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WAS SO ALLES PASSIERTE IM JAHR 2021 ...

SCHWEINSBRATWURST TARTINE

Erstens: 1 Schnittbrot
Zweitens: Ein paar Spritzer Weisswein aufs Brot
Drittens: Rohe Schweinsbratwurst ohne Darm verteilen
Viertens: Feine Zwiebelscheiben mit Öl, Paprika, frischen Kräutern, grobem Pfeffer, Rosmarin* marinieren und mit Hand weich kneten, darüber verteilen
Fünftens: 10 Minuten bei 210 Grad Umluft im Ofen
Aus dem Ofen nehmen und auf dem Brett servieren.
Eventuell etwas frischen Schnittlauch darüber
*Anstatt Rosmarin Thymian oder fein geschnittener Salbei

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GEGEN ALLES!

Landläufig könnte allenfalls – durch meine eigenen und auch geteilten Posts – das Gefühl aufkommen, dass ich etwas gegen die Gegner der Impfgegner haben könnte. Aber das stimmt nicht. Ich bewundere die Impfgegner welche Energie diese aufwenden, um sich als Minderheiten diskriminiert zu fühlen. Und das tun diese, Dank sozialen Meiden so energisch, dass jeder eine Stimme bekommt und durch das Teilen der gleichen Spezies eine multiple Mindermehrheit erlangen.

Alle, welche sich der Impfung unterworfen haben, geniessen die neuen Freiheiten, welche sich den alten Gewohnheiten immer mehr annähern. Was mich in dieser Stimmung etwas erdrückt ist der Umstand, dass die Drei-G-Truppe sich auffallend ruhig zu diesem Thema verhält und sich unterwürfig der schweigenden Mehrheit verpflichtet fühlt.

Mein verstorbener Freund und Buchautor René Schweizer (das Schweizer Buch) war Präsident vom Basler Verein «Gaga», welcher die generelle Aufgabe hatte, den «Erdball zu verblüffen». Vor ganz vielen Jahren liess er Aufkleber drucken, welche man am Briefkasten anbringen konnte. Darauf stand: «Gegen Alles!». Ich denke, man sollte eine Reproduktion dieses Klebers ins Auge fassen …

Und nochmals zur allgemeinen Klärung: Ich habe absolut nichts gegen die Gegner der Impfgegner. Im Gegenteil!  

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WIENER SCHNITZEL & PICHON-LALANDE

Wie kann man das wohl beliebteste Wiener Schnitzel der Schweiz noch besser machen? Ganz einfach, indem man dazu grossartige Weine trinkt!

Gemäss kochwicki.org soll es ein Weisswein sein, welcher kräftig ist. Ein Riesling sei da in jedem Fall eine sehr gute Wahl.
Die Wein- und Genussfachzeitschrift Falstaff hat unlängst ein paar renommierte Persönlich-keiten zum passenden Wein in Kombination mit dem Wiener Schnitzel befragt …

Der Weinakademiker und Weinhändler Philipp Schäffer betreibt die Vinothek «Schäffer's» in Graz. Zu dem Wiener Klassiker empfiehlt er einen reifen Grüner Veltliner aus der Wachau, nämlich den 2013 Grüner Veltliner Baumpresse vom Nikolaihof.  

Melanie Wagner ist Chefsommelière im renommierten Restaurant «Schwarzer Adler» im deutschen Oberbergen. Als optimale Speisenbegleitung setzt sie auf den Pinot Blanc Ried Haidsatz vom Weingut Prieler aus dem Burgenland.

Der Sommelier und Gastronom Stefan Iseli ist Gastgeber des Restaurants «Limmathof» in Zürich und gibt seinen Tipp ebenfalls in Richtung Österreich ab und greift zum 2015 Rotgipfler «Ried Rodauner» Top Selektion, Weingut Alphart aus der Thermenregion.

Die angehende Weinakademikerin und Betreiberin des Weinblogs «Weinblick» Daniela Wüthrich war zuletzt als Head Sommelière im «Victoria-Jungfrau Grand Hotel» in Interlaken tätig. Zum Schnitzel kombiniert sie einen Chenin Blanc aus Frankreich. Dabei empfiehlt sie konkret den Clos de la Bergerie 2018, La Coulée de Serrant aus der Loire.

Sophie Lehmann ist Gastgeberin und Sommelière im Sternerestaurant «100/200 Kitchen» in Hamburg. Zum Wiener Schnitzel empfiehlt sie 2017 «Quintaine», Weingut von Marc et Sophie Pierrette. Also geht Ihre Speisenbegleitempfehlung Richtung Burgund weiss.  

Weitere Empfehlungen laufen in der Regel fast immer in Richtung Weisswein aus Österreich. Zwei Drittel davon entfallen auf Grünen Veltliner. Ist auch nachvollziehbar, denn schliesslich ist das Wiener Schnitzel ein Austria-Nationalgericht, welches seine Bekanntheit weit über die Landesgrenzen geschafft hat.

Einen Riesling vom Knoll muss es für Mövenpick in deren konkreten Empfehlung in einem Mailing zu diesem Thema sein. Und zwar aus der Lage Ried Loibenberg. Dass es ein Smaragd sein sollte, versteht sich von selbst. Sonst geht der Wein in den gebackenen Bröseln sicherlich unter.  

ROTWEIN ZU WIENER SCHNITZEL?

Die Suche nach der besten Speisen-Wein-Harmonie im Netz lieferte in erster Linie Weissweinempfehlungen. Mit dem Suchbegriff «Weisswein zu Wiener Schnitzel» lieferte Google fast 20 Millionen Treffer. Die gleiche Suche mit Rotwein dümpelte mit lediglich 265'000 Treffern dahin.

Und doch gibt es Ideen, wie man sich ins Rotweinlager flüchten könnte. Und das ist für die Schweizer wichtig, denn hierzulande werden immer noch mehr wie zwei Drittel der konsumierten Weine mit der Farbe «Rot» entkorkt.

Captain Cork favorisiert ebenfalls Austria Weissweine und findet, dass der Grüne Veltliner in jedem Falle die Nase vorne hat. Aber auch Riesling würde sehr gut passen. Dann aber auch gleich, aus nationalistischen Gründen, einer aus Felix Austria bitte! Rotweine würden hier aber auch toleriert. So in Richtung Beaujolais oder gar einen leichten Trollinger. Spass beiseite, der ist ja immer leicht. Die Ausschanktemperatur sei dabei wichtig und der Wein sollte «ziemlich kühl» serviert werden.  

Das Hamburger-Weinhandelshaus Hawesko empfiehlt in dieser Angelegenheit einen Zweigelt aus Österreich. Auch hier mit dem Hinweis, dass man diesen relativ kühl trinken sollte.

Vinum.eu meint, dass falls Rotwein zum Wiener Schnitzel gewünscht werde, sich eine barriquegelagerte Cuvée aus Monica di Sardegna, Carignano wohl am besten eignen würde. Dieser Tipp scheint mir nicht ganz uneigennützig.

Ein sehr guter Wein zu diesem Gericht sei ein Barbera schreibt wine-in-black.de. So könnte dieser Nebbiolo sein «fruchtig-freundliches Gesicht» zeigen. Dabei wird aber nicht spezifisch darauf eingegangen, ob es ein Barbera aus der Region Alba oder Asti sein soll. Ich würde da wohl den Letzteren wählen, wegen der etwas höheren Säure, passend zum doch recht fettigen Gericht.
Was ich nirgends gefunden habe, ist / wäre eine Empfehlung, dass man zum Wiener Schnitzel auch roten Bordeaux trinken könnte.  

Wir probierten die Kombination mit dem Wiener Schnitzel mit dem Pichon Lalande aus. Und nicht nur mit dem Wiener Schnitzel ...

14 JAHRGÄNGE PICHON_LONGUEVILLE-COMTESSE-DE LALANDE VON 1906 BIS 2014

«To double the happyness is to share». Auf Deutsch heisst das, dass man das Glück verdoppeln kann, wenn man es teilt. So geht es unserem Zirkel. Wenn Jeder Weinflaschen aus seinem Keller mitbringt und diese mit seinen Freunden teilt. Und auch diese wiederum Wein mitnehmen, kommt ein beindruckendes Weinglück zusammen.

In unserem Falle standen 14 Bouteillen vom Pauillac mit dem Rattenschwanznamen Château Pichon-Longueville-Comtesse-de-Lalande auf dem Gabentisch. Von 1906 bis 2014, mit einer berechneten Bandbreite von 108 Jahren.    

1906 Château Pichon-Longueville-Comtesse-de-Lalande: Deutlich aufhellendes Rostrot. Nasal immer noch eine gewisse Süsse ausstrahlend, Zedern, dominikanischer Tabak, altes Leder, feuchtes Frühlingslaub und alter Kochmadeira, vermischt mit flüchtiger Säure, also einem minimen Essigstich. Im Gaumen drahtig und flach. Jungweintrinker Jörg Studach attestierte im immerhin noch «ein gewisses Restvergnügen». Die Flasche wies einen Füllstand von unterer Schulter auf, was sich noch zum generellen Altweinrisiko paarte.  Keine Bewertung.
WILLY’S JAHRGANG

Eine honorige Flasche aus den Beständen vom Vater des heutigen Old-Swiss-House-Wirt Philippe Buholzer. (Bild)

1931 Château Pichon-Longueville-Comtesse-de-Lalande: Immer noch erstaunlich dunkel. Aussen am Rand verständliche Reifetöne zeigend. Nussiger Nasenbeginn, rote Zichorie, Sägemehl, leicht staubig und Kapselspuren anzeigend. Im Gaumen dann die Überraschung; weich, samtig, eingebundene Säure, vielleicht im Fluss gegen das Finale leicht spröde. Gemessen an den generellen Jahrgangserwartungen war dies ein kleines Wunder. 16/20 vorbei

KNAPP UNTER 10'000 FRANKEN

In den Anfängen kostete dieser heute extrem gesuchte Pauillac etwa 35 Franken. Heute liegt der Marktwert pro Flasche bei 900 Franken. Das wäre eine gute Kapitalanlage gewesen …
Zwei Anbieter offerieren noch eine ganze Zwölfer-Originalholzkiste, knapp unter zehntausend «Flocken».
 
1982 Château Pichon-Longueville-Comtesse-de-Lalande: Sehr dunkles, etwas dumpfes Rot mit satter Mitte. Das bullige Bouquet ist euphorisch und erotisch zugleich. Ein Ausbund von weit ausladender, verschwenderischer Cabernetsüsse zeigt sich von der ersten Sekunde an; Caramel, Nougat, Sandelholz, Vanille. Mehr fett wie füllig und so einen unglaublich nasalen Reichtum anzeigend. Im Gaumen vermittelt er wieder eine selten dagewesene Süsse und Fülle, welche hier eher an einen ganz grossen Pomerol erinnert. Out of Space! Eine super- gelagerte Flasche aus dem reich bestückten Old-Swiss-House-Weinkeller. 20/20 trinken

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NOCH ZU HABEN, FÜR 129 FRANKEN

1994 Château Pichon-Longueville-Comtesse-de-Lalande: Immer noch recht jugendliche Farbe, nur aussen minim ziegelroten Schimmer aufweisend. Die Nase gibt sich sehr würzig, Vanillemark, Cassis, Brombeeren. Minim laktische Züge, was dem eher schlanken Bouquet eine sympathische Fülle verleiht. Im Gaumen eher schlank, immer noch gutstützende Adstringenz, feinfleischiger Körper, aromatisches Finish. Einer der besten 1994er! CHF 129 bei Orvinum. 19/20 trinken


UMFRAGE AUF FACEBOOK

Einen Tag zuvor lancierte ich einen Post mit der Frage, ob Pichon-Lalande zu Wiener Schnitzel passt. Einen Tag später hatte ich 60 Kommentare zu diesem Thema in der Box. Hier eine Auswahl der Reflektionen …

Abel: «Zum Schnitzel gehört Bier». Lehnherr: «Kein schwerer, tanninhaltiger Rotwein, eher ein Clevner oder auch ein Federweisser». Supp: «Zur Not kann man das Schnitzel ja weglassen». Mc Auley: «Gekühlter Spätburgunder wäre einen Versuch wert». Viehauser: «Erst Schnitzel essen, dann Bordeaux trinken». Stampfli: «Vina Ardanza von Rioja Alta. Unglaublich fein dazu!». Ottiger: «Naja, ein Tessiner-Merlot wie Sassi Grossi, Balin, Gran Risavier oder Castello Luigi passen für mich grossartig». Goosens: «Habe schon öfters Bordeaux zu Wiener Schnitzel getrunken. Etwas exotisch muss ich zugeben aber passt gut». Romano: «Ein jüngerer Bordeaux mit höherem Merlot-Anteil vom rive droite oder auch gereifte Jahrgänge passen hervorragend». Steinkellner: «Ein ordentliches Kalbsschnitzel (Orig. Wiener) im Butterschmalz gebacken mit ordentlichen Erdäpflsalat bleibt ebenso in bester Erinnerung wie Pichon. TOP». Weinert: Es ist immer eine perfekte Verbindung, regional mit Wein und Speisen. Aber wie sich die Menschen mittlerweilen "cross-over" vermählen, so kann es durchaus auch Speis und Trank gut tun ...

MARGENVERBESSERUNG

Rund um das Old-Swiss-House Schnitzel gibt es einige Anekdoten. Zwei davon möchte ich Euch nicht vorenthalten.
Der Vater vom heutigen Wirt, Willy Buholzer, wurde einmal von einem Gast gefragt, warum das Schnitzel auf der Karte so teuer sei. Er antwortete: «Er könnte dieses Gericht schon günstiger anbieten, aber dann würde er ja weniger verdienen!»
An einem weinigen Abend sass ich dem heutigen Wirt Philippe Buholzer gegenüber. Als gelernte Köche fachsimpelten wir ein bisschen herum und ich fragte ihn beiläufig: «Weisst Du, wie Du die Marge von Deinem Schnitzel massiv verbessern kannst?». Diese Frage stiess bei Philippe auf sofortiges Interesse. «Du musst das Schnitzel mehrere Male panieren und dann, kurz vor dem Anbraten, das Schnitzel rausziehen!».

NOCH ZU JUNG ABER GENIAL

2014 Château Pichon-Longueville-Comtesse-de-Lalande: Der jüngste Wein des Abends und so präsentierte sich auch seine Farbe; Violett-Schwarz. Pfeffriges, schier ausschliesslich schwarzbeeriges Bouquet, eng gegliedert und eine bemerkenswerte Tiefe anzeigend. Je mehr Luft er bekommt, umso mehr mutiert das Nasenbild in Richtung Cassis. Im Gaumen fest, noch adstringierend, aber reife Tannine aufzeigend, unglaubliches Finale. Noch weit von seiner Genussreife entfernt, aber auf dem Weg, in etwa 10 Jahren erstmals riesengrossen Genuss zu bieten. Der Marktwert liegt unter 130 Franken. Achtung. Fertig. Kaufen!!! 20/20 warten

Der grosse Pichon-Lalande-Schnitzelbericht:  www.bxtotal.com

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CHÂTEAU PAPE-CLÉMENT, STATT SOMMERWEIN
 
In einem ziemlich grossen Portrait der Sonntagszeitung, vor schon ganz vielen Jahren, wurde mir der Titel «Bordeaux Papst» angedichtet. Und seither haftet er hartnäckig in Verbindung mit meinem Namen. Was schmeichlerisch rüberkommt, ist de facto komplett falsch. Denn – der richtige Bordeaux-Papst hiess nicht René, sondern Clemens. Er lebte vor mehr als 700 Jahren. Sein Weingut wurde nach ihm benannt: Château Pape Clément. Doch offensichtlich liebte er seinen Glauben mehr wie seinen eigenen Wein. Bei mir ist dies irgendwie genau umgekehrt …

Wenn man einen Event plant, so kann man praktisch alles rechtzeitig vorbereiten. Das Datum. Die Weine. Die Gäste. Alles kein Problem. Was man nicht selbst justieren kann ist das Wetter. Der deutsche Sänger Peter Maffay beschrieb die von uns angetroffenen Wetterbedingungen mit dem Titel «Und es war Sommer». Maffay stellt übrigens auch Weine her. Auf seiner Finca in Mallorca.
Da ich für die Präparation der Weine zuständig war, musste ich mir das Prozedere genau überlegen, denn am Abend waren 28 Grad angesagt. Bei diesen Temperaturen trinken die Schweizer normalerweise Wasser, Bier, Weisswein oder Rosé. Ausser die Gästeschar in der Bromenegg in Römerswil. Die tranken Rotwein. Zwölf Jahrgänge vom Bordeaux-weingut Château Pape-Clément. Von 1978 bis 2012. Also alles wunderschön gereifte Jahrgänge oder solche, welche schon bald die erste Genussreife erreichen.

Um sich den sommerlichen Temperaturen anzupassen, schauten wir darauf, dass die Weine recht kühl ins Glas kamen. Warm wurden diese ja schliesslich von selbst. Also entkorkte ich die Weine am Nachmittag und stellte diese in den Weissweinkühlschrank. Diesen Zwölferkarton zügelte ich dann an den Veranstaltungsort. Und dort jonglierten wir und servierten die Weine massiv unterkühlt. Jetzt mussten die Degustatoren nur noch den richtigen «Celsius-Moment» abwarten, schnell verkosten und ebenso rationell trinken.    

WEINE, VINOTHEK UND ZIMMER

Vier Weine werden auf Château Pape-Clément hergestellt. Der weisse und der rote Pape. Und die zwei dazu passenden Zweitweine, welche den Übernamen «Clémentin» tragen.

Uns interessierte an diesem Abend aber «nur» der rote Grand Vin. Davon gibt es rund 100'000 Flaschen in einem normalen Jahr.

Früher bestand er aus Cabernet Sauvignon und Merlot. Heute findet man zuweilen auch etwas Cabernet Franc in der Assemblage.

Es handelt sich dabei um einen meiner Lieblingsbordeaux’ und deshalb gibt es in meiner Excel Datei viele Positionen und im Keller entsprechend viele Flaschen davon.   

ERKENNEN SIE DEN UNTERSCHIED?

Vielleicht spielen sie manchmal auch mit, wenn es in einer Zeitschrift darum geht, bei so genannten Fehlersuchbildern die Fehler zu finden. Ist gar nicht immer so leicht. Besonders in diesem Fall …

Schauen Sie also genau hin! Fixieren Sie die beiden Flaschen ganz genau mit den Augen.

Haben Sie den Fehler gefunden? Können Sie auch nicht. Die Flasche links auf dem Bild hatte einen fürchterlichen Korkfehler. Also musste ich eine zweite Flasche opfern.

 
Irgendwie ist das Murphys-Gesetz ...
Erstens ist dies einer meiner Lieblingsweine vom Jahrgang 1990. Zweitens besitze ich davon nur noch ganz wenige Flaschen.
Und drittens findet man im helvetischen Markt keine einzige Flasche mehr!

1990 Château Pape-Clément: Bräunliches, Ziegelrot, am Rand aufhellend. So muss Terroir! So muss Pessac! So muss Pape! Dieser immer grossartige Wein liefert von der ersten Sekunde an die Faszination eines grossen gereiften Bordeaux’ ab. Cohiba Cigarren, dunkle Rosinen, Teerspuren, Darjeelingtee, Lakritze, Black Currant. Zugegeben, es ist mehr erdige Würze wie Restfrucht da. Darf er auch, nach 30 Jahren in der Flasche. Im Gaumen die Nonchalance des saftigen, gut ausgewogenen 90er-Jahrganges zeigend. Gebündeltes aromatisches Finale. Jetzt aber definitiv auf dem Genusspeak. Aber das behaupte ich ja schon lange. 19/20 trinken  

POUMEY – MIT PAPE-REFLEKTIONEN

Er duftet nach Pape. Liegt nur ein paar Kilometer von Pape entfernt und wurde von der Pape-Crew im gleichen Stil vinifiziert. Erstmals im Jahr 1996 und bald danach nie mehr. Denn die Produktion von diesem wunderbaren Kleinod (2.5 Hektar), wurde aus Rentabilitätsgründen mit dem Jahrgang 2003 in die Produktion von Pape-Clement integriert.

Den Jahrgang 1996 hatte ich als Entdeckung für die Mövenpick Kunden gekauft. Davon habe ich auch selbst noch ein paar Flaschen Keller und er schmeckt wunderbar. Von den Grundaromen her erinnert er ziemlich an seinen grossen Bruder. (17/20)


2000 Château Pape-Clément: Sattes Purpur mit blutroten Reflexen. Das Bouquet ist dramatisch, extrem tief, sehr dunkle Beerenaromen, Rauch und Sommertrüffel absorbierend. Er legt – mit jedem Luftzutritt – neue Duftschichten nach. Im Gaumen fleischig, stoffig, sehr konzentriert, eine ausgeglichene Adstringenz abliefernd. Im Finale mit herrlichen Pessac-Aromen nur so um sich werfend. Ein Klassiker, der auch eine gewisse Erotik in sich birgt. Mittlerweile ist sein Marktpreis auf etwa 250 Franken angestiegen. Will heissen; andere haben es auch gemerkt! 19/20 trinken






BAROCKER TISCHWEIN

Pro Flight wurden jeweils vier Weine serviert. Links; drei verschiedene stets wechselnde Jahrgänge vom Pape. Rechts der Tischwein. Ich nenne ihn jeweils den «Gabriel’schen Beistellwein». Er wird jeweils «beigestellt», kann aber auch – weil er in grösseren Mengen vorhanden ist, dem Gast das «Bein stellen». Vom Begriff her wird hier also doppelt gemoppelt. Der Tischwein soll das Gebotene nicht konkurrenzieren, sondern begleiten. Werden (zu) junge degustiert, so soll es ein besonders trinkfreudiger Wein sein. Sind die dargebotenen Jahrgänge eher reif, kann es auch was Verlangendes sein. Dies fokussiert sich dann mehr auf Speisenbegleitung. Das war in diesem Fall der Fall …


2006 Coeur du Retout: Spezialproduktion für Mövenpick. Immer noch unglaublich dunkel und auch noch sehr jung im Farbansatz. Das Bouquet ist barock, tiefgründig, sanft erdig, Trüffelansätze, schwarze Oliven, Pumpernickel und Brazil-Tabak. Im zweiten Ansatz Petrol (mineralische Charakterzüge). Er geht dabei ziemlich in die Tiefe, was seine nasale Kommunikation zu Beginn etwas einschränkt. Fester Gaumen, fleischig, auch noch verlangend und somit deutlich adstringierend, im Finale Wildfleisch und schwarzes Pfeffermehl. Mit genügendem Luftzutritt rundet er sich ab, zeigt aber auch da noch hartnäckig sein weiteres Potential. Er erinnert auch ein Bisschen an einen massiven Rutherford-Napa-Cabernet. Ein einmaliger Wein, im doppelten Sinne. Nicht zuletzt deshalb, weil es «ihn» nur einmal gab. Zwei Stunden dekantieren tut ihm gut. Noch länger ist noch besser …18/20 trinken  

Der grosse Verkostungsbericht: www.bxtotal.com

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BARRAUD’S BESTER WEIN HEISST LYNSOLENCE

Der Winzer Dennis Barraud macht verschiedene Weine in und rund um Saint Emilion. Sein bester Wein ist der Lynsolence. Ein 100%iger Merlot produziert aus 45 bis 50jährigen Reben. Die Terroirs weisen eine Pflanzdichte von 5'600 Stöcken pro Hektar auf. Das Geheimnis seiner Konzentration liegt im niedrigen Ertrag. Und der liegt – je nach Jahrgang – bei 19 bis 25 hl/ha. Besonders bekannt ist dieser Wein nicht. Kann er auch nicht sein, denn die knapp 2.5 Hektaren Rebland, welche in St. Sulpice de Faleyres liegen, produzieren jeweils so um 6'000 Flaschen von diesem besonderen Nektar. Er trägt zwar den Adelstitel «Grand Cru» kommt aber ohne den Zusatznamen «Château» auf dem Etikett aus. Ausgebaut wir der in 100% neuen Barriquen aus Tronçais.  

2015 Lynsolence, Saint Emilion Grand Cru. Sattes Purpur mit violetten Reflexen in der Mitte. Die Nase gibt sich – für sein junges Alter – schon recht wuchtig und liefert dunkle Schokolade und Brombeeren gleichzeitig. Im zweiten Ansatz reife, schwarze Oliven, Edelhölzer und Pumpernickel Brot. Er geht dabei in eine spannende Tiefe. Im Gaumen füllig, konzentriert und noch recht adstringierend. Will heissen; nasal gibt er sich reifer als im Gaumen. Will aber auch heissen; dieser tolle Lynsolence hat noch viel weiteres Potential. Das Finale ist gebündelt, zeigt Brotkruste und Kandis und … Charakter. Kein Schmeichler, sondern ein verlangender Wein, der erst zu passendem Essen so richtig aufblüht. 18/20 2025 – 2034
Am günstigesten habe ich ihn bei ARVI gesehen, so um 50 Franken die Bouteille.  

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BURGUNDERWUNDER

Kurt Tucholsky bemerkte einst: «Schade, dass man Wein nicht streicheln kann!». Er lag falsch. Sehr wahrscheinlich hatte er den nachfolgenden oder einen zumindest ähnlichen Wein nie im Glas gehabt …

1985 Chambertin Clos de Bèze, Pierre Damoy : Die Farbe ist wenig ansprechend, hell und Braun. Rostwasser würde da eher zutreffen. Die erste Sekunde Nasenkontakt ändert aber sofort den vorangegangenen, negativen Sichtkontakt. Fein würzig, helle Edelhölzer, dominikanischer Tabak, Zedernduft, Rosinen aller Art, blühender Kapernbusch, getrockneter Thymian, weisser Pfeffer und Spuren von kleinen, schier überreifen Walderdbeeren. Im Gaumen tänzelt dieser grosse Burgunder nur so dahin, die Balance ist fragil, vielleicht ein letztes Mal intakt. Der Fluss zärtlich, das Finale parfümiert. Beim Schlürfen setzt er all seine feinsten Aromen nochmals in gefühlten tausend Schichten frei. Kann Chambertin mitunter sogar irgendwie erotisch sein? Hier ist die Antwort ja! Ein Burgunderwunder, welches die Weinseele berührt. 20/20 trinken   




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MAGNUM-RICHTER-VARIANTE
 
Egal wo man sich trifft. Irgendwann kommt das Thema auf COVID 19 aufs Trapez. Davon gibt es leider mehrere Varianten und Mutationen. Momentan ist Delta aktuell. Glücklicherweise hatte der nachfolgend beschriebene Event nichts mit der Pandemie zu tun. Und er betraf auch nicht die ganze Welt, sondern lediglich knapp 30 Personen. Aber auch hier handelte es sich um eine neue Form von bereits vorausgegangenen Varianten …

Ähnliche Magnumproben von Jürg Richter fanden früher unter der felsigen Burg in Ormalingen statt. Neu war als Austragungsort Zürich angesagt. Anstatt an mehreren Tischen, an einem grossen, festlichen Tisch. Dies ein Beweis, dass die Hoffnung auf bessere Zeiten Solches wieder zulässt.

Durch die leidige Pandemie waren grössere Weinproben nicht mehr möglich. Die Korken blieben in der Flasche arretiert. Ob ein Wein korkte oder nicht. Die Tannine, Säuren und Aromen in der Mitte der Flasche in sich gefangen. Auf bessere Zeiten hoffend. Und genau diese Lockerungen liessen es zu, dass – endlich wieder – auch die Korken «gelockert» werden durften.

Besonders bei einer Magnumflasche sind grössere Gruppierungen wichtig. Denn – nicht jeder hält sich an die Bonmot Aussage vom Besitzer von Château Léoville Barton, Anthony Barton: «Eine Magnum ist ein dummes Format; für einen fast zu viel und für zwei sicherlich zu wenig!». Ein weiterer Spruch von ihm: «Es ist schön eine Magnum alleine zu trinken. Voraus-gesetzt, man fängt mit Champagner an und hört mit Sauternes auf!»

Und genau so zelebrierte der Gastgeber Jürg Richter seinen Magnum-Abend. Zu Beginn perlte ein 1970 Champagne Dom Perignon im Glas und das Finale bestritten zwei Sauternes; 1945 Château La Tour-Blanche und 1967 Château Guiraud. Dem proklamierten Event-Namen verpflichtend, ebenfalls alle aus Magnumflaschen serviert.

Die Schweizer und die Deutschen waren zu diesem Zeitpunkt bei der Europameisterschaft leider schon draussen. Ein paar Deutsche und Schweizer waren aber noch drinnen. Nämlich im hölzernen Waag-Zunftsaal. Nicht fussballmässig, sondern eben in Sachen Wein. Das war ein wunderschöner Genuss-Trost!

Der weinige, erste Samstagabend im Juli 2021 beginnt früh. Schon um 16.00 Uhr. Zunfthaus zur Waag-Gastwirt Sepp Wimmer kommt zur Begrüssung vorbei.

Nach seinem Lieblingswein gefragt, greift er sich spontan die 2011er Magnum Chardonnay von Gantenbein und lässt sich ablichten.

Sepp Wimmers Gastro-Motto: «An meiner Tätigkeit fasziniert mich die Herausforderung, die unausgesprochenen Wünsche der Gäste und ihre Erwartungen zu erfüllen.»







DAS HANDICAP DES ERSTEN WEINES

Aller Genussanfang ist nicht immer so leicht.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich nicht nur mich selbst zu Beginn etwas «Eintrinken» muss. Oft fehlt es am Anfang einer grossen Weinprobe noch an der Justierung.

Mein System in dieser Sache? Ich widme mich dem ersten Wein nur ganz kurz und komme dann am Schluss nochmals auf ihn zurück. Dies ermöglicht dem ersten Wein seine verdiente zweite Chance. Diesmal war diese Taktik nicht nötig, denn es war mir vergönnt, innerhalb von wenigen Wochen, den 1964 La Mission in der Magnum gleich zwei Mal im Glas vor mir zu haben.  

1964 Château La Mission-Haut-Brion, Pessac-Léognan: Magnum. Mittleres Granat mit deutlich orangen Tönen. Geniales Würzbouquet, Lebkuchen, Pfeffernussgebäck, Kardamom, dunkles Leder, ein Korb volle Rosinen, kalter Earl Grey Tee, Jodnuancen und kalter Rauch. Stoffiger, weicher Gaumen, Kaschmirfluss, gibt sich erstaunlich konzentriert und man merkt hier in seinem Grundcharakter eines endgereiften Missions. Eine wunderbare Magnum. 19/20 austrinken

Le Crock 1945? Das war der Pirat in der Serie. Und er wusste zu überraschen. Dieses 32 Hektar grosse, historische Weingut gehört seit 1903 zu den Familien Cuvelier (Léoville Poyferré in Saint Julien und Cuvelier los Andes in Argentinien). In der Jugend ist der Le Crock oft hart und mimt einen typischen, bourgeoisen Saint Estèphe. Aus meinem Keller nahm ich vor Jahren eine normale Flasche von genau diesem Wein zu einem Diner mit Didier Cuvelier ins Restaurant Saint Julien mit. Auch dieser 1945 war sensationell …

1945 Château Le Crock, Saint-Estèphe: Magnum. Dieser Wein wurde verdeckt eingeschenkt. Sattes, dichtes Purpur, fein ziegelroter Rand. Geniales, süssliches duftendes Rotweinbouquet, Hagebuttengelee, Vierfruchtmarmelade, kalte Linzertorte, geröstete Haselnüsse, berauschend, vielschichtig und mit burgundischem Ansatz. Im Gaumen satt, stoffig, sehr konzentriert, Frucht und Dörrfrüchte wechseln sich ab, viel Power im Finale. Wirkt noch erstaunlich jung, trotz seines Alters. 19/20 trinken

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MAKRO MAGNUM MENU

Makro steht unter anderem für «gross». Die maximale Grösse vom begleitenden Menü konnte jeder Gast selber bestimmen. Unten die abgebildeten «Pflichtteller». Rindstartar. Trüffelrisotto mit gebratener Gänseleber.
Ganz unten der grosse Waag-Klassiker; Geschnetzeltes Kalbfleisch nach Zürcher Art mit wirklich knuspriger Röschti. Die Kür des Menu-Markos bestand wahlweise aus Käse oder Schokomousse, oder gebrannter Creme. Makro hin oder her …

GIGANTISCHE TRILOGIE

Ein fulminanter Rotweinabschluss!!!
Drei Legenden in den drei Gabriel-Gläsern. Jeder für sich schon eine Ikone. Und alle drei Miteinander ein seltenstes Erlebnis auf eine sehr diversifizierte Art. Will heissen; jeder anders – ein fokussiertes Unikat für sich.

Der Bordeaux 1990 ist ein Reifweinwunder.

In der Regel von einem recht grossen Ertrag beseelt und mit mittlerem Tiefgang, ist es die sagenhafte Balance, welche die Weine in einer derartig langen Genussphase verharren lässt. Bei jedem neuen Kontakt denkt man sich, dass diese Weine jetzt «endgültig» ausgetrunken werden sollten. Und nach ein paar weiteren Jahren haben sich diese nur wenig verändert.


KLEINE KAPELLE – RIESIGER WEIN

Neben den gleichaltrigen Bordeaux’ Poyferré und Montrose wirkte er wie ein Jungbrunnen.

Nach dem Vergären gelangte er ins grosse Fass und wurde bereits nach etwa fünf Monaten abgefüllt. Also roh in die Flasche, um dann mit längerer Flaschenreife unterwegs zu sein. So könnte die Erklärung sein. Verena Conté (Bild unten) griff sich die Magnum und servierte selektiv ihre Freunde. Ich war adabei!
 
1990 Hermitage La Chapelle Jaboulet Ainé, Rhône: Magnum. Alleine schon die Farbe ist absolut genial. Soll dies ein dreissigjähriger Wein sein? Wenn man es nicht wüsste, hätte man ihn wesentlich jünger schätzt. Sattes Granat mit schier schwarzen Reflexen in der Mitte. Gewaltiges Bouquet, viel schwarze Dörrpflaumen, Lakritze, Teer, schwarze Pfefferkörner und Brazil-Tabak. Wie schon in der Farbe gibt er sich auch in der Nase viel jünger, wie dreissig Jahre. Im Gaumen findet man im satten Extrakt noch Primärfrucht. Dies in Form von Heidelbeeren, Cassis und Damaszenerpflaumen, füllig und feinfleischig mit gebündeltem Finale. Ein bewegender, unikater Wein den man nicht mal mit anderen Hermitage vergleich kann, geschweige denn mit anderen Weltklasseweinen. Empathie mit Emotionen! 20/20 trinken, so oft wie möglich!

DER DOPPELMAGNUM-JÜRG

Als ob er die partiellen Ausfälle der letzten Heitz-Magnum-Serie irgendwie vorausgeahnt hatte, erschien Gastgeber Jürg Richter bei der Hauptspeise plötzlich mit zwei gern gesehenen Doppel-Magnumflaschen Lynch-Bages.
(1979 & 1985).








DAS SÜSSE FINALE

Da war auch noch eine Magnum 1967 Château Gruiraud dabei. Und eine MAgnum 1997 Vin de Pauille von Gantenbein. Der grosse Gabriel-PDF-Bericht: www.bxtotal.com

1945 La Tour Blanche, Sauternes: Magnum Mittleres Goldgelb mit Kurkuma-Reflexen., Offenes, weit ausladendes Bouquet, strahlt eine feine, elegante Süsse aus, erst Kompott von Mirabellen und Mandarinenlikör, danach mineralische Pertinax Spuren. Im Gaumen pfeffrig, vife Säure, wirkt so sehr lebendig und die Säure polarisiert sich herrlich mit der kompakten, konzentrierten Fruchtsüsse. Ein sehr kraftvoller Sauternes der keine Altersfirne kennt. Dies immerhin nach mehr als 75 Jahren Magnumflaschenreife! Ein ganz besonderes Erlebnis! 19/20 trinken




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FASZINAZION DER OXIDATION

Und das kam so. Als ich vor Monaten mit meinem Schwiegersohn Inventur im Keller machte, fanden wir eine Magnum Château Latour 1953 mit extrem grossem Schwund.

Im Inventar stand diese 1.5-Literflasche mit «TS» also mit Top Schulter. Was war passiert? Der Korken war brüchig und so rann Wein hindurch. Still und heimlich war so, in den letzten Jahren seit dem Kauf, fast ein halber Liter vom Flascheninneren auf den Kellerboden getröpfelt. Immer von innen nach aussen.

Warum ich Letzteres betone? Weil es wichtig ist. Falls Ihnen das auch mal passiert.

Wenn Wein nach aussen läuft und einen Flaschenschwund erzeugt, heisst es noch lange nicht, dass der restliche, sich noch in der Flasche befindliche Wein, partout kaputt sein muss. Denn ein Auslaufen, dichtet die Flasche irgendwie doch ab und so habe ich schon einige, nie gedachte positive Erfahrungen mit «Ausläufern» gemacht.

Wie dem auch sei. Vor ein paar Wochen legte ich diese «Schwundmagnum» auf den Kellertisch und nahm mir vor, diese demnächst zu entkorken. Nicht an einer Raritäten-Probe. Dafür war mir das Risiko zu gross. Aber irgendwann mal zu Hause. Schliesslich handelt es sich beim Latour immerhin um einen der wenigen Lieblingsrotweinen von meiner Karin. Am ersten Freitag im Juli 2021 war es so weit.

1953 Château Latour, Pauillac: Magnum.
In der Flasche fehlte rund ein Drittel Wein. Die Farbe halb Braun, halb Schwarz. Das Bouquet duftete in erster Linie nach Worchester- und  Soyasauce, nach kaltem Rauch, Bakelit, Aceto di Modena und – immerhin, wenn auch ganz am Schluss – nach Birnel, also nach eingedicktem Birnensaft. Für mich war dies eine «noble Oxidation», weil das Bouquet  immerhin recht komplex rüberkam und eine, wenn auch sekundäre, Süssnote vermittelte. Im Gaumen war der Wein saftig und gut balanciert. Was ich an überreifen Weinen hasse war gottlob nicht da. Was ich damit meine? Blechtöne, Todessäure und eine gezehrte, austrocknende Struktur. Also war dies ein grosser Wein, bei dem man das fragile Nasenbild ignorieren musste und den Gaumen in dieser Art zu tolerieren. Wer würde schon eine solch teure Magnum einfach ausleeren? Zugegeben, er lag schon ein paar Meter von seiner sonst originalen Vorgabe entfernt. Für diese Magnum gibt es keine Bewertung, denn das würde das Optimum entfremden. Das war aber auch noch recht viel Freude mit dabei.   

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INVENTUR ANEKDOTE

Jedes Jahr einmal mache ich Inventur im Keller. Zuerst setze ich meine ganze Excel-Datei auf Rot. Danach kontrolliere ich im Keller jede Flasche / Kiste und schreibe den effektiven Bestand auf einen Block. Zurück im Büro setze ich die kontrollierten Bestände dann auf Schwarz. In einer weiteren Runde schaue ich nochmals nach, ob ich von den roten Positionen nicht doch noch das eine oder andere Fläschchen im Keller finde.

Schwiegersohn Tills nahm jeweils die Flaschen aus der Kiste und belieferte mich mit den Namens- und Jahrgangsinformationen.

Als er den 1878 Château Lagrange aus Saint- Julien in der Hand hielt fragte er mich: «Muss man den nicht so langsam trinken»?

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DER GROSSE PRIMEURBERICHT

ist jetzt auf www.bxtotal.com aufgeschaltet. André Kunz hat die Fassmuster vom genialen Jahrgang 2020 verkostet. Zu Hause, mit Freunden in Restaurants, an offiziellen Degustationen und im Bordelais.

32 Seiten, akribisch degustiert und benotet. Mit Kaufempfehlungen. 


Kleinere Mengen, grosse Beliebtheit.

Die Weinhändler berichten von einem Grosserfolg der Kampagne. Da es weniger Mengen gibt und offensichtlich viel schon in der Subskription verkauft wurde, ist anzunehmen, dass bei der Auslieferung im Frühjahr 2023 nur noch beschränkte Mengen auf den freien Markt kommen.

Wer also Bordeaux 2020 will, muss / müsste agieren ...



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HAUT-BAILLY, AUF PREMIER-CRU-KURS

Zwei Mal durfte ich den abgebildeten 1934er Haut-Bailly erleben. Beide Male bewertete ich ihn mit 18/20 …

Und so präsentierte er sich noch vor ein paar Jahren, mit relativ wenig Gefahr auf heutige Veränderung: Rostbraun mit ziegelrotem Rand. Das Bouquet eines grossen, reifen Bordeaux’ zeigend; Rosinen, Teer, Tabak und ein Hauch von flüchtiger Säure. Im Gaumen mit einem zarten Acetohauch über der Zunge ausgestattet, dann eingedickter Birnensaft, Malagarosinen, getrocknete Lorbeerblätter und ein Hauch Curry, endet mit einer klassischen, Terroir bezogenen Cabernetsüsse. 18/20.



Der genaue Blick auf das unauffällige Etikett von damals liefert zwei Auffälligkeiten. Anstatt der heutige Begriff «mis en bouteille par Château», wurde damals als «Tirage du Château» definiert. Wesentlich spannender ist die Definition von «1er Grand Cru Exceptionnel». Es gab damals nämlich noch gar kein Klassement im Graves-Gebiet. Die etwas hoch stehen Proklamation zeugt aber für das damalige Ansehen von diesem begehrten Cru.

In alten Angeboten vom angesehen Weinhändler Nicolas in Paris wurde der Château Haut-Bailly zu dieser Zeit teuer verkauft, wie der «richtige Premier», also  Château Haut-Brion.

Danach unterlag Haut-Bailly, wie alle anderen Weingüter im Bordelais, wirtschaftlichen und auch qualitativen Schwankungen.
Wenn man aber die grossen Jahrgänge analysiert und mit der Konkurrenz vergleicht, konnte sich dieses Léognan-Juwel immer auf sehr gutem Niveau halten.

GROSSE MONTAGS-VERTIKALE

Für eine Probe braucht es immer eine Idee. Diesmal war Baschi Schwander der initiale Zünder. Als wir ein paar Wochen zuvor mit dem Thema «Gravesweine aus dem Süden» eine Weinwanderung organisierten, waren auch ein paar grosse Jahrgänge von Haut-Bailly dabei. «Eigentlich könnten wir ja einmal nur Haut-Bailly machen», meinte Baschi.

Sofort griff André zu seinem Handy und lieferte seine Zulieferungsmöglichkeiten.  
Etwas später schob ich noch vorhandene Jahrgänge aus meinem Keller nach.



Spannend wäre es natürlich gewesen, auch die ganz jungen Weine in dieses Tasting zu integrieren und so schrieb ich der befreundeten Direktoren Veronique Sanders und fragte nach einer möglichen Zulieferung vom «neuen Testament» an. Postwendend kam erst die Zusage und schon bald darauf zwei Pakete mit den Jungweinen ab Jahrgang 2012 und der Fassprobe 2020.   
So war den alles bereit, an diesem letzten Montag im Juni 2021. Am Nachmittag entkorkte ich alle Weine und bereitete diese für das abendliche Tasting im Gasthaus Sempacherhof vor. Ab 18.30 durften mehr als ein Dutzend weininteressierte Gäste – zusammen mit den Organisatoren – diese umfassende Vertikalprobe miterleben.

1945 Château Haut-Bailly: Mise Daniel Sanders, Barsac. Die Flasche öffnete ich just vor dem Einschenken. Es gelang mir nicht den Korken mit der Spirale zu durchstechen und so fiel der Korken ins Innere. Ich dekantiere den Wein und servierte ihn direkt. Die Farbe war rostig, innen noch recht dunkel, aber deutlich aufhellend gegen aussen. Der erste Eindruck war wenig berauschend, morscher Balken und feuchte Wolldecke. Dies ist oft so, wenn man ganz alte Weine vor sich hat, welche noch wenig Luft schnappen konnten. Dann begann die nasale Versöhnlichkeit; eingelegte Büchsen Tomaten, erdige Noten, dann Dörrfrüchte, Tabak und Kräuternoten. Im Gaumen wusste er noch besser zu gefallen. Man spürte das dramatische 1945er Tannin und er reflektierte auch den riesengrossen Jahrgang. Doch der Zahn der Zeit hatte leider an diesem 76jährigen Methusalem genagt. 16/20 vorbei    

Auf die Frage, ob sie diese Flasche aus meinem Keller kenne, antwortete mir Veronique Sanders: «Diese Flasche von 1945 überrascht und fasziniert mich: Mein Urgrossvater Daniel Sanders, dessen Name auf dem Etikett steht, hat Haut-Bailly erst 1955 gekauft. Also hatte er diesen Wein wohl damals vom früheren Besitzer gekauft und – als Weinhändler – selbst abgefüllt».



1986 Château Haut-Bailly: Die relativ helle Farbe überrascht, zeigt einen ziegelroten Schimmer und einen deutlich aufhellenden Rand. Es duftet nach klassischem, erdigem Bordeaux, viel Leder, gar Pferdesattel, Kampfer und frisch gestochenem Torf. Die Frucht ist weg und wurde durch mittelintensive Terroirnoten ersetzt. Was gefällt, sind die Nuancen von Dörrfrüchten, insbesondere Malaga-Rosinen. Ich hatte Angst, dass er einen gerbigen Gaumen zeigen würde, aber dem war nicht so. Die Tannine sind von schönem Malztönen umwoben und zeigen so einen artisanalen Schmelz. Im Finale schmeckt es nach Kräuterlikör und Ratafia. Wer alte Bordeaux mag, der findet daran Gefallen. Ich zum Beispiel. Trotz Reife würde ihn eine gute Stunde lang dekantieren. 18/20 austrinken



HAUT-BAILLY-HISTORIE VON 1461 BIS 2021

Die Historie von Haut-Bailly geht zurück bis in das Jahr 1461. Erst ab 1530 lassen sich die Spuren wirklich verfolgen. In diesem Jahr erwarben die Familien Goyaneche und Daitze das Land und pflanzten Wein an. Hundert Jahre später erwarben der Weinhändler Nicolas de Leuvarde und die namensgebende Familie Le Bailly die immerhin bereits auf 36 ha gewachsene Rebfläche. Wenig später waren die Weine im Markt berühmt und gesucht.

Die moderne Geschichte beginnt 1872 mit dem Erwerb durch den damals bekannten Winzer Alcide Bellot des Minieres. Er liess das Château errichten, welches heute noch den Besitz prägt. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde für einen Haut-Bailly ähnlich viel bezahlt wie für klassifizierte Premier Crus.

Dennoch benötigte das Weingut dringende Investitionen als der belgische Weinhändler Daniel Sanders den Besitz 1955 erwarb.
Haut-Bailly wurde in den Folgejahren einer kompletten Renovation unterzogen, insbesondere in den Weinbergen.
1979 übernahm sein Sohn Jean Sanders die Leitung. Die Neupflanzung der Weinberge war 1988 abgeschlossen und Veronique Sanders übernahm die Leitung.  

Der vorläufig letzte Besitzerwechsel erfolgte 1998, als der amerikanische Banker und Fine Wine Liebhaber Bob G. Wilmers und seine französische Ehefrau Elisabeth Wilmers Château Haut-Bailly erwarben. Mit diesem Wechsel erfolgte eine Investitionsoffensive mit dem Ziel, ohne Rücksicht auf Kosten, Jahr für Jahr den bestmöglichen Wein zu realisieren.

Im Jahr 2000 wurden die Kellereigebäude neugestaltet. Weitere Investitionen folgten. Bob Wilmers wurde in Bordeaux eine wichtige Persönlichkeit im Weinbau und war hochgeachtet, als er im Dezember 2017 starb. Bezeichnend ist auch, dass er Véronique Sanders immer die Leitung des Châteaus überliess, obwohl sie ja aus der Familie des Vorbesitzers stammte

HIMMLISCHE MAGNUMFLASCHE

Es war einer der schönsten Weine des Abends. Am Nachmittag fotografierte ich die Magnum, zusammen mit der Eschenbacher Barockkirche.
 
2009 Château Haut-Bailly: Magnum. Mitteldunkles Weinrot, jugendliche Reflexe von der Mitte ausstrahlend. Das empathische Bouquet berauscht mit seiner enormen Terroir Wärme, respektive durch die reife Cabernet-süsse. Nussige Konturen, Anklänge von Dörrpflaumen, Korinthen, hellen Edelhölzern und dominikanischer Tabak. Mit jedem neuem Schnuppern legt er nochmals nach. Im zweiten Ansatz kommen Nusspralinen und dunkles Caramel zum Vorschein. Er wird üppiger, aber in keinem Moment fett. Im Gaumen äusserst elegant. Er wirkt deshalb so, weil seine Gerbstoffe royal fein sind und sich perfekt mit dem Rest des erhabenen, supereleganten Körpers ausbalancieren. Im Finale mutiert er wieder zu einer besonders weinigen Praline und endet deshalb mit berauschend. Eine Grande Dame von Léognan. Wegen den 100 Parker Punkten ist dies eine der teuersten Haut-Bailly-Editionen auf dem Markt. So um 250 Franken ist man dabei. Magnumflaschen kosten mehr, so ab 650 Franken. Danke André für das Sponsoring dieser Grossflaschenrarität. 19/20 trinken

2009: RENAISSANCE-JAHRGANG

Wie die vorgängigen Verkostungsnotizen und die Bewertungen beweisen, lag Haut-Bailly schon vor Jahren auf Kurs. Mit dem Jahrgang 2009 schaffte das Team aber den Durchbruch. Die 100 Parker Punkten wirkten im Markt wie eine Marketing-Lokomotive. Ab sofort gehörte Haut-Bailly wieder zu den ganz grossen Crus.    

Der konstante, neue Aufstieg fand aber schon zuvor in mehreren Etappen statt. 1997 kam Veronique Sanders zu Haut-Bailly. Ein Jahr später kaufte der Amerikaner Robert G Willmers das Weingut. Er verlangte vom Team in erster Linie einen kompromisslos besten «Grand Vin» koste es was es wolle. 2002 wurde der neue, technische Direktor Gabriel Vialard (Bild unten) engagiert. Ihm ist der Grossteil des heutigen Erfolges zu verdanken.


FÜNF FRAGEN AN VERONIQUE

René Gabriel: «Warum gibt es eigentlich keinen weissen Haut-Bailly?»

Veronique Sanders: «Um ausdrucksstark zu sein, müssen die Weissweine von Pessac-Léognan auf Lehm-Kalk-Böden gepflanzt werden, aber der tonige Kies von Haut-Bailly eignet sich viel besser für die Herstellung grossartiger Rotweine. Aber um es festzuhalten; im 18. Jahrhundert gab es auf Haut-Bailly Weisswein!»

Gabriel: «Momentan zeigt der generelle Trend bei den Neuanpflanzungen wieder vermehrt zum Cabernet Sauvignon wie in ganz früheren Zeiten…»

Sanders: «Kürzlich haben wir 0.6 Hektar neu mit Petit Verdot gepflanzt und 0.7 Hektar mit Cabernet Sauvignon. Der Cabernet wird immer im Lead bleiben. Durch die Klimaerwärmung und ein besseres Management der Blätter sowie geringerem Ertrag gelingt es, diese Rebsorte praktisch jedes Jahr mit 13 Vol. % in den Keller zu bringen. Früher musste in schwierigen Jahren oft noch chaptalisiert (aufgezuckert) werden».

Gabriel: «All diese Massnahmen führen logischerweise auch zu einen kleineren Ertrag. Wie hat sich dies mengenmässig auf die Produktion ausgewirkt?».  


Sanders: «Vor 2000 produzierten wir in guten Jahren bis zu 120‘000 Flaschen Haut-Bailly. Dies hat sich vor rund zwanzig Jahren durch die von uns getroffenen Massnahmen zur Qualitätsverbesserung stetig verändert. Heute liegen wir bei einer Produktion von jeweils um 80‘000 Flaschen Grand Vin, also Haut-Bailly. Der Rest entfällt auf die neu eingeführten Parallel-Selektionen. Der Zweitwein hiess früher La Parde de Haut-Bailly. Heute nennen wir ihn Haut-Bailly • II. Da werden – je nach Jahrgang – zwischen 40‘000 bis 50‘000 Flaschen abgefüllt. Es gibt jetzt sogar eine Drittselektion. Den nennen wir schlicht HB Haut Bailly. Da liegt die Produktion bei ungefähr 30‘000 Flaschen».

Gabriel: «Heute produzieren fast alle Bordeaux Weingüter einen Zweitwein. Für den Konsumenten hat dies immer so einen möglichen Nimbus von zweiter Qualität».

Sanders: «Es ist wichtig, dass wir die Grundlage eines solchen Zweitweines erklären können. Klar fokussieren wir in erster Linie immer den Grand Vin. Der andere Teil der Produktion stammt aber ebenfalls aus hervorragendem Terroir. Wir leisten da im Rebberg genau die gleiche aufwändige Arbeit. Er wird vielleicht etwas schonender im Keller begleitet und erhält nicht gleich viel neues Holz. Die Selektion ist ebenso streng. Mit der Einführung eines Drittweines haben wir noch mehr Möglichkeiten ihn nach unseren Wünschen zu fokussieren. Er soll das Siegelbild von Haut-Bailly sein, seine Herkunft reflektieren, aber die Fähigkeit besitzen, dass man ihn früher geniessen kann».

Gabriel: «Was ist die schönste Erinnerung, wenn Du an eine Flasche Wein von Château Haut-Bailly denkst?»

Sanders: «Das war im Mai 2018. Eine perfekte Magnum vom Jahrgang 1964. Den haben wir zusammen bei einem Diner bei uns getrunken. Ein toller Klassiker!».

Hier noch meine damalige Degunotiz dazu: 1964 Haut-Bailly: Magnum. Mittlere Farbe mit ziegelroten Reflexen. Die Nase zeigt die grosse Bordeaux-Klassik. Erhaben, duftig, zeigt trüffelige Terroir Akzente und sanft rosinierendem Schimmer. Im Gaumen mittelgewichtig, feine Ledertöne, Kakao, Kräuter und eine ausladende Cabernetwärme im Finale reflektierend. (18/20).  


2015 Château Haut-Bailly: Sattes Purpur, dicht in der Mitte. Intensives, süssliches Fruchtbouquet, alles ist da; von roten, über blauen bis schwarzen Beeren, Edelholzparfüm, die feinen Schichten legen an Aromatik zu. Mit der Zeit vermittelt er minim laktische Züge. Er bleibt aber diskret und royal im Ansatz. Stoffiger, satter Gaumen, die harmonischen Gerbstoffe scheinen sich bereits etwas anzurunden und deuten auf eine sehr positive Flaschenevolution hin, gebündeltes, aromatisches Finale. Momentan ein tolles Jungfrucht-Erlebnis. 19/20 warten




20/20 FÜR DEN HAUT-BAILLY 2020   

Die Sensation ist perfekt! Für mich jedenfalls.

Es ist das erste Mal, dass ich für einen Château Haut-Bailly die Maximalwertung zücke. Somit bin ich wohl der einzige Verkoster der Welt, der mit dieser Superlative hausiert.

Nicht zuletzt, weil andere Mitkonkurrenten mit der Hunderterskala hantieren. Aber auch diese Resultate lassen sich sehen. Jeff Leve (99), James Suckling (99), Yves Beck (98-99), Robert Parker (96-98), Jeb Dunnuck (96-98) und Falstaff ebenfalls mit; (96-98).



2020 Château Haut-Bailly: Fassprobe; 52% Cabernet Sauvignon, 42% Merlot, sowie 3% Cabernet Franc und 3% Petit Verdot. Violett aussen – innen Schwarz. Dramatisches Nasenbild; Rauch, Pumpernickel, Arabica Kaffee findet man im Untergrund. Oben kämpfen schwarze Beeren in allen möglichen Formen um die Wette. Trotzdem ist das weit gefächerte Nasenbild nicht aufdringlich, sondern erhaben und bereits harmonisch. Im Gaumen perfekt. Wie kann ein so junger Wein, respektive noch eine Fassprobe bereits so unendlich viel Harmonie ausstrahlen? Die Säure und die Tannine sind jetzt schon nahtlos integriert. Alle Komponenten bündeln sich und bilden eine nicht enden wollende Länge. Als ich nach weiteren Wörtern für den Beschrieb suchte, hallte der Wein immer und immer wieder nach. Mehr wie 50 Jahrgänge von diesem «sanften Riesen» durfte ich bisher in meinem Leben verkosten. Das wird die beste Edition in der Geschichte dieses immer noch unterschätzten Weingutes. 20/20 warten


Die grosse Haut-Bailly-Vertikale mit Geschichten, Fotos, Interview: www.bxtotal.com

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MONTE BELLO VERTIKALE IM NAPA GRILL
 
Kein Heimspiel für den besten Rotwein von Ridge. Denn – das Tasting fand zwar im Napa Grill in Zürich statt, aber der Monte Bello ist kein Napa.

Was auf den ersten Blick wie ein mögliches Marketinghandicap ist für ihn eine Advantage.

Ausserhalb von Napa und Sonoma gibt es nämlich nur wenige Cabernet dominierte Rotweinblends auf diesem gigantischen Niveau.



SO RICHTIG GUTER CHARDONNAY

Zum Apero gabs Chardonnay. Das war ein richtiger, ehrlicher Aufsteller der beweist, dass sehr guter Chardonnay wenig Eiche braucht.

2018 Ridge Vineyards Chardonnay, Santa Cruz Mountains: Blasses Gelb mit linden-grünen Reflexen, leuchtend. Wunderschönes floral-fruchtiges, klar fokussiertes Chardonnay-Bouquet. Eher schlank im geradlinigen, saftigen Gaumen mit parfümiertem Akazientouch. Süffig und doch recht gross. Also Spass auf hohem Niveau. Die geschmackliche liegt hier genau in der Mitte. Will heissen; wenig Eiche und viel richtig guter Chardonnay! Der müsste eigentlich in meinem Weisswein Kühlschrank Platz finden. Nach dem zweiten Schluck habe ich gleich bestellt. 18/20 trinken

DAS TASTING UND SEIN SCHÖPFER

Full House! Wenn Weinfreak Baschi Schwander ein Tasting auf seiner Webseite www.mybestwine.ch publiziert, so dauert es nicht lange, bis diese begehrten Verkostungs-plätze ausgebucht sind.

Es lohnt sich deshalb regelmässig reinzuschauen.

Baschi dokumentiert seine Verkostungen und liefert auch informative und exakte Beschriebe mit  Bewertungen in der Hunderterskala.  




RUN FOR IT!

Einer der grössten Monte Bello der neuen Zeit? Für mich jedenfalls. In der Schweiz bei Martel, in Liechtenstein bei Ritter erhältlich.  

2017 Ridge Vineyards Monte Bello, Santa Cruz Mountains: Sattes Rubinrot. Intensives Fruchtbouquet, viel schwarze Kirschen und Backpflaumen, Teer, eine gewisse Mineralität deutet eine grossartige Tiefe an. Der zweite Nasenkontakt deutet auf ein heisses, reifes Jahr hin und zeigt Spuren von Korinthen. Im Gaumen gibt er sich sehr konzentriert mit schier dramatisch-fleischigem Extrakt. Das Finale zeigt wieder auf dunkle Beeren und Dörrbananen. Gigantisches Finale. Kein hochfeiner Wein, aber das kompensiert er sofort mit einem eindrucksvollen Charakter. Braucht Zeit bis zur ersten Reife. Immenses Lagerpotential. Nach einer halben Stunde erhob ich mich vom grossen, runden Tisch und wollte die Flasche fotografieren. Da sah ich, dass es noch einen kleinen Rest in der Flasche gab. Nach dem Motto «First come – First serve» genehmigte ich mir diesen Satz. Dann verkostete ich den Wein nochmals andächtig. Es gilt nämlich das Motto, dass der erste Wein bei einer grossen Verkostung immer ein wenig handicapiert ist, weil man sich erst noch «Eindegustieren» muss. Beim ersten Kontakt bewertete ich ihn «nur» mit 19/20. Jetzt rundete ich überzeugt auf. 20/20 warten. Kaufen!

PAUL DRAPERS BABY

Obwohl er für das gesamte Ridge-Sortiment verantwortlich war, wurde er von den Journalisten und Weinfreaks immer an «seinem» Monte Bello gemessen.
Ridge stand seit 1971 unter der Leitung des Winzers Paul Draper. Er wurde von David Bennion eingestellt und betonte die natürliche, ökologisch nachhaltige Landwirtschaft und Gärung. Draper ist dafür bekannt, seine eigenen Eichenstangen für die Verwendung in Fässern zu trocknen, die möglicherweise Bestandteil des staubigen «Draper Perfume» sind, welches für die Ridge-Weine oft  charakteristisch ist.

Am 1. Juli 2016 trat Draper als CEO und Head Winemaker des Unternehmens in den Ruhestand, blieb jedoch Vorsitzender des Verwaltungsrates. Er produzierte 47 Jahrgänge für Ridge.                                                      Textquelle: wiki/wiki. Foto: Wine Spectator

PORTERHOUSE-MONTE-BELLO

Der Monte Bello 2006 geizt nicht mit seinem Fleisch und auch nicht mit seinen Gerbstoffen. Deshalb sollte man entweder noch etwas warten oder sich zu dessen Genuss eines passenden Fleischstückes bemächtigen.

Ein Porterhouse Steak wäre da eine mögliche, vielleicht gar superoptimale Variante. In der Regel reden wir da von einem Grundgewicht von 700 Gramm bis zu einem Kilo. Auch Weinfreund Lukas Schneider schwärmte für diesen 2006er und zückte die Wertung von 97 von 100 Punkten.




2006 Ridge Vineyards Monte Bello, Santa Cruz Mountains: Sattes, dichtes Purpur. Offenes, minim ätherisches Bouquet, ein herrlicher Mix aus roten und blauen Beeren, dahinter viel Zedernholz und Pfeffermehl. Im Gaumen fleischig, kompakt, sandig und deshalb tendenziell bourgeois. Ein sehr kräftiger Monte Bello der nach einem veritablen Porterhouse verlangt. Für den Organisator Baschi ist dies der «perfekte Monte-Bello» mit einem Genussphase bis mindestens 2055. 19/20 trinken

COME ON BABY LIGHT MY FIRE

The Doors haben diesen Song komponiert, José Feliciano und Amy Winehouse haben ihn kopiert. Ein Passus heisst: «Höher konnten wir nicht kommen». Das gilt auch ganz genau für diesen genialen 2001er …
 
2001 Ridge Vineyards Monte Bello, Santa Cruz Mountains: Gereiftes Weinrot mit minim aufhellenden Rand. Intensives Bouquet, welches partiell auch eine recht grosse Bordeaux-Affinität aufzeigt, Terroir, reife Früchte, helles Leder, Havanna-Tabak und wie schon so oft, viel Zedernholz im breit geschichteten Duft. Im Gaumen perfekt, ausgeglichen, die Tannine sind noch da, aber wunderschön gereift. Das konzentrierte, aber geschmeidige Extrakt strahlt eine traumhafte, wunderschöne Rotweinsüsse aus. Noblesse und Kraft auf höchstem Niveau. Es war ein Privileg diesen gigantischen Monte Bello verkosten zu dürfen. Hier zeigt sich eine der vielen Messlatten zum Besten, was Kalifornien weinmässig bieten zu vermag. Wenn ich sonst jeweils oft Parallelen zu Las-Cases bei diesem Wein finde, kam mir beim allerletzten Schluck spontan «Le Pin» in den Sinn! Hier vereinen sich die Geschmäcker der allerbesten Rotweine der Welt. Mit klarem Absender: Monte Bello at it’s best! 20/20 trinken

BLIND-TASTING-SIEGER

Der Tischwein, der 2016 Cabernet Sauvignon, Ridge Estate (18/20) kam gegen den Schluss dieser grossen Probe zum Einsatz. Viele nennen ihn auch den «kleinen Monte Bello».
 
Der 2016 Ridge Cabernet Sauvignon ist ein dichter, cremiger und auffälliger Wein, der jung und auch wohl noch zwanzig Jahre lang mit grossem Vergnügen getrunken werden kann. Kostet im Markt so um 70 Franken.
Er erinnerte mich an die Cabernet-Blindprobe welche ich vor mehr als 25 Jahren im damaligen Nova Park für die Académie du Vin veranstaltete. Rund 350 Gäste nahmen teil. Es wurden wichtige Cabernet-Weine aus aller Welt serviert, welche auf dem Markt noch kaufbar waren. Als am Schluss des Abends wurde das Resultat verkündet wurde, rieben sich die Teilnehmer die Augen. Einer der günstigsten Weine des Tastings gewann diesen Concours: Es war der 1990er Cabernet Sauvignon von Ridge!!!

DEGU-GENUSS OHNE REUE

Nach der Monte-Bello-Probe fuhr mich Baschi Schwander wieder nach Hause. Aus lauter Neugier holte ich mein Polizei-Messgerät aus der Schublade und bliess hinein. Zugegeben die Zahl stimmt nicht ganz. Aber es ist die Zahl oben rechts, welche irreführend ist. Denn es war nicht 17.02 Uhr, sondern eine Stunde später. Mein Blas-Gerät ist immer noch im Winterschlaf.
28 verschiedene Weine wurden serviert. Vom 2018er Chardonnay und dem Tischwein, dem 2016 Cabernet Sauvignon, mehrere Flaschen. Dividieren wir jetzt mal die approximative Menge von 34 Flaschen durch die Anzahl Teilnehmer (18). So standen für jeden Gast 1.88 Flaschen Wein zur Verfügung. Oder auf die effektive Menge umgerechnet mehr wie 1.4 Liter Weiss- und vor allem Rotwein. Also quantitativ wäre da schon ein gewisses Rauschpotential vorhanden gewesen.
DEGUSTIEREN = NICHT TRINKEN

Beides geht irgendwie nicht. Oder nur bedingt. Je grösser die Anzahl der zu probierenden Weine ist, desto mehr Spuck-Konsequenz wird dem Degustator abverlangt.

Für Aussenstehende mag das Nichttrinken von teuren Weinen paradox erscheinen. Wenn Mann spuckt, statt schluckt, so ist die Differenz minim. Das Auge kommt schon mal ganz auf seine Rechnung. Vom Anschauen wurde noch nie jemand betrunken. So geht es dann auch weiter. Obwohl man sich mit Schnüffeln von gewissen hochprozentigeren Stoffen durchaus in Trance versetzen lassen kann, ist dieser Effekt beim Erhaschen des Bouquets völlig gefahrlos. Im Gaumen kann man ebenfalls alles erleben, was man für den «totalen Genuss» braucht. So ist es möglich, ohne den Wein zu schlucken die Säure, das Fleisch die Gerbstoffe zu analysieren. Und selbst der Abgang ist organoleptisch ohne das Trink-Finale messbar. Lediglich um das Körperfeeling wird man bei dieser Methode möglicherweise «beschissen»!    

DER ÄLTESTE WAR DER SCHÖNSTE

Das war der Genusssieger dieses grossartigen Tastings!

1991 Ridge Vineyards Monte Bello, Santa Cruz Mountains: Ziemlich dunkle Mitte, etwas matt, gegen aussen dem Alter entsprechende Reifetöne aufzeigend. Geniales Bouquet mit immens vielen Schichten, Zedern, weisser Pfeffer, heller Tabak, Hirschleder, Damassine-Pflaumen, Heidelbeeren, Flieder, Johannisbeeren- und Holunderblüten. Mit jedem neuen Nasenkontakt legt er nochmals zu. Mehr in die Breite wie in die Höhe. Im Gaumen überwiegen primär die Finessen, weil die seidigen Tannine vollständig ausgereift sind, so zeigt der balancierte Fluss Saft und Länge. Das Finale fasziniert mit dem von mir oft genannten «Surplus» eines eindrücklichen Weltklasseweines. Der wohl femininste Monte-Bello den ich je im Gaumen hatte. Er scheint gefährlich reif zu sein. Also würde ich nicht nachkaufen, sondern versuchen ihn möglichst rasch noch einmal in Glas zu kriegen. 20/20 austrinken  

Diese Monte-Bello-Probe (2017 - 1991) findet man als PDF-Artikel bei www.bxtotal.com auf elf PDF-Seiten.

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REDS FROM CALIFORNIA - WAGYU FROM WILLISAU

Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Cabernet Sauvignon aus dem Napa, einem Rindssteak aus Texas, einem Chrysler-Auto aus Michigan oder dem Miko Algen Öl der Marke Astaxanthin aus Hawaii?

Logisch! Das sind alles ganz verschiedene Dinge, welche eigentlich nur eines gemeinsam haben; alle genannten Produkte stammen aus den Vereinigten Staaten von Amerika und werden von dort auch in die Schweiz importiert und hier im Handel verkauft.
Was all diese Angebote im Markt unterscheidet ist für den Kunden nicht offensichtlich. Wenn man aber den Importfaktoren auf den Grund geht, so muss man leider feststellen, dass auf den US-Wein die grössten CH-Importzolle erhoben werden.
Ganze 4.8% sind es für Chardonnay, Merlot, Zinfandel, Cabernet Sauvignon & Co.

Würde man amerikanische Wein-Produkte nicht trinken, sondern rauchen, so zahlte man nur noch die Hälfte Zoll, nämlich 4.2%. Amerika ist übrigens der viertgrösste Tabak-produzent der Welt. Autos und Motorräder sind liegen mit 1.8% im Tarif. Für die beliebten Texas-Rinder, welche meist nur in Edelstücken importiert werden, werden noch 1.1% Zollgebühren entrichtet.
Das eingangs erwähnte Algen Öl, fällt unter die Kategorie pflanzliche Öle und ätherische Öle.  Hier liegt der Tarif unter einem Prozent.

Wenn man also in der Schweiz eine Flasche amerikanischen Wein entkorkt, so «trinkt» der schweizerische Staat mit, respektive er hält die Hand auf und kassiert die 4.2% Importsteuer und dann auch noch 7.7% Mehrwertsteuer.
Das sind zusammengerechnet 11.9%. Dieser Wert liegt immer noch unter dem generellen Alkoholwert von den amerikanischen Weinen.

Betrachtet man die Rotweinszene und pickt sich die beliebtesten und bestbewerten Provenienzen, so muss man schon mit mindestens vierzehn Volumenprozenten rechnen.

STEAKS UND NAPA & CO-WEINE

Jetzt geht es um den Dienstag, 21. Juni 2021. Weinwandern ist wieder mal angesagt. Diesmal ist das Thema «Steaks & Napa». Wobei wir das nie so richtig eng sehen. Das Menu wird organisiert. Die Weine bringt jeder selbst mit. Doch zuerst wird eine Stunde gewandert. Dann treffen wir uns irgendwo im Dorf. Diesmal im Magazin W1. Wie schon so oft. Die zwei personellen Ausfälle der Stammtruppe wurden mit zwei ausgewiesen Weinfreaks ersetzt. Auch diese kamen mit entsprechendem «Weingepäck» angereist.

Zum Abmarsch bereit. Die achtköpfige Truppe. Auf dem Bild sind nur sieben Männer. Aber Weinwanderhund Eloy hat ja auch einen Kopf. Nicht auf dem Bild: Gabriel am IPhone.


HUMMERSALAT & CHARDONNAY

Der Old Swiss House Wirt Philippe Buholzer hatte nicht nur kalifornische Rotweine in seinem Rucksack, sondern auch frischen Hummersalat.

Also suchte ich in meinem Weinkeller nach einem passenden Weisswein.

2016 Chardonnay, Napa Valley, Heitz Wine Cellar: Mittleres Gelb. Offenes, reifes Fruchtbouquet. Primär duftet es nach reifem Golden Delicious und Akazienhonig. Saftiger Gaumen eine Spur Karambole im Extrakt und gegen das Finale Mirabellen aufzeigend. Da die Holznoten sehr diskret im Hintergrund mitwirken, schmeckt dieser recht preiswerte «Napa White» so herrlich nach purem Chardonnay. 17/20 trinken



NICHT GANZ HUNDERT

Wenn Cabernet draufsteht, muss nicht nur Cabernet drin sein. Für eine Solo-Deklaration reichen, laut amerikanischem Weingesetz 75%.

Es handelt sich dabei um einen sehr raren Wein, welcher heute nicht mehr produziert wird. Der jüngste, noch angebotene Jahrgang im Netz ist der 1985er …   

1978 Cabernet Sauvignon York Creek, Ridge: Unglaublich dunkel, innen Schwarz, aussen wenige Reifetöne anzeigend. Blutiges, wildes Cabernet Bouquet, Menthol, Tabak, Jod, kalter Rauch, geht bemerkenswert in die Tiefe. Intensiver und doch irgendwie abgemilderter Duft. Im Gaumen superelegant, zeigt eine gewisse Saint-Julien-Affinität. Will heissen; Cabernet mit mittlerer Tiefe und grosser Eleganz, langes Finale. Immer noch gut auf dem Damm und durch seinen enormen Trinkfluss sehr gefällig. Einerseits hoch reif und andererseits immer noch ein grosses US-Reifweinerlebnis. 18/20 austrinken

VON BORDEAUX ZU NAPA

Christian Moueix absolvierte seine önologische Ausbildung in der Davies School in Kalifornien. So kam er in Kontakt mit Mensch und Wein im Napa Valley. Es war immer sein Wunsch einmal einen Wein aus dieser Region herzustellen. Gedacht – getan!

Von seinem ersten Jahrgang 1983 war er selbst enttäuscht. Und er getraute sich erst nicht, diesen überhaupt zu lancieren. Er war ihm zu hart, zu gerbig, zu bockig. So schob als «Premiere» den zweiten Jahrgang, den 1984er Dominus vor. Sein Erstling blieb über Jahrzehnte unnahbar und ist auch heute noch ein veritabler, burschikoser Esswein. Aber –
er hat sich doch besser entwickelt als gedacht. Und so zeigt er heute, nach 40 Jahren, einen charaktervollen Napa, den man wohl auch über mehrere Tage dekantieren könnte …

Bis zum 1990er war jeweils das Moueix-Konterfei als Zeichnung auf den Etiketten.

1983 Dominus Estate, Napa Valley: Klassisches Weinrot mit gereiften Tönen gegen den Rand. Trockenes, kräutriges Bouquet, getrocknete Orangenschalen, Zitronenthymian, frisch gehackte Kräuter. Unten ledrig, malzig, erdige Noten. Im Gaumen fest, körnig, immer noch deutlich adstringierend. Er war bei seiner Lancierung komplett verschlossen und danach fast drei jahrzehntelang unnahbar. Heilt die Zeit viele Wunden? Hier scheint dies der Fall zu sein. Allerdings ist das Potential wohl immer grösser als die zu erreichende Harmonie. Will heissen; er zeigt mehr Knochen wie Fleisch. Trotzdem heute ein (fast) grosser Kalifornier mit weiterem, unzerstörbarem Reifepotential. Genialer Food Wein. 18/20 trinken


NAPPA IST NICHT NAPA

Dieser Tippfehler ist in vielen helvetischen Weinkarten besonders beliebt. Nappa mit zwei «pp» ist hierzulande offensichtlich berühmter. Dabei handelt es sich bei diesem Zwei-pp-Begriff um veritables Leder!
Nappa Leder ist der Sammelbegriff für besonders geschmeidiges Glattleder aller Tierarten und wird zum Beispiel auch für Polsterleder verwendet.

P.S. Den zweithäufigsten Fehler, den ich oft in gastronomischen Weinlisten entdecke, ist das Wort Mersault, statt Meursault!

2002 Cabernet Sauvignon Howell Mountain Lokoya, Napa Valley: Schier noch schwarz. Die Nase zeigt Korinthen, kalter Rauch, Teer, Bakelit, Lakritze und Black-Currant-Pastillen.  Auch im Gaumen ist irgendwie auch alles «schwarz», viel Guinness-Bier-Malz, wieder Lakritze, Feigensirup und getrocknete Heidelbeeren im langen Finale. Ist Cabernet zuweilen Schwarz? Wenn ja – dann liefert dieser sehr mineralische Howell Mountain von Lokoya diesen Beweis. Kein Charmeur, dafür viel Charakter aussprühend. Unter allen 19-Punkteweinen war dies für mich der grösste Wein des Abends. 19/20 austrinken
 
Bild links: Die Flasche und sein Spender. Baschi Schwander mit seinem Lokoya 2002.



Der ganze Achtseiten-PDF-Bericht mit allem Drum und Dran: www.bxtotal.com

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LA MONDOTTE VON 2000 BIS 2020

Graf von Neipperg gab sich die Ehre! Für die Eschenbacher Weinwandergruppe reiste der Bordeaux-Weingüter-Besitzer extra in die Schweiz. Die Weinwandergruppe entstand in der Pandemiezeit. Die Idee; sich mit ein paar Freunden im gesetzlichen Rahmen zu treffen. Die Formel; erst etwas im Eschenbacher Wald wandern. Jeder hat eine zum vorgegebenen Thema passende Flasche dabei. Diese werden entkorkt, degustiert und dann zu einfachem Essen genossen. So alle paar Wochen.
Diesmal war es etwas anders. Stephan von Neipperg flog von Bordeaux in die Schweiz, um mit den Wanderfreunden seinen La Mondotte zu zelebrieren. Das ist ein Kultwein aus Saint Emilion.

Der «Stammverein» der Weinwanderer, Bärti Stocker (Genuss-Endverbraucher), Sebastian Schwander (mybestwine.ch), René Gabriel (weingabriel.ch), André Kunz (Schweizerische Weinzeitung), Silvio Denz (denzweine.ch),  Old Swiss House Wirt, Philippe Buholzer und  als Gast der Schweizer Käsepapst; Rolf Beeler.

Normalerweise trifft man sich nach der Wanderung in Stocker’s Old-Timer-Motorradwerkstatt, grad neben dem Brioche. Oder in Gabriel’s Weinkeller oder in einem Moos-Gartenhaus. Diesmal war es die waldige Eschenbacher Jagdhütte auf Hinterhuben.

Hier ein paar Eindrücke von unserer Vertikalprobe. Der grosse PDF-Bericht: www.bxtotal.com


EIN FALL FÜR TRÜFFELJÄGER

2000 La Mondotte: Unglaublich dunkle Farbe. Intensives Bouquet mit klarem Merlot Absender; geht in die Tiefe und zeigt Mocca, Pumpernickel, ergänzt durch Johannisbeeren und Cassis Resten. Im zweiten Ansatz zeigt er die Crazy-Merlot-Würze. Im Gaumen sehr intensiv, hinterlässt dezent grüne Geraniol-Würzspuren. Bekömmlich auf allerhöchstem Niveau. Eine bezaubernde Art von einem möglichen Richebourgs aus Saint Emilion vom Wesen her. Analysiert man den Cabernet-Anteil, so merkt man wie dieser Charakter und Tiefe verleiht. Ein Fall für «Trüffeljäger» in dessen vollen Reife. Die Maximalwertung lag da ganz nahe. 19/20 trinken












WAS MACHT DER DIAM-KORKEN
IM LA MONDOTTE, HERR GRAF?


Wir sind seit gut 30 Jahren befreundet. Auf der Wanderung stellte ich dem Stephan ein paar Fragen rund um seinen Wein …

Gabriel: «Als ich den Jahrgang 2018 entkorkte, staunte ich denn da war ein Diam* Korken drin.»
 
Neipperg: «Mittlerweile gibt es immer mehr Winzer, welche komplett auf den Diam umstellen. Domaine de Chevalier zum Beispiel. Bei mir sind es Testchargen und ich bin sehr zufrieden damit. Für Mustersendungen und für öffentliche Präsentationen verwende ich immer Flaschen mit Diam Korken. Da kann ich jegliches Korkenrisiko ausschliessen. Zudem gibt der Hersteller eine Garantie von 30 Jahren bei meiner Selektion.»

Gabriel: «Seit 2014 sind die Bordeaux-Betriebe Bio zertifiziert. Was bringt das?»

Neipperg: «Bio muss die Zukunft sein. Die Umstellung ist nicht einfach, weil man dabei selbst auch ständig lernen muss. Eine bestmögliche Mineralität und Authentität kann nur über diesen Weg gehen. Wenn man es sichtig macht, muss man keinen Ertragsverlust hinnehmen. Wie der La Mondotte 2019 beweist. Da fuhren wir eine Rekordernte von 20'000 Flaschen ein.»

Gabriel: «La Mondotte liegt ganz oben an Saint Emilion. Unterscheiden sich hier die Trauben von Tallagen?»

Neipperg: «Auf jeden Fall, die Trauben bleiben kleiner und weisen dickere Schalen auf. Zudem zeigt der Wein mehr Säure. Das gibt ihm eine lange Lebensgarantie!»

* Mehr Infos: www.diam-korken.com

PERFEKTER LA MONDOTTE
 
Besser geht nicht. Da stimmt einfach alles. Momentan liegen die Marktpreise hier noch unter 250 Franken. Das ist zwar viel, aber nicht zu viel für einen Jahrhundertwein …

2018 La Mondotte, Saint Emilion: Fast unglaublich dunkel, Purpur-Violett, in der Mitte schier undurchdringlich. Wuchtiges Bouquet, Beeren in aller Form und von hoher Reife zeigend, vielschichtig mit viel Druck. Momentan gibt er sich konversationsfreudig. Im zweiten Ansatz Lakritze, Bourbon-Vanille-Mark, schwarzes Kirschenfruchtfleisch und Arabica Kaffee versprühend. Was man auch spürt, ist ein schier unvergleichliches Merlot Parfum. Im Gaumen jetzt schon voller Harmonie, anmutig, seidige Tannine. Gegen die Mitte bündelt er sich und formt sich zu einer gewaltigen Länge. Finesse und Power sind hier die zwei wichtigsten Elemente. So ist dieser Mondotte so perfekt, wie es noch kein Vorgänger bisher so vorbehaltslos war. Ein charmanter Gigant! 20/20 warten


GUTE PRIMEUREMPEHLUNG

2020 La Mondotte, Saint Emilion: Fassprobe. Purpur-Violett, in der Mitte schwarz. Holundriges Bouquet, Heidelbeeren und Cassis. Man spürt zärtliches Vanillin von der Eiche, das Bouquet wirkt klassisch und vielschichtig und geht dabei in eine bemerkenswerte, ansprechende Tiefe. Im Gaumen zeigt sich im satten Extrakt eine gewaltige Fruchtsüsse und so geht es dann schier kompottig in die zweite Runde. Die reichen Tannine wirken füllig und hoch reif und zeigen somit erstaunlich weiche Konturen, Nachhaltiges Finale. Eine Fruchtdroge – einem Nektar gleich. Irgendwie scheint es, dass dieser allenfalls schon recht früh zugänglich sein wird. Oder auch nicht! 19/20 warten 

VIERUNDACHZIGJÄHRIGE ZUGABE

Wenn nicht hier, wann dann? In meinem Keller schlummerte schon lange eine Flasche 1937er Château Canon La Gaffelière dem richtigen Moment entgegen …
Der Besuch von Stephan Neipperg schien mir die richtige Gelegenheit, um diesen Saint-Emilion-Methusalem zu entkorken und ihn mit dem Grafen den Freunden zu teilen.

Ein Blick auf das Etikett, zeigt eine Vorahnung zum späteren Klassement. Denn – wer genau hinsieht, erkennt das Wort «1er Cru». Diesen Begriff gab es damals noch gar nicht. Das erste Saint-Emilion-Klassement entstand erst im Jahr 1955. Also genau hundert Jahre nach der Médoc-Klassifizierung.


1937 war generell ein sehr gutes Weinjahr im Bordelais. Und die besten Weine sind heute noch gut trinkbar. So auch dieser 1937er Château Canon-La-Gaffelière. Die Farbe Orange-Braun und aussen deutlich aufhellend. Die Nase pflaumig, erdig, Humusschichten und Champignons dominieren erst, dann gewinnt er an Süsse. Im Gaumen saftig, noch knapp balanciert und auch hier sehr angenehm zu trinken. Während Philippe, André und ich gerne nochmals nachschenkten, kippten einige diese Rarität, nach kurzem Verkosten in die Wiese. Altweintrinken muss halt gelernt sein und ist nicht jedermanns Sache! 16/20 vorbei

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NACH DER ZWEITEN IMPFUNG …

Es ist jetzt schon mehr als einer Wochen herr, seit der zwiten Imfhung. Die befürchteten Nebenwallungen sind nie ausgetreten. Im Gegntool. Alles isst besser. Einzig der Hunger hat nachgelassen. Ich nehme jetz nur noch vier Hauptmallzitate pro Tag. Acuh der Durst hat sich etwas verschobenn. Ich beginne jetz fürher und ende späterr. Aber doppelt gesihen hab ich schon grad nach der zwiten Spitze.  Also keine Agscht vor dem Impfing. Mit dem Impfing-pas komme ich jtz überall durch. Ausser an öftl. Plätzchen. Vorgestern hatt man mich polzeihaft aus einer Dampenklossetur geholt. Hatte eben nur den impfigen Pass dabie und keinen Gender-Duplikat …

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WISSEN SIE WIE MERLOT SCHMECKT?

Ja – natürlich werden Sie jetzt zu sich sagen! Nur schmeckt ein Merlot eigentlich nie gleich. Ob es ein Merlot von Luca und Ingrid Bein aus Südafrika ist. Der Grand Merlot aus Australien. Ein Bordeaux aus 100% Merlot. Der Saturio aus Österreich oder ein Merlot aus dem Napa. Alle sind Merlots. Alle schmecken anders. Dies, obwohl diese aufgezählten Weine alle in mehr oder weniger Holz ausgebaut wurden.


Wir Schweizer denken beim Wort Merlot in erste Linie an die grossartigen Spitzenweine aus dem Tessin. Auch alle vom Holz «verwöhnt». Doch es gibt wenige Ausnahmen. Zum Beispiel der zu 100% im Stahltank ausgebaute Merlot von Matteo Huber aus Sorengo. Der schmeckt genau so wie der eigentliche Merlot ursprünglich schmeckt, wenn man ihn nicht ins Holz steckt. Ich mag ihn und ich kann ihn mir sehr gut zu Tessiner Küche, zu kaltem Fleisch oder auch zu Wild vorstellen. Ein bekömmlicher Wein, den man sich gerne nachschenkt …   

2019 Primo Segno, Matteo Huber, Sorengo: Flaschenpreis; CHF 22. Aufhellendes Rubin. Herrlich florales Bouquet, rote Pflaumen, Kaffee und eine fein stielige Würze vermittelnd. Im Gaumen saftig, elegant und den ehrlichen Merlot zeigend, wie er ungeschliffen daherkommt. Authentisch und irgendwie auch einzigartig. Gibt es so fast nicht mehr, ausser bei Matteo Huber. 17/20 trinken

www.arcarubra.ch

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SOCIANDO-MALLET, GRAND CRU OHNE TITEL

Irgendwann wurde es dem ehemaligen, leider verstorbenen Besitzer Jean Gautreau zu bunt und er trat aus der obersten Liga der Cru Grand Bourgeois Exceptionell aus. Sein fantatischer Wein lag damals schon auf einem fraglosen Grand Cru Niveau. Aber dieses Klassement ist / war festgemeisselt.

Also verzichtete er forthin auf sämtliche «Adelstitel» und widmete sich dem, was er immer schon tat; Jahr für Jahr den bestmöglichen Sociando-Mallet in die Flasche zu füllen.

Dieses Weingut liegt ganz nah an der Gironde auf dem «Trüffelgürtel». Dieser zieht sich von Latour über Montrose bis nach St. Seurin de Cadourne.





Gestern war mir nach «Sociando» zu Mute und ich entkorkte den 1998er. Immer noch extrem jung, unglaublich satt in der rot-blauen Farbmitte. Die Nase tiefgründig mit vielen Brombeeren und Cassisresten, darunter barock, Edelhölzer, Kaffee und eben; Trüffelnoten. Im Gaumen breitschultrig, fleischig, nicht besonders fein mit dem Umgang den eigenen Tanninen, dafür aber kompensierend charaktervoll. Im Finale viel Druck und mit floraler Frische, welche anzeigt, dass er noch ganz lange Freude machen könnte, wenn Mann (Gabriel) da nicht die letzte Flasche ausgetrunken hätte. 18/20

P.S. Der 2019er kommt zu Ehren vom Besitzer als «Cuvée Jean Gautreau» raus. Der Preis liegt um 40 Franken. Könnte eine einmalige Affäre sein …  

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VIKTORS ROYALE WEINREVANCHE
 
Eine weinige Männergruppe nennt sich «Weinfreunde Pilatus». Dieses Oktett trifft sich zwei Mal im Jahr. Der Name stammt daher, dass jeder von uns von seinem Ort wo er wohnt den Pilatus sehen kann. Hat zwar mit Wein nichts zu tun, aber verbindet zumindest optisch.  

Die Formel ist einfach. Jeder muss einmal den Gastgeber spielen und seine anderen sieben Weinfreunde verwöhnen. Das kann dann einmal richtig was kosten, dafür wird man in  folgenden Treffs von weiteren Investitionen verschont. Diesmal war Viktor wieder dran. Heisst also zum zweiten Mal. Und er gab Vollgas und befand sich praktisch den ganzen Abend auf der Überholspur der Weinautobahn.
Man sieht seine royale Freigiebigkeit am illustren Titelbild. Mit ganz vielen bekannten Gesichtern, respektive honorigen Etiketten.
Ein bunter Reigen von Welt-Klasse-Ikonen aus grossartigen Anbaugebieten.

VEGA UND FLOR

Wie der hier schreibende Gabriel, verbindet Viktor eine touristische Liebesbeziehung zu Teneriffa und so standen denn zu Beginn zwei Spanier auf dem Trapez.

Der moderne 2014 Flor Pingus Peter Sisseck (18/20) und der klassisch, erhabene 1998 Unico Vega Sicilia. Letzterer mit einer traumhaften Nonchalance, einer berauschenden Süsse und passenden, ausbalancierenden Kräutertönen. Da schenkte ich mir gerne nochmals nach, bevor ich die Zahlen 19/20 auf meinen an diesem Abend spärlich ausfallenden Notizenzettel schrieb.


SCHMECKT SO GROSSER BAROLO?

Im Glas nebendran befand sich der 2004er Barolo Riserva DOCG Monfortino von Giacomo Conterno. Er gilt praktisch als Urmeter des grossen Barolos. So präsentierte er sich dann auch. Er ist wirklich kein Kommunikationsgenie. Der Monfortino gibt sich zurückhaltend, barock und geht in eine Tiefe, welche man bei vielen anderen noch so grossen Piemontwein meistens vergebens sucht. Was er aber vor allem macht, er strahlt die grosse, erhabene Barolo-Klassik aus.

Anders der Gran Bussia vom Jahrgang 2009. Er ist für Modernisten gemacht. Solche, welche dem zuweilen auftretenden Nebbiolo-Masochismus abtrünnig sind und allenfalls auch in Kauf nehmen, dass ein so grosser Barolo nicht zwingend nach Barolo schmecken muss, sondern halt nach sehr grossem, extravagant vinifiziertem Allerweltswein.    

2009 Barolo Riserva Gran Bussia, Poderi Aldo Conterno: Unglaublich dunkel für einen Barolo. Die Nase duftet nach Schokolade, dunklen Röstnoten, Kaffee und lädt schier buttrig aus. Im Gaumen weich, opulent, cremig mit dunkelbeerigen nahezu kompottigen Fruchtfinish. Blind leider fast nicht als Barolo zu erkennen. 18/20 trinken



WO WILLE, DA AUCH LÉOVILLE

Der Jüngere war der reifer. Das liegt aber am «gastronomischen Jahrgang» 2008. Beim 2006er dauert es noch «etwas» länger …

Die Verkostungsnotizen das sind auf dem PDF-Bericht bei bxtotal.com









MARGAUX ZUM FLEISCHVOGEL

Das Schöne an Männerrunden? Die Menuwahl wird wesentlich einfacher. Nichts gegen die spezifischen Ernährungsformen von grösseren Frauengruppen. Aber als Koch kann ich aus meiner früheren Praxis ein Lied davon singen.
Beim Hauptgang kam es zu einer ganz besonderen Fleischvogel-Begegnung. Mit zwei Bordeaux-Giganten vom Jahrgang 2009. Das dazu gehörige, nicht unbeträchtliche Budget lassen wir jetzt mal aussen vor.

2009 Château Margaux: Sattes Purpur-Granat. Berauschendes Fruchtbouquet mit einem Mix aus Preiselbeeren, Himbeeren, Maulbeeren, Vanille und Wachsnoten. Wirkt parfümiert und bietet eine homogene Süsse. Trotz seiner partiellen Verschlossenheit liefert er schon gewaltig ab und erinnert mit seinen Weltaromen auch an einen Richebourg und Masetto. Im Gaumen Finesse und Power. Er zeigt das unvergleichliche Margauxparfüm der besonderen Art. In einer Zwischenhoch-Genussphase. Es wäre jammerschade, diesen femininen Margaux-Giganten nicht in dieser Phase erlebt zu haben. 20/20 beginnen?






Der ganze Bericht vom Weinabend mit Viktor Jans ist auf www.bxtotal.com publiziert.

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DER BARTON, EVERYBODY’S DARLING
 
Everybody’s Darling? Wer den Begriff genau studiert, kann durchaus in Frage stellen, dass man hier den Léoville-Barton in einem möglicherweise etwas prahlerisch wirkenden Titel zusammenfasst. Immerhin ist Barton schon mal englisch. Respektive Irisch. Und Everybody’s Darling ist dies auch. Damit meint man in erster Linie, dass sich eine Person grosser Beliebtheit erfreut. Das passt schon mal ganz gut zu diesem Weingut aus der Appellation Saint-Julien. 

In der Tuchlauben in Wien gibt es eine Bar die «Everybody’s Darling» heisst. Die dortige  Getränkekarte habe ich studiert. Es gibt dort keinen Léoville-Barton. Nicht mal einen Bordeaux. Irene Becker hat ein Buch zum gleichnamigen Titel geschrieben. 
Die Collection Ruesch bietet ein ganzes Sortiment unter diesem Namen an. Die Kosmetikfirma M. Asam bietet ein ganz besonders Luxus-Körperpuder unter diesem Brand an.  Am Münchner Oktoberfest, könnte man ein Lebkuchenherz mit diesem Schriftzug erwerben. Wenn dann die grosse Bierparty endlich wieder mal stattfindet. 

Was man aufgrund dieser Aufzählungen sicherlich mit Fug und Recht behaupten kann; dieser Begriff ist polyvalent und trifft für verschiedene Dinge zu.  Wenn ich ihn mit dem Léoville-Barton in Verbindung bringe, so meine ich, dass er 
a.) generell sehr beliebt ist und b.) über einen riesengrossen Fanclub verfügt. 

Premier-Snobs lassen sich bei diesem Cru sogar herab und kaufen vom Barton auch ein paar Kisten. Es ist da nicht die Angst, dass man sich, trotz seinem extravertierten Status schämen muss, wenn man ihn entkorkt. Sondern eher, weil man hier unumwoben zugeben muss, dass man ihn selber sehr gerne im Glas vor sich hat. 

Wem die Luxus-Liga vom Bordelais zu teuer ist, der findet im Léoville-Barton genau das was er sucht. Nämlich ein Bordeaux’, welcher mitunter die Qualität eines Premiers aufweist, aber nur einen Bruchteil dessen kostet. 

Finessengeniesser sind mit diesem Cru ebenfalls bestens bedient. Meistens weisen die besten Saint-Juliens genau nämlich gleich viel Aromen wie ein etwas üppigerer Pauillac auf.

Auch streng budgetbewusste Weinfreaks können sich nebst hunderten von Médoc-Alternativen ab und zu einen «Barton» leisten. 
Für die ganz grossen Millésimes muss man schon mal zwei Hunderternoten auf den Tisch legen. Die klassischen Zwischenjahre sind aber auch heute noch durchaus erschwinglich. 

So schlagen denn die empfehlenswerten Jahrgänge 2011, 2012 und 2014 mit deutlich  weniger wie 100 Franken zu Buche. 
Wer jetzt mit gesundem Menschenverstand die ganze Marktlage rund um den beliebtesten aller Léoville’s genau analysiert hat und noch nicht zu alt ist, um noch sehr junge Jahrgänge zu kaufen, der müsste eigentlich sofort Bestellungen der ganz grossen Jahrgänge 2018, 2019 und 2020 initialisieren. Auch diese Erwerbskosten liegen momentan noch deutlich unter der Hundertfrankengrenze. 
Wenn diese Weine dann so etwa in zwanzig Jahren reif sind, dann kosten diese sicherlich viel mehr und werden nur mehr schwerlich erhältlich sein. Schon gar nicht grössere Formate oder gar halbe Flaschen. 

Im Einleitungstext habe ich jetzt viel von jungen Bartons gesprochen. Jetzt geht es um reifere, gereifte bis greisige Exemplare, welche wir aus den verschiedenen Weinkellern unserer Weinwanderfreunde zusammengetragen hatten. Es kam eine ansehnliche Vertikale zusammen. Mit einer Jahrgangstiefe von 2006 bis 1881. 

ZWEITE UND LETZTE FLASCHE

Vor genau zehn Jahren lud ich den Besitzer Anthonny Barton (geboren 1930) zu einer Flasche 1881 Léoville Barton ins Hotel Cordeillan Bages in Pauillac ein.

Bei einer Kellerliquidation vom Café Voisin in Paris erwarb ich ganz viele alte Bordeaux und Burgunder Flaschen. Da waren auch zwei Bouteillen von diesem Barton dabei.

Eine mit einem miserablen Füllniveau, bei welcher rund ein Drittel der Flasche fehlte. Die entkorkte ich mühsam an unserem Moos-Abend und der Wein war in einem Zustand zwischen kaputt und doch irgendwie noch trinkbar. Die Flasche vor zehn Jahren war besser drauf. 

1881 Château Léoville-Barton: Tiefe, satte Farbe mit schwarzen, aber auch viel bräunlichen Reflexen. Süsses, fettes Bouquet mit Malz, Feigen, schwarzer Schokolade und eingelegten Pflaumen, Tabak, Pumpernickel, nach und nach kommen erdige Terroirtöne zum Vorschein, nasser Waldboden und Herbsttrompeten. Im Gaumen cremig, wiederum sehr fett und ebenfalls malzig, erst von dunklen Champignons, dann auch hier mit schwarzen Pilzen und schliesslich von nassem, moosigen Waldbodenton begleitet, im Finale Kaffee mit ölig süssem Nachhall. Hielt sich gut 10 Minuten im Glas und begann dann langsam spröde zu werden. Ein unvergessliches Altweinerlebnis – getrunken mit Anthony Barton. 17/20 vorbei 


1989 Château Léoville-Barton: Letzte Rubinreflexe gehen von der Mitte aus, aussen aufhellend, erstaunlich wenig Reifeschimmer, transparenter Rand. Das Bouquet fängt trocken an; Backpflaumen, Korinthen und Teer. Darauf folgen getrocknete Küchenkräuter, mittlerer Druck. Im Gaumen ist er kompakt und somit auch erstaunlich fleischig, die letzten Gerbstoffe auf der Zunge geben sich erst etwas mürben, werden mit Luftzutritt aber weicher. Was erstaun ist auch ein Nachhaltiges, aromatisches Finale. Die Charakteristik schwankt zwischen einem grossen Médoc und einem ebenso grossen Hermitage. Da ist noch keine Eile angesagt, man sollte ihn sogar etwa eine Stunde dekantieren. Kam sehr gut an in der Runde! 18/20 austrinken 





GENAU SO MUSS DER BARTON

Ein grosser Bordeaux zeigt seine wirklichen Charakterzüge erst mit der richtigen Reife. 

1996 Château Léoville-Barton: Die Farbe wirkt etwas matt, aufhellendes Purpur mit ziegelrotem Schimmer am Rand. Wenn man bei einem grossen Saint-Julien als typisches Merkmal Zedernduft sucht, so ist dies bei diesem Barton von der ersten Sekunde an da. Heller Tabak, dominikanische Cigarren und ein klitzekleiner Rosinenschimmer vom dezent überreifen Merlot. Gibt sich erhaben und legt immer neue Facetten nach. Im Gaumen fleischig, noch dezent mehlig im Fluss und somit noch aufrauhende Tannine vermittelnd. Das Finale zeigt einen mineralischen Jodschimmer, der genau zum Rest passt. Er wirkt somit tendenziell maskuliner als andere Jahrgänge. Da ich ihn aber jetzt als reif einschätze, muss dazu nur die richtige Speise gefunden werden und dann steht einem grossen Wein-Gourmet-Genuss nichts im Wege. Zwei Stunden kühl dekantieren. 19/20 trinken

LEIDIGE FLASCHENVARIATIONEN

Meine Erfahrung mit dem 1995er Barton Wein ist ziemlich umfangreich. Und ich bewerte ihn von Kontakt zu Kontakt unterschiedlich. Es gibt da leider verschiedene Flaschenvariationen. Der Grund könnte in einem TCA-Schimmer liegen, welche diesen Wein manchmal mehr oder weniger stark geschmacklich beeinflussen. 
Leider war unsere Flasche nix. 


REIF, GROSS, NOCH ERHÄLTLICH 

Das Phänomen, dass reife Weine von bekannten Weingütern gleich viel kosten wie ganz junge Jahrgänge wird nicht mehr lange gelten. Denn – die Nachfrage ist momentan riesig und auf Auktionen steigen auch diese Preise. Deshalb wäre es förmlich dumm, diesen Wein jetzt nicht sofort zu kaufen. Insbesondere, wenn man nicht schon hat. 
Für rund 102 Franken macht man in diesem Falle gar nichts falsch. Gemäss wine-searcher gibt es davon, allein in der Schweiz, noch zwei Anbieter.  

2001 Château Léoville-Barton: Sattes, sehr dunkles Purpur mit violettem Schimmer. Für einen zwanzigjährigen Wein immer noch unglaublich jung! Das Bouquet beginnt minim reduktiv und zeigt somit auch nasal, seine noch junge Form, viel Damassine-Pflaumen, Veilchen, Cassis und Brombeerenjogurt. Also auch eine laktische Tendenz vermittelnd. Im Gaumen Saft, Saft und nochmals Saft, gepaart mit Eleganz, seidigen Tanninen und weicher Textur. Da stimmt einfach alles. Ein ganz grosser Barton aus einem leider immer noch unterschätzten Jahr! Das ist jetzt wirklich «Everybody’s Darling». Kam auch in unserer Runde supergut an. 19/20 trinken  

EINE IMPERIAL FÜR 775 FRANKEN

Die Vinothek im Park (Schwyz) bietet eine solche Sechs-Literflasche für 775 Franken an. Auch dieser Barton wäre eine weitere, schon fast dringende Kaufempfehlung. Bei den Normalflaschen ist das Angebot leider dünner. 
 
2004 Château Léoville-Barton: Sehr dunkle Farbe mit Lila- und Granatreflexen. Sehr würziges, von Cabernet geprägtes Bouquet, Pflaumen, Cassis, Maulbeeren, Szechuan Pfeffer. Gibt sich immer noch primär und fast roh im Ansatz. Hoch aromatisch. Es duftet so richtig nach jungem, grossem Bordeaux und der Wein geht dabei bemerkenswert in die Tiefe. Im Gaumen frisch und floral, geradlinig, noch körnige Tannine aufzeigend, deshalb ist die begleitende Adstringenz auch so gut erklärbar. Ein sehr grosser Bordeaux von einem unterschätzten Jahrgang. Bei diesem Exemplar dürfte es sich um einen der besten 2004er im Médoc handeln. 19/20 beginnen 

Die grosse Geschichte über die Bartons von 1722 bis heute. Der 2000er mit 20/20 und Alles rund um dieses wunderbare Tasting: www.bxtotal.com

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44JÄHRIGES PENEDES-WUNDER

Was ist sind die drei generellen Problemzonen beim Grand Coronas «Black Label» von Torres? Erstens; die Weine werden zu jung getrunken. Zweitens; der Bekanntheitsgrad ist (weil nicht Rioja und Ribera del Duero) immer noch recht gering. Und drittens; alte Jahrgänge sind (siehe a.) nur sehr selten irgendwo zu finden.
 
Ausser, bei der letzten Auktion der Weinbörse. Das waren mit dem Lot 911 zehn Flaschen von diesem Wein im Angebot. Eine Flasche vom 1971er und neun «Botelas» vom Jahrgang 1977.

Weder die Fremdbieter, noch die Gäste im Saal zeigten sich interessiert und so «musste» ich halt dieses Lot konkurrenzlos selber kaufen. 


Der Wein wurde letzte Woche geliefert und ich habe die Ladung heute im Keller versorgt. Aber nicht alle Flaschen. Einen 1977er Gran Coronas Gran Reserva mit der schwarzen Etikette habe ich sogleich mit nach oben genommen und ihn – konsequenterweise – erwartungsvoll entkorkt. Die Farbe ist noch recht dunkel, gegen aussen deutliche Reifetöne zeigend, welche logischerweise einen braunen Farbstich vermitteln. Das Bouquet duftet nach Korinthen, dunklem Leder, schwarzen Trüffel und gibt minime Spuren von getrockneten Himbeeren von sich. So vermittelt er einen barocken, spannenden Tiefgang. Im Gaumen konzentriert, fleischig erst etwas mürbe, dann doch Saft entwickelnd, gut stützende Säure und ein kraftvolles Finish. Er zeigt Charakter und wenn man ihn kennt – eine einzigartige, unvergleichbare Penedes-Persönlichkeit. 19/20

P.S. KLWines in Amerika offeriert diesen Wein zu 149.99 Dollar pro Flasche. Ich habe bei der Weinbörse 35 Franken bezahlt …

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CLOS ST: MARTIN KANN VIELES SEIN ...

… eine Sehenswürdigkeit in Besançon. Ein Bed & Breakfest in Mecelley. Ein Restaurant in Courtisols. Ein Seniorenheim in Pélissanne. Ein Hotel in Sancerre. Eine Bäckerei in Saint-Martin-sur-le-Pré. Ein Appartementhaus in Laon. Eine Kirche in Vallenay. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. 

Geht es um grossen Rotwein, dann ist der Clos St. Martin in Saint-Emilion die absolut wichtigste Quelle zu diesem Namen. Lange vernachlässigt, hat Sophie Fourcade diesen Mini-Cru im Jahr 1997 wachgeküsst. 


Manchmal kann das Kleinformat eines Weingutes ein bestechender Vorteil für das Endprodukt sein. Vom Rebberg bis zur Flasche sitzt jeder Handgriff, die Übersicht wird nie verloren und es herrscht eine minutiöse, permanente Qualitätskontrolle. Clos St. Martin ist von der Vinifikation neue Wege gegangen. Produziert wird dieser spannende Blend direkt im Barrique. Er ist einer der wenigen Crus, welcher praktisch jedes Jahr auf eine kleine, reife Charge von Cabernet Sauvignon mit dem Cabernet Franc und Merlot vermischen kann. Das macht ihn spannend, würzig und letztendlich auch problemlos lagerfähig. So kommen die ersten, wieder grossen Jahrgänge 1998 und 2000 erst jetzt so langsam in die richtige Genussreife. 

In den letzten zwanzig Jahren hat sich dieses Kleinod stetig weiterentwickelt und zählt auf einem treuen Fanclub. Scheint die «kleine Grösse» für die Produktion ein Vorteil zu sein, so ist die beschränkte Produktionsmenge möglicherweise ein minimes Handicap für den Bekanntheitsgrad. 

Bekannt wird man aber bei der Qualität nicht durch die produzierte Menge, sondern durch die erreichten Wertungen einflussreicher Weinjournalisten. Und da liegt der Clos St. Martin vorne bei Spitzenplätzen, Bei bekannten Namen, welche in der Regel viel teurer sind. Die Jahrgänge 2018, 2016, 2015, 2010, 2009, 2000 und 1998 habe ich auf meinem Portal www.bxtotal.com mit 19/20 bewertet. Alle anderen Jahrgänge liegen auf ebenfalls sehr hohen Wertungen bei 18/20. Nur drei wirklich schwierige Jahrgänge sind mit 17/20 taxiert worden, was immer noch ein hohes Niveau dokumentiert und aufzeigt, dass Clos St. Martin mit einer sehr hohen Konstanz über die letzten Jahrzehnte aufwarten kann. 

Es gibt noch ein wichtiges Indiz, dass ein Wein meine volle Sympahtie hat. Dies zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass er in meinem umfangreichen Keller persönlich vertreten ist. Und da sind reichliche Mengen vom Clos St. Martin auf Lager …  

Und jetzt gehe ich in den Keller und hole mir eine Flasche vom fantastsischen 1998er!

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BORDEAUX 1995 – VOM RECHTEN UFER

Linkes Ufer? Damit meinen die Bordeaux-Kenner im Fachjargon alle Weingüter, welche links von der Gironde oder der Garonne liegen. Also Pessac-Léognan, Margaux, Pauillac etc. Darum geht es in diesem Artikel überhaupt nicht. Es geht hier um das rechte Ufer. Also um die Weine aus dem «Libournais». Insbesondere um Pomerol und Saint-Emilion …

Beim letzten Treff von diesem karten-spielenden (und auch Wein trinkenden) Quartett ging es um den Jahrgang 2001. 
Alle Weine stammten aus dem oberen Médoc. Wer dran ist, lädt ein. Diesmal war ich der vom System bestimmte Gastgeber. So kurz vor dem Verabschieden kamen wir beim letzten Treff auf Bordeaux 1995 zu sprechen. Die sollen sich jetzt so langsam «machen». Was immer auch damit gemeint ist. 

Zwischen dem letzten Treff und meiner Einladung in der dritten Maiwoche vergingen noch ein paar Monate. Da begegnete ich ein paar 1995ern aus dem Médoc. «So langsam wird’s, aber halt dann doch noch nicht» dachte ich mir. Die grössten Weine sind immer noch recht kompakt und einige davon lassen sich auch mit längerem Dekantieren noch nicht in die volle Genussreife mutieren. Zumindest ist dies meine Ansicht. Mag allenfalls nicht mehrheitsfähig sein. Vom Wesen her bin ich halt ein unverbesserlicher Reifweintrinker. 

Der Grund liegt nicht nur an der Bekömmlich-keit eines reifen Weines, sondern auch in seiner geschmacklichen Evolution. In ersten Stadium schmeckt ein junger Bordeaux noch nicht so richtig nach Bordeaux. Eher wie ein sehr guten Rotwein, welcher in einer zwar hoffentlich nicht dominierenden, aber doch noch präsenten Ration Eiche ausgebaut wurde. 

Nach ein paar Jahren wird dann ein Bordeaux so langsam zum Bordeaux. Lässt man ihn noch länger liegen, dann keimen in ihm die Aromen eines klassischen Saint-Juliens. Dies, um ein Beispiel meiner These zu nennen. 

Kommt er so langsam in seine «richtige Genussreife», so zeigt er sein wahres Gesicht. Will hiessen; seine geschmackliche DNA bekommt immer mehr visible und nachvollziehbare Konturen. Erst in dieser Phase beginnt sich beispielsweise ein Barton von einem Gruaud-Larose zu unterscheiden. 

Aufgrund meiner letzten Erfahrungen lasse ich meine 1995er vom «linken Ufer» noch etwas im Keller schmoren. 
Aus diesem Grund entschloss ich mich, an diesem Donnerstag, zwar Weine von diesem Jahrgang (wie versprochen) zu entkorken, entschied mich aber dann für das rechte Ufer. 

WEISSES KNOLL VORSPIEL

Bevor wir zum rechten Ufer der Garonne wechseln, gehen wir noch zum linken Ufer der Donau. Die verläuft nämlich – zwischen Linz und Wien – mitten durch die Wachau. 

Als Einstimmung servierte ich meinen fleissigen Gabriel-Glas-Frauen (Karin und Melanie) zum Mittagessen einen 1995er Grünen Veltliner Schütt Smaragd. Dieser war senfgolden in der intensiven Farbe. Er duftete nach Mandelmilch, nach hellem Caramel, nach Kokosraspel und nach frischen Mirabellen. Gewürzt mit der typischen fein parfümierten Veltliner Würze. Im Gaumen gibt sich dieser reife Smaragd quirlig mit einem erfrischenden  Säurekern in der Mitte, umgeben von fülligem Weinfett mit burgunderartigen Konturen. Das Finale ist mehr als saftig und zeigt enorm viel Druck. Hat mich echt überrascht. Eigentlich hatte ich da schon recht viel erwartet, aber diese wurden noch bei Weitem übertroffen. Knoll ist halt schon toll! 19/20 austrinken 

EIN CLOS IST (K)EIN CHÂTEAU 

Die Situation ist nicht ganz klar. Auf dem Korken steht «Château Clos Fourtet». Auf dem Etikett aber nicht. Clos stammt aus dem Französischen und bedeutet «Einfriedung». Meistens wurden die Steine aus dem Feld an deren Besitzgrenze getragen und mit einer Steinmauer abgegrenzt.


In Bordeaux darf sich jeder Cru als Château bezeichnen. Auch wenn sich darauf nur ein einfaches Haus befindet.  

1995 Clos Fourtet, Saint-Emilion: Mittleres Granat mit rostrotem Schimmer aussen. Intensives, fein pfeffriges Bouquet, minime Spuren von flüchtiger Säure, helles Leder, dominikanischer Tabak und zeigt gewisse Spuren von Rosinen von sehr reifem Merlot. Im zweiten Ansatz kalter Milchkaffee, also auch etwas laktische Tendenzen aufzeigend. Im Gaumen saftig und recht fleischig, zeigt eine gute Substanz und Konzentration. Jetzt wechselt der Merlot auf einen Schokoton, was er oft in seiner Reife so hergibt, gebündeltes Finale mit recht viel Druck. Wunderschön gereift und Freude bereitend. 17/20 austrinken  

TAGESSIEGER ANGELUS

Er kam sah und siegte. Alle anderen Weine zeigten sich mit ziemlich aufhellenden Farben, waren schön gereift, allesamt mit mittlerer Konzentration. Der Angélus gab ganz einfach mehr her. Von allem. Ich war so begeistert, dass ich gleich dem Besitzer Hubert de Boüard de Laforest anrief, um ihm unsere frohe Botschaft des Tagessiegers mitzuteilen.

Der 1995er Angélus hat im Markt seit seiner «Geburt» als Primeurwein (ca. 45 Franken) eine schöne Preisperformance hingelegt. 

Weil ich ihn so gut fand, habe ich vor fünf Jahren nochmals nachgekauft. Für CHF 175. Jetzt wäre er schon bei rund 450 Franken … 

MAREMMA-SPAGHETTI-INTERMEZZO

Es gibt nichts Peinlicheres, wie wenn einem Gastgeber, welcher grosszügig sein will, der Wein droht auszugehen. Die vorgesehenen Weine aus Saint-Emilion und Pomerol hatte ich schon am Morgen fein säuberlich vorbereitet.

Den Lafleur hatte ich zum Schluss zum Weichkäse vorgesehen.

Beim Spaghetti-Gericht kam ich mengenmässig in Bedrängnis. Spontan fiel mir ein, dass ich ja noch irgendwo ein 1995er Guado al Tasso befand. Den grapschte ich mir und er passte hervorragend. 



Das Erlebnis auf sechs Seiten: www.bxtotal.com 

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MONTROSE MIT JAHRGANGSFOKUS

Hat Weingenuss möglicherweise etwas mit einem Dart-Spiel zu tun? Auf den ersten Blick wohl kaum. Gemäss meiner Webseite www.weingabriel.ch gilt der Slogan: «Genuss die Erfüllung einer Vision!». Die Vision eines Dart-Spielers ist es, genau in jene Sektion beim Pfeilbrett zu treffen, welche er avisiert hat. Je mehr Punkte, desto besser. So ist es irgendwie auch beim Weinjustieren …

Am Schluss eines Wettkampfes muss der Dart-Spieler zur Erreichung des Endresultates mit der richtigen Punktezahl enden. Je nach Vorgaben sind dies in der Regel 301 Punkte zum Sieg. Hat er bis jetzt beispielweise bis jetzt 282 Punkte erspielt, dann fehlen ihm also noch 19 Punkte. 

So setzt er sich das Ziel in genau dieses Feld, aber nicht in den doppelten oder dreifachen Sektor, zu treffen. Also richtet er seinen Fokus nach unten links, gleich zwischen der Drei und der Sieben. Mental in seiner höchsten Konzentration schickt er den Pfeil mit einer schwunghaften Handbewegung auf den Luftweg und …

Bei meinem Englandaufenthalt 1978 in London habe ich auch oft Pfeile geschossen in den Pubs. Nicht selten mit Raymond, meinem Landlord, bei dem ich drei Monate lang in Thornton Heath (Süden von London) wohnte. Manchmal kamen wir etwas zu spät und da waren schon alle Spielplätze belegt. Dann mussten wir halt zuschauen und unseren auszuhaltenden Frust mit reichlich englischen Pints trösten. So in der Richtung Trophy Bitter, Rams Special oder verschiedenen Ales.

UNGERADE JAHRGÄNGE

Zuerst fotografierte ich die Flaschen der Jahrgänge 2001, 2003, 2005 und 2007. Dann entkorkte ich diese und malte mir aus, wie diese wohl jetzt so sein müssten. Und jetzt fand der eingangs erwähnte Vergleich einer Vision im önologischen Abteil meines Gehirns statt. Ich kannte praktisch alle Weine schon von früheren Begegnungen. Deshalb malte ich in Gedanken deren «Must-Zustand» als Vision aus. Der 2001 sollte wohl idealerweise bei 19-Punkten landen. Genau so wie der erwähnte Pfeil auf dem Dart-Board …

Die ganze Story findet man auf: www.bxtotal.com

BRUTTOREGISTERTONNEN

Dieses Wort gilt eigentlich als altes Wertmass, welches zur Vermessung des Laderaumes von Frachtschiffen zur Beihilfe bezogen wurde. Für mich steht der Begriff «Bruttoregistertonnen» für etwas sichtbar Grosses und Kraftvolles. 

In Verbindung mit einem Wein habe ich diese Überschrift noch nie verwendet. Wenn man es allenfalls für einen Wein anwenden könnte, so wäre dies aber bei diesem gigantischen 2003er Montrose ganz sicher der Fall. 

 
2003 Château Montrose: Die Farbe ist mehr Schwarz wie Rot. Das schwer zugängliche Bouquet gibt sich kompakt. Man muss dem Wein entgegen gehen, um seine Tiefe zu ergründen: Malagarosinen, Teer, schwarze Beeren, Rauch, schwarze Olivenpaste und Pumpernickel Brot. Im Gaumen verdoppelt er nochmals seinen schier noch unergründlichen Tiefgang und gibt sich mächtig, fordernd ein einer barocken Expression. Gab es je einen volleren Montrose? Dies ist der möglicherweise noch grössere Nachfolger vom bereits schon legendären 1990er! 20/20 beginnen

AUF DEN HUND GEKOMMEN

«Es gibt keine schlechten Bordeauxweine – lediglich schwierige Jahre». So ist das Credo welches durchaus seine Berechtigung hat. Haben kann! Bei der Primeur Probe fand ich noch recht schöne Worte. Doch beim zweitletzten Kontakt im Jahr 2015 schrieb ich: «Die Gäste hatten sehr Freude Montrose auf dem Programm zu lesen und es war denen Wurst, dass da nur 2007 auf dem Etikett stand. Er zeigt grünliche Noten und auch sind die sandigen Tannine nicht grad eine besondere Terroir Leistung. Natürlich weiss ich, dass 2007er nicht einfach war. Aber von einer montigen Rose hätte ich mehr erwartet».

Leider hat er jetzt nochmals abgespeckt und ist wohl auf den «Hund gekommen» …


2007 Château Montrose: Recht dunkel, aber auch etwas matt. Die Nase erdig, mehr Humus wie Trüffel, grünliche Paprikaspuren. Im Gaumen gerbig, metallisch und wenig konsistent. Da passiert leider gar nichts mehr in Zukunft. Ausser, dass er noch bescheidener werden könnte. Irgendwie war ich fast etwas froh, als das Glas leer war. 15/20 austrinken

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MAGNUM-PARADE IM SEMPACHERHOF

Die Geschichte von einem weinigen Mittwochabend mit Notizen von André Kunz und René Gabriel auf www.bxtotal.com
 
EINE MAGNUM IST OFT ALLEIN

In der Regel ist es schon immer eine spezielle Begebenheit, wenn irgendwo eine Magnum entkorkt wird. Man nimmt an, dass von der weltweiten Produktion jeweils maximal etwa zwei Prozent in Magnums gefüllt werden.

Das generelle «Magnumvorkommen» war früher den teureren Weinen vorbehalten. Heute kann man diese auch im Supermarktregal bei günstigen Weinen entdecken. Dort kurioserweise eher bei den Roséweinen.

Der Begriff stammt, unter anderem, aus dem lateinischen Wort Magna und bedeutet «etwas Grosses». Geht es um Wein, so handelt es sich um eine «doppelte Flaschenmenge» in einer grösseren Flasche. Also werden rechnerisch, aus zwei Mal 75-Zentilitern hier 1.5 Liter.

Kauft man beim Weinhändler eine Magnum, so kostet diese aber immer mehr wie zwei einzelne Flaschen. Eigentlich komisch. Denn – der Produzent muss ja in diesem Fall nur eine Flasche kaufen und kann sich gleichzeitig einen Korken und eine Etikette sparen.
 
Die preisliche Krux liegt darin, dass es sich bei einer Magnum um eine technisch aufwändi-gere Sonderabfüllung von kleineren Mengen handelt und dass sich bei Grossformaten der leere Flaschenpreis potenziert.

So muss denn der Winzer zum Beispiel bei Beschaffung einer Imperialflasche (6 Liter) mindestens 50 Franken für die Flasche zahlen. Danach wird es dann noch viel teurer. Eine Melchiorflasche (das sind umgerechnet 24 Normalflaschen) kann zwischen 200 und 250 Franken kosten.

Kauft man eine Magnum jung, so bezahlt man in der Regel zwischen drei bis fünf Franken mehr, als wenn man zwei normale Flaschen in den Einkaufskorb legen würde.

Mit den Jahren der Reife wird eine Magnum immer rarer. Dies, weil die Verfügbarkeit infolge Konsumation logischerweise abnimmt.
So sind denn reife, rare Magnums im Markt und besonders auf Auktionen sehr gesucht. Willige Käufer sind gerne bereit, dafür mitunter das Mehrfache eines vergleichbaren 75cl-Flaschenwertes zu zahlen.

GIBT ES DEN MAGNUMBONUS?

Gibt es den viel zitierten «Magnumbonus» wirklich? Ja und nein. Ist eine Magnum noch sehr jung, dann unterscheidet sich diese degustatorisch kaum von einer Normalflasche.

Nach ein paar Jahren Flaschenlagerung kann sich die oft zitierte Spreu vom Weizen trennen.

Ist die Fruchtphase einmal abgeschlossen, reduzieren sich viele Normalflaschen in deren Evolution. Je mehr Tannine der Jahrgang mit sich bringt, desto mehr komprimiert sich der Wein. Man spricht in diesem Falle von der «Reduktionsphase».

Anders die Magnum vom genau gleichen Wein. Durch die grössere Menge an Flüssigkeit entwickelt sich der Wein langsamer. Die Reduktion kommt allenfalls später oder möglicherweise weniger intensiv.

Im nächsten Abschnitt gibt es wieder einen Pluspunkt für die Normalflasche. Dann nämlich, wenn der Wein in die erste Reife gelangt. Da kann es sein, dass die Magnum durch deren «Slow-Motion-Evolution» immer noch sanft reduktiv wirkt.

Gehen wir – rein hypothetisch – noch einen Schritt weiter und betrachten die zu vergleichende Situation nach zwanzig oder noch mehr Jahren. Kann sein, dass die Normalflasche jetzt so langsam zu Schwächeln beginnt. Deren Genussphase neigt sich langsam dem Ende zu.

Jetzt tritt endlich der Magnumbonus ein! Weil bei Grossflaschen alles etwas gemächlicher vor sich geht, wird einer Magnum eine längere Genussphase und somit auch ein längeres Leben attestiert.                

So die mögliche These. Doch gilt auch hier sicherlich, dass die Ausnahme die Regel eben nicht immer bestätigt.
Zudem gibt es bei der Magnum einen nicht zu verleugnenden Nachteil.

Korkt dieselbe, so ist man mit zwei normalen Flaschen wesentlich besser dran.

Dies deshalb, weil sich das Korkenrisiko hier um nachvollziehbare fünfzig Prozent reduziert. Es geht in der nachfolgenden Geschichte um ganz viele Magnumflaschen. Genau gesagt, um 21 Editionen, welche wie ein innerer Vorbeimarsch in die Gläser der rund 30 Gäste gelangten.

Bereits ein paar Wochen zuvor bereitete ich diese Parade im Keller vor und stellte die Flaschen auf. Dies deshalb, damit sich das Depot auf den Flaschenböden setzen konnte. Das geht dann einfacher zum Dekantieren.

Am Veranstaltungsmittwoch Mitte Mai entkorkte ich um zwei Uhr alle Magnums und stülpte eine luftdichte Plastikkapsel darüber.

Zwei Stunden später ging ich abermals in den Keller und dekantierte jeweils eine Magnum nach der anderen in eine grosse Karaffe.

Dann wusch ich die Originalflasche mit Wasser aus und dekantierte den Wein zurück. Und wieder kam eine Plastikkapsel drauf.

So bekam jeder Wein «etwas Luft» war aber nicht totdekantiert, was leider bei Proben von  Raritäten nicht selten der Fall ist. Bei dieser Methode «explodieren» die Aromen direkt im Glas des Betrachters.
Ein besseres System kenne – zumindest ich – nicht als Prozedere.

Die perfekt temperierten Flaschen stellte ich in nach Serien eingeteilte Kartons in meinen Chrysler und wir fuhren vorsichtig von Eschenbach nach Sempach-Station.

146 LIKES FÜR KARIN UND KNOLL

Eine hübsche Frau und eine begehrte Magnum! Das zieht immer. Nach ein paar Tagen hatte dieser Facebook Post bereits 146 Likes. Text: «Karin liebt nicht nur mich, sondern auch den Knoll. Besonders als Magnum GV Loibenberg 2013. Anja Knoll kommentierte prompt … «Und wir lieben Karin»
 
Dies war Karins Lieblingswein in dieser Serie. Im Publikum kam der älteste, zwanzigjährige 2001 GV Loibenberg wohl am besten an.

2013 Grüner Veltliner Smaragd Ried Loibenberg, Emmerich Knoll: Magnum. Mittleres Gelb, leuchtend. Mineralisches, kräftiges, frisches Bouquet, weisser Pfirsich, Teeblätter, frischer Thymian, Teeblätter und auch Minze. Cremiger, voller, zart opulenter Gaumen mit intensiver Frucht, sehr gut eingebundener Säure, kräftiger Aromatik und druckvollem Finale. Zeigt eine erste Reife und kann sicherlich noch zulegen. 18/20 trinken

DEN GEBURTSJAHRGANG IM GLAS

Selim Kangeldi leistete sich zum ersten Mal eine Raritätenprobe und kam dabei gleich zwei Mal in den seltenen Genuss seinen eigenen Geburtsjahrgangs. Einmal wie hier auf dem Bild mit dem 1988er Château Palmer. Und bereits in der nächsten Pauillac-Serie war es schon wieder so weit. Da funkelte der 1988er Mouton-Rothschild im Gabriel-Glas …

1988 Château Palmer: Magnum. Immer noch sattes Purpur in der Mitte, aussen fein gereift. Samtenes, süsses, volles Bouquet, Pflaumen, Tabak, Kräuter, Feuerstein und kalter Rauch. Klassischer, etwas kerniger, muskulöser, feinsandiger Gaumen mit würziger Aromatik, und herbem Abgang. Es gibt leider verschiedene Flaschenvariationen. 17/20 austrinken


WO LIEGT LIBOURNAIS?

Es ist ein wenig gebräuchlicher Begriff, der aber Wichtiges auf einfache Weise deklariert.

Rund um die Stadt Libourne liegen diverse Appellationen. Die prestigeträchtigste ist natürlich Pomerol? Oder doch, weil klassiert und wesentlich grösser, Saint Emilion? Weniger bekannt und begehrt ist das Lalande-de-Pomerol oder Fronsac und Canon Fronsac. Da würde auch noch das in letzter Zeit aufsteigende Weingebiet Côtes-de-Castillon dazu gehören. Plus weitere, andere Regionen.

Wenn vom «Libournais» die Sprache ist, dann meinen die eingefleischten Bordeaux Kenner das «rechte Ufer», also das «Merlotland». Denn, über alle diese Weingebiete dominiert der Merlot mit etwa 80% «Marktanteil».

Da gibt es nur wenige Ausnahmen. Eine der begehrtesten Exeptionen ist Château Lafleur. Diesen hatten wir ebenfalls im Glas. Da beträgt der Anteil Merlot rund die Hälfte. Ergänzt mit 50% Cabernet Franc.

Unser Abschlussreigen bestand aus einem Wein aus der Region Fronsac. Zwei Saint Emilions und zwei Weinen aus Pomerol.
Das Besondere: Château Le Gay und Château Lafleur waren damals noch im gleichen Besitz.

Der grosse Magnumbericht mit Verkostungsnotizen von André Kunz und Stories von René Gabriel auf neun PDF-Seiten: www.bxtotal.com

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IM SÜDEN VON GRAVES IST ES KÜHLER
 
Unser Verkostungsthema hiess «Graves – ohne Pessac!». Also herrschte absolutes Mitbringverbot für Château Haut-Brion, Mission, Pape-Clément & Co. Nur Weine aus dem Süden von der Appellation Graves waren zugelassen.

Der Begriff «Graves» stammt von den Kieselsteinen, welche in den Rebbergen anzutreffen sind.

Graves unter den Weinfreaks hat in den letzten Jahrzehnten viel an Zugkraft verloren. Warum? Weil, überall wo «Graves» noch auf den Weinetiketten steht, meistens die etwas günstigeren Weine dieser Region gemeint sind. Alle nobleren Crus bezeichnen sich offiziell mit «Pessac-Léognan». Dies seit dem ersten Entwurf im Jahr 1953 und der offiziellen Ratifizierung im Jahr 1959. Auch dieses Klassement scheint leider bisher wie in Stein gemeisselt.

Haut-Brion gilt – zusammen mit Latour – als «frühestes Château! Diese «Précocité» besteht aus dem Fakt, dass hier die Reben am frühesten austreiben, am frühesten blühen und deren Trauben am frühesten geerntet werden können.
Mir scheinen die Pessacs diese Wärme auszustrahlen und diese gehen auch mehr in die Tiefe. Damit meine ich die Rotweine. Und die Weissweine? Der weisse Haut-Brion kostet mittlerweile 700 bis 800 Franken. Ein Preis, der in keiner Weise zu dessen Leistung steht. Mit Ausnahme des Raritätencharakters.

Mein Motto für Pessac: «You cant do it twice». Will heissen; es ist aufgrund des warmen Klimas schichtweg nicht möglich Weiss- und Rotweine auf demselben Niveau herzustellen. Dies mag eine ziemlich persönliche Einstellung sein. Aber ich meide seit Jahren weisse Pessacs und habe keine einzige Flasche (mehr) im Keller.

Anders sieht es mit den Weissweinen aus der Grossregion Léognan aus. Hier scheint mir, über die Jahre gesehen, der Domaine de Chevalier der zuverlässigste, langlebigste und beste Weisswein von ganzen Graves, pardon Pessac-Léognan zu sein. Auch den weissen Fieuzal mag ich sehr. Der 1992er war unser Hochzeitswein und ich habe immer noch ein paar Flaschen im Keller. Er ist auch heute noch, nach fast 30 Jahren, immer noch sehr gut. Sehr gut ist auch der weisse Smit-Haut-Laffite. Doch der ist mittlerweile eine harte Weissweinwährung geworden und liefert nicht immer auf demselben Niveau ab.

Die Weissweine sind eh eine Kategorie für sich. Je grösser der Rotweinjahrgang ist, desto schwieriger wird es mit den «Blancs».
Und umgekehrt: Ist die Qualität bei einem Rotweinjahrgang «etwas schwierig» sind die Weissen meistens fantastisch.
Daraus resultiert die logische Regel, dass man die Roten in grossen Jahren kauft und die Weissen in halt kleineren «Millesimes».
Zur Konkretisierung unseres Verkostungs-themas. Pessac = Norden. Léognan = Süden. Und wer bis jetzt detektivisch analysiert hat, kann zum Schluss kommen. Dass es, rund um die Reben im Süden «etwas kühler» ist als im Norden.



PESSAC IST NICHT LÉOGNAN

Das Klassement von 1959 hatte zur Folge, dass mehr oder weniger nur die allerbesten Weingüter die Auszeichnung zum «Cru Classé» erlangten. Somit wurde de facto eine Zweiklassengesellschaft geschaffen.

→ Graves = einfachere, günstiger Weine.

→ Pessac-Léognan = noblere, teurere Weine.



DEGUSTATION RUND UM LÉOGNAN

Für mich war es diesmal ein Bisschen anders. Ein Geruch Anosmie zwang mich unfreiwillig den Betrachter zu spielen. Seit rund vier Tagen war ich bereits «aromenlos» unterwegs.

Nicht wegen COVID, sondern wegen meinen lästigen Polypen, welche leider grad am Tag der Verkostung «Hochsaison» hatten. Alles Sprayen, Inhalieren und andere Tricks halfen rein gar nichts.

Bevor mich später eventuelle Vorwürfe eines Plagiats erreichen, gebe ich unumwunden zu, dass ich André Kunz bat, mir seine Notizen für diesen Artikel zu überlassen.

Er schreibt (und auch gerne) regelmässig über Weine und seine Notizen und Bewertungen sind in einem eigenen Fenster auf der Webseite bxtotal.com zum Surfen hinterlegt.    

Während ich mir akribisch das Unwichtigste, nämlich die Farben der Weine vornahm, tippte André seine Nasen- und Gaumeneindrücke in seinen kleinen Laptop.

Ich hörte aufmerksam in die Runde und ergänzte im Nachhinein ein paar Kommentare. So war denn dieser Abend für die Nachwelt gerettet und es folgt in den folgenden Texten die kreative Teamarbeit Kunz/Gabriel. Es sei noch anzufügen, dass ich innerlich einigen Aufwand brauchte, um nicht in eine önologische Depression zu verfallen. Zumal nicht nur der Wein keine Aromen versprühte, sondern auch das Essen für mich völlig geschmacklos war.

Dafür waren gute Freunde in der Runde, Geselligkeit und auch die Einzigartigkeit, welche ein solcher Weinabend immer wieder ausstrahlt. Meinen Minifrust ertränkte ich am Schluss mit einem kühl labenden Helvetia Bier.

RISIKOFLASCHE WAR EIN RISIKO
 
Es fehlte schon recht viel Wein und es war bereits im Vorfeld anzunehmen, dass dieser Umstand seinen Tribut zollen würde. Und so war es denn auch! Trotzdem eine schöne Erfahrung, denn der Blick aufs Etikett zeigt, dass es damals zwar noch kein Klassement in dieser Region gab. Trotzdem liessen es sich ein paar Château Besitzer nicht nehmen auf das Etikett «1er Grand Cru de Graves» drauf zu schreiben, um dem Wein etwas mehr Prestige und Aufmerksamkeit zu verschaffen.   

1928 Château Bouscaut: Füllniveau; sehr tiefe Schulter. Schwarz-Braun mit orangem, aufhellendem Rand. Würziges, süsses Bouquet, Himbeeressig, Malz, Torf, Rauch. Kerniger, gezerrter Gaumen mit sandigem Extrakt, leichter Aromatik, trockener Abgang. 14/20 vorbei

P.S. Anmerkung von René Gabriel; vor drei Jahren hatte ich eine perfekte Flasche von diesem Wein im Glas und mit 19/20 bewertet. Meiner Ansicht nach handelt es sich hier um den besten Rotwein, den Château Bouscaut je produziert hat. Leider bis heute …


DER BESTE VON DIESEM TRIO

1988 Château Haut Bailly: Noch recht jugendliches Rot, dezent ziegelroter Rand. Würziges, samtenes, kräftiges, komplexes Bouquet, Backpflaumen, Tabak, Korinthen, Leder, Thymian und Rosinen. Dichter, kraftvoller, aromatischer Gaumen mit gutem Tannin, konzentrierter, maskuliner Struktur, vielfältiger, dunkler Aromatik, sehr langer, dichter Abgang. 19/20 trinken



HAUT-BAILLY (COMING SOON)

Ende Juni dieses Jahres haben wir vor, im engeren Kreis, eine grössere Vertikale von diesem oft unterschätzten Léognan Cru zu entkorken. Auf dem Bild; die wohl schönste Seite von Château Haut-Bailly in
der untergehenden Abendsonne.  

1990 Château Haut-Bailly: Sehr dunkle Mitte, oranger Rand. Samtenes, würziges, kräftiges, fein pfeffriges Bouquet, Pflaumen, Tabak, Zedern, Korinthen, Zimtstange und Schwarztee. Dichter, fein cremiger, kräftiger Gaumen mit feinem Tannin, satte Struktur, vielfältiger, süsse Aromatik mit langem, feinem, vollem Abgang. 18/20 trinken

BLINDPROBENSIEGER

Am letzten Weltwein-Festival in Bad Ragaz wurden zwanzig Bordeaux vom Jahrgang 2004 zur Blindprobe eingeschenkt. Sieger war genau dieser Domaine de Chevalier.

Mag sein, dass dies der Grund ist, dass in der Schweiz keine einzige Flasche mehr im Markt zu finden ist.

2004 Domaine de Chevalier: Sattes Purpur mit minimen Reifetönen. Seidenes, dichtes, elegantes, frisches Bouquet, laktischer Ansatz, Erdbeerjoghurt und Minzspuren. Eleganter, feingliedriger, duftiger Gaumen mit feinem Tannin, satte Struktur, kräftiger, feiner Aromatik, süsser Frucht, lange abklingendes Finale. 18/20 trinken

Die grosse Story über den «mittleren Süden » von Graves mit dem Geschichtshintergrund auf sechs PDF-Seiten. www.bxtotal.com

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WO LIEGT DENN DIESES CHÂTEAU?

Hätten Sie es gewusst? Grad sofort? Oder erst nach reiflichem Überlegen? Wie viele Jahrgänge haben Sie davon getrunken? Gibt es den Wein sogar in Ihrem Keller?
Normalerweise prangert zum Titelbild auch gleich die wegleitende Information. Diesmal habe ich die Informationshilfe weggelassen.

Obwohl es sich bei diesem Weingut in der Appellation Margaux um einen Deuxième Cru handelt, ist die Google-Suchquote mit weniger als einer Million Treffern ziemlich dürftig.

Die bescheidene Netzpräsenz drückt leider eigentlich auch die generelle Popularität von Château Rauzan-Ségla aus. Trotz grossen Investitionen kommt dieses an sich bekannte Margaux-Weingut nicht so richtig vom Fleck. Und auch die begehrten, recht hohen Bewertungen von einflussreichen Journalisten sind leider bisher ausgeblieben, respektive, wenn vorhanden, sind diese nur dünn gesät.

Dabei hatte dieses Weingut eine bewegende Geschichte, welche sich sogar dereinst mit Château Margaux und Latour vermischte.  

Der Bericht von 15 Jahrgängen Rauzan-Segla von 1934 bis 2018 findet man auf www.bxtotal.com (sofern man Abonnent ist)

EIN RICHEBOURG AUS MARGAUX

Was auf den ersten Blick ziemlich hedonistisch tönt, ist gar nicht so weit hergeholt. Denn – die Appellation Margaux gilt unter Kennern als «die Burgundertüre des Médocs».

Die besten und feinsten Weine zeigen mitunter eine gewisse Pinot-Affinität. Nirgendwo findet man am linken Ufer der Gironde eine so rotbeerige, parfümierte Expression in den Weinen.

Der 87jährige Rausan-Ségla hat mich wieder ganz deutlich an diese These erinnert …


1934 Château Rausan-Ségla: Sattes Weinrot mit orangem Rand. Niemals würde man da auf diese greisige Alter schliessen. Das vife Bouquet zeigt Spuren von roten Johannisbeeren und Rosenpfeffer. Das recht vielschichtige Nasenbild scheint wie konserviert. Im Gaumen saftig, wieder fruchtig (!) gut stützende Säure, vermittelt eine enorme Länge und ein wieder Reigen von rotbeeriger Frucht. Ein geniales Altweinwunder, das man fast nicht einschätzen kann. Am Tisch sassen zwei Männer mit Altweinphobie. Die hatten aber gegen meine innerliche Empathie zu diesem «Richebourg aus Margaux» keine Chance. 19/20 austrinken

BESTER AUS ESCHENAUERS ZEIT

1986 Château Rausan-Ségla: Tiefdunkles Weinrot, immer noch intakt, ziegelroter Rand. Kräutriges Bouquet, Tannenbart, Baumrinde, dunkle Schokolade, Minze und Rosmarin. Das Bouquet weist klar auf einen klassischen, reifen, tiefgründigen Médoc hin. Der Gaumen zeigt viel Fleisch am Knochen. Es sind immer noch Gerbstoffe da, welche ihm eine weitere Lebensgarantie mitgeben. Es ist fraglos der grösste Wein der Eschenauer-Epoche. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit seiner Jugend. Da war er ungestüm und sperrig. Vom Charakter her reflektiert ist mehr den markigen 1986er-Jahrgang. 19/20 trinken









ZWANZIG JAHRE FLASCHENREIFE

2000 Château Rauzan-Ségla: Aufhellendes, sanft gereiftes Weinrot mit minim ziegelrotem Rand. Die Frucht wirkt abgeklungen und hat einem sehr ansprechenden, nach hellem Leder duftenden, Terroirschimmer Platz gemacht, Kräuternoten, Goji-Beeren, vielschichtig und so richtig nach Margaux duftend, wenn auch tendenziell minim laktisch. Im Gaumen dominiert zuerst die Säure und braucht einige Zeit, um sich einigermassen im Extrakt zu integrieren. Ein griffiger Wein mit Kraft. Wenn man ihn schlürft, kann man ihm ein herrliches Parfüm entlocken. Wirkt nasal reifer als im Gaumen. Zwei Stunden Dekantieren wird ihm guttun. Loving it! 18/20 trinken


VON LATOUR ZU RAUZAN-SÉGLA

Der 1949 geborene Schotte kam 1971 nach Bordeaux und machte dort seine Weinkarriere. Bis 1994 war John Kolasa Generaldirektor auf Château Latour. Die Wertheimergruppe holte ihn nach dem Kauf als Chef zu Rauzan-Ségla.
Als erste «Amtshandlung» führte er wieder das «z» ein. Denn bis zum Jahrgang 1993 stand auf der Etikette «Rausan-Ségla». Dies wohl um eine Verwechslung mit dem direkten Nachbarn «Rauzan-Gassies» auszuschliessen.

Alle Jahrgänge von 1994 bis 2014 sind unter seiner Ägide entstanden. Im Juli 2015 liess er sich pensionieren und ist sehr oft auf seinem Boot im Bassin d’Arcachon anzutreffen, wo er es auf seinen Lieblingsfisch, den Rouget, abgesehen hat. Unten ein Foto von meinem langjährigen Freund bei der Primeurprobe vom Jahrgang 2000. Diesen Wein verkosteten wir ebenfalls an unser Vertikalprobe. Dazwischen liegen gut 20 Jahre Flaschenreife.


SOLL MAN 2018ER KAUFEN?

Auf www.bxtotal.com vergibt der beim Rauzan-Ségla sonst eher zurückhaltende André Kunz 19/20 Punkte. Aber auch andere Publikationen schiessen bei diesem offensichtlich grossartigen Wein in die Höhe. Parker liegt bei 98+/100. Der Wine Spectator meldet eine Bandbreite von 96 bei 100 Punkten. Und James Suckling legt die Latte bei 99/100 fest.

So einheitlich hoch wurde ein Rauzan-Ségla praktisch noch nie bewertet. Der aktuelle Marktpreis schwankt von 130 bis 145 Franken. Das scheint günstig, ist aber seit langem einer der teuersten Jahrgänge. 2014, 2016 und 2016 kosten alle knapp hundert Franken oder liegen sogar noch darunter. Unsere Probe vermittelte uns den Eindruck des besten Weines der neueren Epoche. Konklusion: Kaufen!   



2018 Château Rauzan-Ségla: Sattes Purpurrot mit bläulichem Schimmer. Intensives, diversifiziertes Fruchtbouquet, Cassis, Brombeeren, schwarze Kirschen, schön ausladend. Im zweiten Ansatz Edelhölzer, wirkt nasal sehr nobel und schon fast erhaben. Seidiger Gaumen, sehr ausgeglichene Adstringenz, nicht fordernd, aber doch zukunftsweisend. Erst im Finale merkt man seine spannende Konzentration und seine komplexe Nachhaltigkeit. Mehr Finesse wie Power, was wiederum zu diesem Weingut perfekt passt. 19/20 warten

Der grosse Vertikalbericht von René Gabriel: www.bxtotal.com

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ANGENEHME NEBENWIRKUNGEN

Am Montagmorgen vor dem grossen Rauzan-Ségla-Tasting wurde ich im Messe-Zentrum in Luzern erstmals gegen Corona geimpft. Nach dem Piks bekam ich eine lange Liste mit möglichen Nebenwirkungen. Alles was da auf dem Blatt stand traf in der Folge  glücklicherweise nicht ein. Gegen Abend spürte ich ein heisses Verlangen nach Rotwein. Dies stand nicht auf der «Packungsbeilage», war aber ein durchaus nicht unangenehmer Nebeneffekt. Kurioserweise hatte ich dieselben Symptome schon in den Tagen und Wochen zuvor. Injektion hin oder her …

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WER WAR DAS?

Die Schweizer trinken weniger Wein!!! Dies beweist die aktuelle Statistik.

Zugegeben so unschuldig bin ich auch nicht und ich habe diese Zahlen massgeblich beeinflusst.

Denn - ich habe auch weniger Wein getrunken. Im Februar. Der hat weniger Tage ...



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LYNCH-BAGES: DER PAUILLAC-BULLDOZER
 
Die Premier Grand Crus aus Pauillac (Lafite, Latour & Mouton) zeichnen sich aus durch Finesse und Power. Lynch-Bages ist kein Premier. Auch er hat Power und Finesse. Aber halt mehr Power wie Finesse. Und er ist nur ein «Cinquième», also ein fünftklassiertes Gewächs. Seit 1989 verkauft er sich zum Preis eines Deuxièmes. Verdienterweise! Denn – einmal im Glas liefert er so richtig ab. Nasal. Oral. Total. Es folgt hier eine Geschichte um den wohl beliebtesten und auch begehrtesten Pauillac.


EIN LYNCH KOMMT SELTEN ALLEIN

Zumindest in unserem Falle. Jeder Weinmann unserer meistens achtköpfigen Truppe muss für den jeweils so alle zwei Wochen stattfindenden Abend ein bis zwei Flacons aus seinem Keller beisteuern. Die Thematik wird vorgegeben. Diesmal ging die Weinreise einmal mehr nach Bordeaux, genauer in die Gemeinde Pauillac. Dort «wohnen» drei Premiers Grand Cru Classe (Mouton, Lafite, Latour). Zwei Deuxièmes (Pichon-Lalande und Pichon Baron). Kein Troisième. Kein Quatrième. Dafür elf Weingüter, welche 1855 als «fünftes Gewächs», also als Cinquièmes eingestuft wurden. Der populärste in dieser Liga ist sicherlich der Château Lynch-Bages. Und der stand an diesem dienstäglichen Genussabend auf dem Trapez.


MEIN ALLERERSTER LYNCH

Das war vor fast 40 Jahren. Da war ich eingeladen bei William Gernet. Er war ein angesehener und ausgewiesener Weinkenner und spielte mit bei der Gründung von der Weinzeitschrift VINUM. Und er dirigierte gleichzeitig die Weinbruderschaft Zofingen. Er war «weinweise» und ich war damals noch «weindumm».

Während dem Abend servierte er mir einen alten Lynch-Bages, roch daran und meinte dann zu mir: «Den würde ich auch blind erkennen, denn ein reifer Lynch riecht immer nach Pferdepisse!»


Ich war schockiert! Wie kann man etwas trinken, was Grundaromen von Pferde-Urin in sich trägt? Ich roch daran. Doch der Duft der mir da entgegen kam schien mir doch mehr nach altem, wunderschönem Bordeaux zu duften, wie nach – na ja… Ich erspürte Leder, Korinthen, Teer, Torf, getrocknete Kräuter und dahinter sicherlich auch etwas Animalisches.

Vielleicht ein Duft, welcher man halt dann doch möglicherweise als Luft in einem Pferdestall wieder findet. Aber wenn man reife Rotweine liebt und Pferde, dann müsste man eigentlich einen alten Lynch-Bages nicht nur akzeptabel, sondern gar phänomenal finden.

Wer meine Degustationsnotizen zu alten Jahrgängen von Lynch-Bages aufmerksam liest, wird immer wieder «pferdige» Aromen in meinem Kommentaren wiederfinden.

PFERDESCHWEISS IM WEIN?

Die eingangs erwähnte Symbiose zu möglichen Pferdearomen im Zusammenhang mit Wein liess mich nicht locker.
Im https://glossar.wein.plus habe ich dann doch noch Hinweise dazu gefunden:
«Bezeichnung für einen vor allem bei Rotweinen vorkommenden Weinfehler, für den es aber viele weitere Namen gibt. Das sind Apeshit (Südafrika), Bodenton (siehe Geosmin), Brett, Hansaplast, Hundeschweiss, Lederton, Medizinalton, nasser Hund (engl. wet dog), nasses Fell, nasses Leder, Pferdestall, Pferdeton, Phenolton, Sattelton, Schweisssocken, Stallgeruch und Teerton.

Deshalb wurde der Fehler früher oft nicht eindeutig erkannt bzw. gar nicht als Fehler eingestuft.
Er tritt in international renommierten Rotweinen, in belgischen Bieren und in Apfelweinen als durchaus akzeptiertes typisches Begleitaroma auf. Durch Analysen konnten bei all diesen Fehltönen die gleichen Mikroorganismen als Ursache identifiziert werden. Nicht selten tritt Pferdeschweiss gemeinsam mit dem Weinfehler Mäuseln auf. Verstärkt kommt der Fehlton bei Rotweinen vor, die einem Barrique-Ausbau besonders bei neuen Fässern und/oder einer Macération carbonique (Kohlensäure-Maischung) unterzogen wurden. Die Hauptursachen sind mangelnde Hygiene wie unsaubere Holzfässer und/oder zu geringer Schwefeleinsatz».


ZUM AUSFLIPPEN GUT
 
Bei grossen Weinen schwingt immer die Angst mit, dass der neue Kontakt mit einem als «megagross» im Kopf registrierten Erlebnis nicht mehr erfüllt werden könnte. Diesmal war es anders. Es war mein bester Schluck von diesem schier ausserirdischen Lynch. Im Markt gibt / gäbe es bei Orvinum (Schweiz) noch eine Magnum für CHF 1099. Glücklicherweise hatte ich früher schon rechtzeitig von diesem Grossformat ein paar Flaschen gehortet.  
 
1982 Château Lynch-Bages: Noch recht dunkles, aber auch Reife anzeigendes Weinrot. Geniales Bouquet mit einer warmen, ausladenden, reichen Cabernetanzeige, getrocknetes Rosenholz, dunkle Rosinen, viel Malz, dezent blättrige Noten (vom kleinen Merlotanteil), viel frische und getrocknete Kräuter, eine Spur Eucalyptus und Kampfer und deutliche Ledertöne. Also der typische Lynch-Duft der damaligen Zeit. Der Gaumen ist mundfüllend, schier üppig und zeigt die cremigen, weichen Tanninnoten dieses phänomenalen Jahrganges. Das intensive Finale ist bespickt mit Lakritze und Guinness-Malz. Einerseits ist er hoch reif, andererseits wirkt er immer noch erstaunlich präsent, ja schier frisch. Auf alle Fälle ist / wäre dies ein nahezu brachialer, hemmungsloser Lynch-Bages-Genuss, wenn man die Chance hat / hätte ihn im Glas vor sich zu haben. Mein bisher bestes und grösstes Erlebnis mit diesem grandiosen Wein! 20/20 austrinken

SCHÖPPLI BONUS

Normalerweise spricht man im Umgang mit Wein oft von einem Grossflaschenbonus. Damit meint man, dass eine grosse Flasche ab einem gewissen Alter besser daherkommt wie die Normalfasche. Diesmal war es umgekehrt. Wenn ein Wein in der Normalflasche noch recht weit von der effektiven Genussreife entfernt ist, kann eine halbe Flasche durchaus mal eine positivere Ausstrahlung absorbieren.
 
1986 Château Lynch-Bages: Halbe Flasche. Noch recht jugendliches, wenn auch etwas mattes Weinrot. Da ich den Wein direkt nach dem Entkorken ins Glas goss, zeigte er sich reduktiv. Ein anderes Wort dafür wäre bockig. Aber das haben ja leider viele 1986er, welche nach so vielen Jahrgang Flaschenlagerung immer noch die «kalte Schulter» zeigen. Der deutlich von Cabernet geprägte Blend zeigt grünliche Konturen, Efeutöne, grüne Paprikaschote und Fleischabschnitte. Wer nach Frucht sucht, muss in die Tiefe graben, findet aber nur noch Spurenelemente. Im Gaumen fleischig, mit fester Substanz und immer noch adstringierend. Extrem fleischig! Die halbe Flasche scheint hier – gegenüber meinen Eindrücken zur Normalflasche – leicht im Vorteil zu sein. Denn hier wird aufgezeigt, dass es sich endlich so langsam in die erste Reife bewegt. Bleibt aber immer im Food-Wein-Bereich. Schon fast ein kleines Monument. Einer der besseren 1986er im Médoc und somit möglicherweise der Preis-Leistungssieger. Ein richtiger Klassiker, der in diese damalige Zeit passt. 19/20 beginnen

VON CHF 35 AUF 400 FRANKEN

Als Einkäufer von Mövenpick musste ich für eine Flasche Lynch-Bages 1989 in der Subskription 143 Francs bezahlen. Heute ist er «etwas teurer» …

1989 Château Lynch-Bages: Aussen sieht man schon minime Reifetöne, innen ist die Farbe noch satt. Gigantisches Bouquet, malzig, korinthig, getrocknete Feigen, Nusslikör, Kakaobohnen, Backpflaumen, weit ausladend. Eine richtige Nasenbombe, welche den Jahrgang, das Weingut und gleichzeitig die Appellation reflektiert. Schon das Nasenbild gehört eigentlich ins Drogendezernat. Im Gaumen ein Mund voll Wein, er strahlt eine dokumentarische Cabernet-getriebene Terriorsüsse aus. Wenn man ihn schlürft bläst er so richtig seine gigantischen Schichten auf. Imposant und fein nachhaltig und genial. Die Summe aller Dinge. Die Wertung liegt nahe bei der Maximalwertung! 19/20 trinken

HEMMUNGSLOSER 2009ER

Dieser Lynch-Bages 2009 gehört in die Kategorie «hemmungslos». Oder auch «unverschämt». Einmal daran gerochen, ist der Bann gebrochen! Man verschlingt diese Pauillac-Bombe unkontrolliert und gierig, schon fast im Affekt.

Sicherlich wird er in den nächsten Jahren mit weiterer Flaschenreife noch zulegen. Aber noch viel mehr kann da fast nicht mehr drin liegen. Denn – besser geht irgendwie gar nicht mehr! Dabei bin ich ja sonst ein unverbesser-licher Reifweintrinker. 20/20 beginnen   



Die grosse PDF-Geschichte runde um den Lynch-Bages auf sieben Seiten: Jetzt auf www.bxtotal.com

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DER ARROGANTESTE VOM LÉOVILLE-TRIO

Einst waren die drei Léoville-Weingüter vereint. Heute sind sie Konkurrenten. Und jeder ist anders. Der Las Cases schafft es mit seinen Qualitäten und den im Markt erzielten Preisen den Lead zu bilden. Der Barton ist der populärste und man findet ihn praktisch in jedem Keller von agilen Bordeaux-Freaks. Der Poyferré hat auch viele Freaks, aber solche die es gewohnt sind einzustecken, respektive eher nach Power wie nach Finessen suchen.

Bei uns privat schafft es der Poyferré im Privatkeller auf den dritten Platz mit der Flaschen-Präsenz. Und trotzdem möchte ich nicht auf ihn verzichten. Er ist ein perfekter Speisenbegleiter für kräftige Fleischgerichte. Dies gilt auch, wenn der Grill heiss ist.
Seine Kraft ist oft etwas unbändig und wenn ich ihn blind im Glas hätte, würde ich ihn nicht selten als Saint Estèphe einstufen. Zudem ist sein Mangel an Finessen nicht immer fraglos Grand-Cru würdig. Zumindest nicht auf dem Niveau eines zweitrangigen Gewächses, also einem Deuxième Cru.

Wer also für den Poyferré schwärmt, ist irgendwie «hart im Nehmen». Robert Parker mag ihn und dies ist sicherlich ein wichtiges Marketing. Dem Jahrgang 2009 verlieh er 100 von 100 möglichen Punkten. Und so ist dieser Wein denn auch in den letzten Jahren auf fast 250 Franken Marktwert angestiegen …

… während andere, ebenfalls hervorragende, reifere Jahrgänge wie 2001 noch für 130 Franken oder der 2003er für 140 Franken zu haben sind. Mein aktueller Kauffavorit wäre der Jahrgang 2005 (19/20). Der kostet so um 140 Franken. Sicherlich wäre der Poyferré 2006 ebenfalls ein Schnäppchen. Da braucht es halt noch ein bisschen Geduld. Mit einem Preis unter 100 Franken macht man da aber langfristig absolut keinen Fehler.  

VON SAULUS ZU PAULUS

Ein önologisches Chamäleon! Dies deshalb, weil die Nase wenig kommunikativ ist und vermuten lässt, dass der Wein sich noch weit weg von der möglichen Genussreife befindet.

Im Gaumen liefert er praktisch genau das Gegenteil dieses nasalen Eindruckes. Mit zwei Stunden Dekantieren ist alles wieder im Lot.

1995 Château Léoville-Poyferré: Dezent mattes Granat-Purpur, minimster ziegelroter Schimmer am Rand. Das Bouquet, wirkt im ersten Moment etwas dumpf und unzugänglich; Baumrinde, kalte Bratensauce, getrocknete Pflaumen und grünwürzige Spuren. Nebst dem Schimmer, welcher an getrocknete Küchenkräuter und Kampfer erinnert, gibt er auch minime Spuren von Eucalyptus von sich, was bei diesem Weingut nicht selten der Fall ist und so bekommt er auch eine gewisse Napa-Affinität. Im Gaumen wirkt er dann erstaunlicherweise viel zugänglicher wie in der Nase, zeigt Saft, fast schon abgeklärte Tannine und vermittelt einen langen, nachhaltigen Fluss, welcher mit einem Hauch von Dörrfrüchten und Vanillemark endet. Wir diskutierten über den Wein und eigentlich lag er bei mir zwischen 18 und 19 Punkten. Momentan lasse ich ihn noch beim leicht tieferen Value. Er hat aber ziemlich grosse Chancen in Bälde noch aufgerundet zu werden. 18/20 beginnen

ACHTERBAHN-BORDEAUX

Ein neuer Begriff. Auch für mich. Beim Poyferré 1998 ist leider alles möglich. Zwischen 19 Punkten und untrinkbar …

1998 Château Léoville-Poyferré: Halbe Flasche. Wirkt etwas matt und zeigt dabei ein deutlich aufhellendes Rot. Schwieriges Bouquet, reduktiv, Terpentin, Heizöl, zeigt leider auch begleitend viel flüchtige Säure (Aceto), dahinter kann man versöhnlicher Weise ein paar dunkle Beeren wahrnehmen. Kein leichter Start, aber das Belüften half. Also kann man schon aufgrund des Nasenkontaktes eine Dekantier Empfehlung publizieren. Im Gaumen bleibt er dunkel und wieder sind auf der Zunge Modena-Acetospuren zu erspüren. Der Fluss ist rauh, respektive mehlig aufrauend. Aufgrund früherer Erfahrungen weiss ich, dass es hier verschiedene Flaschenmöglichkeiten gibt. Das war sicherlich eine der allerschlechtesten. Einziger Vorteil, der Schaden wurde durch das Kleinformat um die Hälfte reduziert. Ein grosser Teil der Ernte wurde leider durch TCA betroffen. Keine Bewertung.   

2003 Château Léoville-Poyferré: Getrunken am Vorabend. Dunkles Lila-Granat. Intensives Bouquet, viel Kirschen, Rosenpfeffer, dominikanischer Tabak, Edelhölzer und frisch gebrochener Rosmarin. Was erstaunt; als Wein aus einem heissen Jahr gibt er sich frisch und fast noch roh in seiner durchaus noch primären Aromatik. Er legt mit Luftzutritt stetig nach und dies beweist auch noch seine jugendlichen Allüren. Blind verkostet, könnte man ihm nasal gar etwas Affinität zu einem Rutherford-Napa attestieren. Im Gaumen fest, konzentriert, fleischig und immer noch eine ziemlich verlangende Adstringenz aufzeigend. Die sanft trockenen Gerbstoffe erinnern jetzt nicht mehr an Napa sondern eher an einen grossen Wein aus der Maremma. Der Poyferré ist meistens der arroganteste Deuxième-Cru aus seiner Appellation und hier macht er dieser These alle Ehre. Bei den Finessen gibt es einen Punkt Abzug. Beim der Poweransage ein Plus. Zwei Stunden dekantieren. 19/20 beginnen


ÜBER 60 JAHRGÄNGE

Die Bilanz für den Poyferré auf meinem Webportal www.bxtotal.com ist durchzogen. Die Maximalwertung schaffte er bisher noch nie, dafür etliche Jahrgänge mit 19/20. So bei André Kunz (2018 und 2016).

Und von mir kam er auf die gleiche Stufe mit 2010, 2009, 2005 und 2000, was neuere Jahrgänge betrifft. Im Tessin hatte ich 1992 einmal gar den 1878er im Glas. Leider mit nur 12/20 Punkten.

Der grosse Bericht zu Léoville-Poyferré: www.bxtotal.com



RAINER DER UNGEDULDIGE

Unter (20+) Rainer Schönfeld | Facebook postet der deutsche Wein und Gourmet-geniesser regelmässig im Facebook. Ich lese ihn gerne. Am 18. April informierte er über den just angelieferten 2018er Poyferré …

Die ersten 2018er Bordeaux sind in den letzten Tagen eingetrudelt, auf den Léoville Poyferré war ich besonders gespannt, weil er recht uneinheitlich bewertet worden war. Zwar waren sich die bekannten Weinkritiker recht einig, dass dies ein grossartiger Wein sei, aber unter den weniger renommierten Schreibern gab es doch einige eher schlechte Bewertungen. Da ich nicht nur der Meinung bin, dass man Weine, die man einkellert, auch ganz jung probieren sollte, weil das ungemein lehrreich ist, sondern Bordeauxweine in der ersten Zeit nach der Arrivage auch unglaublich köstlich und pornös sein können, mache ich den einen oder anderen Jungbordeaux ein paar Tage nach seiner Ankunft auf. Heute aus besagten Gründen also …

2018 Château Léoville-Poyferré: Das Bouquet ist die reinste Bunga-Bunga-Party für die Nase. Was für ein sensationeller, sagenhaft geiler Duft! Nicht das distinguierte, elegante und komplexe Bouquet eines perfekt gereiften Bordeaux, sondern ein orgiastisches Duft-Bacchanal, eine Fruchtexplosion mit Cassis, Heidelbeeren und Schwarzkirschen, Duft von frisch geschmirgeltem Tropenholz, saftigem Kautabak und orientalischem Gewürzmarkt. Die Sekundäraromen vom Holzausbau sind natürlich präsent, spielen aber hinter der Frucht eher dezent die zweite Geige. Über dieser Duftorgie schwebt ein köstlich präziser Eukalyptuston. So jung sind die etherischen Noten meist diffuser, irgendwo zwischen Menthol und Geraniol, und entwickeln sich erst mit Reife und Glück Richtung klarer Minze oder Eukalyptus, wenn sie nicht im derben, grünem Unterholz enden. Am Gaumen ist der Wein wunderbar frisch, die intensive Frucht ist straff und knackig, der Wein ist trotz enormer Kraft überzeugend fokussiert. Sehr schöne Textur, da liegt ein sehr eng gewobener Gerbstoffteppich unter den Aromen, der von der Attacke bis zum Nachhall reicht, derzeit aber noch sehr samtig und würzig ist. Das liegt daran, dass die Tannine noch niedermolekular sind und die Proteine der Mundschleimhaut und des Speichels nur kurz mit Handschlag begrüssen, statt sie wie eine Constrictor zu würgen; durch oxidative Kupplung werden sie sich in wenigen Jahren zusammenrotten und dazu beitragen, dass der Wein harscher wird und sich verschließt, bis sie durch weiteren Molmassenaufbau und damit einhergehendem Entropieverlust agglomerieren und schließlich ausfallen, was zur Trinkreife eines Bordeaux beiträgt. Was ich damit sagen will: der trinkt sich jetzt lustvoll und genial, weil er in seiner primären Fruchtphase steckt. Dass er die Gene für einen richtig großen Bordeaux hat, ist unverkennbar. 96(+?)/100.
Dazu gab’s ein Flanksteak vom Grill. Ein in Deutschland noch immer unterschätzter Cut, den ich wegen seiner Textur und des Aromas auf Augenhöhe mit Ribeye sehe. Sehr schön auch der mit Curry, Kurkuma, Graham Masala, Kreuzkümmel, schwarzem Kümmel und anderem Gedöns in Kokosfett gewürzte Romanesco aus dem Ofen, der mit einem festen Dressing aus Joghurt, Ricotta, Mandelmus, Sumach, schwarzem Kümmel, Anchopulver und gehackter frischer Minze auf den Teller kam.

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LIEBE BORDEAUX-FASSPROBENLUTSCHER

Momentan füllt sich das Facebook in ungebührender Weise mit Publikationen zu Fassproben vom Bordeaux-Jahrgang 2020. Etwa ein Dutzend Verkoster aus der ganzen Welt informieren die wenig interessierten Leser in englischer und deutscher Sprache übertäglich was jetzt grad so im Glas ist und wie der Wein jetzt grad so schmeckt und wie er einzureihen ist. Ach ja, und dann folgt dann auch noch die so alles überwichtig erscheinende Punktezahl. Die bildet dann den göttlichen Informationsabschluss.  

Mit kommt das Ganze vor, wie jemand der kein Puzzle bestellt hat und jeden Tag unaufgefordert ein weiteres kleines Einzelteil zugeschickt bekommt!

Was jetzt schluckweise publiziert ist, kann die Leser leider nur bedingt interessieren. Dies deshalb, weil zwischen der Publikation und dem effektiven Primeur Angebot noch ein paar Wochen, Monate vergehen. Ein Primeurverkostungsprozess hat einen ganz konkreten Ablauf. Zuerst wird verkostet, dann wird mit einem bestmöglichen Gesamtüberblick informiert. Dann folgen die Offerten der Händler. Die Interessenten / Käufer informieren sich an den Publikationen, welche ihnen zuverlässig erscheinen. Nach dem Primeurverkauf (Sommer 2021) folgen gut zwei Jahre Stille. Dann werden die fertigen Flaschen im Frühling 2022 wieder verkostet und diese Weine kommen physisch auf den Markt. Momentan schaut es so aus, dass der effektive Markt, also der zweite Anlauf immer bedeutender wird und der Primeur sich interesshalber stetig redimensioniert.

Wer weiter das Netz in dieser Sache weiter schonungslos überstrapaziert, wird sofort von meiner Leseliste gestrichen!  
P.S. Ein wenig kenne ich mich in dieser Sache schon aus. Schliesslich habe ich dieses Primeur-Ding gut dreissig Jahre lang gerockt …

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FIGEAC DER MANONCOURT-EPOCHE

Er gehörte zu den grössten Persönlichkeiten des Bordelais. Geboren 1917 in Paris und verstorben 2010 in Saint Emilion hat er Château Figeac seit 1943 bis ins hohe Alter begleitet und geprägt. Ein paar Mal durfte ich als Gast bei Thierry Manoncourt auf dem Weingut weilen. Und ein paar Mal traf ich diese honorigen Saint Emilion-Winzer ausserhalb von seinem Château. So gesehen, war dieser Figeac-Abend eine Art «innerer Vorbeimarsch» mit schönen Erinnerungen aus der Manoncourt-Epoche.


Sucht man im Netz nach «Figeac», merkt man bald, dass Château Figeac Konkurrenz in vielerlei Hinsicht hat. So gibt es denn eine Ortschaft mit demselben Namen im französischen Departement Lot. In dieser kleinen Stadt befindet sich auch das Zweisternehotel Figeac. In Meylan habe ich eine Firma Figeac-Aero-Space gefunden. Eine Spur führt sogar ins Wallis. Bei der Damenmannschaft der Greenvipers spielt eine gewisse Julie Figeac in der Mannschaft.   

Obwohl Thierry Manoncourt den Namen seines Weingutes immer verfocht und nicht wenige Prozesse führte, entstanden vor seiner und während seiner Zeit ein paar Weingüter mit «seiner» Namensergänzung. So La Tour-Figeac, Belregarde-Figeac, Rocher-Figeac, Yon-Figeac, Cormeil-Figeac, Bellevue-Figeac, Larmazelle-Figeac, La Tour du Pin Figeac, Clos La Fleur-Figeac, und das auch mir komplett unbekannte Clos Magne Figeac. Ein Weingut heisst La Rose-Figeac und dieses liegt knapp nicht mehr in der Appellation Saint Emilion, sondern gleich über der Grenze in Pomerol.

In diesem Artikel geht es aber nicht um die Nachbarn, sondern um das «richtige» Château Figeac.  

WEINWANDERN IN ESCHENBACH

Zuerst wird gewandert, dann bringt jeder ein bis zwei reife Weinflaschen mit. Diesmal zum Thema Figeac. Er wurde eine Traumparade von 1955 bis 2003 ...

Der ganze Bericht: www.bxtotal.com

1959 Château Figeac: Halbe Flasche. Sattes, dunkles Weinrot mit orangen und ziegelroten Reflexen. Torf, Tornister, Malz, Kräuterlikör (Appenzeller), Nussschnaps, Honignüsse, Lebkuchen, Black Chai Tee mit Zimt, Kardamom und Anis. Ein absolut hoch intensives Nasenbild. Im Gaumen ist er wie ein Figeac-Likör, malzig, gebündelt, süss, weich cremig, betörend. Er zeigt die Hitze und das Portige dieses heissen Jahrhundertjahrgangs.. Halbe Flasche – fast doppelter Genuss. Eine Sensation. Das war Gastgeber Bärti’s Jahrgang (Bild). 20/20 austrinken

AM TAG ALS DER REGEN KAM

Dalida besang diesen Titel welcher textlich gesehen viel Positives vermittelte. In Bordeaux trennte der Regen, welcher Mitte September einsetzte und viele Tage andauerte die Spreu vom Weizen. In den frühreifen Regionen Pomerol und Saint Emilion kamen ein paar wenige Winzer mit einem blauen Auge davon, weil diese bereits einen Grossteil der Ernte im Keller hatten. So wohl auch Figeac …

1964 Château Figeac: Satte, kräftige Farbe, noch viel Rot aber auch Reifetöne zeigend. Geniales Bouquet, viel Malz, viele Kräuter, vielschichtig, pfeffrig. Absolut faszinierend. Er legt an der Luft zu und erinnert mich ganz deutlich an den Cheval-Blanc 1964. Vielleicht gar in einer noch frischeren Form. Saftiger, fein fülliger Gaumen mit einer gewissen Nonchalance, fadengerade und präzise. Sicherlich heute einer der grössten Weine dieses Jahrganges. So muss Figeac! Perfekte, irgendwie zeitlose Flasche. Der Schweizer Weinhändler Orvinum hat diesen genialen 1964er (noch) im Angebot. 19/20 trinken
POLARISIEREND & APHRODISIEREND

Die Meinungen könnten geteilter nicht sein. Mit dem Cheval-Blanc ist Figeac der einzige Premier-Grand-Cru der auf der «anderen Seite» vom Städtchen St. Emilion liegt. Sämtliche anderen Appellations-Premiers liegen nämlich östlich, südlich und westlich rund ums Dorfplâteau.

Und wenn wir schon Cheval-Blanc erwähnen, dann soll auch geschrieben werden, dass dieser nobelste Cabernet-Franc-Träger bis 1832 zu Figeac gehörte.  

Kein anderer Cru aus dem Libournais weist einen fast gleichwertig verteilten Blend aus Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon auf. Letztere beiden Rebsorten verschlanken den Körper, machen die Aromatik in der Jugend zuweilen etwas grün, was sich – in reifen Jahren – in eine unverkennbare Würze umschlägt.

Wie bei anderen Châteaux gab es auch hier schwierige Zeiten und auch ein paar unsaubere Jahrgänge.
Gemessen an der Klasse und der generellen Qualität der letzten Jahre, sind die Flaschen oder gar Kisten von Figeac ein sehr guter Kauf. Vorausgesetzt man ist ein Kenner und schätzt das nicht Vergleichbare.    

UNVERSÖHNLICHER STINKER

Als die Weine vom Jahrgang 1986 ausgeliefert wurden, veranstaltete ich mit Max Gerstl in meinem damaligen Restaurant Kreuz in Sempach eine «Arrivage» mit mehr als 100 verschiedenen Weinen. Bereits damals kam dieser miefige Figeac sehr schlecht an …
 
1986 Château Figeac: Halbe Flasche. Mehr rostig wie Rot in der Farbe, deutlich aufhellender Rand aussen. Gemüsiges Bouquet, das Nasenbild erinnert an kaltes Ratatouille und Kampferblätter, darunter zeigt er fassige Noten und grüne Pfefferschoten. Mit viel Toleranz kann man diesen Düften auch etwas Freude abgewinnen. Die Kräutertöne wissen an sich zu gefallen und diese vermitteln sogar etwas Frische, nasse Trüffel sind auch dabei. Doch die önologischen Fragezeichen im Untergrund überwiegen leider. Im Gaumen gibt er sich recht konzentriert, ziemlich fleischig, aber auch hier ist der Grundtenor unsauber. Da war wohl auch etwas Keller-TCA mit im Spiel. Ob sehr langes Dekantieren etwas nützen könnte? Keine Bewertung

AUF DEM WEG ZUR LEGENDE

Die Marktluft ist dünn geworden, rund um den sensationellen 1998er Figeac. In der Schweiz gibt es momentan kein einziges Angebot. In England bietet der Londoner Händler «Wine Over Exchange» eine 12-lt-Balthasar zu umgerechnet CHF 3380 an. Einzelflaschen werden weltweit ab 250+ Franken gehandelt.
Als der Wein ins Glas kam meinte Baschi: «So langsam wird er zum richtigen Figeac. Jung kann er sich nie so authentisch offenbaren!».

1998 Château Figeac: Sattes, dunkles Weinrot, innen fast Schwarz, aussen einerseits minime Reifetöne aber auch noch violette Reflexe zeigend. Gewaltiges Bouquet, von der ersten Sekunde an loslegend, laktischer Beginn, Damassine-Pflaumen, Cassis, Lakritze, Vanillemark, Malz ohne Ende. Bombig und elegant zugleich im Ansatz. Ein Mund voll Wein im Gaumen, füllig, fleischig, stoffig, ausgeglichene, perfekte Adstringenz. Diese zeigt noch weiteres Potential an, aber auch eine beginnende Reife. Minutenlanger Nachklang, mit einem unverwechselbaren Cabernet-Franc-Terroir-Parfüm. Ein Wahnsinn-Figeac und zugleich wohl der grösste der Manoncourt-Epoche. Er hat das volle Potential vom genialen Jahrgang in die Flasche gepackt. 20/20 trinken

Acht illustrierte PDF-Seiten über diese grosse Figeac-Story

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MOUTON-ROTHSCHILD IM SIXPACK
 
Sixpack kann verschiedene Bedeutungen haben. Geht man in frühere Zeiten zurück, so ist damit ein tragbare Sechsereinheit mit Flaschen gemeint. Im Netz habe ich so ein Sixpack mit Wein gefunden. (Foto unten) Passend zur Erklärung des Begriffs. Aus finanzieller Sicht nicht ganz passend zum nachfolgend beschriebenen Themenabend.

Die modernere Form von Sixpack ist der so genannte Waschbrettbauch bei Männern. Gemäss allgemeiner Beschreibung sei die Muskulatur im Bauchbereich mehrfach gewölbt. Dabei würden in der Regel sechs Wölbungen (drei auf jeder Seite) sichtbar sein.
Bei mir ist nur eine Wölbung zu sehen. Und somit gleicht diese majestätische Erhebung dem «Mouton» von dem nachfolgend die Rede ist. Denn der Namen Mouton stammt vom Begriff «kleiner Berg», was auf Französisch wiederum als «Monton» definiert ist.
Zudem geht es bei Weinbeschreibungen auch um die Körperform. Wenn dieser weinige Körper perfekt in den Gaumen passt, dann ist dies wohl auch ein önologisches Sixpack.

Der Haupttitel ergibt aber auch noch einen anderen Sinn. An diesem Freitagabend im April gibt wurden, im Restaurant Sonne in Seuzach, sechs Jahrgänge von Château Mouton-Rothschild entkorkt. Alles grosse bis legendäre Jahre und alle – bis auf den 1986er – in erster oder perfekter Reife. Dies war die Palette: 1966, 1970, 1975, 1982, 1986, 1996!

ZUVERLÄSSIGER DOM PERIGNON

Auch wenn man ihm zuweilen vorwirft, dass er an zu vielen Hochzeiten tanzt, so ist ein Dom Perignon immer ein sicherer Genusswert, der sich und seinem Geschmack mit Garantie ziemlich treu bleibt.

2006 Dom Perignon: Grünliches Gelb. Geniales Bouquet, frisch gerösteter Kaffee, Kirmesmandeln, generell so richtig nussig, füllige Hefenoten. Im Gaumen lebendig frisch, feines und doch pfeffriges Mousse, hoch aromatisches Finale. Einer der besten Dom Perignon seit Langem. 19/20 trinken


FOTOGRAFIEREN → DEGUSTIEREN

Noch ist das Glas leer. Doch dies änderte sich wenige Minuten später. Ich bat darum die Flaschen vorweg fotografieren zu dürfen. Flaschen ist die Mehrzahl von Flaschen. Scheint mir wichtig dies an dieser Stelle zu erwähnen. Denn für die 21 Gäste wurden jeweils drei Flaschen pro Jahrgang entkorkt. Da war also immer ein richtig schöner Schluck Mouton pro Edition mit im Spiel …

1966 Château Mouton-Rothschild: Mattes, Rot mit deutlichen braunen Reflexen. Erdig-süsses, aber auch trocken anmutendes Bouquet, torfiger Schimmer, Terpentin und Ledertöne. Im zweiten Ansatz; braunes Peru Balsam, Kampfer, Eucalyptus, Malznoten, Guinness-Bier und im Untergrund einen Schimmer Modena-Aceto zeigend. Im Gaumen fleischig, etwas mürbe im Fluss, körnige Resttannine. Ich habe selten einen derartig konzentriert anmutenden 66er-Mouton gehabt. Überhaupt waren meine Notizen der letzten Jahre immer etwas besser als meine früheren Kontakte. 18/20 austrinken

DEBUT VOR VERTRAGSBEGINN

Es war sein erster Arbeitstag in der Sonne. Sommelier Bernard Töngi wird zwar erst Anfangs Mai seine Arbeit offiziell beginnen, doch er machte sein Début bereits mit diesem Mouton-Abend.

Ihm gefiel der 1996er am besten. Da sei so ein richtiger Mouton wie er ihn sich vorgestellt hätte. Und der scheine im Preis-Leistungs-verhältnis irgendwie noch knapp erschwinglich zu sein. Zwar mochte er die alten Jahrgänge schon auch, aber diese seien irgendwie vor seiner Zeit gewesen, meinte der im schwachen Weinjahr 1980 geborene Zeremonienmeister. Auf dem Foto ist er mit der perfekten Magnum vom Jahrgang 1975 zu sehen.  

WAS KOSTET EINE ORIGINAL KISTE?

Einzelne Flaschen von diesem legendären Mouton sind möglicherweise noch für rund tausend Franken im Markt zu finden. Aber eine ganze Kiste ist dann schon etwas ganz Rares. Ab und zu taucht so eine OHK bei bekannten Auktionshäusern auf. Auf der Suche habe ich einen Händler in London gefunden. Arden Fine and Rare Wines bietet für 15'500 englische Pfund eine solche Originalholzkiste an. Macht umgerechnet fast CHF 20'000!  

1982 Château Mouton-Rothschild: Mitteldunkles Granat mit recht satter Mitte. Das Bouquet weiss von der ersten Sekunde an zu faszinieren, Gianduja-Pralinen, Minze, helles Malz, Caramel, passend begleitende Röstnöten. Erhaben und irgendwie gleichzeitig auch vulgär in der Nase. Charmanter, fülliger, cremiger Gaumen, die Tannine verschmelzen auf der Zunge, der Fluss ist weich und der Wein zeigt eine gebündelte Länge mit einer ausufernden Aromatik im extrem langen Finish. Seit einigen Jahren notiere ich diesen Wein auf dem Genuss-Peak. Und dort verharrt er irgendwie auch. Das war eine Mega-Flasche! 20/20 trinken

DER BESTE WEIN DES ABENDS

Beim Fotografieren des Titelfotos bemerkte ich, dass noch rund ein Drittel Mouton 1982 in einer Flasche drin war. Der Gastgeber verteilte den Rest und wir bekamen an unserem Tisch das Depot. Das war die Essenz der Essenz!

TISCHWEIN; ANDERER ROTHSCHILD

Irgendwie switchten wir beim Gespräch auf das Geniessen von Wein in Verbindung mit Essen. Dabei bekannte ich mich zum «Esstrinker». Will heissen; spätestens, wenn der Hauptgang auf dem Tisch steht, will ich ein gut gefülltes Glas vor mir haben, sonst kriege ich die Panik. Weinfreund Mark pflichtete mir bei und so entwickelten wir eine so genannte «Novinophobie».

Dies ist eine moderne Krankheit, welche auf der Angst basiert, dass der Wein am Tisch irgendwann ausgeht. Um dieser latenten Androhung vorzubeugen, bestellten wir eine Flasche Duhart-Milon-Rothschild. Der Gastgeber Stephan hatte unser Gespräch mitgehört und machte von sich aus ein «Upgrade» auf eine Magnum und trank mit.  

2009 Château Duhart-Milon Rothschild: Die Farbe ist tief und noch sehr jung. Die Nase ist interessant. Denn, wenn man den Jahrgang liest, stellt man sich eigentlich auf einen pflaumigen, warmen, allenfalls fast portigen Rotwein ein. Ab er dieser Duhart duftet nach klassischem Bordeaux, nach würzigem, floralen Noten, dunklem Malz und Kandis. Das Erstaunliche ist, dass er dabei im Untergrund so richtig in die Tiefe geht und dabei dunkle Pilze zeigt. Somit sind da in der Tiefe dereinst viele Sommertrüffel zu erwarten. Im Gaumen innen fleischig und konzentriert mit mittelfeinen Tanninen. Aussen vermittelt er aber dann schon den auf 2009er hinweisenden Schmelz. Die erste Reife ist möglicherweise schon da, ab er eine Lebensdauer von mehr als dreissig Genussjahren würde mich da nicht überraschen. Viel Klassik vermischt mit wenig Jahrgangserotik. 18/20 beginnen

Abschluss vom Mouton-Abend in der Sonne (Seuzach) in der Kellerbar! Dort hat man den Einblick in den sehr gut dotierten Weinkeller.

Ich durfte an einem Bowmore Whisky von meinem Jahrgang laben. Eine Sünde wert! 


Der grosse, 7-Seiten-PDF-Bericht findet man auf www.bxtotalcom







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AUKTIONSKATALOG IST ONLINE

Die nächste Wein-Auktion der Weinbörse kommt bestimmt!
Am 8. Mai 2021. Ob online oder live.

Der neue Katalog mit über tausend Lots ist aufgeschaltet.

Rund eine Woche vor Auktion können Sie extern mitbieten.

Immer am Ball bleiben .... www.weinboerse.ch















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SO EIN RICHTIGER KLASSIKER

Vorweggenommen; der 1988 Château Léoville-Las-Cases ist wohl schon lange reif. Und irgendwie scheint er genau dort faktisch stehen geblieben zu sein. So eine Art Saint-Julien-Evergreen. Immer noch kräftig dunkel in der Farbe. Die Nase barock, in die Tiefe gehend, mit Pumpernickelbrot, schwarzen Oliven, Cassisresten, Pflaumen und mit einem an einen Kalifornier erinnernden Schinner von Eucalyptus. Im Gaumen fast, fleischig, markig, robust. Genial als Essbegleiter. Von der generellen Kraft her könnte er durchaus auch ein Pauillac sein. Wie schon im Titel erwähnt. Ein richtiger Klassiker! Der könnte uns auch noch in 10 Jahren nochmals überraschen. 18/20




P.S. Zwischen dem Gabriel-Gold-Glas und der Flasche sieht man meine Karin. Sie blieb aber beim Weisswein und zwar beim 2019 Chardonnay Painted Rock Skaha Bench (Kanada). Auch 18/20. Aber halt etwas jünger ...

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BORDEAUX 2018 -
EIN JAHRHUNDERTJAHRGANG!


Wenn André Kunz ins Schwärmen gerät, dann muss es etwas besonderes sein. Er hat wichtige Referenzweine verkostet und beschrieben. Und nicht nur einmal mit 20/20 taxiert ...

Sein absolutes Kaufmust: Montrose 2018 (20/20)

Der grosse PDF-Bericht auf: www.bxtotal.com



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14 EDITIONEN DUCRU-BEAUCAILLOU

Nach dem Weinwandern war Ducru angesagt. Von 1929 bis 2003. Eigentlich wären es «nur» dreizehn Jahrgänge gewesen. Baschi hatte noch eine Back-Up-Flasche mitgebracht, falls sein 1945er kaputt gewesen wäre. War er aber nicht. Da Bärti nicht über die Reserveflasche informiert wurde, entkorkte er diese. Wer an den Aberglauben glaubt, der wurde von der Unglückszahl 13 somit verschont.

FÜLLNIVEAU-RISIKO

1929 Château Ducru-Beaucaillou: Die Farbe war ausgeflockt und so zeigt sich denn der Rest wie ein in die Jahre gekommener Rosé. Die Nase hatte nicht mehr viel mit Rotwein zu tun, war aber eigentlich noch recht intakt. Im Gaumen weiss ich nicht so recht, weil ich keine Lust hatte, einen Schluck davon zu testen. Das war das Risiko einer nur noch zu zwei Drittel gefüllten Flasche. Keine Bewertung. War auch schon früher bei einem besseren Füllniveau enttäuschend.






JÜRG BRACHTE EINE MAGNUM

Unten links sieht man Weinfreund Jürg Richter im Bild. Ich brachte die kleinste Flasche (ein Halbeli Ducru 1985), er die grösste Flasche; eine 1962er Magnum.

Und die war wirklich sagenhaft gut.
 
1962 Château Ducru-Beaucaillou: Magnum. Sattes, gereiftes Braun-Rot. Das Nasenbild begann mit einem minimen Foxton, so in etwa an rohes Rehfleisch erinnernd, dann wurde er erdig, danach trüffelig und reflektierte einen filigranen, sehr ansprechenden Terroirduft. Im Gaumen elegant und aristokratisch, malzig in der Süsse und von der Körperform her burgundisch anmutend. Im ersten Moment zeigte er sich im Finale noch etwas mehlig, aber das bügelte er mit weiterem Luftzutritt locker wieder aus. Hocharomatisch im langen Finale. Da dürfte wohl auch ein gewisser Magnumbonus das Ganze ins noch bessere Licht gerückt haben. 19/20 austrinken

KRITIK AM KRITIKER

Vor ein paar Jahren erhielt ich eine Mail. Darin wurde ich schon fast ultimativ gebeten, doch den 1982er Ducru neu zu justieren und ihn «richtig zu degustieren». Denn – der sei viel, viel besser als in meinen Büchern und im Webportal bxtotal.com deklariert.

Irgendwie blieb mir diese Aufforderung stets im Hinterkopf und so war ich denn sehr gespannt, wie er sich in unserer Vertikalprobe anstellen würde.
Um ihm genügend Luft zu verschaffen, verkostete ich ihn schon am früheren Nahmittag. Leider war das nix. Auch am Abend rümpften meine Freunde die Nase.



1982 Château Ducru-Beaucaillou: Mitteldunkles Weinrot, fein aufhellend am Rand, innen nur wenig Reifereflexe zeigend. Just beim Einschenken zeigte er sich modrig. Er erinnerte an eine Campingwolldecke im Frühling? Mehr Moos wie Frucht. Erdig, feuchter Eisenbahntunnel. Immerhin ein paar frisch gehackte Kräuter könnte man da auch ausmachen. Es scheinen da aber noch ein paar Spinatblätter mit drin gewesen zu sein. Er wirkte verhockt, böckserhaft. Um ihn etwas aufzuwecken schüttelte ich das Glas, indem ich den Glasrand mit der Handfläche bedeckte. «Instanthaftes Entstinken» könnte man diesen Vorgang auch nennen. Das Resultat war kaum besser. 1982 war doch ein sehr warmes Jahr. Warum merkt man diesen Umstand diesem reservierten, ja gar abweisenden Ducru überhaupt nicht an? Im Gaumen sind die Anlagen an sich gut. Er zeigt Muskeln, eine schier unlogische Säuretextur für diesen Jahrgang und weist viel Fleisch auf. Wie schon bei früheren Kontakten empfohlen, muss man sehr lange Belüften, um daraus einen halbwegs erfreulichen Bordeaux zu erzwingen. Da scheint es verschiedene Flaschenvarianten zu geben. Das war ganz offensichtlich eine der «weniger guten». Pfui! 13/20 trinken

HAT SEIN TIEF ÜBERWUNDEN

1996 Château Ducru-Beaucaillou: Extrem dunkel, fast schwarz in der Mitte. Das Bouquet hat mich fast umgehauen! Dies deshalb, weil ich von früheren Kontakten nicht so viel erwartet hatte. Vor allem zeigt er klar worum es sich hier im Glas handelt; grosser Ducru, klassischer Médoc und beeindruckender Bordeaux in einem Atemzug. Das Nasenbild ist irgendwie diskret und berauschend in Einem, sehr vielschichtig; Graham-Brot, Zedern, Backpflaumen, ein Hauch Vanille. Im Gaumen wunderschön balanciert, feine Tannine, milde Adstringenz, gebündeltes Finale. So gut hatte ich ihn noch nie im Glas und ganz ehrlich gesagt, hätte ich ihm eine so versprechende Evolution bei früheren Kontakten auch nicht zugetraut. Leider kostet er mittlerweile deutlich über 200 Franken. Bei mir ist er mit dem «halben Preis», also mit 100 Franken, im Inventar. Das freut den Besitzer ausserordentlich! 19/20 trinken


GUTE VORBEREITUNG IST ALLES

Wie schon ein paar Mal erwähnt, machen wir unser gemeinsamen Weinwandern immer unter der Schirmherrschaft eines Themas. Meistens bereite ich mich insofern vor, dass ich mit dem Rahmen und ein paar Geschichten schon im Vorfeld vorbereite. Die Vorfreude feiere ich meistens mit einem zusätzlichen Jahrgang aus meinem Keller. So trank ich am Vorabend vom kleinen Ducru-Event mit Karin diesen 2004er …

2004 Château Ducru-Beaucaillou: Tiefdunkles Granat mit bläulichen Reflexen. Das Bouquet hätte ich etwas zurückhaltender erwartet. Es waren aber schon zu Beginn sehr viele, sehr klassische Ducru- und Saint Julien-Aromen da. So deutlich, dass man bei einer Blind-Verkostung grosse Chancen hätte, ziemlich schnell zum Rate Ziel zu gelangen. Bleistiftmine, Zedern, Backpflaumen, Holunder und ein herrlich floraler, mit schwarzem Pfeffermehl durchsetztem Schimmer von würzigem Cabernet. Im Gaumen zeigt er genau das, was ich von einem grossen Ducru und einem grossen Bordeaux 2004 erwarte; viel Aromen bei eher schlankem Körper. Die Tannine sind wunderschön integriert, der Wein tänzelt und liefert doch ein intensives Finish mit langem Aromendruck. Er legte an der Luft stetig zu und wird wohl so ab 2027 erstmals in der richtigen Genussphase sein. In meinem Inventar steht er – vor Jahren gekauft – mit preiswerten 135 Franken. Heute habe ich sogar ein noch billigeres Angebot im Netz gefunden. Der Händler raritaetenwein.ch bietet ihn für unglaubliche 120 Franken an. Auf ihn mit Gebrüll! 19/20 beginnen

Die grosse Ducru-Geschichte auf neun PDF-Seiten: www.bxtotal.com 

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LANCIERUNG HEUTE: WOODWINEBOX ©
(1.4.2021, Gilt nur für Schweiz & FL)

SAINT EMILION FÜR JEDEN TAG!

Die Grundidee ist nicht neu. Es gibt dieses System bereits seit einigen Jahren. Im Markt heisst dieses unweinige Ding «Bag-in-Box». In einem mehr oder weniger hässlichen Karton kann man 5 Liter Wein für den persönlichen Offenausschank kaufen. Dabei unterbieten sich die Supermärkte und andere Anbieter in Qualität und Preis. «Grundidee sehr gut – Angebot; höchst bescheidene Qualitäten!»   

WOODWINEBOX © IST «ETWAS ANDERS»

Das perfekte System für sehr gute Weine in kleinen Mengen! Der Wein ist im Innern der edlen Holzbox, welche der Grösse eine Sechser-Originalholzkiste Wein entspricht. Er befindet in einem gefüllten Schrumpf-Schlauchbeutel, welcher sich permanent der Ausschankmenge anpasst. Vorteil: Keine Oxydation. Diese Holzbox kann man im kühlen Keller aufbewahren und man kann sich – wenn immer Lust dazu da ist – daran laben. Wer die Box in der Wohnung aufbewahrt, kann ein leeres Weinglas in den Kühlschrank stellen. Dann stimmt die Genusstemperatur auch sofort. Durch die oben angebrachten Scharniere lässt sich der Deckel hochklappen und das Nachfüllen, respektive das Ersetzen des Beutels ist ganz einfach.

ERSTER WEIN: PETIT-HAUT-FAUGÈRES

Die Idee entstand vor zwei Jahren, bei einem Nachtessen mit Silvio Denz auf Château Faugères. Wir kamen beiläufig auf «kleine Genussmengen» zu sprechen. Dabei muss ich zugeben, dass ich nicht sonderlich begeistert bin von anderen Ausschanksystemen. Diese funktionieren meist nach dem Motto: «Abpumpen oder Vergasen».

Schon lange hatte ich im Hinterkopf einen anspruchsvollen Wein im «nicht ersichtlichen Schlauchbeutel» anbieten zu können. Silvio meinte, dass so etwas problemlos möglich sei, man müsste sich nur schon vor der Ernte entscheiden. «Wir haben immer wieder kleine, typische Lots vom Merlot, welche zwar wunderschön fruchtig sind, sich aber nicht für den Ausbau in Barriques eignen. Solche Weine kann man jung geniessen und zeigen trotzdem eine schöne Typizität von einem autochthonen Saint Emilion».

Je länger wir darüber diskutierten, desto besser fanden wir die Idee. So ist – erstmals mit fantastischen Jahrgang 2019 – der «Petit-Haut-Faugères» entstanden. Selektioniert von Silvio Denz und dem berühmten Önologen Michel Roland, welcher seine Weingüter berät. Ein Wein, den man im Markt nicht als Flaschenabfüllung vorfinden wird, sondern nur exklusiv als WOODWINEBOX ©.       
Wenn die Marktakzeptanz gut ist, dann sind ein reinsortiger Petit-Verdot von Château Bolaire im Angebot und ein 100%iger Cabernet-Sauvignon von Château L’Inclassable geplant.  

Heutiges Exklusiv-Angebot:
-    Einmalige Anschaffung; edle Holzkiste WOODWINEBOX (CHF 50)
-    Château Petit-Haut-Faugères, Saint Emilion, 5 Liter (CHF 48) */**
-    Lieferkosten und Verpackung, VINOLOG (CHF 18)
Statt: CHF 116, heute 50% Rabatt, also CHF 58 Franken!
 
*Ein Deziliter von diesem tollen Saint Emilion kostet Sie in Zukunft weniger als einen Franken.
** Aus gesetzlichen Gründen darf dieser Wein nicht mit Jahrgang und AOC angeboten werden.
Bestellungen, solange Vorrat: woodwinebox@weingabriel.ch (Lieferadresse nicht vergessen)

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DER ROTHSCHILD-SKANDAL

Probleme in Pauillac! Ob Château Lafite Rothschild oder Château Mouton Rothschild, beide noblen Premiers-Grand-Crus sind aktuell massiv im Kreuzfeuer der Kritik.

Bei Lafite Rothschild soll es Unstimmigkeiten in der Distribution gegeben haben. Manipulative, kleine Zuteilungstranchen an viel zu viele Négociants (Händler in Bordeaux) und ein eigenes Ersteigern gewisser Lots bei Christies und Sotheby’s sollen die Preise unnatürlich in die Höhe getrieben haben. So verdoppelte sich der Preis vom Lafite Rotschild 2009 vor acht Jahren innert zwei Monaten im Markt. Danach gab das Weingut grosse Tranchen im Markt zum «aktuellen Tagespreis» zum Verkauf frei. Heute ist er wieder um 70% billiger zu haben.

Mit dem Jahrgang 2018 hat Lafite Rothschild das alte Etikett mit einem Heissluftballon verziert. Diese massive Label-Veränderung passierte ohne vorherige Information der Primeur-Käufer. Daraus resultierend; eine Welle der Entrüstung unter den Lafite-Freaks. Es bestehen mehrere Forderungen, dass gewisse Chargen ohne diesen lächerlichen Ballon ausgeliefert werden. Wenn dieser Forderung nachgegeben werden muss, dann gäbe es bei Lafite erstmals zwei Etiketten-Versionen für ein und denselben Wein. Ähnliche Situationen ereilte auch das Nachbargut Mouton. Da gibt es zwei Etiketten-Editionen von den Jahrgängen 1978 und 1993 …

Mouton Rothschild hat ganz andere Probleme. Hier scheint es eine Rangelei um die Nachfolge von Philippine de Rothschild zu geben. Während der Philippe Sereyes de Rothschild als Thronfolger von der im August 2014 verstorbenen Philippine de Rothschild eingesetzt wurde, wollen die anderen beiden Kinder nicht im zweiten Glied stehen. So sollen Camille Sereys de Rothschild und Julien de Beaumarchais de Rothschild jetzt ihren Erbanteil fordern.

Wenn die beiden vor Gericht recht bekommen, könnte es sein, dass Mouton-Rothschild und deren anderen Domaines de Baron de Rothschild (u.a. Clerc-Milon, d’Armailhac, Almaviva) schon bald zum Verkauf stünden. Es gibt bereits Gerüchte einer möglichen Verkaufssumme, welche alles Bisherige in der Weinwelt in den Schatten stellen würde. Vermutungsweise wird im Bordelaiser Markt von einer Verkaufssumme von sieben Milliarden Euro gemunkelt. Mehr noch, der weinverrückte, chinesische Milliardär Lu Fang Tannin, soll bereits ein diesbezügliches Angebot bei der Rothschild-Familie platziert haben …
Zwei Jahre hat der Schweizer Weinpapst René Gabriel recherchiert. Jetzt kommen die Machenschaften der reichen «Bordeaux-Rothschilds» schonungslos an den Tag! Mehr Infos im aktuellen Spiegel vom 1.4.2021 … 
 
Fakten / Fokus / Fakes / Fotos:  www.rothschildskandal/spiegel.com  

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JAHRGANG 1951?

Ein echter, noch trinkbarer Wein vom Jahrgang 1951 sei in jedem Fall äusserst selten. Dies kann man bei antikwein.de nachlesen.
Doch wer da wirklich einen Wein kaufen möchte, der könnte ja eine Flasche 1951 Lafite-Rothschild erwerben. Mit 2580 Euro wäre man in einem solchen Fall dabei. Diesen Wein hatte ich noch nie im Glas. Aber dafür andere Pauillac aus diesem schwierigen Jahrgang. Mit 15/20 Punkten taxierte ich den Latour. Immerhin. Die beiden Crus Lynch-Bages und Mouton-Rothschild schnitten mit mageren 11/20 ziemlich klärglich ab.

Auf meinem Webportal bxtotal.com findet man insgesamt neun Bordeauxweine dieses Jahrgangs. Der beste Wein aus dem Médoc war wohl der Château Montrose 1951. Den hatte ich einmal im Glas und taxierte ihn mit unnatürlich anmutenden 18/20. Also scheint dies das einzige Bordelaiser Wunder in diesem Falle zu sein. Beim Het Nederlands Wijn Antiquariaat in Amsterdam würde da noch eine einzige Flasche angeboten. Und zwar für rund 550 Franken.

Der Jahrgang war derartig schwierig, dass ich der nobelste aller Sauternes-Crus, Château d’Yquem entschied, auf diesen Jahrgang vollständig zu verzichten und keine einzige Flasche abfüllte. Ich durfte mal an einem Château Gilette 1951 nippen. Es war ein höchst bescheidenes Erlebnis. Und das wusste auch der Winzer selbst, denn er entschied sich damals als Kundeninformation, das Etikett mit dem Zusatz «sec» zu vermerken. Was so viel heissen würde wie «trockener Sauternes» was wiederum für sich ein Paradoxem für sich ist.

Wenn es darum geht, den Jahrgang 1951 im Jargon schlecht zu machen, nehmen berühmte Weinkritiker kein Blatt vor den Mund.
So schreibt denn der kürzlich verstorbene, englische Buchautor Michael Broadbent in seinen Annalen erklärenderweise: «Der Bordeaux-Jahrgang 1951 gibt sich die allergrösste Mühe der schlechteste des Jahrhunderts zu sein.»

WINETERMINATOR WEISS BESCHEID

Kein anderer Weinverkoster liefert so viele Informationen zum Jahrgang 1951 (und auch kein anderer Weinschreiber hatte wohl je so viele verschiedene Weine aus diesem Jahrgang im Glas) wie mein Freund Achim Becker.

Sein bester Bordeaux war ebenfalls der Montrose. Er schreibt von ein paar ziemlich grossen Burgunder-Erlebnissen. Sein bester Weisswein: 1951 Chateau du Breuil aus Beaulieu in Coteaux du Layon. Den bewertet er mit 95 von 100 Punkten. Auf der Suche nach relativ vielen, guten bis grossen Weinen ist auch er im Rioja-Gebiet gelandet. Sein bester Rioja; eben grad zufällig der Reserva Especial von Vina Real. Antikwein.de bietet aktuell eine Flasche an: Kostenpunkt 385 Euro.
Infos: 1951 (wineterminator.com)


1951 Rioja Reserva Especial, Vina Real:  Die Farbe von rostigem Rot mit transparentem Rand aussen, aber noch durchaus intakt und einem sehr alten Rotwein entsprechend. Süsses Bouquet, Hagebuttenkonfi, Milchschokoton, Mocca Jogurt, Lakritze, Herbstlaub und getrocknete Küchenkräuter. Immer noch sehr ansprechend. Im Gaumen gebunden, anschmiegsam, sehr gut eingebundene Säure und einen recht fülligen Körper zeigend. Das verlockende, schier parfümierte Finale schmeckt nach Walderdbeeren, Sandelholz und einer Spur Caramel. Ein sehr grosser Rioja aus einem schwierigen Jahr. Dies dürfte wohl einer der besten Rotweine von 1951 sein, den man heute noch trinken kann. 19/20 austrinken  

Die grosse Geschichte rund um den Weinjahrgang 1951 und das Weltgeschehen ...   www.bxtotal.com

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GLÜCK GEHABT!

Glücklicherweise habe ich für diesen Fall die Apotheke gleich zu Hause.

Nicht im Badezimmer, sondern im Keller.

Und - es sind auch genügend «Medikamente» vorhanden ...

















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GOLDAUER CHA-CHA-CHA REVANCHE

Wenn im Fernsehen die Serie «Let’s Dance» läuft, dann sitze ich für ein paar Stunden ehemässig tendenziell in der zweiten Reihe.

Denn – diese RTL-Sendung mit sehr unterhaltsamem Profi- und Promitänzern zählt zu Karins absoluten Lieblingssendungen. Da bleibt selbst die oft angeswitchte Krimikiste zu.

Während die Tänzer stetig wechseln, bleiben die den Rahmen bildenden Juroren und Kommentatoren immer die gleichen.

Dabei scheint der Moderator Daniel Hartwich im buchstäblichen Sinne stetig aus sich selbst herauszuwachsen, denn sein übergezogenes Jackett erinnert in deren viel zu kurzen Ausführung an die allererste Sendung.

Genial finde ich – im Gegensatz zu meiner Karin – die Co-Moderatorin Victoria Swarovksi. Sie beweist provokativ, dass das Auswählen von unmöglicher Billig-Designer-Kleidung permanent möglich ist. Und – dass Frau auch als nichtblond durchaus als naives Dummchen daherkommen kann.  

Dann die Juroren! Jeder für sich eine Persönlichkeit. Wenn der exzentrische angezogene Kubaner Jorge González seine Punktetafel im Kreis schwingt, dann wird es nicht nur weiblichen Zuschauern warm ums Herz. Oft trägt er seine Kopfbedeckung derart hoch, dass er einen Beleuchtungskandelaber beim Kopfdrehen herunterschlagen könnte.

Motsi Mabuse, die ehemalige Profitänzerin sitzt immer in der Mitte. Sie geizt nicht mit ihren Reizen und trägt eine Körbchengrösse, welche möglicherweise auch im Guinness-Book der Rekorde Platz hätte. Böse Zungen behaupten, dass wegen ihrem grossen Busen die Jurorenpulte verstärkt werden mussten.

Joachim Llambi ist der strengste Werter. Meistens liegen seine Noten einen oder gar zwei Punkte unter denen von Jorge und Motsi. So wirkt er manchmal als zu strenge Spassbremse, baut aber mit seinen pointiert angebrachten Kritiken auch gleichzeitig wieder auf. Ich begegnete ihn mal in Köln am Flughafen. Fast hätte ich ihn – für meine Karin – um ein Autogramm gebeten …

CHA-CHA-CHA

Die Einleitung dirigiert den geneigten Leser immer mehr in die mögliche Richtung zu einem lateinamerikanischem Standard Tanz.
Der Cha-Cha-Cha gilt als moderner, paarweise getanzte, weltweit verbreitete Version kubanischen Ursprungs. So definiert dies zumindest WIKIPEDIA.

Bei unserer Variante ging es nicht ums Tanzen, sondern um Speisen und Weine, in welchen die Buchstabenfolge CHA am Angang oder im Wort herinnen vorkamen.   

Und das kam so …

Als unsere Frauen einen Spielabend organisierten, kam die Männer-Idee auf, dass wir ja an dem besagten Abend auch «etwas» machen könnten. Spontan lud ich die Strohwitwer-Freunde in meinen Keller, kochte und griff in die Pomerol-Schatulle.
Aus lauter Dankbarkeit, wollten sich die Freunde ein paar Monate später revanchieren.

Nachdem das Datum blockiert war, gab ich dem einladenden Quartett eine Aufgabe als Rahmenbedingung. CHA-CHA-CHA! So in Richtung. CHAmpignons, CHAbisgericht. CHAteau. Letzterer Begriff als Hinweis, dass ein paar Bordeaux’ den bevorstehenden Abend nicht unpositiv beeinflussen könnten.

So eine Woche zuvor kristallisierte sich heraus, dass ja die Frauen an diesem Abend an einem anderen Austragungsort wiederum spielen könnten, wenn schon die Männer ja schon «etwas Besseres» vorhatten. Gesagt, getan! Hatte für mich den Vorteil, dass ich auf eine Edelchauffeuse zählen konnte für den Weg nach Goldau und zurück.

CHAMPAGNER

Der Pol Roger war der Lieblingschampagner von Sir Winston Churchill. Deshalb widmete ihm dieses kleine, feine Champagnerhaus eine Spezielle Cuvée welche nur in grossen Jahren editioniert wird. Er zeigt ein brillantes Goldgelb. Delikat geprägt von frischem Brioche, Vanillecreme und – mit Luftzutritt – gerösteter Mandel, unterlegtem Zitronenkonfit und Akazienblüte, etwas Süssholz im Bukett. Seidig anschmiegendes Mousseux, feine Säurebalance, cremige Opulenz am Gaumen, unterstützt von Blütenhonig und gelbem Apfelkern im Nachhall. Harmonisch mineralisches Finale mit ausgeprägter Länge. Braucht noch Entwicklungszeit.
Diese wunderschöne 95-Punkte-Verkostungsnotiz habe ich von Falstaff geklaut. An diesem Abend war es mir mehr ums Trinken wie ums Schreiben.


CHATEAU CHARMAIL

In der Gabriel-Drink-Art-Karaffe, der 2009 Château Charmail und daneben die leere Flasche.

Nasal berauschte er schon fast mit seinen pflaumig-holundrigen Frucht und seiner buttrigen Auslade. Im Gaumen zeigte er gegen den Schluss eine leicht mehlige Textur, was er mit Speisenbegleitung ausglich. (17/20)  







CHANGYU MOSER

Der Mitbesitzer dieses China-Weinprojektes, Lenz Moser, ist ein guter Freund von mir. Ich besuchte ihn schon zwei Mal in Yinchuan und wir verkosteten gemeinsam seine Changyu-Weine. So um 70 Franken herum kostet der 2015 Grand Vin Chateau Changyu Moser XV.

Er zeigt heute auf, dass er das Zeug zum Weltklassevergleich hat. Lila Schimmer im Granat. Die Nase voll von Holunder, Cassis und Heidelbeeren, ergänzt mit einem würzigen Eucalyptustouch. Im Gaumen erstmals reif und mit weiterem Potential. Viel Spass! 18/20   

CHATEAU MUSAR

Wenn man einen Abend lang unter Freunden gute und bekannte Weine trinkt, so ist die Ansichtssache-Harmonie praktisch vorgegeben.  
Ausser; es kommt ein Château Musar ins Glas. Uns wurde der Wein blind serviert. Ich rätselte in Richtung alter Bordeaux von einem kleinen Jahrgang. Als Markus mir sagte, dass ich damit falsch lag, switchte ich von einer Sekunde auf die andere auf Château Musar. Damit lag ich dann, zumindest im zweiten Anlauf, richtig.

Der 2009 Château Musar überzeugt optisch nicht gerade mit einer besonders tiefen Farbe. Die Nase lässt einen geschulten Önologen die Nase rümpfen. Im rotbeerigen und auch von getrockneten Küchenkräutern und zart rosinigen Tönen duftenden Bouquet findet man auch eine gehörige Ration von flüchtiger Säure. Das ist die abgemilderte Andeutung auf einen gewissen Essigstich. Und genau an diesem Punkt schieden sich die Weingeister in Pro und Kontra. Thomas war der in diesem Falle «Kontrabass». Markus zeigte sich als proaktiver Befürworter. Ich übte mich in Toleranz, denn ich weiss, dass ein Musar Geduld und Luft braucht. So nach einer Viertelstunde war der flüchtige Ton reduziert und der Wein zeigte sich im Gaumen als eine Mischung von einem intensiven Châteauneuf und einem leichteren Hermitage. Natürlich immer mit dem deklarationswichtigen Hinweis: «Made in Libanon». 18/20     

Das Menu mit Champignonssuppe, Chabisrouladen, Chateaubriand, Chaumes und vielen Cha-Cha-Cha-Weinen:  www.bxtotal.com

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MINI-VERTIKALE CHÂTEAU COS D’ESTOURNEL

 
Eine Begegnung mit einem Bordeaux-Weingut kann mannigfaltig sein. Wenn dabei viele Erinnerungen wach werden, dann mutiert das Ganze zu einer Art «innerer Vorbeimarsch». Und genauso
war es in diesem Fall …


Es ist Dienstag, gegen Ende des Monats März. Nachmittägliches Kartenspielen (Jassen) ist in Eschenbach angesagt. Und zuvor gutes Essen aus der Brioche-Küche. Und ein paar Flaschen Wein aus den relativ gut bestückten, privaten Weinkellern der «Oberjasser».
Diesmal hatte sich die Zofinger-Fraktion entschieden je eine Flasche von Château Cos d’Estournel mitzunehmen. Gute Idee – fand die Eschenbacher-Fraktion und so grapschten wir uns ebenfalls zwei Editionen von diesem äusserlich an ein Märchenschloss erinnernden, Deuxième Grand Cru. Das Weingut liegt oberhalb Pauillac, im Médoc. Also ist es eine Bordelaiser Appellation. Und diese heisst Saint-Estèphe.

Will man einen Brief nach Saint-Estèphe schicken, dann wählt man – nebst der Adresse des Empfängers – die Postleitzahl F-33180. Rund 1'600 Einwohner gibt es noch. Tendenz sinkend, denn 1975 wurden immerhin noch 2'317 «Stéphanois» gezählt. So nennt man nämlich die Leute, welche in Saint-Estèphe ihren Wohnsitz haben.

Die Fläche dieser bekannten Weinbau-gemeinde beträgt 2'354 Hektar. Davon sind 1'377 Hektar mit Reben bepflanzt.
Beim legendären Klassement vom Jahr 1855 fiel der «Grand-Cru-Reigen» spärlich aus. Zwei Weingüter wurden als «Deuxième» eingestuft, nämlich Cos d’Estournel und Montrose. Calon-Ségur ernannte man als «Troisième». Der Lafon-Rochet mutierte zum «Quatrième». Und auch bei fünftklassierten Gewächsen wurde nur gerade ein einziges Château nominiert, nämlich Cos Labory.
Dafür kann keine andere Appellation so viele Cru Bourgeois ausweisen wie Saint-Estèphe. Aktuell werden 35 «bürgerliche Gewächse» gezahlt. Total sind 136 Châteaux gelistet.

Insgesamt werden jährlich in Saint-Estèphe ca. acht Millionen Flaschen Rotwein produziert.

LOUIS CASPARD D’ESTOURNEL

Er war der Sohn einer alten Weinbauernfamilie aus Saint-Estèphe. Das heutige Château Cos d’Estournel hat den heutigen Ruhm seinem Lebenswerk zu verdanken. Er erkannte früh die Qualität der kargen Kieselböden (Cos, Koss gesprochen) auf dem Hang von Saint-Estèphe. Die besten Lagen liegen direkt gegenüber von Château Lafite-Rothschild. Immer, wenn wieder Geld in der Kasse war, erwarb er zusätzliche Rebflächen. Die heutige Gebäudegrösse verdankt Cos ebenfalls ihm. Hinten baute er ein funktionelles Gebäude, vorne liess er eine Fassade im orientalischen Stil anbringen. So die pagodenartig geschwungenen Dächer und der berühmten Tür, welche aus dem Haremsbereich des Sultans von Sansibar stammte.

Seine Verkaufsaktivitäten führten ihn auf Schiffsreisen nach Afrika, Arabien und Indien. Letzteres war sein bestes Absatzgebiet.
Seine Grundstücksgeschäfte jedoch, die ausgedehnte Bauaktivität und die aufwändigen Kosten der Weinbereitung liessen ihn immer tiefer in Schulden geraten. Am Ende seines langen Lebens musste er verarmt und vollkommen überschuldet seinem befreundeten Bankier den Besitz überlassen. Er durfte jedoch in der Nachbarschaft seiner geliebten Weinberge wohnen bleiben.



Louis-Gaspard Estournel starb 1844 mit 91 Jahren, kurz bevor das Werk seines Lebens, sein Weingut Château Cos d’Estournel, mit der Einstufung als Deuxième Grand Cru geadelt wurde.

ERSTE UND VIELE KONTAKTE

Wann genau ich das erste Mal in meinem Leben einen Château Cos d’Estournel im Glas vor mir hatte, kann ich nicht mehr genau evaluieren.

Es dürfte so um 1980 herum gewesen sein. Damals fingen wir an, in kleinen Gruppen, verschiedene Bordeaux-Weingüter auszuloten, respektive deren Weine kennen zu lernen.

Ganz genau erinnere ich mich an den 1982er Cos in seiner allerersten Jugendphase. Das war bei einer Mittwochs-Einladung bei Walter Kaufmann in Hildisrieden. Der Wein war schwarz und powerte so intensiv, wie ich es bisher bei einem viel zu jungen Bordeaux nur noch selten wieder einmal erlebt hatte.

Als Wirt vom Hotel Kreuz in Sempach kaufte ich mir einen grossen Posten vom 1980er Cos. Kostenpunkt pro Flasche; CHF 16.80. Die Weinkellerei Schuler in Seewen liquidierte damals alle Bordeaux-Posten und setzte danach künftig auf eigene Markenweine.
1987 war ich das dritte Mal in Bordeaux und wir verkosteten den 1986er Cos auf dem Weingut. Der war so brutal voller Säure und Tannine, dass das Sprechen danach eine Weile richtig schwer viel.

In der Zeit als Mövenpick Chefeinkäufer verging fast kein Primeur-Jahr, an dem wir nicht auf Château Marbuzet (das Privathaus vom früheren Besitzer Familie Prâts) eingeladen waren oder auf dem Weingut.

Im Hotel Säntis in Appenzell entkorkte ich im Jahr 2006 meine grosse Cos-Sammlung. Insgesamt waren es 50 Jahrgänge, welche an einem Wochenende zelebriert wurden. Mit dabei mein ältester Jahrgang …

1878 Cos d'Estournel: Transparentes Hellrot, bräunliche Reflexe. Herrlicher Duft; nussig, Süssholz, ein Hauch Feigen, fein nuanciert. Klar auch dass sich dahinter etwas welke Noten befinden. Das Positive überwiegt jedoch in der Nase. Schlank im Gaumen, Todesssüsse, nasser Tabak, eingelegte Pflaumen, Pulverkaffee, recht angenehmes Finale. Die Nase (17/20). Gesamteindruck: 15/20 vorbei

Im Jahr 2009 entkorkten wir ebenfalls viele Weine von Cos d’Estournel im Hotel Quellenhof in Bad Ragaz. Jean-Guillaume Prâts reiste für diesen Event extra in die Schweiz. Ein Jahr später nochmals für eine grosse Präsentation in Luzern. Zum 20jährigen Jubiläum von WeinWisser in Zürich war er unser Ehrengast und liess mehrere, ganz grosse Jahrgänge entkorken und zelebrieren.

Letztes Jahr war Château Cos d’Estournel im Eschenbacher Moos angesagt. Auch da fielen rund ein Dutzend Jahrgänge dem Korkenzieher zum Opfer. Ein paar Monate später durfte ich mich schon wieder für eine grosse Cos-Parade an den Tisch setzen. Diesmal im Gasthaus Reussbad. Jörg Studach lud ein und sponsorte die Weine von seinem Lieblings-Château.
In diversen Jahrgangspräsentationen war der Cos ebenfalls mein ständiger Begleiter. Ohne diesen beliebten Saint-Estèphe Deuxième ist keine Präsentation wirklich komplett.

Und natürlich die Fassmuster während unseren Primeur-Selektionen. Von 1986 bis 2016 liess ich keinen Besuch aus. Nicht selten verkosteten wir dabei auch die abgefüllten Jahrgänge oder kleinere Vertikalen, nebst den bereits erwähnten Einladungen, zu Tische.
Manchmal buche ich das Château für meine etwas exklusiveren Bordeaux-Reisen.

Insgesamt dürften es bisher etwa zweitausend Kontakte mit diesem «Pagoden-Bordeaux» gewesen sein. Tendenz steigend …



FÜNF FLASCHEN – VIER ETIKETTEN   

Ist nicht ganz logisch. Denn, rein rechnerisch, sind oder wären logischerweise, bei fünf Flaschen auch fünf Etiketten zu sehen. Ist auch klar der Fall bei diesem Foto (links).

Wer aber genauer hinschaut, der entdeckt, dass die Labels, zumindest auf den ersten vier Flaschen (von links) stetig angepasst wurden.  
Beim 1988er ist unten auf dem Zusatzlabel der Semper-Fidelis-Vogel zu sehen. Beim 1995er ist es bereits der Cos Elefant.


Beim 2000er noch der Hinweis, dass das Weingut damals noch der Familie Prats gehörte und die Information, dass alle Flaschen auf dem Weingut abgefüllt wurden. Und, dass der Wein aus Sainte-Estèphe stammt. Mit dem Jahrgang 2002 kam die neueste Etiketten-Version auf den Markt. Vorne simpel, klarer Brand und die Appellation. Alle weiteren Infos wurden auf das neue Rückenetikett verbannt …

1996 Château Cos d’Estournel: Immer noch sehr dunkles, sanft gereiftes Weinrot. Fein gewürztes Bouquet, viel Zedernduft, helle Cigarren, weisser Pfeffer, Teakholz, Grafit, leicht tintiger Ansatz, angezeigte Terroirnoten und Damassine-Pflaumen. Sehr ansprechend und nasal wunderschön gereift. Harmonischer Auftritt im mittelgewichtigen Gaumen, eine sehr ausgeglichene, abklingende und doch noch stützende Adstringenz aufweisend. Ein richtiger Cos-Klassiker, welcher sich jetzt auf dem Genusspunkt befindet und sich gut zehn weitere Jahre sicherlich stresslos so halten wird. Insgesamt mehr beruhigend wie aufregend. Bei mir im Inventar steht er mit 90 Franken. Der günstigste Schweizer Anbieter (Lucullus) verlangt heute rund das Doppelte. Dies ist etwa gleich viel, wie ein paar der noch viel zu jungen, jüngsten Cos-Jahrgänge. Wie schon erwähnt, genoss ich diesen Wein am Abend davor. 19/20 austrinken



Die grosse Story rund um Château Cos d'Estournel von René Gabriel: www.bxtotal.com

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BURGUNDERLOSE PINOT-NOIR-TRÄUME 

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen einem Hermitage von Jean Louis Chave, einem Richebourg der Domaine de la Romanée-Conti und einem Château Latour?

Ja! Nicht nur einen, sondern ganz viele Eigenschaften verbinden diese drei ziemlich gesuchten Spitzenweine. Hohe Bewertungen der berühmtesten Weinkritiker zum Beispiel. Damit resultierend; hohe Preise im Markt. Ein Prestige-Nimbus könnte man diesen drei Weinikonen sicherlich auch attestieren. 

All diese Weine stammen aus Frankreich. Schon wieder eine Gemeinsamkeit! Nichts gemeinsam haben die Inhalte in den Flaschen selbst. Nicht nur geschmacklich oder gerade deswegen. Der Hermitage von Jean Louis Chave ist ein reinrassiger Syrah. Der Richebourg von der Domaine de la Romanée-Conti besteht ebenfalls aus «nur» einer Rebsorte. Nicht ganz so unikat ist der Château Latour. Er besteht aus einem Cabernet-Sauvignon-dominanten Blend von den typischen, im Médoc angebauten Rebsorten. 
In dieser Einleitung geht es um das Phänomen der Rebsorten. Und jetzt wechseln wir geografisch an die Côte de Beaune und Côte de Nuits, respektive ins Burgund. Von Chalon bis Dijon entstehen grossartige Rotweine. Und all diese wunderbaren Gemeindeweine, Lagenweine, Premier Crus und Grand Crus haben eines ganz sicher gemeinsam. 

Im Innern der Flasche befindet sich immer 100% Pinot Noir. Und worin unterscheiden sich die Burgunder vom Rest der Welt? Die Rebsorte Pinot-Noir steht nie auf dem Etikett! 

Das ist im Prinzip das historisch gewachsene Understatement der grössten Franzosenweine. Die Herkunft scheint wichtiger zu sein, wie die verwendeten Traubensorten. Ist dieser Effekt vielleicht so gewollt, dass man sich gar nicht erst auf einem Vergleich mit dem Rest der Weinwelt aussetzen will?

Auf der anderen Seite gibt es wohl kaum einen Wein, der nicht aus Frankeich stammt und auf dem Etikett auf den Hinweis der verwendeten Rebsorte verzichtet. Der Vermerk «Pinot Noir» als wichtiger Pflicht-Bestandteil der nötigen Konsumenteninformation?
Es geht in dieser Geschichte um Weine, welche auf dem Etikett mit dem Zusatz «Pinot Noir» versehen sind. 

Wer den bisherigen Text aufmerksam durchgelesen hat, wir jetzt detektivisch kombinieren, dass all die nachfolgend aufgezählten und beschriebenen Weine ausnahmslos nicht aus dem Burgund stammen können. Warum ist das so sicher? 

Weil eben das Wort «Pinot Noir» überall auf den mitgebrachten Flaschen als zusätzliche Information von den Winzern vermerkt wurde. 

PINOT-TUTTI-FRUTTI

Jeder Teilnehmer nahm ein paar Pinot-Flaschen aus seinem Keller mit. Gemäss Befehl ohne das Burgund! Daraus entstand ein nicht konkret programmiertes Sammelsurium an Provenienzen aus der ganzen Welt. So New Zealand, Australien, Amerika, ergänzt durch eine helvetische Dominanz aus mehreren Kantonen. Nicht dabei war Deutschland. Wäre sicherlich auch ein wichtiges Pinot-Thema. Hier ist mein Liebling das Weingut Meyer-Näkel aus der Ahr. 

Natürlich konnten wir im Corona konformen Kreis nicht alle Flaschen austrinken. Die Restposten finden dann in einem «Coq au vin» Verwendung. Auch da macht sich der Pinot Noir auch ganz gut …

Foodmässig wurden wir von einem hausgemachten, russischen Salat von Andy (Sommerau), einem sensationellen Tafelspitz von Oliver (Old Swiss House) und Käse von André (Heimatweg) unterstützt. 

ALLER ANFANG IST LEICHT

Dies ist einer der Lieblingsweine von André Kunz. Ein stahltank ausgebauter Pinot von Denis Mercier aus Sierre (Wallis). Ein frisch fröhlicher, geradliniger, ehrlicher Pinot mit unglaublich viel Trinkflussfreude. 17/20 














DONATSCH DUO:
ZWEI MAL UNIQUE,
ZWEI MAL GROSS,
ZWEI MAL ANDERS

Der Unique ist und bleibt die Lokomotive im Sortiment von Martin und Thomas Donatsch aus Malans. Er zeigt die Kunst auf, einen absoluten Spitzen-Pinot in einer adäquaten Menge in die Flaschen zu füllen. Der 2013 Unique versprüht so richtig Erotik und zeigt durch die hoch reifen Beeren mit einem Schimmer von Himbeerkonfi und Honig das heisse Jahr an. Der 2015 Unique ist dagegen ein geradliniger, klar ausgerichteter Klassiker, der momentan etwas verschlossen wirkt. Beide Weine haben aber eines gemeinsam: 19/20 



JÜNGERE JAHRGÄNGE GIBTS NOCH 

2012 Pinot Noir Block 5, Felton Road Central Otago: Aufhellendes Weinrot mit nur ganz minimem Reifeschimmer. Geniales Bouquet. Da ist immer noch viel Frucht in Form von Himbeeren und Damaszener Pflaumen vorhanden. Nach ein paar Minuten gesellen sich noch schwarze Johannisbeeren dazu. Alles hoch aromatisch und wohlig duftend. Im Gaumen satt, konzentriert, immer noch gewisse Reserven aufzeigend und dabei im Extrakt eine schöne Fleischration zeigend. Ein Wein, der in der Welt nur noch spärlich zu finden ist. Momentan ist Berry- Bros in London der einzige Anbieter. In der Schweiz wird aktuell der 2019er Jahrgang zu CHF 90 von www.realwines.ch angeboten. Die Bewertung für diesen toll gereiften 2012er: 18/20 trinken


Wenn ich keine «richtigen Burgunder» mehr trinken dürfte, so würde ich nebst helvetischem Trost wohl auf New Zealand ausweichen. Da gibt es ein Eldorado von ganz tollen Pinot Noirs in allen Facetten. Dies deshalb, weil sich das Gebiet durch die geteilte Geografie von Nord- und Südinsel auch in deren Charakteren unterscheidet. Mein absoluter Favorit ist der Pinot Noir Marion’s vom Weingut Schubert aus Waiarapa. Den findet man sogar in der Schweiz und so um 60 Franken. 

Der grosse Pinot-Noir-Bericht mit tollen Storys und Informationen: www.bxtotal.com 

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CHÂTEAU HAUT-BAGES-LIBÉRAL?


 
Warum ich diese Geschichte mit einem Fragezeichen beginne? Weil ich mich frage, ob Sie dieses Bordelaiser Weingut kennen?


Ob Sie wissen, in welcher Appellation es sich befindet? Ob Sie allenfalls ein paar Flaschen davon im Keller haben? Oder wenn nicht, die Qualitäten kennen? Und was solche Flaschen kosten? Mit der weiteren Frage, ob sich ein Kauf von neueren Jahrgängen lohnt?
Anfangs Jahr mache ich immer Inventur im alarmgesicherten Weinkeller. Die ganze Excel-Datei wird von Schwarz auf Rot gesetzt. Dann geht es mit dem grossen Schreibblock und Kugelschreiber in den Keller. Diesmal mit Hilfe von Schwiegersohn Till. Jede einzelne Kiste wird begutachtet. Die Flaschen darin gezählt. Meistens sind verschiedene Jahrgänge vom gleichen Weingut in eine Kiste drin.

Alle Positionen werden sorgfältig betrachtet und dann aufgeschrieben und später am Computer mit der alten Excel-Liste verglichen. Was stimmt, wird auf Schwarz gesetzt. Was falsch ist wird korrigiert. Was fehlt wird gelöscht. So habe ich immer den Überblick und ein gutes Gefühl, wenn ich eine neue Verkostung zusammenstelle. Wenn ein neues Tasting lanciert wird, dann entsteht dies erst als Projekt. Dann werden die Flaschen auf dem eichigen Kellertisch zusammengetragen. Schön zusammengestellt und fotografiert. Darauf werden diese Weine in Holzkisten stehend und separiert gelagert, bis der grosse Tag vom im Internet auf www.weingabriel.ch angepriesenen Event stattfindet. Das ist eine maximale Kontrolle und ich kann verhindern, dass ein angepriesener Wein im letzten Moment noch fehlt.

Als ich die Positionen von Château Haut-Bages-Libéral in der Inventur-Datei korrigierte, bemerkte ich, dass mir eine schöne Auswahl von grossen und reifen Jahrgängen zur Verfügung stehen. Spontan entschloss ich mich, damit «Etwas» anzufangen.

Gesagt – getan! Montag war somit aller Pauillac-Degustations-Anfang. Oder zumindest von einem bestimmten Cru, nämlich vom eingangs erwähnten Haut-Bages-Libéral. Viele dieser oben abgebildeten Flaschen befanden sich bereits in meinem Keller. Zwei Jahrgänge erwarb ich bei einem Schweizer Raritätenhändler. Und vier Jahrgänge schickte mir Claire Villars, die Besitzerin, direkt vom Château. Mit dabei der jetzt auszuliefernde Jahrgang 2018. Das ist der jüngste, welcher bereits abgefüllt ist. 2019 und 2020 liegen noch in den Barriques.

ERINNERUNGEN AN BERNADETTE

Zuerst ein wehmütiger Blick zurück! Zu meinen Anfängen bei Mövenpick war ein Besuch bei Bernadette Villars Pflicht. Zuerst wurden die Fassproben Familienweingüter Citran, Chasse-Spleen, La Gurgue, Ferriere und Haut-Bages-Libéral verkostet. Dann wurden wir im rustikalen Esszimmer auf Chasse-Spleen geladen. Der Tisch war festlich gedeckt und auf dem Beistelltisch standen jeweils gut gefüllte Weinkaraffen.

Bernadette Villars war eine gute Gastgeberin. Sie hörte auch immer aufmerksam meinen Kommentaren zu und hielt offensichtlich viel von mir. Den Höhepunkt des Weinreigens machte immer der Haut-Bages-Libéral. Leider verstarb Bernadette im Jahr 1992 bei einer Wanderung in den Pyrenäen.

Die Weingüter wurden unter den beiden Töchtern aufgeteilt. Céline bekam Chasse-Spleen und Citran. Claire wurden die Weingüter La Gurgue, Ferriere und Haut-Bages-Libéral zugeteilt.



REIFWEINFAN COLAIANNI

Normalerweise schwärmt Antonio Colaianni, der Küchenchef vom Restaurant Ornellaia in Zürich, eher für jüngere Weine. Als ich ihn fragte, welchen Jahrgang er am liebsten mag, griff er spontan zur 1989er H-B-L-Flasche.
 
1989 Château Haut-Bages-Libéral: Da ist wenig Restfarbe vorhanden: Deutlich aufgehelltes, schier transparentes Rostrot. Das trocken-süsse Nasenbild beginnt mit Stroh und Ledernoten und wird mit einem Duft von dominikanischen Cigarren ergänzt, etwas Zedern und helle Sultaninen, helle Malzspuren runden das mittelintensive Bouquet ab. Im Gaumen spürt man, dass er sich bald am Ende der Genussreife befindet. Was aber auch vermuten lässt; dass er vor ein paar Jahren noch mehr her gab. Er weist im Fluss bereits ein paar spröde Risse auf. Was tun in einem solchen Fall? A.) schleunigst entkorken und b.) etwas Passendes dazu essen. So in Richtung Schmorgericht wäre sicherlich eine gute Variante. Als ich mich am Abend und danach zum Kartenspielen am Rest der Flasche beteiligte war ich erstaunt, wie gut er sich gehalten hatte. 17/20 austrinken

GESUCHT UND GEFUNDEN

Als ich die Vertikale ein paar Tage zuvor für Fotozwecke auf den Tisch stellte, fehlte der 2000er. Ich regte mich auf. Hatte ich doch jetzt alle wichtigen, grossen Jahrgänge beisammen, fehlte irgendwie genau einer der wichtigen Referenzjahrgänge. Wenn ich ihn bei einem Schweizer Weinhändler finden würde, könnte es mit einer Express-Sendung noch reichen. Also suchte ich im wine-searcher. Doch leider gab es da keine helvetischen Angebote. Ich überlegte, ob ich allenfalls bei einem Freund noch eine Flasche finden würde. Und war schon im Begriff einen Mailversand zu starten. Zuerst trug ich noch die Flaschen im Excel-Inventar aus. Da entdeckte ich, dass ich noch vier Flaschen davon in meinem Keller haben sollte. War dann glücklicherweise auch so. Gesucht und gefunden!
   
2000 Château Haut-Bages-Libéral: Immer noch sehr dunkles Weinrot, recht satt in der Mitte. Man findet auch noch einen rubinen Schimmer bei genauerer Betrachtung. Im Bouquet merkt man den stattgefundenen Übertritt von Frucht zu Terroir. Er scheint sich momentan genau in der Mitte dieses Evolutionsphase zu befinden. Ein Hauch Mokka, hellen Edelhölzern, Pfefferkörner, Graham-Brotkruste und letzten, zarten Vanillinspuren. Gibt sich dabei ziemlich vielschichtig. Fleischiger und zugleich auch stoffiger Gaumen, weist eine erstaunliche Konzentration auf und auch noch gut stützende Gerbstoffe. Das Finale zeigt immer noch blaue, bis schwarze Fruchtresten. Vor allem Spuren von Black Currant. Insgesamt ist dies eine eher männliche Variante mit erstaunlichem, weiterem Reifepotential. 18/20 trinken

CHÂTEAU HAUT-BAGES-LIBÉRAL GEHÖRTE EINST ZU PONTET-CANET

Die Familie Libéral war als Weinhändler tätig. Im 18. Jahrhundert erwarben dieses Land auf dem Pauillac Plâteau welches mit «Bages» bezeichnet wurde. Auf diesen Parzellen wurden Reben angepflanzt und der Wein war so gut, dass er im Jahr 1855 als «Cinquième Grand Cru Classé» eingestuft wurde.

Die Reblausplage, die wirtschaftlichen Krisen und die geringe Nachfrage nach Weinen von Bordeaux führten dazu, dass das Rebland vernachlässigt wurde und die Gebäude allmählich zerfielen.

Im Jahr 1960 übernahm die Sociéte Civile Charreules Haut-Bages-Libéral. Der Hauptanteil von Charreules besass die Familie Cruse. Dieser Familie gehörte auch Château Pontet-Canet. Kurzerhand entschloss man sich, die Weinberge von Haut-Bages-Libéral aufzulassen und die Trauben im Pontet-Canet einzuverleiben. Dies war aber gesetzlich nicht erlaubt und führte zu einem derartigen Skandal, dass die Familie Cruse sich in der Folge von beiden Weingütern trennen musste.

Im Jahr 1975 von Château Pontet-Canet. 1982 fiel auch Château Haut-Bages-Libéral dem finanziellen Debakel zum Opfer.

ERWERB DURCH VERSTEIGERUNG

Jacques Merlaut machte das Rennen an der öffentlichen Auktion, welche im Jahr 1982 stattfand. Dies war der Vater von Bernadette Villars. Und auch er war meistens an den Diners auf Chasse-Spleen dabei. Er war ein eindrucksvoller, ja charismatischer Mann.
Merlaut leitete das Weinhandelshaus Bernard Taillan und kannte das gesamte Inventar blind. Nicht zuletzt deshalb, weil er selbst blind war.

Seine Tochter Bernadette studierte Önologie beim berühmten Professor Emile Peynaud und übernahm sämtliche Familienweingüter bis zu deren Tod im Jahr 1992. Danach wurden die Familienweingüter unter den beiden Töchtern aufgeteilt und Claire Villars übernahm u.a. Haut-Bages-Liberal.   

ÄLTESTER HAUT-BAGES-LIBERAL

In meinem Portal www.bxtotal.com findet man 39 Jahrgänge von diesem Weingut. Der älteste ist der Jahrgang 1928!
Ich brachte diese Flasche im Jahr 2013 aus meinem Keller mit für einen Lunch auf Haut-Bages-Libéral. Die Besitzerin Claire Villars (Bild oben) hatte uns eingeladen. Natürlich verkosteten wir erst eine kleine Vertikale und auch das Fassmuster vom neuen Jahrgang. Zum Lunch standen ein paar gut gefüllte Karaffen mit reifen Jahrgängen bereit.  

Die Flasche wie einen grossen Schwund auf und das Füllniveau lag noch knapp bei «very low shoulder». Die Degustationsnotiz dazu; braune Farbe, ziegelrote Reflexe mit  bernsteingrünem Schimmer im Innern. Das Bouquet; getrocknete Steinpilze, Pilznoten, Worchesthiresauce, Aceto Modena, Bratenjus, ranziges Nussöl, Verdelho-Madeira, es ist immer noch etwas Süsse im Innern. Die Nase ist o.k. Im Gaumen ist der Wein dann fast ziemlich gross, kompakt, süss, geschmeidig, Ratafianoten, Fernet Branca, viel stützende Säure und zeigt auch die typischen 1928er Tannine. 17/20 vorbei

Die leere Flasche liess ich damals als Andenken bei Claire zurück.

Als ich mit ihr wegen der hier beschriebenen Vertikale telefonierte, kamen wir auf diesen 1928er zu sprechen …
«Du weisst schon, dass ich wegen dieser Flasche wieder das Etikett auswechselte? Ich hatte schon längere Zeit Pläne für eine neues Label. Aber ich konnte mich für keine Muster-Vorlage entscheiden. Als ich den 1928er sah, entschied ich mich, auf dieser uralten Variante aufzubauen!»  

GROSSER PAUILLAC FÜR 50 FRANKEN

Ganz viele neuere Jahrgänge von Haut-Bages-Liberal sind im Markt noch für rund 50 Franken oder gar darunter zu haben. Damit gehört er zu den besten Grand-Cru Werten des Médoc. Und natürlich auch von Pauillac.

2018 Château Haut-Bages-Libéral: Sehr dunkles Granat mit violetten Reflexen. Das Bouquet zeigt blaubeerige, aber auch florale Noten mit mittlerem Druck. Scheint also im Moment eher zurückhaltend zu sein. Fein geschichtet und schon nobel im Ansatz. Im zweiten Ansatz legt er dann doch etwas zu und zeigt Pfefferkörnern und Nuancen von Cassis. Im Gaumen mittelgewichtig, wunderschön integrierte Tannine stützten den eleganten Fluss, harmonisches Finale mit feinfleischiger Kontur. Wirkt momentan etwas introvertiert. Trotz mildem Finale hält die Aromatik an. Setzt insgesamt mehr auf Eleganz wie auf Arroganz und man könnte ihm auch etwas Saint-Julien-Affinitäten andichten. Somit ist/wäre er für bolidige Blindproben völlig ungeeignet. 18/20 warten   

Der grosse Bericht zu diesem Tasting von 1982 bis 2018 und wie der 2000er wird ...  www.bxtotal.com 

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JUBILÄUMSWEIN MIT HEISSLUFTBALLON

​​​​​​​Hätten Sie es bemerkt? Man muss zwei Mal hinschauen bis man es sieht. Da ziert doch tatsächlich ein Heissluftballon das sonst ewig-klassische Etikett von 2018er Château Lafite Rothschild. 
Oben rechts vom Gebäude, links vom Baum. Wer noch genauer hinschaut sieht sogar die Initialien "CL" auf dem Ballon. 

Oben auf der Flasche sind ebenfalls die Initialen CL aufgeprägt. Auch dieses Rätsel ist nicht einfach zu entziffern. Mein Freund Bärti rätselte mit der Abkürzung für «Champions League». Eine naheliegendere Antwort kam rechts von mir mit «Château Lafite». Die richtige Antwort stammt aus dem Römischen C für Hundert und L für Fünfzig. Lafite feiert nämlich mit diesem Wein das hundertfünfzigjährige Bestehen im Besitz der Rothschild Familie. 

Und wie ich an den Inhalt dieser aktuell rund 850 Franken kostenden Flasche gelangte? Tjark Witzgall war an meine Vertikal-Verkostung von Château Haut-Bages-Liberal eingeladen. Er «musste» grad für Mövenpick den 2018er Lafite-Rothschild degustieren und diese honorable Musterflasche war ihm - direkt vom Château - zugesandt worden. Nach dem Motto: «to double the happyness you have to share» nahm er die Bouteille im Handgepäck mit ...

2018 Château Lafite-Rothschild: Sattes Granat mit violetten Reflexen. Subtiles, engmaschiges Bouquet, zum einen florale Cabernetnoten, zum anderen eine schon fast verschwenderisch anmutende, nuancierte Frucht in Form von Brombeeren und Cassis. Über das vielschichtige, parfümiert anmutende Nasenbild vermittelt in seiner berauschenden Süsse einen Hauch von Vanillin, Edelhölzer, caramelisierte Kirmesmandeln und Kokos. Der Gaumen ist royal und dieser noch viel zu junge Lafite trinkt sich in der aktuellen Primärphase schon fast hemmungslos. Vorallem auch, weil seine Gerbstoffe sich wie Seide anfühlen. Ein Mustermass an Royalität, Finessen und sehr zukunftsträchtigen Versprechungen. Noch nie hatte ich einen so zärtlichen und zugleich doch riesengrossen Lafite als Jugendsünde im Gabriel-Gold-Glas. 20/20 warten

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2001-BORDEAUX-GENUSS VOM MEDOC-NORDEN
 
Die Appellationen Saint Julien, Pauillac und Saint Estèphe liegen nördlich der Stadt Bordeaux. Sie bilden – zusammen mit der weitverzweigen Weinbaugemeinde Margaux – das Epizentrum der begehrtesten Grand Crus vom Médoc.

Der Name Médoc ist aus dem lateinischen «media Acqua» entstanden. «Zwischen den Wassern» also. Damit ist zum einen der atlantische Ocean gemeint. Zum anderen die beiden Flüsse Dordogne und Garonne. Diese treffen in der Region Margaux aufeinander und vereinen sich zur mächtigen, durch die Gezeiten stets trüben, Gironde. 

Zwischen diesen Wasservorkommen liegt das Medoc, welches vom evaporisierten Wasserdunst profitiert. Denn - die Wälder halten die kalten Atlantikwinde auf und die im Osten aufgehende Sonne löst kleine Wasser-teilchen auf und so entsteht über den nördlich der Stadt Bordeaux gelegenen Weinbaudörfern ein einzigartiges Mikroklima, welches die Reifung vom Cabernet Sauvignon ermöglicht. Für einen grossen Cabernet Sauvignon braucht es das richtige Terroir. Und Terroir ist Klima, sowie Bodenbeschaffenheit in erster Linie.      

Die Bodenbeschaffenheit ist der Schlüssel zur Wahl der anzupflanzenden Rebsorte. Faustregel: Je mehr Steine, desto mehr Cabernet Sauvignon. Je mehr Sand und Lehm, desto mehr Merlot. Im Mittelfeld dieses Erdgemisches liegt die Basis für den Cabernet Franc oder Petit Verdot. So einfach ist das!

Die besten Lagen liegen praktisch direkt an der Gironde. Mit der Ausnahme von Mouton und Lafite. Die weniger privilegierten Cru-Lagen befinden sich weiter weg von der Gironde gegen den Médoc-Rücken. Genauer; vorwiegend linkerhand der Route Nationale 215 welche von der Stadt Bordeaux bis zum nördlichsten Zipfel des Médocs, zur Pointe de Grave führt. Dort gibt es übrigens einen Fährbetrieb mit welchem man nach Royan übersetzen könnte. 

Doch wir setzen nicht über, sondern wir bleiben, wie schon im Titel und in der Einleitung angekündigt in den Appellationen Saint Julien, Pauillac und Saint Estèphe. 

JETZT IN WUNDERSCHÖNER GENUSSREIFE

Welches ist die effektive Genussreife? Mit der zunehmenden Bewertungsinflation der professionellen Weinjournalisten (und mittlerweile auch Hobbyweinfreaks) scheint die Messung der einzelnen Weine zunehmend digitaler geworden zu sein. Wer im Markt was gelten, oder zumindest auf sich aufmerksam machen will, hat seinen eigenen Blog in den sozialen Medien. Dort wird gepostet was das Zeug hält. Immer getreu nach dem Vorbild Robert Parkers wird mit dem «präzisen» 100-Punktesystem hantiert. Er werden beispiels-weise die persönlich festgestellten 93/100 ins Internet-Nirwana herausposaunt. Danach folgt meist ein informationsluftleerer Raum und ein Foto mit sich und der Flasche. Oder nur die Flasche mit dem dazu passenden oder halt nicht ganz so passenden Weinglas. 

So scheint die Bewertung in den publizierten Informationen wesentlich wichtiger zu sein als eine mögliche Definition der Genussreife. Vielleicht ist dies deshalb so, weil genau da hier der Teufel im Detail steckt. Der Begriff «Genussreife» ist einerseits ziemlich dehnbar, andererseits variabel und drittens definiert er sich aus den ganz persönlichen, egoistischen Vorlieben. 
Hier hat sich das Genussfeld in den letzten Jahren deutlich nach vorne verschoben. Immer mehr Weinliebhaber entkorken ihre Weine in der Fruchtphase. In dieser Evolutionsepoche sind die Weine zwar nicht effektiv reif. Die Grundaromen sind aber stärker als die noch verlangenden Tannine und beim Trinken geht so richtig die Post ab. Der Gaumen liefert zwei Drittel des Erlebnisses, die Nase nur rund einen Drittel, weil das Bouquet sich noch nicht entwickeln konnte.  

Kenner warten! Die effektive Genussphase ist dann da, wenn sich ein grosser Rotwein zwischen letzter Frucht- und erster Terroir-phase befindet. Erst dann reflektiert er seine Herkunft und seinen Grundcharakter. In diesem Zustand mildert er die Gaumenarroganz ab und die nasalen Eindrücke nehmen stetig zu. 

Je besser der Jahrgang, respektive der zu geniessende Wein balanciert ist, desto länger würde die Genussphase anhalten. Diesen Effekt mute ich ganz vielen Bordeaux 2001 zu.  Wie diese soeben gemachte «Studie» aufzeigte. 

GENUSSNACHMITTAG IN NOTTWIL

Von der Terrasse des Gastgebers aus, hat man einen wunderschönen Panoramablick über den Sempachersee. 

Wir trafen um 14 Uhr ein und es standen drei verschiedene «Weinbatterien» zur Auswahl auf den Tischen. Eine gemischte Palette, je ein Bordeaux-Quintett der Jahrgänge 2001 und 2003. Da ich fokussierte Themen liebe, schlug ich vor den Jahrgang 2001 auszuwählen. Bärti schwärmte eher für den Bordeaux 2003. Also liessen wir ein Frankenstück entscheiden. Bei Zahl 2001, bei Kopf 2003. Bärti warf die Münze in die Luft und am Boden gewann ich den Jahrgangsentscheid. Die Zahl lag oben!

Also entkorkten wir zusammen die Flaschen und entschieden uns danach für die mögliche Reihenfolge. So etwa nach dem Motto; «von mild nach kräftig». Das war ein guter Entscheid. So genossen wir während dem Kartenspiel die süffigeren Varianten und bekamen dann zum Nachtessen den noch etwas verlangenden Montrose ins Gabriel-Glas. 


2001 Château Ducru-Beaucaillou, Saint Julien: Marktwert; rund 150 Franken. Reifendes, leicht mattes Granat. Elegantes, vielschichtiges Bouquet, Zedernduft, rotes Pflaumenmus, Grafit (Bleistiftmine), heller Tabak und Bastholz. In seiner nasalen Aromengrundform erinnert er ganz deutlich an frühere, reife, recht grosse Ducru-Jahrgänge. Der Gaumenfluss ist weich, fast milchig, anschmiegsam und harmonisch balanciert. Er zeigt eine feinwürzige, minim unterreife Cabernetkontur. Dabei klingt er lange aus. Ein milder Saint-Julien-Grande mit Anmut und Schönheit! 18/20 trinken 








ZWEI MAL ENTKORKT 

Erwartungsvoll schnupperten wir am Cos 2001. Die Erwartung wurde aber spontan gedämpft, weil der Wein leider oberfies korkte. Glücklicherweise war sofort Ersatz da!

Der Gastgeber Christian Merz grabschte sich den Cos d’Estournel. Natürlich erst nach dem zweiten, wesentlich «unkorkigeren» Eindruck. 

Meine Wertung lag im Nasenbereich um einen Punkt höher als im Gaumen.  Wie der 18-Punktewein schmeckte findet man wie immer auf www.bxtotal.com 




MEHR WERT ALS ER KOSTET

Auf ihn mit Gebrüll! Der Weinhändler www.raritaetenwein.ch bietet diesen grossen, zwanzigjährigen Montrose für 110 Franken kann. Als ich auf die Webseite klickte waren es noch 84 Flaschen. Dies wird sich, nach diesem Artikel schnell ändern. Vergleichbar grosse Montrose-Jahrgänge kosten im Markt alle über 200 Franken! Nebenbei; der damalige Mövenpick-Einkaufspreis lag bei 29 Euros!

2001 Château Montrose, Saint Estèphe: Marktwert; siehe Einleitung! Sehr dunkles Weinrot mit satter Mitte. Barockes, tiefes Bouquet mit Pumpernickel Brot, Teer, Karbonileum, Backpflaumen, Edelhölzern, schwarzen Oliven und Périgord Trüffeln. Legt an der Luft stetig zu. Er liefert nasal so eine Art Prototyp von grossem Saint-Estèphe-Terroir. Im Gaumen schier mächtig, fleischig, immer noch eine umfassende Adstringenz abliefernd. Dies jedoch jetzt mit langsam angerundeten Tanninen. Hier vermischt sich Aristokratie und Kraft. Einmal mehr beweist dieser fantastische Château Montrose seine dokumentarische Langlebigkeit. 19/20 trinken


Der grosse Bericht zum 2001 Bordeaux-Quintett (Ducru, Pichon-Baron, Lynch-Bages, Cos d'Estournel und Montrose) findet man auf www.bxtotal.com

Welcher ist der beste? Sind alle schon genussreif? Was soll man noch kaufen? ...






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DER INITIANT VOM PARIS TASTING IST TOT

Ein grosser Weinkenner und feiner Mister ist nicht mehr unter uns. Steven Spurrier ist in seinem Zuhause in England verstorben.
Ich traf ihn bei verschiedenen Gelegenheiten. Am mittlerweile auch fast legendären BERLIN TASTING moderierte er mit mir diesen internationalen Event. An ein paar gemeinsame Essen in diversen Bordeaux-Château kann ich mich erinnern. Und vor allem an unser London Diner.

Bei meinen Mövenpick Anfängen durfte ich nämlich seinen helvetischen Zweig von der Academie du Vin leiten.
Im Jahr 1995 bekamen wir ein Problem mit der Académie du Vin. Aus strategischen Gründen galt es, diese und die «Entrepôt de Vins et Spiritueux» mit der «Caves Mövenpick» zu fusionieren. Die Firma Académie du Vin konnte nicht integriert werden, denn diese war nicht ganz firmeneigen. Mit den 20 % Anteilen, welche dem initialen Gründer, Steven Spurrier, gehörten war dies ein Ding der Fusionsunmöglichkeit. Zudem zeigte der Verwaltungsrat weit weniger Spass an diesem Wein-Vehikel als unser Team.

Der Gabriel wurde nach London geschickt, um sich mit Steven Spurrier zu treffen und nach einer Lösung zu suchen. Im Kopf hatte ich wenige Ideen, wie das funktionieren könnte, aber ein beträchtliches Budget im Sack.

Als Best-Case-Szenario liess ich von unserem Hausanwalt zwei Verträge vorfertigen. Einen mit einem noch einzusetzenden Betrag für die 20 % Anteile. Ein weiterer Vertrag war für das Very-Best-Case-Szenario angedacht. Dies mit der illusorischen Vorstellung, dass wir die Aktien kostenlos zurück erobern könnten.

Um ein wohlwollendes Ambiente zu schaffen, reservierte ich in einem der damals besten Restaurants in London einen Tisch. Die Speisen waren da weit weniger salzig als die Preise.

Steven Spurrier sass schon dort und hatte sich einen Sherry geordert. Wir begrüssten uns und ich bestellte aus solidarischen Gründen ebenfalls einen Sherry. Gleich von Beginn weg spürte ich, dass wir das Heu auf der gleichen Bühne haben. Ich schlug vor, dass er die Weine ordern solle und Mövenpick bezahlen würde. Bescheiden in seiner Art, wollte er eher auf Alternativen zugreifen. Galant lenkte ich ihn bei der nun gemeinsamen Evaluation auf den Wunsch, möglichst terroirbetonte Weine zu geniessen. Da gibt es ja im ganz Geheimen auch eine Faustregel: «Mehr Terroir – desto teurer.» Der Genuss derselben Weine ergab eine gute Gesprächsstimmung zwischen uns.

Irgendwann musste ich das Thema geschickt Richtung Académie du Vin Schweiz lenken. Ich erklärte ihm ganz ehrlich die schwierigen Fusionsabsichten aufgrund seiner 20 % Anteile. Ebenfalls ganz ehrlich berichtete ich ihm, dass die ADV Schweiz seit ihrer Gründung nie einen Profit gemacht hätte. Da seien wir mit seiner Organisation nicht unähnlich, meinte Steven. Auch er hätte nie Kapital daraus schlagen können. Obwohl ihm ja mit dem legendären Paris-Tasting ein gewaltiger Paukenschlag gelungen sei.
Mittlerweile waren wir schon bei der dritten Flasche Wein angelangt und es zeichnete sich eine sehr freundschaftliche Lösung ab.
Als er zur Toilette ging, holte ich die beiden Aktienabtretungsvarianten aus meiner Jacke. Den mit der möglichen Einmalzahlung steckte ich in die linke, die entschädigungsfreie Variante in meine rechte Tasche.

Als Steven zurückkam, wiederholte ich noch einmal kurz mein Anliegen und das Ziel, dass wir jetzt gleich eine Endlösung zu den von ihm verbleibenden 20 % der Aktien der Académie du Vin anstreben möchten. Also schlug ich vor: «Ich übernehme diesen wunderbaren Tisch mit der Erkenntnis, dass ich einen neuen Freund in London habe. Und Du unterschreibst eine Vereinbarung, bei der Du Deinen nicht rentierenden Anteil kostenlos abtrittst!»

Er war einverstanden und nickte. So griff ich in die rechte Jackentasche und Steven Spurrier unterzeichnete den dazu nötigen Vertrag.
Wir blieben Freunde und führten danach noch ein paar gemeinsame Tastings durch. Eines davon war das gigantische Berlin-Tasting. Analog zum Paris-Tasting. Mit Bordeaux, Super-Toskanern und Chile-Icon-Weinen.

Übrigens: Der Handgriff in die rechte Jackentasche war für mich reine Routine. Ich bin Linkshänder!



P.S. Steven Spurrier war ein Gabriel-Glas-Fan. Man sieht ihn auf dem Foto im Napa Valley mit der Glas-Import-Chefin Tempe Reichardt.


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ST. LAURENT-WUNDER AUS TATTENDORF

Das Epizentrum von fantastischen St. Laurents liegt in der Thermenregion. Andernorts gibt es auch sehr gute Weine aus dieser Rebsorte. Aber in der Langzeitmessung hat wohl keine andere Weinregion in der Welt eine reelle Chance da mitzuhalten.

Ich erinnere noch gut, wie ich ausflippte als ich den 1997 St. Laurent von Reinisch nach der Flaschenabfüllung auf dem Weingut probierte. Der war so unverschämt gut, dass ich mir ein paar Flaschen erwarb.

Heute habe ich wieder mal erst in das entsprechende Flaschenregal und dann zum sofort Korkenzieher gegriffen. Wow! Immer noch tiefdunkel, praktisch kein Reifeschimmer. Die Nase eine Aromenbombe von Pflaumen, Mokka, Lakritze, dunklen Edelhölzern du zerdrückten Szechuan-Pfefferkörnern. Im Gaumen merkt man in Spurenelementen, dass dieser Wein nicht «unholzig» auf die Welt kam. Aber genau dieser Umstand hat ihm wohl zu einem so unglaublich langen Leben verholfen. Schon fast ein Monument. Vor allem ein Reinisch-Wein, der das oft unterschätze Alterungspotential von diesen genialen Weinen (auch beim Pinot) dokumentiert. Bravo! 19/20 

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DIE FÜNFTE LIGA VON PAUILLAC
 
Das Titelbild ist für einmal nicht besonders repräsentativ. In erster Linie ist das Bild nicht vollständig. Und zweitens; wir haben andere Weine getrunken …

Oder halt schon auch ein paar dieser Weine, aber mit anderen Jahrgängen. Was aber mit dem Titelbild sicherlich dokumentiert wird?
Es handelt sich um die beliebtesten und somit auch in der Regel besten Weine der «fünften Liga» der Appellation Pauillac.
Damit ist die Kategorie der «Cinquième Grand Crus Classés» gemeint. Also Weingüter, welche im berühmten und – mit wenigen Ausnahmen – festgemeisselten Klassement vom Jahr 1855 als «fünfte Gewächse» prämiert, respektive deklariert wurden.
Ein paar Weine fehlten auf dem Bild. Es sind – zumindest aus meiner Sicht – Weingüter aus Pauillac, welche es aus qualitativen Gründen nicht in meinen privaten Keller schafften. Es sind dies Croizet-Bages, Lynch-Moussas und Grand-Puy-Ducasse. Diese letzteren drei sind angenehme Weine, stagnieren aber seit Jahrzehnten in deren Qualität. Sie sind in meinen persönlichen Kauf-Selektionskriterien schlichtweg unten durchgerutscht.

Dafür sind andere Weine dieser Kategorie reichlich in meiner Inventur vorhanden. Im Lead liegt Lynch-Bages, gefolgt von Grand-Puy-Lacoste. Der «G-P-L» ist ein Gabriel-Must, weil es einer der Lieblingsweine von meiner Karin ist. Natürlich darf der Pontet-Canet auch nicht fehlen. Hier bevorzuge ich das Mittelstück. Also die Jahrgänge von 1995 bis 2009. Viel Freude bereitet mir auch nicht selten den Clerc-Milon. Hier ist der 1990er einer meiner Lieblinge.

Auch vom d’Armailhac gibt es noch ein paar kleine Restbestände. Es sind Überbleibsel meiner Mouton-Verkostungen, welche jeweils im Old Swiss House in Luzern stattfanden. Die Qualitäten sind leider nicht immer identisch mit den Jahrgangsvorgaben.
Haut-Batailley war immer ein korrekter Pauillac mit einem artisanalen Geschmack. So wie früher halt. Der Batailley ist ein sehr guter  «Preis-Leistungs-Pauillac». Den horte ich nicht, sondern bestelle ihn gerne mal im Restaurant. Vom Haut-Bages-Libéral sind noch ein paar reife Flaschen da welche auf einen baldigen Einsatz warten.

Gerne eingekauft hatte ich «meine Entdeckung» den Pédesclaux 2009. Das war der erste, wirklich gute Jahrgang von diesem zu lange vernachlässigten Weingut.

Nachfolgend ein paar Reminiszenzen von unserer Probe rund um die Pauillac-Cinquèmes ...

START MIT JAHRGANG 1961

Orange Wine? Von der Farbe her hätte man es vermuten können. Dies lethargisch anmutende Weingut dümpelt seit Jahren im Markt dahin. Die Preise liegen um 50 Franken oder deutlich darunter. Je nach Jahrgang. Der Zweitwein wird unter verschiedenen Namen lanciert.  

1961 Château Croizet-Bages: Füllniveau; obere Schulter. Fast kein Rot mehr in der Farbe zu sehen, eher Orange – vor allem am Rand. Torfiges Bouquet, Tomatenmark, Rosinen, altes Leder, ergänzt mit uraltem Pferdesattel und getrocknetem Pferdemist. Im zweiten Ansatz strahlt er eine trockene Süsse aus, Thymian, dezent ätherisch. Im Gaumen schlank, asketisch, mehr Muskeln wie Fleisch im Finale sind Kapseltöne zu vermelden. Insgesamt vermittelt dieser 60jährige Wein eine mässige Trinkfreude. 15/20 vorbei  


SEIT 1970 IM BARON BESITZ

Baron Philippe de Rothschild erwarb dieses fünftklassierte Gewächs im Jahr 1970. Den ersten Namen verlieh ihm der damalige Besitzer Jean-Baptiste Clerc. Kurz vor seinem Tod veräusserte er sein Weingut 1863 an den Notar Jacques Mondon.

Dieser liess seinen Wein umtaufen in Clerc-Milon Mondon. Nach Mondons Tod im Jahr 1897 führte seine Witwe das Weingut weiter. Danach erbte die Tochter Germaine (verheiratete Vialard) dieses sich im Weiler Milon befindliche Château. Das Weingut war ziemlich heruntergewirtschaftet und die Weine wurden von 1947 bis 1969 exklusiv über das Weinhandelhaus Dourthe verkauft.

1970 erwarb Baron Philippe de Rothschild Clerc-Milon Mondon und liess ab dem Jahrgang 1970 das «Mondon» weg und so bekam «Clerc-Milon» wieder seinen historischen Namen zurück. Interessant ist die damalige Kaufsumme, welche eine Million Francs betrug. Umgerechnet sind dies heute rund 1.5 Millionen Euro. Guter Deal!

1990 Château Clerc-Milon: Deutlich gereiftes Rot mit ziegelroten Reflexen am aufhellenden Rand. Süsses, rosiniges Bouquet, Malznoten, Dörrfeigen, Backpflaumen, Caramel und minime Honignoten. All diese süssen Eindrücke stammen wohl von einer überreifen Merlot-Charge. Nicht üblich, aber ziemlich berauschend. Im zweiten Ansatz; Zedernduft und heller Tabak. Im Gaumen gibt er sich hoch reif, gut balanciert und mit viel Charme. Er zeigt auf, dass er auf dem obersten Genuss-Peak ist. Würde man ihn blind erkennen? Als Jahrgang vielleicht schon, aber nicht als Pauillac, oder gar als Clerc-Milon. Gäbe es diese Kategorie, dann würde man ihn als «erotischen Bordeaux» bezeichnen. Und weil es diese Kategorie offiziell nicht gibt, muss man ihm halt sonst ein passendes Attribut zuteilen, damit er für Leser einfach zu erklären ist. Also; «Leider geil!». Seit ein paar Jahren bevorzuge ich ihn dem Mouton gegenüber. Nicht weil er zwingend besser ist, sondern wesentlich zuverlässiger. Denn vom Mouton aus gleichem Hause findet man leider ganz viele Flaschenvarianten in allen Facetten. Die Wertung für diesen fantastischen, enorm süffigen Clerc-Milon: 19/20 austrinken   

DEN LES FORTS GIBT ES SEIT 1966 BEI LATOUR

Der damalige Direktor Jean Paul Gardère initiierte den Les Forts de Latour als Zweitwein im Jahr 1966. Heute ist es ein eigenständiger Cru mit Grand-Cru Qualität. Aber kein Cinquième. Aber wir machten da sehr gerne eine Ausnahme!

2000 Les Forts de Latour: Unglaublich tiefe Farbe, fast Schwarz in der Mitte. Intensives und gleichzeitig vielgeschichtetes Bouquet, Edelhölzer, Kaffee, Pumpernickel Brot, Brazil-Tabak und Périgord Trüffel. Im zweiten Ansatz dunkle Schokolade, Minze und würzige Küchenkräuter. Royaler Gaumenauftritt, feine Tannine, anhaltendes Finale. Dieser geniale Les Forts de Latour zeigt deutlich auf, dass er eigentlich ein eigenständiger Cru ist. Zwei Stunden dekantieren. 19/20 beginnen


DAS ORIGINAL-KLASSEMENT 1855

Das Originalklassement, welches im Rahmen der Pariser Weltausstellung evaluiert wurde, war gleichzeitig auch wertend. Will heissen, die Weingüter wurden nicht alphabethisch eingeordnet, sondern nach deren Handelswerten aufgelistet. Je bessere Preise ein Wein im erzielte, desto weiter oben stand er auf der Klassements-Liste.

Bei der damaligen Rangierung wurden die Handelspreise der letzten hundert Jahre mit einbezogen.

Somit führte der «Canet von der Familie Pontet» die Fünftenliste an. Croizet-Bages bildete das Schlusslicht. Ist irgendwie heute immer noch so …

Wer genauer hinschaut, entdeckt, dass im Jahr 1855 nur zehn Pauillac-Weingüter als Cinquièmes deklariert wurden. Heute sind es deren elf.  

Auf der Ur-Liste fehlt Château Haut-Batailley. Der Grund, das Weingut wurde nach 1855 aus erblichen Gründen aus dem Besitz von Château Batailley gesplittet. Weil, die Böden bereits als fünftes Gewächs eingestuft wurden, durfte das «neue Weingut», Château Haut-Batailley, ebenfalls mit demselben Adelstitel vermarktet werden.





LYNCH-BASCHI MAGNUM

Unter Weinfreunden wir Sebastian Schwander auch der «Lynch Baschi» genannt. Dahinter versteckt sich seine offenkundige Begeisterung für den Lynch-Bages. Dies, nebst vielen kalifornischen Weinen mit welchen er grossartige Raritäten-Tastings lanciert.

1985 Château Lynch-Bages: Magnum. Das Füllniveau war untere Schulter. Dies lag aber wohl daran, dass Baschi sich zu Hause bereits einen kleinen Schluck gönnte. Mittleres, gereiftes Weinrot mit aufhellendem Rand. Offenes Bouquet, einen leicht unterreifen Cabernet anzeigend, dies in Form von minimen Spuren von Geraniol und Paprika. Man findet aber auch noch rote und blaue Fruchtresten, sowie Milchschokotöne, zerdrückten Pfefferkörnern und getrockneten Herbsttrompeten. Im Gaumen saftig, lang, irgendwie schlank. Auch findet man eine «coole Cabernetnote», sehr angenehm ausklingend. Nicht zuletzt Dank dem Grossformat bietet dieser hoch reife Pauillac immer noch einen grossen Genuss, bei entsprechendem Trinkfluss. 18/20 austrinken

Der grosse Pauillac-Cinquièmd-Bericht auf 9 Seiten mit Bewertungen und Illustrationen. www.bxtotal.com

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BORDOLIEREN MIT RENE GABRIEL #4 

Hier geht es um den 2010 Irto Cantina Kopp von der Crone Visini, Barbengo (Ticino)  Zum Film
Von diesem Wein werden im Mai 120 Flaschen an der www.weinboerse.ch versteigert!

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PRIVILEGIERTER DIENSTAG-MITTAG 

Montrachet im Gabriel-Glas bei Freunden.  

Sublime Spitzenklasse. Balance in Reinkultur.

Demut pur!










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BORDOLIEREN MIT RENE GABRIEL #3 

Hier geht es um den 1978 Château Latour, Pauillac  (Film)
 
In loser Reihenfolge berichtet der Schweizer Weinkritiker René Gabriel über seine weinigen Erlebnisse. Bordeaux steht da meist im Zentrum. Seine Eindrücke notiert er auch in seiner Websuchmaschine www.bxtotal.com mit über 62'000 Verkostungsnotizen. Ergänzt durch informative und illustrierte PDF-Storys. 

Gratisinformationen zu Weinen, Verkostungen und Weinreisen findet man auf seiner offiziellen Webseite www.weingabriel.ch
Degustiert wird immer aus dem Gabriel-Glas. www.gabriel-glas.com
Viele schöne Weinerlebnisse wünsche ich Euch und Santé!

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WELCHES IST IHR LIEBLINGSWEIN?

Sucht man im allmächtigen Internet nach «Lieblingswein», wird man sehr schnell auf kommerzielle Seiten gelockt. In meinem Versuchsfall nach diesem Begriff stand zuoberst lieblingswein.ch. Dahinter versteckt; ein Weinhändler. Gleich darunter; lieblings.weine.de. Dahinter versteckt; ebenfalls ein Weinhändler.

An dritter Stelle berichtet die deutsche Lebensmittelzeitung, dass die Weinkellerei Peter Mertes unter dem Markennamen «Lieblingswein» gleich mehrere halbtrockene Cuvées im Halbliter anbietet. Die Weine kosten einerseits nur 2.99 Euro, hätten aber – gemäss beiläufiger Info – das «Potenzial zum Favoriten- Status».

Weiter geht die Suche. Und wieder fliegt die Suchmaschine auf einen Weinhändler rein; deinlieblinigswein.de. Spannender und recht ausführlich über eine mögliche Definition berichtet silkes-weinkeller.de im Weinblatt.

Beim nächsten Versuch werde ich in meine Wohngemeinde Eschenbach gelockt. Dort berichtet die Weinhändlerin Romy Widmer über eine Verkostung, welche mit ihren Lieblingsweinen vor zwei Jahren stattfand.

PARKER’S LIEBLINGSWEIN

Auch hier bringt eine Suche nichts Konkretes. Auch mein eigener Name schiesst für eine treffende Antwort weit am Ziel vorbei.
Man könnte die Frage in den Raum stellen, ob ein Lieblingswein denn im Prinzip einfach nur ein extrem beliebter Wein ist. So nach der Kategorie «meistverkaufte Flaschen». Wenn man von einem Wein sehr viele Kartons verkauft, dann muss er doch zwangsweise ein «Everybodys-Darling» sein.

LIEBLINGSWEIN-WANDERUNG

So alle zwei Wochen wandern wir eine Runde um Eschenbach. Ein paar Freunde. Etwas frische Luft. Bewegung. Natur. Ab 17 Uhr wird gewandert. Eine gute Stunde später treffen wir uns dann bereits in einer Hütte im Schrebergarten. In meinem Weinkeller. Oder – wie diesmal im «W1». Das ist die gepflegte Motorradwerkstatt von Freund Bärti.


DIE NAPA-LEGENDE SCHLECHTHIN

Der legendäre Winzer Joe Heitz begann mit seinen ersten offiziell gefüllten Cabernets im Jahr 1966. Immer wenn er seinen Marthas Vineyard besonders gut fand, beklebte er ihn mit einem farbigen Spezialetikett. Dies war 1974 erstmals der Fall. Heute ein rarer und gesuchter Wein mit einem Marktwert von rund 2000+ Franken. Abgefüllt wurden damals 52'125 Flaschen. Wir genossen an unserem Lieblingswein-Abend die Nummer 34'391.

1974 Cabernet Sauvignon Marthas Vineyard, Heitz, Napa Valley: Die Farbe war Schwarz und Braun gleichzeitig. Das Bouquet entwickelte sich von der ersten Sekunde an in einen multiplizierenden Aromen-Wahnsinn. Viel Malz, eingedickter Birnensaft, rotes Peru Balm, Pflaumenkompott, Guinness Bier und Coulure (sehr dunkles Caramel). In den ersten Sekunden schwang eine fette Süsse oben auf. Dann drängten andere Schichten in Nasenbild; Kräuter, Minze, getrocknete Baumnussschalen, Ricola- Bonbons, blühender Kapernbusch und (daran muss man sich bei einem Marthas gewöhnen) Eucalyptus. Der Gaumen füllig, cremig, ja üppig. Ein wahrlich mundfüllendes Erlebnis, die Tannine sind reich, aber voll und der Wein fühlt sich auf einem schon lange dauernden Genusspeak an. Das bombastische nicht enden wollende Finale endet mit einer Mischung von Feigensirup und Fernet Branca. Ich habe das Privileg diesen Wein schon ein paar Mal im Glas vor mir zu haben. Und es ist jedes Mal ein ehrwürdiger Moment an dieser Napa Legende laben zu dürfen. Da die fast leere Flasche vor mir stand, goss ich mir am Schluss noch das Depot ein. Hier verstärkten sich die Aromen nochmals zusätzlich und ich nahm Rauch, schwarzes Pfeffermehl und Trüffel wahr. Das Cabernet-Dopamin schiesst durch den ganzen Körper und vermittelt heftige Genuss-Glücksgefühle. 20/20 austrinken

LAUCHKUCHEN UND SALZBERG

Der oben abgebildete Kuchen mit Frühlings-zwiebeln, Mascarpone, Eier, Speckwürfel stammte aus meinem Ofen. Die unten beschriebene Magnum aus Bärtis Weinkeller.

2004 Salzberg, Heinrich: Magnum. Immer noch tiefe Farbe mit roten und blauen Reflexen durchzogen. Die Nase zeigt schwarze Früchte wie Cassis, Brombeeren und ist mit Eisenkraut und Lakritze gewürzt. Im Gaumen fleischig, fest, konzentriert und beeindruckend. Für mich ist das einer der grössten Austria-Rotweine in seiner Reifephase. Bravo! 19/20 trinken

I HAVE A DREAM

Hier geht es nicht um den legendären Anfangssatz von Martin Luthers Rede im Jahr 1963, sondern um eine Konversation von Christian Moueix und mir.

Als Einkäufer von Mövenpick wurde ich jedes Jahr nach der Primeurprobe ins Privathaus an der Dordogne eingeladen. Dort gabs immer feines Essen und ziemlich legendäre Weine. Das aufmerksame Personal bemerkte recht schnell, dass diese Weine in der Regel sehr gut ankamen und so flossen die reifen Pomerols manchmal buchstäblich «in Strömen».

Christian und ich waren am späteren Nachmittag wohl etwas angeheitert und da fasste ich den Mut ihm von einem besonderen Traum zu erzählen …

«Ich träumte von einem Wein der aus je einem Fass Haut-Brion, Latour, Lafite, Mouton, Margaux, Cheval-Blanc, Ausone und Pétrus bestand».    

Christian wurde nachdenklich und fragte mich höflich, wie ich mir denn so einen Wein letztendlich vorstellen würde.

So antwortete ich vorsichtig: «das ergibt wohl einen sehr grossen aber möglicherweise schwer zu definierenden Wein!».

Christian war zufrieden mit meiner Antwort und wir tranken ein weiteres Glas Rotwein.   

«Dann hatte ich nochmals einen Traum!»

«Was noch einer? Wieder mit Wein?»

«Ich habe mir erträumt, dass man einen noch nie dagewesenen Wein mit einer speziellen Assemblage kreieren würde. Den besten Cabernet Sauvignon von Château Latour. Den besten Cabernet Franc von Château Cheval Blanc und den besten Merlot von Château Pétrus!»

Christian lehnte sich zurück, dachte kurz nach und aus ihm sprudelte spontan eine mögliche Vorstellung wie der Wein schmecken könnte: «Das gibt einen Dominus!!!»

Das Foto entstand bei meinem Dominus-Besuch im Jahr 2011. Wie der Dominus 1994 schmeckte und warum er von 1983 bis 1990 mit Portraits von Christian Moueix auf der Etikette versehen war, kann man auf www.bxtotal.com nachlesen. 

WELCHES LIEBLINGS CHÂTEAU?
 
Als ich diesen Artikel schrieb, kam mir die Zeit vor meiner Tätigkeit als Wirt im Hotel Kreuz in Sempach in den Sinn. In den Jahren zwischen 1982 bis 1986 traf ich mich, jeweils mittwochs, regelmässig mit meinen lokalen Weinfreunden zu nachmittäglichen Grillpartys.

Walter war der «Pichon-Lalande». Markus der «Ducru-Beaucaillou» und ich der «Palmer».

Dies hatte zur Folge, dass diese Weine regelmässig zelebriert wurden. Nicht zuletzt deshalb, weil jeder von seinem Lieblings-Château einen ansehnlichen Bestand im Keller pflegte, welcher an diesen Treffen in wohl erträglichem Masse redimensioniert wurden.

WEIN FÜR DIE EINSAME INSEL?

Ei wie lustig! Fast an jedem Interview wurde mir diese monotone Frage immer wieder gestellt. Begonnen hat dieser Fragezyklus wohl damals, als man vom Mövenpick-Gründer Ueli Prager eine Antwort entlocken wollte. Seine Antwort war kühn, denn er wollte nicht überheblich wirken und gleichzeitig etwas Marketing für seine Moueix-Pomerol Exklusivitäten verstecken. Also war sein einsamer Inselwein der Château Lafleur-Pétrus.

Zu Beginn von diesem stets wiederkehrenden Fragereigen antwortete ich meistens mit «Château Palmer». Lästigerweise hackten dann nicht wenige Journalisten nochmals nach und fragten nach dem möglichen Jahrgang.
Mit der Zeit wurde mir diese Bumerang-Frage zu blöde. Und ich antwortete lakonisch. «Egal was, Hauptsache eine Imperialflasche!». Beim Schreiben dieser Zeilen ist mir heute eine noch primitivere Variante in den Sinn gekommen.

Heute würde ich erwidern, dass ich tendenziell einen Rotwein auf die einsame Insel mitnehmen würde. Und ganz sicher keinen Weisswein. Dann würde ich auf das Nachhacken vom Journalisten warten, weil er dann mich fragen würde, warum es denn kein Weisswein sein sollte.

Und dann hätte ich sofort die passende Antwort parat. «Es ist die traumatische Angst, welche mich immer wieder bei dieser sehr originellen Frage nach dem einsamen Inselwein in nächtlichen Träumen verfolgt. Was mache ich, wenn es dort keinen Kühlschrank gibt?».

PINOT-LIEBHABER ANDRÉ

Er liebt Pinots in allen Facetten.

Dabei zeigt er eine nachvollziehbare Priorität für «richtige Burgunder».

André Kunz mag aber auch das Einfache: «Ich liebe es zu Hause den ganz einfachen, im Stahltank ausgebauten Wein von Denis Mercier zu geniessen. Der ist derartig gut, dass ich dabei fast ausflippe!»







TENERIFFA-FERIENWEIN

Leider war mein Pingus 1999 nicht grad die allerbeste Flasche an diesem Abend.

Aber er weckte immerhin Erinnerungen ...

Wenn wir nach Teneriffa fliegen, nehme ich meistens eine Flasche Pingus oder einen Vega-Sicilia mit.

Den Sylvester 2019 feierten wir mit dem 1999er Pingus. Der gefiel mir wesentlich besser als die mitgebrachte Flasche an unserem Lieblingswein-Abend.

Spontan schrieb ich damals meinem Freund und Pingus-Produzent Peter Sisseck eine SMS und bekam 13 Minuten später postwendend eine freudige Antwort.

MASSETO-UMWÄLZUNG

In Bärtis Weinkeller findet eine permanente «Masseto-Umwälzung» statt. Es vergeht wohl kaum einen Monat, an er nicht eine Flasche an irgendwelche Anlässe mitnimmt. Was bedingt, dass er die getrunkenen Flaschen zwangsweise durch neue, jüngere Jahrgänge ersetzen muss. Für Bordeaux Premier-Grand-Crus gibt der Hobby-Veteranentöffahrer wenig Geld aus. Für Masseto aber schon. Nicht selten bin ich von diesem Umstand glücklicher Profiteur.

An unserem Abend wurde der 2006er zelebriert. Kam gut an.






FETT UND STRUKTURIERT

Diesmal ist der Titel für eine formulierende Beschreibung nicht auf meinem Mist gewachsen. Wenn man im wine-searcher.com nach diesem Harlan 2005 sucht, dann wird er als «Bold and Structured» beschrieben.


2005 Harlan Estate, Napa Valley: Gibt es die Farbe dunkelschwarz eigentlich wirklich? Wenn es diese tatsächlich gäbe, so könnte man diese Deklaration beim Harlan 2005 bedenkenlos anwenden. Die überintensive Nase schiesst in den ersten Sekunden mit Aromen von Cassis-Brombeeren, Black Currant und schwarze Schokolade um sich. Dann folgt Lakritze, Vanillemark, Mocca und Schoko-Minznoten. Er wirkt direkt, frisch, also somit noch blutjung. So geht es im Gaumen weiter. Eine richtige Cabernet-Bombe, welche sich in den Folgejahren noch entschärfen muss. Denn die Tannine sind omnipräsent und passen jedoch absolut zu diesem sehr fleischigen, konzentrierten Kraftakt. Weniger wäre nicht das Maximum und mehr geht da auch nicht. Ein Wahnsinns Napa am Limit dessen, was man in die Flasche füllen kann. 20/20 warten 

GABRIEL’S LIEBLINGSWEINE

Es ist ein Versuch. Dies deshalb, weil die effektive Definition von Lieblingswein nicht schlusshaltig zu definieren ist. Ich kann mich hier auch nicht nur für einen einzigen Wein entscheiden. Denn – der Griff zu einem Wein, welchen man gegenüber anderen etwas bevorzugt ist, auch a.) eine Stimmungssache und b.) hängt die Selektion sicherlich auch vom begleitenden Essen ab.

Hier eine lose Aufzählung meiner aktuellen Lieblingsrotweine. Das sind Flaschen, welche in meinem Weinkeller permanent verfügbar sein müssen. Almaviva / Don Maximiano / Malbec Rutini / Vega Sicilia / Rioja Ardanza / Lynch-Bages / Grand-Puy-Lacoste / Latour / Palmer / Pinot Unique Donatsch / Pinot Felton Road / Dominus / Heitz Martha’s Vineyard.

Der grosse, illustrierte Lieblingsweinbericht auf acht PDF-Seiten www.bxtotal.com

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SO SCHMECKT EIN WIRKLICH REIFER PAUILLAC

Ein spontaner Griff in die immer noch gut gefüllte Original-Holz-Kiste und schon hielt Philippe den 1978 Château Latour in der Hand. Seit seiner Primeur-Anlieferung in diesem tiefen Luzerner Keller gelegen. Perfekt im Füllniveau. Ich durfte ihn entkorken und somit als erster meinen Rüssel ins Gabriel-Glas halten. Na gut, zuerst schaute ich mir den Wein noch an. Respektive die Farbe. Diese war gereift und nicht besonders tief. So mit aufhellenden, ziegelroten Reflexen.

Aus dem Glas duftete es derweil bereits herrlich während dieser Farbenprüfung. Kräuter, Erd-Eisenton, welke Herbstblätter, Restfrüchte; so nach Zwetschgen und roten Pflaumen. Und wieder Kräuter. Dann etwas helles Leder, Zedern, Tabak. Und … schon wieder Kräuter (wilder Rosmarin und Thymian in erster Linie. Ergänzt durch Minze). Ein milder Reigen von einem sehr ansprechenden, immer noch intakten Bouquet. Blind hätte ich wohl eher nach einen Saint Julien gesucht. Ist aber logisch. Wenn die Pauillacs aus einem mittleren Jahr stammen, dann duften diese manchmal nach der Nachbarregion.

Im Gaumen gibt er sich – durch eine lebendige, aber gut integrierte Säurestruktur – recht lange. Weil er so schlank ist, lässt er den Terroir geprägten Aromen so richtig freien Lauf. So kann man sich einen grossartigen Claret (alte Bezeichnung der Engländer für klassische Médocweine) der früheren Zeit vorstellen. Er zeigt auch auf, dass Latour auch in mittleren Jahren über ein beträchtliches Alterungspotential verfügt, ohne den Genuss für einen gewieften Reifweintrinker zu redimensionieren. Da wir ihn nicht dekantierten und er sich spontan so wunderschön präsentierte, würde ich die Karaffe beim nächsten Mal auch im Schrank belassen. Im Markt kostet dieser 43jährige Wein gleich viel wie die neuen Jahrgänge von «mittleren Jahrgängen». Zwei Flaschen habe ich noch. Wenn ich nicht hätte – ich würde einen Kauf riskieren … 18/20    

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MALBEC AM VULLY?

Besuch im Cru de l’Hôpital in Môtier am Vully. Christian Vessaz empfängt uns. Seit 20 Jahren leitet er diesen 13-Hektar-Betrieb. Er reflektiert einen Naturburschen. Und seine Weine reflektieren Dasselbe. Er will keine allgefälligen Nullachtfünfzehn Weine in die Flaschen füllen. Und so artet denn eine Weinprobe mit der aktuellen Verkaufspalette auch nicht in ein spontanes Volksfest aus. Die Weine geben sich jung oft als introvertiert und kommen entsprechend seriös, respektive verhalten ins Glas.

Dies beginnt mit dem Chasselas de Fichillien. Mit einem Verkaufspreis von CHF 18.50 zeigt er auf, dass er sich nicht nur im Preis von seinen Konkurrenten am Vully abheben will. Und wer da einen süffig-fröhlichen Aperowein erwartet, der sollte eigentlich doch eher bei den Nachbarweingütern an die Türe klopfen. Dieser Chasselas und auch die anderen, folgenden Weine sind für Kenner gedacht, welche etwas mehr erwarten. Etwas mehr Entwicklungspotential und auch mehr Kraft als Essbegleiter. So wundert es dann auch nicht, dass viele Sommeliers gerne die Weine vom Cru de l’Hôpital auf deren Weinkarte setzen. In der Referenzenliste zählen da recht viele, sehr angesehene Gastrobetriebe in der ganzen Schweiz zu Vessaz’ treuen Kunden.

In früheren Artikeln habe ich über den sagenhaften Pinot Noir de Mur 2017 (Gabriel 19/20) berichtet. Bei unserem Besuch verkosteten wir den 2018er. Der reflektiert wieder etwas mehr den grundlegenden, klassischen Vully-Charakter und ist jetzt schon eine wahre Duftorgie. Danach folgt logischerweise der 2019, der es dann gut mit einem Clos de la Roche, also einem veritablen Burgunder aufnehmen könnte.

Zum Abschluss kommt der 2018 Malbec ins Gabriel-Glas. Ein violetter Wein. Die Nase zeigt schwarze Pfefferkörner, blaue Frucht (Brombeeren), eine florale Frische, ergänzt Lakritze und feinen Kräutertönen. Im Gaumen wirkt er ziemlich satt, fleischig, fein kernig in der Mitte und endet recht lange. Ein charaktervoller unerwarteter Vully-Wein, der zu jeder angesagten Grillparty passen würde. 18/20.

Malbec? «Im Jahr 2006 habe ich mit dieser Rebsorte angefangen. Wir wollten nebst dem heimischen Pinot Noir nach Alternativen suchen. Pinot ist und soll unser Leader bleiben. Die Kundschaft verlangt aber immer mehr nach kräftigeren Weinen. Wir sind mit der Entwicklung vom Malbec sehr zufrieden. Momentan haben wir keine Konkurrenz, weil wir immer noch die einzigen Anbauer am Vully sind», sagt Vessaz. Der 44jährige Naturbursche. Er tüftelt auch an schwefelfreien Weinen herum. Was ihm sehr gut gelingt. Für Normalverbraucher möglicherweise etwas gewöhnungsbedürftig. Dies gilt auch für weitere «Experimente», welche uns zum Vorverkosten gereicht wurden.

Rund 1'300 Flaschen Malbec füllt Christian Vessaz jährlich ab und mit 44 Franken ist man bei dieser Rarität dabei. https://cru-hopital.ch

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REIFE MERLOT – AUS ALLER WELT
 
Es geht hier um die weltweite Nummer zwei unter den roten Traubensorten. Der Merlot liegt nämlich anbaumässig an zweiter Stelle hinter dem «Sieger» Cabernet Sauvignon. Rund 280'000 Hektar Merlot beträgt die gesamte Anbaufläche. Gefolgt von der Nummer Drei, dem Tempranillo.

Stammen soll der Merlot, der dort auch Merlot Noir genannt wird, aus der Bordeaux Gegend. Eine erste schriftliche Erwähnung findet sich im 14. Jahrhundert. Zu jener Zeit hiess der Merlot noch «Crabatut Noir». Damals galt er noch als Sekundärsorte.
Seit 1784 trägt er den forthin beständigen Namen Merlot und ist die meistangebaute Rebsorte im ganzen Bordelais. Es mag heute erstaunen, dass er auch im Médoc im 19. Jahrhundert prioritär verbreitet war. In seinem Werk «Ampéliographie Française» von Victor Rendu findet sich 1857 erstmals eine komplette Beschreibung dieser Rebsorte.

Im Tessin ist der Merlot erst seit 1905 präsent.

PARTNER VON VIELEN KREUZUNGEN

So beliebt wie der Merlot auch ist, man kann ihn nicht überall anbauen. Durch Kreuzungen erreicht man eine Anpassung an klimatische Verhältnisse in anderen Regionen / Ländern. So registrierte man in letzter Zeit Kreuzungen von 51 Neuzüchtungen.

Diese Klone tragen zum Teil recht eigenwillige Namen wie: Artzebat, bruni 360, Bruni 452, Karminrot, Cosmo 97, Cosmo 108, Cosmo 109, Cosmo 110, Cosmo 111, Dimitra, Ederena, Evmolpiya, Ferradou, Fertilia, Hongzhilu, Incrocio Terzi 1, Mamaia, Margot, Meichum, Meinongs N, Meiyu, Mendeleum, Mendioberena, Merlan, Merlese, Merlot Blanc, Merlot Kanthus, Merlot Khorus, Meynieu 6-8, morela, Negru de Yaloven, Nigra, Plamennyi, prodest, Proffessor Guzon, Rebo, Rigotti 81-6, Rigotti 95-5, Rigotti 125, Sennen Vesna, VRH 1-11-82, VHR !-28-82, VHR 1-34-82, XIV 11-57, Yama Merlot. Sie wurde auch für Züchtung von Unterlagen verwendet wie Millardet & Grasset 11, 12, 21, 23 und 27.


MERLOT, KUTTELN & SIDI BARRANI

Den Merlot habe ich bis hierhin ausreichend beschrieben.

Kutteln sind grundsätzlich nicht besonders mehrheitsfähig. Unter der älteren Generation ist die Akzeptanz wesentlich grösser. Zudem kann man dieses leckere Innereien-Gericht mit Fug und Recht als eigentliche Männerdomäne betrachten. Meine Kutteln (Bild oben) sind bei den Gästen immer sehr beliebt.

Unter den Schweizer Kartenspielen ist der Sidi Barrani schon fast eine Königsdisziplin. Es ist ein ziemlich komplexer Jass. Noch komplizierter wird es, wenn man ihn mit einem Doppelkart spielt. Da werden die Sechser, Siebner und Achter entfernt und jeder Teilnehmer spielt mit 12 Karten. Der Spielmacher wird durch ein ausgetüfteltes System von Anbieten evaluiert.

CALIX: WENIG BEKANNT UND RAR

Das Weingut Calix besuchte ich vor vielen Jahren. Der Besitzer, Dottore Carlo Solca führte uns persönlich durch den wenig bekannten Betrieb. Was mir auffiel, das Lager an unverkauften Weinen war riesig. Als ich den Besitzer darauf ansprach meinte er, dass seine Weine Zeit brauchen würden. «Wenn man diese zu jung trinkt, dann man versteht man den Calix nicht». Es gelang mir ein paar Flaschen irgendwo auszutreiben und ich war jetzt wirklich überrascht, wie jung sich dieser mehr als 30jährige Merlot noch zeigte.

Im Markt fand ich kein einziges Angebot. Nur in diversen Weinkarten taucht er ab und zu auf.  Zum Beispiel in einem meiner Tessiner Lieblingsrestaurants im Grotto Fossati.

 
1997 Merlot Calix, Podere Bressanella, Morbio Inferiore: Immer noch recht jugendliches Rubin. Das Bouquet duftet nach Rosenpfeffer und roten Beeren, wirkt zu Beginn sanft trocken, gibt sich immer noch aktiv. Im Gaumen merkt man, warum er immer noch so jugendlich daherkommt. Dies, weil eine gewisse Säurestruktur den Wein immer noch etwas beherrscht. Gleichzeitig verleiht dieser Effekt diesem Calix auch eine ansehnliche Länge. Zeigt mehr Kochen wie Fleisch und wirkt so asketisch. Ideal als Essbegleiter. Konnte sich lange an der Luft halten. Bravo! 18/20 trinken

EINE WUNDERSCHÖNE MAGNUM

Das war ein idealer «Kuttelwein». Tessiner Merlots sind prädestiniert für dieses Gericht.

2010 Merlot Sassi Grossi, Gialdi Mendrisio: Magnum. Helles Weinrot mit ziegelrotem Schimmer. Zeigt immer noch erstaunlich viel rotbeerige Frucht, so in Richtung Himbeeren Grenadine und roten Kirschen. Ein laktischer Touch gibt ihm einen weichen Ansatz und vermittelt Spuren von dezentem Caramel von den Barriques. Im Gaumen saftig, elegant und schon fast unverschämt süffig. Hier stimmt momentan alles und der Wein bietet einen wunderbaren Genuss. Was aber auch heisst, dass man da auf gar nichts mehr warten soll. Sassi Grossi – immer ist ein zuverlässiger, sehr guter Wert.  18/20 trinken

Die ganze Merlotausallerweltgeschichte ... www.bxtotal.com

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2011 BORDEAUX, TEN YEARS AFTER
 
In erster Linie geht es hier nicht um Musik. Obwohl die Hälfte vom Titel auf eine bekannte englische Musikgruppe hinweist. Es geht um Wein. Um roten Bordeaux vom Jahrgang 2011. Insbesondere wie sich dieser heute, nach zehn Jahren so präsentiert. Im Rahmen einer kleinen Weinwanderung verkosteten wir rund ein Dutzend Weine über alle wichtigen Appellationen verteilt. Ein paar Crus degustierte ich schon ein paar Tage zuvor. Es war - das muss man leider hier anfügen - mehr Arbeit wie Vergnügen. Und selbst angesehene Marken wurden nicht ausgetrunken. Zu viel Gerbstoff und extensive Vinifikationen vertragen sich halt leider schlecht. 

VERSTARB AM TAG VOR DER ERNTE

Mit dem Jahrgang 2011 ging auf Calon-Ségur eine Ära zu Ende, denn just am Tag vor der Ernte verstarb Denise Capbern-Gasqueton im Alter von 87 Jahren. Sie verkörperte mit ihrer rigiden, ja strengen, unbeirrbaren Art das Wesen ihres Weins. Ob sich in der harten Schale auch ein möglicherweise weicher Kern befand, konnte ich nie evaluieren. Sie war zu Mitarbeitern und Besuchern gegenüber wohl gleich streng. Meinen Namen konnte sie sich nie merken, also war ich zeitlebens für sie der «Monsieur Mövenpick».

2011 Château Calon-Ségur, Saint-Estèphe: Sattes Purpur, am Rand Rubin. Nobles Bouquet, gibt sich recht tiefgründig, feine Rauchnoten, dunkle Pflaumen, Edelhölzer. Auch im zweiten Ansatz immer noch nobel. Feiner Gaumen, fast seidige Tannine, gute Balance, Black Currant und Lakritze im mittellangen Finale. Hat mir sehr, sehr gut gefallen. Wer jetzt einen trinkreifen, recht grossen und besonders eleganten Bordeaux sucht, ist hier bestens bedient. 18/20 trinken








SINGING MOUTON?

Es ist immer wieder spannend die eigenen Eindrücke von der Fassprobe mit späteren Begegnungen zu vergleichen. Bei grossen Weinen versuche ich am Schluss immer eine Konklusion anzubringen. Im April 2012 schrieb ich: «Im Gegensatz zu Lafite und Latour weiss man hier, was man hier in etwa 12 Jahren zu erwarten hat; nämlich einen wunderschönen Singing-Mouton!»

2011 Château Mouton-Rothschild, Pauillac: 90% Cabernet Sauvignon, 7% Merlot, 3% Cabernet Franc. Kräftiges, sehr dunkles Weinrot, sattes Purpur. Intensives, komplexes Bouquet, deutliche Röstaromen, Kaffee, Cassis, Backpflaumen und Malz. Imposant im nasalen Ansatz und eine klare Cabernetsüsse ausstrahlend. Im Gaumen fleischig und stoffig zugleich. Eine erstaunliche Konzentration aufweisend. Blind hätte ich ihm ein grösseres Weinjahr attestiert. Also ein Wein, der über den Erwartungen liegt. Oder war es dann letztendlich doch eine Frage des Terroirs auf der Médocseite? Er hat sich sehr gut entwickelt und bietet jetzt und wohl noch mindestes 20 weitere Jahre eine grosse Freude. Gegenüber Fassprobe runde ich jetzt – sehr gerne – auf. Es war der teuerste Wein dieses Abends. So ab 500 Franken ist man dabei. 19/20 beginnen

MONTROSE UND SÜLZE

Vorglühen? Das nennen die Jugendlichen so, wenn man sich antrinkt, bevor man in den Ausgang geht. Das kommt billiger. Hier war es einfach so, dass Piet einen 2011er mitnahm zu unserer Januar-Jasspartie. Und genau dieser Montrose passte dann bereits für den ein Wochen später entstandenen Artikel. Und auch die hausgemachte Sülze von Rose Rast passte zum Montrose. Wenn’s passt, dann passts!

2011 Château Montrose: Das erste Mal im Glas nach der Fassprobe! Wunderschön leuchtendes Granat mit dezent lila Schimmer. Aromatischer Nasenbeginn. Will heissen; er ist im Moment zugänglich. Florale Noten, Pumpernickel, schwarze Oliven, rote Pflaumen, coole Cabernetanzeige. Vor allem – es duftet nach klassischem Bordeaux in der Nase. Im Gaumen einerseits erste Rundungen zeigend und andererseits noch fleischige Gerbstoffe aufweisend. Kein massiver Montrose, aber ein wunderschöner Vertreter eines immer mehr unterschätzten Jahrganges. Ich denke, mit etwa zwei Stunden dekantieren bringt man ihn in Form. 18/20 beginnen

GABRIEL’S MÖVENPICK TIPP

Wenn ich eine Empfehlung mache, dann kaufe ich auch für meinen Keller. Vom Domaine Andron 2011 postete ich für Mövenpick rund 30'000 Flaschen. In Europa gibt es von diesem Wein nur noch grad einen Anbieter. In Holland wären noch ein paar Flaschen für rund 30 Franken zu haben.

Nach Holland führt auch die Spur der damaligen Besitzer. Mit der Hoffnung einen grossen Wein herzstellen zu können und allenfalls auch Geld damit verdienen zu können, startete dieses kurze Projekt. Doch wenig Ertrag, externe Berater und recht viel neue Barriques machen noch keine garantierte Erfolgstory aus. Nach vier Ernten resignierte die Investorengruppe und heute gehört dieses sieben Hektar kleine Weingut im Dörfchen Saint-Seurin de Cadourne einem Chinesen.

2011 Domaine Andron, Haut-Médoc: Sehr dunkle Farbe, satt in der Mitte, gegen aussen in vollem Granat. Das Bouquet ist erstaunlich zugänglich, zeigt rote Pflaumen, fein hölzerne Töne und lädt dabei wunderschön aus. Samtene Textur im Gaumen, weich im Fluss und eine ausgeglichene Harmonie zeigend, im Finale feine Caramel-Schokospuren. Dieser Andron bereitet jetzt – zumindest im Augenblick – schon unerhört Spass. Also scheint er sich in einer soliden Genussphase zu befinden. Bei Mövenpick hatten wir den in der Subskription für 18 Franken angeboten. Damit ist / war dies ein toller Wert. 18/20 trinken

2011 Château Angélus, Saint-Emilion: Immer noch sehr dunkles, jugendliches Granat mit dezent violettem Schimmer im Innern. Ein zugeschnürtes Paket von Aromen in der Nase, schwarzbeerig, Lakritze, Black Currant und Pumpernickel Brot. Das Nasenbild ist imposant und zeigt eigentlich einen viel grösseren Jahrgang an. Im Gaumen geht es genau so weiter. Ein Kraftpaket mit einer vollbepackten Vinifikation. Hier wurde an der Grenze des Möglichen gearbeitet. Fordert dies jetzt seinen Tribut? Eigentlich schon. Vor allem, wenn man ihn jetzt schon angehen will. Wer aber wartet, kann vielleicht noch ein mittleres Angélus-Wunder erleben. Hoffentlich! 18/20 warten




MEHR SAFT WIE KRAFT

I’m loving it! Angélus und Pavie taten im Gaumen fast weh. So brutal waren die körnigen Gerbstoffe noch. Diese beiden Crus standen damals genau ein Jahr vor der mittlerweile wieder in Frage gestellten Ernennung zum Premier «A».  

Der Château Figeac ist noch nach gewohnter Manier entstanden. Mit begleitender, aber nicht eingreifender Vinifikation. Die genaue Assemblage konnte ich weder auf der offiziellen Webseite www.chateau-figeac.com evaluieren, noch im Netz. Es dürfte sich um einen «Drittel-Blend» von Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon handeln.  

Gemessen daran, dass Figeac in letzter Zeit sehr viel teurer geworden ist, wäre der aktuelle Marktpreis von ca. 130 Franken eigentlich ein sehr guter Genusswert.

2011 Château Figeac, Saint-Emilion: Mitteldunkles Weinrot, minimster Reifeschimmer. Wunderbarer Reigen von würzigen Früchten und Gewürzen. Nach dem ein paar schier bockigen Saint-Emilions war er nasal grad eine Erholung. Auch wenn die Cabernettöne zu Beginn halt etwas grünwürzig daherkommen. Der Makel wir durch eine nonchalante, feine Süsse ausgeglichen. Im Gaumen charmant, saftig balanciert und mit einem bereits angedeuteten Trinkfluss ausgestattet. Es muss nicht alles immer überreif sein. Und es darf auch mal etwas reserviert, respektive floral sein. Der Spass macht es aus und das Bekenntnis den Jahrgang einfach so wie er letztendlich ist vom Rebberg bis in die Flasche zu begleiten. Luft tut ihm gut. Für mich war dies der fraglos schönste Saint-Emilion an diesem Abend. Auch noch nach dem dritten Glas. 18/20 trinken

DER TEUERSTE BORDEAUX 2011

Wie schon so oft liefern sich die beiden Pomerols Le Pin und Pétrus im Markt ein Kopf an Kopf Rennen. Beide liegen deutlich über 2000 Franken bei der Normalflasche.
So richtig teuer wird es dann, wenn man sich eine Imperiale vom Château Pétrus 2011 in den Keller legen möchte. Der Tessiner Weinhändler TopWines Switzerland SA bietet eine Sechsliterflasche zu CHF 70’359 an. Plus Zoll, Transport und Mehrwertsteuer. Santé!
















KIRSCHTORTE UND SAUTERNES?

Die Meinungen, ob diese zwei Kontrahenten zusammen passen würden gingen in der Vordiskussionen reichlich auseinander. Letztendlich gilt auch da immer wieder der Spruch; «erlaubt ist, was gefällt». Diese Flasche sponsorte der Château Besitzer, der zufällig auch grad am Kellertisch sass.

2011 Château Lafaurie-Peyraguey, Sauternes: Leuchtendes Goldgelb. Intensives Bouquet nach Akazienhonig, Orangenzesten, Mirabellen und einem Hauch von Quitte. Einerseits üppig, andererseits auch sehr facettenreich. Im Gaumen cremig, füllig und deutlich den Reichtum dieses grossen Jahrganges anzeigend. Momentan scheint er sich wieder etwas zurückzuziehen, um dann in ein paar Jahren wieder richtig loszulegen. Grosser Sauternes! 19/20 beginnen

Bordeaux 2011 auf 10 PDF-Seiten mit vielen Fotos und Hintergrundinformationen: www.bxtotal.com

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POMEROL-QUARANTÄNE-TASTING

Es ist Januar im neuen Weinjahr 2021. Draussen wütet der Corona-Sturm nach wie vor. Er schleudert nicht nur mit Viren um sich, sondern fördert auch eine partielle Einsamkeit. Weinreisen habe ich schon lange storniert. Veranstaltungen hatte ich letztes Jahr noch mutig verschoben. Jetzt nehme ich diese alternativlos vom Netz und zahle bereits errichtete Teilnahmegebühren wacker zurück. 

Irgendwie habe ich die Hoffnung auf eine baldige Normalität so langsam, aber sicher aufgegeben. Aufgeben müssen!
Die behördlichen Einschränkungen gehen aber glücklicherweise nicht so weit, dass der Weingenuss als Solches verboten wurde. Lediglich die empfohlene Personenanzahl wurde redimensioniert. 

Im Jahr 2020 publizierte ich auf meinem Webportal www.bxtotal.com 56 PDF-Artikel mit einem Umfang von 244 A4-Seiten. Also war dies fast ein Weinbuch für sich. 

Diese informativen Lieferungen werden wohl heuer wesentlich spärlicher ausfallen. Das liegt leider in der Natur dieser üblen Sache. 
Trotzdem gibt es ein paar geplante, private Treffen mit ein paar Weinfreunden. Darüber werde ich weiterhin berichten. 
Am 6. Januar hatte ich beschlossen keinen Dreikönigskuchen zu kaufen, sondern am Abend einen Pomerol zu entkorken. Es war eine sehr gut erhaltene Flasche vom 1979 Château Latour à Pomerol. Um diese Flasche zu selektionieren, surfte ich in meinem Weininventar nach einer passenden Beute zum Abendessen (Poulet Involtini). Beim Scrollen bliebt ich in der Excel-Datei in der Region Pomerol hängen. 

Aufgrund meines Jobs als Einkaufschef bei Mövenpick war die Appellation Pomerol immer schon weit oben auf der Prioritäten- Einkaufsliste. Schon seit mehr als fünfzig Jahren besteht seitens Mövenpick eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Hause Moueix (Trotanoy, Hosanna, La Fleur-Pétrus etc.). Viele dieser Top-Pomerols darf Mövenpick bis heute exklusiv in der Schweiz anbieten. Um die Kunden für diese Weine zu begeistern brauchte ich nie viel zusätzliche Energie, denn ich war vor, während und auch heute noch ein Kunde und Geniesser dieser «burgundischen Bordeaux» aus dem Libournais.

Einen Tag später legte ich am Nachmittag ein Kaninchenragout in eine Schmorpfanne. Mit allerhand Gemüsen, kleinen Kartoffeln und frischen Kräutern. Etwas Weisswein, Demi-Glace und Olivenöl gehörten natürlich auch noch dazu. Logischerweise kam dabei eine Vision auf, dass dazu ein passender Rotwein ins Gabriel-Gold-Glas gehörte. Nach einer Weile fasste ich einen Entschluss, welcher fortan als Fundus für diesen Artikel dienen sollte. 

Genauso wie man sich jeweils anfangs Jahr gute Fortsätze fasst, entschloss ich mich nämlich dazu, in den nächsten Wochen immer wieder in die Pomerol-Ecke im Weinkeller zu schleichen und die genossenen Erlebnisse an dieser Stelle kund zu tun. 
Ergänzt mit ein paar Pomerol-Begegnungen der letzten Monate. Mit Informationen rund um Pomerol. Und ein paar Reminiszenzen aus früheren Weinzeiten.

So gesehen handelt es sich hier natürlich um kein «Tasting» im eigentlichen Sinne, wie dies im Titelbild versprochen wird. Sondern eine Art «kleiner Wein-Marathon», verteilt über viele, genüssliche Tage.   

Hier ein kleiner Auszug. Die Story mit 19-PDF-Seiten findet man wie immer auf www.bxtotal.com
  

MEIN ÄLTESTER POMEROL

Meine Erlebnisse mit «anderen Bordeaux-Weinen» gehen bis 1784 zurück.

Doch aus dem Libournais hatte ich bisher nur weit «jüngere Weine» getrunken.

1900 Château Pétrus: Château-Füllung, Georges Gurchy. Getrunken 1998 im Hotel Königshof in München. Links im Glas war der Mouton-Rothschild des gleichen Jahrganges! Da soll noch einer behaupten, dass Weine, die fast ausschliesslich aus Merlot-Trauben stammen, nur ein mittelfristiges Alterungs-potential besitzen: Die Farbe ist völlig intakt; zeigt Granatschimmer und ist mit einem 70er Jahrgang durchaus vergleichbar. Offenes, zuerst konzentriert schlankes Bouquet, dann weiter öffnend mit immer mehr Duftfacetten; ein Spiel von roten Beeren, Melisse, Minze und Eisenkraut. Nach drei, vier Minuten klingt die Frucht etwas ab und vermischt sich mit intensiven Terroirnoten von hellem Leder und dominikanischen Tabak. Im Gaumen wirkt die Frucht derart primär, dass eine dropsartige Note auf dem konzentrierten Zungenextrakt entsteht. Gerbstoffresten stützen den wuchtigen Körper und katapultieren den schier unergründlichen Aromenreichtum weit ins gebündelte Finale. Ein sensationelles Weinerlebnis, welches auch noch beim Entkorken nach einem weiteren Jahrzehnt wohl in ähnlicher Form stattgefunden hätte. Jahrhundertwein! 20/20 austrinken






NEU KONSTITUIERTER CRU
  
Christian Moueix hat seinen La Fleur-Pétrus in der letzten Dekade ziemlich umgekrempelt. Dieses Weingut besteht neu auf drei Blöcken. Aus dem alten Teil. Aus dem Zukauf von Château Guillot und aus dem ehemaligen Certan-Marzelle. Die grosse Geschichte mit einer Vertikale von 1950 bis heute dazu liefert bxtotal.com / 2015. 

1971 Château La Fleur-Pétrus: Mittleres Weinrot mit aufhellendem, orange-braunem Rand. Der erste Eindruck ist zwar ein paar Sekunden lang beerig-süss, aber auch modrig zugleich. Ein Wechselbad der Gefühle; kandierter Honig, Wildleder, Kräuter, aber auch Töne, welche auf einen «alten Barriquepark» hinweisen. Ich kenne solche Mufftöne und weiss, dass diese mit längerem Luftzutritt abklingen. Abklingen können. Dies ist dann auch der Grund weshalb früher viel mehr dekantiert wurde als heute. In der Fachsprache heisst dieser Akt «dem Wein Luft geben». Wenn ein partieller Mief mitschwingt, dann nenne ich diesen Vorgang «Entstinken». Wichtig ist, dass man in einem solchen Moment nicht gleich auf Korken tendiert und den Wein enttäuscht wegschüttet. Ich liess das Glas einfachmal in Ruhe stehen und näherte mich ihm erst nach einer guten Viertelstunde wieder. Jetzt überwogen die Kräuter in Form von Tannenbart, getrocknetem Salbei und frisch gebrochenen Rosmarinnadeln. Im Untergrund kam eine defensive, rotbeerige Süsse auf, welche so in Richtung Preiselbeeren und Waldhimbeeren deutete. Bis zu diesem ersten Schluck waren also bereits rund 20 Minuten vergangen. Geduld bringt Rosen. Zumindest Moschusrosen in diesem Falle. Der Gaumen gefällt von Beginn weg, saftig, lang, balanciert. Hier gibt sich die generelle Süsse präsenter, zeigt Malz, dunkles Caramel, Kandis. Gegen das Finale schmeckt es nach feuchten Edelhölzern und nach Pflaumensaft. Auch hier sind vielschichtige Kräuternoten ein ständiger Begleiter. Der Wein klingt erhaben und recht lange nach. Wer’s nicht weiss: 1971 war nur im Pomerol wirklich gross. Und das zeigt dieser klassische La Fleur-Pétrus wunderbar. Wieder einmal mehr muss ich hier bekennen, wie sehr ich gereifte Pomerols aus dieser Zeit liebe. Auch wenn die heutigen Weine aus dieser Region – und von diesem Château – logischerweise viel perfekter vinifiziert daherkommen. 19/20 austrinken

DER BESTE 1978ER VOM LIBOURNAIS? 

Mein verstorbener Patrick Bopp mochte ihn. Als ich diesen La Croix einmal bei mir zu Hause servierte, flippte er fast aus. 

Zu einem Kartenspiel-Abend mit André Kunz und Baschi Schwander kredenzte ich meine letzte Flasche von diesem tollen Pomerol. Als wir ihn tranken, prosteten wir dem Patrick zu. 
Hab’s gut im Weinhimmel, lieber Freund! 

1978 Château La Croix: Zeigt keine besonders tiefe Farbe, so ein mittleres Granat. Nur am Rand sind ziegelrote Reflexe zu erkennen. Also gibt er sich jünger als er ist. Die Nase ist cool. Will heissen; er dokumentiert das nicht ganz ausgereifte Jahr 1978 in Form von Blättern, grünem Paprika, roten Pflaumen, etwas Kampfer und frischen Ledernoten. Doch grün ist er nicht, sondern faszinierend mit seinem tieferdigen Schichten. Irgendwie gibt er sich minzig mit Untertönten von Kochschokolade und Kümmelnoten. Dann wird er süsser und zeigt reife Datteln, Malz und kalter Darjeeling Tee. Mit jedem neuen Kontakt setzt er mit feinen besonders würzigen Aromen nach. Im Gaumen gibt er sich durch seine mittlere Konzentration elegant, saftig, lang und gut balanciert. Die feine Säure stützt den jetzt möglicherweise fragil werdenden Körperbau. Das Finale schlank, dafür aromatisch. Ein einzigartiger, ganz besonderer Wein aus dem sehr schwierigen Jahr 1978. Für mich ist er besser als Cheval, Ausone und Pétrus in diesem Jahr. Das will a.) was heissen und b.), dass der immer noch wenig bekannte La Croix nicht selten für eine veritable Überraschung gut ist. 18/20 austrinken

POMEROL FÜR DIE BOLOGNAISE

Aus für den Certan-Marzelle! 1998 erwarb Christian Moeuix – zusammen mit dem ehemaligen Certan-Guiraud die Parzellen von Certan-Marzelle. Er verpasste ihm ein neues Etikett und lancierte ihn als 100%igen Merlot. Mit mehr oder weniger Erfolg. I
m Rahmen der «Flurbereinigung» von Château La Fleur-Pétrus wurde das Projekt nach dem Jahrgang 2011 eingestampft. Nun ist er neu als fix integrierter Bestandteil in der Assemblage von Château La Fleur-Pétrus zu finden.   

Auf unserem Bild links wird eine ziemlich mässige Flasche vom Jahrgang 1971 durch Karin in einer Bolognaise-Sauce «veredelt».  


Auf dem Bild links ist auch noch der 1971 L'Eglise Clinet. Der ist auf www.bxtotal.com beschreiben. 1990 Gazin würde ich gerne noch kaufen.  Bitte um Angebote ...

1990 Château Gazin: Mittleres, etwas matt daherkommendes Purpur, satte Mitte. Geniales Bouquet, immer noch florale Noten, minim primäre Züge, Kokos, Vanillin und immer noch viel Cassis und sogar Heidelbeeren. Also noch unglaublich fruchtig für einen 30jährigen Pomerol. Im Gaumen delikat, saftig, tänzerisch und auch hier wieder mit und glaublich jugendlichen Aromen-Reflexen aufwartend. Was erwartet man von einem ganz grossen Wein? Finesse und Power! Dieser Gazin hat das. Heute noch und wird es wohl noch ganz lange mit sich tragen. Ein emotioneller Schluck eine fast perfekten Pomerols. Wenn ich wählen könnte zwischen dem 1989er und 1990er, würde ich momentan gerne den Letzteren wählen. 19/20 trinken  

ISLAY WHISKY MIT PÉTRUS-FINISH
 
Schon zwei Mal durfte ich auf Islay bei der Bruichladdich Distillerie zwecks eines Besuches an die Türe klopfen. Freunde von mir kaufen da regelmässig ganze Fässer, um diese dort reifen zu lassen.

Die sich heute im Besitz von Rémy Cointreau befindliche, wiederbelebte Distillerie verfügt über eines der grössten Whiskyangebote der Welt. Der Reigen ist so gross, dass zuweilen auch eine gewisse «Verzettelungsgefahr» besteht.  

Der CEO Simon Coughlin gilt als innovativer Vermarkter. So findet man denn (falls noch erhältlich) einen Octomore 04.2 auf dem Markt, welcher in Fässern von Château Pétrus ausgebaut wurde. Die Fassstrenge beträgt 61 Volumenprozente. Das schlanke 70cl-Flacon ist für 595 Franken tarifiert. 

ALLES SCHÖPPLI ODER WAS?

«Schöppli», sagen wir Schweizer zu den kleinen 3.75-Deziliterflaschen. Eigentlich ist das ja eine «halbe Normalflasche». Der Begriff Schoppen geht aber ziemlich weit …  

Ein Schoppen kommt von «Schöpfen». Es ist / war ursprünglich ein Gefäss für Flüssigkeiten. 

Der französische Schoppen (la chopine, chaupine, chopaine) entsprach 476,073 Milliliter (= 1⁄72 Kubik-Königsfuss), sonst meist 1⁄100 bis 1⁄120 normale Kubikfuss. Somit entsprach die damalige Schoppen-Menge zwischen einem Viertel- und einem halben Liter.
 
Im deutschsprachigen Raum umfasste der Schoppen im 19. Jahrhundert in Baden und der Schweiz 0,375 Liter. In Württemberg 0,459 Liter und in der Pfalz 0,564 Liter. Vor der von Napoleon veranlassten, im Frühjahr 1812 durchgeführten Vereinheitlichung der Masse in den Staaten des Rheinbunds, entsprach der Schoppen 0,7 Liter. In der Stadt Rastatt hatte der Schoppen im Jahr 1615 noch
2,3 Liter (!), was damals eines der grössten
Weinmasse in Deutschland war. 

Als die nichtmetrischen Masse im Süden von Deutschland 1872 von den metrischen abgelöst wurden, galt bis 1884 der Schoppen als offizielle Bezeichnung für 0,5 Liter. In der Schweiz war der Schoppen (0,375 l) bis 1877 amtlich. Heute ist die gleiche Menge eine EU-Norm für «halbe Normalflaschen».   

Die Verkostungsnotizen zu diesen drei halben Flaschen findet man auf www.bxtotal.com 

MERLOT IS BOORING

Michael Broadbent war der bekannteste und einflussreichste Weinautor der Nachkriegszeit vor Robert Parker. Der gebürtige Engländer kam im Jahr 1927 auf die Welt und verstarb im März 2020 im Alter von 93 Jahren. Zunächst war Broadbent Weinhändler und publizierte nebenbei seine Weinnotizen in Buchform. Von 1952 bis 2004 sind 133 Editionen erschienen. Sein grosses Buch «Weinnotizen», welches auch auf Deutsch im Hallwag-Verlag erschien habe ich buchstäblich verschlungen. Es war lange Zeit das einzige tiefgründige Nach-schlagewerk für grosse Bordeauxweine. 

Seine Ausbildung schloss er 1960 mit dem Titel Master of Wine ab. Von 1966 bis 1995 war der Senior Director vom Auktionshaus Christie’s in London. Regelmässig publizierte er Artikel im Vinum und im Decanter. 

Ich begegnete diesem weinigen, feinen Weinmann der noblen englischen Art mehrere Male. Einmal, als es um die Begutachtung der legendären Thomas-Jefferson-Flaschen in Zürich ging. Dann am Wochenendevent «Rund um den Wein» am Vierwaldstättersee und 1998 war er auch mit von der Partie in München, als Hardy Rodenstock eine Woche lang 125 Jahrgänge von Château d’Yquem entkorken liess. 

Er machte keinen Hehl daraus, dass er die «Clarets», also die Weine mit vorwiegendem Cabernet-Anteil lieber mochte. Damit sind die Crus vom «linken Ufer» gemeint. Also von Graves bis Saint-Estèphe. Besonders von ihm geliebt wurde Château Lafite. Hier vergab er, für manchmal recht schwache Jahrgänge, oft mehr Sterne als mit persönlich lieb war. 

Mit den merlotlastigen Weinen aus Libournais konnte er es nicht so richtig. So schrieb er einmal das berühmt gewordene Zitat: «Merlot is booring». (Merlot ist langweilig).    

HUNDERTPROZENT MERLOT

So viele «reinrassige» Merlots gibt es in Pomerol nur wenige. Wenn man an die ganz grossen heranpirschen will (Le Pin & Pétrus) dann muss man zuerst im Lotto gewinnen, wenn man sich eine Flasche leisten will. Hier ist eine echte Alternative unterwegs. 
 
2011 Château La Fleur de Gay: Unglaublich dichte und noch absolut jugendliche Farbe; Purpur mit violettem Einschlag. Von der ersten Sekunde an zeigt dieser fast überfruchtige Wein Beeren in jeglicher vorm. Vor allem Himbeeren und Waldhimbeeren, auch Cassis und Holunder. Sehr präzise ausgerichtet und immer noch mit unglaublich viel Primär-Aromen unterwegs. Im Gaumen stoffig, konzentriert und noch wenig gereift. Da die Gerbstoffe aber fast seidig-fein sind, bereitet er wohl heute grad mal eine erste Genussfreude. Vor fünf Jahren bockte er nämlich noch. Als Fassprobe taxierte ich ihn mit 19-Punkten und dieses hohe Niveau dokumentiert er heute garantiert. 19/20 beginnen

P.S. Der La Fleur-de-Gay ist ein relativ junger Pomerol. Er entstand aus einer Parzellen-Separation aus La Croix-de-Gay im Jahr 1982. Bis heute befinden sich beide Crus im Besitz der Nachfolger der Familie Lebreton, welche im Jahr 1477 im Dorf Pomerol ankamen. Handel mit Wein wurde seit 1772 betrieben. 

19 Seiten, voll mit Pomerol bepackt: www.bxtotal.com

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UNDERSTANDING POMEROL?

Pomerol kann vieles, aber nicht alles sein. Grundsätzlich «regiert» die Traubensorte Merlot in dieser Appellation. Wenige Weingüter setzen zu 100% auf diese Rebsorte. Die bekanntesten sind Le Pin und Pétrus.  

Der Merlot Noir, oder auch nur Merlot genannt, hat in den letzten Jahren markant an Anbaufläche zugenommen. Hinter dem Cabernet Sauvignon ist der Merlot die weltweite Nummer Zwei mit einer Anbaufläche von geschätzten 280'000 Hektar.

Der Merlot verleiht einem Wein Fülle, ein Synonym von Süsse und gibt sich charmanter in den Gerbstoffen wie der Cabernet.
Doch Cabernet spielt aber auch in Pomerol eine Rolle. Zum Einsatz kommt in der Regel der Cabernet Franc, welcher nach dem Merlot austreibt, blüht und geerntet wird. Er kommt vor allem auf kiesigen Böden zum Einsatz. Spitzenreiter ist hier Château Lafleur mit einem Anteil von etwa 50%.

Die meisten Weingüter weisen im Blend etwa 80% Merlot und 20% Cabernet Franc auf.

Im Grundbuch von 1741 erscheint der Weingutsname Fazilleau und der Besitzer ist die Familie Libourne Léglise.

Um die Wende der 19. Jahrhunderts wechselte das Anwesen zu einem Anwalt mit dem Familiennamen Isambert.

EVANGILE HIESS FRÜHER FAZILLEAU

1862 erwarb Paul Chaperon das Weingut, welches jetzt den Namen L’Evangile trug.
Die Nachkommen, die Familie Ducasse, blieben Besitzer bis im Jahr die Domaines Barons de Rothschild (Lafite-Zweig) das Weingut im Jahr 1990 erwarben und einen neuen, ziemlich auffälligen Keller bauten.

1998 Château L’Evangile: Marktwert knapp unter 300 Franken. Mitteldunkles Weinrot, innen mit Purpur-Reflexen, am Rand mit minimen Reifetönen. Zaghaftes Bouquet, geht primär in die Tiefe und liefert ordentlich Cabernet-Franc-Würze, sanft tintig im Ansatz Lakritze, Nelkenköpfe, getrocknetes Rosenholz. Spannend ist es vor allem diesen beruhigenden Pomerol zu Verfolgen. Im Gaumen sehr stoffig und im Extrakt auf eine konzentrierte Fleischration aufweisend. Ausgeglichene Adstringenz, nachhaltiger Druck im Finale. Hier vereinen sich Power und Finesse. Ein grosser, langlebiger Evangile-Klassiker. Wenn er seinen noch etwas gerbig-sandigen Fluss mit weiterer Flaschenreife verfeinern kann, dann kommt er auf Zielkurs. Momentan gibt er sich – auch nach längerem Dekantieren – introvertiert und hat Mühe aus sich herauszukommen. 19/20 beginnen

Ein toller Werin und doch der schwächste an diesem Abend. Wie Trotanoy und Eglise-Clinet schmeckten? Besser!

www.bxtotal.com weiss es!

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CHÂTEAU MARGAUX & BURGUNDER PFANNE 

Besuch von Jürg Richter. Er versteht sich mit Münzen und mit Wein. Und deshalb hat er diese innigen Vorlieben zum erfolgreichen Geschäftsmodul gemacht. 

Wir hatten was zu besprechen. Wegen der Weinbörse. Jürg hat dieses Jahr den Lead von diesem beliebten Auktionshaus übernommen. Ich halte mich in Zukunft da etwas zurück. Ausser hinter den Kulissen. Oder wenn ich an den Life-Versteigerungen den Hammer in der linken Hand halte. 

Und weil Besprechungen nicht ewig dauern können, kam um die Mittagszeit die Frage auf, ob nicht allenfalls ein Champagner oder ein Weisswein eine gute Idee wäre. Dies – um die Zeit zwischen Ende der Sitzung und Beginn des Mittagessens wesentlich angenehmer zu überbrücken. Die Wahl fiel auf einen Chardonnay aus der Steiermark.  

Dieser fror nämlich schon längere Zeit in unserem grossen Weinkühlschrank und wir mussten ihn einfach vor dieser Kälte erlösen. 
Es war eine gute Wahl! Der 2018 Chardonnay Alte Reben von Erwin Sabathi aus Leutschach zeigt auf, dass das «weisse Burgund» in letzter Zeit wieder ein paar spannende Schritte näher an die Steiermark heranwagte. 

Die allerbesten Chardonnays aus dieser südlichen Austria-Region sind weniger gelb wie früher und haben das «milchige» in der Nase sukzessive abschütteln können. 

Diese «Alten Reben» sind präzise, direkt, intensiv und schlichtweg grossartig. Zusammengefasst; ein burgundischer Chardonnay, der seine Herkunft trotzdem nicht leugnet und trotzdem Weltklasse reflektiert. Spass und Grösse zugleich! (19/20). 

BURGUNDER GESCHNETZELTES

Dieses fantastische Gericht gehört zu meinen Favoriten aus Karins Küche. Geschnetzeltes Rindfleisch, Zwiebeln, Silberzwiebeln, Speck, Champignons, Demi-Glace und Sauerrahm. So in etwa das Rezept. 

Zubereitet wurde dieses Gericht am Vorabend. Karin fragte nach rotem Kochwein. Natürlich könnte man das Originalrezept möglicherweise mit einem Chambertin ablöschen. Doch den trinke ich lieber separat. Im Keller hatte ich noch Resten von der letzten Tessiner-Merlot-Probe. Passte perfekt.  


Zur nachfolgenden Notiz vom Château Margaux 1928 gibt es noch eine alte Geschichte. Wir waren bei Rita und Lucien nach Ste. Maxime eingeladen. Als ich den die Koffer im Flughafen Nizza vom Rollband nahm, zog er eine nasse, rote Schlaufe auf dem Boden. Mein halbes Fläschchen im Innern war zerbrochen. Alle Wäsche mit tiefroter Farbe beeinträchtigt. Glücklicherweise durfte Karin die Waschmaschine benutzen.

Und ich fing einen ZS* ein.                     *Zusammenschiss.                     

1928 Château Margaux: Jürg Richter brachte ein halbes Fläschchen zum Lunch nach Eschenbach mit. Geniale Farbe. Immer noch dunkel, mit wenig Reifetönen. Die Nase trocken, barock, in die Tiefe gehend, Rauch und getrocknetes Rosenholz. Die Süsse dokumentiert eine Mischung aus Ratafia und Baumnusslikör. Im zweiten Ansatz vermischen sich Kräutertöne mit dem stetig an Intensität zulegenden Nasenbild. Im Gaumen gibt er sich von immer noch fester Statur, maskulin und deutlich die massiven Gerbstoffe vom Jahrgang 1928 dokumentierend. Auch wenn diese mittlerweile etwas angerundet sind. Ein schier noch brachialer Margaux mit mehr Kraft wie Saft. Vermittelt auch die These, dass halbe Flaschen nicht zwingend schneller reifen als normale Flaschen. Als ich am Schluss am leeren Glas schnupperte duftete es nach kaltem Arabica-Kaffee, Lorbeer, Madras-Curry und Dörrfeigen. 19/20 austrinken

Plötzlich stand eine halbe Flasche vom Château Ricaud auf dem Tisch. Diesen Haut-Loupiac (diese Bezeichnung gibt es heute nicht mehr) kenne ich gut. Vor ein paar Jahren nahm ich aus meinem Keller eine Flasche 1937 und 1945 mit und wir tranken diese mit ein paar Freunden auf dem Weingut in Bordeaux. 
Der 1937er Ricaud ist ein reifer, mildsüsser Nektar mit einem Duft von Mandellikör, Orangenlikör und frischen Aprikosen. Botryris zeigt er keine an, dies machte aber das Bouquet allenfalls gar noch cremiger und komplexer. Im Gaumen weich, saftig, angenehm süss und wunderschön balanciert. Gibt solide 18-Punkte her im Glas.

Wie der Château Margaux 1985 schmeckte? www.bxtotal.com weiss es ...



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PROFILBILD GEWECHSELT?

Der erste Teil vom Namen «Facebook» kommt von Gesicht. Einem Account kann man mit einem guten Profilbild eine markante Note verleihen. Neuerdings hat sich leider die Mode etabliert, dass man eigentlich gar keine persönlichen, lustigen oder informativen Posts mehr für seine Freunde macht, sondern nur noch – in regelmässigen Abständen – sein eigenes Profilbild erneuert.

Machart: Schnelles Selfie – klick – und online.

Mich nervt diese Taktik. Es gibt Schöneres im Leben als sein Ebenbild im Spiegel oder im Facebook zu sehen. Wenn nur Egoismus dahinterstecken würde, dann hätte ich noch ein gewisses Verständnis. Doch nicht selten vermittelt diese Eigenschaft eine Affinität zur eitlen Selbstdarstellung. Oder zu Narzissmus. Hang zu einem Borderlinesyndrom. Möglicherweise auch zu einer beginnenden oder bereits fortgeschrittenen Profilierungsneurose.

Die Publikation solcher Profilbildtiraden ist weniger angesagt wie ein möglicher Gang zum beratenden und helfenden Therapeuten.
Diese Spezies erkennt man auch daran, dass diese beim Selfie nicht in die Kamera schauen, sondern auf den Handy-Bildschirm. Dies, weil sie sehen wollen, wie sie grad so im Moment «rüberkommen».    
 
Was man in dieser Sache auch unbedingt wissen muss: Auf alten Fotos sieht man immer besser aus!

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POMEROL: SCHÖPPLI & JAHRGANG 2004
 
Das ist eine kleinere Geschichte innerhalb einer ganz grossen Geschichte. Denn – momentan schreibe ich grad an einer ziemlich grossen Pomerol-Story für mein Webportal bxtotal.com. Die wird mich wohl den ganzen Januar beanspruchen. Und wie das so ich mit «grossen Geschichten» ist; auch diese bestehen aus mehreren Einzel-teilen. Ein ebensolches, unvergessliches «Weinteil» ist dieser Bericht von einem männerlastigen Freitagabend, mitten in dieser leidigen Pandemie-Zeit.    

SCHÖPPLI = HALBE FLASCHE

Je älter man wird, desto mehr sollte man sich überlegen, ein paar halbe Flaschen für den späteren Genuss zu erwerben. Das habe ich in letzter Zeit leider vernachlässigt.
Da meine Karin tendenziell «weissweinlastig» ist und ich lieber Rotweine trinke, wird eine Flasche Rotwein am Abend immer mehr grenzwertiger. Meist trinkt sie dann zum Essen ein Glas von mir. Dann geht’s wieder auf!
Sonst habe ich angefangen, «meinen Rotwein» schon am späteren Nachmittag zu entkorken und ihn über mehrere Stunden zu begleiten. Das verlängert den Genuss. Was übrigbleibt  kommt recht früh in den Kühlschrank. Einfach Stoppel drauf und am anderen Tag wieder rechtzeitig temperieren. Ich bin absolut kein Fan von «Abpumpen» oder «Vergasen».

P.S. Die abgebildeten «Schöppli» waren alle noch gut zu trinken. Mehr aber dann doch nicht.

POMEROL JAHRGANG 2004

2004 ist ein klassisches Weinjahr. Bei mir heisst das so viel, dass alle Bordeaux’ – egal ob vom linken oder vom rechten Ufer – so herrlich nach Bordeaux schmecken. Sie reifen recht langsam.

Im Markt ist die preisliche Performance nicht gerade «hektisch». So kann man noch recht viele dieser, tollen Weine zu fairen Preisen nachkaufen. Allerdings werden sich da leider nur ganz wenige Crus für eine etwaige
Auktions-Karriere eignen.

Die vier Pomerols om Jahrgang servierte ich blind. Ich wollte aber die Gäste nicht unbedingt rätseln lassen, sondern eher beobachten, wie diese auf den ums Mehrfache teurere Pétrus reagierten. Und wenn man unangemeldet diese legendäre Ikone serviert ist Verblüffung garantiert!   


2004 Château La Conseillante: Dunkles Purpur mit lila Schimmer. Dunkelbeeriges Bouquet, Brombeeren, Maulbeeren, Cassis, schwarze Schokolade und Lakritze. Strahlt eine verführerische, sanft milchige Süsse aus. Von sanftem Druck und elegant ausladend. Hoch aromatischer Gaumen, vermittelt eine kühle, aber doch reife Fruchtnote, fleischiges Extrakt, im Finale wieder eher Cassis, vermischt mit herrlichem Kokoston. Ein nobler und gleichzeitig kräftiger La Conseillante mit langsamer Reifeentwicklung. Er hat sich gegenüber früheren, eher knappen Eindrücken gemausert und ist jetzt auf dem erwartetem Strategie-Kurs. 18/20 trinken

P.S. Dieser Wein gefiehl Daniel Milli (Bild) besonders gut.


SCHON LANGE AUF DER WISH-LIST

Thomas Schmid hegte schon lange den Wunsch einmal in seinem Leben einen Château Pétrus trinken zu dürfen. Dieses Vorhaben stand weit oben auf seiner To-Do-Liste. Ich servierte die Weine blind, um seine Emotionen zu prüfen. Übung gelungen!

2004 Château Pétrus: Sattes Purpur. Gegen aussen zeigt er eine minimen Reifeschimmer. Innen wirkt er fast noch Rubin-Granat. Ich habe bewusst zuerst den La Conseillante, dann den Clinet und dann den Hosanna verkostet, damit ich eine mögliche Steigerung wahrnehmen konnte. Und diese traf dann auch effektiv ein. Das Bouquet ist komplex, die Schichten legen sich nach und nach frei. Er wirkt frisch, verspielt, zeigt kandierte Früchte, helle Schokolade und eine sublime Fülle. Diese legt mit der Luft langsam, aber doch stetig zu. Man nimmt dunkles Malz wahr, dunkles Caramel, dann Nougat. Dieses Nougat deutet an, dass er an Süsse zulegt. Im Gaumen schwankt er im satten Extrakt zwischen roten und blauen Beeren. Auch hier wirkt er immer noch frisch und zeigt seine Jugendlichkeit an. Er ist präzise und viel fordernder als seine drei Konkurrenten in dieser 2004er-Pomerol-Serie. Irgendwann wird er all diesen Weinen irgendwann locker überlegen sein. Momentan muss man noch «im Kaffeesatz» lesen, um ihn voll loben zu können. 19/20 warten

Auf www.bxtotal.com findet man den grossen PDF-Bericht.

RUSTIKALES MENU MIT FINESSEN

Wein braucht Speisenbegleitung. Wenn Männer am Tisch sitzen, darf es schon mal deftiger sein. So sah das Menu an unserem Pomerol-Abend aus. Sülze mit Gänseleber, (Foto links) Trüffelsalami und Trüffelperlen. Unten: Wagyu-Pot-au-feu / Lammragout «Marokko» / Kartoffeltätschli und geschmorte Kalbsbäggli.




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TESSINER MERLOT IM JANUAR SCHNEE

Wer an das Tessin denkt, der denkt schnell an lauschig-warme Sommernächte … Ein Granittisch im Freien. An einen Osso Bucco mit Risotto auf dem Teller und an einen dunklen Merlot im Glas. Nicht im legendären Boccalino. Das war vorgestern. Heute ist es ein richtiges Weinglas. Bei uns war es logischerweise ein Gabriel-Glas. Auch mit Tessiner Merlot. Aber mit Schnee. Viel Schnee. Und auch mit viel Merlot …

Für die Deutschschweizer gibt es praktisch keine Affinität zum Tessiner Winter. Dorthin geht man eigentlich nur, wenn es dort warm ist. Tessin ist der Lieferant für viel Sonne, vermischt mit ein Bisschen «Italianita». 

Aber auch dort herrscht manchmal der Winter. Und der Schnee kann auch durchaus die Reben zudecken. Das ist gut. Denn – Schnee beschützt vor Forstschäden. Das Titelbild (oben) habe ich übrigens auf der Webseite von der Cantina Barbengo geklaut. 

In Eschenbach war es der erste richtige Schnee im Neuen Jahr. An diesem Donnerstagmorgen Mitte Januar 2021 regnete es zwar noch. Aber ab 11 Uhr bekam Frau Holle Oberhand über die Wetterlage. Als unsere Gruppe von unserer traditionellen Weinwanderung vom Dorf ins Moos losmarschierte, lagen bereits gute zehn Zentimeter Pulverschnee über dem Boden.  

Das war die Woche vor den verschärften Corona-Bestimmungen. Also lag unsere weinige Sechsergruppe im legalen Bereich. 
Guido und Bärti heizten am Nachmittag die Mooshütte ein. Bevor die anderen Teilnehmer anrauschten, bereitete ich noch einen frischen «Härdöpfustock» (Kartoffelstock) vor. Das Fleisch für die Hauptspeise (geschmorte Bäggli) wurde verdankenswerter Weise vom Old-Swiss-House-Wirt Philippe Buholzer gesponsort. Am Tag zuvor erwarb ich beim örtlichen Weinhändler noch eine selbst importierte Barbera-Salami. André Kunz ging auf den Markt und kaufte spezielles Brot und reifen Käse. 

Vor dem Wandern prüfte und degustierte die kleine Gruppe der Schreiberlinge die zur Verfügung gestellte, reife Merlot-Batterie. 
Da waren auch ein paar Risikoflaschen dabei. Zusammengefasst war aber «alles gut». Auch einfache, eigentlich als überreif vermutete Weine überraschten. Was auch gut nachvollziehbar ist; die Eigencharakteristik der Jahrgänge, der Regionen und die Handschrift der Produzenten. 

Tessiner Merlot bietet frühen und recht langen Genuss. Er liefert oft weit mehr, als er fordert. Dies zuweilen auf sehr hohem Niveau.     

AUSTRALIEN STATT TESSIN

Eric und Fabienne Klausener prägten mehr als drei Jahrzehnte lang die Tessiner Weinszene.

Eigentlich war es vorgesehen, dass Sohn Silvain von Australien in die Schweiz zurück kehren sollte, um den elterlichen Betrieb in Purasca zu übernehmen. 

Doch Sohn Silvain zog es leider zurück nach Australien. So beendeten die Klauseners ihre Winzerkarriere mit dem Wein «Grand Finale 2017» und verkauften die Rebberge. 



Im Frühling 2016 organsierte ich im Bären in Birmensdorf an einem Frühlings-Sonntag einen grossen Klausener-Lunch. Den grossen Bericht findet man auf bxtotal.com 

1988 Merlot Gran Riserva, Klausener Purasca: Deutlich aufhellendes Weinrot, transparenter Rand, wenig Reifetöne. Intensives, leicht erdiges Bouquet, grüne Nussschalen, Kräuter, Ratafia, Teer und eine gewisse Tiefe anzeigend. Nasal immer noch beeindruckend. Im Gaumen fleischig, gerbig und somit charaktervoll. Zeigt immer noch restliche Gerbstoffe und könnte – mit Dekantieren – sogar noch etwas zulegen. Toll gereifter Gran Riserva. 18/20 austrinken

FOKUS AUF DAS CASTELLO 

Grosse Rochade. Die Zanini Weingüter werden neu durch Coop produziert und vertrieben.

Der Zanini Sohn – ebenfalls Luigi – konzentriert sich neu voll auf das Castello Luigi, welches in vollständigem Familienbesitz blieb.  

1997 Castello Luigi, Besazio: Noch dunkles Granatrot, feiner, ziegelroter Rand. Gereiftes, dezent erdiges Bouquet dominikanischer Tabak, Korinthen, Teer und Lakritze. Im Gaumen stoffig, wirkt etwas trocken vom Extrakt her und rauht somit etwas auf. Gegen das Finale wird er immer attraktiver und zeigt eine wunderschöne Red-Currantnote und Preiselbeeren im Finale. Noch gut erhalten, jedoch am Genusszenit. 18/20 austrinken

1998 Castello Luigi, Besazio: Die Farbe wirkt um Nuancen heller als der 97er. Rubinrote Reflexe und gegen aussen dem Alter entsprechende Reifetöne. Traumhaftes, beeriges Bouquet; Holunder, Cassis und Waldhimbeeren. Es sind noch erstaunlich intensive Fruchtpräsenz da. Im zweiten Ansatz helle Brutkruste. Saftiger, eleganter Gaumen, schmeichelnde Tannine, wunderschön balanciert und intensiv nachklingend. Ein genialer, grosser Castello Luigi welcher aufzeigt, dass er zu Sonderklasse gehört und auch anspruchsvoll reifen kann. 19/20 trinken

Der grosse Tessiner-Merlot-Bericht: www.bxtotal.com 

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PUBLIZIERTE VERKOSTUNGEN IM JAHR 2020!

In diesem Jahr habe ich 56 PDF-Artikel mit insgesamt  244 Seiten Weingeschichten, Weininfos, Verkostungsnotizen und Bewertungen auf www.bxtotal.com publiziert.

DEZEMBER-MISSION IN ESCHENBACH! Speck, Salami, Ochsenschwanzsuppe, Schweinekotelette und Käse von Maitre Anthony. Und; 15 Jahrgänge Château La Mission Haut-Brion von 1966 bis 2004 ...

ÖNOLOGISCHER AUFTRAGSMORD IN ZÜRICH! 1982 Mouton, 1983 Margaux, 1989 Haut-Brion, 1990 Montrose, 1982 Latour, 1961 Latour, 2000 Lafleur & 2000 Cheval Blanc. Ein Lunch der Superlative ...

NAPA & BORDEAUX, JAHRGANG 1990! Ein wunderschöner, gereifter Jahrgang auf beiden Seiten. Ein ausgeglichenes Genusstreffen mit ganz bekannten Cabernets und Bordeaux Crus. Gewonnen haben beide Regionen ...

1998ER BORDEAUX IM TESSIN!
Ein Weinlunch der Superlative im Ristorante Ciani in Lugano. Pétrus als Tagessieger - mit ganz starker Konkurrenz. Mit am Tisch beide Zaninis ...

ZITTERPARTIE UM MAGNUMFLASCHEN!
Sechzehn tolle Magnumflaschen auf dem Sempacherof-Genusstisch. Honivogl, Saint-Julien, Latour, Pingus, Grange, Marthas, Saturio ...

CHÂTEAU COS D'ESTOURNEL IM RESTAURANT REUSSBAD!
Zwölf Jahrgänge von diesem Türmchen-Saint-Estèphe fast in der Reihe 1990 und 2000 bis 2010. Offeriert von Jörg Studach ...

DURCHZOGENE KALIFORNIENPARADE! Heitz, Spottwoode, Abreu, Harlan, Grace Family & Co. Ein bunter Abend mit Bestätigungen und Enttäuschungen. Un einem ganz alten Sauternes ...

CHATEAUNEUF UND GABRIEL BOEUF!
Rayas, Beaucastel, Cuvée Céléstines, Da Capo. Ein ganzer Reigen der besten Weinen aus Châteauneuf von ganz grossen, reifen Jahrgängen ...

EINMALIGE VERTIKALE CHÂTEAU LAFLEUR! Er ist der heimliche Star unter den Pomerols. Leider rar und teuer. Ausser jeder Freund bringt eine Flasche mit. Plus d'Yquem 1928, 1929. Plus uralte Ports  ...

IRTO, SCALA & BALIN - DAS TOP TRIO DER CANTINA BARBENGO! Die neuesten Jahrgänge von Anna Barbara Kopp von der Crone und Paolo Visini sind im Handel. Wir haben diese getestet und auch eine ganz besondere Magnum ...

RUND HUNDERT JAHRE ALTE SAUTERNES! Jürg Richter öffnete 24 Weine aus Sauternes in der Bandbreite von 1899 bis 1921. Wenig Ausfälle und viele Überraschungen ...

HONIVOGL AUS DER WACHAU UND HOSANNA AUS POMEROL! Ein genüsslicher Sonntag mit guten Freunden und sechs tollen Weinen. Das Fünfgang-Menu wies ein paar spannende Trüffelakzente auf ...

TRINKT MAN DIE BESTEN WALLISER WEINE ZU JUNG? Jung trinken oder reifen lassen? Es ist eine Frage des Geschmacks. Aber, das Potential wird eindeutig unterschätzt. Wie der Bericht von André Kunz beweist ...

JUBILÄUMS-EVENT: ZEHN JAHRE GABRIEL-GLAS! Rund 70 Gäste, Wachauer Smaragde, rote Bordeauxweine. Alle 10 Jahre alt. Genau so wie das Gabriel Glas ...

ALLE BORDEAUX-PREMIER-GRAND-CRUS AN EINEM ABEND! Anstatt einer Bordeauxreise traf sich die Gruppe im Gabriel Keller zu einem ganz besonderen Stelldichein ...

DER BURGENLÄNDISCHE PRAITENBRUNN TRITT GEGEN SASSICAIA UND ORNELLAIA AN! Und schneidet dabei ganz gut ab. Die Geschichte einer Sonntagsprobe in Andau mit Erich Scheiblhofer ...

CHATEAU L'EGLISE-CLINET VON 1982 BIS 2018!
Im Gedenken an den verstobenen Weingutsbesitzer Denis Durantou. Ein erinnerungswürdiger Sonntagmittag im Balm Meggen ...

MOUTON-MOOS-MONTAG!
Neun Jahrgänge Mouton; 1959, 1961, 1982, 1986, 1988, 1990, 2000, 2005 und 2008. Eine Weinprobe, welche keinen Rappen kostet. Wie das geht?

ZWEITWEINE MIT DURCHZOGENER BILANZ! Was sind die Kriterien für einen Deuxième Vins und wie enstehen diese im Rebberg und im Keller? Sieger war der 1996 Les Forts de Latour ...

BORDEAUX 1950 & HIRTZBERGER 1950! Eine verspätete Geburtstagsfeier mit Bordeauxweinen vom Jahrgang 1950 bei Franz Hirtzberger in der Wachau. Ducru war der beste ...

GROSSE WEINE VON LACULES!
Der griechische Wein wird mehr besungen wie gelobt! Hier finden Sie die wunderbare Geschichte eines jungen Weingutes mit Zukunftspotential ...

BORDEAUX 1920 - VOR 100 JAHREN! Ein Rückblick auf das Weltgeschehen und auf die Bordeaux-Weine vom Jahrgang 1920. Mit dem Château Lafauriey-Peyraguey im Glas ...

2012 BORDEAUX UND PIRATEN! Zwanzig Weine auf dem Prüfstand. 16 Bordeaux und vier Piraten (Bonnes Mares, Almaviva, Barbaresco, La Turque. Die besten Weine: Lafleur, Mission, Ausone und Ducru ...

FINESSEN CABERNET SAUVIGNON AUS CHINA! Gesprochen wurde schon lange darüber. Jetzt ist ein ganz grosser Cabernet von Changyu Moser (19/20) im Markt erhältlich ...

SPRUDELND DURCH DEN MONTAGABEND! Und immer wieder etwas Champagner zwischen den Rotweinen. Montag ist aller Genuss Anfang. Schöne Bordeauxweine und zwei heisse Châteauneuf ...

SAUVIGNON BLANC VOM KAP IM DUTZEND! In der Region Südafrika werden grossartige Sauvingon Blanc produziert. Mit 12% Weltanbauanteil gehören diese zu den attraktivsten Anbietern mit günstigen Preisen sind ...

2009 BORDEAUX VOM DER LINKEN UFER IM ESCHENBACHER MOOS! Pape, Lafite, Lynch, Cos, Phélan, Meyney und Poyferre. Alle vom Giga-Jahrgang Und zum Abrunden; hausgemachte Kutteln ...

CHATEAU PAPE-CLEMENT TROTZT DER SOMMERHITZE! Es war ein heisser Sommerabend. Mineralwasser war gefragt. Die Weine aber auch, als der grösste Durst gelöscht war. Der schönste Wein; 1996 ...

BRUNELLO UND SIDI BARRANI! Sechs Mal Brunello di Montalcino vom grossen Jahrgang 2007. Einmal gibt es sogar 20/20 vom sonst eher brunellunfreundlichen Gabriel ...

GROSSE WEINE VOM KLEINEN CHÂTEAU! 
Mit dem Inital 2018 katapultieren sich die Simonets aus Motier (Vully) an die Schweizer Rotweinspitze. 19/20 für 60% Diolinoir und 40% Merlot ...  

FASSPROBEN VON BORDEAUX 2019!  Home-Office statt Château. André Kunz hat die Fassproben vom tollen Jahrgang 2019 in der Schweiz verkostet. Kaufen, weil a.) sehr gut und b.) günstig wie noch nie ...

1994 DOMINUS FÜR DOMINIC! Ein Spitzenwein aus Kalifornien für einen Spitzenkoch aus Buonas. Viele Weine vom Jahrgang 1994 - den ganzen Abend lang ...

ZWANZIG MAGNUM UNTER DER BURG! Ein anspruchsvolles Volksfest mit Eineinhalbliterflaschen vom Feinsten. Von 1929 Pontet Canet bis zu einem 1982er-Trio mit Lynch-Bages, Pichon-Lalande und Mouton ...

HILL OF GRACE VON HENSCHKE - EINE VERTIKALE VON 1973 BIS 2006! Er ist der heimliche Konkurrent vom Grange. Ist aber ein 100% Shiraz und ein reiner Lagenwein. Und rar und teuer. Was noch? ...

DAS ALLERBESTE VON PEBY FAUGERES! Ein Senkrechtstarter aus Saint Emilion. Merlot mit absolutem Weltklasseformat. Zwei Mal 20 Punkte. Jahränge 2009 bis zum Fassmuster 2019 ...

BORDEAUXWEINE IM ALARMGESICHTERTEN GABRIEL-KELLER! Ein weiniger Abend mit Freunden mit dem Jahrgang 1960 als roten Faden. Höhepunkt; 2009 Gazin und viele andere toll Bordeaux ...

COS UND ASPIK! Sieben Jahrgänge von Château Cos d'Estournel (1983 bis 2003). Sieben gute Freunde. Und ein hausgemachter Aspik., den man unter dem Namen Sülze besser kennt ...

CHÂTEAUNEUF-DU-PAPE UND KUTTELN!
Mit von der Partie: Ein bombastischer 2000 Beaucastel. Ein intellektueller 2005 Henri Bonnneau Réserve des Célestines. Und ein grosser Topf mit Kutteln à gogo ...

POMEROL UND KOTELETTEN!
Was für ein Fest! Pomerol 2005. Nearly ready. Certan de May, Gazin, La Croix, Clinet und Lafleur. Ein Genussbericht auf drei Seiten ...

CHÂTEAU LASCOMBES 1982 & CHÀTEAU LASCOMBES 2010! Beide nebeneinander im Gabriel-Glas. Ein analytischer Versuch Parallelen wie auch Differenzen zu finden ...

ITALIENISCHE ROTWEINE MIT FREUNDEN! Jeder brachte eine Flasche mit. Da kam so Allerlei zusammen. Der Wein des Abends: 2006 Sassicaia umgarnt von einer wunderbaren  hausgemachten Lasagne ...

JASSEN MIT BORDEAUXWEINEN! Acht Stunden lang Kartenspielen mit einem währschaften Nachtessen dazwischen. Für einmal keine Degustationsbericht, sondern ein Genussprotokoll ...  

MARGAUX-WEINE IM ESCHENBACHER MOOS!
Wenn Freunde sich treffen und jeder eine Flasche mitnimmt, kann das ein sehr schöner Abend werden. Von Rauzan-Ségla, Giscours, Prieuré-Lichine & Co ...

THE DEBATE AUS NAPA VALLEY! Der Produktionsstart erfolgte im Jahr 2011. Ohne eigene Trauben, ohne eigene Winery, aber mit einer Vision. Hier sind die Verkostungsnotizen und Bewertungen des allerersten Jahrganges ...

SATURIO AUF SENSATIONSKURS! Südlich von Wien, in Guntramsdorf bekommen die Weltklasse-Merlots Konkurrenz. Der neue Jahrgang 2018 schmeckt fast ein Bisschen nach La Conseillante ...

ARACHON, VON EVOLUTION ZUR REVOLUTION! Ein österreichischer Premiumwein aus dem Burgenland erfindet sich neu mit dem sensationellen Jahrgang 2017 ...

BORDEAUX 2017! Just abgefüllt und schon degustiert. André Kunz hat mehr als 50 Weine verkostet und bewertet. Weissweine, Rotweine, Süssweine ...

MALANSER CHAMBERTIN?
Auch mit seiner zweiten Edition vom Pinot Noir Privée schafft es der Bündner Winzer Martin Donatsch nach den Burgunder-Grand-Cru-Sternen zu greiffen ...

MASSETO, EGLISE-CLINET, MOUTON-ROTHSCHILD, PINGUS! Vier Spitzenweine, die gar nichts gemeinsam haben. Obwohl alle vom Jahrgang 2010 sind. Eine Analyse des sich näherkommens ...

CHATEAU HAUT-BRION IN MEGGEN!
Mit einer ganz besonderen Flasche aus dem Privatkeller war man zum Menupreis dabei. Die Vertikale lässt sich sehen. Haut-Brion von 1926 bis 2000. Und fast alles in Bestform ...

HÄNDE WEG VON TEUREN WEISSEN BORDEAUX! Warum günstige Weissweine aus Bordeaux in der Regel zuverlässiger sind und mehr Freude bereiten. Und warum man von teuren Weissen aus dieser Region die Finger lassen sollte ...

GMS-DEFILEE DER SONDERKLASSE! Ein ganz lieber Weinfreund, Gerhard Müller-Schwefe, feierte seinen 70igsten Geburtstag zwei Tage lang mit ganz besonderen Flaschen ...

FINALES MOUTON-FINALE! Das grosse Schlussbouquet eines langjährigen, traditionellen Anlasses im Old Swiss House in Luzern. Der Jahrgang 1900 als unerwartete Sensation ...

POMEROL-SEDUCTION - 10 WEINGÜTER AUF EINMAL! Beauregard, Clinet, Clos du Clocher, La Conseilante, Nenin, Gazin, La Pointe, Mazeyres, Rouget, Vieux Maillet - alle diese Weine gabs im Sempacherhof im Januar ...

40 JÄHRIGER POMEROL

1979 Château Latour à Pomerol: Die Farbe ist nicht besonderlich tief, zeigt aber noch viel Rot und erstaunlich wenig Reifetöne. Die Nase duftet irgendwie nach einem Blend von einem Corton und Beaune. Will heissen; eher nach einem grossen Burgunder wie nach einem Pomerol. Aber so was gibt es recht oft! Da ist immer noch viel beerige Frucht und Hagebuttengelée. Nasal ist der Reigen ein Wechselbild von frischem Hirschleder, hellen Cigarren und getrockneten Waldchampignons. Im Gaumen wirkt er fein stoffig. Allenfalls etwas mürbe vom Fluss her. Er bereitet aber immer noch eine unerwartet grosse Freude. Ich erinnere mich an eine Vinum-Degustation vor rund 35 Jahren. Da schlug dieser Latour à Pomerol sogar Pétrus und andere grosse Pomerol-Konkurrenten. Eigentlich entkorkte ich den Wein nur, weil ich demnächst einen Hasenragout im Römertopf avisiere. Dieser bleibt im Gabriel-Glas und wird mir heute Abend eine grosse Pomerol-Freude bereiten. Und ruiniert werde ich bei diesem Vorhaben auch nicht. Der Inventarpreis liegt / lag nämlich bei 35 Franken. 18/20

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Liebe Weinfreunde

Das wird kein Zuckerschlecken. Kein Tanninjumpen. Kein Säuretanz! Oder halt nur ein kleiner Abriss dessen, was in früheren Weinjahren passierte. Die ehemalige Hochkonjunktur befindet sich in einer erzwungenen Flaute.

Wenn die Motivation im Keller ist, dann gehe ich halt selber auch dorthin. Und da hole ich mir schöne Flaschen, um die vinöse Einsamkeit zu Verdrängen.

Einen grossen Wein zu trinken macht nur so richtig Freude, wenn man diese Bouteille mit Freunden teilen kann. Deshalb lasse ich meine allerbesten Flaschen halt für eine Weile schlummern.

Corona hat uns weiterhin fest im Griff. Natürlich in erster Linie was Weinreisen oder Weinverkostungen oder sonstige Weinevents betrifft.

Momentan stehe ich zu dieser Situation «Gewehr bei Fuss». Will heissen;

- Es werden keine neuen Events mehr aufgeschaltet.
- Was abgesagt werden muss, wird ohne Verschiebungsdatum anulliert.
- Einbezahlte Beträge werden sofort zurückbezahlt.

Euch wünsche ich allen (trotzdem) ganz viele, schöne Weinerlebnisse ...

Alles Gute aus Eschenbach!

René / René Gabriel