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WAS SO WEINIGES IM JAHR 2020 PASSIERTE ...

SOLLTE MAN NOCH KAUFEN

Manchmal vergisst Mann ganz, dass ein 2005erBordeaux auch schon 15 Jahre auf dem Buckelchen hat. Oft dauert es (zu) viele Jahre, bis ich meinen damaligen Primeur-Mövenpick-Empfehlungen wieder begegne.

Auf der Suche nach einem eher älteren Bordeaux (wir sind zu Hause Reifweintrinker …) fiel mein Blick auf diese «heilige Peter Kiste». So die Übersetzung von Saint Pierre (ohne Kiste).

Wenn kann keine spezifische Idee hat, ist spontan immer am besten. Also ein Griff zum Korkenzieher und los.



2005 Saint-Pierre, Saint Julien: Die Farbe ist beeindruckend dunkel und schier schwarz in der Mitte. Die Nase nobel, geprägt von Zeder- und anderen Edelhölzern, Kaffee, Pflaumen, reife Frucht, hocharomatisch mit warmen Cabernet-Eindrücken. Im Gaumen hoch fein, nicht besonders fleischig, dafür seidig im Fluss mit einer verführerischen Kandisnuance und berauschendem Sandelholz im Finale. Momentan ist er in einer hemmunglosen Phase. Unter allen Grand Crus hat er eine der kleinsten Produktionen. Deshalb ist nicht rar, sondern selten. Was eigentlich das Gleiche ist. Billig ist er auch nicht – aber ein wertvoller Geheimtipp. Wer nicht im Keller hat, sollte da unbedingt Ausschau halten. 19/20 Wer hat, trinken. Wer nicht hat – kaufen!   

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THE DEBATE: NAPA-STARTERKIT

Die Geschichte von «The Debate» ähnelt so manchen anderen, neuen California Weinen. Aus einer Idee wird Wein. In der Regel ohne eigenen Rebberg und ohne Winery. 

Per Zufall bin ich an das Trio vom Starterkit 2011 gekommen. Es ist ein nobler, rotschwarzer Karton. Aussen fix?

Die Verkostung dieser drei Weine fand mit drei Personen statt. Mitten in den heftigsten Corona Zeiten, zu Beginn des April 2020. Meine Wenigkeit begann um 14.30 Uhr mit dem Tasting. Ich degustierte diese Napa-Cabs im «Home-Office», direkt vor dem Bildschirm im Büro. Als ich zum letzten Testling, dem To Kalon griff, stellte ich fest, dass dieser korkte.

«Mist!», dachte ich, denn in weniger wie zwei Stunden würden zwei weitere Verkoster antraben. Flugs mailte ich mit dem «Lieferant» und es gelang mir, innerhalb einer halben Stunde Realersatz zu beschaffen. Dies deshalb, weil sich viele, weitere Kartons dieses Napa-Trios glücklicherweise ganz in der Nähe befanden.

Also schloss ich meine Bewertungen und Notizen doch noch ab und stellte die Flaschen auf den Kellertisch. Wenig später traf André Kunz ein. Er schreibt für die schweizerische Weinzeitung und für www.bxtotal.com. Er setzte sich unten an den grossen Eichentisch.    

Eine Viertelstunde später setzte sich Baschi Schwander an den oberen Teil des Tisches und klappte seinen Laptop auf. Er organisiert auch Weinproben, meist mit amerikanischem Top-Weinen. Seine ausführlichen Berichte kann man auf www.mybestwine.ch lesen.
Als Napa-Spezialist warnte er uns, vor zu hohen Bewertungen. 2011 sei kein grosses California-Jahr. Es hätte da geregnet und somit seien die Weine etwas «verdünnt». Das war die leicht negative Seite bei der Vorgabe für die nachfolgenden Verkostungen. Wie bei jeder Medaille gibt es hier aber auch eine andere Seite. Wenn Weine nicht voll konzentriert sind und mit massigen Tanninen beladen werden, so stellt sich die Trinkreife früher ein. Die Debate-Weine sind bekömmlich. Wenn der Winzer den Jahrgang richtig verstand und dem entsprechend vinifizierte, dann zeigen solche Weine mehr Saft wie Kraft. Was dann auch für deren Balance und Frühgenuss förderlich ist.

Fazit: Diese 2011er Cabernets gehören zu den besseren Napa Weine. Der Dr. Crane (18/20) wirkt eher rustikal. Der Missouri Hopper (18/20) zeigt weiteres Potential ist aber doch schon in der ersten Trinkreife. Absolut der Beste, was auch von der Lage her zu erwarten war, ist der To Kalon (19/20). Er ist die Marketinglokomotive dieses Dreier-Kartons ...

Die Notizen und die ganze Dreiseiten-Geschichte: www.bxtotal.com

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MISSION (NOT) IMPOSSIBLE

Über diesen Wein habe ich – in diversen Stadien – schon ganz viel geschrieben. Mittlerweile ist dieser Mission ganz schön gesucht. Leider ist er in den letzten Jahren – wen wunderts – auch nicht billiger geworden. Gibt es einen besseren 1978-erWein im Bordelais in diesem Jahrgang? Ich glaube nicht. Er lässt alle hinter sich und ist für mich eine Legende. Es ist ein Privileg diesen Pessac im Glas vor sich zu haben.

Wir hatten heute was zu feiern. Alle Firmen haben ein Bombenresultat letztes Jahr hingelegt. Ohne der Wahrsagerei zu frönen kann ich jetzt schon sagen, dass es nächstes Jahr anders aussieht. Wohl leider ganz anders. Geld bekommt eine andere Dimension, wenn es der Gesundheit an den Kragen geht. Und wenn man das begriffen hat, dann erkennt man auch die irrelevanten Relationen.  

1978 La Mission Haut-Brion: Als ich ihn um 16.00 Uhr im Keller öffnete war er zu kühl und viel zu introvertiert. Also stellte ich die Flasche ins Lager bei etwa 16 Grad und gab ihm zwei Stunden. Jetzt ist er wohl in einem Zwischenstadium und ich rechne, dass er beim Nachtessen (so um 20.30 Uhr) in seiner besten Form sein wird. Das ist eben das Wunder von reifem Bordeaux. Solche Weine ertragen auf dem Höhepunkt locker noch langes Dekantieren. Die Nase zeigt dunkles Malz, Kräuterlikör, Fernet-Branca, schwarzes Pfeffermehl und den besten Tabak der Welt, den man für eine besonders würzige Cigarre verwenden könnte. Im Gaumen mächtig, barock, tiefgründig und mit fast nur schwarzen Aromen ausgestattet. Das Finale ist extrem lang und es lohnt sich, nach dem Schluck die Retro-Olfaktion in extremis zu Zelebrieren und Nachhallen zu lassen. Dies ist einer der lääääääääääängsten Weine meines Lebens. 20/20 trinken, taumeln, träumen!

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SORRY! DAS MIT DEM LITER PALMER WAR EIN APRILSCHERZ

EINMALIG: PALMER IN DER LITERFLASCHE!!!

Es gibt ja den Ausdruck «Schnapsideen». Es ist fast Mitternacht. Am Schluss eines ziemlich wenigen Abends auf Château Angludet. Zu meinem Freund Jimmy Sichel, der mit seiner Familie Mitbesitzer von Château Palmer ist, sage ich zum Scherz – mit Blick auf die vielen leeren Flaschen: «Eine Normalflasche ist einfach zu klein». Jimmy pflichtet mir bei und meint lakonisch: «Und manchmal ist eine Magnum einfach zu gross!». «Warum füllst Du nicht eine gewisse Menge Palmer in Literflaschen ab?», kontere ich. «Das ist kein Problem, wir füllen jedes Format auf Wunsch ab, bis zur 27-Liter-Primatflasche. Dies geht aber nur für kommende Jahrgänge, welche noch im Fass liegen …». Spontan sage ich: «Dann will ich 100 Literflaschen vom Jahrgang 2018».

Gesagt – getan! Und weil Jimmy Sichel eine direkte Allokation von Palmer bekommt und ein eigenes Handelshaus in Bordeaux besitzt, bekomme ich diese Sonder-Charge zu einem Freundschaftspreis.

Im Herbst wird diese spezielle Fracht importiert und im Oktober ausgeliefert. Ein paar «Litres» behalte ich für mich  - den Rest biete ich heute an. Die Flaschen sind originalverkorkt und in einer wunderschönen Holzkiste. Pro Person gibt es ein Flacon. Der Preis ist gleich hoch wie eine Normalflasche. Nämlich 345 Franken inkl. MWST. Transport ist 10 Franken, macht summa summarum 355 Franken pro Bestellung.

Hier die Verkostungsnotiz von André Kunz (ich gehe ja nicht mehr zum Primeur …)     
2018 Château Palmer: Kunz Fassprobe 19: (53% Cabernet Sauvignon, 40% Merlot, 7% Petit Verdot, 11 hl/ha, Produktion 72'000 Flaschen). Pfefferiges, würziges, dichtes, süsses, komplexes Bouquet, Dörrpflaumen, Kirschen, Graphit, Rauch, Korinthen, Feuerstein. Konzentrierter, vielschichtiger, kraftvoller, eleganter Gaumen mit dichter, süsser, fein opulenter Frucht, vielfältiger, opulenter Aromatik, cremiger, fein muskulöser Struktur, viel feinem Tannin, sehr langer, dichter, cremiger Abgang mit vielen, süssen Rückaromen. Kann noch zulegen. 19/20 2025 – 2055

Bestellungen: (Maximal 1 Einheit pro Bestellung) weingabriel@palmerliter.ch (Gilt nur für die Schweiz, Sorry!)

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Wurde am 1. April im Facebook publiziert. War leider ein Aprilscherz.

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SO RICHTIG BORDEAUX!

Das liebe ich. Diese artisanalen Grundnoten, welche wir früher ganz einfach mit dem frohlockenden Begriff «Terroir» dokumentieren. Dabei meinten wir eigentlich die «alte Schule».

Will heissen; keine grossen Selektionen, weniger Zeitdelta zwischen der Ernte vom Merlot und Cabernet, nicht besonders viele neue Barriquen, keine Zweitweine und noch wenig beratende Önologen.

Auf G-P-L (sprich Tschi-Pi-Ell) war der junge François Xavier Bordeaux neu für den Wein verantwortlich. Seine Erfahrungen hatte er auf dem Familienweingut Ducru Beaucaillou gemacht …



1985 Château Grand-Puy-Lacoste: Immer noch erstaunlich dunkle Farbe mit satter Mitte. Die Nase geht in die Tiefe, zeigt eine leicht kühle Cabernetnoten. Das ist typisch. 1985 war ein sehr spät geerntetes Jahr mit einer Reife, welche bei den besten Cabernets erst im November realisiert wurde. Lakritze, Bakelit, Rauch, blaue Fruchtresten und dunkle Hölzer. Dies alles vermischt mit einer wunderschönen Ration von Brazil-Tabak. Im Gaumen wirkt er fast etwas weniger konzentriert wie in der Nase, zeigt Saft, Aromatik und Balance. Meine Austriafreunde würden das Ganze jetzt noch mit dem Wort «Trinkfluss» ergänzen. 18/20 Degustiert habe ich ihn um 17.30 Uhr und entschloss mich, ihn nicht zu dekantieren. Nicht eil er zu reif ist, sondern weil ich ihn genau so mochte wie er jetzt ist.

So und jetzt gehe ich noch in den Keller hole mir eine Spätlese von Prüm zum Apero. Wenn ich die Flasche in der Küche auf den Tisch stelle und Karin das Etikett sieht, muss ich nämlich diesen traumhaften G-P-L oberbrav teilen!  

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RHONE ANSTATT CORON(A)

Als ich letztes Jahr einen ganzen Keller aufkaufte, lagen auf einem Gestell noch ein paar einzelne Flaschen. «Nimm die bitte auch mit! Die kannst Du gratis haben. Du bist ja Koch», bat mich der weinverkaufende Freund. Also legte ich dieses multiple Sammelsurium noch oben drauf. Ein paar der Flaschen waren wirklich hinüber. Heute kam dieses besondere Flacon dran und … ich hatte nicht unberechtigte Erwartungen!

1978 Côte-Rôtie Les Jumelles Jaboulet Ainé: Die Farbe ist rostig und gegen aussen ziemlich hell. Das Bouquet beginnt fuchsig. Ich weiss wie frisches Fuchsfleisch schmeckt. Habe auch schon selber Pfeffer aus Meister Reinecke gemacht. Dann spürt man bengalische Hölzer, Teer, altes Leder, Korinthen, frisches Heu und auch eine klare Terroiranzeige mit gewissen Sommertrüffelspuren. Jungweinfetischisten würden hier wohl die Nase rümpfen. 1978 ist ganz gross rauf und runter in der Rhône und dies kommt hier tiefenmässig ganz klar zum Ausdruck. Im Gaumen schokoladig, fleischig und mit mittelschwerem Körper unterwegs, das weich anmutende, feinsüsse Finale zeigt Dörrpflaumen. Hoch reif und genial! Und dies nach über 40 Jahren. 18/20    

P.S. Gemäss winesearcher gibt es in Hong Kong noch eine Flasche. Und noch eine in meinem Keller.  

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Liebe Weinhändler

In Pandemiezeiten ist man manchmal schon froh, dass man doch noch ein paar Mails bekommt.

Momentan sind rund 80 % der Mitteilungen Angebote von Weinhändlern. Die versprechen mir – Dank ihnen – in diesen besonders schwierigen Epoche weinmässig über die Runden zu kommen.




Ganz herzlichen Dank für diese beispiellose Hilfe! Dank langfristiger Vorsorge werde ich dieses Dilemma ohne jegliches Gerbstoffvakuum überleben. Dies auch im Fall, wenn es möglicherweise noch «etwas länger» dauert …

#kelleralarmgesichert #brauchedemnächstwiederklopapier  

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TINTO PESQUERA

Alejandro Fernandez war vor ganz vielen Jahren in einem Restaurant in Zürich und er sass neben mir. Den ganzen Abend. Ich konnte kein Spanisch, dafür andere Sprachen. Doch das half nicht besonders viel, denn Alejandro sprach vor allem Spanisch. Und nur Spanisch! Also kommunizierten wir über seinen Wein, indem wir uns den ganzen Abend zuprosteten.

Plötzlich drückte mir jemand eine Gitarre in die Hand und ich trällerte Lieder aus meinem Repertoire. Irgendwann sang ich Guantanamera. Beim Refrain wechselte ich spontan von Guantanamera auf Tinto Pesquera. Alejandro klatschte erst vor Freude und stand wenig später sogar auf dem Tisch.


Heute ist er 92 Jahre alt. Er hat – als Pionier – das verschlafene Ribera del Duero zu einer pulsierenden Weinregion gemacht. Dank seinem jungen, fruchtig-eichigen Pesquera wechselten damals viele Weingeniesser vom Rioja auf das Duero.  
Am Sonntagabend gibt es bei Gabriels oft Käse und spanischen Schinken. Also passt dazu ein Spanier.

1986 Pesquera Reserva: Ziemlich dunkel, relativ wenig Reifetöne und recht satt in der Mitte. Die Nase zeigt eine kandierte Süsse und so erinnert der Duft an eine erkaltete Linzertorte (Himbeerkonfi und geröstete Nüsse, etwas Currypulver ist mit dabei und Zedernholz. Im Gaumen merkt man die damals etwas forsche Vinifikation. Also wirkt er etwas extrahiert und hölzern. Dafür hat diese Machart ihn langsam altern lassen und so wirkt er heute immer noch robust. Zum Essen passts …       

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Eine These welche ich durchaus nachvollziehen kann!













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CHATEAU CORDON-BLEU?

Nein – es gibt kein Château welches «Cordon Bleu» heisst. Nur ein Gericht. Und das gibt es heute Abend bei uns. Je ein Poulet-Cordon-Bleu für Karin und mich. Paniert aussen mit Austria-Brösel. Die kaufe ich mir immer extra in Österreich und importiere diese. Innen ist das herrliche Ding gefüllt mit altem Gruyère, aber auch mit etwas Pfefferkäse (Boursin). Als Schinken nehme ich nicht den faden Modelschinken, sondern einen Gewürzschinken. Doch lassen wird das, es geht ja hier eigentlich um den Wein …

Als ich auf der Terrasse ein Bierchen trank, kreisten meine Gedanken um den möglichen Begleitwein. Weil ich Wort- oder Buchstabenspiele liebe, überlegte ich mir einen Wein auszuwählen, welcher mit «C» am Anfang des Wortes beginnt. Schnell kam ich auf Côte-de-Rhone oder Châteauneuf. Doch plötzlich fiel es mir wie Augen von den Schuppen. Oder sogar umgekehrt. Fast jeder Bordeaux (ausser die Clos und Domaine) fängt mit «C» an nämlich mit Château. Ein paar Minuten länger und es viel der Doppel-CC-Groschen…

Château Cheval-Blanc. Das wäre dann ein so genannter Drei-C-Abend. Also konsultierte ich mein Inventar und wählte den Jahrgang 1973. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters und des schwierigen Jahrganges, herrscht hier schon eine gewisse Entkorkungs-Dringlichkeitsstufe.

Jetzt ist dieser 1973 Château Cheval-Blanc vor mir im Glas. Ich degustiere die Weine immer aufmerksam, bevor ich in die Küche gehe. Dabei entscheide ich auch gleich, ob ein Wein dekantiert werden soll. Was hier sicher nicht der Fall ist. Die Farbe ist rostbraun und leidlich aufhellend. Die Nase eher welk, mit einer gewissen, waldigen Süsse im Untergrund, Rosinenzüge, Torfnuancen und altes Leder. Im Gaumen spürt man die artisanale Vinifikation (wohl keine neuen Fässer), nasses Laub und dann doch eine herrliche Würze aufweisend. Insgesamt ist er leicht über dem Zenit, aber (zumindest für mich) noch deutlich in der Toleranzgrenze. Ruiniert wurde ich dabei auch nicht. Er war im Inventar mit unter hundert Franken vermerkt!      

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DAMALS NOCH SUPER

Zu dieser Zeit war dies noch einer der besten Cru Bourgeois. Für Mövenpick kaufte ich Unmengen ein. Zufriedene Kunden reklamierten in der Folge, dass sich keine neueren Jahrgänge im Angebot befanden. Doch ich blieb stur. Lieber einen Château-Besitzer verärgern, als tausende von Kunden. Dieser 2000er war nicht der letzte gute, sondern der beste überhaupt …  

2000 Château Citran: Immer noch dunkel und immer noch einen bläulich violetten Schimmer zeigend. In der Nase sind dann genau – in derselben Farbe – viele Fruchtnoten zu finden. So in Richtung Brombeeren und Cassis, Zedernholznoten und eine erste, minime Terroirwürze. Im Gaumen saftig, feinfleischig und gut balanciert, alles ist begleitet von einer letzten Restadstringenz. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er genau gestern Abend seinen Genusshöhepunkt hatte. Ich habe aber auch keine Angst, dass er nicht auch noch im Herbst top ist. Denn da öffne ich in Eschenbach an einem stinknormalen November-Donnerstag zwanzig Bordeaux vom Jahrgang 2000. Dann gibt es diesen Citran auch. Und auch den Latour …

Mehr Infos: https://www.weingabriel.ch/events-2020.shtml

Bei Surfen habe ich sogar noch eine Live-Verkostungsnotiz auf Youtoube gefunden. Da hat jemand ins Weinhorn geblasen. https://www.youtube.com/watch?v=bRYpP92D-AA

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LIEBER BERNHARD HUBER

Während einer Motorradtour durften wir Dich vor Jahren besuchen. Wir liefen vom Dorf raus zu Deinem Weingut ausserhalb von Maltertingen. Geplant war eine Weingutsbesichtigung und eine kleine Verkostung. Es wurden Stunden daraus …

Nun bis Du nicht mehr unter uns. Aber viele Deiner noch von Dir produzierten Weine kommen jetzt in die schönste Genussphase. Ein flüssiges Erbe sozusagen. Währenddem im Ofen marinierte Pouletflügeli brutzeln, habe ich den 2012 Chardonnay. Die Farbe reichlich gelb, aber brillant leuchtend. Die Nase duftet nach frisch geschleudertem Honig, nach Dotterblumen, nach Kamille und einer minimen Spur Anis. Im Gaumen füllig, cremig, harmonisch und laaaaang. Zarte Strohnoten zeigen die Firne an.

Fast war ich geneigt, diesen Wein mit einem Meursault zu vergleichen. Mache ich aber nicht. Es ist ein toller Chardonnay mit Deiner Handschrift. Und genau dies macht ihn so einzigartig. Genau so – wie Du es warst. Danke Bernhard!  

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GABRIEL & BIER?

Gestern habe ich am späten Nachmittag einen 2004 Château La Mission Haut-Brion geöffnet. Der war so verschlossen, dass ich entschloss ihn heute nochmals anzugehen. Habe ihn karaffiert im kühlen, dunklen Keller gelassen.

Dann grapschte ich mir spontan eine Flasche 2002 Péby Faugères. Der war oxidiert. Daraufhin hatte ich eine blendende Idee und meine Hand führte mich zu einem kühlen Hochdorfer Bier.

Hat zum Gemüse-Chili eh besser gepasst …

P.S. Foto = Gabriel-Kühlschrank


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CHARMES MIT CHARME

Heute ging meine Weinreise ins Burgund. Genauer gesagt; nach Gevrey Chambertin.

1997 Charmes-Chambertin Geantet-Pansiot: Ziemlich aufhellendes Rubin mit feinem Wasserrand. Für sein Alter wenig Reifetöne zeigend. Die Nase schlank, noch restfruchtig (Kirsche, Erdbeeren) und feinwürzig (Stielnoten, Nelkengewürz, Thuja, Edelhölzer). Der Ansatz ist nobel, eher unaufdringlich, dafür ziemlich vielschichtig. Wenn ich nicht gewusst hätte, was das für ein Wein ist, hätte ich ganz klar auf einen Côte-de-Nuits-Burgunder getippt. Im Gaumen verdient er seinen Namen, denn sein Fluss ist sehr charmant, weich und samtig. Er endet mit einem fein süsslichen, gebündelten Finale, welches irgendwie an ein Mon Cherie (Sauerkirsche und helle Schokolade) erinnert. Je feiner – desto Grand Cru! Diese Theorie stimmt hier ganz sicher. 18/20

P.S. Dazu gibt es mit Pfefferkäse, frischem Bärlauch und Dörrtomaten gefüllte Pouletschnitzel.
Ein guter Wein und ein feines Essen hilft gegen dunkle Wolken. Und von denen gibt es momentan genügend. Für alle, welche gesund sind, ist es eigentlich fast eine Luxus-Krise. Deshalb dürfen wir die anderen Menschen, welchen es nicht so gut geht dabei nie vergessen!  

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GLÜCKLICH IST DER MANN DEM ES GELINGT DER LANGEWEILE ZU ENTRINNEN, OHNE DABEI DIE ARBEIT ZU HILFE NEHMEN ZU MÜSSEN

Gestern habe ich mir eine «To-Do-Liste» erstellt!!! Mann hat ja jetzt viel mehr Zeit zur Verfügung. Und so könnte Mann doch im und rund ums Haus ganz viele Dinge erledigen, welche in letzter Zeit liegen geblieben sind. Je länger ich studierte, desto länger wurde die Liste. Insgesamt 83 Positionen sind es jetzt. Um eine gewisse Ordnung in die Auftragsdringlichkeit zu bringen habe ich diese jeweils mit drei verschiedenen Stufen eingeordnet.

a.)    Eilt momentan nicht so
b.)    Wenn es denn sein muss
c.)    Wäre ziemlich dringlich  


Aufgaben, so in etwa; Alle Dosen und Gewürze auf Ablaufdatum prüfen und förderlich in den kommenden Mahlzeiten einsetzen. Dasselbe habe ich mir auch ganz fest für ein paar Positionen im Tiefkühlschrank vorgenommen. Ein Bild wollte ich schon lange aufhängen. Und ich weiss auch genau wo. Dann Ordner durchforsten und entsorgen. Das Büro gründlich aufräumen. Im Weinkeller das Inventar weiterführen. Die Einstellhalle wischen. Die Stiege vor dem Haus einsprühen, um vom von der androhenden Begrünung zu schützen. Das Auto innen gründlich reinigen. Auch der untere, kleine Werkstattkeller braucht dringend eine neue Hausordnung. Wenn es dann noch reicht, sollte der Vorplatz gründlich mit dem Kärcher gereinigt werden …

Die 83-Positionen-Liste habe ich jetzt grad ausgedruckt und im Büro ganz zuoberst auf den recht grossen Papierstapel gelegt.

Momentan bin ich ganz glücklich. Denn – jetzt weiss ich genau, was ich tun könnte, wenn ich wollte …

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45-JÄHRIGER 389

Warum der 389 oft «Baby Grange» genannt wird? Weil er in gebrauchten Barriquen vom effektiven Grange ausgebaut werden soll. Das ist denn auch schon alles. Denn der Blend selbst ist «antigrange», weil mehr Cabernet wie Shiraz drin ist.

Heute war mir nach reifem Australier zumute. Nicht selten trinke ich momentan Einzelflaschen weg. Dies ist hier nicht ganz der Fall, wenn auch jetzt nur noch zwei Exemplare noch etwas weiter dösen.
Die Farbe vom 1975 Bin 389 Penfolds ist aussen aufhellend und ziemlich orange, gegen die Mitte wird es dann mehr Braun wie Rot. Die Nase zeigt die hohe Reife. Die Abfolge der Aromen ist aber durchaus spannend. Erst riecht es nach feuchtem Humus, dann nach Leder, dann nach dominikanischem Tabak, dann nach braunem Peru-Balm, Feigensirup und getrockneten Küchenkräutern, inkl. einer würzigen Nuance von Eucalyptus. Im Gaumen wirkt er abgeklärt, weich, samtig mit einer leicht kompottigen Shiraz-Süsse. Hoch reif, doch noch wunderschön zu trinken. Reife, rote Australier können wunderbar sein. Genau wie hier! (17/20)

P.S. Bei diesem 1975 stand noch als Quelle Magill Valley und Barossa Valley auf dem Etikett. Heute ist es – per Label-Definition – einfach ein Süd Australier …

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TARTARWEIN

Dies war heute bereits mein zweiter Versuch, weil der 2009 La Landonne von Rostaing korkte. Irgendwie war ich auf der Suche nach einen Tartar-Wein. Das gibt es nämlich heute Abend. Kräftig sollte halt sein. So wählte ich meine letzte Flasche 1997 Cabernet Sauvignon Oakville von Mondavi. Früher gab es nur den normalen Napa und den Reserve. Mit dem Jahrgang 1996 (glaube ich) fing Mondavi an, zwei «District-Weine» zu lancieren. Einen «Stags Leap» und einen «Oakville».

Der Oakville war/ist immer etwas kerniger, kräftiger und mit nicht ganz fertig gehobelten Gerbstoffen ausgestattet. Am ehesten mit einem traditionellen Saint Estèphe vergleichbar. Wenn man denn unbedingt vergleichen will/sollte. Aber vielleicht hilft dies einer möglichen Imagiation dieses Weines. Das Bouquet ist nussig, ledrig, zeigt Tabak und minime, kalte Rauchnoten. Im Gaumen ist er genau so wie ich ihn mir vorgestellt habe, ein bisschen sehnig und irgendwie zeigt er etwas mehr Muskeln wie Fleisch. Von der Reife her war dies ein guter Entscheid, heute zu entkorken, denn man merkt im Finish schon gewisse Torfaromen. 18-Punkte verdient er auf jeden Fall.

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DER KELLER WAR IM KELLER

Der Wein liegt schon lange in meinem Keller. Ich hatte ihn zum Reifen – vor vielen Jahren – damals in das Gestell gelegt. Als ich den Wein heute entkorkte, war mir durchaus bewusst, was heute für diese Flasche bezahlt würde. Aber es war mir damals ebenso bewusst, dass ich ihn einmal trinken würde und nicht verschachern. Und dies war heute der Fall.  

2002 Riesling Hubacker, Keller Dalsheim, Rheinhessen: Die Farbe von sehr intensivem Gelb. Die Nase zeigt einen leicht laktischen Ton. Dies zeigt – nach so vielen Jahren – eine ehrliche Firne an. Es duftet nach Akazienhonig, nach Pfingstrosen, nach frischen Quitten, Dotterblumen und Kamille. Dabei ist der Wein in der Nase ziemlich wuchtig und geht in die Breite, ohne mastig zu wirken. Im Gaumen gibt er sich fast frischer als in der Nase, es sind immer noch quirlige Säureelemente da, welche über die Zunge tanzen. Der Körper ist füllig, nicht zu opulent und der Fluss cremig, das Finale gebündelt und nachhaltig, es bleiben süssliche und senfige Noten zurück. Hier vereinen sich Reichtum und Eleganz! 19/20

Meine Frau Karin trinkt keine deutschen Rieslinge, sondern nur Wachauer. Das Leben kann manchmal ziemlich fair sein …   

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SPAGHETTIWEIN?

Spaghetti auf dem Teller und dazu einen italienischen Wein. Das wirkt authentisch. Wer aber die Herkunft dieser besonders langen Pasta kennt, müsste eigentlich einen chinesischen Rotwein dazu trinken. Meistens trinke ich zu Pasta trotz aller Normalität einen etwas kräftigeren, jüngeren Bordeaux. Dies bin ich mir selbst gegen aussen schuldig. Wichtig ist aber – in solchen Zeiten – die Aufgabenteilung.

Meine Frau hat die Sauce gekocht und drei Stunden köcheln lassen. Und ich war gefühlte drei Stunden im Keller. Momentan mache ich viele Risikoflaschen auf. Dabei greife ich nach Bouteillen, welche eigentlich – im Normalfall – keine Chance gehabt hätten. Jetzt gebe ich auch solchen «Trouvaillen» eine Plattform. Wenn mir diese grad nicht so ins Glas nicht passen, pfeffere ich damit Fleisch ein für zwei Wochen später. 

Heute bekam der 2003 Vigna Cinque Querce von Salvatore Molettieri eine erste Chance. Da war es keine Frage, ob ich nochmals für eine Zweitselektion in den Keller gehen sollte. Dieser 100 % Aglianico ist unglaublich dunkel und zeigt praktisch keine Reife. Die Nase duftet nach Malagarosinen, nach Teer, Sommertrüffel, Rauch und dunklen Edelhölzern. Dabei geht er das Ganze tiefschürfend an. Im Gaumen zeigt er deutlich, dass die Region Latium, zumindest in solchen Fällen ein grossartiges Terroir proklamiert. Der Gaumen ist fest, charaktervoll und auch ziemlich burschikos. Die mangelnde Finesse wird mit ausreichend Kraft ersetzt. Ein mächtiger Wein, der in der Folge stetig zulegte. Also sollte man eine geduldige Karaffe bereithalten. Die (mindestens) 15 % Volumenprozente garantieren einen besonders tiefen Schlaf … (19/20)      

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SPARPOTENTIAL

Das C-Wort werde ich in Zukunft nicht mehr aussprechen und auch nicht mehr ausschreiben. Bei mir hat dieser Virus jetzt eine Abkürzung bekommen und heisst neu CV. Davon gibt / gäbe es viele Abkürzungen. Der Sinnvollste Vergleich wäre Curriculum Vitae. Damit ist nämlich der Lebenslauf gemeint und der macht bei allen von uns momentan gewaltige Umwege zur Normalität.

Vom CV geht ein positives Sparpotential aus. Wir brauchen viel weniger Geld für Benzin. Gar kein Geld für Ferien. Kinobesuche. Konzerte. Restaurantbesuche. Friseur. Pedicure. Viele werden den Kellerbestand zwar dezimieren, aber keine einzige Flasche nachkaufen müssen. Bei mir ist dies ganz sicher so. Der Tiefkühlschrank wird wieder mal bis in die hintersten Ecken durchforstet und bietet Überlebenschancen für eine geraume Zeit. Auch bei den Dosen könnte man die Brille auflegen und einen Einsatz planen gemäss kommender Ablaufdaten. Eigentlich lohnt es sich alle Geschenküberbleibsel (Essig & Öl stehen da im Vordergrund) einfach mal aufzubrauchen, bevor man sich neue Vorräte anlegt. Die Grundversorgung wird – da habe ich gar keine Zweifel – bis zum Ende von CV gewährleistet sein.

Jetzt besteht die Möglichkeit wieder mal «richtig zu kochen». Beispielsweise wieder Schmorgerichte zu machen, einen Braten in den Ofen zu schieben oder selber Kuchen zu backen. Kleine Vorspeisen oder Desserts einzuplanen. Das Motto: Mehrgänger gegen Langeweile. Gesund ernähren und nicht übertreiben. Sodass wir kein schlechtes Gefühl haben müssen, dass wir in der tiefsten Krise dieser Generation aus lauter Kummer zig Kilos mehr auf den Rippen haben. Es ist ja auch bekannt, dass die Menschen in schwierigen Zeiten viel mehr Schokolade als sonst essen. Also gilt Selbstdisziplin und das ganze Dilemma auch als Chance anzusehen dem Körper etwas Gutes zu tun.

Wenn das CV überwunden sein wird, haben wir wohl in den letzten Tagen, Wochen, Monaten besonders bewusst gelebt. Meine Prognose: Die Menschheit trägt dann besonders lange Haare und hat zu Hause Unmengen von Klopapier auf Reserve …     

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FAST EIN LATOUR

Wenn ein grosser Pauillac manchmal vielleicht etwas leichter daherkommt, so kann er mitunter auch nach Saint Julien schmecken. Umgekehrt ist es so, dass ein riesengrosser Saint Julien auch man ganz tolle Pauillac-Allüren bekommt. Das ist zwar eher selten der Fall, aber hier trifft diese These definitiv zu.

Den 1986 Château Léoville Las-Cases sollte man mindestens drei Stunden dekantieren. Denn – er ist wie viele Crus vom Médoc vom Jahrgang 1986 «etwas reduktiv». Das ist schon fast schöngeredet. «bockig» wäre hier wohl treffender. Aber es lohnt sich! Die Farbe ist immer noch extrem jung und geht dramatisch ins Schwarze. Die Nase zeigt unglaublich viele Latour-Affinitäten; Teer, Trüffel, dunkle Edelhölzer, Rauch, nochmals Trüffel. Was schier unwahrscheinlich ist, dass man auch noch Primäraromen findet, dies in Form von Cassis und Brombeeren. Das Nasenbild geht derartig in die Tiefe, dass man ihn als «halboffen» bezeichnen muss. Normalerweise sind die grossen Las Cases Charmeure ohne Ende. Dieser hier zeigt Ecken und Kanten und mutiert zu einer brachialen Weinpersönlichkeit und erinnert an gigantische Jahrgänge wie 1928 und 1961. Auf dem Peak ist er noch lange nicht und ich attestiere ihm ein Leben für weitere 50 Jahre. Vielleicht mag man kritisieren, dass ich es wagte, ihn mit deinem Latour zu vergleichen. Sorry. Dieser 1986er Las Cases ist aber noch besser als der 1986er Latour! 20/20  

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Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt?



Versuchen wir es einmal:
Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020
Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona? Oder sogar besser?

Worüber werden wir uns rückblickend wundern?
Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte.

Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.
Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.
Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivia-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.

Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…
Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.
Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.
Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann. Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten. Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.
Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.
Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.
Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.
Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

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LIEBER STEPHAN NEIPPERG

Es ist anzunehmen, dass jetzt auch Du unfreiwilligen Hausarrest hast. Bei meinen vielen Besuchen auf Canon La-Gaffelière sah ich nicht wenige Kisten von anderen Winzern. Also wärst Du de facto nicht gezwungen in der Quarantäne Deine eigenen Weine zu trinken. Da hast Du – gegenüber vielen anderen Bordeauxwinzern – zwei riesengrosse Vorteile. A.) Es stehen Dir ziemlich viele Weingüter zur Auswahl. Und b.) all Deine Weine sind besonders gut.

Winzer könnte man auch dahingehend taxieren, was diese in schwierigen Jahren in die Flaschen füllen. Da bist Du ein richtiggehender Zauberer. Gerne erinnere ich mich an Deine Jahrgänge 1997, 2002, 2007 etc.


Einen nicht ganz einfachen Jahrgang möchte ich hier speziell erwähnen: Gestern habe ich eine Flasche 1999 Château Canon La Gaffelière geöffnet. Ob ein Wein sehr gut ist oder nicht erkenne ich daran, dass ich richtiggehend darum kämpfen muss an die Hälfte des Inhalts ranzukommen. Denn Karin kennt bei ihren Vorlieben nur ein «nein» oder ein «ja». Das war offensichtlich ein riesengrosses Ja. Nach 20 Jahren in der Flasche hat er seinen wunderbaren Peak gefunden. Noch ist Merlot-Frucht da, aber die unglaubliche, berauschende Cabernetwürze hat überhandgenommen. Der Fluss ist weich, satt, stoffig und nachhaltig. Dieser 1999er kann es mit jedem Pomerol desselben Jahrganges locker aufnehmen. Und vermute – aufgrund des gestrigen Kontaktes – ist er mittlerweile auch der beste Saint Emilion. Gratulation meinerseits und 19/20.

P.S. Bei www.aklin-vins.ch habe ich ihn auf der Preisliste gefunden. Für 67 Franken!

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SORRY FREUNDE

Ein paar besondere Flaschen hebt man sich in der Regel zum Teilen auf. Darunter fallen in erster Linie Raritäten.

Der 1949 Château Grand-Mayne gehört dazu. Dieses Weingut ist völlig unterschätzt. Meine restlichen Flaschen von den jüngeren Jahrgängen sind schon lange lediglich für den Eigenkonsum angesagt. Heute hatte ich eigentlich vor, einen alten Rioja zu geniessen. Wenn ich mir die Farbe von diesem betagten Saint Emilion ansehe, dann bin ich optisch nicht weit von meinem Vorhaben entfernt. Auch die Nase geht in Richtung «Ochsenfluss». Von dem hat nämlich das besagte spanische Weingebiet seinen Namen. Rio ocha = span. Ochsenfluss. Doch jetzt definitiv zurück ins Libournais. Es duftet nach Schokolade, nach Sandelholz, noch Resten von roten Früchten, nach Frühstückpflaumen. Minim oxydativ, jedoch dem Alter entsprechend gut drauf. Im Gaumen weich, süsslich, cremig und gut balanciert. Das einzige was leicht stört sind dezente Kapselspuren.

So ganz egoistisch war das Vorhaben dann doch nicht. Es bleiben noch vier Flaschen davon übrig. Für meine Freunde, falls die Krise bald vorüber ist. Falls nicht, muss ich halt meine egoistische Genussneigung in der Folge weiter vertiefen.

P.S. Der finanzielle Schaden hält sich da in Grenzen. Die fünf Flaschen kosteten an der Weinbörse 101 zusammen keine 300 Franken. Gekauft in der Nachauktion, weil niemand diesen unerkannten Schatz haben wollte. Ausser der Gabriel …

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EIN EVANGILE ANSTATT

Eigentlich wäre ich in zwei Wochen zu einem grossen Evangile-Diner eingeladen gewesen. Aus aktuellen Gründen kann der geplante Event leider nicht stattfinden. Heute habe ich mich mit einer Flasche aus meinem Keller getröstet …

1983 Château L’Evangile, Pomerol: Vor vielen Jahren für 80 Franken an der Weinbörse gekauft. Ziemlich dunkel. Wenn man genauer hinschaut findet man auch reichliche Brauntöne im Innern vom Glas. Obwohl der Wein zu Beginn etwas zu kellerkühl war, war der erste Nasenkontakt schon ziemlich intensiv und gewaltig füllig. Viel dunkles Malz, Dörrfeigen, dunkle Rosinen, zerlassene Blockschokolade. Im zweiten Anlauf traten zögerlich Kräutertöne an die Oberschicht, aber auch Spuren von «artisanalem Ausbau». Damit meine ich eine minime Note von oft gebrauchten Fässern. Das war zu dieser Zeit im Pomerol nicht unüblich. Im Gaumen cremig, füllig – also ein Mund voll Wein. Und so richtig Pomerol, wenn man denn eine gezielte Vision eines fast 40jährigen Weines aus dieser Region hat. Das Finale dezent kernig, was wiederum zum Jahrgang 1983 passt. Einem präzisionssüchtigen Önologen würde dieser Wein die Zehen krümmen. Ich bin als Altweinfetischist; a.) tolerant und b.) begeistert!  

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NOCH KEINE GRIPPE HAT JE DEN FRÜHLING ÜBERLEBT

Wie ich es sehe? Das ist eigentlich gar nicht so wichtig, denn momentan wird für uns alle extern gedacht. Unser Denken wird offensichtlich anderen überlassen. Das Schlimmste an der ganzen Corona-Hysterie besteht darin, dass die Menschheit zunehmend eine negative Stimmung bekommt, gar partiell depressiv wird. Die Pandemie bekommt ein inflationäres Demotivations-Ausmass.

Als gelernter Koch schaue ich mir nachdenklich die Fotos von überfüllten Einkaufswagen an. Die Hysterie ist an Dummheit nicht mehr zu übertreffen. Unsere Grossanbieter versichern uns praktisch vergeblich, dass die Versorgung auch in Zukunft problemlos gewährleistet ist. Was machen die Konsumenten? Sie kaufen Klopapier ohne Ende. Dabei weiss man vom Corona-Virus, dass er Fieber produziert und nicht Durchfall.

Doch Spass beiseite. Unser ehemalige Bundesrat Adolf Ogi sagte einmal: «Niemand ist so unbedeutend, dass er nicht auch seinen Teil beitragen kann!». In Spitälern gibt es die Arztclowns. Sie sind dazu da, dass Kinder lachen und eine positive Einstellung zu ihrer aktuellen Krankheit bekommen. Das verbessert nachweislich den Genesungsverlauf. In diesem Sinne können wir jetzt lustige Bücher lesen, unterhaltsame Filme kucken, uns Witze erzählen oder gute Musik hören. Alles was dem Gemüt gut tut ist förderlich.

Was auch wichtig ist; seine eigene Gesundheit pflegen. Immer nach dem Motto: «Man muss seinem Körper etwas Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen! Dabei ist die eigene Grundversorgung wichtig. Damit meine ich genau nicht das Dosenfutter und die Pasta-Berge, die jetzt in den letzten Tagen im Supermarkt gekauft wurden.

Vitamin C ist in erster Linie wichtig. Ich esse jeden Morgen eine Grapefruit. Ein frisch gepresster Orangensaft tuts aber auch. Ist es nicht seltsam, dass all diese herrlichen Zitrusfrüchte immer genau in der typischen Grippezeit Saison haben? Dann muss man auch – wegen dem tiefen Sonnenstand – auf den Vitamin-D-Haushalt achten. Salate, frisches Gemüse. Eigentlich sind/wären all diese Aufzählungen logisch.

Es scheint aber, dass die Corona-Hysterie unseren gesunden Menschenverstand auszuschalten droht. Wenn jeder für sich schaut, dann wird keiner vergessen. Es sind nur ein paar kleine Gedanken in einer offensichtlich grossen Problematik.

Jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken. Oder umgekehrt. Denn – es wird bald Frühling …           

ETIKETTENRABATT

Wenn das Füllniveau stimmt, kaufe ich ganz gerne Flaschen mit unschönen Etiketten. In der Regel bekommt man da für Tiptopware einen saftigen Rabatt. Das war auch hier so …

Der 1989 Talbot ist jetzt (das kann jeder nachrechnen), nach dem Ausbau in den Barriques, seit gut 30 Jahren in der Flasche.

Die Farbe ist dunkel. Bei genauerem Hinschauen sieht man aber farblich schon ein paar graue Haare, respektive einen rostroten Schimmer am Rand. Die Nase bleibt sich Cordiertreu. Will heissen, hinter den Leder- und Tabaktönen findet man Spuren welche an einen Pferdestall erinnern. Der heisse 89er-Herbst signalisiert Rosinen, Heu und Honig. Das Bouquet wirkt malzig, komplex und irgendwie trocken zugleich. Im Gaumen ist der Wein saftig, elegant und zeigt einen klaren Saint-Julien-Absender von Noblesse und Eleganz mit Teer und Lakritze im Finish. Was mir besonders gefällt ist seine leicht anmutende Statur bei voller Bordeaux-Aromatik.

Zusammenfassung: Bad label – great wine! 18/20   

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PRIMEUR MACHT SCHON SINN!

Nachdem ein paar Berufskollegen meine Aussagen betreffend «nicht besonders interessanten finanziellen Investitionen» bezüglich jungen Bordeauxkäufen moniert haben, möchte ich hier an dieser Stelle etwas relativieren.


Das Engagement Wein zu subskribieren macht schon (noch) Sinn …

• Wenn man sein Lieblingschateau unbedingt im Keller haben will.

• Wenn man Klein- oder Grossformate auf sicher kaufen will.

• Wenn man den Kellerbestand ausgleicht mit jüngeren Weinen.  

• Wenn man an einem ganz grossen Jahrgang partizipieren will.

 • Wenn man sich auf das attraktive Mittelfeld beim Kauf konzentriert.  

Ein Kauf soll aber nicht mit der Absicht verbunden sein, den Wein später wieder gewinnbringend zu verschachern. Das funktioniert nur bei ganz wenigen Weinen, welche man eh nicht einfach so kriegt. (z.B. Le Pin & Pétrus). Bei allen anderen Crus ist die Chance mittelfristig sein Geld wieder zurück zu bekommen mittlerweile relativ klein.

Als ich 1990 bei Mövenpick begann waren die Primeurweine günstiger als die Weine im Markt. Beim Jahrgang 2000 lagen die Preise bereits auf dem Niveau der Handelsware. Seit zehn Jahren ist der Primeur teurer als die Weine im Markt! Dass die teuersten Bordeaux’ somit in letzter Zeit zu teuer waren, hat wohl jeder Weinfreund längst gemerkt. Mittlerweile sogar auch die kommerziell falsch gelegenen, marktfremden Château-Besitzer selbst. Die hocken nämlich jetzt auf nicht unbeträchtlichen Beständen der Jahrgänge 2015, 2016, 2017 und 2018.

Und jetzt scheint es so, dass allenfalls die grosse Primeur-Party anfangs April ganz abgesagt wird. Dies ist dann die einmalige Chance der journalistischen Einzelkämpfer, welche mit ihren Berichten und Wertungen doch noch die frohe Botschaft des offensichtlich gelungenen 2019er Jahrganges in die Welt posaunen können. Dann haben die Besitzer und Direktoren die «einmalige Chance» sich zum fünften Mal in der Folge beim Preis zu irren.

Aber – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Vielleicht gibt es heuer einen «Corona-Rabatt»!   

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MITTWOCH IST PINOTTAG

Eigentlich trinke ich – in der Regel – nur an jenen Wochentagen einen Pinot Noir welche mit «…tag» aufhören. Aber Mann kann ja mal an einem Mittwoch eine Ausnahme machen.

Die Lust war einfach zu gross. Aus logistischen Gründen musste ich diesen Karton umschichten. Damit er nicht zu schwer war, nahm ich eine Flasche heraus, um meinen Rücken zu schonen. Das war eine gute Idee, wie sich später im Glas herausstellte. Fast kein anderer Winzer macht so dunkle Pinot Noirs in der der Schweiz. Damit meine ich nicht die Farbe, sondern die dunklen, tiefgründigen Aromen welche Jacques Tatasciore aus seinen Weinen herauskitzelt. So beweist er, dass das Wort «Terroir» für ihn kein Fremdbegriff ist.

Seine Weine sind derart beliebt, dass der winesearcher bei der Suche völlig überfordert ist. Und so ist es denn auch so, dass ein stolzer Besitzer von ein paar Fläschchen auch keine mehr her gibt. Gabriel inklusive!

Der 2014 Pinot Noir les Rissieux von der Domaine de la Rochette ist kein massiver Pinot Noir. Auch keiner, den man in Blindproben reinstellt in der Hoffnung, dass er gewinnt. Es ist ein geduldiger, schon fast klassisch anmutender «Neuenburger-Burgunder», den man erwartungsvoll entkorkt, ihm dann nach und nach begegnet, die Genusskommunikation sucht und ihn idealerweise über Stunden begleitet.  

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Bordeaux-Primeurs ...

ES DARF GESPUCKT WERDEN?

Gemäss heutigem Communique hoffen die Bordelaiser Winzer immer noch, dass die gross angelegten Primeur-Verkostungen in und rund um Bordeaux anfangs April stattfinden können. Erwartet werden ein paar tausend Besucher! Mir persönlich scheint dieses Vorhaben mit jedem neuen Corona-Tag immer unwahrscheinlicher. Das wäre aber jammerschade. Denn gekauft werden die jungen Bordeaux fast nicht mehr - aber (bis jetzt noch) immerhin degustiert ...


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CHÂTEAU PALMER «SBL»

Das ist keine Spezialabfüllung, sondern ein ganz normaler Palmer. Mit «SBL» bezeichnen Auktionshäuser und Broker Flaschen mit nicht so schönen Etiketten mit dem englischen Kürzel: slightly bad label. Somit sinkt der Handelspreis gegenüber dem Top-Zustand. Der Inhalt bleibt der Gleiche, sofern der Füllstand o.k. ist.

Der 1990 Château Palmer ist seit Jahren auf einem gefährlichen Zenit. Und das wird auch noch eine gute Weile so bleiben. Das ist die unerklärliche Garantie grosser Bordeaux-Crus. Der hohe Ertrag und der heisse Herbst, welcher die Merlottrauben leicht rosinieren liess, machen aus diesem tänzerisch süssen Palmer fast einen Nuits-Burgunder. So ist er dann etwas weniger gross als die ganz grossen Palmer und dieses Manko wird mit betörendem Trinkspass sofort wieder ausgeglichen.

Warum ich diesen Palmer öffnete? Ich wollte die soeben gekaufte Charge testen, denn ich will mich anlässlich des geplanten Events dann nicht blamieren. Am 19. Dezember dieses Jahres öffne ich nämlich in Sempach 21 Jahrgänge von Château Palmer. Das ist dieser Palmer dann auch dabei. Mit SBL-Flaschen … 

P.S. Plätze hat es momentan noch ... 

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PREMIERS KAUFEN
= SELBER SAUFEN

Wer glaubte mit Premier Grand Crus vom Jahrgang 2010 den grossen Reibach zu machen wird jetzt des Besseren belohnt. Live Ex hat grad die neuesten Zahlen publiziert. Die grossen Namen verloren gegenüber dem Primeurkauf an Wert. Will heissen; man kauft jetzt günstiger als noch vor Jahren.



Die neue Avant-Garte ist das sympahtische Mittelfeld geworden. Und den ehemaligen Premier-Lokomotiven ist der Dampf ausgegangen. Eine gute Nachricht gibt es aber trotzdem für die Investoren. Man ist immer noch «liquide» …

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IN TOPFORM

Gestern wollte ich einen 1999er Pape entkorken. Habe ich auch gemacht. Doch der Kork der korkte. In einem solchen Fall öffne ich nie eine zweite Flasche vom demselben Wein. Ich will nicht gleich zwei Mal enttäuscht werden.

Aber Pape-Clément wollte ich eigentlich schon. Also liess ich mich nicht von dieser Vision anhalten und entkorkte einen 2001er. Bingo! Immer noch sehr dunkel. Die Aromen ebenfalls dunkel. Teer, Lakritze, schwarzer Pfeffer, Holunderbeeren und recht viel rauchiges Cassis.

Ein unglaublich toller 19-Punkte-Pessac. Der würde wohl dem Mission oder Haut-Brion in nicht viel nachstehen. Ausser beim immer noch recht günstigen Marktpreis.

Ein weiter Indikator für die gute Qualität. Die Madame war von diesem Wein auch begeistert.  So sehr, dass ich ehr und redlich teilen musste …




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ANGST VOR UTA

Während Weinfreunde aller Art immer noch für einen richtigen Korken in der Flasche proklamieren, haben Spitzenproduzenten aus Not klammheimlich umgerüstet.

Selbst die angesehene Burgunder-Domaine Leflaive verzapft ihre Weine mit einem DIAM. Aus Angst vor UTA. Das ist eine heimliche Seuche von untypischem Alterston. Nicht ganz unverschuldet sind bei diesem Prozess "natürliche Korken" ...

https://www.diam-kork.com


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BALLETT GRANGE

Im Prinzip ist ein Penfolds Grange immer die Summe aller Dinge.

Also mutet er reich und üppig an. Irgendwann schrieb ich; "er hat von allem was man erwarten kann einfach zu viel".

Doch er kann auch Ballett! Aber nur als Ausnahmeregel.

Gestern haben wir eine Flasche 1992 entkorkt. Ich war erstaunt wir frisch und wie anmutend diese Australien-Legende daher kommt. Irgendwie sind diese fast 30 Jahre Flaschenlagerung spurlos an ihm vorbei gegangen.

Sicherlich gehört der 1992 nicht zu den ganz grossen Grange-Jahrgängen. Das ist aber so ein Shiraz-Blend, bei welchem auch nach dem zweiten Glas noch nicht satt ist.

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SASSICAIA SUPERSTAR?

Wer Sassicaia vorbehaltslos liebt ist entweder zuweilen aromenblind oder ein Etikettentrinker. Nicht selten erhebt er den Anspruch in Blindproben bei den teuersten Loosern zu sein.

Die Geschichte um diesen gefragten Toskaner mit der blauen Kapsel und dem goldenen Stern auf azzurblauem Hintergrund ist so durchzogen wie eine önologische Speckschwarte.
Der 1985er ist eine Legende, welche zu 50 % garantiert korkt. Der 2006 ist mein persönlicher Favorit. Und den 2016 wollen alle haben, weil 100 Punkte.

Gestern entdeckte ich beim Inventarisieren einen einsamen 1995er. Gute Idee! Dachte ich. Was ich ignorierte, obwohl ich es eigentlich hätte wissen müssen; ich habe / hatte ihn zu wenig lange dekantiert.

Also begann er etwas verdeckt, respektive zurückhaltend, respektive minim schwierig. Und er war - weil direkt aus dem Keller - etwas zu kalt. Noch ein weiteres Handicap. Also schob ich das Nachtessen nach hinten und gönnte ihm die Zeit welche er brauchte.


Die Luft tat ihm gut und er zeigte sich als artisanaler Klassiker. Die Frucht war fast weg, die Kräuter nahmen anstelle Platz. Er vermittelte auch erdige Schokotöne, welchen man auch eine Schwarztrüffel-Affinität zumuten könnte.
Zweifellos - er legte zu und war dann fast sehr gross. Aber nur von seiner Körperform und seinem Charakter. Rein önologisch hätte man das schon gewisse Dinge kritisieren können ...

Um ihn in dieser Form vorbehaltslos lieben zu können, muss man (wie Gabriel) etwas tolerant sein. Oder halt ein Etikettentrinker. Dank diesen lebt Sassicaia besonders in den nicht seltenen, schwierigeren Jahren schon ganz lange ...

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LIEGT MEURSAULT AUCH IN LEUTSCHACH?

Bei unserer weinigen Reise durch ganz Österreich durfte die Schweizer Truppe auch in Leutschach Halt machen. Der Winzer Erwin Sabathi zeigte uns stolz seine aktuelle Palette. Die Dinger pfeifen so richtig. Für mich ist der Sauvignon Blanc immer noch die Königstraube in der Steiermark. Sabathi schafft es aber, dass der Chardonnay in letzter Zeit stetig aufgeholt hat.

Ein Beweis für diese Theorie liefert der 2018 Chardonnay Alte Reben Ried Pössnitzberg. Dies ist der beste Chardonnay, welchen ich je aus Austria verkostet habe. Er verdient 19 Punkte. Damit will ich andere Chardonnay-Produzenten keineswegs schmälern. Wenn ich Attribute aufstelle, dann ziehe ich immer alle Faktoren mit in meine Aussagen hinein. Der erwähnte Wein ist bezüglich Intensität, Typizität und Potential einzigartig. Dass er dann auch noch fast wie ein gigagrosser Meursault-Charmes duftet und schmeckt mag (k)ein weiterer Zufall sein …  

Bild: Rundherum die Schweizer Weintruppe. Hinten am Tischkopf; Erwin Sabathi.   

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PATRIOTISMUS

Bei einem Besuch im Weingut Tesch in Neckenmarkt probierten wir schon frühmorgens die ganze Palette durch. Am Schluss stellte uns Hans Tesch den 2015 Patriot auf den Tisch.

Nach ein paar Sekunden Nasenkontakt zückte ich verzückt ein Blatt Papier und schrieb es voll. Eigentlich musste ich selber gar nicht schreiben – es «schrieb von selbst» mit mir. So aus der Erinnerung notierte ich zu diesem sehr dunkelroten Blaufränkisch: Mineralische Nase, dunkle Schokonoten, reife Pflaumen, Kaffee, schwarze Pfefferkörner, Teer und Mahagoni. Im Gaumen zeigt er Muskeln, aber auch eine verschwenderische Ration Fleisch, gibt sich barock, ernsthaft und ist derart maskulin, dass sein Körper zum hünenhaften neigt.  

Der Patriot stammt aus sehr alten Reben (40 bis 60 Jahre alt). Der relativ lange Ausbau in 225-Liter Eichenfässern macht ihn zum modernen Wein-Fels in der Blaufränkisch Brandung.

P.S. Was ich selten mache; ich fragte nach einer zweiten Flasche. Die tranken wir dann genüsslich am folgenden Sonntag bei Roman Jäger in Weissenkirchen. Notizen machte ich mir keine, weil ich mich ja an das voll beschriebene Blatt meines Winzerbesuches erinnerte. Jetzt ist eine Woche vergangen und ich finde einfach meinen Zettel nicht mehr. Aber an den genialen Wein kann ich mich noch bestens erinnern. Und das wird wohl noch lange so bleiben. 19/20!  

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KOLLWENTZ MIT JAHRZEHNTE-GARANTIE

Was Kollwentz kann, können nur wenige Austria Winzer. Auf so hohem Niveau seit Jahrzehnten abliefern. Jetzt habe ich grad die aktuelle Palette durch degustiert. Auch dies zeichnet einen Winzer aus. Bei Kollwentz merkt man fast nicht, ob es sich um einen grossen oder eventuell um einen etwas schwierigeren Jahrgang handelt.
Wir standen zuerst im Keller und durften alle Chardonnay 2019 ab Fass durchkosten. Das wird ein Spass auf ganz grossem Niveau.

Danach waren die aktuell bereits gefüllten Rotweine im Glas. Auch hier ist die Latte hoch gelegt. Mein Favorit von Qualität-Preis und Leistung: 2016 Blaufränkisch Ried Setz. Meine Bestellung ist bereits unterwegs …  

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LETZTER WILLE – KNOLL MARILLE

Vor ein paar Jahren schrieb ich, dass ich gerne in meinem Sterbebett als letzten Schluck einen 1937 Château d’Yquem trinken möchte. Mittlerweile ist genau diese allerletzte Flasche einer Raritätenverkostung zum Opfer gefallen. Also muss ich mich hinsichtlich des «letzten Tropfens vor dem Ableben» zwanghaft neu orientieren.

Ein paar Monate war ich jetzt grad ohne Knoll Marillenschnaps. Wie habe ich diesen Brand vermisst. Nicht dass ich ihn täglich trinke, aber so zwischendurch einen kleinen Schluck in einem Espresso macht da jeden Kaffee noch etwas besser. Oder als Sonntagsmittagsbelohnung nach einem vorzüglichen Mahl eignet er sich ebenso hervorragend. Bei unserem Besuch in der Wachau wurde dieses Manko jetzt endlich wieder ausgeglichen. Ein paar von diesen kleinen Flaschen liegen wieder jederzeit bereit für alle Fälle. Und auch für den letzten Fall.

Das ist dann wohl viel gescheiter wie Süsswein. Nicht auszudenken, wenn ich in meiner letzten Phase zuckerkank wäre. Dann wäre dieses Unterfangen der Gesundheit möglicherweise sehr abträglich.

Also habe ich mein Testament von Yquem-Sauternes auf Wachauer Marillenbrand von Knoll abgeändert. Der hat immer Saison und er desinfiziert sogar noch …    

#humoristwennmantrotzdemlacht

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SATURIO AUF SENSATIONSKURS

Die Erfolgsgeschichte geht weiter. Saturio heisst der wohl beste Merlot aus Österreich. Momentan wird die fünfte Edition (Jahrgang 2018) auf den Markt gebracht. Dank perfekten Wetterbedingungen wurden davon erstmals mehr als tausend Flaschen gefüllt. Die Vision von Andreas Nikolai geht auf.

Saturio ist zwar irgendwie schon ein «Geschenk der Natur», aber auch hier gilt das Motto «ohne Fleiss keinen Preis». Handarbeit prägt diesen genialen Merlot vom Rebberg bis in die Holzkiste. Wer den Anspruch erhebt alle grössten Weine dieser Welt schon einmal im Glas gehabt zu haben, der hat mit dem Saturio jetzt ein neues Must!  

2018 Saturio Ried Bügeln, Garagenwinzer Nikolai, Thermenregion: Preis ab 128 Euro. Produktion; 1100 Flaschen, plus ein paar Grossflaschen. 100 % Merlot. Ausgebaut in drei Taransaud und zwei Seguin-Moreau Barriquen. Violett-Rubin mit lila Rand. Spontanes, delikates Bouquet. Dies startet mit roten Kirschen (Weichseln) und leitet über bis hin zu Schwarzkirsche. Nach ein paar Sekunden treten Himbeeren und Walderdbeeren ins Nasenbild. Dies in frischer bis hin zu schier berauschend konfierter Form. Es handelt sich da um einen faszinierenden, schier parfümiert wirkenden Fruchtreigen. Minime Kräutertöne und ein floraler Schimmer frischen das Ganze noch mehr auf. Nach ein paar Minuten zeigen sich Edelhölzer, zartes Vanillin und helles Caramel. Im Gaumen ist er, gleich von der ersten Sekunde weg, eine der elegantesten Varianten alles bisherigen Saturio’s. (Erster Jahrgang 2014). So mutet denn diese Guntramsdorfer-Rarität eher mittelgewichtig an. Das Extrakt und die Tannine zeigen eine hohe Reife an und bilden so eine feine, royale Adstringenz. Die Säure ist bereits perfekt integriert und produziert eine wunderschöne Länge im gebündelten Fluss. Man kann sich daran nicht satt trinken. Diesmal kommt er gefährlich «pomerolig» rüber und man könnte ihm durchaus eine nicht unbescheidene La Conseillante-Affinität andichten. Das Potential ist mit 20jähriger Garantie ausgestattet. Dieser fantastische Saturio ist die zärtlichste Versuchung, seitdem es Merlot gibt! 19/20 beginnen

Bezugsquellen: für EU: https://garagenwinzer.at/
In der Schweiz gibt’s ein paar Flaschen bei www.gerstl.ch


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ARACHON: VON EVOLUTION ZU REVOLUTION

Das Wort «Evolution» ist mit dem Jahrgang 2017 auf dem Etikett verschwunden. Ersetzt wurde es durch den schlichten Schriftzug «Burgenland». Dieser neueste Jahrgang ist derartig sensationell, dass die honorigen Namensgeber (Szemes, Pichler, Tement) auch «Revolution» hätten aufprägen können.

Den Arachon gibt es mittlerweile schon mehr wie 20 Jahre. Der Erstlingsjahrgang 1996 war zwar sehr gut, wurde in der Szene – trotz pompöser Ansagen – zaghaft aufgenommen. Im Prinzip zeigte diese ehrgeizige Idee, dass man im Burgenland Qualität multiplizieren kann. So zusagen das «Mondavi-Prinzip». Der Arachon fand in der Folge viele Fans. Doch die Vision konnte (noch) nie so richtig erfüllt werden. Zugegeben, das Produkt litt nicht nur unter Jahrgangsschwankungen, sondern unterlag auch veritablen Vinifikations-Achterbahnen. Dabei gebe ich gerne zu, dass mich nicht wenige ältere Jahrgänge nach ein paar Jahren Flaschenreife oft positiv überraschten.

Der 2017 Arachon ist derartig sensationell, dass es sich für Austria-Rotweinfreaks, Gastronomen und Händler wieder lohnt auf die neue Zugskomposition aufzuspringen. Dabei ist dieser «neue Arachon» ein noch deutlicheres Blaufränkisch-Zugeständnis als je zuvor. 85 % befinden sich im perfekten Blend, welcher mit Zweigelt, Cabernet Sauvignon und Merlot ergänzt wird. Erstmals wurden auch Trauben von Schieferböden aus Höhenlagen der Region Neckenmarkt selektioniert. Diese liefern diese unglaubliche Primärfrucht. Das Fundament besteht wie bisher aus dichten, schweren Lehmböden. Der Weinmacher ist Oscar Szemes. Er hat sich mit diesem sagenhaften Wein ein mittelgrosses Denkmal gesetzt.    

2017 Arachon T•FX•T, Burgenland: Sehr dunkles Violett, rubiner Rand, in der Mitte fast Schwarz. Intensiver, geradliniger Bouquetbeginn. Brombeeren, Cassis und Lakritze quengeln im ersten Nasenansatz nach vorne. Der zweite Bouquet-Eindruck zeigt Vanillemark, Pumpernickel, Mocca, schwarze Pfefferkörner und dunkle Pralinen. Die feine Süsse versprüht eine Prise Erotik. Im Gaumen dicht und fein gleichzeitig elegant. Die Gerbstoffe sind seidig, der Körper lang und ist jetzt schon mit viel Charme unterwegs. Das Finale gebündelt lang und wieder ein Reigen von schwarzen Beeren und Black-Currant. Hier wird ein neues Kapitel vom Arachon geschrieben. Dieses wunderschöne Exemplar gehört fraglos zur Austria-Rotwein-Elite. Obwohl der Wein ein versprechendes Potential aufweist, vermittelt er ein nahezu hemmungsloses Verkostungserlebnis. 19/20 beginnen   http://www.arachon.com/

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BORDEAUX 2017

Kaum abgefüllt - schon degustiert! André Kunz hat mehr als 50 Bordeauxweine vom Jahrgang 2017 verkostet und bewertet. Alle Farbfacetten, also weiss, rot und süss. Sehr gute Weine, welche sich sehr gut für den Genuss, aber nicht für sehr lange Lagerung oder für Spekulation eignen. Die Preise sind leider nicht besonders attkartiv. Da der Primeurhandel eher schwach war, ist es anzunehmen, dass da und dort gewisse Aktionen auftauchen werden. Einem Wein hat André Kunz 19/20 Punkte verliehen. Welcher das ist erfährt man auf www.bxtotal.com

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KRIEG-SAUTERNES

Kaum vorstellbar unter welchen Bedingungen die Winzer ihre Weine mitten im Krieg herstellten. Flaschen gab es nur noch eine Sorte. Keine grünen und auch keine durchsichtigen. Praktisch nur noch bläulich-grüne. Aus zusammengeschmolzenen Restposten.
Und mitten in diesen schwierigen Bedingungen ist im sonst als sehr bescheiden gehandelten Jahrgang 1943 ein kleines Sauterneswunder entstanden. Dieser Rieussec ist fast schwarz. Der Wein ist nicht besonderlich süss, aber extrem aromatisch mit rauchigen Korinthenspuren und kaltem Darjeeling. Ein unerwartetes Konzentrat. Ein Wein der zwar glücklich, aber gleichzeitig auch nachdenklich macht. 18/20

P.S. Auf dem Bild kann man im Hintergrund den nicht ganz unbekannten Sponsor erkennen.
www.sauternes.ch   

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MALANSER CHAMBERTIN?


Die Versteigerung vom ersten Jahrgang 2013 mutierte zur schweizerischen Sensation. Ehrgeizige Bieter legten für eine einzige Flasche von diesem sagenhaften Pinot Noir bis zu 1000 Franken hin …

Auch der 2015er dürfte zur «Crème de la Crème» in der Schweizer Rotweinszene mutieren. Denn – es sind ganz grosse Wertungen der einflussreichsten Journalisten zu erwarten. Die Produktion; zwei Pièçen. Abgefüllt wurden total 585 Normalflaschen. 120 Bouteillen davon dürfen wir exklusiv an der Weinbörse-Auktion im Mai 2020 in Bad Ragaz anbieten. Es gelangen keine weiteren Flaschen in den Verkauf. Schliesslich heisst «Privée» ja auch privat!





2015 Pinot Noir Privée, Donatsch: Aufhellendes Rubin, feiner Rand aussen. Umwerfend süsses, reifbeeriges Bouquet, welches im zweiten Ansatz anfänglich Waldhimbeerduft versprüht und dann kandierte Fruchtkomponenten widergibt. Bereits das Nasenbild ist ausufernd und berauschend. Nach und nach treten Kirschen, Cassis und Maulbeeren in den gigantischen Fruchtreigen. Im Gaumen geht diese Pinot-Drogen-Aromatik nahtlos weiter. Der Körper ist einerseits kompakt, tanzt aber gleichzeitig förmlich über die Zunge. Die Aromatik bleibt auch hier mittig im rotbeerigen Bereich und polarisiert mit der feinen, bereits integrierten Säure mit roten Johannisbeeren und Himbeergelee. Die Intensität ist zwar verlangend, aber auch hier schafft es dieser Wein mit Grazie und Balance zu überzeugen. Nebst der primär verschwenderischen Frucht findet man hier deutlich Anzeichen von floralen Zügen und Würze. Dies in Form von Zedern und weiteren Edelhölzern, sowie einem ersten Schimmer von hellem Tabak. Das Finale ist erhaben und zeigt zarte Spuren von Nusspralinen, Kokos und Vanille. Dieser Bündner Weltklasse-Pinot steht nicht nur mit einem Bein im Burgund, sondern mit beiden Füssen mitten im Chambertin. Das Potential ist gewaltig und trotzdem wird dieser Ikonen-Donatsch immer eine Jugendsünde wert sein. «Enjoyment by excitement!».  20/20 (René Gabriel)

Infos zur Versteigerung: www.weinboerse.ch

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In meiner Hauszeitung gefunden. Wusste ich auch nicht ...
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HETEROGENES SPITZEN-WEIN-QUARTETT
 
Heterogenität bezeichnet die Uneinheit-lichkeit der Elemente einer Menge oder deren Bestandteile. Der Begriff kommt in allen Natur- und Geisteswissenschaften vor. Als heterogen wird das übergeordnete System bezeichnet, nicht seine einzelnen Bestandteile. Im Gegensatz zu Heterogenität steht Homogenität.

Glauben Sie mir jetzt aber bitte nicht, dass ich so clever bin und diese Beschreibung der Heterogenität selbst hinschrieb. Einmal mehr ist mir an dieser Stelle das allwissende Wikipedia zu Hilfe gekommen.
Im Fall dieses, als Titelbild benutzen Weinquartetts, steht das heterogene dafür da, dass diese vier Flaschen, zumindest auf den ersten Blick, praktisch nichts miteinander zu tun haben. Und das kann man auch durchaus so im Raum stehen lassen.

Kein Etikett gleich dem andern. Es sind schon auffällige Labels, aber ganz unterschiedliche.

Der Wein ganz links im Bild ist ein 100prozentiger Merlot. (Masseto). Der Pomerol setzt auch auf einen Blend, in welchem man schon ganz viel Merlot findet. Der wichtigere Part in der Assemblage ist der Cabernet Franc. (L’Eglise-Clinet). Ganz viel Cabernet ist im nächsten Bordeaux drin. Ergänzt durch einen minimen Anteil von Cabernet Franc. Der in New York lebende Künstler Jeff Koons durfte sogar noch ein «Bildli» malen, damit die Flasche besonders hübsch aussieht. (Mouton-Rothschild). Dagegen kommt der Spanier rechts im Bild dann schon ziemlich brav rüber. Ein Schriftzug mit sechs Buchstaben, ein Jahrgang und ein kleiner blauer Punkt. Simpel, aber effizient. (Pingus).

Ein Italiener aus der Maremma (Masseto). Ein Pomerol der vom rechten Garonne-Ufer stammt (L’Eglise-Clinet), ein Pauillac links von der Gironde (Mouton-Rothschild) und Spanier aus ein Ribera del Duero (Pingus).
Da gibt es keinen gemeinsamen Nenner!

Aber – irgendwie findet man dann doch gewisse Parallelen. Man muss nur etwas studieren und vor allem genauer hinsehen.
Alle Weine sind vom grossen, versprechenden Jahrgang 2010. Und der war in all den genannten Gebieten grossartig bis sensationell.
Hinter jeder dieser Flaschen steht ein nicht unbescheidener Marktwert. Und dieser beträgt bei jedem Exemplar mehrere hundert Franken.
Was man möglicherweise nicht so genau sieht, alle Flaschen sind leer. Also hat «Mann» diese getrunken.
Mit «Mann» sind Mannen gemeint. Der Bärti, der Adi, der Christoph und der René.
Wir treffen uns gelegentlich zum Jassen. Mal in der Innerschweiz, mal in der Nähe von Zofingen. Da nimmt jeder jeweils eine schöne Flasche zum Lunch mit. In der Regel bleiben wir bei der Selektion «für unsere Verhältnisse» relativ normal. Diesmal ist es sich so leider nicht ausgegangen. Und das kam so …

Mein Freund Bärti rief mich an und fragte, was ich da so an Wein mitnehmen würde. «Weiss nicht» antwortete ich und fragte zurück, «was liegt auf der anderen Seite an?»

Seine darauffolgende Antwort legte die Messlatte unwiderruflich fest: «Die rauschen mit einem Eglise-Clinet und mit einem Pingus an. Bei vom Jahrgang 2010.». Dann ergänzte er noch beipflichtend; «Ich komme mit einem Masseto 2010».
Ich ging mein Excel-Weininventar durch und legte den Filter mit «2010» rein. Also musste ich nach etwas suchen, was zwar nicht reinpasste, aber auch relativ gut zum vorgelegten Budget harmonisierte.

Und schwupp, musste ich einen Château Mouton-Rothschild 2010 ausbuchen.

Der Bericht und die Verkostungsnotizen aller Weine: www.bxtotal.com

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NICHTS FÜR ETIKETTENTRINKER

Früher waren es die Sammler, welche Flaschen von Mouton-Rothschild erwarben und dann erhofften, dass sich der Wert, wegen den schönen Etiketten steigern würde.

Meist lümmelten die Flaschen dann zur Ansicht im Keller rum und nicht wenige davon waren nach ein paar Jahrzehnten nur noch zum Anschauen schön, weil der Inhalt über dem Zenit war.

Der Mouton 2000 hat keine Etikette, sondern eine Prägung und trotzdem steigt sein Wert in den letzten Jahren stetig. Momentan liegt der Preis schon fast bei 2000 Franken im Handel. Plus Verpackung, Transport und Mehrwertsteuer.


Wir haben ihn in einem hier nicht genannten Restaurant für 1000 Franken entdeckt. Inkl. Transport und Mehrwertsteuer. Und erst noch charmant von Tina serviert.

Zugegeben der Wein ist sensationell. (20/20). Was mir an der Story nicht so ganz gefällt, ist die Grösse und das Gewicht der neuen Mouton-Flaschen seit genau diesem Jahrgang. Das Understatement der normalen Bordeauxflasche hat auf massigen Exhibitionismus gewechselt. Das hat ein so grosser Wein eigentlich gar nicht nötig ...

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KÄGI’S ZWEIHUNDERTFRANKENWEINGRENZE

Richard Kägi ist der René Gabriel der Foodszene. So mal hier einfach platziert mein simpler Vergleich, um ihn mit einem Satz zu beschreiben. Dabei muss ich zugeben, dass wir uns noch nie auf Augenhöhe begegnet sind. Schade. Das müssen wir ändern. Noch in diesem Jahr …

Es ist praktisch gleich alt. Nur ein minimes Jahr jünger. Während ich mich stufenweise aus dem Weinzirkus zurück ziehe, ist Kägi allgegenwärtig und unermüdlich. Seine foodigen Posts sind nicht nur Appettitanreger, sondern auch nachmachsüchtigmachend. Bei seiner «Lasagne vegetariana» würde ich mich jederzeit auf einen fleischlosen Tag freuen.

Wer bereit ist, für Lebensmittel weniger auszugeben, der bekommt die grössere Auswahl. Dieses Motto gilt für Kägi nicht. Er macht zwar mit einfachen Dingen ein bestmögliches Gericht, geizt aber nicht bei der Selektion der Zutaten. Darf er auch nicht, denn bei Globus ist Lebenmittelramsch tabu.    

Doch nun zum kürzlichen Interview im Vinum. Da stellt ein Journalist dem Kägi ganze 25 Fragen. Die Antworten kommen nach dem P-P-P-Prinzip. Präzis. Prägnant. Persönlich. Dabei hat man beim Lesen das spontane Gefühl, dass Kägi’s Antworten ein klares Motto deklarieren. «Am besten sagt man die Wahrheit. Dann weiss man nach ein paar Jahren noch, was man damals gesagt hat».
Zwei der Antworten lassen mich sutzen. Da wird nach dem besten Wein seines Lebens gefragt und wo er den getrunken habe. Kägi antwortet: «Hermitage La Chapelle 1961. Zuhause. Alleine». Das ist auch meiner Legendenlieblinge. Nur so zum Gwunder gehe ich schnell auf den winesearcher.com und schaue, was man da noch im Markt so finden könnte. So um 10'000 Franken kostet ein Flacon von dieser Ikone. Leider mit wenig Garantie, dass man da noch eine echte Flasche bekommt. Der war früher billiger, viel billiger. Denn …

Bei der fünften Frage fragt der weinige Journi den foodigen Kägi: «Welcher Wein ist für Sie preislich eine Sünde wert?». Die Antwort folgt unwiderruflich und deklariert einen diskussionswürdigen Ausspruch: «Mehr als 200 Stutz ist kein Wein der Welt wert».
Ich lese diese Aussage und mache mir dazu ein paar Gedanken. Verwerfe diese aber gleich wieder. In den folgenden Tagen kreist dieses Thema aber immer wieder vor meinem geistigen Anlitz. Macht Selbstlimitierung in diesem Sinne einen Sinn? Der italienische Winzer Silvio Jerman kreierte einst einen Chardonnay mit dem Titel «Where dreams have no end». Der kostet zwar nur etwa 50 Franken, deutet aber darauf hin, dass Weinträume unendlich sein können.

Muss man, wenn man von einer Weineinkauf-Obergrenze von 200 Franken spricht, auch annehmen, dass Kägi denselben Betrag für ein Menu bei einem Spitzenkoch nicht auszugeben bereit ist? Nach dem Berechnungsmotto: Kein Spitzenwein – kein Spitzenkoch! Verzicht gleichzeitig auf Mouton-Rothschild, Andreas Caminada, Masseto, Peter Knogl, Opus One, Franck Giovannini und Egon Müller?
Wie schaut es denn in dieser Sache bei mir aus? Wenn ich Wein mit Essen vergleiche und mir dabei die ganz persönliche Budgetfrage stelle? Im direkten Vergleich mit Kägi! Ich brauche keine Spitzenköche um glücklich zu sein. Denn ich hasse grosse, unübersichtliche und zeitraubende Menuabfolgen bei denen man sich einen Tag später nicht mehr erinnern kann, was man da überhaupt durcheinander gegessen und auf den stets farblich und in der Grösse ändernden Tellern vorfand. Zudem ist bei Spitzenköchen der Wein meist sinnlos überteuert. Immer mit der begleitenden Begründung, dass man an einem sündhaftteuren Menu in der Gastronomie heutzutage nichts mehr verdienen kann.

Im Kopf versuche ich mich zu erinnern, was ich in den letzten Wochen so im Gabriel-Glas hatte. Es gelingt mir unglaublich viel der entkorkten Flaschen zu evaluieren und zu rekonstruieren. Ich bringe all diese Erlebnisse auf ein Blatt Papier und schreibe die ungefähren, aktuellen Marktpreise dahinter. So gesehen haben Kägi und ich das Heu absolut auf dersleben Bühne. Ich liege sogar noch 20 Franken darunter. Also bei nur 180 Franken pro Flasche. Im Schnitt …  

Mehr über den spannenden Food-Scouter: www.richardkaegi.ch

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GÖTTLICHES HAHNENWASSER

Wasser ist Bestandteil aller Körperzellen und ist nötig für den Stoffwechsel. Wasser regelt die Körpertemperatur, nicht nur wenn wir im Sommer schwitzen. Trinken wir zu wenig, schadet das unseren Organen – und zwar allen. Ausserdem brauchen wir ausreichend Flüssigkeit für Gehirn, Schleimhäute, Verdauung und Nieren.

Das weiss Wikipedia. Und eigentlich wissen wir das ja alle auch. Nur nicht im Detail und auch nicht im Gesamten. Also trinken wir Wasser, weil man das muss und weil wir uns es so gewohnt sind.
In den letzten Monaten bin ich zu Hause komplett auf Hahnenwasser geswitcht. Zwar wollten mir ein paar freundliche Berater eine nichtganzbillige Wasseraufbereitungsanlage verkaufen. Ich war sogar kurz davor, mir so ein Ding anzuschaffen.

Im Internet habe ich mich dann erkundigt, woher eigentlich das Trinkwasser von Eschenbach stammt. Die gefundene Info: «Von Eschenbach ausgehend verläuft über Ballwil nach Hochdorf im Untergrund eine eiszeitlich angelegte Felsrinne. Dieser alte Felstrog wurde durch einen Schotterkomplex aufgefüllt und mit einer Moränendecke wieder überdeckt. Der darin zirkulierende Grundwasserstrom beginnt nördlich von Ballwil und teilt sich dann in zwei Arme: der eine fliesst südwärts gegen Eschenbach, der andere nordwestwärts gegen Hochdorf». Weiter wird bezüglich der Qualität wie folgt informiert: «Die Qualität unseres Wassers entspricht den strengen chemischen und mikrobiologischen Anforderungen des Lebensmittelgesetzes. Regelmässige, eigene Kontrollen, sowie durch das kantonale Laboratorium garantieren eine einwandfreie Qualität des Trinkwassers».

Also trinke ich das «Südwasser», direkt aus dem häuslichen Wasserhahn. Es schmeckt göttlich und ist sehr erschwinglich. 1000 Liter kosten mich CHF 1.30. Also kostet mich der abgebildete Liter. 0.13 Rappen. Nichts gegen ebenbürtiges, weit transportiertes und in PET-Flaschen abgefülltes Mineralwasser. Das schaut in den Regalen, dank anmächeliger Werbung, immer wunderschön aus.  Auf dem Müll ergeben diese geschrumpelten PET’s aber leider ein durchwegs hässliches Bild. Und wecken, wenn man nicht ganz skrupellos ist, auch gewisse Schuldgefühle.

Göttliches Hahnenwasser! Nutzen wir es, solange es dies in dieser Qualität mit Gratis-Hauslieferung noch gibt …

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CHÂTEAU HAUT-BRION
 
Manchmal reicht der Name von einem Château als Titel völlig aus. Besonders wenn es sich um einen der allerbesten Bordeaux-weine überhaupt handelt. Und wie immer braucht es für eine gute Geschichte; a.) Wein, b.) Freunde, c.) einen Austragungsort, d.) viele Gläser und e.) ein feines Menu dazu.

Insgesamt kamen so 17 Jahrgänge von 1926 bis 2000 zusammen. Der ganze Bericht. Ein paar Eindrücke unten ...

OBERDEKANTIERER

André Kunz, der Organisator betätigte sich selbst als «Oberdekantierer». Was sich so leicht anhört, ist sehr konzentrierte Arbeit. Besonders, wenn alte Flaschen im Spiel sind ...
HAUT-BRION-GENUSS MACHT ALT  

Zumindest beweist diese These die Historie.

Ein ehemaliger Besitzer von Château Haut-Brion, Jean de Pontac, heiratete zwei Mal und zeugte 15 Kinder.

Er starb im Jahr 1589 und wurde 101 Jahre alt!

1929 Château Haut-Brion: Sehr dunkles Weinrot, zart oranger Rand, in der Mitte satt. Traumhaftes Bouquet, sehr vielschichtig, Rosinenduft, Kruste von Sauerteigbrot, Schokodrink, irgendwie erinnert er auch einen Château Rayas mit seinem kräutrigen Terroirduft. Im zweiten Ansatz; Kandis und reifer, gigantischer Port. Im Gaumen süss und delikat, er tanzt richtig gehend über die Zunge. Die Resttannine sind hoch fein und liefern eine royale Adstringenz und stützen so diesen hoch klassischen, perfekt gereiften Haut Brion. Er ist monomental ohne Arroganz zu sein. Zeigt Power und Finesse und erinnert im Finale geschmacklich an einen hoch reifen Sauternes, ohne dabei parallel die Süsse zu applizieren. Ein Pessac-Reigen der alle Weinsterne tanzen lässt. Das gigantische Universum der Pessac-Galaxien. 20/20 trinken  
UNITED FLAVOURS OF HAUT-BRION

Aus lauter Vorfreude habe ich mich am Vortag an den Computer gesetzt und mir überlegt, was ich da so alles an Haut-Brion-Aromen antreffen werde. Nach langen Überlegungen und emsiger Arbeit ist diese Power-Point-Collage (Bild oben) entstanden. Natürlich besteht ein ganz grosser, reifer Bordeaux aus mindestens 1001 Aromen. Hier folgend trotzdem ein Versuch den wichtigsten Aromen-Kategorien auf die Schliche zu kommen.  

Cassis: Aus dem Französischen stammend, ist im Schweizer Sprachgebrauch recht üblich. In Deutschland und Österreich wird dafür aber der eigentlich richtige deutschsprachige Begriff verwendet. Bei dieser kleinbeerigen Frucht handelt es sich um die schwarze Johannisbeere. (Ribes nigrum). Auf der Collage ist Cassis für weitere, mögliche schwarze Beeren abgebildet. Manchmal kommt er im Gaumen von Cabernet-Blends auch als Black-Currant-Pastillen in einer leicht süsslicheren Form vor.


Kirschen: In ganz grossen Jahrgängen schmeckt der Haut-Brion in der ersten Jugend nach schwarzen Kirschen. Ist der Vegetationsverlauf kühl so kann die Fruchtaromatik auf rotkirschige Tendenzen switchen. In miserablen Jahren gar auf Weichseln. Dies kam aber in den letzten Dekaden nie mehr vor.

Korinthen: Heute werden rosinierte Trauben bei der Entrappung durch das Tri-Optikverfahren ausgesondert. Früher vergärten diese Kümmerlinge mit. Daraus entstand in der vollen Reife die Geschmacksaffinität zu getrockneten Trauben. Ein Effekt, welcher in den Bordeauxweinen der heutigen Zeit praktisch eliminiert wird.  

Birnel: Früher nannte man dieses Produkt «Birnenhonig». Heute wird Birnel als eingedickter Birnensaft deklariert. Oder im Welschen als «Vin cuit». Wegen seinem Ruf als besonders gesundes Lebensmittel wird Birnel seit 1952 als Solidaritätsprodukt vom Bund verbilligt und durch die «Winterhilfe» verkauft. Im Birnel finden sich ähnliche Aromen wie in flüssigem Malz. Auch dieses Element findet man im Haut Brion reichlich in hellen bis dunklen Formen.   

Kräuter: Diese habe ich in frischer wie auch getrockneter Form abgebildet. Alles ist bei einem Pessac möglich und nix is fix. In «coolen» Jahren kann man in einem Haut-Brion gar einen Touch von Eucalyptus finden. So erinnert der 1986er zuweilen an einen Cabernet Sauvignon aus Napa mit minimer Chile-Affinität. Minze kann ein stetiger Begleiter sein. Und Küchenkräuter aller Art. Manchmal mutiert ein Haut-Brion gar in einen veritablen Appenzeller-Kräuterlikör, wie beispielsweise beim Jahrgang 1934.

Tabak: Auch hier gibt es Jahrgangsnuancen. Havanna Cigarren ist so das mittlere Grundaroma, welches man in fast allen Jahrgängen nach ein paar Dekaden Reife antreffen wird. Für mich ähnelt der Haut-Brion am ehesten einer Cohiba. Geht ein Jahrgang besonders in die Tiefe, so findet man Brazil-Tabak. Bei leichteren Variationen duftet es aus dem Glas herrlich nach dominikanischen Cigarren.  

Trüffel: Hier fokussiert sich dieser Pessac-Premier auf den «Tuber melasponum», also auf den Perigord Trüffel. Die tiefgründigen Trüffelaromen sind eine der bestmöglichsten Formen der Terroir Expression. Dieser Duft entsteht oft erst nach 40 bis 50 Jahren im Wein. Formen von getrockneten Pilzen aller Art findet man praktisch in allen gereiften Rotweinen. Formel: Je mehr Trüffel – desto teurer ist der Wein.
 
Teer: Dieses Aroma kennen wir am gebräuchlichsten als Asphalt, Pech, Karbonileum oder Bitumen. Irgendwie zeigt diese Definition die Tiefe eines Weines an. Aber auch die mineralischen Konturen. Die flüchtigen Anteile erinnern so an Benzin, Kerosin oder auch Heizöl.

Jod: Gilt als essentieller Mineralstoff. Nicht wenige Lebensmittel werden aus gesundheitlichen Gründen «jodisiert». So zum Beispiel das gebräuchliche Tafelsalz. Unter anderem wird dieses Produkt aus Meeresalgen gewonnen aber auch aus salzhaltigen Steinen (auf dem Collage-Bild ganz unten in der Mitte). Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO verfügt einer von drei Bürgern über unzureichenden Jodhaushalt im Körper. Wer also viel Haut-Brion trinkt, kann hier vorbeugen …

Rauch: Damit meine ich nicht der Qualm, welcher beim Abbrennen von Brennstoffen entsteht, sondern der kalte Rauch in verminderter, abgeschwächter Form. Die Aromen von Rauch ordnet man in der Weinbranche alten Reben, wie auch tiefgründigen Terroirs zu. Meist sind diese Duftsymptome beim Cabernet Sauvignon aber auch bei Weinen aus Syrah zu finden.    

Zedernholz: Holz spielt bei einem Wein eine grosse Rolle. Der Rebstock ist aus Holz. Der Wein wird oft in grossen Cuviers aus Holz vergoren. Dann wird der Bordeaux – wie alle grossen Rotweine dieser Welt – in Holzfässern (Barriques) bis zur Flaschenabfüllung gelagert. Grosse Weine duften in der Folge nach noblen Edelhölzern. Nicht selten nach Zedernholz. Vor allem die Weine aus Saint Julien dem Graves-Gebiet. Das Zedernholz findet man auf meinem Installationsbild übrigens als Hintergrund.     

GROSSE WEINE SIND MESSBAR

In den letzten 30 Jahren sind Bewertungen und Beschriebe von Weinjournalisten im Markt immer einflussreicher geworden.
Also kann man – im Prinzip – kleinere Weine von grossen Gewächsen optisch durch Punktedifferenzen unterscheiden.

Doch es gibt auch noch eine andere Methode.

Bei Messungen verschiedener Weine im Massenspektrometer wurden festgestellt, dass einfachere Weine über wesentlich weniger Moleküle verfügen, als hoch klassierte Weine.

IMMER TEURERE LEGENDE

1989 Château Haut-Brion: Sattes, dunkles Weinrot, wenig gereift (kürzlich hatte ich andere Flaschen welche reifer wirkten). Ein Wahnsinns-Aromen-Reigen schon im ersten Nasenansatz. Pflaumen, dunkle Rosinen, Pflaumenkompott, Cigarren, Eucalyptus, Melissentouch, Kamille. Einerseits wirkt er nasal noch jung, andererseits hat man das Gefühl, dass er schon mehr als nur Alles in der Nase zeigt. Das Bouquet ist gigantisch über die ganze Zeit, wirkt pfeffrig, würzig, malzig und extrem tiefgründig. Im Gaumen saftig, minim und laktisch. Da liegt alles immer noch im extrem schwarzbeerigen Bereich. Zeigt noch viel Gerbstoffe, diese verlangend und fein gleichzeitig. Daraus resultiert einer fast schizophrene Tannin-Situation. Druckvoller, katapultartiger Nachhall. Was heiss da Nachhall? Er ist wie eine TGV-Aromen-Lokomotive unterwegs. Dies war eine perfekte und somit auch dramatische Flasche! Fünzig Jahre Genussgarantie! Die Marktpreise? Knapp unter 2000 Franken. Tendenz leider immer noch steigend. 20/20 trinken

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HÄNDE WEG VON TEUREN BORDEAUX WEISSWEINEN

Bei einer Raritätenprobe standen kürzlich die teuersten Weissweine vom Bordelais, namentlich aus der Region Pessac-Léognan, auf dem Trapez. So zwischen 600 bis 1200 Franken das 75cl-Flacon. Und es kam wie es kommen musste, denn – irgendwie hatte ich den zu erwartenden, eher bescheidenen Genuss schon vorsehbar im Hinterkopf gespeichert. In der Runde setzte Ernüchterung ein. Was im Glas so wunderbar Weiss, gelblich und Grün strahlte, war nasal eher fruchtlos und im Gaumen spannungslos.

Was erwartet man von einem teuren Weisswein? Dass er allenfalls lagerfähig ist und dabei möglicherweise an Aromen zulegt und in der Folge seine Mineralität zeigt. Genau das letztere ist das Problem. Und – dass wissen auch jene Weinfreaks, welche schlecht rechnen können. Eine mangelnde Mineralität kann man leider nicht mit einem hohen Preisniveau ausgleichen. Die teuersten Weissweine vom Bordelais sind aktuell der La Mission und Haut-Brion. Sämtliche Preise der neueren Editionen liegen da über 500 Franken. In den letzten 20 Jahren haben sich deren Preise vervielfacht. Auf meine Frage hin, warum das so sei, meinte der Direktor: «Wir haben so wenig davon».

Verkaufbar sind diese – trotz hohem Preis sowieso. Denn, wer als Négociant die Rotweine dieser Dillon-Besitztümer erwerben will, muss auch «etwas» Weissen kaufen. Die Roten verkaufen sich dann relativ easy. Aber der Markt reagiert immer zäher auf die beiden exklusiven «Blancs». Wie sagte der bekannte Weinkritiker Hugh Johnson unter anderem einst: «Weinkenner sind intelligent!»
Anders die Begründung einer anderen Château-Besitzerin als sich der Preis des Weissen von einem Jahr auf das andere verdoppelte: «Les blancs suivent les rouges». So eine dumme Formel, welche leider seit Jahrzehnt praktiziert wird. Wenn die Roten aufschlagen, dann werden die Weissen auch teurer. Dabei sind gerade die eher schwierigen Rotweinjahre in der Regel ganz hervorragende Weissweinjahrgänge.

Bisher hatte ich dieses leidige Thema etwas unter den Teppich gekehrt. Aber als öffentlich schreibender Weinliebhaber gilt ja auch die Informationspflicht. Was ich zu diesem Thema «intern» praktizierte? Seit Jahren reduzierte ich meinen damalig hoffnungsvollen Bordeaux-Weissweinbestand. Ein paar Kisten gingen auf die Auktion. Mit Events konnte ich das Inventar wunderschön redimensionieren. Gut – nicht alles ist schlecht. Aber leider waren sehr viele Weine als Primeur vielversprechend und später lasch, manchmal sogar schon nach wenigen Jahren komplett oxydiert. UTA!!! Untypischer Alterston. Beschwichtigenderweise melde ich hier, dass es schon ein paar löbliche Ausnahmen gibt (Vor allem Domaine de Chevalier). Aber leider sind solche Exzeptionen – nach ein paar Jahren Flaschenreife – extrem rar.

Andere, europäische Weinregionen sind zwar in den letzten zwar auch mit deren Spitzenweinen teurer geworden. Andererseits haben diese auch eine entsprechende Qualitätsperformance hingelegt. Also geht dort die Genussrechnung wesentlich besser auf.
Heisst aber nicht, dass ich auf gar keinen Fall mehr weisse Bordeaux trinken werde. Die paar Flaschen, welche ich noch im Keller habe, sind löbliche gut selektionierte Ausnahmen. Wenn ich einen bekannten weissen Bordeaux trinke, dann tendenziell innerhalb der ersten drei bis fünf Jahren. Was hier allerdings noch anzumerken ist; Ganz viele, meist unbekannte Winzer im Bordelais machen tolle Weissweine. Meist kommen die aus dem Entre-deux-Mers. Die kosten zwar oft nur 10 Franken – sind dafür aber fruchtig, zuverlässig und bereiten enorm Spass.

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ABNEHMEN MIT ROTWEIN

Ein Glas ist so effektiv wie eine Stunde Sport (laut Studie), aus einem Artikel von Anna-Lena Koopmann ...
ANNA-LENA KOOPMANN

Alkohol hat viele Kalorien und hemmt die Fettverbrennung, soviel ist bekannt. Doch ein Gläschen Rotwein in Ehren muss zukünftig niemand mehr verwehren… Denn neben seinen vielen positiven Eigenschaften, wie zum Beispiel den Blutzuckerspiegel zu senken, haben Forscher nun noch einen weiteren genialen Effekt festgestellt: Ein Glas Rotwein kann eine Stunde im Fitnessstudio ersetzen!
Darum hilft Rotwein beim Abnehmen.

Es klingt zu verlockend, doch Rotwein kann aus wissenschaftlicher Sicht tatsächlich ein Ersatz für körperliche Betätigung sein. Kanadische Forscher der University of Alberta haben in dem roten, gegärten Traubensaft sogenannte Resveratrol-Verbindungen nachgewiesen. Diese Substanz aktiviert nicht nur einen Schutzmechanismus in den Zellen, sie stärkt und verbessert zudem auch die körperliche Verfassung, die Funktionen des Herzens und die Muskelstärke – auf genau die gleiche Art und Weise, wie Sport es tut. Ein Glas Rotwein entspricht hier laut Wissenschaftlern einer Stunde Fitness. Dieses Wissen begeistert natürlich jeden Weinliebhaber, sei aber besonders für die Menschen wichtig, die sich aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen nicht körperlich bewegen können.

Abnehmen mit Rotwein? Resveratrol macht schlank!

Auch eine Studie der Washington State University hat erwiesen, dass das Resveratrol im Rotwein beim Abnehmen hilft. Es wandelt das vorhandene Fettgewebe im Körper offenbar so um, dass es danach leichter abgebaut werden kann. Außerdem soll ein Glas Rotwein am Abend jede Form von Heißhungerattacken verhindern. Na dann zum Wohl und auf die Gesundheit!


P.S. Auf dem Bild ist übrigens die Gabriel-Glas-Karaffe «Decanter Alpha» zu sehen!

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GMS-DEFILEE DER SONDERKLASSE
 
GMS? Dafür gibt es viele Definitionen und so geizt denn das Netz nicht mit möglichen Erklärungen …

GMS gibt es in Wettingen. Als Gesellschaft für militärische Studienreisen.
GMS heisst eine Bauprojektfirma am Zürcher Flughafen.
GMS steht für Gesellschaft für Musikautomaten in Seewen.  
GMS gibt es als Gesellschaft der Minderheiten in der ganzen Schweiz.  
GMS führt auf den Hersteller von englischen Rennmotorrädern zurück: Geoff Monty Special
GMS ist ein Paket von Anwendungen für Android: Google Mobile Services.
GMS verwendet man für ein binäres Dateiformat; Gesture and Motion Signal.
GMS ein Winkelmass beruht auf den Elementen: Grad Minuten Sekunden.
GMS nennt sich eine Musikgruppe aus Barcelona: Growling Mad Scientists.
GMS steht als englischen Begriff für Riesenmärkte: General Merchandise Store.
GMS ist auch ein Werk von Immanuel Kant. Die Grundlegung der Sitten.
GMS ist ausserdem die Abkürzung für Grossmotorgüterschiff auf Binnengewässern.  
GMS ein russisches Museumsreservat Gossudarstwenny Musei Sapowednik.
GMS heisst in unserem Fall aber: Gerhard Müller-Schwefe (Bild oben). Dahinter verbirgt sich ein besonders liebenswürdiger Weinkenner, dem es eine riesengrosse Freude bereitete, seine besten Flaschen aus seinem beachtlichen Keller mit seinen besten Freunden zu teilen.

Anlässlich seines 70igsten Geburtstages hat er seine Weinfreunde eingeladen und mit ihnen zwei Tage lang auf der Burg Staufeneck (Salach / D) tolle, wirklich tolle Weine aus seinem unerschöpflichen Keller zelebriert. Nachfolgend ein paar Auszüge davon. Der ganze Bericht, wie immer auf www.bxtotal.com


MONTRACHET-BILD FÜR GÖTTER

Bevor wir diese Flaschen bestaunen und fotografieren durften, wurden wir beim Verkosten im Dunkeln gelassen. Will heissen, diese raren und extrem teuren Montrachets der Domaine de la Romanée-Conti wurden uns blind serviert. Ich hielt meine Nase ins Glas Nummer eins und schrieb auf meinen Zettel spontan: «DRC». Damit lag ich zwar richtig. Doch bei den anderen vier Weinen verliess mich der Entdeckungsmut und ich war in der Folge hin und her gerissen. Die Jahrgänge unterschieden sich a.) gewaltig voneinander und b.) entwickelten sich unglaublich an der Luft. Der Perfekteste war für mich der Jahrgang 2007 (20/20). Gefolgt von 1987 und 1991 (19/20). Dem 2001er fehlte es ein bisschen an Spannung (17/20). Ganz spannend war der 2002er. Der begann bescheiden und blühte dann so richtig auf. Am Ende lag auch er bei 19/20. In allen fünf Flaschen waren Aromen wie Butter, Butterblumen, Kamille, Mirabellen und Honig vorzufinden. Werten ist schwierig, möglicherweise auch nicht fair. Das Privileg solche mondial schwer auffindbare, allesamt gereifte Raritäten im Glas vor sich zu haben ist unbeschreiblich.

Dazu servierte die Staufeneck-Crew eine Komposition mit dem Namen «Jakobsmuschel trifft Kaviar». Vor lauter Montrachet-Benommenheit vergass ich ein Foto von diesem Gericht zu machen.
     
Als ich beim Schreiben diese Montrachet-Parade noch einmal in meinem Kopf Revue passieren liess, erinnerte ich mich an einen Passus aus einem bekannten Lied von Katja Ebstein: «Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehn. Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn».

ANDRÉS ERSTER ROMANÉE-CONTI

Für www.bxtotal.com schreibt André Kunz eifrig seine Notizen nieder. Mehr als 100‘000 Weine sind schon über seine verwöhnte, aber auch tolerante Zunge geflossen. Ein einziger Wein aus der grossen Welt hat ihm noch in seinem Genussrepertoire gefehlt: DRC-Romanée-Conti. GMS füllte diese Lücke …






2001 Romanée-Conti, Domaine de la Romanée-Conti: Aufhellendes, fein rostig gefärbtes Rubin. Die Nase zart und fein, vielschichtig mit intensiven Rebholznoten, Pflaumenhaut, Kräutern, Zedern, hellem Tabak und Nelkenköpfen. Das nasale Wunder: Er wurde mit Luftzutritt immer fruchtiger und legte rote Beeren in jeglicher Form frei. Im Gaumen saftig, balanciert, tänzerisch, mit einer atemberaubenden Grandezza ausgestattet. Dies war der sinnlichste, erotischste Wein. Einer der Ehrfurcht zollt und untertänigste Demut abverlangt. 19/20 trinken
WAS IST HIER FALSCH?

Zwei Bündner Winzer machten mit ihren Chardonnays den Auftakt. Auf dem Bild oben hat sich ein optischer Fehler eingeschlichen. Peter Wegelin (links) hält den Unique von Donatsch in der Hand. Thomas Donatsch (rechts) hält die Magnum Chardonnay von Wegelin in die Kamera.

PASST FISCH ZU ROTWEIN?

Als toleranter Weintrinker könnte man jetzt sagen «Jein». Oder: «Erlaubt ist, was gefällt».
Und weil es keine Regel ohne Ausnahme gibt, kann man diese Frage in den Gerichten von Rolf Straubinger vorbehaltslos mit Ja beantworten. Also schafft dieser, mit Auszeichnungen hoch dekorierte Küchenstar immer wieder den Quantensprung. Auf dem Bild schaffte der Steinbutt mit Spitzkraut, Kümmelbutter und Kartoffelcroutons die schwierige Gourmet-Wein-Brücke. Das Geheimnis: Fisch- und Weinsymbiose lag wohl am unterlegten Kalbsjus …

1947 Château La Mission Haut-Brion: Farblich kann man ihn als Schwarz-Braun bezeichnen. Während sich der Rand orange aufhellt, bleibt er im Innern schier undurchdringlich. Ich erwartete einen portigen 1947er, bevor ich ihn zur Nase führte. Doch diese Flasche war ein wahres Wunder und eigentlich das Gegenteil, was man diesem heissen Jahrgang alles so andichtet. Viel Malz, unglaubliche Süsse, Dörrfeigen, dunkle Rosinen, fein jodig mit viel Kräuternoten. Im zweiten Ansatz dann Cerealien, insbesondere gerösteter Sesam. Im Gaumen füllig, schmeidig, komplex und sensationell balanciert. Das war die beste Flasche 1947er Mission meines Lebens und die hat mich vor Emotionen schier umgehauen. 20/20 trinken

Draussen war zufällig grad Vollmond. Dies hat mich spontan inspiriert mit dem gewaltigen 1947er La Mission etwas Fotokunst zu inszenieren. Also hielt ich das Gabriel-Gold-Glas gegen den kristalligen Saal-Leuchter. 

1929 Château Haut-Brion: Braun mit Bernsteinschimmer am Rand. Das Bouquet beginnt mit einem Eindruck, welcher an Kräuterlikör erinnert, dies vermischt sich mit erdiger Süsse und verleiht diesem Wein so eine intensive Terroirexpression. Im Gaumen gibt er sich fleischig, im Fluss sandig, zeigt dabei auch noch eine gewisse Adstringenz. So dokumentiert er deutlich den gigantischen Jahrhundertjahrgang 1929 auf eine tragisch grosse Weise. Ein unvergessliches Erlebnis ohne Ablaufdatum. 20/20 trinken

P.S. Das war die Flasche links im Bild.
KLEINES LATOUR-PROTOKOLL

Die 1959er Magnum war gigantisch, frisch und erhaben (20/20). Leider mussten wir die Magnum 1964 für tot erklären. Ziemlich gross und klassisch zeigte sich der Jahrgang 1970, ebenfalls in der Magnum (19/20). Gigantisch, delikat und berauschend der 1982er (20/20).    Und, weil direkt mit dem 1982er vergleichbar, fehlte dem wunderschönen 1983er ein «Mü» für die volle Bewertung. Deshalb: 19/20.



Danke Gerhard!

Es war grossartig und unvergesslich!









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«Früher war die Zukunft besser!»

Karl Valentin








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FINALES MOUTON-ROTHSCHILD-FINALE
 
Es ist hoffentlich nicht so, dass ich nie mehr eine Flasche Mouton-Rothschild anrühren werde. Aber mit den traditionellen, 13 Jahre lang durchgeführten Mouton-Abenden, im Luzerner Old Swiss House, ist jetzt Schluss. Gefeiert haben wir dieses finale Finish mit grossen Mouton-Jahrgängen und einer spannenden 1995er-Pauillac-Blindprobe.

So ganz grundlos ist dieser Entscheid des Aufhörens nicht gefallen. Einerseits versuche ich, angesichts meiner sich androhenden Pensionierung, meine Engagements etwas zu reduzieren. Es gäbe da auch noch das Motto: «Aufhören, wenn es am Schönsten ist.» Doch auch das ist nicht der elementarste Grund, dass diese erfolgreiche Serie nun ein Ende fand.
Wie jeder Weinfreund welcher sich mit Bordeaux anfrisst, hatte auch ich mein sauer verdientes Geld in grösseren Käufen von etwas teureren Bordeaux-Flaschen angelegt. Die schönsten und präsentierbarsten Flaschen dieser Region? Mouton-Rothschild. Die jährlich wechselnden Künstleretiketten eignen sich hervorragend zu Ausstellungszwecken im Keller. Damit schafft man sich bei einer Gästevisite Ehrfurcht und Anerkennung. Zudem erhofft man sich im Hinterkopf auch eine schöne Wert-Performance.

Und genau da lag der Hase im Pfeffer. Denn – viele Freaks tranken diese Moutons gar nie. Sie wurden nur angeschaut. Dann merkten immer mehr Sammler, dass viele Jahrgänge sich nicht besonders gut im Glas machten. Denn – wie viele andere Bordeaux Güter machte auch der Wein von Baron qualitativ nicht immer eine besonders gute Falle.

Die Folge? Die Auktionsmärkte wurden regelrecht überschwemmt von Mouton-Rothschild. Unglaublich viele Weinkenner trennten sich massenweise von diesen langjährig gepflegten Schätzen. Noch vor Jahren waren die Auktionskataloge voll von Mouton-Rothschild. Was dazu führte, dass die Preise für die Verkäufer wenig attraktiv waren.

Nachfolgend ein paar Geschichten von diesem Abend: Der Bericht, wie immer auf www.bxtotal.com

Um 16.30 begannen wir zu Entkapseln, zu Entkorken und zu Dekantieren. Mit «wir» meine ich den Hausherrn Philippe Buholzer und meine Wenigkeit. Nach getaner Arbeit schritten wir zum Voraperitif und genossen ein Bier hinter dem Tresen im Restaurant.
120 JAHRE ALTER MOUTON

Es war eigentlich mehr ein Gag, denn die Flasche wies einen beträchtlichen Schwund auf. Füllniveau; untere Schulter. So gesehen, kann man dieses unerwartete Erlebnis als Wunder deklarieren. Im Markt wird aktuell eine einzige Flasche angeboten. Preis ca. CHF 9'500. (Royal Wine Merchants, New York).










1900 Château Mouton-Rothschild: Mitteldunkles, deutlich gereiftes Weinrot, innen noch minimste rote Reflexe zeigend, aussen doch deutlich bräunlich. Unglaublich, süsses Bouquet, es duftet nach Nusspralinen, nach Sandelholz und nach altem grossem Rioja. Irgendwo findet man gar noch Maulbeerennuancen und zartes Caramel, fein kräutrig, parfümiert, absolut delikat, ja parfümiert in der Nase. Bereits nasal ein 120jähriges Weinwunder. Im Gaumen fein, zart, noch intakt und schier cremig in der hoch feinen Textur, Leder und dominikanischer Tabak im erhabenen, traumhaft süssen Finale. Das war eine legendäre, sagenhafte, unvergessliche Flasche. 20/20 austrinken

TRAUERUMZUG

Den Rothschild-Familien gelang es stets, die Reichtümer zu vermehren. Doch auch deren Mitgliedern wurden verständlicherweise nicht vom Ableben verschont.

Ein Mann stand weinend auf dem Gehsteig, als ein langer Trauerzug an ihm vorbeizog.
Ein Passant fragte den schluchzenden Mann, wer da gestorben sei: «Ein Rothschild», antwortete der Mann, über dessen Gesicht die Tränen kullerten. Der Passant bohrte weiter und fragte: «Waren Sie denn mit ihm verwandt, dass Sie so traurig sind?». Mit dem Taschentuch trocknete der Mann seine Tränen und antwortete enttäuscht: «Eben nicht!».

BLINDPROBE: PAUILLAC-PREMIERS

Ein Bisschen Spass muss auch sein. Wer misst sich nicht schon gerne als Weinkenner? So schenkten wir die drei Pauillac-Premiers, welche in der vierten Serie gegeneinander antreten mussten, verdeckt ein. Philippe wählte die Reihenfolge. Also lag auch der Gabriel im Dunklen. Was ich in solchen Fällen mache, immer sorgfältig Degustieren und möglichst wenig raten. Es nützt mir nichts, wenn ich die Reihenfolge rausfinde, aber nicht weiss wie die Weine letztendlich wirklich schmeckten.

SECHS LITER TISCHWEIN

Und dies aus einer einzigen Flasche. Imperiale heissen diese grossen Dinger und darin haben acht normale Flaschen Wein Platz.

Am Weihnachtsabend waren wir spontan bei Freunden eingeladen. Ich nahm eine Doppelmagnum 2004 Cos d’Estournel als Mitbringsel mit. Und dieser schmeckte so gut, dass ich mich spontan entschloss, als Tischwein für den Mouton-Anlass eine Imperiale zu entkorken. War offensichtlich ein sehr guter Entscheid. Denn die Grossflasche reichte nur ganz knapp bis zum Schluss.

2004 Château Cos d'Estournel, Saint Estèphe: Imperialflasche. Extrem dunkle Farbe, viel schwarz und wenig Rot. Die Nase dunkelröstig, viel Mocca, Pumpernickelbrot, Lakritze und schwarze Beeren. Im zweiten Ansatz zeigt sich ein feiner Rauchton welcher die Tiefe anzeigt. Im Gaumen ist er mit seinen wunderschönen Tanninen erstaunlich fein unterwegs. Viel Aromatik bei mittlerem Körper. Genau so sind die meist unterschätzen, besten Weine vom Jahrgang 2004. Aber Vorsicht; die Weine schmecken ganz deutlich nach Bordeaux!!! 18/20 trinken










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«Was zuerst bei einer Abmagerungskur abnimmt, ist die gute Laune»

Liebe Weinfreundinnen, liebe Weinfreunde

Der Spruch ist gut. Aber leider ist er nicht von mir, sondern von Gerd Fröbe. Gewicht verlieren ist so einer der vielen guten Vorsätze zum Neuen Jahr. Nach dem Motto «verschiebe nie auf Morgen, was Du in den kommenden Wochen kannst besorgen» habe ich mir diesen Vorsatz schon im November zur Brust genommen. Zugegeben, nicht ganz freiwillig. Beim Arzt durfte ich bei einer Routinekonsultation unter anderem auch auf die Waage stehen. Mit gutem Gefühl. Denn – bei mir ist jedes Gramm nicht nur Quantität, sondern auch Qualität. Mit ganz viel Liebe über Jahre genüsslich einverleibt oder aussen sorgfältig angereichert.
Der beratende Medizinmann sah dies aber ein bisschen anders und riet mir dringend, meine Bruttoregistertonnen besser in den Griff zu kriegen. Und flugs wollte er mich auch grad noch zu einer Ernährungsberaterin schicken. Da sagte ich ihm ganz spontan, dass ich so was nicht brauche, weil ich schliesslich Koch sei. Höflich verabschiedete ich mich von ihm und als ich schon fast draussen war, rief er mir noch nach: «Wir sehen uns wieder, in einem Monat!». Aha – Vertrauen ist gut, aber Kontrolle noch besser!
In der Folge stellte ich meine Ess- und Trinkgewohnheiten um. Es fanden – oh Wunder! – plötzlich weinlose Tage statt. Manchmal liess ich einfach eine Mahlzeit aus. Verzichtete gänzlich auf Pasta und Brot. Reduzierte gewisse Rationen. Ass Früchte zur Kompensation. Und – es funktionierte. Bisher habe ich 10 Kilogramm Körpergewicht verloren. Wo genau die hin sind weiss ich nicht. Aber sie sind definitiv weg. Keine Radikalkur und auch keine Tortur. Uhu wäre schön! Doch dazu müsste ich nochmals 11 % Reduktion erzwingen. Uhu? Unter hundert. Mal schauen, was mir das Jahr 2020 so gewichtsmässig bringt …
 
Von ein paar Freunden und Bekannten musste ich mich leider im 2019 verabschieden. Am meisten schmerzte der plötzliche Tod von Patrick Bopp. Er war nicht nur einer der besten Weinfreunde, sondern mein ganz persönlicher Sommelier von vielen Raritätenproben und «Entkorker» und «Dekantierer» unzähliger raren und tollen Flaschen. Was wir beide auf den langen Fahrten zu den Degustationen und während der vielen Events erlebten ist unbeschreiblich und unvergesslich.
Geschäftsmässig war 2019 ein gigantisches Jahr. Das Gabriel-Glas hat Hochkonjunktur. Rekordumsätze im Hauptgeschäft in Hallein (A) wie auch in der Schweiz. Weltweit haben wir den Umsatz in den letzten drei Jahren verdoppelt und sind jetzt in 34 Ländern vertreten. Letztes Jahr habe ich unter anderem Präsentationen in Tokio, Melbourne, China und Napa Valley gemacht. Den tollen Erfolg habe ich aber den Teams in Austria und der Schweiz zu verdanken. Zum 10jährigen Jubiläum kommen in diesem Frühjahr ein paar, spannende neue Ergänzungsprodukte auf den Markt.

Die Weinbörse hat mit zwei gigantischen Auktionen ebenfalls das beste Jahr hinter sich. Hier sind wir jetzt an den Vorbereitungen der grossen Frühlingsauktion (WB 102) in Bad Ragaz. Carlo Haueter nimmt gerne Eure Listen und Offerten entgegen: wb@weinauktion.ch. Wir organisieren auch Importe- und Transporte aus dem Ausland.  

Als One-Man-Show dirigiere ich die Weingabriel GmbH. Geführte Reisen mache ich nur noch nach Bordeaux. Und diese sind leider – auf weite Sicht – ausgebucht. Hier habe ich ein paar ganz tolle Events für 2020 und 2021 ganz neu aufgeschaltet. Für 28 Franken gibt es ein Kuttelessen in Goldau. Sobald halt grosse Weine im Spiel sind, kostet es logischerweise «etwas» mehr. Nebst den klassischen Wine & Dine versuche ich da auch neue Wege zu gehen. Dies in Form von einem «Doppelmagnum-Gourmet-Rodeo» oder einem «Big-Bottle-Jazz-Gig». Die Seite dazu www.weingabriel.ch. Solange die Weinfreunde an meinen Tastings Spass haben, mache ich noch weiter. Tolle Weine hat es nämlich (noch) genügend im alarmgesicherten Keller.  
    
Die Nichtselbstverständlichkeit soll in diesem neuen Jahr uns das Bewusstsein stets fördern. Euch allen wünsche ich einen ganz guten Start, gute Freunde, viel Erfolg und schöne Erlebnisse …  

René / René Gabriel

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Bei meinen Genüssen halte ich mich immer an einen Slogan von Oscar Wilde: : «Ich bin ein einfacher Mensch. Ich habe mich stets mit dem Besten zufriedengegeben!»





DAS NESPRESSO WUNDER

Am 3. Januar dieses Jahres postete ich ein Foto mit ein paar Nespresso-Kapseln und schrieb dazu: «Vorsatz 2020 – nie wieder im Leben». Die Reaktionen kamen postwendend. Mehr als hundert Likes und 87 Kommentare. Die Antworten waren fair, aufmunternd, kritisch, konstruktiv, nie unter der Gürtelline. Das ist für Facebook schon fast eine Rarität. Die «Kapseltrinker» hielten sich in der Regel eher bedeckt. Eine Bekannte fragte nach dem «Warum» meines Vorsatzes. Ein guter Freund provozierte mit dem Spruch: «Vorsatz Nr. 2: Keine eigene Facebook Posts rechtfertigen ...». Es ist eine verkehrte Welt geworden. Früher musste man sich rechtfertigen warum man etwas macht oder etwas gemacht hatte. Und heute muss man sogar das Gegenteil erklären!

WIE VIEL GRAMM KAFFEE?

Auf dem Foto sieht man mich mit meinem Morgenkaffee. Es ist eine Bodum-Glas-Tasse. Darin bleibt jedes Heissgetränk über längere Zeit heiss. Mein persönlicher Zehnuhr-Blend besteht aus einer Ration Kaffee und einer Ration Espresso. Es ist frisch gemahlener Kaffee aus der Jura Impressa. Insgesamt ca. 160 ml. Kaffee. Ohne Zucker. Mit einem Schuss Milch. Das Ausgangsmaterial; Eldorado-Mischung von der Luzerner Kaffeerösterei Rast. 100 % Arabica-Hochlandanbau. Die dafür benötigte Menge: zwei Portionen à 11 Gramm. Also 22 Gramm total.

Wir hatten im Wirtefachkurs gelernt, dass es für einen sehr guten Kaffee mindestens 10 Gramm Bohnen braucht. Welche Menge es letztendlich ideal ist, darüber scheiden sich die Kaffeegeister. Der Maschinenhersteller Jura empfiehlt mindestens 8 Gramm und rechnet vor, dass es sich dabei um rund 70 einzelne Bohnen handelt. Coffecircle.ch geht da etwas weiter und meint, dass ein guter Kaffee gut 12 Gramm benötigen würde.

MANN RECHNE!

Kommen wir mal zu den Kosten: Für ein Kilo Kaffee bezahle ich 16 Franken. Meine 22 Gramm für den Morgenkaffee kosten mich also 35 Rappen. Eine Nespressokapsel würde mich heute im Schnitt etwa 55 Rappen kosten. Doch jetzt kommt das Nespresso-Wunder erst so richtig zum Tragen. Nicht nur vom Preis her, sondern auch von der Quantität. Will ich nämlich mit der gleichen Menge (22 Gramm Kaffee) arbeiten, so bräuchte – je nach Typus – etwa vier Nespresso-Kapseln! Was man nämlich vergeblich im Internet-Shop sucht, sind die Mengenangaben in den Kapseln. Die Füllmengen schwanken im äusserst knappen Bereich von 4,8 bis 6 Gramm. Also verspricht Nespresso mit der Hälfte der allgemein empfohlenen Menge eine optimale Kaffeequalität abliefern zu können. Rechnet man jetzt den Kilopreis um, nimmt dabei eine durchschnittliche Nespresso-Kaffee-Kapselmenge von 5.4 Gramm und einen durchschnittlichen Kapselpreis von 55 Rappen, so landen wir bei über 100 Franken für meinen absolut vergleichbaren Sechzehn-Franken-Kilo-Kaffee.

UMWELTBILANZ?
 

«Aluminiumkapseln sind recyclebar und somit nachhaltig». Dies will mit ein weiterer Facebook-Poster weissmachen. Heute stehen 100'000 Sammelstellen in 44 Ländern für gebrauchte Nespresso Kapseln zu Verfügung. Es gibt auch in 18 Ländern einen Service mit der Adresse recycling@home. Das ist sehr vorbildlich von Nestlé. Meine erste Frage ist, wie konsequent dann die Anwender auch effektiv Reziklieren? Es ist leider zu vermuten, dass nicht wenige, gebrauchte Kapseln im normalen Abfall landen. Und da stelle ich mir dann schon die Greta-Frage: «Wie ist denn die generelle Umweltbilanz im Verhältnis zum ganz normalen Kaffeesatz, welchen ich allenfalls, zur sinnvollen Weiterverwendung, auf dem Kompost entsorgen könnte?»    
   
Mittlerweile habe ich fast alle Kapseln selbst durchgetestet. Die Farben sind aussen zwar sehr variabel – innen sind die geschmacklichen Differenzen marginal. (Vanille, Cocos und Haselnuss-Varianten ausgeschlossen). Der proklamierte «Lungo» für die grössere Menge (Kaffee Crème) funktioniert praktisch nie. Der Kaffee wird bitter, verliert an Aromen, wird wässrig und es fehlt an Fülle. An dieser Stelle gebe ich aber gerne zu, dass sehr viele Nespresso-Kapseln immerhin einen recht guten Espresso abliefern.   
     
FEDERER ODER CLOONEY?

Der Schweizer Tennisspieler wirbt indirekt für frisch gemahlenen Bohnenkaffee, indem er sich für den Kaffeemaschinenhersteller Jura posieren lässt. George Clooney war bis in die 90er-Jahre der Marketing-Verdingbube bei Nestlé. Er warf jeweils die Frage in den Raum: «What else?»

Wer meinen kleinen Kaffeebericht aufmerksam gelesen hat, wird nachvollziehen können, dass es viele, attraktivere Alternativen zu Nespresso gibt.

Auf einer Pressekonferenz wurde George Clooney einst gefragt, warum er keine Tattoos auf seiner Körperhaut trage. Seine Antwort war genial: «Einen Ferrari tapeziert man ja schliesslich auch nicht mit Aufklebern!»    
 
Da ich nach dem Warum für meinen «Niemehr-Nespresso-Entscheid» gefragt wurde, erlaube ich mir an dieser Stelle ebenfalls ein zusammenfassendes Statement: «Ein wirklich guter Kaffee braucht einiges, aber ganz sicherlich keine Kapsel».
   
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POMEROL RODEO MIT POMEROL SEDUCTION
 
Rodeo stammt vom Wort rodear ab und bedeutet so viel wie umrunden. So gesehen, war dieser besonders weinige Januar-Montagabend im Gasthaus Sempacherhof eine ziemlich «runde Sache».

Pomerol Séduction ist ein Club von zehn verschiedenen Pomerol Weingüter, welche ihre Weine im Rahmen von Verkostungen und Events vorstellen.

Die honorigen Mitglieder dieser Vereinigung:
-    Château Beauregard
-    Château Clinet
-    Clos du Clocher
-    Château La Conseillante
-    Château Nenin
-    Château Gazin
-    Château La Pointe
-    Château Mazeyres
-    Château Rouget
-    Château Vieux Maillet

All diese Weine mit den Jahrgängen von 2005 bis 2015 gab es an diesem Januar-Event im Gasthaus Sempacherhof (Kanton Luzern) zu verkosten und geniessen. Vom Gast Château Beauregard wurden gleich drei Jahrgänge in die Gabriel-Gläser serviert, nämlich 2014, 2000 und 1998.  Aus Bordeaux angereist, einer der Vertreter von Pomerol-Séduction; Vincent Priou. Er ist seit 1991 Direktor vom der 18 Hektar grossen Château Beauregard.  

Die Verkostungsnotizen, das Menu und Geschichten: www.bxtotal.com

BESONDERE IMPERIALFLASCHE
Normalerweise zelebriert der Beauregard-Direktor Vincent Priou Grossformate nur bei Einladungen auf dem Weingut.

Für diesen gelungenen Pomerol-Abend machte er eine löbliche Ausnahme und sponsorte diese rare, sechslitrige 2000er-Imperialflasche.

2000 Château Beauregard: Imperial. Unglaublich sattes Purpur. In der kompakten rot- bis blaubeerigen Frucht findet man einen ersten, würzigen Terroirschimmer. Dies in der Form von Tabak und Hirschleder. Im Gaumen satt, feinfleischig, gut stützende Säure mit gebündeltem Langem Finale. 18/20 trinken 

MEGA-POMEROL-VALUE

2012 Clos du Clocher: Extrem dunkle Farbe, Violett-Schwarz. Das Nasenbild duftet nach dunkler Schokolade und nach Kokos, also könnte man einfach auch Bounty hinschreiben, schön füllig und weit ausladend. Im zweiten Ansatz findet man Red Currant-Pastillen und schwarze Johannisbeeren und wieder viel Schokolade – jetzt in Pralinenform. Im Gaumen füllig, mit weicher, samtener Textur, gebündeltes, reiches und aromatisches Finale. Ein ganz toller Pomerolwert. Da bekommt man mehr Wein, als man aktuell dafür bezahlen muss. Im Moment gibt es da mehrere Schweizer Anbieter um rund 50 Franken. Konklusion: Kaufen!!! 19/20 trinken   

FLEISSIGES HANDGEKRITZEL

Eigentlich wäre es einfacher, gleich mit dem Laptop anzutraben. Dann müsste man sich die Arbeit nur einmal machen. Andererseits bereitet es viel Spass, die Weine beim Schreiben nochmals Revue passieren zu lassen.

SPITZENWEIN DES ABENDS

So muss ganz grosser Pomerol! Bereits bei der Primeurprobe im Jahr 2010 flippte ich völlig aus.

Einen so guten Gazin hatte ich bisher in meinem Leben noch nie degustiert. Gemäss meiner Webseite www.bxtotal.com sind es immerhin 53 Jahrgänge.

Auch bei unserem Pomerol-Séduction-Abend lag er für mich fraglos an der Spitze.



2009 Château Gazin: Gesamtproduktion; 66'500 Flaschen. Assemblage; 90 % Merlot, 7 % Cabernet Sauvignon, 3 % Cabernet Franc. Violett-Schwarz. Verrücktes Bouquet mit unglaublich vielen Facetten. Im ersten Ansatz frisch, minzig und floral gleichzeitig. Im zweiten Ansatz kommt die Fruchtwucht in schwarzbeeriger Form; Holunder, Cassis und Heidelbeeren, ergänzt mit Lakritze. Im Gaumen stoffig und fleischig gleichzeitig, umfassende, noch verlangende Adstringenz dramatisches Finale. 20/20 beginnen

BIER VOR WEIN, IST AUCH SEHR FEIN

Zwei alte Freunde unter sich. Einst arbeiteten sie zusammen in der Direktionsetage von Caves Mövenpick.

Felix Meier ist heute der Direktor der Brauerei Müller. Dieses süffige Bier gibt es auch im Sempacherhof. Prost!



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NA

DANN


PROST!!!

Alles war früher von Gabriel geschrieben wurde, finden Sie im Archiv. Auch mehr als 100 Geschichten aus dem Jahr 2019!