutonabend / Februar» auf meinem PC herunter. Daraufhin meldeten sich in den folgenden Monaten Teilnehmer an. Doch der Event füllte sich nur schleppend.

«Komisch», dachte ich mir. Jetzt hatte ich den Preis seit Jahren gleich gelassen, das Angebotene war von der Palette her äusserst schmackhaft, der Mouton legt im Markt an Attraktivität zu und trotzdem will es mir nicht gelingen, den Abend zu füllen. Also war es an der Zeit mit dieser Tradition zu brechen. Aufhören, wenn es am Schönsten ist! Und so brachte ich bei der Eventankündigung den Zusatz: «Letzter Mouton-Abend» an.
Als ich die Bestätigungen raus mailen wollte, stellte ich mit Schrecken fest, dass sich zwei Dateien (Januar und Februar) mit dem ein und demselben Event im Computer befanden. Jetzt war der Abend masslos überbucht und musste den Schlamassel irgendwie flicken. Dies konnte ich in der Folge regeln, indem ich parallel eine Woche später nochmal einen ähnlichen, inoffiziellen Mouton-Abend im Old Swiss House organisierte.

Als der Wirt Philipp Buholzer erfuhr, dass dies dann der letzte Mouton-Abend bei ihm stattfinden sollte, reklamierte er. Denn er wollte irgendwann mal – bei einer besonderen Gelegenheit – eine Flasche Mouton Rotschild 1961 aus seinem Keller sponsoren. Dieses tolle Angebot konnte ich auf keinen Fall ausschlagen. Und so findet denn im Januar 2020 (bereits auf www.weingabriel.ch publiziert) der allerallerletzte Mouton-Abend statt. Wenn es denn so ist …


1988 MOUTON-ROTHSCHILD: KAUFEN! KAUFEN! KAUFEN!

Der berühmte, britische Weinautor Hugh Johnson deklarierte einst Weinliebhaber als intelligent. Manchmal zweifle ich aber an dieser These. Besonders in Bezug auf gereifte, grosse Bordeauxweine.

So kann man jetzt noch im Markt problemlos Kistenweise Mouton 1988 kaufen. Und zwar für weniger als 500 Franken. Das ist heute ein fast legendärer Mouton und bei optimalen Flaschen bekommt man da eine ziemlich grosse 20-Punkte-Garantie mitgeliefert!   


Aber nein – es scheint, dass ganz viele Weinfreaks lieber für ganz junge Jahrgänge deutlich mehr bezahlen wollen.

Gut für mich, denn seit Jahren kaufe ich von diesem Wein, wenn immer möglich nach. Das Foto (oben) habe ich selbst gemacht. Mit dem Portraitmodus. Einfach eine Kiste rausziehen und klicken. So einfach geht das …

1988 Château Mouton-Rothschild: Unglaublich dunkle Farbe, irgendwie hat man das Gefühl blickmässig immer noch lila Reflexe im Innern zu erhaschen. Die Nase ist extrem tiefgründig, Trüffel und Teer, dann Malz, Rindsbouillonpaste, Pumpernickelbrot. Der Gaumen ist fleischig, satt und die Tannine sind gerundet. Der gigantischste Eindruck entsteht eigentlich, wenn man den Wein im Nachklang nochmals so richtig auslotet! Das war eine dramatisch grosse Flasche. Er gibt sich jetzt reif und ist mit einem weiteren Genusspotential von mindestens 30 weiteren Jahren versehen. Es gibt davon minim unterschiedliche Flaschen. Das war ein solides Meisterexemplar! 20/20 trinken

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AUS ZARTER FRAUENHAND

Aus zarter Frauenhand! Seit 1992 ist die Familie Chevrier-Loriaud Besitzer von diesem Château, welches eher einem Bauernhof gleicht. Doch wichtig ist nicht wie das Weingut ausschaut. In die Region Blaye verirren sich eh nur wenige Weinjournalisten.
Gemäss Webseite wird der Wein zu 99 % aus Frauenhand hergestellt. Vom Blend her ist er zwar für die Region, aber nicht für Bordeaux typisch. Die Assemblage besteht nämlich aus zwei Drittel Merlot und einem Drittel Malbec!
Bel-Air la Royère ist in der Schweiz bekannt durch seinen Entdecker und emsigen Förderer Max Gerstl. Er hat mich vor ein paar Jahren einmal in die Region zu einem sonntäglichen Lunch geschleppt. Seitdem empfinde ich viel Sympathie für diesen wenig bekannten Wein und er hat mich noch bei keinem Kontakt enttäuscht.

1999 Château Bel-Air La Royère: Imperiale. Sattes, sehr dunkles Rubin-Granat, wenig Reifetöne. Kirschiges Bouquet, Sommerflieder und Rosenpfeffer. Im Hintergrund zeigt sich eine minim grützenhafte Süsse. Im Gaumen stoffig, die Beeren schwanken hier von Rot auf Blau, man findet gar noch Cassis und Maulbeeren. Insgesamt kann man ihm burgundische Allüren zugestehen. Ein bemerkenswerter Wein was Preis- und Alterung anbelangt. Wirkt noch sehr frisch für einen 20jährigen Wein. Aber da wird wohl auch der Grossflaschenbonus eine Hand im Spiel gehabt haben. 17/20 trinken     

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Zwischen Mensch und Wein ist das Glas das wichtigste Verbindungsglied. Es muss alles transportieren können, was die Flasche hergibt!

Aus diesem Grund habe ich das Gabriel-Glas geschaffen. Es gibt mir das Gefühl, alles zu erleben, was vom Genuss her möglich ist!     










                                     www.gabriel-glas.com

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MONSIEUR CHEVALIER
 
Olivier Bernard gehört zu den besonders ausgeprägten Winzerpersönlichkeiten des Bordelais! Er schreibt, vor allem im Süden von der Stadt Bordeaux, seine persönliche Erfolgsgeschichte. Seit 35 Jahren …

1983 übernimmt er das Familienweingut Domaine de Chevalier in der Gemeinde Léognan. Damals beträgt die Rebfläche 18 ha. Heute stehen 45 Hektar in der Produktion.

Genau 10 Jahre später, also 1993, engagiert er sich in der Graves-Region für die Domaine de la Solitude und bringt diese nach oben.

Im Jahr 2006 beteiligt sich Olivier Bernard – zusammen mit Stephan de Neipperg (Canon-La Gaffelière), Robert Peugeot (Autoher-steller) und Xavier Planty (Direktor Guiraud) – am Château Sauternes-Château Guiraud.

2009 wird ein weiteres Weingut aus Pessac-Léognan ins wachsende Bernard-Portfolio aufgenommen; Château Lespault-Martillac.

2011 lanciert der emsige Bordeaux-Winzer das Projekt Clos des Lunes. Mehr darüber auf der nächsten Seite.
In den letzten Jahren amtierte Olivier Bernard zudem noch als Präsident der angesehenen Union des Grands Crus. Und ist Vize-Präsident der Académie du Vins de Bordeaux.

Bernard ist ein unermüdlicher Ambassador für Bordeaux und deren wunderbaren Weine.
Wer diese weltberühmte Stadt an der Gironde via Flugzeug besucht, der kann sein neuestes Projekt bestaunen: Als besonders vinösen Willkommensgruss liess Olivier Bernard direkt beim Airport Reben anpflanzen …

Am 4. Februar 2019 setzte sich Olivier Bernard ins Flugzeug um seine beeindruckende Palette an weissen, roten und süssen Weinen vorzustellen. Der Sempacherhof im Luzernischen Sempach-Station war schon seit Monaten ausgebucht und rund 80 Gäste nahmen auf den begehrten Stühlen Platz.
Folgende Weine wurden in die Gabriel-Gläser eingeschenkt.

2014 Clos des Lunes, Lune d'Argent, Bordeaux blanc (Bouteilles)
2009 Esprit de Chevalier, Pessac-Légonan  blanc 2009 (Double-Magnum)
1999 Domaine de Chevalier, Pessac-Léognan blanc 1999 ( Impériale)
2009 Domaine de la Solitude rouge, Pessac-Léognan 2009 ( Impériale)
2009 Château Lespault-Martillac rouge, Pessac-Léognan (Bouteille)
1979 Domaine de Chevalier rouge, Pessac-Léongan ( Magnums)
1989 Domaine de Chevalier rouge, Pessac-Léognan (Bouteilles)
1999 Domaine de Chevalier rouge, Pessac-Léognan (Double-Magnum)
2009 Domaine de Chevalier rouge, Pessac-Léognan (Bouteilles)
2009 Château Guiraud, Premier Grand Cru, Sauternes (Impériale)

Der Erlebnisbericht auf fünf Seiten: www.bxtotal.com 

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HABEN SIE AUCH EINE «JUBILÄUMFLASCHE» ZU HAUSE?


Da strahlt unser Einschätzer Carlo Haueter!

In der Hand hält er eine ganz besondere Trophäe! Es ist eine Impérialflasche Château Pétrus 2000. Das ist eine unglaubliche Rarität und es ist schwierig abzuschätzen, zu welchem Hammerpreis da ein neuer Besitzer den Zuschlag erhält. So zwischen 30'000 bis 60'000 Franken ist alles möglich. Vielleicht auch mehr?

Wir haben schon ganz viele Zusagen für unglaublich tolle Weine. Unter anderem kommen mehrere Dutzend Flaschen von der Domaine de la Romanée-Conti in den Auktionskatalog …

Im Rahmen der «100. AUKTION DER WEINBÖRSE», welche am 4. Mai 2019 in Bad Ragaz stattfindet suchen wir noch ganz besondere Trouvaillen, Legenden, Originalkisten und Grossflaschen.

Das wäre jetzt der richtige Moment, um Ihre längst gehüteten Schätze zu vergolden. Unsere Auktionsliste wird nicht nur in der Schweiz gesehen. Viele Broker und Weinhändler aus dem Ausland bieten an unseren Versteigerungen regelmässig mit. So erreichen unsere Einlieferer die besten Welttagespreise für deren Weinschätze.   

Noch bis Ende haben Sie die Möglichkeit eine Inventar- / Angebotsliste Carlo Haueter wb@weinauktion.ch zu schicken.

Rund um die Jubiläums-Auktion gäbe es noch Events. Diese sind aber leider alle schon im Vorfeld ausgebucht.

Während unserer Live-Auktion können Sie eine extrem rare Weltpremiere in Sachen Schweizer Pinot verkosten und auch ersteigern. Aber nur total 30 Flaschen. Wir sehen uns in Bad Ragaz?  www.weinboerse.ch

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GENUSS IST DIE ERFÜLLUNG EINER VISION

Das steht bei mir als Eingangsslogan auf der weinigen Webseite www.weingabriel.ch. Heute las ich im Facebook von einem Glückspilz, der vom Martha’s Vineyard mehrere Flaschen besitzt. Was heisst da mehrere Flaschen? Ich sah ein Foto von einer veritablen Kartonwand. Voll bespickt mit diesem kultigen Cabernet Sauvignon aus dem Napa!   

Und dieses Bild blieb mir den ganzen Nachmittag im Kopf und erschien immer wieder wie ein weggeworfener Bumerang vor meinem geistigen Auge. Als ich in der Küche fertig gekocht hatte, musste ich eine Entscheidung für den heutigen Tischwein treffen. Aber das Hirn hatte keine Chance gegen das «geistige Auge».

Also griff ich zu einem 1987 Martha’s Vineyard von Heitz. Jetzt sitze ich vor dem Compi unten, derweil oben es herrlich vom Ofen duftet. Und auch im Glas vor mir duftet es ganz herrlich. Nach reifem, autochthonem Kalifornier. Da sind erst Malz, Leder, Kräuter und gekochtes, kaltes Pflaumenmuss, dann dunkle Schokolade, dann ein Nasenblend aus 70 % Eucalyptus und 30 % Minze. Im Gaumen spürt man im Untergrund das berühmte «Dümpeln» alter Heitz Weine. Das geht dann vielleicht weg. Oder bleibt im Hintergrund. Es gibt keinen anderen Rotwein auf der Welt, dem ich so viel verzeihe wie einem Martha’s. Besonders wenn er heute immer noch so jung ist und durch seine Reduktion durch die restlichen Gerbstoffe ein weiteres Potential von zig Jahrzehnten anzeigt. 19/20 trinken

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KULTPINOT AUF DEM TISCH

Die Titelbehauptung ist marktschreierisch.

Ein Wein wird nämlich erst zum Kult, wenn er sich im Markt über lange Zeiten etabliert hat. Und die Nachfrage wesentlich grösser ist als das Angebot. Ein Angebot zu dem sagenhaften 2013er Pinot von Donatsch gibt es zwar noch nirgends. (Produktion total: 300 Flaschen).

Wir dürfen aber in Bad Ragaz an der 100. Weinbörse 30 Flaschen davon versteigern. Wer je die Chance hatte, diesen Wein zu verkosten, der wird ihm aber spontan den Kultstatus verleihen. Einen solchen Pinot Noir hat die Schweiz noch nie gesehen! Wer an die Auktion kommt, darf diesen XXXXX vor der Mittagspause verkosten. Und nach der Mittagspause ersteigern.

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Sie müssen gegen mich als Bieter antreten ...

Auf dem Bild von links: Martin Donatsch, René Gabriel, Heidi Donatsch, Thomas Donatsch

Infos folgen: www.weinauktion.ch

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MANDELGARTEN IM GLAS

Ein Wein aus dieser Lage vom Jahrgang 2002 ist zwar schon recht gereift. Die Geschichte von diesem Grossen Gewächs ist aber noch viel älter. Bereits im Jahr 1456 wurde dieser Weinberg im Zinsbuch des Kloster Weißenburg erwähnt. Der Mandelgarten gehört zum Besten, was die Pfälzer Weinbaugemeinde Gimmeldingen zu bieten hat.

Meine Geschichte ist logischerweise etwas jünger. Beim «Inventar srcollen» stiess ich auf einen vergessenen Posten. Den 2002er Mandelgarten von Christmann hatte ich vor vielen Jahren einmal bei einem Weingutsbesuch gekauft. 19 Flaschen befanden sich noch im Keller und ich überlegte mir, ob ich diesen Riesling nicht in eine grosse Raritätenprobe im Jahr 2020 (siehe www.weingabriel.ch / Events) integrieren wollte.

Wer grosse Weine ankündigt, der sollte sich dessen auch sicher sein. Und so machte ich heute eine «Stichkontrolle». Und dieser Check bereitete mir unglaublich viel Spass.

2002 Riesling Mandelgarten, Christmann, Gimmeldingen, Pfalz: Bereits an der Farbe würde man nie auf einen 17jährigen Weisswein schliessend. Immer noch hellgelb, leicht golden mit grünem Schimmer. Die Nase angenehm süsslich, wuchtig, ausladend mit Spuren von tropischen Früchten wie Papaya, Passionsfrucht und Jackfrut, eine Nuance milder Honig, Melissentöne und feinen Kümmelwürznoten, die herkunftsträchtige Mineralik ist parfümiert zu erahnen. Im Gaumen füllig und lebendig, reich und wunderbar gereift. Riesling muss tanzen und er tanzt. Irgendwo im Hinterkopf hat man eventuell das Gefühl noch hell caramelisierte Mandeln zu erhaschen, aber das liegt wohl auch an dem affinen Namen Mandelgarten. Da freut mich jede Flasche, die ich mit meinen Freunden teilen darf. 19/20 trinken  

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LUST AUF EINE KONKRETE BLINDPROBE?

Eigentlich hasse ich Blindverkostungen! Die daraus resultierenden Resultate schiessen oft weit am eigentlichen Ziel vorbei.

Vor einer Woche sass ich bei einer recht gemütlichen Runde mit unserem Gabriel-Glas-Importeur Boon in Singapur. Doch gemütlich war es nur so lange, bis einer der geladenen Gäste ansetzte und von einer gewaltigen Blindprobe vom letzten November berichtete. Sie hätten da zwölf verschiedene Chevalier-Montrachet’s vom Jahrgang 2014 blind gegeneinander verkostet. Geht’s noch! Einen so grossen und raren und logischerweise auch sehr teuren weissen Burgunder richtet man nicht, man geniesst ihn bewusst und mit Demut. Auch wenn es ein und derselbe Cru ist, so sind doch die Stilrichtungen verschieden. Die Favoriten – reine Geschmacksache! Dabei sei angemerkt, dass mein letztes Chevalier-Erlebnis schon viele Jahre zurück liegt …
Im April vergangenen Jahres durfte ich in Holland bei einer Magnum 2010 Romanée-Conti dabei sein. Sicherlich ein ganz grosser Wein, aber noch viel zu jung. Hätte man mir diesen exorbitant-teuren Wein blind serviert – ich hätte ihn wohl tendenziell «verpasst».

In meinen önologischen Anfängen stellten wir – unter Freunden – oft Blindproben zusammen. Meist mit konkreten Rahmenbedingungen. Ich muss zugeben, dass ich dabei viel lernte. Wichtig war es mir immer, dass ich die grossen Weine von den bescheideneren unterscheiden konnte. Auch generierte ich aus diesen Events meine persönlichen Kaufempfehlungen.  

Ganz besonders schlimm sind die «Tutti-Frutti-Blindproben». Man hat keine Ahnung was kommt und die Weine stammen aus verschiedenen Ländern, Jahrgängen und Rebsorten. Wenn man sich dann ganz intensiv konzentriert, um den Weinen möglichst gerecht zu werden, hört man von Ferne immer wieder die lästigen «Prahler-Errater». Nach dem Motto: «Die Nummer vier ist ganz sicher ein Mouton!». P.S. der Begriff «Errater» stammt aus dem Lateinischen «Erratum» und heisst sinngemäss «einen Fehler begehen». Meist werde ich da noch höflich gezwungen das Chaos zu kommentieren …
Und trotz allen Voten will ich Euch hier eine ganz besondere, konkrete, spannende Blindprobe schmackhaft machen!

Sechs Bordeaux aus Pauillac treten gegen sechs hoch bewertete Weine aus dem Napa an. Alles Cabernet oder was? Alle vom gleichen, beidseitig grossartigen Jahrgang 2015. Auf beiden Seiten wird das gleiche Budget auf die Waagschale gelegt. Die Teilnehmer sind die Juroren und bestimmen die Rangliste. Baschi Schwander und ich sind die weinbeschreibenden Kontrahenten. Der Termin ist der Samstagmittag, 30 März in Zürich. Infos dazu hier

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BORDEAUX-ABSTINENZ

Wenn ich hier an dieser Stelle schreibe, dass ich einen ganzen Monat lang keinen einzigen Bordeaux vor mir im Glas hatte, dann werden viele Leser dies sofort als Fake-News abtun. Es ist aber wahr und hat gar nicht weh getan. Auf unseren Reisen durch Australien und Asien mussten wir – mangels fairer Angebote – meistens auf Alternativen zugreifen. So konnte ich viele neue Weine kennenlernen oder bei den Australiern auf bekannte Weingüter zugreifen. Aufgrund der Hitze war es meistens intelligenter viel Wasser zu trinken oder ein lokales Bier zu ordern.

Gestern kam die Renaissance. So lange stand ich noch nie im Keller, bis ich mich endlich entschlossen hatte. Die Wahl fiel auf den Lynch-Bages 1985. Ein kühler, defensiver Pauillac. Elegant, nicht aufdringlich, immer noch sehr bekömmlich. Während 30 Tagen vermisste ich den Wein aus Bordeaux in keiner Weise. Und jetzt spürte ich bei jedem Schluck was ich einen Monat lang verpasste.

Ich stamme zwar aus der Schweiz, aber beim Bordeaux kommen bei mir schon auch gewaltig viele Heimatgefühle auf ...    



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GÜNSTIGER TREIBSTOFF

Als ich 1975 erstmals den Tank meiner Billig-Occasion füllen musste, zahlte ich in der Schweiz pro Liter Normalbenzin 98 Rappen.
In Australien haben wir im Januar 2019 unser Mietauto mit umgerechnet 85 Rappen pro Liter getankt.

Danach waren wir in Malaysien. Dort ist der Sprit noch billiger ...
Wenn wir hier Auto fahren, dann unterstützen wir ganz kräftig den Staat, damit er sich immer wieder neue Spielchen mit den Autofahrern aushecken kann.



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Tofu, Seegurke, getrocknete Austern in Singapur.

Kann sein, muss aber nicht ...

#bestellichniemehr

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