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WAS SO WEINIGES IM JAHR 2020 PASSIERTE ...

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COS TRINKEN & ASPIK ESSEN
 
Ist Montag wirklich aller Laster Anfang?
So oder ähnlich kennt man den Spruch im deutschen Sprachgebrauch.  
Doch eigentlich heisst er im Original: «Müssiggang ist aller Laster Anfang». Und dies kann verschieden ausgelegt werden …

Karl Bucher definierte diese Situation einmal mit der Aussage: «Glücklich ist der Mann, dem es gelingt, der Langeweile zu entrinnen, ohne dabei die Arbeit zu Hilfe nehmen zu müssen!».

Also war der Philosoph Friedrich Nietzsche es sich schuldig, dieser Sache noch etwas mehr auf den Grund zu gehen: «Die Arbeit bekommt immer mehr als das gute Gewissen auf ihrer Seite. Der Hang zur Freude nennt sich bereits «Bedürfnis der Erholung» und fängt an, sich vor sich selbst zu schämen. Man ist es seiner Gesundheit schuldig. So redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, es könnte bald so weit kommen, dass man einem Hange zur vita contemplativa (das heisst zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachgäbe.»

Von Müssiggang kann, wenn man in Betracht zieht, dass alle Teilnehmer an diesem Montag brav gearbeitet hatten keine Rede sein.
So ignorierten wir denn auch den Umstand, dass nach Nietzsches Theorie, beim Spazierengehen mit Gedanken und Freunden ein schlechtes Gewissen entstehen könnte.

Also marschieren wir in Gedanken los. An diesem Junimontag. Um 17.00 Uhr. Von der Unterdorfstrasse auf die Hubenfeldstrasse. Dann auf den Vorhubenweg. Immer weiter, bis zum Waldanfang. Dann quer durch den Eschenbacher Wald. Unten angekommen, linkerhand Richtung Büttligen. Dann auf den zweiten Weg rechts, weiter geradeaus. Bis zum Anfang der Siedlung Moos. Dort wo die Schweizerfahne leicht im Wind flattert. Jetzt sind wir angekommen. Im Reich von Otto Simon. In seinem kleinen Gartenparadies.
Der Tisch ist gedeckt. Die Gabriel-Gläser stehen auf dem rustikal anmutenden Plastiktischtuch. Die Flaschen zittern. Zu Recht! P.S. Was nach Wortlaut wie eine ziemlich grosse Wanderung aussieht, dauerte in Tat und Wahrheit gerade mal 42 Minuten!

COS TRINKEN

«Cos» kann / könnte vieles sein. Machen wir mal einen Rundumschlag, bevor wir zum eigentlichen Thema kommen.
• Cos ist eine belgische Rockband
• Cos ist eine Gemeinde in Galizien
• Cos ist auch ein Dorf in Frankreich
• Cos ist ein kleines Städtchen in Portugal
• Cos ist ein altes Längenmass
• Cos steht für Card Operating System
• Cos ist der UNDP-Code von Costa Rica
• Cos ist der IATA-Code von Colorado Springs
• Cos ist in Greenwich die Bahn Station
• Cos ist auch ein schwedisches Modelabel

Trotz den zehn Erklärungen sind wir noch nicht bei unserem Thema angelangt. Für uns galt «Cos» als französische Abkürzung von Hügel von Steinen. Also colline des cailloux.

Also haben wir mit Cos – per Definition – den ersten Teil vom Namen von diesem Château in Saint Estèphe.
Gegründet wurde das Gut im 19. Jahrhundert von dem Weinkaufmann Louis-Gaspard Estournel, dessen Spezialität der Pferdehandel aus Arabien und der Weinhandel nach Arabien und Indien sozusagen im Pendelverkehr war. Estournel setzte sich zum Ziel, in der Nachbarschaft des hoch angesehenen Gutes Château Lafite-Rothschild in Pauillac, auf der anderen Seite des kleinen Grabens Jalle de Breuil, den besten Wein der Erde herzustellen.

Hierzu kaufte er die Kieshöhen nördlich von Pauillac, oberhalb von Lafite und begann eine ausgedehnte Bauaktivität.
Bei seinen Handelsaktivitäten stellte er fest, dass der aus Indien zurückgekehrte, nicht verkaufte Wein besser war als der gleiche, im Château verbliebene Wein. Dies veranlasste ihn, all seine Weine vor dem Verkauf auf Schiffsreise zu senden. Dies, weil er die deutliche Qualitätsverbesserung der massiven Kostenerhöhung vorzog.

Die Weine jener Jahre markierte er mit einem «R»: Retour des Indes, zurück aus Indien, als Qualitätsmerkmal. Sie wurden ihm zunächst förmlich aus den Händen gerissen.

Diese aufwendigen Massnahmen des Bauens und Schiffstransportes ruinierten ihn jedoch mittelfristig. Er musste sein Gut 1852 an seinen fast ebenso weinverrückten Londoner Bankier Martyns verkaufen.

Louis-Gaspard Estournel blieb ledig und kinderlos. Er starb ein Jahr später, völlig verarmt, mit 91 Jahren. Kurz bevor sein Lebenswerk

1855 durch die Einstufung als «Deuxieme Grand Cru» internationale Anerkennung erlangte.
Der Rest ist Geschichte und diese kann man auf www.estournel.com nachlesen.

Heute gehört Château Cos d’Estournel dem in Genf lebenden Franzosen Michel Reybier.

Das Wort «Aspik» wurde im 19. Jahrhundert aus dem Französischen aspic «Gelee» entlehnt. Dessen Herkunft ungewiss ist. Laut Émile Littré geht es auf «Aspisviper» zurück. Die Bedeutungsübertragung leite sich von der Redensart froid comme un aspic «kalt wie eine Viper» ab.

Tönt alles kompliziert. Ist es aber nicht, wenn man weiss, dass wir einem solchen Gericht einfach «Sülze» oder «Sülzli» sagen.

Aspik! Hausgemacht schmeckts am besten. Rose Rast zauberte für uns dieses, bunte wunderbare «gesültzte» Hauptgericht.


WAS IST EIN POKALWEIN?

Den Begriff Pokalwein gibt es tatsächlich. In Deutschland meint man damit den offen ausgeschenkten Wein.

Bei mir hat er eine andere Bedeutung. Denn – ein Pokal ist ja auch ein Trinkgefäss mit «etwas grösserem Fassungsvermögen».

So stelle ich mir denn vor, dass man einen Wein wie es der Cos 1990 heute ist, in einen Pokal giesst und dann hemmungslos in sich reinschüttet.


1990 Château Cos d’Estournel: Aufhellend, aussen reif – innen hat man das Gefühl noch ein paar rubine Reflexe erblicken zu können. Offenes, delikates, fein süsses Bouquet. Er erinnert an einen Burgunder von Gros Frères (Himbeergelee). Aber auch möglicherweise an einen hochwertigen Prioratwein (Grenadine). Es sind immer noch Vanille und Röstspuren da. Je länger man daran riecht, desto mehr schwankt er zu einem nasalen Chambertin. Im Gaumen frischer als in der Nase, tänzelnd, schmeichelnd, wunderbar balanciert. Im Extrakt Spuren von roter Zichorie, welche eine noble Bitternote applizieren. Ein Bordeaux, den man fast hemmungslos saufen kann. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern entspricht den Tatsachen. 19/20 trinken     

ALLES – AUSSER BORDEAUX

Wer auf klassische Bordeaux Weine steht, der soll bitte einen ganz grossen Bogen um die Weine vom Jahrgang 2003 machen.

Denn – Typizität ist bei den meisten ein Fremdwort. 2003 ist anders. Ganz anders. Und das merkt man auch deutlich bei dieser atypischen, ausserirdischen Saint-Estèphe-Bombe!



2003 Château Cos d’Estournel: Im Innern satt, aussen eine erste ziegelrote Verfärbung zeigend. Das Bouquet ist von dramatischem Power; Nougat, frische Röstnoten, Kandis, Caramel, Dörrpflaumen, Dörrbananen, Korinthen, Mocca, Mocca und nochmals Mocca. Im Gaumen geht es granatenhaft weiter. Voller Body mit einer ausufernden Aromatik und Cabernetsüsse. Fast eine Art «Cabernet-Likör». Ein gesetzter Kandidat für Blindproben. Man kann ihn sogar in eine Amarone-Tasting stellen. Er hat auch da grosse Chancen zu gewinnen. 20/20 trinken, taumeln.

Bild: Jean-Guillaume Prâts präsentierte im April 2004 stolz den 2003er beim Primeur auf Cos d’Estournel.

COS MONTAG

Aber heute ist erst Sonntag. Habe ein Bisschen vorgeglüht.

Mehr demnächst ...

1985 Château Cos d’Estournel: Beim Einschenken entstanden viele, recht grosse Kohlensäureblasen. Diese dezimierten sich nach ein paar Minuten, wurden kleiner, blieben aber sehr lange an der Oberfläche am Glasrand. Recht dunkle Farbe, wenig Reifetöne. Beruhigendes, klassisches Médoc Bouquet, schwarze Pfefferkörner, Bakelit, Rauch, dunkles Leder, Backpflaumen und Korinthen. Letztere sind nur in der Aromatik zu finden, die dazu passende Süsse ist nicht da. Was aber kein Makel ist. Vor allem hat erstaunte er mich, wie intakt dieser 35jährige Saint Estèphe nasal noch daherkam. Im zweiten Ansatz findet man noch Himbeerranken und getrocknete Preiselbeeren. Im Gaumen schlank, erhaben, galant, saftig, lang und aromatisch. Im Finale zeigt sich eine fein grüne Cabernet-Sauvignon-Note. Das ist kein Makel, sondern eine Jahrgangstypizität. Ein Mussewein der damaligen Cos-Zeit und diese Art gefällt mir heute noch. Da ging man nicht nur bis ans oder gar über das Limit bei der Vinifikation. Man nahm die Jahrgänge so an, wie die Vorgabe der Natur war. Dabei ist zu vermerken, dass die heute anzutreffenden 1985er-Flaschen sehr unterschiedlich sein können. Zuweilen sackten ein paar Kontakte mit diesem Wein bis zu 16-Punkten ab. Hier hatte ich eine veritable Renaissance im Glas. 18/20 austrinken  

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WUNDERSCHÖNER «READY-BARTON»

Wer bei den Bordeaux 2003 nicht sicher ist, den richtigen Punkt zu erwischen, der tut gut daran, einen schönen Teil seines Reservoirs jetzt zu entkorken …

2003 Léoville Barton: Sattes, dichtes Granat. Die Nase spielt von Anfang an verrückt; Himbeerkernen, geröstete Haselnüsse, getrocknete Feigen, helles Leder, Teer und erste Anklänge von dominikanischem Tabak. Das Nasenbild ist fein pfeffrig und vielschichtig. Im Gaumen zeigt er viel Zedern und andere noble Hölzer. Die Tannine sind nahezu reif und vermitteln trotzdem immer noch ein royale Adstringenz. Obwohl er sich ziemlich klassisch gibt, kann er den heissen Jahrgang 2003 doch nicht ganz verheimlichen. Vom Körper her ist er alles andere als burgundisch. Die finalen Aromen erinnern dann aber doch irgendwie an einen Latricières Chambertin. Er ist am Anfang einer soliden Genussreife. 19/20  

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ZWISCHEN FRUCHT UND SCHIEFER

Ried Schütt! Der Wachauer-Lieblingswein von meiner Karin. Zugegeben, da gibt es noch viele andere Weissweine von und ausserhalb der Wachau. Letztendlich bei der Evaluation immer die Nase vorn.

Je wärmer es in der Weinwelt wird, desto mehr favorisieren wir die kühleren oder die oberen Lagen. Säure macht Länge. Säure lässt die Weine vibrieren. Säure konserviert die Frische.

Heute ist bei uns der 2013 Riesling Ried Schütt von Emmerich Knoll im Gabriel-Gold-Glas. Dabei erinnere ich mich, dass Emmerich einmal extra für uns eine kleine Vertikale auf einem Gartentischchen in der Riede Schütt aufgestellt hat. Ein unvergesslicher Moment.

Dieser Schütt ist grün gelblich leuchtend. Zeigt eine pfeffrige Nase mit restlichen Spuren von Stachelbeeren und Weinbergpfirsich. Deutlicher als diese abklingenden Fruchtnuancen sind facettenreiche, florale Züge, wie Brennnessel und Minze. Die minim laktische Note deutet auf eine kommende Firne hin. Im Gaumen ist der Wein erst mal enorm lang, zeigt eine schöne Spannung und vermittelt im Finale eine wirklich minim dezente, mineralische Schiefernote. Wachauer Weine können genau so gross sein wie ganz grosse Bordeaux. Also sind die Punkte im gleich hohen Bereich. Der Unterschied macht nur der Geschmack und die Farbe. 19/20   

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CHÂTEAUNEUF-DU-PAPE & KUTTELN
 
Waren es die Griechen? Es wird vermutet, dass die Griechen, welche im sechsten Jahrhundert die Stadt Marseille gründeten, mit Weinbau in Südfrankreich begonnen hatten.

Im Jahr 500 erwähnte der damalige Bischof Gregor von Tours «einen Wein von Avignon».
Um 1350 liess Papst Johannes XXII einen eigenen Weinberg mit den besten Lagen in dieser Region bestocken.

Eine Urkunde aus dem Jahre 1519 beweist die Existenz von weissem Châteauneuf-du-Pape.

Im 19. Jahrhundert galt der Châteauneuf-du-Pape bereits als bester Wein der südlichen Rhône. 1935 wurde diese Region als eine der ersten Appellationen Frankreichs gesetzlich geschützt.

Die gebietstypische Weinflasche mit den aufgeprägten päpstlichen Symbolen, den gekreuzten Schlüsseln Petri und der Tiara, ist den Erzeugerabfüllungen vorbehalten und ist seit 1938 als Markenzeichen eingetragen.

Die jüngste Geschichte dieser rund 3'200 Hektar grossen Appellation führt nach Eschenbach. Genauer gesagt, in die Garten- siedlung Moos. Dort trafen sich im Mai 2020 fünf gestandene Männer zum Châteauneuf-Stelldichein. Jeder hatte eine Flasche dabei. Letztendlich kam ein herrliches Sammelsurium zu Stande. Vom gereiften Jahrgang 1970 (Château Fortia) bis zum noch etwas zu jungen 2005 Réserve des Célestins von Henri Bonneau stand eine ziemlich heterogene Palette auf dem heimelig anmutenden Gartentisch.

HENRI BONNEAU’S VERMÄCHTINS

Er gehörte mit Jacques Reynaud (Rayas) zu den legendärsten Winzern von Châteauneuf-du-Pape. Im März 2016 ist Henri Bonneau im Alter von 77 Jahren gestorben. Wie es mit der Domaine weitergehen soll, scheint momentan nicht ganz so klar. Wie es aber war, dass wissen Kenner von diesen eigenwilligen und deshalb unverwechselbaren Weinen.
Bonneau produzierte drei Weine mit einer Gesamtmenge von ungefähr 15'000 Flaschen. Den einfachen normalen Châteauneuf. Das Cuvée Marie Beurrier und – in grossen Jahren – die Reserve des Célestins. Viele der der besten Bonneau-Weine besitzen Kultstatus.

Wer reintönige Weine mag, der soll die Finger von Bonneau lassen. Wer die maximale Toleranz gegenüber wilden, fleischigen, artisanalen, erdigen, manchmal brachial anmutenden, ungeschliffenen Rhône-Rohlingen aufbringt, der ist hier, nach langer Flaschenreife und genügender Dekantierzeit bestens bedient.

Welche Rebsorten Zusammensetzung er für seine Weine verwendete bleibt ein halbes Geheimnis. Denn Henri Bonneau gab immer an, auch nicht genau zu wissen, wie seine sehr alten Rebberge komponiert waren. Sicher lieferte der Grenache die Majorität, ergänzt von etwas Mourvèdre, Counoise und Vaccarèse. Und Syrah? Nein – ganz sicher keinen Syrah, denn Bonneau war immer ein Verfechter gegen den Syrah. Die Nordrôhne brauche keinen Grenache, «also brauchen wir im Süden auch keinen Syrah», so sein Credo. Bei einer früheren Gelegenheit konnte ich die Cuvée «Marie Beurrier» verkosten. An unserem Kutteln-Châteauneuf-Abend entkorkten wir die «Réserve des Célestins).

2005 Châteauneuf-du-Pape Cuvée Marie Beurrier, Henri Bonneau & fils:
Noch recht jugendliches Weinrot, immer noch zart lila Schimmer in der Mitte zeigend. Sehr mineralisches Bouquet, duftet förmlich nach Putzfäden in einer Autogarage, Korinthen, getrocknete Pflaumenschalen, Teer, eigenwillig, einzigartig. Für Terroirfahnder eine nasal tiefgründige Droge. Im Gaumen eine Essenz von Dörrfrüchten, kompakt, fleischig, stoffig, sandiger Fluss mit «mittlerem Charme», im Finale gehackte Rosinen. Zeigt geschmackliche Parallelen zu einem grossen Prioratwein. Ein spezieller Stil – für spezielle Bonneau-Fans. 18/20 beginnen

2005 Châteauneuf-du-Pape Réserve des Célestins: Die Farbe ist nicht besonders dunkel, zeigt viele Granatreflexe, wirkt aber als Solches noch enorm jung. Geniales Bouquet, Teer, Lakritze, Korinthen, dunkle Edelhölzer, Jasmin, Eucalyptus und grüner Chartreuse Likör. Unerhört intensiv und gleichzeitig wahnsinnig elegant ausladend. Er legt an der Luft permanent zu und nimmt berauschende Konturen an. Die Reflektionen von Terroir und Mineralik sind nahezu dramatisch. Im Gaumen fest, konzentriert, die Aromen drehen im schwarzen Bereich und diese Sondercuvée geht in eine ungeahnte Châteauneuf-Tiefe. Er zeigt im Extrakt und in der Adstringenz immer noch weiter Reserven. So ist es ratsam, dass man entweder a.) noch etwas wartet. Oder b.) sehr lange dekantiert. Das haben wir gemacht. Als er ins Glas kam, verfügte er über gut fünf Stunden Luftkontakt. Hat gerade noch knapp gereicht. Was wichtig ist, wenn man behauptet, dass dieser legendäre Wein zu den besten der Welt gehört ist der Umstand, dass es davon nirgendwo in einem anderen Rebberg davon eine mögliche Kopie geben kann. Ein Unikat der Superlative! Für echte Rhône Fans ein bewegender Moment. 20/20 trinken   

BEAUCASTEL: 13 REBSORTEN

Wenige Winzer bauen einen reinen Grenache für deren Châteauneuf aus. Denn – in der Regel bedient man sich eines Blends. Einerseits aus Tradition. Andererseits, weil oft die Terrains unterschiedlich sind. Unter den bekanntesten Crus ist der Beaucastel einer der wenigen, welcher alle klassischen 13 Rebsorten verwendet. So findet man im Blend vom grossartigen 2007er; 30 % Grenache, 30 % Mourvèdre, 10 % Syrah, 10 % Counoise. Die restlichen 15 % bestehen aus Vaccarèse, Terret Noir, Muscardin, Clairette, Picpoul, Picardin, Bourboulenc und Roussanne.

Je Grenache – desto feiner. Je mehr Mourvèdre, desto kräftiger. Je mehr Syrah, desto schwarzbeeriger. Das ist so etwa die Faustregel, will man sich für einen gewissen Châteauneuf-Typus entscheiden.

Den Beweis für diese Theorie liefert Beaucastel mit seinem raren Specialcuvée «Hommage à Jacques Perrin». Denn dieses sanfte Monster wird mit einem Blend von sagenhaften 60 % Mourvèdre (!), 20 % Grenache, 10 % Syrah und 10 % Counoise kreiert. Während der normale Beaucastel in der ersten Phase unter 100 Franken zu haben ist, muss man für das hoch parkerisierte Super-cuvée in der Regel das Fünffache hinlegen.

2000 Châteauneuf-du-Pape Château de Beaucastel, Frères Perrin: Kräftige, dunkle Farbe, praktisch keine Reifetöne aufweisend. Das Bouquet ist geballt, wuchtig, wild und ausbrechend. Als ob er grad kürzlich von der Reduktionsphase in die erste Reifephase gewechselt hätte. Im wuchtigen Nasenreigen zeigen sich Kräuter, Ledertöne, Korinthen, Teer und Trüffel. Im Gaumen kommt er massiv daher. Gibt sich noch brachial, polternd und ungeschliffen. Ein gigantischer, bourgeoiser Châteauneuf der zu beeindrucken weiss. Obwohl dieser Wein gigantisch ist, findet man immer noch ein paar Angebote im Markt. Der günstigste war ein Anbieter aus Genf. Der hatte noch 6 Magnum. Die sind jetzt in Eschenbach! 19/20 trinken

ALTE CHÂTEAUNEUF?
 
Zu alten Châteauneuf-Jahrgängen habe ich ein ziemlich diffuses Verhältnis. Einmal entkorkte ich in Spiez einen Abend lang ziemlich alte Weine dieser Region. Das Ergebnis war ernüchternd. Von Rostwasser bis Pferdepisse lag da alles drin. Na gut – ein paar waren schon noch gut trinkbar, aber die Gläser blieben mehrheitlich unberührt. Ausser beim jungen Tischwein (1997 Cuvée Cadettes, La Nethe). Der kam so gut an, dass ich bereits in der Hälfte des Abends «ausgesoffen» war.

Der möglicherweise grösste Fachmann für Châteauneuf-Raritäten ist der deutsche Weinfreak Uwe Bende. Webseite hat er leider keine, aber er ist fleissig im Facebook und Twitter unterwegs.

1970 Châteauneuf-du-Pape, Château Fortia, Tête de Cru: Den hatte Baschi mitgebracht. Sehr dunkel in der Farbe, nur am Rand sieht man einen orangen Schimmer. Die Nase zeigt zuallererst eine artisanale Zubereitungsart. Wer da nicht genügend tolerant ist, der gibt zu schnell auf. Denn – dieser tolle Wein schöpft aus der Tiefe, Trüffel, Mineralik, Karbonileum, Backpflaumen, schwarze Rosinen und Darjeeling Tee. Im Gaumen fest, fleischig, mit schönen Rundungen. Ein Klassiker der damaligen Zeit. 17/20 austrinken  


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KUTTELN A LA GABRIEL

Zu den fünf Châteauneufs stellten wir in der Mitte des abends einen grossen Topf mit Kutteln auf den Tisch.  Zutaten; selbst geschnittene und lange gewässerte, gekochte Kutteln, Eschalotten, Safran, Frühlingslauch, Karotten, Gemüsebrunoise, Tomatenwürfel, Bouillon, Ayvar, Piment d’Espelette, spanisches Paprika, 2001 Grüner Veltliner Knoll Vinothekenfüllung, Château Cheval Blanc 1973.




















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TRAUMHAFTES POMEROL-QUINTETT

Es kann auch Nachteile haben, wenn man zu Hause nur noch reife Weine trinkt und gleichzeitig weniger degustiert wie früher.

So kennt man nur die Notizen von den Fassproben und macht im Keller einen grossen Bogen um die (noch) zu jungen Weine.
Deshalb liebe ich genau solche Begegnungen der Zwischenzeit. Und so ganz «viel zu jung» waren diese Pomerols nun auch wieder nicht, wie ich erwartet hatte.

Der Merlot macht die Jugendpräsenz. So ist es halt mit den Weinen aus dem Libournais (Pomerol, Saint Emilion & Co.). Diese sind im Vergleich mit den Médoc und Graves vom Jahrgang 2005 heute wesentlich zugänglicher.

Wenn auch meiner Ansicht noch nicht richtig reif. Aber das ist Ansichtssache. Denn – Gabriel trinkt halt lieber reif bis überreif.

Die ganze PDF-Story: www.bxtotal.com

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AU REVOIR DENIS

Im Alter von 62 Jahren ist der Besitzer von Château L'Eglise-Clinet, Denis Dubrantou verstorben. Mit grossem Respekt verabschiede ich mich von ihm.

Wenn ich jeweils seine Weine verkostete wich er nicht von meiner Seite. Zwar war er sich seiner Sache immer sehr sicher, wollte es aber gerne von aussen bestätigt haben. 

Er erkannte das Potential seines Weine und machte keine Kompromisse an eine fördernde Jugengefälligkeit. So werden denn seine besten Weine zu ähnlichen Legenden heranwachsen wie frühere Legenden.

Er hat den Eglise-Clinet zu dem gemacht, was es heute ist. Ein grosser, langlebiger Pomerol mit viel Charakter. Einer der vielleicht manchmal unterschätzt wurde. Bis man ihn reif im Glas hatte.

Hier eine Erinnerung an einen  grossartigen Abend mit ihm und seinen besten Freunden.


EGLISE CLINET: DIE LETZTEN FLASCHEN

Zuerst verkosteten wir mit Denis Durantou auf Château L’Eglise-Clinet seine diversen 2010er-Fassproben aus den Appellationen Lalande-de-Pomerol (La Chenade & Cruzelles) dann die beiden Pomerols (Le Petite Eglise & L’Eglise Clinet). Dann lud er ein Dutzend Weinfreunde in die AuBerge Saint-Jean nach Saint-Jean de Blaignac. Ein gut geführtes und noch wenig entdecktes Restaurant, malerisch an der Dordogne gelegen. Nur etwas 10 Kilometer vorbei Saint Emilion entfernt. Ein Tipp für gut-essensgewöhnte Pilger…
Ja - und dann spielte Denis den grosszügigen Gastgeber und amtierte gleichzeitig als Sommelier. In schon fast wehmütiger Art und Weise zelebrierte er seine letzten Flaschen und bescherte dabei den Gästen historisch grosse, ja gar emotionelle Weinerlebnisse.
Die erste Flasche; eine Dame-Jeanne (2.8 Liter Inhalt) vom Jahrgang 1929: Es seien damals drei solche Flaschen im Châteaukeller gewesen, jedoch wären zwei ausgelaufen, ohne dass es jemand bemerkt hätte. Also war das von den dreien die einzige, welche je getrunken wurde. Sehr dunkle Farbe, ziegelrot und brauner Schimmer. Das Nasenbild begann mit Glutamatnoten, dann Rosenholz, Rosinen, Feigen, Hirschleder und getrockneten Pilzen, wie auch frisch geschnittenen Feldchampignons. Im Gaumen die ganz grosse, legendäre Pomerol-Süsse zeigend, viel Fett, was Volumen förderte. Jeder Schluck – eine gute Stunde lang – ein dramatisches, legendäres Pomerolerlebnis der ganz, ganz besonderen Art. 20/20 austrinken

1955 Château L’Eglise Clinet aus der Magnumflasche. Das war dann die Legende schlechthin: Eine unglaubliche Farbe mit viel schwarzen Reflexen. Im der Nase Pflaumen, Birnel, geröstete Himbeerkerne, dramatische Tiefe anzeigend und daraus Trüffel, Caramel und irgendwie auch Vanillemark schöpfend. Im Gaumen die mundfüllende, üppige und gleichzeitig im Fleisch sehr feste Pomerol-Droge. Das Extrakt reicht für einen minutenlangen Nachklang. Absolut intakt, zeitlos. Die Welt steht still! So viele grossartige Weine durfte ich in meinem Leben schon trinken und hätte mir nicht zu erhoffen gewagt, dass da noch einer, den ich so noch nie erlebt hatte, dazu kommen könnte. Danke Denis für diese letzte Magnum aus Deinem Keller. Oder, um das Motto von einer berühmten Whiskyreklame zu übernehmen: Du hast zwar ein paar Flaschen weniger – aber dafür mehr Freunde! 20/20 trinken

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CHÂTEAU – OHNE WEBSEITE

«Willst Du gelten, so mach Dich selten». So lautet ein jiddisches Sprichwort. Lafleur ist – unter Pomerolfreaks – schon lange kein Geheimtipp mehr. Wer diesen Wein im Keller haben will, muss bei der Subskription wachsam sein. Oder später, bei der Marktöffnung ziemlich vermögend. Wie alle begehrten Pomerols der Kategorie Pétrus und Le Pin kennt Lafleur in seiner Preisentwicklung nur eine Richtung: «nach oben». So müsste man denn heute für eine Flasche Lafleur 2005 so um die 1500 Franken hinlegen.

Nur gerade 4.5 Hektar ist dieses Schmuckstück klein. Die Einzigartigkeit; Lafleur verfügt – dank steinigem Boden – über den grössten Anteil von Cabernet Franc im ganzen Pomerol.


2005 Château Lafleur: Sehr dunkles, etwas matt wirkendes Purpur, rubiner Rand. Tiefwürziges, erhabenes Bouquet, Mocca, dunkle Pflaumen, Irisch-Moos, mehr floral denn fruchtig. Und das zeugt von einem grossartigen Anteil an Weltklasse-Cabernet-Franc. Er wird von Minute zu Minute intensiver und lädt enorm aus. Er versprüht dabei unendlich viele Schichten. In der Folge zeigt der Wein dunkle Pralinen, Datteln, Lakritze, Jasmin, Trüffel und noblen Tabak. Dabei bleibt er auf der floral-würzigen Seite. Der Gaumen ist samtig, füllig, feinfleischig. Hier scheint jetzt etwas mehr Frucht durchzukommen. Pflaumen hatten wir ja schon. Jetzt kommen Malbeeren und rote Früchte zur Geltung, welche die fein stützende, laktische Säure dokumentieren. Er zeigt zwar sein enormes Potential (typisch 2005) und seine Geradlinigkeit (auch typisch 2005). So ist es denn – nach fast 15 Jahren in der Flasche – kein Wunder, dass er sich noch nicht mal mit einem Bein in der effektiven Genussphase befindet. Dies ist kein Pomerol-Rodeo, sondern ein introvertiertes Unikat ohne Vergleiche. Nicht mal in der Appellation selbst. Die frühere Vermutung, dass er zu einem Jahrhundertwein mutieren wird, hat sich fraglos erfüllt. Aufgrund des Preises und der Rarität dieses Weines werden dies wohl nur wenige Weinfreaks nachkontrollieren können. Leider. 19/20 warten 

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INTELEKTUELLER WEIN?

Beim Verkosten vom Certan dem May kam mir das Wort «intellektuell» in den Sinn. Bei den Korrekturen nahm ich das Wort dann wieder raus. Doch gleichzeitig fragte ich mich, ob es denn solche Weine überhaupt gibt? Also surfte ich im Netz und fand einen Artikel der NZZ unter der Rubrik «Kochen & Geniessen» von Christina Hubbeling …

«Polarisiert der Wein, dann können Sie mit wichtiger Miene verkünden, er sei «eben ein bisschen intellektuell». Denn intellektuelle Weine sind im Grund genommen nichts anderes als Weine, welche sich nicht massen-tauglich geben und sich nur eingefleischten Wein-Snobs erschliessen.Um damit Kants Kritik der reinen Vernunft oder Schopenhauers Erkenntnistheorien besser verstehen zu können, kann das Sippen an einem «intellektuellem Wein» allenfalls eine willkommene Begleiterscheinung sein. Nicht aber dessen primärer Zweck».

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LASCOMBES AUS ZWEI EPOCHEN

Da stehen die beiden Lascombes oben auf dem Bild ganz friedlich nebeneinander. Es ist aber nicht selten so; wenn vergleichbare Dinge gleichzeitig in Angriff genommen werden, dass automatisch nach möglichen Parallelen oder signifikanten Unterschieden gesucht wird.

Beginnen wir mal mit den Verkostungsnotizen und versuchen danach ein Fazit.

1982 Château Lascombes: In der Schweiz ist dieser Wein momentan immer noch um ca. 100 Franken zu haben. Mattes Rot, deutlich aufhellend am Rand. Wunderschön süsses, bis fast kompottig anmutendes Bouquet; gekochte, rote Pflaumen, getrocknete Feigen, kalter Kakao. Wirkt nasal intensiv und filigran gleichzeitig. Er ist voll reif, aber immer noch recht präsent. Die 38 Jahre hat er auf jeden Fall problemlos überstanden. Im Gaumen samtig, saftig, weich und wieder ziemlich süss rüberkommend. Er ist vom Körper her sehr homogen, leicht mehlig in der Textur und wird gegen das Finale fast kompottig. Ein faszinierendes «Margaux-Likör» welches heute und noch ein paar weitere Jahre ganz viel Freude bereitet. 18/20 austrinken  

2010 Château Lascombes: Die Marktpreise liegen da so um 100 Franken pro Flasche. Sattes Purpur-Lila. Unglaublich intensives Bouquet; Brombeeren, Heidelbeeren, frisch gebrochener, schwarzer Pfeffer, begleitet von floralen, präzisen Cabernetnoten. Er scheint nasal trügerisch offen und vermittelt nach ein paar Minuten Veilchen und minzige Spuren. Der Gaumen ist massiv, fleischig, stoffig und stark adstringierend. Der Fluss ist aufrauhend und so wirkt dieser extrem verlangende Margaux irgendwie noch roh. Ein ungeschliffener Lascombes-Diamant. Das Potential ist immens, aber leider ist die mögliche Genussreife noch enorm weit entfernt. 19/20 warten    

DER UNTERSCHIED VON 1982 & 2010

Die optischen Differenzen habe ich auf der ersten Seite dieser Geschichte schon deutlich auseinandergenommen.
Nun geht es ans «Eingemachte». Wie heisst es so schön; «die Wahrheit befindet sich letztendlich immer im Innern der Flasche».
Der Lascombes 1982 ist logischerweise reif. Er stammt ebenfalls aus einem als einem zuweilen als Jahrhundertjahrgang angesehenen Millesime. Aber – er reflektiert auch die alte Bordeauxzeit. Damals gab es noch keinen Zweitwein. Erst wurde der «Grand Vin» selektioniert, dann wurde der Ramsch anonym an einen Négociant verkauft. Es ist anzunehmen, dass der Anteil an neuen Barriques weniger als einen Viertel betrug. Wenn überhaupt.

Der Lascombes 2010 ist in einer neuen Ära, unter der Ägide von Dominic Befve. Er wechselte im Jahr 2000 von Lafite zu Lascombes und führte mit dem Jahrgang 2001 den Zweitwein «Chevalier de Lascombes» ein. Gleichzeitig hob er die Qualität derartig an, dass Lascombes heute zu den Top 5 der Appellation Margaux gehört. Ausgebaut wurde dieser 2010er in etwa 60 % neuen Barriquen.
Säure, Tannin und Alkohol prägen diesen 2010er. Damit steht er nicht alleine da, denn dies ist das Merkmal eines der lagerfähigsten Bordeaux-Jahrgänge der neueren Zeit. An diesen Weinen werden sich Ungeduldige noch die Zähne ausbeissen. Fazit: Noch nicht entkorken und der Dinge harren!  

Die ganze Story: www.bxtotal.com

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WEISSES PFERD IM GLAS –
POULET AUF DEM TELLER


Da ich den gestrigen Abend enthaltsam, respektive mit Null-Kalorien absolvierte, bleibt heute Reserve. Und auch das doppelte Budget. Also leiste ich mir heute eine Rarität, welche ich normalerweise für edle Weinproben einsetzen würde.

Ich verkoste den Wein jeweils vor dem Abend und entscheide dann, ob ich ihn dekantieren will. Vom nachfolgenden Wein gibt es mindestens zwei Editionen. Nicht wenige wirken leider etwas reduktiv oder «müffeln» gar ein wenig. Dieser hatte keinen Makel und ich bin mir sicher, dass er zu Spargeln, Pouletfilet und Shiitakepilzen passen wird. Wenn nicht – auch egal …


1983 Château Cheval-Blanc: Die Farbe ist mitteldunkel, am Rand deutlich aufhellend und dort mit ordentlich viel Orange versehen. Die Nase zeigt Malz, Kampfer, Torfnoten, dunkle Rosinen, fein würzig bis kräutrig. Im zweiten Ansatz wird der Wein süsser, zeigt dunkles Caramel, gedörrte Datteln, Kardamom und eine Prise Ras-el-Hanout. Es sind viele Parallelen zu einem reifen La Tâche vorhanden. Zeit zum nasal Ausflippen!!! Im Gaumen ist die Typizität zu einem Drittel mit einem grossen Burgunder zu Vergleichen. Der zweite Drittel erinnert an einen Château Rayas (Châteauneuf). Und das letzte Drittel zeigt ganz klar einen Cheval Blanc eines ziemlich heissen Herbstes an. Es ist immer noch viel Substanz (Fleisch und Stoff) auf der Zunge zu spüren. Im Finale findet man dann auch verschwenderisch viele Terroir-Reflektionen. Richtig gute Önologen würden da wohl nicht wenige Vinifikationsfehler finden. Ich hingegen finde ihn schlicht genial. 20/20

P.S. Auch hier kommt immer wieder die Diskussion oder der Vergleich mit dem Jahrgang 1982 auf. Beide sind völlig anders. Ich finde die 1983er (Cheval, Margaux, Mission, Mouton) konzentrierter und tiefgründiger und ganz sicher langlebiger.     

Cheval Blanc = frz. «weisses Pferd»

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ES «GRANGELT» BEI UNS

Heute steht Rindstartar auf dem Programm. Rotwein passt dazu immer. Aber eigentlich keiner so richtig. Ist wegen den Kapern, den Zwiebeln und anderen Sachen.

Also muss Mann in solchen Fällen «Kompromisstrinken». Geht immer. Eins nach dem Anderen.

Also musste ich nicht lange in der Küche stehen, denn ich benutze ein zuverlässiges Halbfabrikat von Mövenpick für die Speise. Die Zeit, welche ich in der Küche sparte, kompensierte ich im Keller. Ich wanderte umher und schwankte zwischen Bordeaux und Napa.

Und wieder folgte ein Kompromiss: 1982 Penfolds Grange. Das war eine gute Wahl. Er ist nicht mehr so Überdrüber wie früher. Hat sich etabliert, verschlankt. Irgendwie ist er leichter geworden. Das gibt ihm die Chance all diese verrückten Grange-Aromen förmlich, aber nicht überheblich aus dem Glas zu katapultieren.

Da meine Frau in letzter Zeit kein rohes Fleisch mehr ist, habe ich das Beefsteak-Tartar allein gegessen. Da sie gar nicht zu Hause war – musste ich den Grange allein trinken. Geht doch! Montag ist aller Penfolds-Tartar-Anfang …

P.S. Das Gesamtbudget lag an diesem Abend weit unter 100 Franken. Den Grange hatte ich 1987 für 65 Franken gekauft.

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EINE VON 91'488 FLASCHEN

Es gibt wenige Produzenten, welche die Ernte vollumfänglich deklarieren. Mouton hat das früher gemacht. Heute nicht mehr. Dabei gibt es heute viel weniger Mouton-Flaschen wie früher.

Heute fiel die Flasche Nr. 6073 zum Opfer. Irgendwie hatte ich gestern schon im Sinn einen Martha’s zu entkorken. Im Keller entschied ich mich spontan für etwas anderes. Da machte Karin aber ein ganz vorwurfsvolles Gesicht und bemerkte schnippisch: «Eigentlich hattest Du mir ja einen Martha’s versprochen». Damit ich nicht morgen automatisch geschieden bin, habe ich diesen Fehler heute sofort korrigiert.



1991 Cabernet Sauvignon Marthas Vineyard, Heitz: Man würde hinter dieses intakten Granatfarbe nie einen fast 30jährigen Wein erwarten. Das Bouquet ist malzig, pflaumig, schokoladig und zeigt eine traumhafte Cabernetwärme, welche weit ausladend ist. Im zweiten Ansatz; Lakritze, Kräuter, braunes Peru Balm und erste Eucalyptusspuren. Letztere werden an der Luft später immer intensiver. Im Gaumen zeigt er wieder diese hohe Cabernet-Reife. Die Gerbstoffe sind weich, die Aromatik bleibt intensiv. Im Innern ist er sanft gebündelt. Zeigt einerseits eine dezent mehlige Textur, andereseits gleicht sich dieser minime Makel wieder durch die zart laktischen Noten aus. Er dokumentiert jetzt seine volle Reife. Was aber bei einem Martha’s nicht heisst, dass man sich jetzt mit dem Entkorken beeilen muss. Beruhigend – klassisch. 19/20

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PENOLDS BESTER CABERNET

Er ist ganz schön teuer geworden, der Bin 707 von Penfolds. 400 Franken pro Flasche sind keine Seltenheit. Für den folgenden Wein hatte ich damals 80 Franken bezahlt. Lange her! Meiner Ansicht nach haben besten Cabernet Sauvignon gegen die besten Shiraz in Australien an der Spitze wenig Chancen. Oder umgekehrt, ich finde eine Vielzahl von Shiraz oder Shiraz-Blends viel besser als Cabernets oder Cabernet Blends. Aber es gibt ein paar Ausnahmen. Das ist eine davon.

Bei einem Top-Cabernet ist es mir wichtig, dass er seine Herkunft zeigt. Damit meine ich, dass sich ein Chile Cabernet Sauvignon oder ein Napa Cabernet Sauvignon deutlich von einem Bordeaux unterscheiden soll. Und dies verlange ich somit auch von einem Australier.


Der 1998 Cabernet Sauvignon erfüllt mein Wunschkriterium. Die Farbe ist sehr dunkel, man sieht aber – bei genauerer Betrachtung – schon, dass er mehr wie 20 Jahre alt ist. Die sehr intensive Nase duftet nach frisch gebrochenen Rosmarinzweigen, nach Eucalyptus, Black Currant-Pastillen, Kaffee und Dörrpflaumen. Da kommt einem so ein richtiger Bouquet-Power entgegen. Im Gaumen hoch aromatisch, füllig, viel Cassis, Lakritze, frisch gebrochener, schwarzer Pfeffer und wieder mit einem ausufernden Kräuterreigen aufwartend. Es ist jetzt voll auf dem Peak und ein gewaltiges Erlebnis. 19/20

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DER KLEINE PINGUS

Damals war der «Flor» noch der Zweitwein von Pingus. Heute ist es eine eigenständige Marke. 1995 war der erste Jahrgang von Peter Sisseck und damit startete er eine Revolution in Ribero del Duero. Plötzlich gab es einen «anderen Wein» der fast so teuer war die der Vega Sicilia. Heute ist der Pingus sogar der teuerste Wein von Spanien.  

Der 1996 Flor de Pingus ist gereift in der Farbe, etwas dumpf in der Mitte. Die Nase gibt sich pflaumig süss, sehr schokoladig, zeigt Sandelholz, pulverlöslichen Kaffee und Nuancen von frisch gegerbtem Leder. Man spürt seine deutliche Reife, aber er ist intakt und sehr anmutig. Im Gaumen spürt man immer noch Röstnoten von den Barriques, wieder Kaffee, Pralinen und Haselnuss-Likör. Der Körper ist mittelgewichtig, das Finale gebündelt. Es ist erstaunlich, dass diese «Zweitwahl» von Pingus sich so lange auf diesem Niveau halten konnte. Gemäss Recherche im Netz ist das heute eine richtige Trouvaille.  (18/20)

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VINO-TUTTI-FRUTTI MIT BELLA ITALIA
 
Fiasco heisst eigentlich bauchige Flasche. Bekannt ist das strohummantelte Fiasco mit einem günstigen Chianti drin.
Meine erste Erinnerung mit Wein geht in meine Kindheit zurück. In unserem Elternhaus befand sich oben eine Dreizimmerwohnung. Dort wohnte die Familie Fantolini. Es waren Italiener wie es im Buche steht. Laut, fröhlich, gesellig. Und immer floss der Wein …

Alle Jahre so zwei bis drei Mal fuhr ein Lastwagen vor und lud ein grosses Fass mit rotem Wein ab. Mittels Bretter wurde dieses Behältnis mit einer schiefen Ebene auf den steinernen Waschküchentrog gehievt.

In der Zwischenzeit trugen wir die ganz vielen leeren «Fiasci» von der oberen Wohnung nach unten. Diese wurden ausgewaschen und dann auf den Boden gestellt. Signore Fantolini hielt einen Plastikschlauch in der Hand. Am einten Ende machte er mit einem grossen Nagel viele kleine Löchlein. Dann führte er eine riesige Schraubenmutter über das Schlauchende und band es mit einer Schnur fest. Dann führte er den Schlauch ins Fass und wartete bis das eine Ende unten angekommen war.

Was dann folgte, war für mich die erste Physikunterrichtsstunde. Er setzte sich zu Boden und zog mit seinem Mund den Wein an. Schliesslich führte er den Schlauch in die erste Chianti Fiasco. Wir bildeten ein Team. Jemand nahm die Flasche weg und schob eine neue zum «Schlauchführer». Ein anderer verkorkte mit alten Korken und schlug mit der Hand oben drauf zum Verschliessen. Andere trugen die Flaschen nach oben …

Am Schluss tranken die Erwachsenen die Fassresten aus und Frau Fantolini hatte Brot, Salami und Käse hingestellt. In der ganzen Waschküche roch es herrlich nach Wein und ich war allein vom Duft her wahrscheinlich ein Bisschen beschwipst.

Während unten noch palavert wurde, trug ich die leeren Gläser nach oben in die Küche. Nicht alle Gläser waren leer und so kam es zur ersten Weinverkostung meines Lebens. Ich weiss nicht mehr, ob ich die Farbe schon so richtig professionell begutachtete. Doch ich weiss noch, dass ich am Wein roch und dann in den Mund nahm. Und bereits damals konnte ich schon beim Tasting Spucken. Was ich im Mund hatte, empfand ich «mega gruusig»!

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ERST IM WALD SPAZIEREN,
DANACH WEINE DEGUSTIEREN
DANN LASAGNE SCHNABULIEREN


So sah das Programm an diesem Donnerstag Ende April aus. Wie schon die Wochen zuvor. Und wohl auch nächste Woche.
Immer mit einem satten oder locker gesteckten Thema. Diesmal stand der Oberbegriff «Italien» im Zentrum. Da kam Allerlei zusammen. Deshalb auch meine versuchte Definition mit Tutti-Frutti. Wie heisst es so schön; «Abwechslung macht das Leben süss».

Als wir nach der kleinen Wanderung in Ottis Hütte im Moos eintrafen, standen bereits zwei geöffnete Barolos auf dem Tisch.
Oh je, dachte ich! Barolos sind nicht so mein Ding. Mit alten hatte ich praktisch nur schlechte Erfahrungen gemacht und junge schmecken mir nicht. Und Drittens; tun diese meinem Luxuskörper irgendwie nicht gut. Anderntags spüre ich diese Edel-Nebbiolos oft in den Gelenken.

Ins linke Glas wird der 1977 Barolo Marcenasco von Renato Ratti eingeschenkt. Die sehr helle orange-braune Farbe ist Angst einflössend. Doch der Wein ist noch gut trinkbar, wenn auch ziemlich fragil. Beim 1978 Barolo Monfaletto von Paolo Cordero aus Montezemolo sieht man bereits der noch intakten roten – wenn auch ebenfalls sehr hellen – Farbe an, dass noch Leben in ihm steckt. Das Bouquet ist zart, zeigt Resten von roten Kirschen und hellen Tabak. Im Gaumen ist er, abgesehen von der erhaltenden Säure, ziemlich mild geworden. Gute Balance und eine unerwartete Freude bereitend. Wenn alter Barolo so wird, dann ist das für mich so o.k.  

Weiter zum 1997 Il Pergole Torte von Montevertine. Das ist ein reinrassiger Sangiovese der Sonderklasse. Und für mich gibt es nicht wirklich besonders viele Sangiovese welche mich innerlich berühren. Der allerbeste Wein dieser Rebsorte war der 1990er Pergole Torte aus der Doppelmagnum. Auch dieser 1997er ist ein grosser Wein. Die Farbe ist nicht besonders dunkel. Die Nase zedrig, ledrig, erdig gewürzt und mit vielen Kräuterfacetten. Rein nasal würde man ihn reif einschätzen. Was dann aber im Gaumen leider noch nicht ganz der Fall ist. Die Gerbstoffe sind sehr präsent und der Fluss noch etwas körnig. Was tun in einem solchen Fall? Lange dekantieren. Und dann etwas Passendes auf den Teller drapieren. Auf alle Fälle ist dies ein ganz grosser Pergole Torte. (19/20).

Jetzt zu einer weiteren Toskana-Legende, welche aber aus der Maremma stammt. Es geht um den 2006 Sassicaia. Der kommt Violett, ja fast Schwarz ins Glas. Die Nase monumental, kompakt und tiefschürfend. Aber leider auch immer noch nicht ganz offen. Mehr von diesem Riesenwein nimmt man im Gaumen wahr. Das Extrakt ist schwarzbeerig. Beim Schlürfen kommt Cassis zum Vorschein. Gleichzeitig wirken die Aromen immer noch primär und floral. Momentan ist der Sassicaia ziemlich «hypig». Zu früheren Zeiten war seine Langzeitbilanz eher durchzogen. Dieser 2006er ist ein Sassicaia-Gigant. 20/20 beginnen   

ZIEMLICH DICKES LAGREIN-ENDE
Das war schon ziemlich dreist von mir, bei einem italienischen Weinabend mit einem Lagrein aufkreuzen. Glücklicherweise kam der 2014 Lagrein Riserva, Weingarten Klosteranger von Kloster Muri-Gries am Schluss des Abends auf den Tisch. Denn es handelte sich da um eine ziemlich üppige Sache. Die Farbe immer noch fast schwarz. Die Nase von dunklem Caramel, gekochten schwarzen Kirschen, schwarzer Schokolade und deutlichen Kaffeenoten geprägt. Im Gaumen üppig, cremig und satt machend. Trotzdem wäre das eine wunderschöne Genussaffäre. Beispielsweise in Verbindung mit Dörrbirnen und Gorgonzola naturale.

Auf alle Fälle zeigt dieser Klosteranger, wo die Messlatte beim Lagrein liegt. 18/20 trinken


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GOLDFUND AN DER MOSEL

Einen seltenen Fund machte der Goldsucher Willi Gebhardt in einem Zulauf der Mosel bei Enkirch. Während der 16. Deutschen Goldwaschmeisterschaft im Juli 2002 in Goldkronach präsentierte er ein Goldnugget welches 0.93 Gramm auf die Waage brachte.
Auch ich fand heute «Mosel-Gold»! In meinem Keller. Der 1999 Riesling Graacher Himmelreich von Dr. Loosen funkelt heute Mittag golden in meinem Gold-Glas. Bereits der Blick auf die Etikette schürt Lust zum «heute viel trinken». Denn – mit 7.5 Volumenprozente geht es um ein genüssliches Leichtgewicht. Na gut, kalorienbewusste Geniesser müssten dann auch noch den Restzuckergehalt in die Waagschale werfen.
Nachdem das geschulte Auge die leuchtend gelbgoldene Farbe inspiziert hat, geht es ab zur Nase. Das Bouquet zeigt eine milde, fein würzige Süsse.

Wie fast alle Weine von Ernie dokumentiert sich hier eine hoch reife, bis schier ins Gekochte drehende Frucht. Allenthalben finden sich Mirabellen, helle Aprikosen und ein Hauch von Quittegelée. Der Gaumen ist aussen schmelzig und innen tanzend. Die Säure ist fein gegliedert und der Fluss gibt sich lang und elegant mit sanften Harznoten und kandiertem Honig ausklingend. Eine Auslese wie sie im Buche steht!

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WER HATS ERFUNDEN?

Die Zuger Kirschtorte wurde 1915 von Heiri Höhn im Zuger Neustadt-Quartier erfunden. Inspiriert wurde der Konditor durch die unmittelbare Nachbarschaft zu bekannten Zuger Kirschbrennereien.

Höhn liess die Torte schützen und gewann in der Folge unzählige nationale und internationale Auszeichnungen und Goldmedaillen. 1943 wurde der Betrieb von der Familie Treichler übernommen, welche die Firma 2004 an die «Treichler Zuger Kirschtorten AG» weitergab.

Hollywood-Schauspielerin Audrey Hepburn, Komiker Charlie Chaplin, der Fürst von Liechtenstein, General Henri Guisan oder der britische Premier Winston Churchill gehörten zu den Geniessern der «Chriesiwassertorte».
In den Vatikan werden regelmässig Torten verschickt, die für das katholische Oberhaupt bestimmt sind. Papst Franziskus ist ein erklärter Fan des Kirschgebäcks.

 Wenn es darum geht, wer da die besten Kirschtorten macht, gibt es verschiedene Ansichten. Unsere war vom Strickler. Die beste!!!

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JASSEN MIT BORDEAUXWEINEN

Kartenspielen und schöne Bordeaux trinken. Verbunden mit einem währschaften Nachtessen. Das hat gut getan.

Der Erlebnisbericht: www.bxtotal.com





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BURGUNDER KLASSIKER

Clos Vougeot ist ein Grand Cru – seit 1935. Zumindest auf dem Papier. Leider sind die Weine dieser grössten Grand-Cru-Lage (über 50 Hektar) an der Côte d’Or oft qualitativ durchzogen wie eine Speckschwarte. In nassen Jahren sind die oberen Schräglagen besser bestellt, weil das Wasser abfliessen kann. In trockenen Jahren reüssieren oft die unteren Flachlagen, weil dort die Feuchtigkeitsreserven besser sind. Und wie so oft ist es bei den Burgundern nicht nur eine Frage der Lage, sondern auch des Winzers.

Die Domaine Denis Mortet gehört zu den Spitzenwinzern. Seit 2005 führt Arnaud Mortet den 11.2 Hektar grossen Betrieb, welcher sich in Gevrey Chambertin befindet. Der nachfolgende Wein ist noch unter der Ägide von Denis Mortet entstanden.

2002 Clos Vougeot, Denis Mortet: Recht dunkles Granat-Rubin, fast kein Reifeschimmer. Das Bouquet ist würzig, konzentriert, zeigt Rauchnoten, getrocknete Datteln, kandierte Preiselbeeren, Edelhölzern, Thymian und Rebwurznoten. Er geht ziemlich in die Tiefe und zeigt auf, dass er viel Aromen aus der Tiefe schöpft. Im Gaumen kräftig, immer noch gut stützende Säure und auch ein weiterhin verlangendes Tanningerüst aufweisend. Unerhört aromatisch und lang im Finish. Gibt sich mächtig und erhaben. Dekantieren = Genussgewinn! Ein grosser, geduldiger Klassiker. 19/20    

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REIFER SÜDAFRIKANER

Heute ist L’avenir in den Händen vom Chablis-Produzent Michel Laroche. Dieser geniale 1994er Cap-Cab wurde noch von Mark Wiehe gemacht. Ich besuchte ihn ein paar Mal auf seinem Weingut. Heute wird bei uns auf der Terrasse gegrillt. Karin kriegt ein Spiessli (verschiedene, kleine Fleischstücke am Holzspiess) und ich ein nicht zu knappes Lammrack. Dazu passt dieser tolle Rotwein sicherlich ganz hervorragend …

1994 Cabernet Sauvignon L’Avenir, Stellenbrosch: Sehr dunkle Farbe, wenig Reifetöne für sein Alter zeigend. Die Nase duftet nach Kräutern, nach Minze, nach Schokolade, Teer, Lakritze und dunklem Leder. Wirkt sehr kompakt im Ansatz. Im Gaumen aromatisch, eine klare Cabernetnote setzend, im Extrakt findet sich Cassis, Trüffel und wieder viel Lakritze. Wirkt konzentriert und liegt auf einem Niveau, welches zu den Top-Cabernets der Welt zählt. Das ist ganz viel Material drin und so ist dies ein genialer Sparringpartner zum Grillfleisch. Für mich ist dieser tolle Südafrikaner in diesem heutigen Zustand eine Sensation. 19/20  

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SCHWEIZER TRINKEN MEHR WEIN  

Die neuesten Zahlen vom Jahr 2019 zeigen einen helvetischen Aufwärtstrend. Der Weinkonsum ist letztes Jahr um 4.7 Prozent gestiegen. Insgesamt trinken die Schweizer im Schnitt 40 Flaschen Wein pro Kopf. Es findet eine gewisse Rückkehr zu den einheimischen Tropfen statt, denn der Mehrkonsum sei massgeblich auf Schweizer Weine zurück zu führen. Hier betrug der Anstieg über 10 %, auf total 48 Millionen Liter.


"Traue keiner Statistik die Du nicht selber gefälscht hast", sagte einst Winston Churchill. Das glaube ich auch, denn irgendwie wirken die obigen Zahlen für unseren Haushalt unglaubwürdig. Unser Weinkonsum liegt sogar noch leicht darüber ...   

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1968 RIOJA RAMON BILBAO

Manchmal gibt es im Rioja grossartige Jahrgänge, welche man in anderen Weingebieten schlichtweg vergessen kann. So einer ist der 1968! Das war dort ein Superjahr. Und so verwundert es nicht, dass ein ganz einfacher Crianza, welchen man von jüngeren Jahrgängen um 10 Franken kaufen kann, heute noch wunderschön zu trinken ist.

Nun gut, die Farbe sucht verzweifelt nach einem letzten Fetzen Rot, weil die Brauntöne völlig dominieren. Das Bouquet duftet nach Kaffee, nach Schokodrink, nach Tabak, trockenen Kräutern und hellem Leder. Die Süsse ist berauschend und gibt dem Nasenbild eine tolle Fülle. Im Gaumen merkt man die Reife dieses mehr als fünfzig Jahre alten Weines. Der Körper ist leicht, aber auch hier gibt die Süsse eine fein cremige Note, das Finale schmeckt nach Baumnusslikör. Zugegeben – er ist reichlich fragil. Wenn man ihn aber nicht dekantiert, kühl und zackig trinkt, dann bereitet er einem Fan von alten Spaniern immer noch viel Genuss. Olé!  

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WO EIN WILLE – DA AUCH EIN LEOVILLE

Die erste Flasche korkte. Das ist ärgerlich. Muss man aber als Weintrinker in Kauf nehmen. Das wichtigste in einem solchen Fall: Kurz ärgern und sofort wieder vergessen.

2000 Château Léoville-Las-Cases: Die Farbe ist Violett und Schwarz. Je 50 %. Die Nase ist einerseits gewaltig und andererseits komplett verschlossen. Also muss man es in den ersten Sekunden mit Wahrsagerei versuchen oder aus den Erinnerungen schöpfen. Also suche ich in meinem bxtotal.com und finde diesen damaligen «ersten Eindruck»: Extrem tiefes Granat-Violett. Geballtes, komplexes Bouquet, zeigt dunkle Röstnoten, was aber auch von der extremen Reife des Cabernet herstammen könnte, Black Currant, Brombeeren, schwarze Oliven, Pumpernickel, Mahagonitouch, wirkt noch sehr jung und auch entsprechend reduktiv. Im Gaumen fest, kompakt, sehr fleischige und doch feine Tannine, schwarze Vanilleschoten, Teer, die Frucht liegt fast ausschliesslich im schwarzbeerigen Bereich, massive Konzentration und gewaltig beeindruckend. Auch eine Minute nach dem Schlucken bleibt noch fast die gesamte, geniale Cabernet-Aromatik im Gaumen zurück. Der beste Las-Cases, der irgendwie aus einem Puzzle von allen grossen Jahrgängen: 1982, 1986, 1989, 1990 und 1996 zusammengesetzt zu sein scheint. (20/20).

Ich lese alles nochmals sorgfältig durch und mittlerweile scheint sich dieser kompakte, aber leider verschlossene Wein ganz zaghaft zu formatieren. Die Aromen sind extrem dunkel, gehen in Richtung Edelhölzer, Vanilleschote, Kaffee und einer zarten Kandissüsse. Im Gaumen scheint er zu explodieren, hier findet man Kraft und Finesse von einem kompakten, riesigen Bordeaux. So wie er sich heute präsentiert wird dies einer der grössten Las-Cases, welcher bald in die Trinkreife kommt. Wann genau scheint heute nicht so einfach kalkulierbar. 20/20    

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HELVETISCHER EINKAUF

Wisst Ihr was das Bild zeigt? Es ist ein Capotaster für die Gitarre.
Momentan sind alle Musikgeschäfte zu. Also muss man gezwungenermassen im Internet einkaufen, wenn etwas dringend gebraucht wird.

Auch wenn ich mehr bezahlen muss, bestelle ich immer bei einem Schweizer Fachgeschäft. Gesucht und gefunden. Bei fruugo.ch.

Die Firma  Fruugo kenne ich nicht. Aber ich weiss, was ch bedeutet. Nämlich Confederatio Helvetica, was wiederum so etwas wie Schweiz bedeutet.
Ein wesentlicher Kaufentscheid war auch, dass dieser Artikel binnen 24 verfügbar sei.
Also habe ich bei fruugo.ch bestellt!!!

Sofort habe ich die Bestätigung erhalten.
Bereits heute erhalte ich ein weiteres Mail, dass die Lieferung bereits unterwegs sei. Muss diese ja auch, wenn sie innerhalb von 24 Stunden bei mir sein soll. Die Information machte mich dann doch etwas stutzig ...

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Versandbestätigung
Hallo René,
Wir freuen uns, um zu bestätigen, dass die folgende  Artikel aus dem www.fruugo.ch um 14426681 versandt wurde JTI Ventures von Schweden! Ihre Bestellung ist auf dem Weg und nicht mehr verändert werden kann.
Bitte erlauben Sie null Standard Shipping Zeitskalen für die Bestellung, wenn nichts anderes auf der Produktseite angegeben zu gelangen. Wenn Sie aus mehr als einem Händler bestellt haben, erhalten Sie gesonderte Mitteilungen der Sendung erhalten.
Voraussichtliche Ankunft 29.04.2020 – 12.05.2020
Versand aus Schweden von JTI Ventures

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KOMMT DAS SANGIOVETO-WUNDER?

Im Film «die grosse Liebe» sang die Sängerin Zarah Leander 1942 den Hit «Ich weiss, es wird einmal ein Wunder geschehen». Dieses Lied kenne ich sehr gut, weil meine Mutter es früher immer sang, habe ich auf eben dieses Wunder gehofft. Zumindest beim 1997 Sangioveto von Badia a Coltibuono.
Ich degustierte ihn 1998 aus dem Fass auf dem Weingut. Er war sensationell! Dann bestellte ich. Dann probierte ich den Wein ungeduldig bei der Anlieferung. Mein Gott war das ein Bock! Er bestand eigentlich in dieser Phase nur aus drei Dingen:
1.    Tannin
2.    Tannin
3.    Tannin


Dieser Negativ-Eindruck blieb mir so heftig in Erinnerung, dass ich die Flaschen über mehr als zwei Jahrzehnte im Keller negierte.
Heute Abend gibt es hausgemachte Lasagne. Also ist dies ein guter Grund wieder Mal einen Italiener zu entkorken. Ein guter Grund diesem Sangioveto wieder Mal eine Chance zu geben. Damit ich einen genügenden Dekantiervorsprung hatte, öffnete ich ihn bereits am Mittag.

Und da ist dieser 1997 Sangioveto, Badia Coltibuono jetzt in meinem Gabriel Gold-Glas. Die Farbe nur noch knapp Rot und mit viel bräunlichem Schimmer durchzogen. Die Nase erdig. Leider ist es so, dass ein Sangiovese selten so richtig trüffelig wird, sondern eben meist erdig. Mit getrocknetem Tabak und gebrauchtem Leder durchzogen. Das Bouquet könnte man eigentlich auch mit einem einzigen Wort beschreiben; Furztrocken! Im Gaumen ist er etwas weniger hart als früher. Die noch reichlich vorhandenen Tsunami-Gerbstoffe tendieren aber immer noch in Richtung Zungenpiercing. Beim Nachklang entsteht ein kapseliger Ton und der Fluss ist grobsandig. Grösse anzeigender, aber leider völlig spassloser Toskaner.

Ich lasse ihn jetzt nochmals acht Stunden dekantiert im Keller und schaue am Abend nochmals. Seine erste Chance hatte er jetzt ja. Und wenn das Wunder von Zarah Leander nicht eintrifft (was ich hier vermute), ist er immer noch gut für eine Sauce Bolognaise …  

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Dieses Spezialangebot gilt nur für Schweiz & Lichtenstein

ABWARTEN UND WHISKY TRINKEN

Ein Benromach und zwei Goldgläser
Das ist unser Spezialangebot …
•    1 Flasche Benromach Speyside Single Malt 10 years (Offizieller Verkaufspreis CHF 75)
•    2 Gabriel Glas Gold-Edition (ultraleicht, mundgeblasen (Offizieller Verkaufspreis 2 Stk. CHF 80)
Promotionspaket: statt CHF 155, jetzt CHF 128
Inkl. MWST (Porto wird zu Selbstkosten verrechnet)
 

Benromach Speyside Single Malt 10 years!
Melonen, saftige rote Äpfel, würzige Orangenschalen gefolgt von dunkler Schokolade. Die floralen und dezent rauchigen Noten zeigen sich auch im Gaumen. Leichte Pfefferaromen mit süsser Vanille, frische Zitrusfrüchte. Sanfte Tannine und eine angenehme Torfnote; cremig rund.

Statt einem Whisky-Tumbler?
Wer kennt die meist klobigen Gläser nicht. Mein Mann René Gabriel trinkt aus dem Gold-Glas in erste Linie zwar schon Wein. Manchmal auch Bier. Und wenn es um Spirituosen geht, gibt es kein Pardon. Das Gold-Glas verleiht jedem Edeldestillat ein Maximum an Duft und Geschmack.


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GROSSER WEIN AUS KLEINEM JAHR

Es ist ja nicht so, dass ich immer nur hoch reife Weine trinke. Manchmal sticht mich schon der Neugierhafer und ich entkorke was Jüngeres. Was wohl in den Augen nicht weniger Weingeniesser dann doch wieder eher nach etwas Älterem aussieht.

Nach dem Motto: «Lieber eine saftige Wurst wie ein zähes Steak», öffne ich dann eher Weine aus gastronomischen Jahrgängen. Solche welche etwas leichter sind und etwas früher Genuss bieten. Dabei ist dieser Pomerol ziemlich gross. In dieser Appellation wurden nämlich die besten Weine vom Jahrgang 2018 in Flaschen gefüllt.


Leider muss ich wohl die geplante Trotanoy-Vertikale um ein ganzes Jahr verschieben. Pandemie und Gastronomie sind leider ein miserables Team, wie man in diesen CV-Tagen feststellen kann. Als kleiner Trost, entkorkte ich heute für uns diese Flasche …

2018 Château Trotanoy: Sattes, dunkles Purpur mit sehr dunklen Farbreflexen in der Mitte. Die Nase geht ziemlich in die Tiefe, liefert Aromen von Pumpernickelbrot, Bakelit, Teernoten, schwarzer Trüffel, Rauchspuren und Backpflaumen. Mittelintensiv und somit doch noch nicht ganz präsent. Im Gaumen samtig, Brombeeren und Black-Currant-Pastillen, gerundete Tannine aufweisend. Hoch aromatisches, elegantes nach dunklem Caramel und Pralinen schmeckendes Finale. Somit ist der Aromendruck im Gaumen grösser wie im Bouquet. Da ich wusste, dass er sich wohl noch etwas ziert, hatte ich ihn acht Stunden in die Gabriel-Karaffe dekantiert und dann im dunklen, kühlen Keller gelassen. 19/20 sehen zwar verschwenderisch aus, sind aber nicht aufgerundet!   

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SONNTAG OHNE WEIN

Eigentlich poste ich momentan jeden Tag welchen Wein ich gerade trinke. Einerseits im Facebook auf  https://www.facebook.com/renegabriel.bordeauxpapst oder auch auf https://www.weingabriel.ch/aktuell-2020.shtml.

Hier bedanke ich mich bei all den vielen «Likern» und «Klickern».

Gestern habe ich mal keinen Wein getrunken. Sorry! Glücklicherweise leide ich nicht unter einer Novinophobie.

Heute geht’s dann weiter gegen den Abend mit dem 2008 Château Trotanoy. Dekantiert ist er schon …





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MAGNUM AUS DEM LIBANON

Zwei Mal war ich dort. Eindrücklich. Friedlich in den Rebbergen im Bekaa-Tal. Etwas weniger friedlich auf dem Weg dorthin und zurück.

Drei Tage kurvte ich mit Serge Hochar durch die Region. Die Winery lag praktisch direkt neben seinem Haus. So etwa einen Kilometer. War aber nicht über eine Querstrasse verbunden. Also dauerte der Weg runder und rauf fast eine halbe Stunde. Wir degustierten eine Vertikale. Den 1959er Musar wollte er unbedingt noch fertig trinken. So stieg er in seinen Cadillac und gestikulierte und trank während dem Fahren. Ich sass schwitzend neben dran.
Leider ist Serge 2014 verstorben. So trinke ich denn diese Magnum heute Abend (nicht alleine – aber mit Verwandten) in seinem Gedenken.


2008 Château Musar, Libanon: (Magnum). Eher helles Granat-Rot. Die Nase ist ledrig, duftet nach Rosinen, nach Datteln, nach Kreuzkümmel und getrocknetem Origano. Es geht eine trockene, recht konzentrierte, rotbeerige Süsse vom Nasenbild aus. Der Gaumen mittelwichtig, pflaumig, wirkt hier weniger süss und auch frischer, mit dezent floralen Noten. Die Gerbstoffe wirken etwas holprig. Aber genau dies wird ihn zu einem hervorragenden Essbegleiter machen. Wie so oft würde man ihn wohl blind als Châteauneuf vermuten. Speziell – aber auch toll!

P.S. Musar kann eine gute Geldanlage sein. Alte Jahrgänge sind sauteuer! Der 1959er, den ich mit Serge trank kostet über 1500 Franken.     

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SAFTIG UND GIGANTISCH

Dieser Titel klingt fast schon schizophren.

Dieser unglaubliche 2011 Riesling Singerriedel von Hirtzberger zeigt eine monumentale Leichtigkeit. Auch wieder unlogisch! Irgendwie ziehen sich hier die Gegensätze förmlich an. Während bei ganz grossen Weinen manchmal der Trinkfluss ins Stocken gerät, kann man hier hemmungslos zuschlagen.

Selten habe ich einen so grossen und zugleich tänzerischen Singerriedel erlebt. Und er ist irgendwie noch nicht mal ganz auf dem Höhepunkt. Ein dankbarer Gruss geht von luzernischen Eschenbach in die Wachau nach Spitz zu unseren Hirtzberger Freunden. Bravo!

P.S. Als ich meine Karin die René-Theorie von «leicht, saftig und gross, ja monomental» vortrug, bremste sie meine Euphorie und bemerkte fast schnäppisch: «So leicht wie Du denkst ist er dann doch nicht ganz». Nach dem dritten Glas musste ich ihr leider recht geben. «Happy wife – happy life!».


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MARGAUX IM ESCHENBACHER MOOS
 
Eschenbach liegt im Kanton Luzern. Das ist wichtig zu wissen. Denn – es gibt auch eine gleichnamige Gemeinde im Kanton St. Gallen. Und dies hat in der Folge schon oft zu Verwechslungen geführt. Das Moos liegt etwas ausserhalb der Gemeinde. Dort liegt auch eine Gartenhaussiedlung. Die Fläche der Gemeinde Eschenbach beträgt übrigens 1310 Hektar.

Somit ist diese Zahl ziemlich identisch mit der Gesamtfläche von der Gemeinde Margaux, welche in Bordeaux – genauer im Médoc liegt. Dort wird Wein angebaut. Und zwar auf rund 1100 Hektar. Und um genau diesen Wein ging es an diesem Pandemie-Donnerstag Mitte April.


Ganz korrekt, aber mit Maximalbesetzung von den erlaubten fünf Personen trafen wir uns um 18.00 Uhr in der Otti-Hütte. Zuvor wurde aber noch brav spaziert durch den Eschenbacher Wald. Einmal rauf, einmal quer und dann zum Moos.
So ein Bisschen Bewegung kann in den trägen Home-Office-Zeiten niemandem schaden. Aufgrund des Wurstaufgebotes ist anzunehmen, dass diese bescheidene, sportliche Tätigkeit im Laufe des Abends sofort kompensiert wurde …

DREI MAL 2000, EINMAL 1982

Nicht auf dem Bild ist eine zweite Flasche Giscours 2000. Das kann halt passieren, wenn jeder eine Bouteile mitnnimmt und man sich nicht vorgängig abspricht.

Der Sieger des Abends: 2000 Château Giscours

Also waren wir nicht traurig, dass es da eine Genussveroppelung gab.

Die Verkostungsnpoitzen und die ganze Geschichte findet man wie immer auf





KLEINE FLASCHE – GROSSER GENUSS

Baschi brachte als Zugabe eine halbe Flasche 1929 Château Rauzan-Ségla mit. Da war ich aber sehr gespannt. Denn – genau vor einem Jahr – durfte ich denselben Wein aus einer Magnum trinken. Es waren zwei Welten, denn der Wein aus dieser Kleinflasche war viel dunkler als die letztjährige Magnum.

So richtig dunkel mit schier schwarzen Reflexen im Braunrot. Die Nase; barock, teerig, trüffelig und nach Rosenholz duftend. Im Gaumen mächtig, immer noch Resttannine zeigend und so den legendären Jahrgang 1929 noch ganz deutlich dokumentierend. 18/20 trinken


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TEST FÜR 2022

In zwei Jahren wird der hoch gefeierte Bordeaux 1982 vierzig Jahre alt. Das werde ich feiern mit einem grossen, zwei Tage dauernden Tasting. Infos folgen auf www.weingabriel.ch. Aus lauter Gwunder schaue ich mir in letzter Zeit immer wieder ab und zu einen 1982er an. Heute war es der Lascombes.

Da gab es auch noch einen anderen Grund. Wir machen fast jede Woche einen Waldlauf und dann ein «Distanz-Tasting». Zwei Freunde entkorken am Nachmittag jenen Wein, welchen Sie am Abend zu Hause trinken wollen und dann degustieren wir von jedem einen kleinen Schluck und diskutieren, am grossen langen Tisch rund eine Stunde über Wein und Gott und die Welt. Dann nimmt jeder wieder seine noch fast volle Flasche für das Nachtessen zurück.

Das war die initiale Idee. Hat das letzte Mal ganz gründlich nicht geklappt, denn vor lauter Wiedersehensfreude waren schnell alle Flaschen leer, bevor …

Heute haben wir das Thema «Margaux» ohne Château Margaux. Und ich bin jetzt am Vordegustieren was wir dann zusammen, in kleinen Schlückchen, gemeinsam verkosten werden. Aber vielleicht artet es wieder aus wie beim letzten Mal und die Flaschen werden wieder komplett verdegustiert.

1982 Château Lascombes: Schön gereift mit noch etwas mehr roten wie braunen Tönen. Die Nase ist fein erdig, zeigt aber auch noch eine süssliche, fein kompottige Fruchtnote, rotes Pflaumenmus, überreife Erdbeeren und Zedernholz. Im zweiten Ansatz kommt ein minimster Schimmer von Madeiranuancen zum Vorschein, ergänzt durch Madras-Curry-Pulver. Im Gaumen saftig, weich, halb cremig und auch hier mit vielen rotbeerigen, süsslichen Eindrücken, im Finale helle Cigarren und Hagebuttengelée. Wie so oft in heissen Jahren, werden Margaux Weine in der Reife burgundisch. Macht immer noch enorm Spass. 18/20

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HOCHZEITSWEIN

Es war einmal. Nämlich 1998, im alten Park Hotel Weggis. Da führte ich meine Karin zum Standesamt in meinem Heimatdorf Ennetbürgen. Am Abend feierten wir mit über 100 Verwandten und Freunden. 1992 Riesling Senftenberger Piri von Nigl zur Terrine. 1992 Château Fieuzal blanc zur Seezunge. 1989 Château Pavie zur Pasta-Vorspeise. Zum Käsebüffet mehrere Imperialflaschen 1989 Château Grand-Puy-Lacoste. Und zum Rinderfilet den 1970 Château La Lagune …

So richtig Grossartiges kann man vom Bordeaux’ 1970 eigentlich nicht erwarten. Säure und Tannine beherrschten diese schwach «gebrusteten» Clarets welche vom alten Vinifikations-Stil geprägt waren. Doch es gab auch – wenn auch wenige – Ausnahmen.

Dieser 1970 Château La Lagune ist so eine gebührliche Exception. Die Farbe ist deutlich gereift und zeigt mehr Brauntöne wie Rot. Am Rand deutlich aufhellend. Das Bouquet gibt sich barock, tiefgründig, zeigt Trüffel, feuchte Erde, nasses Laub, welke Baumnussrinden, würzigen Tabak und Nuancen von frisch gebrochenem Rosmarin. Die minime Süsse im Bouquet erinnert an Korinthen und Malaga. Im Gaumen immer noch recht fleischig, begleitet von minimen Kapselspuren. So richtig die Médoc-Klassik dieser Epoche dokumentierend. Es ist ein kräftiger Food-Wein. Also am besten gleich ein rustikales Saucengericht dazu servieren.      

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ZUM WOHL. DIE PFALZ!

Das hat schon was. Auch wenn es nur ein toller Slogan ist. Nachdem dieser 2009 Basalt von Georg Mosbacher früher recht dick daherkam (was nicht selten bei 2009 so ist) zeigt er sich heute in einer – zumindest für mich – perfekten Reife.

Es gibt bei anfänglich dicken Weissweinen das Phänomen des sich «Verschlankens». Dies dürfte hier der Fall sein. Es ist zwar immer noch ein gehörig Mundvoll Wein, aber die Säure und die feinen Harznoten im Extrakt stützen diesen Kraftakt.
Ich vermute sogar, dass er in den nächsten Jahren nochmals zulegen kann. Denn – je «undicker» er künftig noch wird, desto mehr von diesen herrlichen Rieslingaromen dringen in der Folge weiter nach draussen.

#somussdienstag  #schliesslichistfastenzeitvorbei   

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CHILE-CABERNET-POWER

Im Aconcagua Valley wachsen ganz bemerkenswerte, langlebige Cabernet Sauvignon. Ein paar Mal war ich dort und auch auf der Errazuriz-Winery. Der Don Maximano gehörte vor rund 40 Jahren zu den initialen Cabernet-Blends nach «Bordeaux-Muster». Aller Anfang war da schwer.

Heute zählt der Don Max zu den Top-Rotweinen von Chile. Und unter diesen hat er wohl eines der besten Preis-Qualitätsverhältnis. Die Preise haben zwar in letzter Zeit auch etwas angezogen, liegen aber immer noch weit unter 100 Franken. So viel muss man für einen Weltklasse Cabernet Blend bereit sein zu zahlen.


Dabei ist für mich wichtig, dass er keine besonders gut gemachte Kopie anderer Konkurrenten ist, sondern so richtig typisch chilenisch daherkommt. Damit meine ich die besonders schwarze Frucht mit Cassis und Schwarzkirsche, die Kraft in seiner Ausstrahlung und den frischen Eucalyptustouch. Der 2010er Don Maximiano (18/20) ist erst am Beginn einer möglichen Reife. Mit 14 Vol.% liegt er in einem vernünftigen Bereich. Trotzdem powert er so richtig aus dem Glas. Ein «winethriller» für jeden «meatgriller»!  

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FLASCHE LEER

Diesmal ist es nicht Trappatoni, sondern Gabriel. Irgendwie gehen die letzten Wochen zuweilen auch unter das Motto: «die letzten Flaschen». Und so könnte denn auch der Titel dieser kleinen Story «lets just kiss and say goodbye» heissen. Meine Karin und ich haben über viele Jahre hinweg ein paar ganz spezielle Erinnerungen an diesen 1990 Châteauneuf-du-Pape von Château de Beaucastel.

Einmal – vor mehr als zwanzig Jahren – hat er uns in einem Restaurant in London so gut geschmeckt, dass wir danach im Taxi eingeschlafen sind. Vor dem Hotel angekommen, sahen wir gerade noch unseren Tour-Bus abfahren. Danach mussten wir notgedrungen wieder ein Taxi nehmen, um den Flug nach Hause nicht zu verpassen. Das nicht unbedeutende Handicap bestand darin, dass der Heimflug nicht von Gatwick oder von Heathrow aus vorgesehen war, sondern von Luton Airport. Das Taxi hat in der Folge mehr gekostet als das ganze Wochenendarrangement.

Gestern kam also diese letzte Flasche Beaucastel 1990 dran. Gemäss Infos vom Weingut sind da je 30 % Grenache und 30 % Mourvèdre drin. Der Rest wird mit den klassischen Süd-Rhône Rebsorten ergänzt. Insgesamt besteht dieser geniale Châteauneuf-du-Pape aus einem Mix aus 13 Rebsorten!


Die erstaunlich helle Farbe ist jetzt mehr Orange wie Rot, ergänzt durch bräunliche Reflexe. Das Bouquet ist eine gefährlich reife Orgie von orientalischen Gewürzen. Ähnliche Kreuzkümmelnoten kann man diese bei einem ganz reifen La Tâche auch finden, sofern man das Glück hat diese Wein einmal im Glas zu haben. Zurück zum Beaucastel; Das Nasenbild wird ergänzt durch Leder und Tabaknoten. Die Süsse erinnert an einen mit Malz vermischten Nusslikör. Im Gaumen wirkt er sehr elegant und – aufgrund seiner Reife – dezent fragil. Und wenn ich jetzt hinschreibe, dass man diesen Wein jetzt unbedingt austrinken soll, dann weiss ich auch – aus früheren Erfahrungen – dass man ihn wohl noch viele Jahre auf diesem Niveau antreffen kann. Es war auf alle Fälle ein berauschendes Erlebnis. 19/20    

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CHAPPELLET DIREKTEINKAUF

Mit dem Schweizer Weinhändler Roland Fischer besuchte ich 1996 die Chappellet-Winery. Im Gegensatz zu den Valley-Floor-Betrieben ist die Geschichte von diesem «Hügel-Weingut» noch recht jung. 1967 gegründet, gelang es Donn Chappellet in den Jahren danach sich die Rechte für «Pritchard Hill» unter den Nagel zu reissen.

Letztes Jahr besuchte ich Chappellet wieder. Irgendwie kommt mir die Szenerie vor wie damals. Auch die neuen Weine sind seriös, streng, verlangend! Die Winery selbst kommt mir vor wie ein hölzernes Museum. Es scheint sich nicht viel bewegt zu haben in den letzten zwanzig Jahren. Ausser bei den Preisen!

1991 Cabernet Sauvignon Chappellet, Napa Valley: Sehr dunkles Purpur in der Mitte, etwas matt, fein aufhellender Rand. Erdig schokoladiges Bouquet, kräutrig mit einer Reflexion von Eucalyptus. Wirkt konzentriert und gleichzeitig immer noch etwas introvertiert. Im Gaumen gibt er sich fleischig mit mehligen, unfertigen Tanninen. Wäre es ein Wein aus dem Médoc würde man ihn wohl als Cru Bourgeois taxieren. Ein ungehobelter, fast arroganter Cabernet der seine fast 30 Jahre Flaschenreife nicht besonders genutzt hat. Will heissen; er wirkt wenig entwickelt. Für einen «normalen» Napa-Cabernet Sauvignon ist seine Präsenz nach drei Dekaden erstaunlich. Trotzdem freue ich mich riesig, genau diesen Wein in ein paar Stunden zu trinken. Etwas Luft wird ihm guttun. Dazu gibt es einen selbst eingelegten und zubereiteten Sauerbraten mit Specklardons, kleinen Zwiebeln, Champignons, Karotten- und Kohlrabistäbchen, sowie frisch gerösteten Brotcroutons.
Es war die einzige Flasche in meinem Keller. Ich hatte diese damals auf dem Weingut gekauft und selber «importiert», weil es zu dieser Zeit noch keinen Händler in der Schweiz für Chappellet gab …       

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DIE SCHWESTER VON VEGA SICILIA

Da habe ich wieder Mal eine echte Rarität getrunken. Gemäss winesearcher.com gibt es keine einzige Flasche mehr weltweit im Handel. Es geht um den 1992 Alion aus Ribera del Duero. Manchmal auch die «Schwester von Vega Sicilia» genannt. Anfangs 1990 wurde diese neue Bodega von der Familie Alvarez aus dem Boden gestampft. Während auf Vega Sicilia nur Trauben aus eigenen Rebbergen verwendet werden, kauft man auf Alion Trauben zu. Die Bodega ist produktionsmässig stetig gewachsen und heute werden im Schnitt jeweils 250'000 Flaschen abgefüllt. Das war beim Jahrgang 1992 noch anders. Da wird eine Flaschenmenge von 39'200 auf dem Etikett angegeben.

Was ist der Unterschied zwischen einem Vega Sicilia und einem Alion? Sicherlich erstmal der Preis. Aber auch der Blend ist anders. Beim Vega Sicilia ist in der Regel rund 25 % Cabernet Sauvignon drin. Beim Valbuena (Zweitwein von Vega) ist in der Regel 25 % Merlot drin. Der Alion ist ein hundertprozentiger Tempranillo.


Und nun zu diesem 1992er (es war die letzte Flasche im Keller). Ziemlich rot, etwas matt, aussen orange. Die Nase ist mit einer verführerischen Süsse ausgestattet. Diese Süsse ist nicht kompottig, obwohl man zuweilen das Gefühl hat, etwas Grenadinesirup in der Nase zu spüren. Viel frische Himbeeren, rote Kirschen. Das ist die noch knapp fruchtige Seite. Der Rest ist Bastholz, Zedern, dominikanischer Tabak und getrocknete Kräuter. Im Gaumen saftig, weich, hoch reif und einfach genial. Da schwingt auch ein wenig Tempranillo-Erotik mit. 18/20.

Da ich noch einen schönen Bestand an älteren Rioja und etwas Valbuena und Vega Sicilia im Keller habe, kaufe ich momentan keinen Alion mehr ein. Aber wir sind ja gelegentlich in Teneriffa und da ist dies unser Favorit in den Restaurants. Unlogischerweise kostet er dort im Restaurant gleich viel, wie hier in den Weinhandlungen …   

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EIN BESONDERER TAG

Beim Facebook scrollen, sah ich, dass ein ehemaliger Arbeitskollege von Mövenpick gestern einen Figeac 1998 entkorkte. Den hatte ich «leider» erst kürzlich. Ein Wahnsinnswein. Da zeichnete Figeac erstmals eine neue Epoche auf …

Momentan wechsle ich gerne ab. Kreuz und Quer. Doch die Idee von Saint Emilion 1998 ging mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf.
Im Keller machte ich einen etwas teureren Griff und langte in eine Ausone-Kiste. Ein guter Entscheid. Die Farbe ist nicht spektakulär dunkel, so im dunklen Granatbereich. Einen fein orangen Rand sieht man ganz aussen. Das Bouquet beginnt – nach einer Stunde Dekantierens – relativ zaghaft. Zeigt frische Pflaumen und eine abgeklärte, harmonische, ins malzige drehende Süsse. Mit jedem Nasenkontakt legt er ein paar Nuancen nach. Erste Kräuternoten, Minze, kalter, nobler Schwarztee, Edelhölzer und Kandis. Im Gaumen mit sattem, konzentriertem Extrakt aufwartend. Erhaben, cremig, nicht aufdringlich, sondern eine besondere Ausone-Klasse aufzeigend. Ich hätte ihn mir reifer gewünscht. Was aber auch heisst, dass er immer noch weiter zulegen wird.
       
Solche Weine trinke ich eigentlich strikte nur an besonderen Tagen. Und der heutige Donnerstag war ganz bestimmt kein besonderer Tag. Dank dem 1998 Ausone ist es jetzt einer!

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PAUILLAC BEAUTY

Es gibt grosse Weine, welche manchmal ganz schön fordern können. Andere grosse Weine fordern und liefern. Und dieser 1994 Château Pichon-Comtesse-de-Lalande liefert ganz einfach ab. Ohne zu fordern. Er ist nämlich im Moment «mega-ready».

Man siehts beim Einschenken schon seiner partiell gereiften Farbe an. Das Bouquet ist so herrlich schizophren. Einerseits duftet es nach süssem Merlot und würzigem Cabernet Sauvignon Franc. Auf der anderen Seite setzt sich ein – zumindest früheres – typisches Pi-Co-La-Merkmal durch. Denn das Nasenbild ist durchzogen von einer fein grünen Cabernet-Note welche an Spuren von Geraniol und grüner Paprikaschote erinnern. Insgesamt hocharomatisch und wunderschön gewürzt. Im Gaumen zeigt sich schwarzer Pfeffer im Extrakt, dann Lakritze und kalte Rauchnoten. Nicht bullig, dafür mittelkräftig und mit eleganter Länge. Beim Jahrgang 1994 kann man vieles Erwarten aber in der Regel immer fordernde Weine. Die Ausnahme bestätigt die Regel. Eine ungeschminkte Pauillac-Beauty. 19/20    

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HÖCHSTE ZEIT

Auch Auslesen leben nicht ewig. Oder lag es daran, dass dies ein kleines Flacon ist? Oder der Jahrgang halt nicht so gross? Die Farbe ist goldig, aber auch schon fein bräunlich. Die Nase zeigt Malz. Malz. Und nochmals Malz. Dann Curry (vor allem Curcuma), Quittengelée, Brottrunk. Es ist süss, aber diese Süsse scheint irgendwie abgeklärt, respektive abgemildert zu sein. Im Gaumen cremig, fragil mit nur noch knapp stützender Säure. Das Finale scheint wie ölig. Genau da, wo er eigentlich aufhört – ist er noch am jüngsten. Bereitet noch Freude. Hätte aber wohl (etwas früher) noch mehr Freude gemacht …

Dazu gibt es eine hausgemachte Gerstensuppe, welche Melanie gekocht hat.

Macht auch Freude!   










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PALMER 2003 – NICHT JAHRGANGSTYPISCH

Oft wird bei Weinbeschrieben das Wort «Jahrgangstypizität» verwendet. Der Jahrgang 2003 war heiss. Deshalb sind die Weine durch die Hitze konzentriert worden, weil die Sonne den Saft aus den Trauben zog. Was auch der Fall war; durch die (zu) kurze Zeit zwischen Blüte und Ernte gelang es nicht jedem Winzer, die Kerne in den Trauben ausreifen zu lassen. Somit zeigen ein paar Crus kernige Tannine welche pfeffrig oder gar zuweilen grün wirken.

Der Chateau Palmer 2003 ist weder Jahrgangtypisch noch spürt man, dass die Inneren Tannine nicht ausreifen konnten. Für mich kommt er wie ein kleines, burgundisches Weinwunder daher. Die Farbe dunkel, satt, etwas matt. Die Nase gibt sich unerhört frisch, man findet Veilchen, Cassis und Maulbeeren. Einzig die Süsse ist möglicherweise etwas «jahrgangsverräterisch». Doch – dieser Effekt kommt vom grossen Merlotanteil. (Bis 50 %). Merlot macht «süss» und vermittelt mit der Reife Schokotöne. Hier ist es jetzt erstmals so weit. Im Gaumen ebenfalls viel Frische aufweisend; Lakritze, Spitzwegerich Gabletten, schwarze Kirschen. Kraft und Saft. Heute kosten qualitativ vergleichbare Palmer-Jahrgänge das Doppelte. Bei mir ist dieser 2003er mit einem Ankaufspreis von 145 Franken im Inventar. 19/20 und viel, viel Spass!

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RIESLING AUS LUXEMBURG?

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Ausser einem Besuch verschiedener Luxemburg-Weingüter vor vielen Jahren ist nicht viel Weinerinnerung an diese Region hängengeblieben. Von Luxemburger Freunden erhielt ich ein paar Flaschen als Geschenk. Da ich momentan am «Aufräumen» bin, sticht mich ab und zu der «Interessehafer». Also Korken raus und den 2011 Riesling Woermeldange Koeppchen «Les Terasses» ins Glas. Eines kann ich schon vorwegnehmen. Es wird zu einem wunderbaren Erlebnis.

Die Farbe minim reif und brillant leuchtend. Das Bouquet fruchtig und würzig zugleich. Karambolle, Mirabellen, weisser Pfirsich, Brennnessel, Minze. Wirkt konzentriert. Im Gaumen reich und füllig. Wenn man ihn kräftig schlürft, kann man ihm ein wunderbares, vielschichtiges Rieslingparfüm entlocken. Die Säure dürfte allenfalls etwas höher sein, aber er macht diese mit einem fein harzigen Touch wieder weg. Voll ausgereift scheint er auch noch nicht zu sein, weil man in seinem Extrakt noch Gerbstoffkonturen findet. Wirklich ein ganz toller Wein (18/20) und eine neue Riesling-Erfahrung. Das würde ich gerne gelegentlich wiederholen.

Dazu gibt es René’s Sauerkraut. Das passt dann ganz genau …

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MONTAG IST ALLER HEITZ ANFANG

Grad heute habe ich die Auftragsbestätigung von Martel bekommen für eine schöne Ration 2014er Heitz Weine. Der Bella Oaks ist leider nicht dabei. Weil er nicht mehr zum Heitz Sortiment gehört. Warum auch immer.

Aber – ich hatte heute Abend Lust auf irgendeinen Heitz und dieser lag grad so oben auf dem Regal. Und reif ist er auch.

1986 ist kein grosses Kalifornien-Jahr. Deshalb gilt hier folgende Faustregel: Wenn in Kalifornien kein grosses Weinjahr ist, dann schmecken die Weine nach Bordeaux. Und genau dies ist hier (einmal mehr) der Fall …  


1986 Cabernet Sauvignon Bella Oaks Heitz: Die Farbe intakt, das mittlere Granat wirkt jünger als sein Alter. Die Nase ist erdig, ledrig, es duftet nach Herbstheu, nach Torf und eine trockene, rosinige Süsse durchzieht das Nasenbild. Der Gaumen wirkt zu Beginn asketisch und etwas spröde. Das ist so eine Art «T-Bone-Steak-Wein». Will heissen: es gibt mehr Knochen wie Fleisch. Aber den Knochen kann man schliesslich auch abnagen. Was mir gefällt, dass er a.) nach Heitz aus dieser Zeit schmeckt und b) sich so zeigt, wie ich einen Bella Oaks mag. Mit der Zeit wurde die Textur etwas schmelziger und das Finale zeigte diesen kräutrigen Ton von braunem Peru Balm. Also legt er an der Luft zu. Degustiert jetzt im Büro. Nachtessen gibt es in einer Stunde. Das wird was! 18/20  

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STARKES DUO

Die Evolution wird hier wohl etwas schneller von statten gegangen sein, als wenn es statt einer halben eine ganze Flasche gewesen wäre. Doch was hier zu erleben ist, lässt einem Rieslingfan das Herz höherschlagen ...

Die Farbe ist von intensivem Gold. Das Bouquet duftet nach Honig, nach Caramel,  nach Kirmesmandeln und … nach reifem Riesling. Darf man vor lauter anderen Aromen auch nicht vergessen! Im Gaumen füllig, cremig und mit einer perfekt erhaltenen Säure tänzelnd in die Länge balancierend. Auf dem Fläschchen steht zwar 1991 Wehlener Sonnenuhr Spätlese Joh. Jos. Prüm, aber Manfred Prüm war immer schon ein liebenswerter Tiefstapler. 19/20  

#goldenerweinimgabrielgoldglas












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TOLLER MONTROSE-NACHBAR

Château Meyney liegt direkt neben Montrose und kann somit auf ähnliche Terroirressourcen zurückgreifen. Meiner Ansicht nach ist dieses Saint-Estèphe Weingut völlig unterbewertet. Gut für jene Weinfreunde, welchen diesen Umstand für sich entdeckt haben.

1982 Château Meyney: Weil ich weiss, dass die Cordier-Weine (Cordier war damals Besitzer) manchmal recht «pferdig» daherkommen können oder halt etwas Stallgeruch mit sich bringen, dekantierte ich den Wein vier Stunden und liess ihn im kühlen Keller. Die Farbe ist in der Mitte noch sehr dunkel – aussen sieht man deutlich seine Reife. Darf er auch – nach fast vierzig Jahren. Die Nase zeigt zwar immer noch gewisse animalische Spuren, doch Teer, Leder, Tabak, schwarze Rosinen und ein Touch von Guinness-Bier herrschen vor. Er lädt schön aus und zeigt dabei einen intensiven Aromendruck. Im Gaumen in voller Reife, die Saint-Estèphe-Gerbstoffkanten sind geschliffen. So kommt dieser erhabene Meyney recht weich daher. Die Restadstringenz zeigt minimste Kapselspuren. Das Finale ist wieder malzig, zeigt Nuancen von Fernet-Branca und einer gewissen Cabernetsüsse, welche sicherlich vom grossen Jahr profitiert. I’m lovin it! 18/20   

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SOLLTE MAN NOCH KAUFEN

Manchmal vergisst Mann ganz, dass ein 2005erBordeaux auch schon 15 Jahre auf dem Buckelchen hat. Oft dauert es (zu) viele Jahre, bis ich meinen damaligen Primeur-Mövenpick-Empfehlungen wieder begegne.

Auf der Suche nach einem eher älteren Bordeaux (wir sind zu Hause Reifweintrinker …) fiel mein Blick auf diese «heilige Peter Kiste». So die Übersetzung von Saint Pierre (ohne Kiste).

Wenn kann keine spezifische Idee hat, ist spontan immer am besten. Also ein Griff zum Korkenzieher und los.



2005 Saint-Pierre, Saint Julien: Die Farbe ist beeindruckend dunkel und schier schwarz in der Mitte. Die Nase nobel, geprägt von Zeder- und anderen Edelhölzern, Kaffee, Pflaumen, reife Frucht, hocharomatisch mit warmen Cabernet-Eindrücken. Im Gaumen hoch fein, nicht besonders fleischig, dafür seidig im Fluss mit einer verführerischen Kandisnuance und berauschendem Sandelholz im Finale. Momentan ist er in einer hemmunglosen Phase. Unter allen Grand Crus hat er eine der kleinsten Produktionen. Deshalb ist nicht rar, sondern selten. Was eigentlich das Gleiche ist. Billig ist er auch nicht – aber ein wertvoller Geheimtipp. Wer nicht im Keller hat, sollte da unbedingt Ausschau halten. 19/20 Wer hat, trinken. Wer nicht hat – kaufen!   

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THE DEBATE: NAPA-STARTERKIT

Die Geschichte von «The Debate» ähnelt so manchen anderen, neuen California Weinen. Aus einer Idee wird Wein. In der Regel ohne eigenen Rebberg und ohne Winery. 

Per Zufall bin ich an das Trio vom Starterkit 2011 gekommen. Es ist ein nobler, rotschwarzer Karton. Aussen fix?

Die Verkostung dieser drei Weine fand mit drei Personen statt. Mitten in den heftigsten Corona Zeiten, zu Beginn des April 2020. Meine Wenigkeit begann um 14.30 Uhr mit dem Tasting. Ich degustierte diese Napa-Cabs im «Home-Office», direkt vor dem Bildschirm im Büro. Als ich zum letzten Testling, dem To Kalon griff, stellte ich fest, dass dieser korkte.

«Mist!», dachte ich, denn in weniger wie zwei Stunden würden zwei weitere Verkoster antraben. Flugs mailte ich mit dem «Lieferant» und es gelang mir, innerhalb einer halben Stunde Realersatz zu beschaffen. Dies deshalb, weil sich viele, weitere Kartons dieses Napa-Trios glücklicherweise ganz in der Nähe befanden.

Also schloss ich meine Bewertungen und Notizen doch noch ab und stellte die Flaschen auf den Kellertisch. Wenig später traf André Kunz ein. Er schreibt für die schweizerische Weinzeitung und für www.bxtotal.com. Er setzte sich unten an den grossen Eichentisch.    

Eine Viertelstunde später setzte sich Baschi Schwander an den oberen Teil des Tisches und klappte seinen Laptop auf. Er organisiert auch Weinproben, meist mit amerikanischem Top-Weinen. Seine ausführlichen Berichte kann man auf www.mybestwine.ch lesen.
Als Napa-Spezialist warnte er uns, vor zu hohen Bewertungen. 2011 sei kein grosses California-Jahr. Es hätte da geregnet und somit seien die Weine etwas «verdünnt». Das war die leicht negative Seite bei der Vorgabe für die nachfolgenden Verkostungen. Wie bei jeder Medaille gibt es hier aber auch eine andere Seite. Wenn Weine nicht voll konzentriert sind und mit massigen Tanninen beladen werden, so stellt sich die Trinkreife früher ein. Die Debate-Weine sind bekömmlich. Wenn der Winzer den Jahrgang richtig verstand und dem entsprechend vinifizierte, dann zeigen solche Weine mehr Saft wie Kraft. Was dann auch für deren Balance und Frühgenuss förderlich ist.

Fazit: Diese 2011er Cabernets gehören zu den besseren Napa Weine. Der Dr. Crane (18/20) wirkt eher rustikal. Der Missouri Hopper (18/20) zeigt weiteres Potential ist aber doch schon in der ersten Trinkreife. Absolut der Beste, was auch von der Lage her zu erwarten war, ist der To Kalon (19/20). Er ist die Marketinglokomotive dieses Dreier-Kartons ...

Die Notizen und die ganze Dreiseiten-Geschichte: www.bxtotal.com

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MISSION (NOT) IMPOSSIBLE

Über diesen Wein habe ich – in diversen Stadien – schon ganz viel geschrieben. Mittlerweile ist dieser Mission ganz schön gesucht. Leider ist er in den letzten Jahren – wen wunderts – auch nicht billiger geworden. Gibt es einen besseren 1978-erWein im Bordelais in diesem Jahrgang? Ich glaube nicht. Er lässt alle hinter sich und ist für mich eine Legende. Es ist ein Privileg diesen Pessac im Glas vor sich zu haben.

Wir hatten heute was zu feiern. Alle Firmen haben ein Bombenresultat letztes Jahr hingelegt. Ohne der Wahrsagerei zu frönen kann ich jetzt schon sagen, dass es nächstes Jahr anders aussieht. Wohl leider ganz anders. Geld bekommt eine andere Dimension, wenn es der Gesundheit an den Kragen geht. Und wenn man das begriffen hat, dann erkennt man auch die irrelevanten Relationen.  

1978 La Mission Haut-Brion: Als ich ihn um 16.00 Uhr im Keller öffnete war er zu kühl und viel zu introvertiert. Also stellte ich die Flasche ins Lager bei etwa 16 Grad und gab ihm zwei Stunden. Jetzt ist er wohl in einem Zwischenstadium und ich rechne, dass er beim Nachtessen (so um 20.30 Uhr) in seiner besten Form sein wird. Das ist eben das Wunder von reifem Bordeaux. Solche Weine ertragen auf dem Höhepunkt locker noch langes Dekantieren. Die Nase zeigt dunkles Malz, Kräuterlikör, Fernet-Branca, schwarzes Pfeffermehl und den besten Tabak der Welt, den man für eine besonders würzige Cigarre verwenden könnte. Im Gaumen mächtig, barock, tiefgründig und mit fast nur schwarzen Aromen ausgestattet. Das Finale ist extrem lang und es lohnt sich, nach dem Schluck die Retro-Olfaktion in extremis zu Zelebrieren und Nachhallen zu lassen. Dies ist einer der lääääääääääängsten Weine meines Lebens. 20/20 trinken, taumeln, träumen!

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SORRY! DAS MIT DEM LITER PALMER WAR EIN APRILSCHERZ

EINMALIG: PALMER IN DER LITERFLASCHE!!!

Es gibt ja den Ausdruck «Schnapsideen». Es ist fast Mitternacht. Am Schluss eines ziemlich wenigen Abends auf Château Angludet. Zu meinem Freund Jimmy Sichel, der mit seiner Familie Mitbesitzer von Château Palmer ist, sage ich zum Scherz – mit Blick auf die vielen leeren Flaschen: «Eine Normalflasche ist einfach zu klein». Jimmy pflichtet mir bei und meint lakonisch: «Und manchmal ist eine Magnum einfach zu gross!». «Warum füllst Du nicht eine gewisse Menge Palmer in Literflaschen ab?», kontere ich. «Das ist kein Problem, wir füllen jedes Format auf Wunsch ab, bis zur 27-Liter-Primatflasche. Dies geht aber nur für kommende Jahrgänge, welche noch im Fass liegen …». Spontan sage ich: «Dann will ich 100 Literflaschen vom Jahrgang 2018».

Gesagt – getan! Und weil Jimmy Sichel eine direkte Allokation von Palmer bekommt und ein eigenes Handelshaus in Bordeaux besitzt, bekomme ich diese Sonder-Charge zu einem Freundschaftspreis.

Im Herbst wird diese spezielle Fracht importiert und im Oktober ausgeliefert. Ein paar «Litres» behalte ich für mich  - den Rest biete ich heute an. Die Flaschen sind originalverkorkt und in einer wunderschönen Holzkiste. Pro Person gibt es ein Flacon. Der Preis ist gleich hoch wie eine Normalflasche. Nämlich 345 Franken inkl. MWST. Transport ist 10 Franken, macht summa summarum 355 Franken pro Bestellung.

Hier die Verkostungsnotiz von André Kunz (ich gehe ja nicht mehr zum Primeur …)     
2018 Château Palmer: Kunz Fassprobe 19: (53% Cabernet Sauvignon, 40% Merlot, 7% Petit Verdot, 11 hl/ha, Produktion 72'000 Flaschen). Pfefferiges, würziges, dichtes, süsses, komplexes Bouquet, Dörrpflaumen, Kirschen, Graphit, Rauch, Korinthen, Feuerstein. Konzentrierter, vielschichtiger, kraftvoller, eleganter Gaumen mit dichter, süsser, fein opulenter Frucht, vielfältiger, opulenter Aromatik, cremiger, fein muskulöser Struktur, viel feinem Tannin, sehr langer, dichter, cremiger Abgang mit vielen, süssen Rückaromen. Kann noch zulegen. 19/20 2025 – 2055

Bestellungen: (Maximal 1 Einheit pro Bestellung) weingabriel@palmerliter.ch (Gilt nur für die Schweiz, Sorry!)

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Wurde am 1. April im Facebook publiziert. War leider ein Aprilscherz.

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SO RICHTIG BORDEAUX!

Das liebe ich. Diese artisanalen Grundnoten, welche wir früher ganz einfach mit dem frohlockenden Begriff «Terroir» dokumentieren. Dabei meinten wir eigentlich die «alte Schule».

Will heissen; keine grossen Selektionen, weniger Zeitdelta zwischen der Ernte vom Merlot und Cabernet, nicht besonders viele neue Barriquen, keine Zweitweine und noch wenig beratende Önologen.

Auf G-P-L (sprich Tschi-Pi-Ell) war der junge François Xavier Bordeaux neu für den Wein verantwortlich. Seine Erfahrungen hatte er auf dem Familienweingut Ducru Beaucaillou gemacht …



1985 Château Grand-Puy-Lacoste: Immer noch erstaunlich dunkle Farbe mit satter Mitte. Die Nase geht in die Tiefe, zeigt eine leicht kühle Cabernetnoten. Das ist typisch. 1985 war ein sehr spät geerntetes Jahr mit einer Reife, welche bei den besten Cabernets erst im November realisiert wurde. Lakritze, Bakelit, Rauch, blaue Fruchtresten und dunkle Hölzer. Dies alles vermischt mit einer wunderschönen Ration von Brazil-Tabak. Im Gaumen wirkt er fast etwas weniger konzentriert wie in der Nase, zeigt Saft, Aromatik und Balance. Meine Austriafreunde würden das Ganze jetzt noch mit dem Wort «Trinkfluss» ergänzen. 18/20 Degustiert habe ich ihn um 17.30 Uhr und entschloss mich, ihn nicht zu dekantieren. Nicht eil er zu reif ist, sondern weil ich ihn genau so mochte wie er jetzt ist.

So und jetzt gehe ich noch in den Keller hole mir eine Spätlese von Prüm zum Apero. Wenn ich die Flasche in der Küche auf den Tisch stelle und Karin das Etikett sieht, muss ich nämlich diesen traumhaften G-P-L oberbrav teilen!  

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RHONE ANSTATT CORON(A)

Als ich letztes Jahr einen ganzen Keller aufkaufte, lagen auf einem Gestell noch ein paar einzelne Flaschen. «Nimm die bitte auch mit! Die kannst Du gratis haben. Du bist ja Koch», bat mich der weinverkaufende Freund. Also legte ich dieses multiple Sammelsurium noch oben drauf. Ein paar der Flaschen waren wirklich hinüber. Heute kam dieses besondere Flacon dran und … ich hatte nicht unberechtigte Erwartungen!

1978 Côte-Rôtie Les Jumelles Jaboulet Ainé: Die Farbe ist rostig und gegen aussen ziemlich hell. Das Bouquet beginnt fuchsig. Ich weiss wie frisches Fuchsfleisch schmeckt. Habe auch schon selber Pfeffer aus Meister Reinecke gemacht. Dann spürt man bengalische Hölzer, Teer, altes Leder, Korinthen, frisches Heu und auch eine klare Terroiranzeige mit gewissen Sommertrüffelspuren. Jungweinfetischisten würden hier wohl die Nase rümpfen. 1978 ist ganz gross rauf und runter in der Rhône und dies kommt hier tiefenmässig ganz klar zum Ausdruck. Im Gaumen schokoladig, fleischig und mit mittelschwerem Körper unterwegs, das weich anmutende, feinsüsse Finale zeigt Dörrpflaumen. Hoch reif und genial! Und dies nach über 40 Jahren. 18/20    

P.S. Gemäss winesearcher gibt es in Hong Kong noch eine Flasche. Und noch eine in meinem Keller.  

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Liebe Weinhändler

In Pandemiezeiten ist man manchmal schon froh, dass man doch noch ein paar Mails bekommt.

Momentan sind rund 80 % der Mitteilungen Angebote von Weinhändlern. Die versprechen mir – Dank ihnen – in diesen besonders schwierigen Epoche weinmässig über die Runden zu kommen.




Ganz herzlichen Dank für diese beispiellose Hilfe! Dank langfristiger Vorsorge werde ich dieses Dilemma ohne jegliches Gerbstoffvakuum überleben. Dies auch im Fall, wenn es möglicherweise noch «etwas länger» dauert …

#kelleralarmgesichert #brauchedemnächstwiederklopapier  

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TINTO PESQUERA

Alejandro Fernandez war vor ganz vielen Jahren in einem Restaurant in Zürich und er sass neben mir. Den ganzen Abend. Ich konnte kein Spanisch, dafür andere Sprachen. Doch das half nicht besonders viel, denn Alejandro sprach vor allem Spanisch. Und nur Spanisch! Also kommunizierten wir über seinen Wein, indem wir uns den ganzen Abend zuprosteten.

Plötzlich drückte mir jemand eine Gitarre in die Hand und ich trällerte Lieder aus meinem Repertoire. Irgendwann sang ich Guantanamera. Beim Refrain wechselte ich spontan von Guantanamera auf Tinto Pesquera. Alejandro klatschte erst vor Freude und stand wenig später sogar auf dem Tisch.


Heute ist er 92 Jahre alt. Er hat – als Pionier – das verschlafene Ribera del Duero zu einer pulsierenden Weinregion gemacht. Dank seinem jungen, fruchtig-eichigen Pesquera wechselten damals viele Weingeniesser vom Rioja auf das Duero.  
Am Sonntagabend gibt es bei Gabriels oft Käse und spanischen Schinken. Also passt dazu ein Spanier.

1986 Pesquera Reserva: Ziemlich dunkel, relativ wenig Reifetöne und recht satt in der Mitte. Die Nase zeigt eine kandierte Süsse und so erinnert der Duft an eine erkaltete Linzertorte (Himbeerkonfi und geröstete Nüsse, etwas Currypulver ist mit dabei und Zedernholz. Im Gaumen merkt man die damals etwas forsche Vinifikation. Also wirkt er etwas extrahiert und hölzern. Dafür hat diese Machart ihn langsam altern lassen und so wirkt er heute immer noch robust. Zum Essen passts …       

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Eine These welche ich durchaus nachvollziehen kann!













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CHATEAU CORDON-BLEU?

Nein – es gibt kein Château welches «Cordon Bleu» heisst. Nur ein Gericht. Und das gibt es heute Abend bei uns. Je ein Poulet-Cordon-Bleu für Karin und mich. Paniert aussen mit Austria-Brösel. Die kaufe ich mir immer extra in Österreich und importiere diese. Innen ist das herrliche Ding gefüllt mit altem Gruyère, aber auch mit etwas Pfefferkäse (Boursin). Als Schinken nehme ich nicht den faden Modelschinken, sondern einen Gewürzschinken. Doch lassen wird das, es geht ja hier eigentlich um den Wein …

Als ich auf der Terrasse ein Bierchen trank, kreisten meine Gedanken um den möglichen Begleitwein. Weil ich Wort- oder Buchstabenspiele liebe, überlegte ich mir einen Wein auszuwählen, welcher mit «C» am Anfang des Wortes beginnt. Schnell kam ich auf Côte-de-Rhone oder Châteauneuf. Doch plötzlich fiel es mir wie Augen von den Schuppen. Oder sogar umgekehrt. Fast jeder Bordeaux (ausser die Clos und Domaine) fängt mit «C» an nämlich mit Château. Ein paar Minuten länger und es viel der Doppel-CC-Groschen…

Château Cheval-Blanc. Das wäre dann ein so genannter Drei-C-Abend. Also konsultierte ich mein Inventar und wählte den Jahrgang 1973. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters und des schwierigen Jahrganges, herrscht hier schon eine gewisse Entkorkungs-Dringlichkeitsstufe.

Jetzt ist dieser 1973 Château Cheval-Blanc vor mir im Glas. Ich degustiere die Weine immer aufmerksam, bevor ich in die Küche gehe. Dabei entscheide ich auch gleich, ob ein Wein dekantiert werden soll. Was hier sicher nicht der Fall ist. Die Farbe ist rostbraun und leidlich aufhellend. Die Nase eher welk, mit einer gewissen, waldigen Süsse im Untergrund, Rosinenzüge, Torfnuancen und altes Leder. Im Gaumen spürt man die artisanale Vinifikation (wohl keine neuen Fässer), nasses Laub und dann doch eine herrliche Würze aufweisend. Insgesamt ist er leicht über dem Zenit, aber (zumindest für mich) noch deutlich in der Toleranzgrenze. Ruiniert wurde ich dabei auch nicht. Er war im Inventar mit unter hundert Franken vermerkt!      

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DAMALS NOCH SUPER

Zu dieser Zeit war dies noch einer der besten Cru Bourgeois. Für Mövenpick kaufte ich Unmengen ein. Zufriedene Kunden reklamierten in der Folge, dass sich keine neueren Jahrgänge im Angebot befanden. Doch ich blieb stur. Lieber einen Château-Besitzer verärgern, als tausende von Kunden. Dieser 2000er war nicht der letzte gute, sondern der beste überhaupt …  

2000 Château Citran: Immer noch dunkel und immer noch einen bläulich violetten Schimmer zeigend. In der Nase sind dann genau – in derselben Farbe – viele Fruchtnoten zu finden. So in Richtung Brombeeren und Cassis, Zedernholznoten und eine erste, minime Terroirwürze. Im Gaumen saftig, feinfleischig und gut balanciert, alles ist begleitet von einer letzten Restadstringenz. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er genau gestern Abend seinen Genusshöhepunkt hatte. Ich habe aber auch keine Angst, dass er nicht auch noch im Herbst top ist. Denn da öffne ich in Eschenbach an einem stinknormalen November-Donnerstag zwanzig Bordeaux vom Jahrgang 2000. Dann gibt es diesen Citran auch. Und auch den Latour …

Mehr Infos: https://www.weingabriel.ch/events-2020.shtml

Bei Surfen habe ich sogar noch eine Live-Verkostungsnotiz auf Youtoube gefunden. Da hat jemand ins Weinhorn geblasen. https://www.youtube.com/watch?v=bRYpP92D-AA

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LIEBER BERNHARD HUBER

Während einer Motorradtour durften wir Dich vor Jahren besuchen. Wir liefen vom Dorf raus zu Deinem Weingut ausserhalb von Maltertingen. Geplant war eine Weingutsbesichtigung und eine kleine Verkostung. Es wurden Stunden daraus …

Nun bis Du nicht mehr unter uns. Aber viele Deiner noch von Dir produzierten Weine kommen jetzt in die schönste Genussphase. Ein flüssiges Erbe sozusagen. Währenddem im Ofen marinierte Pouletflügeli brutzeln, habe ich den 2012 Chardonnay. Die Farbe reichlich gelb, aber brillant leuchtend. Die Nase duftet nach frisch geschleudertem Honig, nach Dotterblumen, nach Kamille und einer minimen Spur Anis. Im Gaumen füllig, cremig, harmonisch und laaaaang. Zarte Strohnoten zeigen die Firne an.

Fast war ich geneigt, diesen Wein mit einem Meursault zu vergleichen. Mache ich aber nicht. Es ist ein toller Chardonnay mit Deiner Handschrift. Und genau dies macht ihn so einzigartig. Genau so – wie Du es warst. Danke Bernhard!  

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GABRIEL & BIER?

Gestern habe ich am späten Nachmittag einen 2004 Château La Mission Haut-Brion geöffnet. Der war so verschlossen, dass ich entschloss ihn heute nochmals anzugehen. Habe ihn karaffiert im kühlen, dunklen Keller gelassen.

Dann grapschte ich mir spontan eine Flasche 2002 Péby Faugères. Der war oxidiert. Daraufhin hatte ich eine blendende Idee und meine Hand führte mich zu einem kühlen Hochdorfer Bier.

Hat zum Gemüse-Chili eh besser gepasst …

P.S. Foto = Gabriel-Kühlschrank


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CHARMES MIT CHARME

Heute ging meine Weinreise ins Burgund. Genauer gesagt; nach Gevrey Chambertin.

1997 Charmes-Chambertin Geantet-Pansiot: Ziemlich aufhellendes Rubin mit feinem Wasserrand. Für sein Alter wenig Reifetöne zeigend. Die Nase schlank, noch restfruchtig (Kirsche, Erdbeeren) und feinwürzig (Stielnoten, Nelkengewürz, Thuja, Edelhölzer). Der Ansatz ist nobel, eher unaufdringlich, dafür ziemlich vielschichtig. Wenn ich nicht gewusst hätte, was das für ein Wein ist, hätte ich ganz klar auf einen Côte-de-Nuits-Burgunder getippt. Im Gaumen verdient er seinen Namen, denn sein Fluss ist sehr charmant, weich und samtig. Er endet mit einem fein süsslichen, gebündelten Finale, welches irgendwie an ein Mon Cherie (Sauerkirsche und helle Schokolade) erinnert. Je feiner – desto Grand Cru! Diese Theorie stimmt hier ganz sicher. 18/20

P.S. Dazu gibt es mit Pfefferkäse, frischem Bärlauch und Dörrtomaten gefüllte Pouletschnitzel.
Ein guter Wein und ein feines Essen hilft gegen dunkle Wolken. Und von denen gibt es momentan genügend. Für alle, welche gesund sind, ist es eigentlich fast eine Luxus-Krise. Deshalb dürfen wir die anderen Menschen, welchen es nicht so gut geht dabei nie vergessen!  

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GLÜCKLICH IST DER MANN DEM ES GELINGT DER LANGEWEILE ZU ENTRINNEN, OHNE DABEI DIE ARBEIT ZU HILFE NEHMEN ZU MÜSSEN

Gestern habe ich mir eine «To-Do-Liste» erstellt!!! Mann hat ja jetzt viel mehr Zeit zur Verfügung. Und so könnte Mann doch im und rund ums Haus ganz viele Dinge erledigen, welche in letzter Zeit liegen geblieben sind. Je länger ich studierte, desto länger wurde die Liste. Insgesamt 83 Positionen sind es jetzt. Um eine gewisse Ordnung in die Auftragsdringlichkeit zu bringen habe ich diese jeweils mit drei verschiedenen Stufen eingeordnet.

a.)    Eilt momentan nicht so
b.)    Wenn es denn sein muss
c.)    Wäre ziemlich dringlich  


Aufgaben, so in etwa; Alle Dosen und Gewürze auf Ablaufdatum prüfen und förderlich in den kommenden Mahlzeiten einsetzen. Dasselbe habe ich mir auch ganz fest für ein paar Positionen im Tiefkühlschrank vorgenommen. Ein Bild wollte ich schon lange aufhängen. Und ich weiss auch genau wo. Dann Ordner durchforsten und entsorgen. Das Büro gründlich aufräumen. Im Weinkeller das Inventar weiterführen. Die Einstellhalle wischen. Die Stiege vor dem Haus einsprühen, um vom von der androhenden Begrünung zu schützen. Das Auto innen gründlich reinigen. Auch der untere, kleine Werkstattkeller braucht dringend eine neue Hausordnung. Wenn es dann noch reicht, sollte der Vorplatz gründlich mit dem Kärcher gereinigt werden …

Die 83-Positionen-Liste habe ich jetzt grad ausgedruckt und im Büro ganz zuoberst auf den recht grossen Papierstapel gelegt.

Momentan bin ich ganz glücklich. Denn – jetzt weiss ich genau, was ich tun könnte, wenn ich wollte …

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45-JÄHRIGER 389

Warum der 389 oft «Baby Grange» genannt wird? Weil er in gebrauchten Barriquen vom effektiven Grange ausgebaut werden soll. Das ist denn auch schon alles. Denn der Blend selbst ist «antigrange», weil mehr Cabernet wie Shiraz drin ist.

Heute war mir nach reifem Australier zumute. Nicht selten trinke ich momentan Einzelflaschen weg. Dies ist hier nicht ganz der Fall, wenn auch jetzt nur noch zwei Exemplare noch etwas weiter dösen.
Die Farbe vom 1975 Bin 389 Penfolds ist aussen aufhellend und ziemlich orange, gegen die Mitte wird es dann mehr Braun wie Rot. Die Nase zeigt die hohe Reife. Die Abfolge der Aromen ist aber durchaus spannend. Erst riecht es nach feuchtem Humus, dann nach Leder, dann nach dominikanischem Tabak, dann nach braunem Peru-Balm, Feigensirup und getrockneten Küchenkräutern, inkl. einer würzigen Nuance von Eucalyptus. Im Gaumen wirkt er abgeklärt, weich, samtig mit einer leicht kompottigen Shiraz-Süsse. Hoch reif, doch noch wunderschön zu trinken. Reife, rote Australier können wunderbar sein. Genau wie hier! (17/20)

P.S. Bei diesem 1975 stand noch als Quelle Magill Valley und Barossa Valley auf dem Etikett. Heute ist es – per Label-Definition – einfach ein Süd Australier …

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TARTARWEIN

Dies war heute bereits mein zweiter Versuch, weil der 2009 La Landonne von Rostaing korkte. Irgendwie war ich auf der Suche nach einen Tartar-Wein. Das gibt es nämlich heute Abend. Kräftig sollte halt sein. So wählte ich meine letzte Flasche 1997 Cabernet Sauvignon Oakville von Mondavi. Früher gab es nur den normalen Napa und den Reserve. Mit dem Jahrgang 1996 (glaube ich) fing Mondavi an, zwei «District-Weine» zu lancieren. Einen «Stags Leap» und einen «Oakville».

Der Oakville war/ist immer etwas kerniger, kräftiger und mit nicht ganz fertig gehobelten Gerbstoffen ausgestattet. Am ehesten mit einem traditionellen Saint Estèphe vergleichbar. Wenn man denn unbedingt vergleichen will/sollte. Aber vielleicht hilft dies einer möglichen Imagiation dieses Weines. Das Bouquet ist nussig, ledrig, zeigt Tabak und minime, kalte Rauchnoten. Im Gaumen ist er genau so wie ich ihn mir vorgestellt habe, ein bisschen sehnig und irgendwie zeigt er etwas mehr Muskeln wie Fleisch. Von der Reife her war dies ein guter Entscheid, heute zu entkorken, denn man merkt im Finish schon gewisse Torfaromen. 18-Punkte verdient er auf jeden Fall.

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DER KELLER WAR IM KELLER

Der Wein liegt schon lange in meinem Keller. Ich hatte ihn zum Reifen – vor vielen Jahren – damals in das Gestell gelegt. Als ich den Wein heute entkorkte, war mir durchaus bewusst, was heute für diese Flasche bezahlt würde. Aber es war mir damals ebenso bewusst, dass ich ihn einmal trinken würde und nicht verschachern. Und dies war heute der Fall.  

2002 Riesling Hubacker, Keller Dalsheim, Rheinhessen: Die Farbe von sehr intensivem Gelb. Die Nase zeigt einen leicht laktischen Ton. Dies zeigt – nach so vielen Jahren – eine ehrliche Firne an. Es duftet nach Akazienhonig, nach Pfingstrosen, nach frischen Quitten, Dotterblumen und Kamille. Dabei ist der Wein in der Nase ziemlich wuchtig und geht in die Breite, ohne mastig zu wirken. Im Gaumen gibt er sich fast frischer als in der Nase, es sind immer noch quirlige Säureelemente da, welche über die Zunge tanzen. Der Körper ist füllig, nicht zu opulent und der Fluss cremig, das Finale gebündelt und nachhaltig, es bleiben süssliche und senfige Noten zurück. Hier vereinen sich Reichtum und Eleganz! 19/20

Meine Frau Karin trinkt keine deutschen Rieslinge, sondern nur Wachauer. Das Leben kann manchmal ziemlich fair sein …   

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SPAGHETTIWEIN?

Spaghetti auf dem Teller und dazu einen italienischen Wein. Das wirkt authentisch. Wer aber die Herkunft dieser besonders langen Pasta kennt, müsste eigentlich einen chinesischen Rotwein dazu trinken. Meistens trinke ich zu Pasta trotz aller Normalität einen etwas kräftigeren, jüngeren Bordeaux. Dies bin ich mir selbst gegen aussen schuldig. Wichtig ist aber – in solchen Zeiten – die Aufgabenteilung.

Meine Frau hat die Sauce gekocht und drei Stunden köcheln lassen. Und ich war gefühlte drei Stunden im Keller. Momentan mache ich viele Risikoflaschen auf. Dabei greife ich nach Bouteillen, welche eigentlich – im Normalfall – keine Chance gehabt hätten. Jetzt gebe ich auch solchen «Trouvaillen» eine Plattform. Wenn mir diese grad nicht so ins Glas nicht passen, pfeffere ich damit Fleisch ein für zwei Wochen später. 

Heute bekam der 2003 Vigna Cinque Querce von Salvatore Molettieri eine erste Chance. Da war es keine Frage, ob ich nochmals für eine Zweitselektion in den Keller gehen sollte. Dieser 100 % Aglianico ist unglaublich dunkel und zeigt praktisch keine Reife. Die Nase duftet nach Malagarosinen, nach Teer, Sommertrüffel, Rauch und dunklen Edelhölzern. Dabei geht er das Ganze tiefschürfend an. Im Gaumen zeigt er deutlich, dass die Region Latium, zumindest in solchen Fällen ein grossartiges Terroir proklamiert. Der Gaumen ist fest, charaktervoll und auch ziemlich burschikos. Die mangelnde Finesse wird mit ausreichend Kraft ersetzt. Ein mächtiger Wein, der in der Folge stetig zulegte. Also sollte man eine geduldige Karaffe bereithalten. Die (mindestens) 15 % Volumenprozente garantieren einen besonders tiefen Schlaf … (19/20)      

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SPARPOTENTIAL

Das C-Wort werde ich in Zukunft nicht mehr aussprechen und auch nicht mehr ausschreiben. Bei mir hat dieser Virus jetzt eine Abkürzung bekommen und heisst neu CV. Davon gibt / gäbe es viele Abkürzungen. Der Sinnvollste Vergleich wäre Curriculum Vitae. Damit ist nämlich der Lebenslauf gemeint und der macht bei allen von uns momentan gewaltige Umwege zur Normalität.

Vom CV geht ein positives Sparpotential aus. Wir brauchen viel weniger Geld für Benzin. Gar kein Geld für Ferien. Kinobesuche. Konzerte. Restaurantbesuche. Friseur. Pedicure. Viele werden den Kellerbestand zwar dezimieren, aber keine einzige Flasche nachkaufen müssen. Bei mir ist dies ganz sicher so. Der Tiefkühlschrank wird wieder mal bis in die hintersten Ecken durchforstet und bietet Überlebenschancen für eine geraume Zeit. Auch bei den Dosen könnte man die Brille auflegen und einen Einsatz planen gemäss kommender Ablaufdaten. Eigentlich lohnt es sich alle Geschenküberbleibsel (Essig & Öl stehen da im Vordergrund) einfach mal aufzubrauchen, bevor man sich neue Vorräte anlegt. Die Grundversorgung wird – da habe ich gar keine Zweifel – bis zum Ende von CV gewährleistet sein.

Jetzt besteht die Möglichkeit wieder mal «richtig zu kochen». Beispielsweise wieder Schmorgerichte zu machen, einen Braten in den Ofen zu schieben oder selber Kuchen zu backen. Kleine Vorspeisen oder Desserts einzuplanen. Das Motto: Mehrgänger gegen Langeweile. Gesund ernähren und nicht übertreiben. Sodass wir kein schlechtes Gefühl haben müssen, dass wir in der tiefsten Krise dieser Generation aus lauter Kummer zig Kilos mehr auf den Rippen haben. Es ist ja auch bekannt, dass die Menschen in schwierigen Zeiten viel mehr Schokolade als sonst essen. Also gilt Selbstdisziplin und das ganze Dilemma auch als Chance anzusehen dem Körper etwas Gutes zu tun.

Wenn das CV überwunden sein wird, haben wir wohl in den letzten Tagen, Wochen, Monaten besonders bewusst gelebt. Meine Prognose: Die Menschheit trägt dann besonders lange Haare und hat zu Hause Unmengen von Klopapier auf Reserve …     

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FAST EIN LATOUR

Wenn ein grosser Pauillac manchmal vielleicht etwas leichter daherkommt, so kann er mitunter auch nach Saint Julien schmecken. Umgekehrt ist es so, dass ein riesengrosser Saint Julien auch man ganz tolle Pauillac-Allüren bekommt. Das ist zwar eher selten der Fall, aber hier trifft diese These definitiv zu.

Den 1986 Château Léoville Las-Cases sollte man mindestens drei Stunden dekantieren. Denn – er ist wie viele Crus vom Médoc vom Jahrgang 1986 «etwas reduktiv». Das ist schon fast schöngeredet. «bockig» wäre hier wohl treffender. Aber es lohnt sich! Die Farbe ist immer noch extrem jung und geht dramatisch ins Schwarze. Die Nase zeigt unglaublich viele Latour-Affinitäten; Teer, Trüffel, dunkle Edelhölzer, Rauch, nochmals Trüffel. Was schier unwahrscheinlich ist, dass man auch noch Primäraromen findet, dies in Form von Cassis und Brombeeren. Das Nasenbild geht derartig in die Tiefe, dass man ihn als «halboffen» bezeichnen muss. Normalerweise sind die grossen Las Cases Charmeure ohne Ende. Dieser hier zeigt Ecken und Kanten und mutiert zu einer brachialen Weinpersönlichkeit und erinnert an gigantische Jahrgänge wie 1928 und 1961. Auf dem Peak ist er noch lange nicht und ich attestiere ihm ein Leben für weitere 50 Jahre. Vielleicht mag man kritisieren, dass ich es wagte, ihn mit deinem Latour zu vergleichen. Sorry. Dieser 1986er Las Cases ist aber noch besser als der 1986er Latour! 20/20  

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Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt?



Versuchen wir es einmal:
Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020
Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona? Oder sogar besser?

Worüber werden wir uns rückblickend wundern?
Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte.

Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.
Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.
Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivia-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.

Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…
Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.
Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.
Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann. Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten. Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.
Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.
Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.
Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.
Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

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LIEBER STEPHAN NEIPPERG

Es ist anzunehmen, dass jetzt auch Du unfreiwilligen Hausarrest hast. Bei meinen vielen Besuchen auf Canon La-Gaffelière sah ich nicht wenige Kisten von anderen Winzern. Also wärst Du de facto nicht gezwungen in der Quarantäne Deine eigenen Weine zu trinken. Da hast Du – gegenüber vielen anderen Bordeauxwinzern – zwei riesengrosse Vorteile. A.) Es stehen Dir ziemlich viele Weingüter zur Auswahl. Und b.) all Deine Weine sind besonders gut.

Winzer könnte man auch dahingehend taxieren, was diese in schwierigen Jahren in die Flaschen füllen. Da bist Du ein richtiggehender Zauberer. Gerne erinnere ich mich an Deine Jahrgänge 1997, 2002, 2007 etc.


Einen nicht ganz einfachen Jahrgang möchte ich hier speziell erwähnen: Gestern habe ich eine Flasche 1999 Château Canon La Gaffelière geöffnet. Ob ein Wein sehr gut ist oder nicht erkenne ich daran, dass ich richtiggehend darum kämpfen muss an die Hälfte des Inhalts ranzukommen. Denn Karin kennt bei ihren Vorlieben nur ein «nein» oder ein «ja». Das war offensichtlich ein riesengrosses Ja. Nach 20 Jahren in der Flasche hat er seinen wunderbaren Peak gefunden. Noch ist Merlot-Frucht da, aber die unglaubliche, berauschende Cabernetwürze hat überhandgenommen. Der Fluss ist weich, satt, stoffig und nachhaltig. Dieser 1999er kann es mit jedem Pomerol desselben Jahrganges locker aufnehmen. Und vermute – aufgrund des gestrigen Kontaktes – ist er mittlerweile auch der beste Saint Emilion. Gratulation meinerseits und 19/20.

P.S. Bei www.aklin-vins.ch habe ich ihn auf der Preisliste gefunden. Für 67 Franken!

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SORRY FREUNDE

Ein paar besondere Flaschen hebt man sich in der Regel zum Teilen auf. Darunter fallen in erster Linie Raritäten.

Der 1949 Château Grand-Mayne gehört dazu. Dieses Weingut ist völlig unterschätzt. Meine restlichen Flaschen von den jüngeren Jahrgängen sind schon lange lediglich für den Eigenkonsum angesagt. Heute hatte ich eigentlich vor, einen alten Rioja zu geniessen. Wenn ich mir die Farbe von diesem betagten Saint Emilion ansehe, dann bin ich optisch nicht weit von meinem Vorhaben entfernt. Auch die Nase geht in Richtung «Ochsenfluss». Von dem hat nämlich das besagte spanische Weingebiet seinen Namen. Rio ocha = span. Ochsenfluss. Doch jetzt definitiv zurück ins Libournais. Es duftet nach Schokolade, nach Sandelholz, noch Resten von roten Früchten, nach Frühstückpflaumen. Minim oxydativ, jedoch dem Alter entsprechend gut drauf. Im Gaumen weich, süsslich, cremig und gut balanciert. Das einzige was leicht stört sind dezente Kapselspuren.

So ganz egoistisch war das Vorhaben dann doch nicht. Es bleiben noch vier Flaschen davon übrig. Für meine Freunde, falls die Krise bald vorüber ist. Falls nicht, muss ich halt meine egoistische Genussneigung in der Folge weiter vertiefen.

P.S. Der finanzielle Schaden hält sich da in Grenzen. Die fünf Flaschen kosteten an der Weinbörse 101 zusammen keine 300 Franken. Gekauft in der Nachauktion, weil niemand diesen unerkannten Schatz haben wollte. Ausser der Gabriel …

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EIN EVANGILE ANSTATT

Eigentlich wäre ich in zwei Wochen zu einem grossen Evangile-Diner eingeladen gewesen. Aus aktuellen Gründen kann der geplante Event leider nicht stattfinden. Heute habe ich mich mit einer Flasche aus meinem Keller getröstet …

1983 Château L’Evangile, Pomerol: Vor vielen Jahren für 80 Franken an der Weinbörse gekauft. Ziemlich dunkel. Wenn man genauer hinschaut findet man auch reichliche Brauntöne im Innern vom Glas. Obwohl der Wein zu Beginn etwas zu kellerkühl war, war der erste Nasenkontakt schon ziemlich intensiv und gewaltig füllig. Viel dunkles Malz, Dörrfeigen, dunkle Rosinen, zerlassene Blockschokolade. Im zweiten Anlauf traten zögerlich Kräutertöne an die Oberschicht, aber auch Spuren von «artisanalem Ausbau». Damit meine ich eine minime Note von oft gebrauchten Fässern. Das war zu dieser Zeit im Pomerol nicht unüblich. Im Gaumen cremig, füllig – also ein Mund voll Wein. Und so richtig Pomerol, wenn man denn eine gezielte Vision eines fast 40jährigen Weines aus dieser Region hat. Das Finale dezent kernig, was wiederum zum Jahrgang 1983 passt. Einem präzisionssüchtigen Önologen würde dieser Wein die Zehen krümmen. Ich bin als Altweinfetischist; a.) tolerant und b.) begeistert!  

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NOCH KEINE GRIPPE HAT JE DEN FRÜHLING ÜBERLEBT

Wie ich es sehe? Das ist eigentlich gar nicht so wichtig, denn momentan wird für uns alle extern gedacht. Unser Denken wird offensichtlich anderen überlassen. Das Schlimmste an der ganzen Corona-Hysterie besteht darin, dass die Menschheit zunehmend eine negative Stimmung bekommt, gar partiell depressiv wird. Die Pandemie bekommt ein inflationäres Demotivations-Ausmass.

Als gelernter Koch schaue ich mir nachdenklich die Fotos von überfüllten Einkaufswagen an. Die Hysterie ist an Dummheit nicht mehr zu übertreffen. Unsere Grossanbieter versichern uns praktisch vergeblich, dass die Versorgung auch in Zukunft problemlos gewährleistet ist. Was machen die Konsumenten? Sie kaufen Klopapier ohne Ende. Dabei weiss man vom Corona-Virus, dass er Fieber produziert und nicht Durchfall.

Doch Spass beiseite. Unser ehemalige Bundesrat Adolf Ogi sagte einmal: «Niemand ist so unbedeutend, dass er nicht auch seinen Teil beitragen kann!». In Spitälern gibt es die Arztclowns. Sie sind dazu da, dass Kinder lachen und eine positive Einstellung zu ihrer aktuellen Krankheit bekommen. Das verbessert nachweislich den Genesungsverlauf. In diesem Sinne können wir jetzt lustige Bücher lesen, unterhaltsame Filme kucken, uns Witze erzählen oder gute Musik hören. Alles was dem Gemüt gut tut ist förderlich.

Was auch wichtig ist; seine eigene Gesundheit pflegen. Immer nach dem Motto: «Man muss seinem Körper etwas Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen! Dabei ist die eigene Grundversorgung wichtig. Damit meine ich genau nicht das Dosenfutter und die Pasta-Berge, die jetzt in den letzten Tagen im Supermarkt gekauft wurden.

Vitamin C ist in erster Linie wichtig. Ich esse jeden Morgen eine Grapefruit. Ein frisch gepresster Orangensaft tuts aber auch. Ist es nicht seltsam, dass all diese herrlichen Zitrusfrüchte immer genau in der typischen Grippezeit Saison haben? Dann muss man auch – wegen dem tiefen Sonnenstand – auf den Vitamin-D-Haushalt achten. Salate, frisches Gemüse. Eigentlich sind/wären all diese Aufzählungen logisch.

Es scheint aber, dass die Corona-Hysterie unseren gesunden Menschenverstand auszuschalten droht. Wenn jeder für sich schaut, dann wird keiner vergessen. Es sind nur ein paar kleine Gedanken in einer offensichtlich grossen Problematik.

Jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken. Oder umgekehrt. Denn – es wird bald Frühling …           

ETIKETTENRABATT

Wenn das Füllniveau stimmt, kaufe ich ganz gerne Flaschen mit unschönen Etiketten. In der Regel bekommt man da für Tiptopware einen saftigen Rabatt. Das war auch hier so …

Der 1989 Talbot ist jetzt (das kann jeder nachrechnen), nach dem Ausbau in den Barriques, seit gut 30 Jahren in der Flasche.

Die Farbe ist dunkel. Bei genauerem Hinschauen sieht man aber farblich schon ein paar graue Haare, respektive einen rostroten Schimmer am Rand. Die Nase bleibt sich Cordiertreu. Will heissen, hinter den Leder- und Tabaktönen findet man Spuren welche an einen Pferdestall erinnern. Der heisse 89er-Herbst signalisiert Rosinen, Heu und Honig. Das Bouquet wirkt malzig, komplex und irgendwie trocken zugleich. Im Gaumen ist der Wein saftig, elegant und zeigt einen klaren Saint-Julien-Absender von Noblesse und Eleganz mit Teer und Lakritze im Finish. Was mir besonders gefällt ist seine leicht anmutende Statur bei voller Bordeaux-Aromatik.

Zusammenfassung: Bad label – great wine! 18/20   

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PRIMEUR MACHT SCHON SINN!

Nachdem ein paar Berufskollegen meine Aussagen betreffend «nicht besonders interessanten finanziellen Investitionen» bezüglich jungen Bordeauxkäufen moniert haben, möchte ich hier an dieser Stelle etwas relativieren.


Das Engagement Wein zu subskribieren macht schon (noch) Sinn …

• Wenn man sein Lieblingschateau unbedingt im Keller haben will.

• Wenn man Klein- oder Grossformate auf sicher kaufen will.

• Wenn man den Kellerbestand ausgleicht mit jüngeren Weinen.  

• Wenn man an einem ganz grossen Jahrgang partizipieren will.

 • Wenn man sich auf das attraktive Mittelfeld beim Kauf konzentriert.  

Ein Kauf soll aber nicht mit der Absicht verbunden sein, den Wein später wieder gewinnbringend zu verschachern. Das funktioniert nur bei ganz wenigen Weinen, welche man eh nicht einfach so kriegt. (z.B. Le Pin & Pétrus). Bei allen anderen Crus ist die Chance mittelfristig sein Geld wieder zurück zu bekommen mittlerweile relativ klein.

Als ich 1990 bei Mövenpick begann waren die Primeurweine günstiger als die Weine im Markt. Beim Jahrgang 2000 lagen die Preise bereits auf dem Niveau der Handelsware. Seit zehn Jahren ist der Primeur teurer als die Weine im Markt! Dass die teuersten Bordeaux’ somit in letzter Zeit zu teuer waren, hat wohl jeder Weinfreund längst gemerkt. Mittlerweile sogar auch die kommerziell falsch gelegenen, marktfremden Château-Besitzer selbst. Die hocken nämlich jetzt auf nicht unbeträchtlichen Beständen der Jahrgänge 2015, 2016, 2017 und 2018.

Und jetzt scheint es so, dass allenfalls die grosse Primeur-Party anfangs April ganz abgesagt wird. Dies ist dann die einmalige Chance der journalistischen Einzelkämpfer, welche mit ihren Berichten und Wertungen doch noch die frohe Botschaft des offensichtlich gelungenen 2019er Jahrganges in die Welt posaunen können. Dann haben die Besitzer und Direktoren die «einmalige Chance» sich zum fünften Mal in der Folge beim Preis zu irren.

Aber – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Vielleicht gibt es heuer einen «Corona-Rabatt»!   

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MITTWOCH IST PINOTTAG

Eigentlich trinke ich – in der Regel – nur an jenen Wochentagen einen Pinot Noir welche mit «…tag» aufhören. Aber Mann kann ja mal an einem Mittwoch eine Ausnahme machen.

Die Lust war einfach zu gross. Aus logistischen Gründen musste ich diesen Karton umschichten. Damit er nicht zu schwer war, nahm ich eine Flasche heraus, um meinen Rücken zu schonen. Das war eine gute Idee, wie sich später im Glas herausstellte. Fast kein anderer Winzer macht so dunkle Pinot Noirs in der der Schweiz. Damit meine ich nicht die Farbe, sondern die dunklen, tiefgründigen Aromen welche Jacques Tatasciore aus seinen Weinen herauskitzelt. So beweist er, dass das Wort «Terroir» für ihn kein Fremdbegriff ist.

Seine Weine sind derart beliebt, dass der winesearcher bei der Suche völlig überfordert ist. Und so ist es denn auch so, dass ein stolzer Besitzer von ein paar Fläschchen auch keine mehr her gibt. Gabriel inklusive!

Der 2014 Pinot Noir les Rissieux von der Domaine de la Rochette ist kein massiver Pinot Noir. Auch keiner, den man in Blindproben reinstellt in der Hoffnung, dass er gewinnt. Es ist ein geduldiger, schon fast klassisch anmutender «Neuenburger-Burgunder», den man erwartungsvoll entkorkt, ihm dann nach und nach begegnet, die Genusskommunikation sucht und ihn idealerweise über Stunden begleitet.  

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Bordeaux-Primeurs ...

ES DARF GESPUCKT WERDEN?

Gemäss heutigem Communique hoffen die Bordelaiser Winzer immer noch, dass die gross angelegten Primeur-Verkostungen in und rund um Bordeaux anfangs April stattfinden können. Erwartet werden ein paar tausend Besucher! Mir persönlich scheint dieses Vorhaben mit jedem neuen Corona-Tag immer unwahrscheinlicher. Das wäre aber jammerschade. Denn gekauft werden die jungen Bordeaux fast nicht mehr - aber (bis jetzt noch) immerhin degustiert ...


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CHÂTEAU PALMER «SBL»

Das ist keine Spezialabfüllung, sondern ein ganz normaler Palmer. Mit «SBL» bezeichnen Auktionshäuser und Broker Flaschen mit nicht so schönen Etiketten mit dem englischen Kürzel: slightly bad label. Somit sinkt der Handelspreis gegenüber dem Top-Zustand. Der Inhalt bleibt der Gleiche, sofern der Füllstand o.k. ist.

Der 1990 Château Palmer ist seit Jahren auf einem gefährlichen Zenit. Und das wird auch noch eine gute Weile so bleiben. Das ist die unerklärliche Garantie grosser Bordeaux-Crus. Der hohe Ertrag und der heisse Herbst, welcher die Merlottrauben leicht rosinieren liess, machen aus diesem tänzerisch süssen Palmer fast einen Nuits-Burgunder. So ist er dann etwas weniger gross als die ganz grossen Palmer und dieses Manko wird mit betörendem Trinkspass sofort wieder ausgeglichen.

Warum ich diesen Palmer öffnete? Ich wollte die soeben gekaufte Charge testen, denn ich will mich anlässlich des geplanten Events dann nicht blamieren. Am 19. Dezember dieses Jahres öffne ich nämlich in Sempach 21 Jahrgänge von Château Palmer. Das ist dieser Palmer dann auch dabei. Mit SBL-Flaschen … 

P.S. Plätze hat es momentan noch ... 

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PREMIERS KAUFEN
= SELBER SAUFEN

Wer glaubte mit Premier Grand Crus vom Jahrgang 2010 den grossen Reibach zu machen wird jetzt des Besseren belohnt. Live Ex hat grad die neuesten Zahlen publiziert. Die grossen Namen verloren gegenüber dem Primeurkauf an Wert. Will heissen; man kauft jetzt günstiger als noch vor Jahren.



Die neue Avant-Garte ist das sympahtische Mittelfeld geworden. Und den ehemaligen Premier-Lokomotiven ist der Dampf ausgegangen. Eine gute Nachricht gibt es aber trotzdem für die Investoren. Man ist immer noch «liquide» …

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IN TOPFORM

Gestern wollte ich einen 1999er Pape entkorken. Habe ich auch gemacht. Doch der Kork der korkte. In einem solchen Fall öffne ich nie eine zweite Flasche vom demselben Wein. Ich will nicht gleich zwei Mal enttäuscht werden.

Aber Pape-Clément wollte ich eigentlich schon. Also liess ich mich nicht von dieser Vision anhalten und entkorkte einen 2001er. Bingo! Immer noch sehr dunkel. Die Aromen ebenfalls dunkel. Teer, Lakritze, schwarzer Pfeffer, Holunderbeeren und recht viel rauchiges Cassis.

Ein unglaublich toller 19-Punkte-Pessac. Der würde wohl dem Mission oder Haut-Brion in nicht viel nachstehen. Ausser beim immer noch recht günstigen Marktpreis.

Ein weiter Indikator für die gute Qualität. Die Madame war von diesem Wein auch begeistert.  So sehr, dass ich ehr und redlich teilen musste …




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ANGST VOR UTA

Während Weinfreunde aller Art immer noch für einen richtigen Korken in der Flasche proklamieren, haben Spitzenproduzenten aus Not klammheimlich umgerüstet.

Selbst die angesehene Burgunder-Domaine Leflaive verzapft ihre Weine mit einem DIAM. Aus Angst vor UTA. Das ist eine heimliche Seuche von untypischem Alterston. Nicht ganz unverschuldet sind bei diesem Prozess "natürliche Korken" ...

https://www.diam-kork.com


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BALLETT GRANGE

Im Prinzip ist ein Penfolds Grange immer die Summe aller Dinge.

Also mutet er reich und üppig an. Irgendwann schrieb ich; "er hat von allem was man erwarten kann einfach zu viel".

Doch er kann auch Ballett! Aber nur als Ausnahmeregel.

Gestern haben wir eine Flasche 1992 entkorkt. Ich war erstaunt wir frisch und wie anmutend diese Australien-Legende daher kommt. Irgendwie sind diese fast 30 Jahre Flaschenlagerung spurlos an ihm vorbei gegangen.

Sicherlich gehört der 1992 nicht zu den ganz grossen Grange-Jahrgängen. Das ist aber so ein Shiraz-Blend, bei welchem auch nach dem zweiten Glas noch nicht satt ist.

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SASSICAIA SUPERSTAR?

Wer Sassicaia vorbehaltslos liebt ist entweder zuweilen aromenblind oder ein Etikettentrinker. Nicht selten erhebt er den Anspruch in Blindproben bei den teuersten Loosern zu sein.

Die Geschichte um diesen gefragten Toskaner mit der blauen Kapsel und dem goldenen Stern auf azzurblauem Hintergrund ist so durchzogen wie eine önologische Speckschwarte.
Der 1985er ist eine Legende, welche zu 50 % garantiert korkt. Der 2006 ist mein persönlicher Favorit. Und den 2016 wollen alle haben, weil 100 Punkte.

Gestern entdeckte ich beim Inventarisieren einen einsamen 1995er. Gute Idee! Dachte ich. Was ich ignorierte, obwohl ich es eigentlich hätte wissen müssen; ich habe / hatte ihn zu wenig lange dekantiert.

Also begann er etwas verdeckt, respektive zurückhaltend, respektive minim schwierig. Und er war - weil direkt aus dem Keller - etwas zu kalt. Noch ein weiteres Handicap. Also schob ich das Nachtessen nach hinten und gönnte ihm die Zeit welche er brauchte.


Die Luft tat ihm gut und er zeigte sich als artisanaler Klassiker. Die Frucht war fast weg, die Kräuter nahmen anstelle Platz. Er vermittelte auch erdige Schokotöne, welchen man auch eine Schwarztrüffel-Affinität zumuten könnte.
Zweifellos - er legte zu und war dann fast sehr gross. Aber nur von seiner Körperform und seinem Charakter. Rein önologisch hätte man das schon gewisse Dinge kritisieren können ...

Um ihn in dieser Form vorbehaltslos lieben zu können, muss man (wie Gabriel) etwas tolerant sein. Oder halt ein Etikettentrinker. Dank diesen lebt Sassicaia besonders in den nicht seltenen, schwierigeren Jahren schon ganz lange ...

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LIEGT MEURSAULT AUCH IN LEUTSCHACH?

Bei unserer weinigen Reise durch ganz Österreich durfte die Schweizer Truppe auch in Leutschach Halt machen. Der Winzer Erwin Sabathi zeigte uns stolz seine aktuelle Palette. Die Dinger pfeifen so richtig. Für mich ist der Sauvignon Blanc immer noch die Königstraube in der Steiermark. Sabathi schafft es aber, dass der Chardonnay in letzter Zeit stetig aufgeholt hat.

Ein Beweis für diese Theorie liefert der 2018 Chardonnay Alte Reben Ried Pössnitzberg. Dies ist der beste Chardonnay, welchen ich je aus Austria verkostet habe. Er verdient 19 Punkte. Damit will ich andere Chardonnay-Produzenten keineswegs schmälern. Wenn ich Attribute aufstelle, dann ziehe ich immer alle Faktoren mit in meine Aussagen hinein. Der erwähnte Wein ist bezüglich Intensität, Typizität und Potential einzigartig. Dass er dann auch noch fast wie ein gigagrosser Meursault-Charmes duftet und schmeckt mag (k)ein weiterer Zufall sein …  

Bild: Rundherum die Schweizer Weintruppe. Hinten am Tischkopf; Erwin Sabathi.   

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PATRIOTISMUS

Bei einem Besuch im Weingut Tesch in Neckenmarkt probierten wir schon frühmorgens die ganze Palette durch. Am Schluss stellte uns Hans Tesch den 2015 Patriot auf den Tisch.

Nach ein paar Sekunden Nasenkontakt zückte ich verzückt ein Blatt Papier und schrieb es voll. Eigentlich musste ich selber gar nicht schreiben – es «schrieb von selbst» mit mir. So aus der Erinnerung notierte ich zu diesem sehr dunkelroten Blaufränkisch: Mineralische Nase, dunkle Schokonoten, reife Pflaumen, Kaffee, schwarze Pfefferkörner, Teer und Mahagoni. Im Gaumen zeigt er Muskeln, aber auch eine verschwenderische Ration Fleisch, gibt sich barock, ernsthaft und ist derart maskulin, dass sein Körper zum hünenhaften neigt.  

Der Patriot stammt aus sehr alten Reben (40 bis 60 Jahre alt). Der relativ lange Ausbau in 225-Liter Eichenfässern macht ihn zum modernen Wein-Fels in der Blaufränkisch Brandung.

P.S. Was ich selten mache; ich fragte nach einer zweiten Flasche. Die tranken wir dann genüsslich am folgenden Sonntag bei Roman Jäger in Weissenkirchen. Notizen machte ich mir keine, weil ich mich ja an das voll beschriebene Blatt meines Winzerbesuches erinnerte. Jetzt ist eine Woche vergangen und ich finde einfach meinen Zettel nicht mehr. Aber an den genialen Wein kann ich mich noch bestens erinnern. Und das wird wohl noch lange so bleiben. 19/20!  

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KOLLWENTZ MIT JAHRZEHNTE-GARANTIE

Was Kollwentz kann, können nur wenige Austria Winzer. Auf so hohem Niveau seit Jahrzehnten abliefern. Jetzt habe ich grad die aktuelle Palette durch degustiert. Auch dies zeichnet einen Winzer aus. Bei Kollwentz merkt man fast nicht, ob es sich um einen grossen oder eventuell um einen etwas schwierigeren Jahrgang handelt.
Wir standen zuerst im Keller und durften alle Chardonnay 2019 ab Fass durchkosten. Das wird ein Spass auf ganz grossem Niveau.

Danach waren die aktuell bereits gefüllten Rotweine im Glas. Auch hier ist die Latte hoch gelegt. Mein Favorit von Qualität-Preis und Leistung: 2016 Blaufränkisch Ried Setz. Meine Bestellung ist bereits unterwegs …  

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LETZTER WILLE – KNOLL MARILLE

Vor ein paar Jahren schrieb ich, dass ich gerne in meinem Sterbebett als letzten Schluck einen 1937 Château d’Yquem trinken möchte. Mittlerweile ist genau diese allerletzte Flasche einer Raritätenverkostung zum Opfer gefallen. Also muss ich mich hinsichtlich des «letzten Tropfens vor dem Ableben» zwanghaft neu orientieren.

Ein paar Monate war ich jetzt grad ohne Knoll Marillenschnaps. Wie habe ich diesen Brand vermisst. Nicht dass ich ihn täglich trinke, aber so zwischendurch einen kleinen Schluck in einem Espresso macht da jeden Kaffee noch etwas besser. Oder als Sonntagsmittagsbelohnung nach einem vorzüglichen Mahl eignet er sich ebenso hervorragend. Bei unserem Besuch in der Wachau wurde dieses Manko jetzt endlich wieder ausgeglichen. Ein paar von diesen kleinen Flaschen liegen wieder jederzeit bereit für alle Fälle. Und auch für den letzten Fall.

Das ist dann wohl viel gescheiter wie Süsswein. Nicht auszudenken, wenn ich in meiner letzten Phase zuckerkank wäre. Dann wäre dieses Unterfangen der Gesundheit möglicherweise sehr abträglich.

Also habe ich mein Testament von Yquem-Sauternes auf Wachauer Marillenbrand von Knoll abgeändert. Der hat immer Saison und er desinfiziert sogar noch …    

#humoristwennmantrotzdemlacht

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SATURIO AUF SENSATIONSKURS

Die Erfolgsgeschichte geht weiter. Saturio heisst der wohl beste Merlot aus Österreich. Momentan wird die fünfte Edition (Jahrgang 2018) auf den Markt gebracht. Dank perfekten Wetterbedingungen wurden davon erstmals mehr als tausend Flaschen gefüllt. Die Vision von Andreas Nikolai geht auf.

Saturio ist zwar irgendwie schon ein «Geschenk der Natur», aber auch hier gilt das Motto «ohne Fleiss keinen Preis». Handarbeit prägt diesen genialen Merlot vom Rebberg bis in die Holzkiste. Wer den Anspruch erhebt alle grössten Weine dieser Welt schon einmal im Glas gehabt zu haben, der hat mit dem Saturio jetzt ein neues Must!  

2018 Saturio Ried Bügeln, Garagenwinzer Nikolai, Thermenregion: Preis ab 128 Euro. Produktion; 1100 Flaschen, plus ein paar Grossflaschen. 100 % Merlot. Ausgebaut in drei Taransaud und zwei Seguin-Moreau Barriquen. Violett-Rubin mit lila Rand. Spontanes, delikates Bouquet. Dies startet mit roten Kirschen (Weichseln) und leitet über bis hin zu Schwarzkirsche. Nach ein paar Sekunden treten Himbeeren und Walderdbeeren ins Nasenbild. Dies in frischer bis hin zu schier berauschend konfierter Form. Es handelt sich da um einen faszinierenden, schier parfümiert wirkenden Fruchtreigen. Minime Kräutertöne und ein floraler Schimmer frischen das Ganze noch mehr auf. Nach ein paar Minuten zeigen sich Edelhölzer, zartes Vanillin und helles Caramel. Im Gaumen ist er, gleich von der ersten Sekunde weg, eine der elegantesten Varianten alles bisherigen Saturio’s. (Erster Jahrgang 2014). So mutet denn diese Guntramsdorfer-Rarität eher mittelgewichtig an. Das Extrakt und die Tannine zeigen eine hohe Reife an und bilden so eine feine, royale Adstringenz. Die Säure ist bereits perfekt integriert und produziert eine wunderschöne Länge im gebündelten Fluss. Man kann sich daran nicht satt trinken. Diesmal kommt er gefährlich «pomerolig» rüber und man könnte ihm durchaus eine nicht unbescheidene La Conseillante-Affinität andichten. Das Potential ist mit 20jähriger Garantie ausgestattet. Dieser fantastische Saturio ist die zärtlichste Versuchung, seitdem es Merlot gibt! 19/20 beginnen

Bezugsquellen: für EU: https://garagenwinzer.at/
In der Schweiz gibt’s ein paar Flaschen bei www.gerstl.ch


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ARACHON: VON EVOLUTION ZU REVOLUTION

Das Wort «Evolution» ist mit dem Jahrgang 2017 auf dem Etikett verschwunden. Ersetzt wurde es durch den schlichten Schriftzug «Burgenland». Dieser neueste Jahrgang ist derartig sensationell, dass die honorigen Namensgeber (Szemes, Pichler, Tement) auch «Revolution» hätten aufprägen können.

Den Arachon gibt es mittlerweile schon mehr wie 20 Jahre. Der Erstlingsjahrgang 1996 war zwar sehr gut, wurde in der Szene – trotz pompöser Ansagen – zaghaft aufgenommen. Im Prinzip zeigte diese ehrgeizige Idee, dass man im Burgenland Qualität multiplizieren kann. So zusagen das «Mondavi-Prinzip». Der Arachon fand in der Folge viele Fans. Doch die Vision konnte (noch) nie so richtig erfüllt werden. Zugegeben, das Produkt litt nicht nur unter Jahrgangsschwankungen, sondern unterlag auch veritablen Vinifikations-Achterbahnen. Dabei gebe ich gerne zu, dass mich nicht wenige ältere Jahrgänge nach ein paar Jahren Flaschenreife oft positiv überraschten.

Der 2017 Arachon ist derartig sensationell, dass es sich für Austria-Rotweinfreaks, Gastronomen und Händler wieder lohnt auf die neue Zugskomposition aufzuspringen. Dabei ist dieser «neue Arachon» ein noch deutlicheres Blaufränkisch-Zugeständnis als je zuvor. 85 % befinden sich im perfekten Blend, welcher mit Zweigelt, Cabernet Sauvignon und Merlot ergänzt wird. Erstmals wurden auch Trauben von Schieferböden aus Höhenlagen der Region Neckenmarkt selektioniert. Diese liefern diese unglaubliche Primärfrucht. Das Fundament besteht wie bisher aus dichten, schweren Lehmböden. Der Weinmacher ist Oscar Szemes. Er hat sich mit diesem sagenhaften Wein ein mittelgrosses Denkmal gesetzt.    

2017 Arachon T•FX•T, Burgenland: Sehr dunkles Violett, rubiner Rand, in der Mitte fast Schwarz. Intensiver, geradliniger Bouquetbeginn. Brombeeren, Cassis und Lakritze quengeln im ersten Nasenansatz nach vorne. Der zweite Bouquet-Eindruck zeigt Vanillemark, Pumpernickel, Mocca, schwarze Pfefferkörner und dunkle Pralinen. Die feine Süsse versprüht eine Prise Erotik. Im Gaumen dicht und fein gleichzeitig elegant. Die Gerbstoffe sind seidig, der Körper lang und ist jetzt schon mit viel Charme unterwegs. Das Finale gebündelt lang und wieder ein Reigen von schwarzen Beeren und Black-Currant. Hier wird ein neues Kapitel vom Arachon geschrieben. Dieses wunderschöne Exemplar gehört fraglos zur Austria-Rotwein-Elite. Obwohl der Wein ein versprechendes Potential aufweist, vermittelt er ein nahezu hemmungsloses Verkostungserlebnis. 19/20 beginnen   http://www.arachon.com/

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BORDEAUX 2017

Kaum abgefüllt - schon degustiert! André Kunz hat mehr als 50 Bordeauxweine vom Jahrgang 2017 verkostet und bewertet. Alle Farbfacetten, also weiss, rot und süss. Sehr gute Weine, welche sich sehr gut für den Genuss, aber nicht für sehr lange Lagerung oder für Spekulation eignen. Die Preise sind leider nicht besonders attkartiv. Da der Primeurhandel eher schwach war, ist es anzunehmen, dass da und dort gewisse Aktionen auftauchen werden. Einem Wein hat André Kunz 19/20 Punkte verliehen. Welcher das ist erfährt man auf www.bxtotal.com

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KRIEG-SAUTERNES

Kaum vorstellbar unter welchen Bedingungen die Winzer ihre Weine mitten im Krieg herstellten. Flaschen gab es nur noch eine Sorte. Keine grünen und auch keine durchsichtigen. Praktisch nur noch bläulich-grüne. Aus zusammengeschmolzenen Restposten.
Und mitten in diesen schwierigen Bedingungen ist im sonst als sehr bescheiden gehandelten Jahrgang 1943 ein kleines Sauterneswunder entstanden. Dieser Rieussec ist fast schwarz. Der Wein ist nicht besonderlich süss, aber extrem aromatisch mit rauchigen Korinthenspuren und kaltem Darjeeling. Ein unerwartetes Konzentrat. Ein Wein der zwar glücklich, aber gleichzeitig auch nachdenklich macht. 18/20

P.S. Auf dem Bild kann man im Hintergrund den nicht ganz unbekannten Sponsor erkennen.
www.sauternes.ch   

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MALANSER CHAMBERTIN?


Die Versteigerung vom ersten Jahrgang 2013 mutierte zur schweizerischen Sensation. Ehrgeizige Bieter legten für eine einzige Flasche von diesem sagenhaften Pinot Noir bis zu 1000 Franken hin …

Auch der 2015er dürfte zur «Crème de la Crème» in der Schweizer Rotweinszene mutieren. Denn – es sind ganz grosse Wertungen der einflussreichsten Journalisten zu erwarten. Die Produktion; zwei Pièçen. Abgefüllt wurden total 585 Normalflaschen. 120 Bouteillen davon dürfen wir exklusiv an der Weinbörse-Auktion im Mai 2020 in Bad Ragaz anbieten. Es gelangen keine weiteren Flaschen in den Verkauf. Schliesslich heisst «Privée» ja auch privat!





2015 Pinot Noir Privée, Donatsch: Aufhellendes Rubin, feiner Rand aussen. Umwerfend süsses, reifbeeriges Bouquet, welches im zweiten Ansatz anfänglich Waldhimbeerduft versprüht und dann kandierte Fruchtkomponenten widergibt. Bereits das Nasenbild ist ausufernd und berauschend. Nach und nach treten Kirschen, Cassis und Maulbeeren in den gigantischen Fruchtreigen. Im Gaumen geht diese Pinot-Drogen-Aromatik nahtlos weiter. Der Körper ist einerseits kompakt, tanzt aber gleichzeitig förmlich über die Zunge. Die Aromatik bleibt auch hier mittig im rotbeerigen Bereich und polarisiert mit der feinen, bereits integrierten Säure mit roten Johannisbeeren und Himbeergelee. Die Intensität ist zwar verlangend, aber auch hier schafft es dieser Wein mit Grazie und Balance zu überzeugen. Nebst der primär verschwenderischen Frucht findet man hier deutlich Anzeichen von floralen Zügen und Würze. Dies in Form von Zedern und weiteren Edelhölzern, sowie einem ersten Schimmer von hellem Tabak. Das Finale ist erhaben und zeigt zarte Spuren von Nusspralinen, Kokos und Vanille. Dieser Bündner Weltklasse-Pinot steht nicht nur mit einem Bein im Burgund, sondern mit beiden Füssen mitten im Chambertin. Das Potential ist gewaltig und trotzdem wird dieser Ikonen-Donatsch immer eine Jugendsünde wert sein. «Enjoyment by excitement!».  20/20 (René Gabriel)

Infos zur Versteigerung: www.weinboerse.ch

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In meiner Hauszeitung gefunden. Wusste ich auch nicht ...
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HETEROGENES SPITZEN-WEIN-QUARTETT
 
Heterogenität bezeichnet die Uneinheit-lichkeit der Elemente einer Menge oder deren Bestandteile. Der Begriff kommt in allen Natur- und Geisteswissenschaften vor. Als heterogen wird das übergeordnete System bezeichnet, nicht seine einzelnen Bestandteile. Im Gegensatz zu Heterogenität steht Homogenität.

Glauben Sie mir jetzt aber bitte nicht, dass ich so clever bin und diese Beschreibung der Heterogenität selbst hinschrieb. Einmal mehr ist mir an dieser Stelle das allwissende Wikipedia zu Hilfe gekommen.
Im Fall dieses, als Titelbild benutzen Weinquartetts, steht das heterogene dafür da, dass diese vier Flaschen, zumindest auf den ersten Blick, praktisch nichts miteinander zu tun haben. Und das kann man auch durchaus so im Raum stehen lassen.

Kein Etikett gleich dem andern. Es sind schon auffällige Labels, aber ganz unterschiedliche.

Der Wein ganz links im Bild ist ein 100prozentiger Merlot. (Masseto). Der Pomerol setzt auch auf einen Blend, in welchem man schon ganz viel Merlot findet. Der wichtigere Part in der Assemblage ist der Cabernet Franc. (L’Eglise-Clinet). Ganz viel Cabernet ist im nächsten Bordeaux drin. Ergänzt durch einen minimen Anteil von Cabernet Franc. Der in New York lebende Künstler Jeff Koons durfte sogar noch ein «Bildli» malen, damit die Flasche besonders hübsch aussieht. (Mouton-Rothschild). Dagegen kommt der Spanier rechts im Bild dann schon ziemlich brav rüber. Ein Schriftzug mit sechs Buchstaben, ein Jahrgang und ein kleiner blauer Punkt. Simpel, aber effizient. (Pingus).

Ein Italiener aus der Maremma (Masseto). Ein Pomerol der vom rechten Garonne-Ufer stammt (L’Eglise-Clinet), ein Pauillac links von der Gironde (Mouton-Rothschild) und Spanier aus ein Ribera del Duero (Pingus).
Da gibt es keinen gemeinsamen Nenner!

Aber – irgendwie findet man dann doch gewisse Parallelen. Man muss nur etwas studieren und vor allem genauer hinsehen.
Alle Weine sind vom grossen, versprechenden Jahrgang 2010. Und der war in all den genannten Gebieten grossartig bis sensationell.
Hinter jeder dieser Flaschen steht ein nicht unbescheidener Marktwert. Und dieser beträgt bei jedem Exemplar mehrere hundert Franken.
Was man möglicherweise nicht so genau sieht, alle Flaschen sind leer. Also hat «Mann» diese getrunken.
Mit «Mann» sind Mannen gemeint. Der Bärti, der Adi, der Christoph und der René.
Wir treffen uns gelegentlich zum Jassen. Mal in der Innerschweiz, mal in der Nähe von Zofingen. Da nimmt jeder jeweils eine schöne Flasche zum Lunch mit. In der Regel bleiben wir bei der Selektion «für unsere Verhältnisse» relativ normal. Diesmal ist es sich so leider nicht ausgegangen. Und das kam so …

Mein Freund Bärti rief mich an und fragte, was ich da so an Wein mitnehmen würde. «Weiss nicht» antwortete ich und fragte zurück, «was liegt auf der anderen Seite an?»

Seine darauffolgende Antwort legte die Messlatte unwiderruflich fest: «Die rauschen mit einem Eglise-Clinet und mit einem Pingus an. Bei vom Jahrgang 2010.». Dann ergänzte er noch beipflichtend; «Ich komme mit einem Masseto 2010».
Ich ging mein Excel-Weininventar durch und legte den Filter mit «2010» rein. Also musste ich nach etwas suchen, was zwar nicht reinpasste, aber auch relativ gut zum vorgelegten Budget harmonisierte.

Und schwupp, musste ich einen Château Mouton-Rothschild 2010 ausbuchen.

Der Bericht und die Verkostungsnotizen aller Weine: www.bxtotal.com

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NICHTS FÜR ETIKETTENTRINKER

Früher waren es die Sammler, welche Flaschen von Mouton-Rothschild erwarben und dann erhofften, dass sich der Wert, wegen den schönen Etiketten steigern würde.

Meist lümmelten die Flaschen dann zur Ansicht im Keller rum und nicht wenige davon waren nach ein paar Jahrzehnten nur noch zum Anschauen schön, weil der Inhalt über dem Zenit war.

Der Mouton 2000 hat keine Etikette, sondern eine Prägung und trotzdem steigt sein Wert in den letzten Jahren stetig. Momentan liegt der Preis schon fast bei 2000 Franken im Handel. Plus Verpackung, Transport und Mehrwertsteuer.


Wir haben ihn in einem hier nicht genannten Restaurant für 1000 Franken entdeckt. Inkl. Transport und Mehrwertsteuer. Und erst noch charmant von Tina serviert.

Zugegeben der Wein ist sensationell. (20/20). Was mir an der Story nicht so ganz gefällt, ist die Grösse und das Gewicht der neuen Mouton-Flaschen seit genau diesem Jahrgang. Das Understatement der normalen Bordeauxflasche hat auf massigen Exhibitionismus gewechselt. Das hat ein so grosser Wein eigentlich gar nicht nötig ...

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KÄGI’S ZWEIHUNDERTFRANKENWEINGRENZE

Richard Kägi ist der René Gabriel der Foodszene. So mal hier einfach platziert mein simpler Vergleich, um ihn mit einem Satz zu beschreiben. Dabei muss ich zugeben, dass wir uns noch nie auf Augenhöhe begegnet sind. Schade. Das müssen wir ändern. Noch in diesem Jahr …

Es ist praktisch gleich alt. Nur ein minimes Jahr jünger. Während ich mich stufenweise aus dem Weinzirkus zurück ziehe, ist Kägi allgegenwärtig und unermüdlich. Seine foodigen Posts sind nicht nur Appettitanreger, sondern auch nachmachsüchtigmachend. Bei seiner «Lasagne vegetariana» würde ich mich jederzeit auf einen fleischlosen Tag freuen.

Wer bereit ist, für Lebensmittel weniger auszugeben, der bekommt die grössere Auswahl. Dieses Motto gilt für Kägi nicht. Er macht zwar mit einfachen Dingen ein bestmögliches Gericht, geizt aber nicht bei der Selektion der Zutaten. Darf er auch nicht, denn bei Globus ist Lebenmittelramsch tabu.    

Doch nun zum kürzlichen Interview im Vinum. Da stellt ein Journalist dem Kägi ganze 25 Fragen. Die Antworten kommen nach dem P-P-P-Prinzip. Präzis. Prägnant. Persönlich. Dabei hat man beim Lesen das spontane Gefühl, dass Kägi’s Antworten ein klares Motto deklarieren. «Am besten sagt man die Wahrheit. Dann weiss man nach ein paar Jahren noch, was man damals gesagt hat».
Zwei der Antworten lassen mich sutzen. Da wird nach dem besten Wein seines Lebens gefragt und wo er den getrunken habe. Kägi antwortet: «Hermitage La Chapelle 1961. Zuhause. Alleine». Das ist auch meiner Legendenlieblinge. Nur so zum Gwunder gehe ich schnell auf den winesearcher.com und schaue, was man da noch im Markt so finden könnte. So um 10'000 Franken kostet ein Flacon von dieser Ikone. Leider mit wenig Garantie, dass man da noch eine echte Flasche bekommt. Der war früher billiger, viel billiger. Denn …

Bei der fünften Frage fragt der weinige Journi den foodigen Kägi: «Welcher Wein ist für Sie preislich eine Sünde wert?». Die Antwort folgt unwiderruflich und deklariert einen diskussionswürdigen Ausspruch: «Mehr als 200 Stutz ist kein Wein der Welt wert».
Ich lese diese Aussage und mache mir dazu ein paar Gedanken. Verwerfe diese aber gleich wieder. In den folgenden Tagen kreist dieses Thema aber immer wieder vor meinem geistigen Anlitz. Macht Selbstlimitierung in diesem Sinne einen Sinn? Der italienische Winzer Silvio Jerman kreierte einst einen Chardonnay mit dem Titel «Where dreams have no end». Der kostet zwar nur etwa 50 Franken, deutet aber darauf hin, dass Weinträume unendlich sein können.

Muss man, wenn man von einer Weineinkauf-Obergrenze von 200 Franken spricht, auch annehmen, dass Kägi denselben Betrag für ein Menu bei einem Spitzenkoch nicht auszugeben bereit ist? Nach dem Berechnungsmotto: Kein Spitzenwein – kein Spitzenkoch! Verzicht gleichzeitig auf Mouton-Rothschild, Andreas Caminada, Masseto, Peter Knogl, Opus One, Franck Giovannini und Egon Müller?
Wie schaut es denn in dieser Sache bei mir aus? Wenn ich Wein mit Essen vergleiche und mir dabei die ganz persönliche Budgetfrage stelle? Im direkten Vergleich mit Kägi! Ich brauche keine Spitzenköche um glücklich zu sein. Denn ich hasse grosse, unübersichtliche und zeitraubende Menuabfolgen bei denen man sich einen Tag später nicht mehr erinnern kann, was man da überhaupt durcheinander gegessen und auf den stets farblich und in der Grösse ändernden Tellern vorfand. Zudem ist bei Spitzenköchen der Wein meist sinnlos überteuert. Immer mit der begleitenden Begründung, dass man an einem sündhaftteuren Menu in der Gastronomie heutzutage nichts mehr verdienen kann.

Im Kopf versuche ich mich zu erinnern, was ich in den letzten Wochen so im Gabriel-Glas hatte. Es gelingt mir unglaublich viel der entkorkten Flaschen zu evaluieren und zu rekonstruieren. Ich bringe all diese Erlebnisse auf ein Blatt Papier und schreibe die ungefähren, aktuellen Marktpreise dahinter. So gesehen haben Kägi und ich das Heu absolut auf dersleben Bühne. Ich liege sogar noch 20 Franken darunter. Also bei nur 180 Franken pro Flasche. Im Schnitt …  

Mehr über den spannenden Food-Scouter: www.richardkaegi.ch

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GÖTTLICHES HAHNENWASSER

Wasser ist Bestandteil aller Körperzellen und ist nötig für den Stoffwechsel. Wasser regelt die Körpertemperatur, nicht nur wenn wir im Sommer schwitzen. Trinken wir zu wenig, schadet das unseren Organen – und zwar allen. Ausserdem brauchen wir ausreichend Flüssigkeit für Gehirn, Schleimhäute, Verdauung und Nieren.

Das weiss Wikipedia. Und eigentlich wissen wir das ja alle auch. Nur nicht im Detail und auch nicht im Gesamten. Also trinken wir Wasser, weil man das muss und weil wir uns es so gewohnt sind.
In den letzten Monaten bin ich zu Hause komplett auf Hahnenwasser geswitcht. Zwar wollten mir ein paar freundliche Berater eine nichtganzbillige Wasseraufbereitungsanlage verkaufen. Ich war sogar kurz davor, mir so ein Ding anzuschaffen.

Im Internet habe ich mich dann erkundigt, woher eigentlich das Trinkwasser von Eschenbach stammt. Die gefundene Info: «Von Eschenbach ausgehend verläuft über Ballwil nach Hochdorf im Untergrund eine eiszeitlich angelegte Felsrinne. Dieser alte Felstrog wurde durch einen Schotterkomplex aufgefüllt und mit einer Moränendecke wieder überdeckt. Der darin zirkulierende Grundwasserstrom beginnt nördlich von Ballwil und teilt sich dann in zwei Arme: der eine fliesst südwärts gegen Eschenbach, der andere nordwestwärts gegen Hochdorf». Weiter wird bezüglich der Qualität wie folgt informiert: «Die Qualität unseres Wassers entspricht den strengen chemischen und mikrobiologischen Anforderungen des Lebensmittelgesetzes. Regelmässige, eigene Kontrollen, sowie durch das kantonale Laboratorium garantieren eine einwandfreie Qualität des Trinkwassers».

Also trinke ich das «Südwasser», direkt aus dem häuslichen Wasserhahn. Es schmeckt göttlich und ist sehr erschwinglich. 1000 Liter kosten mich CHF 1.30. Also kostet mich der abgebildete Liter. 0.13 Rappen. Nichts gegen ebenbürtiges, weit transportiertes und in PET-Flaschen abgefülltes Mineralwasser. Das schaut in den Regalen, dank anmächeliger Werbung, immer wunderschön aus.  Auf dem Müll ergeben diese geschrumpelten PET’s aber leider ein durchwegs hässliches Bild. Und wecken, wenn man nicht ganz skrupellos ist, auch gewisse Schuldgefühle.

Göttliches Hahnenwasser! Nutzen wir es, solange es dies in dieser Qualität mit Gratis-Hauslieferung noch gibt …

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CHÂTEAU HAUT-BRION
 
Manchmal reicht der Name von einem Château als Titel völlig aus. Besonders wenn es sich um einen der allerbesten Bordeaux-weine überhaupt handelt. Und wie immer braucht es für eine gute Geschichte; a.) Wein, b.) Freunde, c.) einen Austragungsort, d.) viele Gläser und e.) ein feines Menu dazu.

Insgesamt kamen so 17 Jahrgänge von 1926 bis 2000 zusammen. Der ganze Bericht. Ein paar Eindrücke unten ...

OBERDEKANTIERER

André Kunz, der Organisator betätigte sich selbst als «Oberdekantierer». Was sich so leicht anhört, ist sehr konzentrierte Arbeit. Besonders, wenn alte Flaschen im Spiel sind ...
HAUT-BRION-GENUSS MACHT ALT  

Zumindest beweist diese These die Historie.

Ein ehemaliger Besitzer von Château Haut-Brion, Jean de Pontac, heiratete zwei Mal und zeugte 15 Kinder.

Er starb im Jahr 1589 und wurde 101 Jahre alt!

1929 Château Haut-Brion: Sehr dunkles Weinrot, zart oranger Rand, in der Mitte satt. Traumhaftes Bouquet, sehr vielschichtig, Rosinenduft, Kruste von Sauerteigbrot, Schokodrink, irgendwie erinnert er auch einen Château Rayas mit seinem kräutrigen Terroirduft. Im zweiten Ansatz; Kandis und reifer, gigantischer Port. Im Gaumen süss und delikat, er tanzt richtig gehend über die Zunge. Die Resttannine sind hoch fein und liefern eine royale Adstringenz und stützen so diesen hoch klassischen, perfekt gereiften Haut Brion. Er ist monomental ohne Arroganz zu sein. Zeigt Power und Finesse und erinnert im Finale geschmacklich an einen hoch reifen Sauternes, ohne dabei parallel die Süsse zu applizieren. Ein Pessac-Reigen der alle Weinsterne tanzen lässt. Das gigantische Universum der Pessac-Galaxien. 20/20 trinken  
UNITED FLAVOURS OF HAUT-BRION

Aus lauter Vorfreude habe ich mich am Vortag an den Computer gesetzt und mir überlegt, was ich da so alles an Haut-Brion-Aromen antreffen werde. Nach langen Überlegungen und emsiger Arbeit ist diese Power-Point-Collage (Bild oben) entstanden. Natürlich besteht ein ganz grosser, reifer Bordeaux aus mindestens 1001 Aromen. Hier folgend trotzdem ein Versuch den wichtigsten Aromen-Kategorien auf die Schliche zu kommen.  

Cassis: Aus dem Französischen stammend, ist im Schweizer Sprachgebrauch recht üblich. In Deutschland und Österreich wird dafür aber der eigentlich richtige deutschsprachige Begriff verwendet. Bei dieser kleinbeerigen Frucht handelt es sich um die schwarze Johannisbeere. (Ribes nigrum). Auf der Collage ist Cassis für weitere, mögliche schwarze Beeren abgebildet. Manchmal kommt er im Gaumen von Cabernet-Blends auch als Black-Currant-Pastillen in einer leicht süsslicheren Form vor.


Kirschen: In ganz grossen Jahrgängen schmeckt der Haut-Brion in der ersten Jugend nach schwarzen Kirschen. Ist der Vegetationsverlauf kühl so kann die Fruchtaromatik auf rotkirschige Tendenzen switchen. In miserablen Jahren gar auf Weichseln. Dies kam aber in den letzten Dekaden nie mehr vor.

Korinthen: Heute werden rosinierte Trauben bei der Entrappung durch das Tri-Optikverfahren ausgesondert. Früher vergärten diese Kümmerlinge mit. Daraus entstand in der vollen Reife die Geschmacksaffinität zu getrockneten Trauben. Ein Effekt, welcher in den Bordeauxweinen der heutigen Zeit praktisch eliminiert wird.  

Birnel: Früher nannte man dieses Produkt «Birnenhonig». Heute wird Birnel als eingedickter Birnensaft deklariert. Oder im Welschen als «Vin cuit». Wegen seinem Ruf als besonders gesundes Lebensmittel wird Birnel seit 1952 als Solidaritätsprodukt vom Bund verbilligt und durch die «Winterhilfe» verkauft. Im Birnel finden sich ähnliche Aromen wie in flüssigem Malz. Auch dieses Element findet man im Haut Brion reichlich in hellen bis dunklen Formen.   

Kräuter: Diese habe ich in frischer wie auch getrockneter Form abgebildet. Alles ist bei einem Pessac möglich und nix is fix. In «coolen» Jahren kann man in einem Haut-Brion gar einen Touch von Eucalyptus finden. So erinnert der 1986er zuweilen an einen Cabernet Sauvignon aus Napa mit minimer Chile-Affinität. Minze kann ein stetiger Begleiter sein. Und Küchenkräuter aller Art. Manchmal mutiert ein Haut-Brion gar in einen veritablen Appenzeller-Kräuterlikör, wie beispielsweise beim Jahrgang 1934.

Tabak: Auch hier gibt es Jahrgangsnuancen. Havanna Cigarren ist so das mittlere Grundaroma, welches man in fast allen Jahrgängen nach ein paar Dekaden Reife antreffen wird. Für mich ähnelt der Haut-Brion am ehesten einer Cohiba. Geht ein Jahrgang besonders in die Tiefe, so findet man Brazil-Tabak. Bei leichteren Variationen duftet es aus dem Glas herrlich nach dominikanischen Cigarren.  

Trüffel: Hier fokussiert sich dieser Pessac-Premier auf den «Tuber melasponum», also auf den Perigord Trüffel. Die tiefgründigen Trüffelaromen sind eine der bestmöglichsten Formen der Terroir Expression. Dieser Duft entsteht oft erst nach 40 bis 50 Jahren im Wein. Formen von getrockneten Pilzen aller Art findet man praktisch in allen gereiften Rotweinen. Formel: Je mehr Trüffel – desto teurer ist der Wein.
 
Teer: Dieses Aroma kennen wir am gebräuchlichsten als Asphalt, Pech, Karbonileum oder Bitumen. Irgendwie zeigt diese Definition die Tiefe eines Weines an. Aber auch die mineralischen Konturen. Die flüchtigen Anteile erinnern so an Benzin, Kerosin oder auch Heizöl.

Jod: Gilt als essentieller Mineralstoff. Nicht wenige Lebensmittel werden aus gesundheitlichen Gründen «jodisiert». So zum Beispiel das gebräuchliche Tafelsalz. Unter anderem wird dieses Produkt aus Meeresalgen gewonnen aber auch aus salzhaltigen Steinen (auf dem Collage-Bild ganz unten in der Mitte). Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO verfügt einer von drei Bürgern über unzureichenden Jodhaushalt im Körper. Wer also viel Haut-Brion trinkt, kann hier vorbeugen …

Rauch: Damit meine ich nicht der Qualm, welcher beim Abbrennen von Brennstoffen entsteht, sondern der kalte Rauch in verminderter, abgeschwächter Form. Die Aromen von Rauch ordnet man in der Weinbranche alten Reben, wie auch tiefgründigen Terroirs zu. Meist sind diese Duftsymptome beim Cabernet Sauvignon aber auch bei Weinen aus Syrah zu finden.    

Zedernholz: Holz spielt bei einem Wein eine grosse Rolle. Der Rebstock ist aus Holz. Der Wein wird oft in grossen Cuviers aus Holz vergoren. Dann wird der Bordeaux – wie alle grossen Rotweine dieser Welt – in Holzfässern (Barriques) bis zur Flaschenabfüllung gelagert. Grosse Weine duften in der Folge nach noblen Edelhölzern. Nicht selten nach Zedernholz. Vor allem die Weine aus Saint Julien dem Graves-Gebiet. Das Zedernholz findet man auf meinem Installationsbild übrigens als Hintergrund.     

GROSSE WEINE SIND MESSBAR

In den letzten 30 Jahren sind Bewertungen und Beschriebe von Weinjournalisten im Markt immer einflussreicher geworden.
Also kann man – im Prinzip – kleinere Weine von grossen Gewächsen optisch durch Punktedifferenzen unterscheiden.

Doch es gibt auch noch eine andere Methode.

Bei Messungen verschiedener Weine im Massenspektrometer wurden festgestellt, dass einfachere Weine über wesentlich weniger Moleküle verfügen, als hoch klassierte Weine.

IMMER TEURERE LEGENDE

1989 Château Haut-Brion: Sattes, dunkles Weinrot, wenig gereift (kürzlich hatte ich andere Flaschen welche reifer wirkten). Ein Wahnsinns-Aromen-Reigen schon im ersten Nasenansatz. Pflaumen, dunkle Rosinen, Pflaumenkompott, Cigarren, Eucalyptus, Melissentouch, Kamille. Einerseits wirkt er nasal noch jung, andererseits hat man das Gefühl, dass er schon mehr als nur Alles in der Nase zeigt. Das Bouquet ist gigantisch über die ganze Zeit, wirkt pfeffrig, würzig, malzig und extrem tiefgründig. Im Gaumen saftig, minim und laktisch. Da liegt alles immer noch im extrem schwarzbeerigen Bereich. Zeigt noch viel Gerbstoffe, diese verlangend und fein gleichzeitig. Daraus resultiert einer fast schizophrene Tannin-Situation. Druckvoller, katapultartiger Nachhall. Was heiss da Nachhall? Er ist wie eine TGV-Aromen-Lokomotive unterwegs. Dies war eine perfekte und somit auch dramatische Flasche! Fünzig Jahre Genussgarantie! Die Marktpreise? Knapp unter 2000 Franken. Tendenz leider immer noch steigend. 20/20 trinken

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HÄNDE WEG VON TEUREN BORDEAUX WEISSWEINEN

Bei einer Raritätenprobe standen kürzlich die teuersten Weissweine vom Bordelais, namentlich aus der Region Pessac-Léognan, auf dem Trapez. So zwischen 600 bis 1200 Franken das 75cl-Flacon. Und es kam wie es kommen musste, denn – irgendwie hatte ich den zu erwartenden, eher bescheidenen Genuss schon vorsehbar im Hinterkopf gespeichert. In der Runde setzte Ernüchterung ein. Was im Glas so wunderbar Weiss, gelblich und Grün strahlte, war nasal eher fruchtlos und im Gaumen spannungslos.

Was erwartet man von einem teuren Weisswein? Dass er allenfalls lagerfähig ist und dabei möglicherweise an Aromen zulegt und in der Folge seine Mineralität zeigt. Genau das letztere ist das Problem. Und – dass wissen auch jene Weinfreaks, welche schlecht rechnen können. Eine mangelnde Mineralität kann man leider nicht mit einem hohen Preisniveau ausgleichen. Die teuersten Weissweine vom Bordelais sind aktuell der La Mission und Haut-Brion. Sämtliche Preise der neueren Editionen liegen da über 500 Franken. In den letzten 20 Jahren haben sich deren Preise vervielfacht. Auf meine Frage hin, warum das so sei, meinte der Direktor: «Wir haben so wenig davon».

Verkaufbar sind diese – trotz hohem Preis sowieso. Denn, wer als Négociant die Rotweine dieser Dillon-Besitztümer erwerben will, muss auch «etwas» Weissen kaufen. Die Roten verkaufen sich dann relativ easy. Aber der Markt reagiert immer zäher auf die beiden exklusiven «Blancs». Wie sagte der bekannte Weinkritiker Hugh Johnson unter anderem einst: «Weinkenner sind intelligent!»
Anders die Begründung einer anderen Château-Besitzerin als sich der Preis des Weissen von einem Jahr auf das andere verdoppelte: «Les blancs suivent les rouges». So eine dumme Formel, welche leider seit Jahrzehnt praktiziert wird. Wenn die Roten aufschlagen, dann werden die Weissen auch teurer. Dabei sind gerade die eher schwierigen Rotweinjahre in der Regel ganz hervorragende Weissweinjahrgänge.

Bisher hatte ich dieses leidige Thema etwas unter den Teppich gekehrt. Aber als öffentlich schreibender Weinliebhaber gilt ja auch die Informationspflicht. Was ich zu diesem Thema «intern» praktizierte? Seit Jahren reduzierte ich meinen damalig hoffnungsvollen Bordeaux-Weissweinbestand. Ein paar Kisten gingen auf die Auktion. Mit Events konnte ich das Inventar wunderschön redimensionieren. Gut – nicht alles ist schlecht. Aber leider waren sehr viele Weine als Primeur vielversprechend und später lasch, manchmal sogar schon nach wenigen Jahren komplett oxydiert. UTA!!! Untypischer Alterston. Beschwichtigenderweise melde ich hier, dass es schon ein paar löbliche Ausnahmen gibt (Vor allem Domaine de Chevalier). Aber leider sind solche Exzeptionen – nach ein paar Jahren Flaschenreife – extrem rar.

Andere, europäische Weinregionen sind zwar in den letzten zwar auch mit deren Spitzenweinen teurer geworden. Andererseits haben diese auch eine entsprechende Qualitätsperformance hingelegt. Also geht dort die Genussrechnung wesentlich besser auf.
Heisst aber nicht, dass ich auf gar keinen Fall mehr weisse Bordeaux trinken werde. Die paar Flaschen, welche ich noch im Keller habe, sind löbliche gut selektionierte Ausnahmen. Wenn ich einen bekannten weissen Bordeaux trinke, dann tendenziell innerhalb der ersten drei bis fünf Jahren. Was hier allerdings noch anzumerken ist; Ganz viele, meist unbekannte Winzer im Bordelais machen tolle Weissweine. Meist kommen die aus dem Entre-deux-Mers. Die kosten zwar oft nur 10 Franken – sind dafür aber fruchtig, zuverlässig und bereiten enorm Spass.

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ABNEHMEN MIT ROTWEIN

Ein Glas ist so effektiv wie eine Stunde Sport (laut Studie), aus einem Artikel von Anna-Lena Koopmann ...
ANNA-LENA KOOPMANN

Alkohol hat viele Kalorien und hemmt die Fettverbrennung, soviel ist bekannt. Doch ein Gläschen Rotwein in Ehren muss zukünftig niemand mehr verwehren… Denn neben seinen vielen positiven Eigenschaften, wie zum Beispiel den Blutzuckerspiegel zu senken, haben Forscher nun noch einen weiteren genialen Effekt festgestellt: Ein Glas Rotwein kann eine Stunde im Fitnessstudio ersetzen!
Darum hilft Rotwein beim Abnehmen.

Es klingt zu verlockend, doch Rotwein kann aus wissenschaftlicher Sicht tatsächlich ein Ersatz für körperliche Betätigung sein. Kanadische Forscher der University of Alberta haben in dem roten, gegärten Traubensaft sogenannte Resveratrol-Verbindungen nachgewiesen. Diese Substanz aktiviert nicht nur einen Schutzmechanismus in den Zellen, sie stärkt und verbessert zudem auch die körperliche Verfassung, die Funktionen des Herzens und die Muskelstärke – auf genau die gleiche Art und Weise, wie Sport es tut. Ein Glas Rotwein entspricht hier laut Wissenschaftlern einer Stunde Fitness. Dieses Wissen begeistert natürlich jeden Weinliebhaber, sei aber besonders für die Menschen wichtig, die sich aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen nicht körperlich bewegen können.

Abnehmen mit Rotwein? Resveratrol macht schlank!

Auch eine Studie der Washington State University hat erwiesen, dass das Resveratrol im Rotwein beim Abnehmen hilft. Es wandelt das vorhandene Fettgewebe im Körper offenbar so um, dass es danach leichter abgebaut werden kann. Außerdem soll ein Glas Rotwein am Abend jede Form von Heißhungerattacken verhindern. Na dann zum Wohl und auf die Gesundheit!


P.S. Auf dem Bild ist übrigens die Gabriel-Glas-Karaffe «Decanter Alpha» zu sehen!

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GMS-DEFILEE DER SONDERKLASSE
 
GMS? Dafür gibt es viele Definitionen und so geizt denn das Netz nicht mit möglichen Erklärungen …

GMS gibt es in Wettingen. Als Gesellschaft für militärische Studienreisen.
GMS heisst eine Bauprojektfirma am Zürcher Flughafen.
GMS steht für Gesellschaft für Musikautomaten in Seewen.  
GMS gibt es als Gesellschaft der Minderheiten in der ganzen Schweiz.  
GMS führt auf den Hersteller von englischen Rennmotorrädern zurück: Geoff Monty Special
GMS ist ein Paket von Anwendungen für Android: Google Mobile Services.
GMS verwendet man für ein binäres Dateiformat; Gesture and Motion Signal.
GMS ein Winkelmass beruht auf den Elementen: Grad Minuten Sekunden.
GMS nennt sich eine Musikgruppe aus Barcelona: Growling Mad Scientists.
GMS steht als englischen Begriff für Riesenmärkte: General Merchandise Store.
GMS ist auch ein Werk von Immanuel Kant. Die Grundlegung der Sitten.
GMS ist ausserdem die Abkürzung für Grossmotorgüterschiff auf Binnengewässern.  
GMS ein russisches Museumsreservat Gossudarstwenny Musei Sapowednik.
GMS heisst in unserem Fall aber: Gerhard Müller-Schwefe (Bild oben). Dahinter verbirgt sich ein besonders liebenswürdiger Weinkenner, dem es eine riesengrosse Freude bereitete, seine besten Flaschen aus seinem beachtlichen Keller mit seinen besten Freunden zu teilen.

Anlässlich seines 70igsten Geburtstages hat er seine Weinfreunde eingeladen und mit ihnen zwei Tage lang auf der Burg Staufeneck (Salach / D) tolle, wirklich tolle Weine aus seinem unerschöpflichen Keller zelebriert. Nachfolgend ein paar Auszüge davon. Der ganze Bericht, wie immer auf www.bxtotal.com


MONTRACHET-BILD FÜR GÖTTER

Bevor wir diese Flaschen bestaunen und fotografieren durften, wurden wir beim Verkosten im Dunkeln gelassen. Will heissen, diese raren und extrem teuren Montrachets der Domaine de la Romanée-Conti wurden uns blind serviert. Ich hielt meine Nase ins Glas Nummer eins und schrieb auf meinen Zettel spontan: «DRC». Damit lag ich zwar richtig. Doch bei den anderen vier Weinen verliess mich der Entdeckungsmut und ich war in der Folge hin und her gerissen. Die Jahrgänge unterschieden sich a.) gewaltig voneinander und b.) entwickelten sich unglaublich an der Luft. Der Perfekteste war für mich der Jahrgang 2007 (20/20). Gefolgt von 1987 und 1991 (19/20). Dem 2001er fehlte es ein bisschen an Spannung (17/20). Ganz spannend war der 2002er. Der begann bescheiden und blühte dann so richtig auf. Am Ende lag auch er bei 19/20. In allen fünf Flaschen waren Aromen wie Butter, Butterblumen, Kamille, Mirabellen und Honig vorzufinden. Werten ist schwierig, möglicherweise auch nicht fair. Das Privileg solche mondial schwer auffindbare, allesamt gereifte Raritäten im Glas vor sich zu haben ist unbeschreiblich.

Dazu servierte die Staufeneck-Crew eine Komposition mit dem Namen «Jakobsmuschel trifft Kaviar». Vor lauter Montrachet-Benommenheit vergass ich ein Foto von diesem Gericht zu machen.
     
Als ich beim Schreiben diese Montrachet-Parade noch einmal in meinem Kopf Revue passieren liess, erinnerte ich mich an einen Passus aus einem bekannten Lied von Katja Ebstein: «Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehn. Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn».

ANDRÉS ERSTER ROMANÉE-CONTI

Für www.bxtotal.com schreibt André Kunz eifrig seine Notizen nieder. Mehr als 100‘000 Weine sind schon über seine verwöhnte, aber auch tolerante Zunge geflossen. Ein einziger Wein aus der grossen Welt hat ihm noch in seinem Genussrepertoire gefehlt: DRC-Romanée-Conti. GMS füllte diese Lücke …






2001 Romanée-Conti, Domaine de la Romanée-Conti: Aufhellendes, fein rostig gefärbtes Rubin. Die Nase zart und fein, vielschichtig mit intensiven Rebholznoten, Pflaumenhaut, Kräutern, Zedern, hellem Tabak und Nelkenköpfen. Das nasale Wunder: Er wurde mit Luftzutritt immer fruchtiger und legte rote Beeren in jeglicher Form frei. Im Gaumen saftig, balanciert, tänzerisch, mit einer atemberaubenden Grandezza ausgestattet. Dies war der sinnlichste, erotischste Wein. Einer der Ehrfurcht zollt und untertänigste Demut abverlangt. 19/20 trinken
WAS IST HIER FALSCH?

Zwei Bündner Winzer machten mit ihren Chardonnays den Auftakt. Auf dem Bild oben hat sich ein optischer Fehler eingeschlichen. Peter Wegelin (links) hält den Unique von Donatsch in der Hand. Thomas Donatsch (rechts) hält die Magnum Chardonnay von Wegelin in die Kamera.

PASST FISCH ZU ROTWEIN?

Als toleranter Weintrinker könnte man jetzt sagen «Jein». Oder: «Erlaubt ist, was gefällt».
Und weil es keine Regel ohne Ausnahme gibt, kann man diese Frage in den Gerichten von Rolf Straubinger vorbehaltslos mit Ja beantworten. Also schafft dieser, mit Auszeichnungen hoch dekorierte Küchenstar immer wieder den Quantensprung. Auf dem Bild schaffte der Steinbutt mit Spitzkraut, Kümmelbutter und Kartoffelcroutons die schwierige Gourmet-Wein-Brücke. Das Geheimnis: Fisch- und Weinsymbiose lag wohl am unterlegten Kalbsjus …

1947 Château La Mission Haut-Brion: Farblich kann man ihn als Schwarz-Braun bezeichnen. Während sich der Rand orange aufhellt, bleibt er im Innern schier undurchdringlich. Ich erwartete einen portigen 1947er, bevor ich ihn zur Nase führte. Doch diese Flasche war ein wahres Wunder und eigentlich das Gegenteil, was man diesem heissen Jahrgang alles so andichtet. Viel Malz, unglaubliche Süsse, Dörrfeigen, dunkle Rosinen, fein jodig mit viel Kräuternoten. Im zweiten Ansatz dann Cerealien, insbesondere gerösteter Sesam. Im Gaumen füllig, schmeidig, komplex und sensationell balanciert. Das war die beste Flasche 1947er Mission meines Lebens und die hat mich vor Emotionen schier umgehauen. 20/20 trinken

Draussen war zufällig grad Vollmond. Dies hat mich spontan inspiriert mit dem gewaltigen 1947er La Mission etwas Fotokunst zu inszenieren. Also hielt ich das Gabriel-Gold-Glas gegen den kristalligen Saal-Leuchter. 

1929 Château Haut-Brion: Braun mit Bernsteinschimmer am Rand. Das Bouquet beginnt mit einem Eindruck, welcher an Kräuterlikör erinnert, dies vermischt sich mit erdiger Süsse und verleiht diesem Wein so eine intensive Terroirexpression. Im Gaumen gibt er sich fleischig, im Fluss sandig, zeigt dabei auch noch eine gewisse Adstringenz. So dokumentiert er deutlich den gigantischen Jahrhundertjahrgang 1929 auf eine tragisch grosse Weise. Ein unvergessliches Erlebnis ohne Ablaufdatum. 20/20 trinken

P.S. Das war die Flasche links im Bild.
KLEINES LATOUR-PROTOKOLL

Die 1959er Magnum war gigantisch, frisch und erhaben (20/20). Leider mussten wir die Magnum 1964 für tot erklären. Ziemlich gross und klassisch zeigte sich der Jahrgang 1970, ebenfalls in der Magnum (19/20). Gigantisch, delikat und berauschend der 1982er (20/20).    Und, weil direkt mit dem 1982er vergleichbar, fehlte dem wunderschönen 1983er ein «Mü» für die volle Bewertung. Deshalb: 19/20.



Danke Gerhard!

Es war grossartig und unvergesslich!









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«Früher war die Zukunft besser!»

Karl Valentin








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FINALES MOUTON-ROTHSCHILD-FINALE
 
Es ist hoffentlich nicht so, dass ich nie mehr eine Flasche Mouton-Rothschild anrühren werde. Aber mit den traditionellen, 13 Jahre lang durchgeführten Mouton-Abenden, im Luzerner Old Swiss House, ist jetzt Schluss. Gefeiert haben wir dieses finale Finish mit grossen Mouton-Jahrgängen und einer spannenden 1995er-Pauillac-Blindprobe.

So ganz grundlos ist dieser Entscheid des Aufhörens nicht gefallen. Einerseits versuche ich, angesichts meiner sich androhenden Pensionierung, meine Engagements etwas zu reduzieren. Es gäbe da auch noch das Motto: «Aufhören, wenn es am Schönsten ist.» Doch auch das ist nicht der elementarste Grund, dass diese erfolgreiche Serie nun ein Ende fand.
Wie jeder Weinfreund welcher sich mit Bordeaux anfrisst, hatte auch ich mein sauer verdientes Geld in grösseren Käufen von etwas teureren Bordeaux-Flaschen angelegt. Die schönsten und präsentierbarsten Flaschen dieser Region? Mouton-Rothschild. Die jährlich wechselnden Künstleretiketten eignen sich hervorragend zu Ausstellungszwecken im Keller. Damit schafft man sich bei einer Gästevisite Ehrfurcht und Anerkennung. Zudem erhofft man sich im Hinterkopf auch eine schöne Wert-Performance.

Und genau da lag der Hase im Pfeffer. Denn – viele Freaks tranken diese Moutons gar nie. Sie wurden nur angeschaut. Dann merkten immer mehr Sammler, dass viele Jahrgänge sich nicht besonders gut im Glas machten. Denn – wie viele andere Bordeaux Güter machte auch der Wein von Baron qualitativ nicht immer eine besonders gute Falle.

Die Folge? Die Auktionsmärkte wurden regelrecht überschwemmt von Mouton-Rothschild. Unglaublich viele Weinkenner trennten sich massenweise von diesen langjährig gepflegten Schätzen. Noch vor Jahren waren die Auktionskataloge voll von Mouton-Rothschild. Was dazu führte, dass die Preise für die Verkäufer wenig attraktiv waren.

Nachfolgend ein paar Geschichten von diesem Abend: Der Bericht, wie immer auf www.bxtotal.com

Um 16.30 begannen wir zu Entkapseln, zu Entkorken und zu Dekantieren. Mit «wir» meine ich den Hausherrn Philippe Buholzer und meine Wenigkeit. Nach getaner Arbeit schritten wir zum Voraperitif und genossen ein Bier hinter dem Tresen im Restaurant.
120 JAHRE ALTER MOUTON

Es war eigentlich mehr ein Gag, denn die Flasche wies einen beträchtlichen Schwund auf. Füllniveau; untere Schulter. So gesehen, kann man dieses unerwartete Erlebnis als Wunder deklarieren. Im Markt wird aktuell eine einzige Flasche angeboten. Preis ca. CHF 9'500. (Royal Wine Merchants, New York).










1900 Château Mouton-Rothschild: Mitteldunkles, deutlich gereiftes Weinrot, innen noch minimste rote Reflexe zeigend, aussen doch deutlich bräunlich. Unglaublich, süsses Bouquet, es duftet nach Nusspralinen, nach Sandelholz und nach altem grossem Rioja. Irgendwo findet man gar noch Maulbeerennuancen und zartes Caramel, fein kräutrig, parfümiert, absolut delikat, ja parfümiert in der Nase. Bereits nasal ein 120jähriges Weinwunder. Im Gaumen fein, zart, noch intakt und schier cremig in der hoch feinen Textur, Leder und dominikanischer Tabak im erhabenen, traumhaft süssen Finale. Das war eine legendäre, sagenhafte, unvergessliche Flasche. 20/20 austrinken

TRAUERUMZUG

Den Rothschild-Familien gelang es stets, die Reichtümer zu vermehren. Doch auch deren Mitgliedern wurden verständlicherweise nicht vom Ableben verschont.

Ein Mann stand weinend auf dem Gehsteig, als ein langer Trauerzug an ihm vorbeizog.
Ein Passant fragte den schluchzenden Mann, wer da gestorben sei: «Ein Rothschild», antwortete der Mann, über dessen Gesicht die Tränen kullerten. Der Passant bohrte weiter und fragte: «Waren Sie denn mit ihm verwandt, dass Sie so traurig sind?». Mit dem Taschentuch trocknete der Mann seine Tränen und antwortete enttäuscht: «Eben nicht!».

BLINDPROBE: PAUILLAC-PREMIERS

Ein Bisschen Spass muss auch sein. Wer misst sich nicht schon gerne als Weinkenner? So schenkten wir die drei Pauillac-Premiers, welche in der vierten Serie gegeneinander antreten mussten, verdeckt ein. Philippe wählte die Reihenfolge. Also lag auch der Gabriel im Dunklen. Was ich in solchen Fällen mache, immer sorgfältig Degustieren und möglichst wenig raten. Es nützt mir nichts, wenn ich die Reihenfolge rausfinde, aber nicht weiss wie die Weine letztendlich wirklich schmeckten.

SECHS LITER TISCHWEIN

Und dies aus einer einzigen Flasche. Imperiale heissen diese grossen Dinger und darin haben acht normale Flaschen Wein Platz.

Am Weihnachtsabend waren wir spontan bei Freunden eingeladen. Ich nahm eine Doppelmagnum 2004 Cos d’Estournel als Mitbringsel mit. Und dieser schmeckte so gut, dass ich mich spontan entschloss, als Tischwein für den Mouton-Anlass eine Imperiale zu entkorken. War offensichtlich ein sehr guter Entscheid. Denn die Grossflasche reichte nur ganz knapp bis zum Schluss.

2004 Château Cos d'Estournel, Saint Estèphe: Imperialflasche. Extrem dunkle Farbe, viel schwarz und wenig Rot. Die Nase dunkelröstig, viel Mocca, Pumpernickelbrot, Lakritze und schwarze Beeren. Im zweiten Ansatz zeigt sich ein feiner Rauchton welcher die Tiefe anzeigt. Im Gaumen ist er mit seinen wunderschönen Tanninen erstaunlich fein unterwegs. Viel Aromatik bei mittlerem Körper. Genau so sind die meist unterschätzen, besten Weine vom Jahrgang 2004. Aber Vorsicht; die Weine schmecken ganz deutlich nach Bordeaux!!! 18/20 trinken










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«Was zuerst bei einer Abmagerungskur abnimmt, ist die gute Laune»

Liebe Weinfreundinnen, liebe Weinfreunde

Der Spruch ist gut. Aber leider ist er nicht von mir, sondern von Gerd Fröbe. Gewicht verlieren ist so einer der vielen guten Vorsätze zum Neuen Jahr. Nach dem Motto «verschiebe nie auf Morgen, was Du in den kommenden Wochen kannst besorgen» habe ich mir diesen Vorsatz schon im November zur Brust genommen. Zugegeben, nicht ganz freiwillig. Beim Arzt durfte ich bei einer Routinekonsultation unter anderem auch auf die Waage stehen. Mit gutem Gefühl. Denn – bei mir ist jedes Gramm nicht nur Quantität, sondern auch Qualität. Mit ganz viel Liebe über Jahre genüsslich einverleibt oder aussen sorgfältig angereichert.
Der beratende Medizinmann sah dies aber ein bisschen anders und riet mir dringend, meine Bruttoregistertonnen besser in den Griff zu kriegen. Und flugs wollte er mich auch grad noch zu einer Ernährungsberaterin schicken. Da sagte ich ihm ganz spontan, dass ich so was nicht brauche, weil ich schliesslich Koch sei. Höflich verabschiedete ich mich von ihm und als ich schon fast draussen war, rief er mir noch nach: «Wir sehen uns wieder, in einem Monat!». Aha – Vertrauen ist gut, aber Kontrolle noch besser!
In der Folge stellte ich meine Ess- und Trinkgewohnheiten um. Es fanden – oh Wunder! – plötzlich weinlose Tage statt. Manchmal liess ich einfach eine Mahlzeit aus. Verzichtete gänzlich auf Pasta und Brot. Reduzierte gewisse Rationen. Ass Früchte zur Kompensation. Und – es funktionierte. Bisher habe ich 10 Kilogramm Körpergewicht verloren. Wo genau die hin sind weiss ich nicht. Aber sie sind definitiv weg. Keine Radikalkur und auch keine Tortur. Uhu wäre schön! Doch dazu müsste ich nochmals 11 % Reduktion erzwingen. Uhu? Unter hundert. Mal schauen, was mir das Jahr 2020 so gewichtsmässig bringt …
 
Von ein paar Freunden und Bekannten musste ich mich leider im 2019 verabschieden. Am meisten schmerzte der plötzliche Tod von Patrick Bopp. Er war nicht nur einer der besten Weinfreunde, sondern mein ganz persönlicher Sommelier von vielen Raritätenproben und «Entkorker» und «Dekantierer» unzähliger raren und tollen Flaschen. Was wir beide auf den langen Fahrten zu den Degustationen und während der vielen Events erlebten ist unbeschreiblich und unvergesslich.
Geschäftsmässig war 2019 ein gigantisches Jahr. Das Gabriel-Glas hat Hochkonjunktur. Rekordumsätze im Hauptgeschäft in Hallein (A) wie auch in der Schweiz. Weltweit haben wir den Umsatz in den letzten drei Jahren verdoppelt und sind jetzt in 34 Ländern vertreten. Letztes Jahr habe ich unter anderem Präsentationen in Tokio, Melbourne, China und Napa Valley gemacht. Den tollen Erfolg habe ich aber den Teams in Austria und der Schweiz zu verdanken. Zum 10jährigen Jubiläum kommen in diesem Frühjahr ein paar, spannende neue Ergänzungsprodukte auf den Markt.

Die Weinbörse hat mit zwei gigantischen Auktionen ebenfalls das beste Jahr hinter sich. Hier sind wir jetzt an den Vorbereitungen der grossen Frühlingsauktion (WB 102) in Bad Ragaz. Carlo Haueter nimmt gerne Eure Listen und Offerten entgegen: wb@weinauktion.ch. Wir organisieren auch Importe- und Transporte aus dem Ausland.  

Als One-Man-Show dirigiere ich die Weingabriel GmbH. Geführte Reisen mache ich nur noch nach Bordeaux. Und diese sind leider – auf weite Sicht – ausgebucht. Hier habe ich ein paar ganz tolle Events für 2020 und 2021 ganz neu aufgeschaltet. Für 28 Franken gibt es ein Kuttelessen in Goldau. Sobald halt grosse Weine im Spiel sind, kostet es logischerweise «etwas» mehr. Nebst den klassischen Wine & Dine versuche ich da auch neue Wege zu gehen. Dies in Form von einem «Doppelmagnum-Gourmet-Rodeo» oder einem «Big-Bottle-Jazz-Gig». Die Seite dazu www.weingabriel.ch. Solange die Weinfreunde an meinen Tastings Spass haben, mache ich noch weiter. Tolle Weine hat es nämlich (noch) genügend im alarmgesicherten Keller.  
    
Die Nichtselbstverständlichkeit soll in diesem neuen Jahr uns das Bewusstsein stets fördern. Euch allen wünsche ich einen ganz guten Start, gute Freunde, viel Erfolg und schöne Erlebnisse …  

René / René Gabriel

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Bei meinen Genüssen halte ich mich immer an einen Slogan von Oscar Wilde: : «Ich bin ein einfacher Mensch. Ich habe mich stets mit dem Besten zufriedengegeben!»





DAS NESPRESSO WUNDER

Am 3. Januar dieses Jahres postete ich ein Foto mit ein paar Nespresso-Kapseln und schrieb dazu: «Vorsatz 2020 – nie wieder im Leben». Die Reaktionen kamen postwendend. Mehr als hundert Likes und 87 Kommentare. Die Antworten waren fair, aufmunternd, kritisch, konstruktiv, nie unter der Gürtelline. Das ist für Facebook schon fast eine Rarität. Die «Kapseltrinker» hielten sich in der Regel eher bedeckt. Eine Bekannte fragte nach dem «Warum» meines Vorsatzes. Ein guter Freund provozierte mit dem Spruch: «Vorsatz Nr. 2: Keine eigene Facebook Posts rechtfertigen ...». Es ist eine verkehrte Welt geworden. Früher musste man sich rechtfertigen warum man etwas macht oder etwas gemacht hatte. Und heute muss man sogar das Gegenteil erklären!

WIE VIEL GRAMM KAFFEE?

Auf dem Foto sieht man mich mit meinem Morgenkaffee. Es ist eine Bodum-Glas-Tasse. Darin bleibt jedes Heissgetränk über längere Zeit heiss. Mein persönlicher Zehnuhr-Blend besteht aus einer Ration Kaffee und einer Ration Espresso. Es ist frisch gemahlener Kaffee aus der Jura Impressa. Insgesamt ca. 160 ml. Kaffee. Ohne Zucker. Mit einem Schuss Milch. Das Ausgangsmaterial; Eldorado-Mischung von der Luzerner Kaffeerösterei Rast. 100 % Arabica-Hochlandanbau. Die dafür benötigte Menge: zwei Portionen à 11 Gramm. Also 22 Gramm total.

Wir hatten im Wirtefachkurs gelernt, dass es für einen sehr guten Kaffee mindestens 10 Gramm Bohnen braucht. Welche Menge es letztendlich ideal ist, darüber scheiden sich die Kaffeegeister. Der Maschinenhersteller Jura empfiehlt mindestens 8 Gramm und rechnet vor, dass es sich dabei um rund 70 einzelne Bohnen handelt. Coffecircle.ch geht da etwas weiter und meint, dass ein guter Kaffee gut 12 Gramm benötigen würde.

MANN RECHNE!

Kommen wir mal zu den Kosten: Für ein Kilo Kaffee bezahle ich 16 Franken. Meine 22 Gramm für den Morgenkaffee kosten mich also 35 Rappen. Eine Nespressokapsel würde mich heute im Schnitt etwa 55 Rappen kosten. Doch jetzt kommt das Nespresso-Wunder erst so richtig zum Tragen. Nicht nur vom Preis her, sondern auch von der Quantität. Will ich nämlich mit der gleichen Menge (22 Gramm Kaffee) arbeiten, so bräuchte – je nach Typus – etwa vier Nespresso-Kapseln! Was man nämlich vergeblich im Internet-Shop sucht, sind die Mengenangaben in den Kapseln. Die Füllmengen schwanken im äusserst knappen Bereich von 4,8 bis 6 Gramm. Also verspricht Nespresso mit der Hälfte der allgemein empfohlenen Menge eine optimale Kaffeequalität abliefern zu können. Rechnet man jetzt den Kilopreis um, nimmt dabei eine durchschnittliche Nespresso-Kaffee-Kapselmenge von 5.4 Gramm und einen durchschnittlichen Kapselpreis von 55 Rappen, so landen wir bei über 100 Franken für meinen absolut vergleichbaren Sechzehn-Franken-Kilo-Kaffee.

UMWELTBILANZ?
 

«Aluminiumkapseln sind recyclebar und somit nachhaltig». Dies will mit ein weiterer Facebook-Poster weissmachen. Heute stehen 100'000 Sammelstellen in 44 Ländern für gebrauchte Nespresso Kapseln zu Verfügung. Es gibt auch in 18 Ländern einen Service mit der Adresse recycling@home. Das ist sehr vorbildlich von Nestlé. Meine erste Frage ist, wie konsequent dann die Anwender auch effektiv Reziklieren? Es ist leider zu vermuten, dass nicht wenige, gebrauchte Kapseln im normalen Abfall landen. Und da stelle ich mir dann schon die Greta-Frage: «Wie ist denn die generelle Umweltbilanz im Verhältnis zum ganz normalen Kaffeesatz, welchen ich allenfalls, zur sinnvollen Weiterverwendung, auf dem Kompost entsorgen könnte?»    
   
Mittlerweile habe ich fast alle Kapseln selbst durchgetestet. Die Farben sind aussen zwar sehr variabel – innen sind die geschmacklichen Differenzen marginal. (Vanille, Cocos und Haselnuss-Varianten ausgeschlossen). Der proklamierte «Lungo» für die grössere Menge (Kaffee Crème) funktioniert praktisch nie. Der Kaffee wird bitter, verliert an Aromen, wird wässrig und es fehlt an Fülle. An dieser Stelle gebe ich aber gerne zu, dass sehr viele Nespresso-Kapseln immerhin einen recht guten Espresso abliefern.   
     
FEDERER ODER CLOONEY?

Der Schweizer Tennisspieler wirbt indirekt für frisch gemahlenen Bohnenkaffee, indem er sich für den Kaffeemaschinenhersteller Jura posieren lässt. George Clooney war bis in die 90er-Jahre der Marketing-Verdingbube bei Nestlé. Er warf jeweils die Frage in den Raum: «What else?»

Wer meinen kleinen Kaffeebericht aufmerksam gelesen hat, wird nachvollziehen können, dass es viele, attraktivere Alternativen zu Nespresso gibt.

Auf einer Pressekonferenz wurde George Clooney einst gefragt, warum er keine Tattoos auf seiner Körperhaut trage. Seine Antwort war genial: «Einen Ferrari tapeziert man ja schliesslich auch nicht mit Aufklebern!»    
 
Da ich nach dem Warum für meinen «Niemehr-Nespresso-Entscheid» gefragt wurde, erlaube ich mir an dieser Stelle ebenfalls ein zusammenfassendes Statement: «Ein wirklich guter Kaffee braucht einiges, aber ganz sicherlich keine Kapsel».
   
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POMEROL RODEO MIT POMEROL SEDUCTION
 
Rodeo stammt vom Wort rodear ab und bedeutet so viel wie umrunden. So gesehen, war dieser besonders weinige Januar-Montagabend im Gasthaus Sempacherhof eine ziemlich «runde Sache».

Pomerol Séduction ist ein Club von zehn verschiedenen Pomerol Weingüter, welche ihre Weine im Rahmen von Verkostungen und Events vorstellen.

Die honorigen Mitglieder dieser Vereinigung:
-    Château Beauregard
-    Château Clinet
-    Clos du Clocher
-    Château La Conseillante
-    Château Nenin
-    Château Gazin
-    Château La Pointe
-    Château Mazeyres
-    Château Rouget
-    Château Vieux Maillet

All diese Weine mit den Jahrgängen von 2005 bis 2015 gab es an diesem Januar-Event im Gasthaus Sempacherhof (Kanton Luzern) zu verkosten und geniessen. Vom Gast Château Beauregard wurden gleich drei Jahrgänge in die Gabriel-Gläser serviert, nämlich 2014, 2000 und 1998.  Aus Bordeaux angereist, einer der Vertreter von Pomerol-Séduction; Vincent Priou. Er ist seit 1991 Direktor vom der 18 Hektar grossen Château Beauregard.  

Die Verkostungsnotizen, das Menu und Geschichten: www.bxtotal.com

BESONDERE IMPERIALFLASCHE
Normalerweise zelebriert der Beauregard-Direktor Vincent Priou Grossformate nur bei Einladungen auf dem Weingut.

Für diesen gelungenen Pomerol-Abend machte er eine löbliche Ausnahme und sponsorte diese rare, sechslitrige 2000er-Imperialflasche.

2000 Château Beauregard: Imperial. Unglaublich sattes Purpur. In der kompakten rot- bis blaubeerigen Frucht findet man einen ersten, würzigen Terroirschimmer. Dies in der Form von Tabak und Hirschleder. Im Gaumen satt, feinfleischig, gut stützende Säure mit gebündeltem Langem Finale. 18/20 trinken 

MEGA-POMEROL-VALUE

2012 Clos du Clocher: Extrem dunkle Farbe, Violett-Schwarz. Das Nasenbild duftet nach dunkler Schokolade und nach Kokos, also könnte man einfach auch Bounty hinschreiben, schön füllig und weit ausladend. Im zweiten Ansatz findet man Red Currant-Pastillen und schwarze Johannisbeeren und wieder viel Schokolade – jetzt in Pralinenform. Im Gaumen füllig, mit weicher, samtener Textur, gebündeltes, reiches und aromatisches Finale. Ein ganz toller Pomerolwert. Da bekommt man mehr Wein, als man aktuell dafür bezahlen muss. Im Moment gibt es da mehrere Schweizer Anbieter um rund 50 Franken. Konklusion: Kaufen!!! 19/20 trinken   

FLEISSIGES HANDGEKRITZEL

Eigentlich wäre es einfacher, gleich mit dem Laptop anzutraben. Dann müsste man sich die Arbeit nur einmal machen. Andererseits bereitet es viel Spass, die Weine beim Schreiben nochmals Revue passieren zu lassen.

SPITZENWEIN DES ABENDS

So muss ganz grosser Pomerol! Bereits bei der Primeurprobe im Jahr 2010 flippte ich völlig aus.

Einen so guten Gazin hatte ich bisher in meinem Leben noch nie degustiert. Gemäss meiner Webseite www.bxtotal.com sind es immerhin 53 Jahrgänge.

Auch bei unserem Pomerol-Séduction-Abend lag er für mich fraglos an der Spitze.



2009 Château Gazin: Gesamtproduktion; 66'500 Flaschen. Assemblage; 90 % Merlot, 7 % Cabernet Sauvignon, 3 % Cabernet Franc. Violett-Schwarz. Verrücktes Bouquet mit unglaublich vielen Facetten. Im ersten Ansatz frisch, minzig und floral gleichzeitig. Im zweiten Ansatz kommt die Fruchtwucht in schwarzbeeriger Form; Holunder, Cassis und Heidelbeeren, ergänzt mit Lakritze. Im Gaumen stoffig und fleischig gleichzeitig, umfassende, noch verlangende Adstringenz dramatisches Finale. 20/20 beginnen

BIER VOR WEIN, IST AUCH SEHR FEIN

Zwei alte Freunde unter sich. Einst arbeiteten sie zusammen in der Direktionsetage von Caves Mövenpick.

Felix Meier ist heute der Direktor der Brauerei Müller. Dieses süffige Bier gibt es auch im Sempacherhof. Prost!



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NA

DANN


PROST!!!

Alles war früher von Gabriel geschrieben wurde, finden Sie im Archiv. Auch mehr als 100 Geschichten aus dem Jahr 2019!