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WAS SO ALLES PASSIERTE IM JAHR 2021 ...

ST. LAURENT-WUNDER AUS TATTENDORF

Das Epizentrum von fantastischen St. Laurents liegt in der Thermenregion. Andernorts gibt es auch sehr gute Weine aus dieser Rebsorte. Aber in der Langzeitmessung hat wohl keine andere Weinregion in der Welt eine reelle Chance da mitzuhalten.

Ich erinnere noch gut, wie ich ausflippte als ich den 1997 St. Laurent von Reinisch nach der Flaschenabfüllung auf dem Weingut probierte. Der war so unverschämt gut, dass ich mir ein paar Flaschen erwarb.

Heute habe ich wieder mal erst in das entsprechende Flaschenregal und dann zum sofort Korkenzieher gegriffen. Wow! Immer noch tiefdunkel, praktisch kein Reifeschimmer. Die Nase eine Aromenbombe von Pflaumen, Mokka, Lakritze, dunklen Edelhölzern du zerdrückten Szechuan-Pfefferkörnern. Im Gaumen merkt man in Spurenelementen, dass dieser Wein nicht «unholzig» auf die Welt kam. Aber genau dieser Umstand hat ihm wohl zu einem so unglaublich langen Leben verholfen. Schon fast ein Monument. Vor allem ein Reinisch-Wein, der das oft unterschätze Alterungspotential von diesen genialen Weinen (auch beim Pinot) dokumentiert. Bravo! 19/20 

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DIE FÜNFTE LIGA VON PAUILLAC
 
Das Titelbild ist für einmal nicht besonders repräsentativ. In erster Linie ist das Bild nicht vollständig. Und zweitens; wir haben andere Weine getrunken …

Oder halt schon auch ein paar dieser Weine, aber mit anderen Jahrgängen. Was aber mit dem Titelbild sicherlich dokumentiert wird?
Es handelt sich um die beliebtesten und somit auch in der Regel besten Weine der «fünften Liga» der Appellation Pauillac.
Damit ist die Kategorie der «Cinquième Grand Crus Classés» gemeint. Also Weingüter, welche im berühmten und – mit wenigen Ausnahmen – festgemeisselten Klassement vom Jahr 1855 als «fünfte Gewächse» prämiert, respektive deklariert wurden.
Ein paar Weine fehlten auf dem Bild. Es sind – zumindest aus meiner Sicht – Weingüter aus Pauillac, welche es aus qualitativen Gründen nicht in meinen privaten Keller schafften. Es sind dies Croizet-Bages, Lynch-Moussas und Grand-Puy-Ducasse. Diese letzteren drei sind angenehme Weine, stagnieren aber seit Jahrzehnten in deren Qualität. Sie sind in meinen persönlichen Kauf-Selektionskriterien schlichtweg unten durchgerutscht.

Dafür sind andere Weine dieser Kategorie reichlich in meiner Inventur vorhanden. Im Lead liegt Lynch-Bages, gefolgt von Grand-Puy-Lacoste. Der «G-P-L» ist ein Gabriel-Must, weil es einer der Lieblingsweine von meiner Karin ist. Natürlich darf der Pontet-Canet auch nicht fehlen. Hier bevorzuge ich das Mittelstück. Also die Jahrgänge von 1995 bis 2009. Viel Freude bereitet mir auch nicht selten den Clerc-Milon. Hier ist der 1990er einer meiner Lieblinge.

Auch vom d’Armailhac gibt es noch ein paar kleine Restbestände. Es sind Überbleibsel meiner Mouton-Verkostungen, welche jeweils im Old Swiss House in Luzern stattfanden. Die Qualitäten sind leider nicht immer identisch mit den Jahrgangsvorgaben.
Haut-Batailley war immer ein korrekter Pauillac mit einem artisanalen Geschmack. So wie früher halt. Der Batailley ist ein sehr guter  «Preis-Leistungs-Pauillac». Den horte ich nicht, sondern bestelle ihn gerne mal im Restaurant. Vom Haut-Bages-Libéral sind noch ein paar reife Flaschen da welche auf einen baldigen Einsatz warten.

Gerne eingekauft hatte ich «meine Entdeckung» den Pédesclaux 2009. Das war der erste, wirklich gute Jahrgang von diesem zu lange vernachlässigten Weingut.

Nachfolgend ein paar Reminiszenzen von unserer Probe rund um die Pauillac-Cinquèmes ...

START MIT JAHRGANG 1961

Orange Wine? Von der Farbe her hätte man es vermuten können. Dies lethargisch anmutende Weingut dümpelt seit Jahren im Markt dahin. Die Preise liegen um 50 Franken oder deutlich darunter. Je nach Jahrgang. Der Zweitwein wird unter verschiedenen Namen lanciert.  

1961 Château Croizet-Bages: Füllniveau; obere Schulter. Fast kein Rot mehr in der Farbe zu sehen, eher Orange – vor allem am Rand. Torfiges Bouquet, Tomatenmark, Rosinen, altes Leder, ergänzt mit uraltem Pferdesattel und getrocknetem Pferdemist. Im zweiten Ansatz strahlt er eine trockene Süsse aus, Thymian, dezent ätherisch. Im Gaumen schlank, asketisch, mehr Muskeln wie Fleisch im Finale sind Kapseltöne zu vermelden. Insgesamt vermittelt dieser 60jährige Wein eine mässige Trinkfreude. 15/20 vorbei  


SEIT 1970 IM BARON BESITZ

Baron Philippe de Rothschild erwarb dieses fünftklassierte Gewächs im Jahr 1970. Den ersten Namen verlieh ihm der damalige Besitzer Jean-Baptiste Clerc. Kurz vor seinem Tod veräusserte er sein Weingut 1863 an den Notar Jacques Mondon.

Dieser liess seinen Wein umtaufen in Clerc-Milon Mondon. Nach Mondons Tod im Jahr 1897 führte seine Witwe das Weingut weiter. Danach erbte die Tochter Germaine (verheiratete Vialard) dieses sich im Weiler Milon befindliche Château. Das Weingut war ziemlich heruntergewirtschaftet und die Weine wurden von 1947 bis 1969 exklusiv über das Weinhandelhaus Dourthe verkauft.

1970 erwarb Baron Philippe de Rothschild Clerc-Milon Mondon und liess ab dem Jahrgang 1970 das «Mondon» weg und so bekam «Clerc-Milon» wieder seinen historischen Namen zurück. Interessant ist die damalige Kaufsumme, welche eine Million Francs betrug. Umgerechnet sind dies heute rund 1.5 Millionen Euro. Guter Deal!

1990 Château Clerc-Milon: Deutlich gereiftes Rot mit ziegelroten Reflexen am aufhellenden Rand. Süsses, rosiniges Bouquet, Malznoten, Dörrfeigen, Backpflaumen, Caramel und minime Honignoten. All diese süssen Eindrücke stammen wohl von einer überreifen Merlot-Charge. Nicht üblich, aber ziemlich berauschend. Im zweiten Ansatz; Zedernduft und heller Tabak. Im Gaumen gibt er sich hoch reif, gut balanciert und mit viel Charme. Er zeigt auf, dass er auf dem obersten Genuss-Peak ist. Würde man ihn blind erkennen? Als Jahrgang vielleicht schon, aber nicht als Pauillac, oder gar als Clerc-Milon. Gäbe es diese Kategorie, dann würde man ihn als «erotischen Bordeaux» bezeichnen. Und weil es diese Kategorie offiziell nicht gibt, muss man ihm halt sonst ein passendes Attribut zuteilen, damit er für Leser einfach zu erklären ist. Also; «Leider geil!». Seit ein paar Jahren bevorzuge ich ihn dem Mouton gegenüber. Nicht weil er zwingend besser ist, sondern wesentlich zuverlässiger. Denn vom Mouton aus gleichem Hause findet man leider ganz viele Flaschenvarianten in allen Facetten. Die Wertung für diesen fantastischen, enorm süffigen Clerc-Milon: 19/20 austrinken   

DEN LES FORTS GIBT ES SEIT 1966 BEI LATOUR

Der damalige Direktor Jean Paul Gardère initiierte den Les Forts de Latour als Zweitwein im Jahr 1966. Heute ist es ein eigenständiger Cru mit Grand-Cru Qualität. Aber kein Cinquième. Aber wir machten da sehr gerne eine Ausnahme!

2000 Les Forts de Latour: Unglaublich tiefe Farbe, fast Schwarz in der Mitte. Intensives und gleichzeitig vielgeschichtetes Bouquet, Edelhölzer, Kaffee, Pumpernickel Brot, Brazil-Tabak und Périgord Trüffel. Im zweiten Ansatz dunkle Schokolade, Minze und würzige Küchenkräuter. Royaler Gaumenauftritt, feine Tannine, anhaltendes Finale. Dieser geniale Les Forts de Latour zeigt deutlich auf, dass er eigentlich ein eigenständiger Cru ist. Zwei Stunden dekantieren. 19/20 beginnen


DAS ORIGINAL-KLASSEMENT 1855

Das Originalklassement, welches im Rahmen der Pariser Weltausstellung evaluiert wurde, war gleichzeitig auch wertend. Will heissen, die Weingüter wurden nicht alphabethisch eingeordnet, sondern nach deren Handelswerten aufgelistet. Je bessere Preise ein Wein im erzielte, desto weiter oben stand er auf der Klassements-Liste.

Bei der damaligen Rangierung wurden die Handelspreise der letzten hundert Jahre mit einbezogen.

Somit führte der «Canet von der Familie Pontet» die Fünftenliste an. Croizet-Bages bildete das Schlusslicht. Ist irgendwie heute immer noch so …

Wer genauer hinschaut, entdeckt, dass im Jahr 1855 nur zehn Pauillac-Weingüter als Cinquièmes deklariert wurden. Heute sind es deren elf.  

Auf der Ur-Liste fehlt Château Haut-Batailley. Der Grund, das Weingut wurde nach 1855 aus erblichen Gründen aus dem Besitz von Château Batailley gesplittet. Weil, die Böden bereits als fünftes Gewächs eingestuft wurden, durfte das «neue Weingut», Château Haut-Batailley, ebenfalls mit demselben Adelstitel vermarktet werden.





LYNCH-BASCHI MAGNUM

Unter Weinfreunden wir Sebastian Schwander auch der «Lynch Baschi» genannt. Dahinter versteckt sich seine offenkundige Begeisterung für den Lynch-Bages. Dies, nebst vielen kalifornischen Weinen mit welchen er grossartige Raritäten-Tastings lanciert.

1985 Château Lynch-Bages: Magnum. Das Füllniveau war untere Schulter. Dies lag aber wohl daran, dass Baschi sich zu Hause bereits einen kleinen Schluck gönnte. Mittleres, gereiftes Weinrot mit aufhellendem Rand. Offenes Bouquet, einen leicht unterreifen Cabernet anzeigend, dies in Form von minimen Spuren von Geraniol und Paprika. Man findet aber auch noch rote und blaue Fruchtresten, sowie Milchschokotöne, zerdrückten Pfefferkörnern und getrockneten Herbsttrompeten. Im Gaumen saftig, lang, irgendwie schlank. Auch findet man eine «coole Cabernetnote», sehr angenehm ausklingend. Nicht zuletzt Dank dem Grossformat bietet dieser hoch reife Pauillac immer noch einen grossen Genuss, bei entsprechendem Trinkfluss. 18/20 austrinken

Der grosse Pauillac-Cinquièmd-Bericht auf 9 Seiten mit Bewertungen und Illustrationen. www.bxtotal.com

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BORDOLIEREN MIT RENE GABRIEL #4 

Hier geht es um den 2010 Irto Cantina Kopp von der Crone Visini, Barbengo (Ticino)  Zum Film
Von diesem Wein werden im Mai 120 Flaschen an der www.weinboerse.ch versteigert!

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PRIVILEGIERTER DIENSTAG-MITTAG 

Montrachet im Gabriel-Glas bei Freunden.  

Sublime Spitzenklasse. Balance in Reinkultur.

Demut pur!










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BORDOLIEREN MIT RENE GABRIEL #3 

Hier geht es um den 1978 Château Latour, Pauillac  (Film)
 
In loser Reihenfolge berichtet der Schweizer Weinkritiker René Gabriel über seine weinigen Erlebnisse. Bordeaux steht da meist im Zentrum. Seine Eindrücke notiert er auch in seiner Websuchmaschine www.bxtotal.com mit über 62'000 Verkostungsnotizen. Ergänzt durch informative und illustrierte PDF-Storys. 

Gratisinformationen zu Weinen, Verkostungen und Weinreisen findet man auf seiner offiziellen Webseite www.weingabriel.ch
Degustiert wird immer aus dem Gabriel-Glas. www.gabriel-glas.com
Viele schöne Weinerlebnisse wünsche ich Euch und Santé!

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WELCHES IST IHR LIEBLINGSWEIN?

Sucht man im allmächtigen Internet nach «Lieblingswein», wird man sehr schnell auf kommerzielle Seiten gelockt. In meinem Versuchsfall nach diesem Begriff stand zuoberst lieblingswein.ch. Dahinter versteckt; ein Weinhändler. Gleich darunter; lieblings.weine.de. Dahinter versteckt; ebenfalls ein Weinhändler.

An dritter Stelle berichtet die deutsche Lebensmittelzeitung, dass die Weinkellerei Peter Mertes unter dem Markennamen «Lieblingswein» gleich mehrere halbtrockene Cuvées im Halbliter anbietet. Die Weine kosten einerseits nur 2.99 Euro, hätten aber – gemäss beiläufiger Info – das «Potenzial zum Favoriten- Status».

Weiter geht die Suche. Und wieder fliegt die Suchmaschine auf einen Weinhändler rein; deinlieblinigswein.de. Spannender und recht ausführlich über eine mögliche Definition berichtet silkes-weinkeller.de im Weinblatt.

Beim nächsten Versuch werde ich in meine Wohngemeinde Eschenbach gelockt. Dort berichtet die Weinhändlerin Romy Widmer über eine Verkostung, welche mit ihren Lieblingsweinen vor zwei Jahren stattfand.

PARKER’S LIEBLINGSWEIN

Auch hier bringt eine Suche nichts Konkretes. Auch mein eigener Name schiesst für eine treffende Antwort weit am Ziel vorbei.
Man könnte die Frage in den Raum stellen, ob ein Lieblingswein denn im Prinzip einfach nur ein extrem beliebter Wein ist. So nach der Kategorie «meistverkaufte Flaschen». Wenn man von einem Wein sehr viele Kartons verkauft, dann muss er doch zwangsweise ein «Everybodys-Darling» sein.

LIEBLINGSWEIN-WANDERUNG

So alle zwei Wochen wandern wir eine Runde um Eschenbach. Ein paar Freunde. Etwas frische Luft. Bewegung. Natur. Ab 17 Uhr wird gewandert. Eine gute Stunde später treffen wir uns dann bereits in einer Hütte im Schrebergarten. In meinem Weinkeller. Oder – wie diesmal im «W1». Das ist die gepflegte Motorradwerkstatt von Freund Bärti.


DIE NAPA-LEGENDE SCHLECHTHIN

Der legendäre Winzer Joe Heitz begann mit seinen ersten offiziell gefüllten Cabernets im Jahr 1966. Immer wenn er seinen Marthas Vineyard besonders gut fand, beklebte er ihn mit einem farbigen Spezialetikett. Dies war 1974 erstmals der Fall. Heute ein rarer und gesuchter Wein mit einem Marktwert von rund 2000+ Franken. Abgefüllt wurden damals 52'125 Flaschen. Wir genossen an unserem Lieblingswein-Abend die Nummer 34'391.

1974 Cabernet Sauvignon Marthas Vineyard, Heitz, Napa Valley: Die Farbe war Schwarz und Braun gleichzeitig. Das Bouquet entwickelte sich von der ersten Sekunde an in einen multiplizierenden Aromen-Wahnsinn. Viel Malz, eingedickter Birnensaft, rotes Peru Balm, Pflaumenkompott, Guinness Bier und Coulure (sehr dunkles Caramel). In den ersten Sekunden schwang eine fette Süsse oben auf. Dann drängten andere Schichten in Nasenbild; Kräuter, Minze, getrocknete Baumnussschalen, Ricola- Bonbons, blühender Kapernbusch und (daran muss man sich bei einem Marthas gewöhnen) Eucalyptus. Der Gaumen füllig, cremig, ja üppig. Ein wahrlich mundfüllendes Erlebnis, die Tannine sind reich, aber voll und der Wein fühlt sich auf einem schon lange dauernden Genusspeak an. Das bombastische nicht enden wollende Finale endet mit einer Mischung von Feigensirup und Fernet Branca. Ich habe das Privileg diesen Wein schon ein paar Mal im Glas vor mir zu haben. Und es ist jedes Mal ein ehrwürdiger Moment an dieser Napa Legende laben zu dürfen. Da die fast leere Flasche vor mir stand, goss ich mir am Schluss noch das Depot ein. Hier verstärkten sich die Aromen nochmals zusätzlich und ich nahm Rauch, schwarzes Pfeffermehl und Trüffel wahr. Das Cabernet-Dopamin schiesst durch den ganzen Körper und vermittelt heftige Genuss-Glücksgefühle. 20/20 austrinken

LAUCHKUCHEN UND SALZBERG

Der oben abgebildete Kuchen mit Frühlings-zwiebeln, Mascarpone, Eier, Speckwürfel stammte aus meinem Ofen. Die unten beschriebene Magnum aus Bärtis Weinkeller.

2004 Salzberg, Heinrich: Magnum. Immer noch tiefe Farbe mit roten und blauen Reflexen durchzogen. Die Nase zeigt schwarze Früchte wie Cassis, Brombeeren und ist mit Eisenkraut und Lakritze gewürzt. Im Gaumen fleischig, fest, konzentriert und beeindruckend. Für mich ist das einer der grössten Austria-Rotweine in seiner Reifephase. Bravo! 19/20 trinken

I HAVE A DREAM

Hier geht es nicht um den legendären Anfangssatz von Martin Luthers Rede im Jahr 1963, sondern um eine Konversation von Christian Moueix und mir.

Als Einkäufer von Mövenpick wurde ich jedes Jahr nach der Primeurprobe ins Privathaus an der Dordogne eingeladen. Dort gabs immer feines Essen und ziemlich legendäre Weine. Das aufmerksame Personal bemerkte recht schnell, dass diese Weine in der Regel sehr gut ankamen und so flossen die reifen Pomerols manchmal buchstäblich «in Strömen».

Christian und ich waren am späteren Nachmittag wohl etwas angeheitert und da fasste ich den Mut ihm von einem besonderen Traum zu erzählen …

«Ich träumte von einem Wein der aus je einem Fass Haut-Brion, Latour, Lafite, Mouton, Margaux, Cheval-Blanc, Ausone und Pétrus bestand».    

Christian wurde nachdenklich und fragte mich höflich, wie ich mir denn so einen Wein letztendlich vorstellen würde.

So antwortete ich vorsichtig: «das ergibt wohl einen sehr grossen aber möglicherweise schwer zu definierenden Wein!».

Christian war zufrieden mit meiner Antwort und wir tranken ein weiteres Glas Rotwein.   

«Dann hatte ich nochmals einen Traum!»

«Was noch einer? Wieder mit Wein?»

«Ich habe mir erträumt, dass man einen noch nie dagewesenen Wein mit einer speziellen Assemblage kreieren würde. Den besten Cabernet Sauvignon von Château Latour. Den besten Cabernet Franc von Château Cheval Blanc und den besten Merlot von Château Pétrus!»

Christian lehnte sich zurück, dachte kurz nach und aus ihm sprudelte spontan eine mögliche Vorstellung wie der Wein schmecken könnte: «Das gibt einen Dominus!!!»

Das Foto entstand bei meinem Dominus-Besuch im Jahr 2011. Wie der Dominus 1994 schmeckte und warum er von 1983 bis 1990 mit Portraits von Christian Moueix auf der Etikette versehen war, kann man auf www.bxtotal.com nachlesen. 

WELCHES LIEBLINGS CHÂTEAU?
 
Als ich diesen Artikel schrieb, kam mir die Zeit vor meiner Tätigkeit als Wirt im Hotel Kreuz in Sempach in den Sinn. In den Jahren zwischen 1982 bis 1986 traf ich mich, jeweils mittwochs, regelmässig mit meinen lokalen Weinfreunden zu nachmittäglichen Grillpartys.

Walter war der «Pichon-Lalande». Markus der «Ducru-Beaucaillou» und ich der «Palmer».

Dies hatte zur Folge, dass diese Weine regelmässig zelebriert wurden. Nicht zuletzt deshalb, weil jeder von seinem Lieblings-Château einen ansehnlichen Bestand im Keller pflegte, welcher an diesen Treffen in wohl erträglichem Masse redimensioniert wurden.

WEIN FÜR DIE EINSAME INSEL?

Ei wie lustig! Fast an jedem Interview wurde mir diese monotone Frage immer wieder gestellt. Begonnen hat dieser Fragezyklus wohl damals, als man vom Mövenpick-Gründer Ueli Prager eine Antwort entlocken wollte. Seine Antwort war kühn, denn er wollte nicht überheblich wirken und gleichzeitig etwas Marketing für seine Moueix-Pomerol Exklusivitäten verstecken. Also war sein einsamer Inselwein der Château Lafleur-Pétrus.

Zu Beginn von diesem stets wiederkehrenden Fragereigen antwortete ich meistens mit «Château Palmer». Lästigerweise hackten dann nicht wenige Journalisten nochmals nach und fragten nach dem möglichen Jahrgang.
Mit der Zeit wurde mir diese Bumerang-Frage zu blöde. Und ich antwortete lakonisch. «Egal was, Hauptsache eine Imperialflasche!». Beim Schreiben dieser Zeilen ist mir heute eine noch primitivere Variante in den Sinn gekommen.

Heute würde ich erwidern, dass ich tendenziell einen Rotwein auf die einsame Insel mitnehmen würde. Und ganz sicher keinen Weisswein. Dann würde ich auf das Nachhacken vom Journalisten warten, weil er dann mich fragen würde, warum es denn kein Weisswein sein sollte.

Und dann hätte ich sofort die passende Antwort parat. «Es ist die traumatische Angst, welche mich immer wieder bei dieser sehr originellen Frage nach dem einsamen Inselwein in nächtlichen Träumen verfolgt. Was mache ich, wenn es dort keinen Kühlschrank gibt?».

PINOT-LIEBHABER ANDRÉ

Er liebt Pinots in allen Facetten.

Dabei zeigt er eine nachvollziehbare Priorität für «richtige Burgunder».

André Kunz mag aber auch das Einfache: «Ich liebe es zu Hause den ganz einfachen, im Stahltank ausgebauten Wein von Denis Mercier zu geniessen. Der ist derartig gut, dass ich dabei fast ausflippe!»







TENERIFFA-FERIENWEIN

Leider war mein Pingus 1999 nicht grad die allerbeste Flasche an diesem Abend.

Aber er weckte immerhin Erinnerungen ...

Wenn wir nach Teneriffa fliegen, nehme ich meistens eine Flasche Pingus oder einen Vega-Sicilia mit.

Den Sylvester 2019 feierten wir mit dem 1999er Pingus. Der gefiel mir wesentlich besser als die mitgebrachte Flasche an unserem Lieblingswein-Abend.

Spontan schrieb ich damals meinem Freund und Pingus-Produzent Peter Sisseck eine SMS und bekam 13 Minuten später postwendend eine freudige Antwort.

MASSETO-UMWÄLZUNG

In Bärtis Weinkeller findet eine permanente «Masseto-Umwälzung» statt. Es vergeht wohl kaum einen Monat, an er nicht eine Flasche an irgendwelche Anlässe mitnimmt. Was bedingt, dass er die getrunkenen Flaschen zwangsweise durch neue, jüngere Jahrgänge ersetzen muss. Für Bordeaux Premier-Grand-Crus gibt der Hobby-Veteranentöffahrer wenig Geld aus. Für Masseto aber schon. Nicht selten bin ich von diesem Umstand glücklicher Profiteur.

An unserem Abend wurde der 2006er zelebriert. Kam gut an.






FETT UND STRUKTURIERT

Diesmal ist der Titel für eine formulierende Beschreibung nicht auf meinem Mist gewachsen. Wenn man im wine-searcher.com nach diesem Harlan 2005 sucht, dann wird er als «Bold and Structured» beschrieben.


2005 Harlan Estate, Napa Valley: Gibt es die Farbe dunkelschwarz eigentlich wirklich? Wenn es diese tatsächlich gäbe, so könnte man diese Deklaration beim Harlan 2005 bedenkenlos anwenden. Die überintensive Nase schiesst in den ersten Sekunden mit Aromen von Cassis-Brombeeren, Black Currant und schwarze Schokolade um sich. Dann folgt Lakritze, Vanillemark, Mocca und Schoko-Minznoten. Er wirkt direkt, frisch, also somit noch blutjung. So geht es im Gaumen weiter. Eine richtige Cabernet-Bombe, welche sich in den Folgejahren noch entschärfen muss. Denn die Tannine sind omnipräsent und passen jedoch absolut zu diesem sehr fleischigen, konzentrierten Kraftakt. Weniger wäre nicht das Maximum und mehr geht da auch nicht. Ein Wahnsinns Napa am Limit dessen, was man in die Flasche füllen kann. 20/20 warten 

GABRIEL’S LIEBLINGSWEINE

Es ist ein Versuch. Dies deshalb, weil die effektive Definition von Lieblingswein nicht schlusshaltig zu definieren ist. Ich kann mich hier auch nicht nur für einen einzigen Wein entscheiden. Denn – der Griff zu einem Wein, welchen man gegenüber anderen etwas bevorzugt ist, auch a.) eine Stimmungssache und b.) hängt die Selektion sicherlich auch vom begleitenden Essen ab.

Hier eine lose Aufzählung meiner aktuellen Lieblingsrotweine. Das sind Flaschen, welche in meinem Weinkeller permanent verfügbar sein müssen. Almaviva / Don Maximiano / Malbec Rutini / Vega Sicilia / Rioja Ardanza / Lynch-Bages / Grand-Puy-Lacoste / Latour / Palmer / Pinot Unique Donatsch / Pinot Felton Road / Dominus / Heitz Martha’s Vineyard.

Der grosse, illustrierte Lieblingsweinbericht auf acht PDF-Seiten www.bxtotal.com

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SO SCHMECKT EIN WIRKLICH REIFER PAUILLAC

Ein spontaner Griff in die immer noch gut gefüllte Original-Holz-Kiste und schon hielt Philippe den 1978 Château Latour in der Hand. Seit seiner Primeur-Anlieferung in diesem tiefen Luzerner Keller gelegen. Perfekt im Füllniveau. Ich durfte ihn entkorken und somit als erster meinen Rüssel ins Gabriel-Glas halten. Na gut, zuerst schaute ich mir den Wein noch an. Respektive die Farbe. Diese war gereift und nicht besonders tief. So mit aufhellenden, ziegelroten Reflexen.

Aus dem Glas duftete es derweil bereits herrlich während dieser Farbenprüfung. Kräuter, Erd-Eisenton, welke Herbstblätter, Restfrüchte; so nach Zwetschgen und roten Pflaumen. Und wieder Kräuter. Dann etwas helles Leder, Zedern, Tabak. Und … schon wieder Kräuter (wilder Rosmarin und Thymian in erster Linie. Ergänzt durch Minze). Ein milder Reigen von einem sehr ansprechenden, immer noch intakten Bouquet. Blind hätte ich wohl eher nach einen Saint Julien gesucht. Ist aber logisch. Wenn die Pauillacs aus einem mittleren Jahr stammen, dann duften diese manchmal nach der Nachbarregion.

Im Gaumen gibt er sich – durch eine lebendige, aber gut integrierte Säurestruktur – recht lange. Weil er so schlank ist, lässt er den Terroir geprägten Aromen so richtig freien Lauf. So kann man sich einen grossartigen Claret (alte Bezeichnung der Engländer für klassische Médocweine) der früheren Zeit vorstellen. Er zeigt auch auf, dass Latour auch in mittleren Jahren über ein beträchtliches Alterungspotential verfügt, ohne den Genuss für einen gewieften Reifweintrinker zu redimensionieren. Da wir ihn nicht dekantierten und er sich spontan so wunderschön präsentierte, würde ich die Karaffe beim nächsten Mal auch im Schrank belassen. Im Markt kostet dieser 43jährige Wein gleich viel wie die neuen Jahrgänge von «mittleren Jahrgängen». Zwei Flaschen habe ich noch. Wenn ich nicht hätte – ich würde einen Kauf riskieren … 18/20    

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MALBEC AM VULLY?

Besuch im Cru de l’Hôpital in Môtier am Vully. Christian Vessaz empfängt uns. Seit 20 Jahren leitet er diesen 13-Hektar-Betrieb. Er reflektiert einen Naturburschen. Und seine Weine reflektieren Dasselbe. Er will keine allgefälligen Nullachtfünfzehn Weine in die Flaschen füllen. Und so artet denn eine Weinprobe mit der aktuellen Verkaufspalette auch nicht in ein spontanes Volksfest aus. Die Weine geben sich jung oft als introvertiert und kommen entsprechend seriös, respektive verhalten ins Glas.

Dies beginnt mit dem Chasselas de Fichillien. Mit einem Verkaufspreis von CHF 18.50 zeigt er auf, dass er sich nicht nur im Preis von seinen Konkurrenten am Vully abheben will. Und wer da einen süffig-fröhlichen Aperowein erwartet, der sollte eigentlich doch eher bei den Nachbarweingütern an die Türe klopfen. Dieser Chasselas und auch die anderen, folgenden Weine sind für Kenner gedacht, welche etwas mehr erwarten. Etwas mehr Entwicklungspotential und auch mehr Kraft als Essbegleiter. So wundert es dann auch nicht, dass viele Sommeliers gerne die Weine vom Cru de l’Hôpital auf deren Weinkarte setzen. In der Referenzenliste zählen da recht viele, sehr angesehene Gastrobetriebe in der ganzen Schweiz zu Vessaz’ treuen Kunden.

In früheren Artikeln habe ich über den sagenhaften Pinot Noir de Mur 2017 (Gabriel 19/20) berichtet. Bei unserem Besuch verkosteten wir den 2018er. Der reflektiert wieder etwas mehr den grundlegenden, klassischen Vully-Charakter und ist jetzt schon eine wahre Duftorgie. Danach folgt logischerweise der 2019, der es dann gut mit einem Clos de la Roche, also einem veritablen Burgunder aufnehmen könnte.

Zum Abschluss kommt der 2018 Malbec ins Gabriel-Glas. Ein violetter Wein. Die Nase zeigt schwarze Pfefferkörner, blaue Frucht (Brombeeren), eine florale Frische, ergänzt Lakritze und feinen Kräutertönen. Im Gaumen wirkt er ziemlich satt, fleischig, fein kernig in der Mitte und endet recht lange. Ein charaktervoller unerwarteter Vully-Wein, der zu jeder angesagten Grillparty passen würde. 18/20.

Malbec? «Im Jahr 2006 habe ich mit dieser Rebsorte angefangen. Wir wollten nebst dem heimischen Pinot Noir nach Alternativen suchen. Pinot ist und soll unser Leader bleiben. Die Kundschaft verlangt aber immer mehr nach kräftigeren Weinen. Wir sind mit der Entwicklung vom Malbec sehr zufrieden. Momentan haben wir keine Konkurrenz, weil wir immer noch die einzigen Anbauer am Vully sind», sagt Vessaz. Der 44jährige Naturbursche. Er tüftelt auch an schwefelfreien Weinen herum. Was ihm sehr gut gelingt. Für Normalverbraucher möglicherweise etwas gewöhnungsbedürftig. Dies gilt auch für weitere «Experimente», welche uns zum Vorverkosten gereicht wurden.

Rund 1'300 Flaschen Malbec füllt Christian Vessaz jährlich ab und mit 44 Franken ist man bei dieser Rarität dabei. https://cru-hopital.ch

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REIFE MERLOT – AUS ALLER WELT
 
Es geht hier um die weltweite Nummer zwei unter den roten Traubensorten. Der Merlot liegt nämlich anbaumässig an zweiter Stelle hinter dem «Sieger» Cabernet Sauvignon. Rund 280'000 Hektar Merlot beträgt die gesamte Anbaufläche. Gefolgt von der Nummer Drei, dem Tempranillo.

Stammen soll der Merlot, der dort auch Merlot Noir genannt wird, aus der Bordeaux Gegend. Eine erste schriftliche Erwähnung findet sich im 14. Jahrhundert. Zu jener Zeit hiess der Merlot noch «Crabatut Noir». Damals galt er noch als Sekundärsorte.
Seit 1784 trägt er den forthin beständigen Namen Merlot und ist die meistangebaute Rebsorte im ganzen Bordelais. Es mag heute erstaunen, dass er auch im Médoc im 19. Jahrhundert prioritär verbreitet war. In seinem Werk «Ampéliographie Française» von Victor Rendu findet sich 1857 erstmals eine komplette Beschreibung dieser Rebsorte.

Im Tessin ist der Merlot erst seit 1905 präsent.

PARTNER VON VIELEN KREUZUNGEN

So beliebt wie der Merlot auch ist, man kann ihn nicht überall anbauen. Durch Kreuzungen erreicht man eine Anpassung an klimatische Verhältnisse in anderen Regionen / Ländern. So registrierte man in letzter Zeit Kreuzungen von 51 Neuzüchtungen.

Diese Klone tragen zum Teil recht eigenwillige Namen wie: Artzebat, bruni 360, Bruni 452, Karminrot, Cosmo 97, Cosmo 108, Cosmo 109, Cosmo 110, Cosmo 111, Dimitra, Ederena, Evmolpiya, Ferradou, Fertilia, Hongzhilu, Incrocio Terzi 1, Mamaia, Margot, Meichum, Meinongs N, Meiyu, Mendeleum, Mendioberena, Merlan, Merlese, Merlot Blanc, Merlot Kanthus, Merlot Khorus, Meynieu 6-8, morela, Negru de Yaloven, Nigra, Plamennyi, prodest, Proffessor Guzon, Rebo, Rigotti 81-6, Rigotti 95-5, Rigotti 125, Sennen Vesna, VRH 1-11-82, VHR !-28-82, VHR 1-34-82, XIV 11-57, Yama Merlot. Sie wurde auch für Züchtung von Unterlagen verwendet wie Millardet & Grasset 11, 12, 21, 23 und 27.


MERLOT, KUTTELN & SIDI BARRANI

Den Merlot habe ich bis hierhin ausreichend beschrieben.

Kutteln sind grundsätzlich nicht besonders mehrheitsfähig. Unter der älteren Generation ist die Akzeptanz wesentlich grösser. Zudem kann man dieses leckere Innereien-Gericht mit Fug und Recht als eigentliche Männerdomäne betrachten. Meine Kutteln (Bild oben) sind bei den Gästen immer sehr beliebt.

Unter den Schweizer Kartenspielen ist der Sidi Barrani schon fast eine Königsdisziplin. Es ist ein ziemlich komplexer Jass. Noch komplizierter wird es, wenn man ihn mit einem Doppelkart spielt. Da werden die Sechser, Siebner und Achter entfernt und jeder Teilnehmer spielt mit 12 Karten. Der Spielmacher wird durch ein ausgetüfteltes System von Anbieten evaluiert.

CALIX: WENIG BEKANNT UND RAR

Das Weingut Calix besuchte ich vor vielen Jahren. Der Besitzer, Dottore Carlo Solca führte uns persönlich durch den wenig bekannten Betrieb. Was mir auffiel, das Lager an unverkauften Weinen war riesig. Als ich den Besitzer darauf ansprach meinte er, dass seine Weine Zeit brauchen würden. «Wenn man diese zu jung trinkt, dann man versteht man den Calix nicht». Es gelang mir ein paar Flaschen irgendwo auszutreiben und ich war jetzt wirklich überrascht, wie jung sich dieser mehr als 30jährige Merlot noch zeigte.

Im Markt fand ich kein einziges Angebot. Nur in diversen Weinkarten taucht er ab und zu auf.  Zum Beispiel in einem meiner Tessiner Lieblingsrestaurants im Grotto Fossati.

 
1997 Merlot Calix, Podere Bressanella, Morbio Inferiore: Immer noch recht jugendliches Rubin. Das Bouquet duftet nach Rosenpfeffer und roten Beeren, wirkt zu Beginn sanft trocken, gibt sich immer noch aktiv. Im Gaumen merkt man, warum er immer noch so jugendlich daherkommt. Dies, weil eine gewisse Säurestruktur den Wein immer noch etwas beherrscht. Gleichzeitig verleiht dieser Effekt diesem Calix auch eine ansehnliche Länge. Zeigt mehr Kochen wie Fleisch und wirkt so asketisch. Ideal als Essbegleiter. Konnte sich lange an der Luft halten. Bravo! 18/20 trinken

EINE WUNDERSCHÖNE MAGNUM

Das war ein idealer «Kuttelwein». Tessiner Merlots sind prädestiniert für dieses Gericht.

2010 Merlot Sassi Grossi, Gialdi Mendrisio: Magnum. Helles Weinrot mit ziegelrotem Schimmer. Zeigt immer noch erstaunlich viel rotbeerige Frucht, so in Richtung Himbeeren Grenadine und roten Kirschen. Ein laktischer Touch gibt ihm einen weichen Ansatz und vermittelt Spuren von dezentem Caramel von den Barriques. Im Gaumen saftig, elegant und schon fast unverschämt süffig. Hier stimmt momentan alles und der Wein bietet einen wunderbaren Genuss. Was aber auch heisst, dass man da auf gar nichts mehr warten soll. Sassi Grossi – immer ist ein zuverlässiger, sehr guter Wert.  18/20 trinken

Die ganze Merlotausallerweltgeschichte ... www.bxtotal.com

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2011 BORDEAUX, TEN YEARS AFTER
 
In erster Linie geht es hier nicht um Musik. Obwohl die Hälfte vom Titel auf eine bekannte englische Musikgruppe hinweist. Es geht um Wein. Um roten Bordeaux vom Jahrgang 2011. Insbesondere wie sich dieser heute, nach zehn Jahren so präsentiert. Im Rahmen einer kleinen Weinwanderung verkosteten wir rund ein Dutzend Weine über alle wichtigen Appellationen verteilt. Ein paar Crus degustierte ich schon ein paar Tage zuvor. Es war - das muss man leider hier anfügen - mehr Arbeit wie Vergnügen. Und selbst angesehene Marken wurden nicht ausgetrunken. Zu viel Gerbstoff und extensive Vinifikationen vertragen sich halt leider schlecht. 

VERSTARB AM TAG VOR DER ERNTE

Mit dem Jahrgang 2011 ging auf Calon-Ségur eine Ära zu Ende, denn just am Tag vor der Ernte verstarb Denise Capbern-Gasqueton im Alter von 87 Jahren. Sie verkörperte mit ihrer rigiden, ja strengen, unbeirrbaren Art das Wesen ihres Weins. Ob sich in der harten Schale auch ein möglicherweise weicher Kern befand, konnte ich nie evaluieren. Sie war zu Mitarbeitern und Besuchern gegenüber wohl gleich streng. Meinen Namen konnte sie sich nie merken, also war ich zeitlebens für sie der «Monsieur Mövenpick».

2011 Château Calon-Ségur, Saint-Estèphe: Sattes Purpur, am Rand Rubin. Nobles Bouquet, gibt sich recht tiefgründig, feine Rauchnoten, dunkle Pflaumen, Edelhölzer. Auch im zweiten Ansatz immer noch nobel. Feiner Gaumen, fast seidige Tannine, gute Balance, Black Currant und Lakritze im mittellangen Finale. Hat mir sehr, sehr gut gefallen. Wer jetzt einen trinkreifen, recht grossen und besonders eleganten Bordeaux sucht, ist hier bestens bedient. 18/20 trinken








SINGING MOUTON?

Es ist immer wieder spannend die eigenen Eindrücke von der Fassprobe mit späteren Begegnungen zu vergleichen. Bei grossen Weinen versuche ich am Schluss immer eine Konklusion anzubringen. Im April 2012 schrieb ich: «Im Gegensatz zu Lafite und Latour weiss man hier, was man hier in etwa 12 Jahren zu erwarten hat; nämlich einen wunderschönen Singing-Mouton!»

2011 Château Mouton-Rothschild, Pauillac: 90% Cabernet Sauvignon, 7% Merlot, 3% Cabernet Franc. Kräftiges, sehr dunkles Weinrot, sattes Purpur. Intensives, komplexes Bouquet, deutliche Röstaromen, Kaffee, Cassis, Backpflaumen und Malz. Imposant im nasalen Ansatz und eine klare Cabernetsüsse ausstrahlend. Im Gaumen fleischig und stoffig zugleich. Eine erstaunliche Konzentration aufweisend. Blind hätte ich ihm ein grösseres Weinjahr attestiert. Also ein Wein, der über den Erwartungen liegt. Oder war es dann letztendlich doch eine Frage des Terroirs auf der Médocseite? Er hat sich sehr gut entwickelt und bietet jetzt und wohl noch mindestes 20 weitere Jahre eine grosse Freude. Gegenüber Fassprobe runde ich jetzt – sehr gerne – auf. Es war der teuerste Wein dieses Abends. So ab 500 Franken ist man dabei. 19/20 beginnen

MONTROSE UND SÜLZE

Vorglühen? Das nennen die Jugendlichen so, wenn man sich antrinkt, bevor man in den Ausgang geht. Das kommt billiger. Hier war es einfach so, dass Piet einen 2011er mitnahm zu unserer Januar-Jasspartie. Und genau dieser Montrose passte dann bereits für den ein Wochen später entstandenen Artikel. Und auch die hausgemachte Sülze von Rose Rast passte zum Montrose. Wenn’s passt, dann passts!

2011 Château Montrose: Das erste Mal im Glas nach der Fassprobe! Wunderschön leuchtendes Granat mit dezent lila Schimmer. Aromatischer Nasenbeginn. Will heissen; er ist im Moment zugänglich. Florale Noten, Pumpernickel, schwarze Oliven, rote Pflaumen, coole Cabernetanzeige. Vor allem – es duftet nach klassischem Bordeaux in der Nase. Im Gaumen einerseits erste Rundungen zeigend und andererseits noch fleischige Gerbstoffe aufweisend. Kein massiver Montrose, aber ein wunderschöner Vertreter eines immer mehr unterschätzten Jahrganges. Ich denke, mit etwa zwei Stunden dekantieren bringt man ihn in Form. 18/20 beginnen

GABRIEL’S MÖVENPICK TIPP

Wenn ich eine Empfehlung mache, dann kaufe ich auch für meinen Keller. Vom Domaine Andron 2011 postete ich für Mövenpick rund 30'000 Flaschen. In Europa gibt es von diesem Wein nur noch grad einen Anbieter. In Holland wären noch ein paar Flaschen für rund 30 Franken zu haben.

Nach Holland führt auch die Spur der damaligen Besitzer. Mit der Hoffnung einen grossen Wein herzstellen zu können und allenfalls auch Geld damit verdienen zu können, startete dieses kurze Projekt. Doch wenig Ertrag, externe Berater und recht viel neue Barriques machen noch keine garantierte Erfolgstory aus. Nach vier Ernten resignierte die Investorengruppe und heute gehört dieses sieben Hektar kleine Weingut im Dörfchen Saint-Seurin de Cadourne einem Chinesen.

2011 Domaine Andron, Haut-Médoc: Sehr dunkle Farbe, satt in der Mitte, gegen aussen in vollem Granat. Das Bouquet ist erstaunlich zugänglich, zeigt rote Pflaumen, fein hölzerne Töne und lädt dabei wunderschön aus. Samtene Textur im Gaumen, weich im Fluss und eine ausgeglichene Harmonie zeigend, im Finale feine Caramel-Schokospuren. Dieser Andron bereitet jetzt – zumindest im Augenblick – schon unerhört Spass. Also scheint er sich in einer soliden Genussphase zu befinden. Bei Mövenpick hatten wir den in der Subskription für 18 Franken angeboten. Damit ist / war dies ein toller Wert. 18/20 trinken

2011 Château Angélus, Saint-Emilion: Immer noch sehr dunkles, jugendliches Granat mit dezent violettem Schimmer im Innern. Ein zugeschnürtes Paket von Aromen in der Nase, schwarzbeerig, Lakritze, Black Currant und Pumpernickel Brot. Das Nasenbild ist imposant und zeigt eigentlich einen viel grösseren Jahrgang an. Im Gaumen geht es genau so weiter. Ein Kraftpaket mit einer vollbepackten Vinifikation. Hier wurde an der Grenze des Möglichen gearbeitet. Fordert dies jetzt seinen Tribut? Eigentlich schon. Vor allem, wenn man ihn jetzt schon angehen will. Wer aber wartet, kann vielleicht noch ein mittleres Angélus-Wunder erleben. Hoffentlich! 18/20 warten




MEHR SAFT WIE KRAFT

I’m loving it! Angélus und Pavie taten im Gaumen fast weh. So brutal waren die körnigen Gerbstoffe noch. Diese beiden Crus standen damals genau ein Jahr vor der mittlerweile wieder in Frage gestellten Ernennung zum Premier «A».  

Der Château Figeac ist noch nach gewohnter Manier entstanden. Mit begleitender, aber nicht eingreifender Vinifikation. Die genaue Assemblage konnte ich weder auf der offiziellen Webseite www.chateau-figeac.com evaluieren, noch im Netz. Es dürfte sich um einen «Drittel-Blend» von Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon handeln.  

Gemessen daran, dass Figeac in letzter Zeit sehr viel teurer geworden ist, wäre der aktuelle Marktpreis von ca. 130 Franken eigentlich ein sehr guter Genusswert.

2011 Château Figeac, Saint-Emilion: Mitteldunkles Weinrot, minimster Reifeschimmer. Wunderbarer Reigen von würzigen Früchten und Gewürzen. Nach dem ein paar schier bockigen Saint-Emilions war er nasal grad eine Erholung. Auch wenn die Cabernettöne zu Beginn halt etwas grünwürzig daherkommen. Der Makel wir durch eine nonchalante, feine Süsse ausgeglichen. Im Gaumen charmant, saftig balanciert und mit einem bereits angedeuteten Trinkfluss ausgestattet. Es muss nicht alles immer überreif sein. Und es darf auch mal etwas reserviert, respektive floral sein. Der Spass macht es aus und das Bekenntnis den Jahrgang einfach so wie er letztendlich ist vom Rebberg bis in die Flasche zu begleiten. Luft tut ihm gut. Für mich war dies der fraglos schönste Saint-Emilion an diesem Abend. Auch noch nach dem dritten Glas. 18/20 trinken

DER TEUERSTE BORDEAUX 2011

Wie schon so oft liefern sich die beiden Pomerols Le Pin und Pétrus im Markt ein Kopf an Kopf Rennen. Beide liegen deutlich über 2000 Franken bei der Normalflasche.
So richtig teuer wird es dann, wenn man sich eine Imperiale vom Château Pétrus 2011 in den Keller legen möchte. Der Tessiner Weinhändler TopWines Switzerland SA bietet eine Sechsliterflasche zu CHF 70’359 an. Plus Zoll, Transport und Mehrwertsteuer. Santé!
















KIRSCHTORTE UND SAUTERNES?

Die Meinungen, ob diese zwei Kontrahenten zusammen passen würden gingen in der Vordiskussionen reichlich auseinander. Letztendlich gilt auch da immer wieder der Spruch; «erlaubt ist, was gefällt». Diese Flasche sponsorte der Château Besitzer, der zufällig auch grad am Kellertisch sass.

2011 Château Lafaurie-Peyraguey, Sauternes: Leuchtendes Goldgelb. Intensives Bouquet nach Akazienhonig, Orangenzesten, Mirabellen und einem Hauch von Quitte. Einerseits üppig, andererseits auch sehr facettenreich. Im Gaumen cremig, füllig und deutlich den Reichtum dieses grossen Jahrganges anzeigend. Momentan scheint er sich wieder etwas zurückzuziehen, um dann in ein paar Jahren wieder richtig loszulegen. Grosser Sauternes! 19/20 beginnen

Bordeaux 2011 auf 10 PDF-Seiten mit vielen Fotos und Hintergrundinformationen: www.bxtotal.com

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POMEROL-QUARANTÄNE-TASTING

Es ist Januar im neuen Weinjahr 2021. Draussen wütet der Corona-Sturm nach wie vor. Er schleudert nicht nur mit Viren um sich, sondern fördert auch eine partielle Einsamkeit. Weinreisen habe ich schon lange storniert. Veranstaltungen hatte ich letztes Jahr noch mutig verschoben. Jetzt nehme ich diese alternativlos vom Netz und zahle bereits errichtete Teilnahmegebühren wacker zurück. 

Irgendwie habe ich die Hoffnung auf eine baldige Normalität so langsam, aber sicher aufgegeben. Aufgeben müssen!
Die behördlichen Einschränkungen gehen aber glücklicherweise nicht so weit, dass der Weingenuss als Solches verboten wurde. Lediglich die empfohlene Personenanzahl wurde redimensioniert. 

Im Jahr 2020 publizierte ich auf meinem Webportal www.bxtotal.com 56 PDF-Artikel mit einem Umfang von 244 A4-Seiten. Also war dies fast ein Weinbuch für sich. 

Diese informativen Lieferungen werden wohl heuer wesentlich spärlicher ausfallen. Das liegt leider in der Natur dieser üblen Sache. 
Trotzdem gibt es ein paar geplante, private Treffen mit ein paar Weinfreunden. Darüber werde ich weiterhin berichten. 
Am 6. Januar hatte ich beschlossen keinen Dreikönigskuchen zu kaufen, sondern am Abend einen Pomerol zu entkorken. Es war eine sehr gut erhaltene Flasche vom 1979 Château Latour à Pomerol. Um diese Flasche zu selektionieren, surfte ich in meinem Weininventar nach einer passenden Beute zum Abendessen (Poulet Involtini). Beim Scrollen bliebt ich in der Excel-Datei in der Region Pomerol hängen. 

Aufgrund meines Jobs als Einkaufschef bei Mövenpick war die Appellation Pomerol immer schon weit oben auf der Prioritäten- Einkaufsliste. Schon seit mehr als fünfzig Jahren besteht seitens Mövenpick eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Hause Moueix (Trotanoy, Hosanna, La Fleur-Pétrus etc.). Viele dieser Top-Pomerols darf Mövenpick bis heute exklusiv in der Schweiz anbieten. Um die Kunden für diese Weine zu begeistern brauchte ich nie viel zusätzliche Energie, denn ich war vor, während und auch heute noch ein Kunde und Geniesser dieser «burgundischen Bordeaux» aus dem Libournais.

Einen Tag später legte ich am Nachmittag ein Kaninchenragout in eine Schmorpfanne. Mit allerhand Gemüsen, kleinen Kartoffeln und frischen Kräutern. Etwas Weisswein, Demi-Glace und Olivenöl gehörten natürlich auch noch dazu. Logischerweise kam dabei eine Vision auf, dass dazu ein passender Rotwein ins Gabriel-Gold-Glas gehörte. Nach einer Weile fasste ich einen Entschluss, welcher fortan als Fundus für diesen Artikel dienen sollte. 

Genauso wie man sich jeweils anfangs Jahr gute Fortsätze fasst, entschloss ich mich nämlich dazu, in den nächsten Wochen immer wieder in die Pomerol-Ecke im Weinkeller zu schleichen und die genossenen Erlebnisse an dieser Stelle kund zu tun. 
Ergänzt mit ein paar Pomerol-Begegnungen der letzten Monate. Mit Informationen rund um Pomerol. Und ein paar Reminiszenzen aus früheren Weinzeiten.

So gesehen handelt es sich hier natürlich um kein «Tasting» im eigentlichen Sinne, wie dies im Titelbild versprochen wird. Sondern eine Art «kleiner Wein-Marathon», verteilt über viele, genüssliche Tage.   

Hier ein kleiner Auszug. Die Story mit 19-PDF-Seiten findet man wie immer auf www.bxtotal.com
  

MEIN ÄLTESTER POMEROL

Meine Erlebnisse mit «anderen Bordeaux-Weinen» gehen bis 1784 zurück.

Doch aus dem Libournais hatte ich bisher nur weit «jüngere Weine» getrunken.

1900 Château Pétrus: Château-Füllung, Georges Gurchy. Getrunken 1998 im Hotel Königshof in München. Links im Glas war der Mouton-Rothschild des gleichen Jahrganges! Da soll noch einer behaupten, dass Weine, die fast ausschliesslich aus Merlot-Trauben stammen, nur ein mittelfristiges Alterungs-potential besitzen: Die Farbe ist völlig intakt; zeigt Granatschimmer und ist mit einem 70er Jahrgang durchaus vergleichbar. Offenes, zuerst konzentriert schlankes Bouquet, dann weiter öffnend mit immer mehr Duftfacetten; ein Spiel von roten Beeren, Melisse, Minze und Eisenkraut. Nach drei, vier Minuten klingt die Frucht etwas ab und vermischt sich mit intensiven Terroirnoten von hellem Leder und dominikanischen Tabak. Im Gaumen wirkt die Frucht derart primär, dass eine dropsartige Note auf dem konzentrierten Zungenextrakt entsteht. Gerbstoffresten stützen den wuchtigen Körper und katapultieren den schier unergründlichen Aromenreichtum weit ins gebündelte Finale. Ein sensationelles Weinerlebnis, welches auch noch beim Entkorken nach einem weiteren Jahrzehnt wohl in ähnlicher Form stattgefunden hätte. Jahrhundertwein! 20/20 austrinken






NEU KONSTITUIERTER CRU
  
Christian Moueix hat seinen La Fleur-Pétrus in der letzten Dekade ziemlich umgekrempelt. Dieses Weingut besteht neu auf drei Blöcken. Aus dem alten Teil. Aus dem Zukauf von Château Guillot und aus dem ehemaligen Certan-Marzelle. Die grosse Geschichte mit einer Vertikale von 1950 bis heute dazu liefert bxtotal.com / 2015. 

1971 Château La Fleur-Pétrus: Mittleres Weinrot mit aufhellendem, orange-braunem Rand. Der erste Eindruck ist zwar ein paar Sekunden lang beerig-süss, aber auch modrig zugleich. Ein Wechselbad der Gefühle; kandierter Honig, Wildleder, Kräuter, aber auch Töne, welche auf einen «alten Barriquepark» hinweisen. Ich kenne solche Mufftöne und weiss, dass diese mit längerem Luftzutritt abklingen. Abklingen können. Dies ist dann auch der Grund weshalb früher viel mehr dekantiert wurde als heute. In der Fachsprache heisst dieser Akt «dem Wein Luft geben». Wenn ein partieller Mief mitschwingt, dann nenne ich diesen Vorgang «Entstinken». Wichtig ist, dass man in einem solchen Moment nicht gleich auf Korken tendiert und den Wein enttäuscht wegschüttet. Ich liess das Glas einfachmal in Ruhe stehen und näherte mich ihm erst nach einer guten Viertelstunde wieder. Jetzt überwogen die Kräuter in Form von Tannenbart, getrocknetem Salbei und frisch gebrochenen Rosmarinnadeln. Im Untergrund kam eine defensive, rotbeerige Süsse auf, welche so in Richtung Preiselbeeren und Waldhimbeeren deutete. Bis zu diesem ersten Schluck waren also bereits rund 20 Minuten vergangen. Geduld bringt Rosen. Zumindest Moschusrosen in diesem Falle. Der Gaumen gefällt von Beginn weg, saftig, lang, balanciert. Hier gibt sich die generelle Süsse präsenter, zeigt Malz, dunkles Caramel, Kandis. Gegen das Finale schmeckt es nach feuchten Edelhölzern und nach Pflaumensaft. Auch hier sind vielschichtige Kräuternoten ein ständiger Begleiter. Der Wein klingt erhaben und recht lange nach. Wer’s nicht weiss: 1971 war nur im Pomerol wirklich gross. Und das zeigt dieser klassische La Fleur-Pétrus wunderbar. Wieder einmal mehr muss ich hier bekennen, wie sehr ich gereifte Pomerols aus dieser Zeit liebe. Auch wenn die heutigen Weine aus dieser Region – und von diesem Château – logischerweise viel perfekter vinifiziert daherkommen. 19/20 austrinken

DER BESTE 1978ER VOM LIBOURNAIS? 

Mein verstorbener Patrick Bopp mochte ihn. Als ich diesen La Croix einmal bei mir zu Hause servierte, flippte er fast aus. 

Zu einem Kartenspiel-Abend mit André Kunz und Baschi Schwander kredenzte ich meine letzte Flasche von diesem tollen Pomerol. Als wir ihn tranken, prosteten wir dem Patrick zu. 
Hab’s gut im Weinhimmel, lieber Freund! 

1978 Château La Croix: Zeigt keine besonders tiefe Farbe, so ein mittleres Granat. Nur am Rand sind ziegelrote Reflexe zu erkennen. Also gibt er sich jünger als er ist. Die Nase ist cool. Will heissen; er dokumentiert das nicht ganz ausgereifte Jahr 1978 in Form von Blättern, grünem Paprika, roten Pflaumen, etwas Kampfer und frischen Ledernoten. Doch grün ist er nicht, sondern faszinierend mit seinem tieferdigen Schichten. Irgendwie gibt er sich minzig mit Untertönten von Kochschokolade und Kümmelnoten. Dann wird er süsser und zeigt reife Datteln, Malz und kalter Darjeeling Tee. Mit jedem neuen Kontakt setzt er mit feinen besonders würzigen Aromen nach. Im Gaumen gibt er sich durch seine mittlere Konzentration elegant, saftig, lang und gut balanciert. Die feine Säure stützt den jetzt möglicherweise fragil werdenden Körperbau. Das Finale schlank, dafür aromatisch. Ein einzigartiger, ganz besonderer Wein aus dem sehr schwierigen Jahr 1978. Für mich ist er besser als Cheval, Ausone und Pétrus in diesem Jahr. Das will a.) was heissen und b.), dass der immer noch wenig bekannte La Croix nicht selten für eine veritable Überraschung gut ist. 18/20 austrinken

POMEROL FÜR DIE BOLOGNAISE

Aus für den Certan-Marzelle! 1998 erwarb Christian Moeuix – zusammen mit dem ehemaligen Certan-Guiraud die Parzellen von Certan-Marzelle. Er verpasste ihm ein neues Etikett und lancierte ihn als 100%igen Merlot. Mit mehr oder weniger Erfolg. I
m Rahmen der «Flurbereinigung» von Château La Fleur-Pétrus wurde das Projekt nach dem Jahrgang 2011 eingestampft. Nun ist er neu als fix integrierter Bestandteil in der Assemblage von Château La Fleur-Pétrus zu finden.   

Auf unserem Bild links wird eine ziemlich mässige Flasche vom Jahrgang 1971 durch Karin in einer Bolognaise-Sauce «veredelt».  


Auf dem Bild links ist auch noch der 1971 L'Eglise Clinet. Der ist auf www.bxtotal.com beschreiben. 1990 Gazin würde ich gerne noch kaufen.  Bitte um Angebote ...

1990 Château Gazin: Mittleres, etwas matt daherkommendes Purpur, satte Mitte. Geniales Bouquet, immer noch florale Noten, minim primäre Züge, Kokos, Vanillin und immer noch viel Cassis und sogar Heidelbeeren. Also noch unglaublich fruchtig für einen 30jährigen Pomerol. Im Gaumen delikat, saftig, tänzerisch und auch hier wieder mit und glaublich jugendlichen Aromen-Reflexen aufwartend. Was erwartet man von einem ganz grossen Wein? Finesse und Power! Dieser Gazin hat das. Heute noch und wird es wohl noch ganz lange mit sich tragen. Ein emotioneller Schluck eine fast perfekten Pomerols. Wenn ich wählen könnte zwischen dem 1989er und 1990er, würde ich momentan gerne den Letzteren wählen. 19/20 trinken  

ISLAY WHISKY MIT PÉTRUS-FINISH
 
Schon zwei Mal durfte ich auf Islay bei der Bruichladdich Distillerie zwecks eines Besuches an die Türe klopfen. Freunde von mir kaufen da regelmässig ganze Fässer, um diese dort reifen zu lassen.

Die sich heute im Besitz von Rémy Cointreau befindliche, wiederbelebte Distillerie verfügt über eines der grössten Whiskyangebote der Welt. Der Reigen ist so gross, dass zuweilen auch eine gewisse «Verzettelungsgefahr» besteht.  

Der CEO Simon Coughlin gilt als innovativer Vermarkter. So findet man denn (falls noch erhältlich) einen Octomore 04.2 auf dem Markt, welcher in Fässern von Château Pétrus ausgebaut wurde. Die Fassstrenge beträgt 61 Volumenprozente. Das schlanke 70cl-Flacon ist für 595 Franken tarifiert. 

ALLES SCHÖPPLI ODER WAS?

«Schöppli», sagen wir Schweizer zu den kleinen 3.75-Deziliterflaschen. Eigentlich ist das ja eine «halbe Normalflasche». Der Begriff Schoppen geht aber ziemlich weit …  

Ein Schoppen kommt von «Schöpfen». Es ist / war ursprünglich ein Gefäss für Flüssigkeiten. 

Der französische Schoppen (la chopine, chaupine, chopaine) entsprach 476,073 Milliliter (= 1⁄72 Kubik-Königsfuss), sonst meist 1⁄100 bis 1⁄120 normale Kubikfuss. Somit entsprach die damalige Schoppen-Menge zwischen einem Viertel- und einem halben Liter.
 
Im deutschsprachigen Raum umfasste der Schoppen im 19. Jahrhundert in Baden und der Schweiz 0,375 Liter. In Württemberg 0,459 Liter und in der Pfalz 0,564 Liter. Vor der von Napoleon veranlassten, im Frühjahr 1812 durchgeführten Vereinheitlichung der Masse in den Staaten des Rheinbunds, entsprach der Schoppen 0,7 Liter. In der Stadt Rastatt hatte der Schoppen im Jahr 1615 noch
2,3 Liter (!), was damals eines der grössten
Weinmasse in Deutschland war. 

Als die nichtmetrischen Masse im Süden von Deutschland 1872 von den metrischen abgelöst wurden, galt bis 1884 der Schoppen als offizielle Bezeichnung für 0,5 Liter. In der Schweiz war der Schoppen (0,375 l) bis 1877 amtlich. Heute ist die gleiche Menge eine EU-Norm für «halbe Normalflaschen».   

Die Verkostungsnotizen zu diesen drei halben Flaschen findet man auf www.bxtotal.com 

MERLOT IS BOORING

Michael Broadbent war der bekannteste und einflussreichste Weinautor der Nachkriegszeit vor Robert Parker. Der gebürtige Engländer kam im Jahr 1927 auf die Welt und verstarb im März 2020 im Alter von 93 Jahren. Zunächst war Broadbent Weinhändler und publizierte nebenbei seine Weinnotizen in Buchform. Von 1952 bis 2004 sind 133 Editionen erschienen. Sein grosses Buch «Weinnotizen», welches auch auf Deutsch im Hallwag-Verlag erschien habe ich buchstäblich verschlungen. Es war lange Zeit das einzige tiefgründige Nach-schlagewerk für grosse Bordeauxweine. 

Seine Ausbildung schloss er 1960 mit dem Titel Master of Wine ab. Von 1966 bis 1995 war der Senior Director vom Auktionshaus Christie’s in London. Regelmässig publizierte er Artikel im Vinum und im Decanter. 

Ich begegnete diesem weinigen, feinen Weinmann der noblen englischen Art mehrere Male. Einmal, als es um die Begutachtung der legendären Thomas-Jefferson-Flaschen in Zürich ging. Dann am Wochenendevent «Rund um den Wein» am Vierwaldstättersee und 1998 war er auch mit von der Partie in München, als Hardy Rodenstock eine Woche lang 125 Jahrgänge von Château d’Yquem entkorken liess. 

Er machte keinen Hehl daraus, dass er die «Clarets», also die Weine mit vorwiegendem Cabernet-Anteil lieber mochte. Damit sind die Crus vom «linken Ufer» gemeint. Also von Graves bis Saint-Estèphe. Besonders von ihm geliebt wurde Château Lafite. Hier vergab er, für manchmal recht schwache Jahrgänge, oft mehr Sterne als mit persönlich lieb war. 

Mit den merlotlastigen Weinen aus Libournais konnte er es nicht so richtig. So schrieb er einmal das berühmt gewordene Zitat: «Merlot is booring». (Merlot ist langweilig).    

HUNDERTPROZENT MERLOT

So viele «reinrassige» Merlots gibt es in Pomerol nur wenige. Wenn man an die ganz grossen heranpirschen will (Le Pin & Pétrus) dann muss man zuerst im Lotto gewinnen, wenn man sich eine Flasche leisten will. Hier ist eine echte Alternative unterwegs. 
 
2011 Château La Fleur de Gay: Unglaublich dichte und noch absolut jugendliche Farbe; Purpur mit violettem Einschlag. Von der ersten Sekunde an zeigt dieser fast überfruchtige Wein Beeren in jeglicher vorm. Vor allem Himbeeren und Waldhimbeeren, auch Cassis und Holunder. Sehr präzise ausgerichtet und immer noch mit unglaublich viel Primär-Aromen unterwegs. Im Gaumen stoffig, konzentriert und noch wenig gereift. Da die Gerbstoffe aber fast seidig-fein sind, bereitet er wohl heute grad mal eine erste Genussfreude. Vor fünf Jahren bockte er nämlich noch. Als Fassprobe taxierte ich ihn mit 19-Punkten und dieses hohe Niveau dokumentiert er heute garantiert. 19/20 beginnen

P.S. Der La Fleur-de-Gay ist ein relativ junger Pomerol. Er entstand aus einer Parzellen-Separation aus La Croix-de-Gay im Jahr 1982. Bis heute befinden sich beide Crus im Besitz der Nachfolger der Familie Lebreton, welche im Jahr 1477 im Dorf Pomerol ankamen. Handel mit Wein wurde seit 1772 betrieben. 

19 Seiten, voll mit Pomerol bepackt: www.bxtotal.com

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UNDERSTANDING POMEROL?

Pomerol kann vieles, aber nicht alles sein. Grundsätzlich «regiert» die Traubensorte Merlot in dieser Appellation. Wenige Weingüter setzen zu 100% auf diese Rebsorte. Die bekanntesten sind Le Pin und Pétrus.  

Der Merlot Noir, oder auch nur Merlot genannt, hat in den letzten Jahren markant an Anbaufläche zugenommen. Hinter dem Cabernet Sauvignon ist der Merlot die weltweite Nummer Zwei mit einer Anbaufläche von geschätzten 280'000 Hektar.

Der Merlot verleiht einem Wein Fülle, ein Synonym von Süsse und gibt sich charmanter in den Gerbstoffen wie der Cabernet.
Doch Cabernet spielt aber auch in Pomerol eine Rolle. Zum Einsatz kommt in der Regel der Cabernet Franc, welcher nach dem Merlot austreibt, blüht und geerntet wird. Er kommt vor allem auf kiesigen Böden zum Einsatz. Spitzenreiter ist hier Château Lafleur mit einem Anteil von etwa 50%.

Die meisten Weingüter weisen im Blend etwa 80% Merlot und 20% Cabernet Franc auf.

Im Grundbuch von 1741 erscheint der Weingutsname Fazilleau und der Besitzer ist die Familie Libourne Léglise.

Um die Wende der 19. Jahrhunderts wechselte das Anwesen zu einem Anwalt mit dem Familiennamen Isambert.

EVANGILE HIESS FRÜHER FAZILLEAU

1862 erwarb Paul Chaperon das Weingut, welches jetzt den Namen L’Evangile trug.
Die Nachkommen, die Familie Ducasse, blieben Besitzer bis im Jahr die Domaines Barons de Rothschild (Lafite-Zweig) das Weingut im Jahr 1990 erwarben und einen neuen, ziemlich auffälligen Keller bauten.

1998 Château L’Evangile: Marktwert knapp unter 300 Franken. Mitteldunkles Weinrot, innen mit Purpur-Reflexen, am Rand mit minimen Reifetönen. Zaghaftes Bouquet, geht primär in die Tiefe und liefert ordentlich Cabernet-Franc-Würze, sanft tintig im Ansatz Lakritze, Nelkenköpfe, getrocknetes Rosenholz. Spannend ist es vor allem diesen beruhigenden Pomerol zu Verfolgen. Im Gaumen sehr stoffig und im Extrakt auf eine konzentrierte Fleischration aufweisend. Ausgeglichene Adstringenz, nachhaltiger Druck im Finale. Hier vereinen sich Power und Finesse. Ein grosser, langlebiger Evangile-Klassiker. Wenn er seinen noch etwas gerbig-sandigen Fluss mit weiterer Flaschenreife verfeinern kann, dann kommt er auf Zielkurs. Momentan gibt er sich – auch nach längerem Dekantieren – introvertiert und hat Mühe aus sich herauszukommen. 19/20 beginnen

Ein toller Werin und doch der schwächste an diesem Abend. Wie Trotanoy und Eglise-Clinet schmeckten? Besser!

www.bxtotal.com weiss es!

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CHÂTEAU MARGAUX & BURGUNDER PFANNE 

Besuch von Jürg Richter. Er versteht sich mit Münzen und mit Wein. Und deshalb hat er diese innigen Vorlieben zum erfolgreichen Geschäftsmodul gemacht. 

Wir hatten was zu besprechen. Wegen der Weinbörse. Jürg hat dieses Jahr den Lead von diesem beliebten Auktionshaus übernommen. Ich halte mich in Zukunft da etwas zurück. Ausser hinter den Kulissen. Oder wenn ich an den Life-Versteigerungen den Hammer in der linken Hand halte. 

Und weil Besprechungen nicht ewig dauern können, kam um die Mittagszeit die Frage auf, ob nicht allenfalls ein Champagner oder ein Weisswein eine gute Idee wäre. Dies – um die Zeit zwischen Ende der Sitzung und Beginn des Mittagessens wesentlich angenehmer zu überbrücken. Die Wahl fiel auf einen Chardonnay aus der Steiermark.  

Dieser fror nämlich schon längere Zeit in unserem grossen Weinkühlschrank und wir mussten ihn einfach vor dieser Kälte erlösen. 
Es war eine gute Wahl! Der 2018 Chardonnay Alte Reben von Erwin Sabathi aus Leutschach zeigt auf, dass das «weisse Burgund» in letzter Zeit wieder ein paar spannende Schritte näher an die Steiermark heranwagte. 

Die allerbesten Chardonnays aus dieser südlichen Austria-Region sind weniger gelb wie früher und haben das «milchige» in der Nase sukzessive abschütteln können. 

Diese «Alten Reben» sind präzise, direkt, intensiv und schlichtweg grossartig. Zusammengefasst; ein burgundischer Chardonnay, der seine Herkunft trotzdem nicht leugnet und trotzdem Weltklasse reflektiert. Spass und Grösse zugleich! (19/20). 

BURGUNDER GESCHNETZELTES

Dieses fantastische Gericht gehört zu meinen Favoriten aus Karins Küche. Geschnetzeltes Rindfleisch, Zwiebeln, Silberzwiebeln, Speck, Champignons, Demi-Glace und Sauerrahm. So in etwa das Rezept. 

Zubereitet wurde dieses Gericht am Vorabend. Karin fragte nach rotem Kochwein. Natürlich könnte man das Originalrezept möglicherweise mit einem Chambertin ablöschen. Doch den trinke ich lieber separat. Im Keller hatte ich noch Resten von der letzten Tessiner-Merlot-Probe. Passte perfekt.  


Zur nachfolgenden Notiz vom Château Margaux 1928 gibt es noch eine alte Geschichte. Wir waren bei Rita und Lucien nach Ste. Maxime eingeladen. Als ich den die Koffer im Flughafen Nizza vom Rollband nahm, zog er eine nasse, rote Schlaufe auf dem Boden. Mein halbes Fläschchen im Innern war zerbrochen. Alle Wäsche mit tiefroter Farbe beeinträchtigt. Glücklicherweise durfte Karin die Waschmaschine benutzen.

Und ich fing einen ZS* ein.                     *Zusammenschiss.                     

1928 Château Margaux: Jürg Richter brachte ein halbes Fläschchen zum Lunch nach Eschenbach mit. Geniale Farbe. Immer noch dunkel, mit wenig Reifetönen. Die Nase trocken, barock, in die Tiefe gehend, Rauch und getrocknetes Rosenholz. Die Süsse dokumentiert eine Mischung aus Ratafia und Baumnusslikör. Im zweiten Ansatz vermischen sich Kräutertöne mit dem stetig an Intensität zulegenden Nasenbild. Im Gaumen gibt er sich von immer noch fester Statur, maskulin und deutlich die massiven Gerbstoffe vom Jahrgang 1928 dokumentierend. Auch wenn diese mittlerweile etwas angerundet sind. Ein schier noch brachialer Margaux mit mehr Kraft wie Saft. Vermittelt auch die These, dass halbe Flaschen nicht zwingend schneller reifen als normale Flaschen. Als ich am Schluss am leeren Glas schnupperte duftete es nach kaltem Arabica-Kaffee, Lorbeer, Madras-Curry und Dörrfeigen. 19/20 austrinken

Plötzlich stand eine halbe Flasche vom Château Ricaud auf dem Tisch. Diesen Haut-Loupiac (diese Bezeichnung gibt es heute nicht mehr) kenne ich gut. Vor ein paar Jahren nahm ich aus meinem Keller eine Flasche 1937 und 1945 mit und wir tranken diese mit ein paar Freunden auf dem Weingut in Bordeaux. 
Der 1937er Ricaud ist ein reifer, mildsüsser Nektar mit einem Duft von Mandellikör, Orangenlikör und frischen Aprikosen. Botryris zeigt er keine an, dies machte aber das Bouquet allenfalls gar noch cremiger und komplexer. Im Gaumen weich, saftig, angenehm süss und wunderschön balanciert. Gibt solide 18-Punkte her im Glas.

Wie der Château Margaux 1985 schmeckte? www.bxtotal.com weiss es ...



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PROFILBILD GEWECHSELT?

Der erste Teil vom Namen «Facebook» kommt von Gesicht. Einem Account kann man mit einem guten Profilbild eine markante Note verleihen. Neuerdings hat sich leider die Mode etabliert, dass man eigentlich gar keine persönlichen, lustigen oder informativen Posts mehr für seine Freunde macht, sondern nur noch – in regelmässigen Abständen – sein eigenes Profilbild erneuert.

Machart: Schnelles Selfie – klick – und online.

Mich nervt diese Taktik. Es gibt Schöneres im Leben als sein Ebenbild im Spiegel oder im Facebook zu sehen. Wenn nur Egoismus dahinterstecken würde, dann hätte ich noch ein gewisses Verständnis. Doch nicht selten vermittelt diese Eigenschaft eine Affinität zur eitlen Selbstdarstellung. Oder zu Narzissmus. Hang zu einem Borderlinesyndrom. Möglicherweise auch zu einer beginnenden oder bereits fortgeschrittenen Profilierungsneurose.

Die Publikation solcher Profilbildtiraden ist weniger angesagt wie ein möglicher Gang zum beratenden und helfenden Therapeuten.
Diese Spezies erkennt man auch daran, dass diese beim Selfie nicht in die Kamera schauen, sondern auf den Handy-Bildschirm. Dies, weil sie sehen wollen, wie sie grad so im Moment «rüberkommen».    
 
Was man in dieser Sache auch unbedingt wissen muss: Auf alten Fotos sieht man immer besser aus!

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POMEROL: SCHÖPPLI & JAHRGANG 2004
 
Das ist eine kleinere Geschichte innerhalb einer ganz grossen Geschichte. Denn – momentan schreibe ich grad an einer ziemlich grossen Pomerol-Story für mein Webportal bxtotal.com. Die wird mich wohl den ganzen Januar beanspruchen. Und wie das so ich mit «grossen Geschichten» ist; auch diese bestehen aus mehreren Einzel-teilen. Ein ebensolches, unvergessliches «Weinteil» ist dieser Bericht von einem männerlastigen Freitagabend, mitten in dieser leidigen Pandemie-Zeit.    

SCHÖPPLI = HALBE FLASCHE

Je älter man wird, desto mehr sollte man sich überlegen, ein paar halbe Flaschen für den späteren Genuss zu erwerben. Das habe ich in letzter Zeit leider vernachlässigt.
Da meine Karin tendenziell «weissweinlastig» ist und ich lieber Rotweine trinke, wird eine Flasche Rotwein am Abend immer mehr grenzwertiger. Meist trinkt sie dann zum Essen ein Glas von mir. Dann geht’s wieder auf!
Sonst habe ich angefangen, «meinen Rotwein» schon am späteren Nachmittag zu entkorken und ihn über mehrere Stunden zu begleiten. Das verlängert den Genuss. Was übrigbleibt  kommt recht früh in den Kühlschrank. Einfach Stoppel drauf und am anderen Tag wieder rechtzeitig temperieren. Ich bin absolut kein Fan von «Abpumpen» oder «Vergasen».

P.S. Die abgebildeten «Schöppli» waren alle noch gut zu trinken. Mehr aber dann doch nicht.

POMEROL JAHRGANG 2004

2004 ist ein klassisches Weinjahr. Bei mir heisst das so viel, dass alle Bordeaux’ – egal ob vom linken oder vom rechten Ufer – so herrlich nach Bordeaux schmecken. Sie reifen recht langsam.

Im Markt ist die preisliche Performance nicht gerade «hektisch». So kann man noch recht viele dieser, tollen Weine zu fairen Preisen nachkaufen. Allerdings werden sich da leider nur ganz wenige Crus für eine etwaige
Auktions-Karriere eignen.

Die vier Pomerols om Jahrgang servierte ich blind. Ich wollte aber die Gäste nicht unbedingt rätseln lassen, sondern eher beobachten, wie diese auf den ums Mehrfache teurere Pétrus reagierten. Und wenn man unangemeldet diese legendäre Ikone serviert ist Verblüffung garantiert!   


2004 Château La Conseillante: Dunkles Purpur mit lila Schimmer. Dunkelbeeriges Bouquet, Brombeeren, Maulbeeren, Cassis, schwarze Schokolade und Lakritze. Strahlt eine verführerische, sanft milchige Süsse aus. Von sanftem Druck und elegant ausladend. Hoch aromatischer Gaumen, vermittelt eine kühle, aber doch reife Fruchtnote, fleischiges Extrakt, im Finale wieder eher Cassis, vermischt mit herrlichem Kokoston. Ein nobler und gleichzeitig kräftiger La Conseillante mit langsamer Reifeentwicklung. Er hat sich gegenüber früheren, eher knappen Eindrücken gemausert und ist jetzt auf dem erwartetem Strategie-Kurs. 18/20 trinken

P.S. Dieser Wein gefiehl Daniel Milli (Bild) besonders gut.


SCHON LANGE AUF DER WISH-LIST

Thomas Schmid hegte schon lange den Wunsch einmal in seinem Leben einen Château Pétrus trinken zu dürfen. Dieses Vorhaben stand weit oben auf seiner To-Do-Liste. Ich servierte die Weine blind, um seine Emotionen zu prüfen. Übung gelungen!

2004 Château Pétrus: Sattes Purpur. Gegen aussen zeigt er eine minimen Reifeschimmer. Innen wirkt er fast noch Rubin-Granat. Ich habe bewusst zuerst den La Conseillante, dann den Clinet und dann den Hosanna verkostet, damit ich eine mögliche Steigerung wahrnehmen konnte. Und diese traf dann auch effektiv ein. Das Bouquet ist komplex, die Schichten legen sich nach und nach frei. Er wirkt frisch, verspielt, zeigt kandierte Früchte, helle Schokolade und eine sublime Fülle. Diese legt mit der Luft langsam, aber doch stetig zu. Man nimmt dunkles Malz wahr, dunkles Caramel, dann Nougat. Dieses Nougat deutet an, dass er an Süsse zulegt. Im Gaumen schwankt er im satten Extrakt zwischen roten und blauen Beeren. Auch hier wirkt er immer noch frisch und zeigt seine Jugendlichkeit an. Er ist präzise und viel fordernder als seine drei Konkurrenten in dieser 2004er-Pomerol-Serie. Irgendwann wird er all diesen Weinen irgendwann locker überlegen sein. Momentan muss man noch «im Kaffeesatz» lesen, um ihn voll loben zu können. 19/20 warten

Auf www.bxtotal.com findet man den grossen PDF-Bericht.

RUSTIKALES MENU MIT FINESSEN

Wein braucht Speisenbegleitung. Wenn Männer am Tisch sitzen, darf es schon mal deftiger sein. So sah das Menu an unserem Pomerol-Abend aus. Sülze mit Gänseleber, (Foto links) Trüffelsalami und Trüffelperlen. Unten: Wagyu-Pot-au-feu / Lammragout «Marokko» / Kartoffeltätschli und geschmorte Kalbsbäggli.




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TESSINER MERLOT IM JANUAR SCHNEE

Wer an das Tessin denkt, der denkt schnell an lauschig-warme Sommernächte … Ein Granittisch im Freien. An einen Osso Bucco mit Risotto auf dem Teller und an einen dunklen Merlot im Glas. Nicht im legendären Boccalino. Das war vorgestern. Heute ist es ein richtiges Weinglas. Bei uns war es logischerweise ein Gabriel-Glas. Auch mit Tessiner Merlot. Aber mit Schnee. Viel Schnee. Und auch mit viel Merlot …

Für die Deutschschweizer gibt es praktisch keine Affinität zum Tessiner Winter. Dorthin geht man eigentlich nur, wenn es dort warm ist. Tessin ist der Lieferant für viel Sonne, vermischt mit ein Bisschen «Italianita». 

Aber auch dort herrscht manchmal der Winter. Und der Schnee kann auch durchaus die Reben zudecken. Das ist gut. Denn – Schnee beschützt vor Forstschäden. Das Titelbild (oben) habe ich übrigens auf der Webseite von der Cantina Barbengo geklaut. 

In Eschenbach war es der erste richtige Schnee im Neuen Jahr. An diesem Donnerstagmorgen Mitte Januar 2021 regnete es zwar noch. Aber ab 11 Uhr bekam Frau Holle Oberhand über die Wetterlage. Als unsere Gruppe von unserer traditionellen Weinwanderung vom Dorf ins Moos losmarschierte, lagen bereits gute zehn Zentimeter Pulverschnee über dem Boden.  

Das war die Woche vor den verschärften Corona-Bestimmungen. Also lag unsere weinige Sechsergruppe im legalen Bereich. 
Guido und Bärti heizten am Nachmittag die Mooshütte ein. Bevor die anderen Teilnehmer anrauschten, bereitete ich noch einen frischen «Härdöpfustock» (Kartoffelstock) vor. Das Fleisch für die Hauptspeise (geschmorte Bäggli) wurde verdankenswerter Weise vom Old-Swiss-House-Wirt Philippe Buholzer gesponsort. Am Tag zuvor erwarb ich beim örtlichen Weinhändler noch eine selbst importierte Barbera-Salami. André Kunz ging auf den Markt und kaufte spezielles Brot und reifen Käse. 

Vor dem Wandern prüfte und degustierte die kleine Gruppe der Schreiberlinge die zur Verfügung gestellte, reife Merlot-Batterie. 
Da waren auch ein paar Risikoflaschen dabei. Zusammengefasst war aber «alles gut». Auch einfache, eigentlich als überreif vermutete Weine überraschten. Was auch gut nachvollziehbar ist; die Eigencharakteristik der Jahrgänge, der Regionen und die Handschrift der Produzenten. 

Tessiner Merlot bietet frühen und recht langen Genuss. Er liefert oft weit mehr, als er fordert. Dies zuweilen auf sehr hohem Niveau.     

AUSTRALIEN STATT TESSIN

Eric und Fabienne Klausener prägten mehr als drei Jahrzehnte lang die Tessiner Weinszene.

Eigentlich war es vorgesehen, dass Sohn Silvain von Australien in die Schweiz zurück kehren sollte, um den elterlichen Betrieb in Purasca zu übernehmen. 

Doch Sohn Silvain zog es leider zurück nach Australien. So beendeten die Klauseners ihre Winzerkarriere mit dem Wein «Grand Finale 2017» und verkauften die Rebberge. 



Im Frühling 2016 organsierte ich im Bären in Birmensdorf an einem Frühlings-Sonntag einen grossen Klausener-Lunch. Den grossen Bericht findet man auf bxtotal.com 

1988 Merlot Gran Riserva, Klausener Purasca: Deutlich aufhellendes Weinrot, transparenter Rand, wenig Reifetöne. Intensives, leicht erdiges Bouquet, grüne Nussschalen, Kräuter, Ratafia, Teer und eine gewisse Tiefe anzeigend. Nasal immer noch beeindruckend. Im Gaumen fleischig, gerbig und somit charaktervoll. Zeigt immer noch restliche Gerbstoffe und könnte – mit Dekantieren – sogar noch etwas zulegen. Toll gereifter Gran Riserva. 18/20 austrinken

FOKUS AUF DAS CASTELLO 

Grosse Rochade. Die Zanini Weingüter werden neu durch Coop produziert und vertrieben.

Der Zanini Sohn – ebenfalls Luigi – konzentriert sich neu voll auf das Castello Luigi, welches in vollständigem Familienbesitz blieb.  

1997 Castello Luigi, Besazio: Noch dunkles Granatrot, feiner, ziegelroter Rand. Gereiftes, dezent erdiges Bouquet dominikanischer Tabak, Korinthen, Teer und Lakritze. Im Gaumen stoffig, wirkt etwas trocken vom Extrakt her und rauht somit etwas auf. Gegen das Finale wird er immer attraktiver und zeigt eine wunderschöne Red-Currantnote und Preiselbeeren im Finale. Noch gut erhalten, jedoch am Genusszenit. 18/20 austrinken

1998 Castello Luigi, Besazio: Die Farbe wirkt um Nuancen heller als der 97er. Rubinrote Reflexe und gegen aussen dem Alter entsprechende Reifetöne. Traumhaftes, beeriges Bouquet; Holunder, Cassis und Waldhimbeeren. Es sind noch erstaunlich intensive Fruchtpräsenz da. Im zweiten Ansatz helle Brutkruste. Saftiger, eleganter Gaumen, schmeichelnde Tannine, wunderschön balanciert und intensiv nachklingend. Ein genialer, grosser Castello Luigi welcher aufzeigt, dass er zu Sonderklasse gehört und auch anspruchsvoll reifen kann. 19/20 trinken

Der grosse Tessiner-Merlot-Bericht: www.bxtotal.com 

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PUBLIZIERTE VERKOSTUNGEN IM JAHR 2020!

In diesem Jahr habe ich 56 PDF-Artikel mit insgesamt  244 Seiten Weingeschichten, Weininfos, Verkostungsnotizen und Bewertungen auf www.bxtotal.com publiziert.

DEZEMBER-MISSION IN ESCHENBACH! Speck, Salami, Ochsenschwanzsuppe, Schweinekotelette und Käse von Maitre Anthony. Und; 15 Jahrgänge Château La Mission Haut-Brion von 1966 bis 2004 ...

ÖNOLOGISCHER AUFTRAGSMORD IN ZÜRICH! 1982 Mouton, 1983 Margaux, 1989 Haut-Brion, 1990 Montrose, 1982 Latour, 1961 Latour, 2000 Lafleur & 2000 Cheval Blanc. Ein Lunch der Superlative ...

NAPA & BORDEAUX, JAHRGANG 1990! Ein wunderschöner, gereifter Jahrgang auf beiden Seiten. Ein ausgeglichenes Genusstreffen mit ganz bekannten Cabernets und Bordeaux Crus. Gewonnen haben beide Regionen ...

1998ER BORDEAUX IM TESSIN!
Ein Weinlunch der Superlative im Ristorante Ciani in Lugano. Pétrus als Tagessieger - mit ganz starker Konkurrenz. Mit am Tisch beide Zaninis ...

ZITTERPARTIE UM MAGNUMFLASCHEN!
Sechzehn tolle Magnumflaschen auf dem Sempacherof-Genusstisch. Honivogl, Saint-Julien, Latour, Pingus, Grange, Marthas, Saturio ...

CHÂTEAU COS D'ESTOURNEL IM RESTAURANT REUSSBAD!
Zwölf Jahrgänge von diesem Türmchen-Saint-Estèphe fast in der Reihe 1990 und 2000 bis 2010. Offeriert von Jörg Studach ...

DURCHZOGENE KALIFORNIENPARADE! Heitz, Spottwoode, Abreu, Harlan, Grace Family & Co. Ein bunter Abend mit Bestätigungen und Enttäuschungen. Un einem ganz alten Sauternes ...

CHATEAUNEUF UND GABRIEL BOEUF!
Rayas, Beaucastel, Cuvée Céléstines, Da Capo. Ein ganzer Reigen der besten Weinen aus Châteauneuf von ganz grossen, reifen Jahrgängen ...

EINMALIGE VERTIKALE CHÂTEAU LAFLEUR! Er ist der heimliche Star unter den Pomerols. Leider rar und teuer. Ausser jeder Freund bringt eine Flasche mit. Plus d'Yquem 1928, 1929. Plus uralte Ports  ...

IRTO, SCALA & BALIN - DAS TOP TRIO DER CANTINA BARBENGO! Die neuesten Jahrgänge von Anna Barbara Kopp von der Crone und Paolo Visini sind im Handel. Wir haben diese getestet und auch eine ganz besondere Magnum ...

RUND HUNDERT JAHRE ALTE SAUTERNES! Jürg Richter öffnete 24 Weine aus Sauternes in der Bandbreite von 1899 bis 1921. Wenig Ausfälle und viele Überraschungen ...

HONIVOGL AUS DER WACHAU UND HOSANNA AUS POMEROL! Ein genüsslicher Sonntag mit guten Freunden und sechs tollen Weinen. Das Fünfgang-Menu wies ein paar spannende Trüffelakzente auf ...

TRINKT MAN DIE BESTEN WALLISER WEINE ZU JUNG? Jung trinken oder reifen lassen? Es ist eine Frage des Geschmacks. Aber, das Potential wird eindeutig unterschätzt. Wie der Bericht von André Kunz beweist ...

JUBILÄUMS-EVENT: ZEHN JAHRE GABRIEL-GLAS! Rund 70 Gäste, Wachauer Smaragde, rote Bordeauxweine. Alle 10 Jahre alt. Genau so wie das Gabriel Glas ...

ALLE BORDEAUX-PREMIER-GRAND-CRUS AN EINEM ABEND! Anstatt einer Bordeauxreise traf sich die Gruppe im Gabriel Keller zu einem ganz besonderen Stelldichein ...

DER BURGENLÄNDISCHE PRAITENBRUNN TRITT GEGEN SASSICAIA UND ORNELLAIA AN! Und schneidet dabei ganz gut ab. Die Geschichte einer Sonntagsprobe in Andau mit Erich Scheiblhofer ...

CHATEAU L'EGLISE-CLINET VON 1982 BIS 2018!
Im Gedenken an den verstobenen Weingutsbesitzer Denis Durantou. Ein erinnerungswürdiger Sonntagmittag im Balm Meggen ...

MOUTON-MOOS-MONTAG!
Neun Jahrgänge Mouton; 1959, 1961, 1982, 1986, 1988, 1990, 2000, 2005 und 2008. Eine Weinprobe, welche keinen Rappen kostet. Wie das geht?

ZWEITWEINE MIT DURCHZOGENER BILANZ! Was sind die Kriterien für einen Deuxième Vins und wie enstehen diese im Rebberg und im Keller? Sieger war der 1996 Les Forts de Latour ...

BORDEAUX 1950 & HIRTZBERGER 1950! Eine verspätete Geburtstagsfeier mit Bordeauxweinen vom Jahrgang 1950 bei Franz Hirtzberger in der Wachau. Ducru war der beste ...

GROSSE WEINE VON LACULES!
Der griechische Wein wird mehr besungen wie gelobt! Hier finden Sie die wunderbare Geschichte eines jungen Weingutes mit Zukunftspotential ...

BORDEAUX 1920 - VOR 100 JAHREN! Ein Rückblick auf das Weltgeschehen und auf die Bordeaux-Weine vom Jahrgang 1920. Mit dem Château Lafauriey-Peyraguey im Glas ...

2012 BORDEAUX UND PIRATEN! Zwanzig Weine auf dem Prüfstand. 16 Bordeaux und vier Piraten (Bonnes Mares, Almaviva, Barbaresco, La Turque. Die besten Weine: Lafleur, Mission, Ausone und Ducru ...

FINESSEN CABERNET SAUVIGNON AUS CHINA! Gesprochen wurde schon lange darüber. Jetzt ist ein ganz grosser Cabernet von Changyu Moser (19/20) im Markt erhältlich ...

SPRUDELND DURCH DEN MONTAGABEND! Und immer wieder etwas Champagner zwischen den Rotweinen. Montag ist aller Genuss Anfang. Schöne Bordeauxweine und zwei heisse Châteauneuf ...

SAUVIGNON BLANC VOM KAP IM DUTZEND! In der Region Südafrika werden grossartige Sauvingon Blanc produziert. Mit 12% Weltanbauanteil gehören diese zu den attraktivsten Anbietern mit günstigen Preisen sind ...

2009 BORDEAUX VOM DER LINKEN UFER IM ESCHENBACHER MOOS! Pape, Lafite, Lynch, Cos, Phélan, Meyney und Poyferre. Alle vom Giga-Jahrgang Und zum Abrunden; hausgemachte Kutteln ...

CHATEAU PAPE-CLEMENT TROTZT DER SOMMERHITZE! Es war ein heisser Sommerabend. Mineralwasser war gefragt. Die Weine aber auch, als der grösste Durst gelöscht war. Der schönste Wein; 1996 ...

BRUNELLO UND SIDI BARRANI! Sechs Mal Brunello di Montalcino vom grossen Jahrgang 2007. Einmal gibt es sogar 20/20 vom sonst eher brunellunfreundlichen Gabriel ...

GROSSE WEINE VOM KLEINEN CHÂTEAU! 
Mit dem Inital 2018 katapultieren sich die Simonets aus Motier (Vully) an die Schweizer Rotweinspitze. 19/20 für 60% Diolinoir und 40% Merlot ...  

FASSPROBEN VON BORDEAUX 2019!  Home-Office statt Château. André Kunz hat die Fassproben vom tollen Jahrgang 2019 in der Schweiz verkostet. Kaufen, weil a.) sehr gut und b.) günstig wie noch nie ...

1994 DOMINUS FÜR DOMINIC! Ein Spitzenwein aus Kalifornien für einen Spitzenkoch aus Buonas. Viele Weine vom Jahrgang 1994 - den ganzen Abend lang ...

ZWANZIG MAGNUM UNTER DER BURG! Ein anspruchsvolles Volksfest mit Eineinhalbliterflaschen vom Feinsten. Von 1929 Pontet Canet bis zu einem 1982er-Trio mit Lynch-Bages, Pichon-Lalande und Mouton ...

HILL OF GRACE VON HENSCHKE - EINE VERTIKALE VON 1973 BIS 2006! Er ist der heimliche Konkurrent vom Grange. Ist aber ein 100% Shiraz und ein reiner Lagenwein. Und rar und teuer. Was noch? ...

DAS ALLERBESTE VON PEBY FAUGERES! Ein Senkrechtstarter aus Saint Emilion. Merlot mit absolutem Weltklasseformat. Zwei Mal 20 Punkte. Jahränge 2009 bis zum Fassmuster 2019 ...

BORDEAUXWEINE IM ALARMGESICHTERTEN GABRIEL-KELLER! Ein weiniger Abend mit Freunden mit dem Jahrgang 1960 als roten Faden. Höhepunkt; 2009 Gazin und viele andere toll Bordeaux ...

COS UND ASPIK! Sieben Jahrgänge von Château Cos d'Estournel (1983 bis 2003). Sieben gute Freunde. Und ein hausgemachter Aspik., den man unter dem Namen Sülze besser kennt ...

CHÂTEAUNEUF-DU-PAPE UND KUTTELN!
Mit von der Partie: Ein bombastischer 2000 Beaucastel. Ein intellektueller 2005 Henri Bonnneau Réserve des Célestines. Und ein grosser Topf mit Kutteln à gogo ...

POMEROL UND KOTELETTEN!
Was für ein Fest! Pomerol 2005. Nearly ready. Certan de May, Gazin, La Croix, Clinet und Lafleur. Ein Genussbericht auf drei Seiten ...

CHÂTEAU LASCOMBES 1982 & CHÀTEAU LASCOMBES 2010! Beide nebeneinander im Gabriel-Glas. Ein analytischer Versuch Parallelen wie auch Differenzen zu finden ...

ITALIENISCHE ROTWEINE MIT FREUNDEN! Jeder brachte eine Flasche mit. Da kam so Allerlei zusammen. Der Wein des Abends: 2006 Sassicaia umgarnt von einer wunderbaren  hausgemachten Lasagne ...

JASSEN MIT BORDEAUXWEINEN! Acht Stunden lang Kartenspielen mit einem währschaften Nachtessen dazwischen. Für einmal keine Degustationsbericht, sondern ein Genussprotokoll ...  

MARGAUX-WEINE IM ESCHENBACHER MOOS!
Wenn Freunde sich treffen und jeder eine Flasche mitnimmt, kann das ein sehr schöner Abend werden. Von Rauzan-Ségla, Giscours, Prieuré-Lichine & Co ...

THE DEBATE AUS NAPA VALLEY! Der Produktionsstart erfolgte im Jahr 2011. Ohne eigene Trauben, ohne eigene Winery, aber mit einer Vision. Hier sind die Verkostungsnotizen und Bewertungen des allerersten Jahrganges ...

SATURIO AUF SENSATIONSKURS! Südlich von Wien, in Guntramsdorf bekommen die Weltklasse-Merlots Konkurrenz. Der neue Jahrgang 2018 schmeckt fast ein Bisschen nach La Conseillante ...

ARACHON, VON EVOLUTION ZUR REVOLUTION! Ein österreichischer Premiumwein aus dem Burgenland erfindet sich neu mit dem sensationellen Jahrgang 2017 ...

BORDEAUX 2017! Just abgefüllt und schon degustiert. André Kunz hat mehr als 50 Weine verkostet und bewertet. Weissweine, Rotweine, Süssweine ...

MALANSER CHAMBERTIN?
Auch mit seiner zweiten Edition vom Pinot Noir Privée schafft es der Bündner Winzer Martin Donatsch nach den Burgunder-Grand-Cru-Sternen zu greiffen ...

MASSETO, EGLISE-CLINET, MOUTON-ROTHSCHILD, PINGUS! Vier Spitzenweine, die gar nichts gemeinsam haben. Obwohl alle vom Jahrgang 2010 sind. Eine Analyse des sich näherkommens ...

CHATEAU HAUT-BRION IN MEGGEN!
Mit einer ganz besonderen Flasche aus dem Privatkeller war man zum Menupreis dabei. Die Vertikale lässt sich sehen. Haut-Brion von 1926 bis 2000. Und fast alles in Bestform ...

HÄNDE WEG VON TEUREN WEISSEN BORDEAUX! Warum günstige Weissweine aus Bordeaux in der Regel zuverlässiger sind und mehr Freude bereiten. Und warum man von teuren Weissen aus dieser Region die Finger lassen sollte ...

GMS-DEFILEE DER SONDERKLASSE! Ein ganz lieber Weinfreund, Gerhard Müller-Schwefe, feierte seinen 70igsten Geburtstag zwei Tage lang mit ganz besonderen Flaschen ...

FINALES MOUTON-FINALE! Das grosse Schlussbouquet eines langjährigen, traditionellen Anlasses im Old Swiss House in Luzern. Der Jahrgang 1900 als unerwartete Sensation ...

POMEROL-SEDUCTION - 10 WEINGÜTER AUF EINMAL! Beauregard, Clinet, Clos du Clocher, La Conseilante, Nenin, Gazin, La Pointe, Mazeyres, Rouget, Vieux Maillet - alle diese Weine gabs im Sempacherhof im Januar ...

40 JÄHRIGER POMEROL

1979 Château Latour à Pomerol: Die Farbe ist nicht besonderlich tief, zeigt aber noch viel Rot und erstaunlich wenig Reifetöne. Die Nase duftet irgendwie nach einem Blend von einem Corton und Beaune. Will heissen; eher nach einem grossen Burgunder wie nach einem Pomerol. Aber so was gibt es recht oft! Da ist immer noch viel beerige Frucht und Hagebuttengelée. Nasal ist der Reigen ein Wechselbild von frischem Hirschleder, hellen Cigarren und getrockneten Waldchampignons. Im Gaumen wirkt er fein stoffig. Allenfalls etwas mürbe vom Fluss her. Er bereitet aber immer noch eine unerwartet grosse Freude. Ich erinnere mich an eine Vinum-Degustation vor rund 35 Jahren. Da schlug dieser Latour à Pomerol sogar Pétrus und andere grosse Pomerol-Konkurrenten. Eigentlich entkorkte ich den Wein nur, weil ich demnächst einen Hasenragout im Römertopf avisiere. Dieser bleibt im Gabriel-Glas und wird mir heute Abend eine grosse Pomerol-Freude bereiten. Und ruiniert werde ich bei diesem Vorhaben auch nicht. Der Inventarpreis liegt / lag nämlich bei 35 Franken. 18/20

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Liebe Weinfreunde

Das wird kein Zuckerschlecken. Kein Tanninjumpen. Kein Säuretanz! Oder halt nur ein kleiner Abriss dessen, was in früheren Weinjahren passierte. Die ehemalige Hochkonjunktur befindet sich in einer erzwungenen Flaute.

Wenn die Motivation im Keller ist, dann gehe ich halt selber auch dorthin. Und da hole ich mir schöne Flaschen, um die vinöse Einsamkeit zu Verdrängen.

Einen grossen Wein zu trinken macht nur so richtig Freude, wenn man diese Bouteille mit Freunden teilen kann. Deshalb lasse ich meine allerbesten Flaschen halt für eine Weile schlummern.

Corona hat uns weiterhin fest im Griff. Natürlich in erster Linie was Weinreisen oder Weinverkostungen oder sonstige Weinevents betrifft.

Momentan stehe ich zu dieser Situation «Gewehr bei Fuss». Will heissen;

- Es werden keine neuen Events mehr aufgeschaltet.
- Was abgesagt werden muss, wird ohne Verschiebungsdatum anulliert.
- Einbezahlte Beträge werden sofort zurückbezahlt.

Euch wünsche ich allen (trotzdem) ganz viele, schöne Weinerlebnisse ...

Alles Gute aus Eschenbach!

René / René Gabriel