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Was im Jahr 2018 alles so weiniges passierte...

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JANUAR-MOUTON-TRADITION


10 Jahrgänge vom Pauillac-Premier-Grand-Cru Château Mouton-Rothschild. Dieses Defilee bildete das Herzstück dieses jährlich wiederkehrenden Events im Old-Swiss-House in Luzern.

Vom Titelbild zum Titel! Fangen wir hinten an. Das Wort Tradition wird definiert aus dem Italienischen «tradere». Man hat in der früheren Folge sogar ein deutsches Wort daraus kreiert. Dieses würde «Tradierung» heissen. Ist aber heute praktisch gänzlich unbekannt. Man versteht darunter die Weitergabe von Gepflogenheiten insbesondere von Bräuchen. Tradition, so Wikipedia, geschehe innerhalb einer Gruppe oder gar zwischen Generationen. In unserem Fall ist dies aber noch lange keine übergreifende Generation, aber immerhin eine Gruppe, welche sich jeweils in schier ähnlicher Form konstituiert. Also können wir hier durchaus von einer Sippschaft von Wieder-holungstätern sprechen.

Der Mittelteil des Titels wird vom Lockvogel dieses Events bestritten. Château Mouton-Rothschild ist zwar nicht in aller Leute Munde, aber halt doch in sehr vielen Weinkellern visuell vorhanden. Kaum ein prädestinierter Bordeauxfreak kann es sich offensichtlich leisten, keine dieser mit Künstleretiketten bestückten Flaschen in seiner Schatzkammer zu exhibitionieren. Und genau da besteht eigentlich das generelle Mouton-Problem. Dieser im Jahr 1973 nachträglich nach oben justierte, damalige Deuxième wird meist mehr gesammelt wie genossen. So kann man das «Sammeln» auch mit «Vergammeln» deklarieren.

Und ganz viele Moutonflaschen wurden auch als vermeintliche Kapitalanlage in den Keller gelegt. Und genau dieses Unterfangen ist dann leider nur selten aufgegangen. Ausser vielleicht in den ganz grossen Jahrgängen.
Aus verlorener Lust tauchen dann später viele Flaschen oder gar Kisten bei Weinauktionen in seitenlangen Mehrfachangeboten in den illustren Katalogen auf.

In den letzten Monaten haben Moutonflaschen aller Jahrgänge doch endlich langsam das Interesse möglicher Käufer erweckt, die Preise ziehen langsam an. Also zeichnet sich eine Veränderung der jahrzehntelangen Lethargie ab. Die verauktionierten «Künstlerflaschen» verlassen aber in der Regel Europa…

1937 Château Mouton d'Armailhacq, Pauillac
1966 Château Mouton-Baron, Pauillac
1971 Château Mouton-Baron, Pauillac
1982 Château Mouton-Baronne, Pauillac (M)

1990 Cabernet Sauvignon Reserve, Robert Mondavi USA
1990 Cabernet Sauvignon Howell Mountain, La Jota
1990 Château Mouton Rothschild, Pauillac
1990 Château Haut-Batailley, Pauillac
1990 La Jota Howell Mountain, Napa Valley

1981 Château Mouton-Rothschild, Pauillac
1983 Château Mouton-Rothschild, Pauillac
1985 Château Mouton-Rothschild, Pauillac
1987 Château Mouton-Rothschild, Pauillac
1989 Château Mouton-Rothschild, Pauillac

1991 Château Mouton-Rothschild, Pauillac
1993 Château Mouton-Rothschild, Pauillac
1995 Château Mouton-Rothschild, Pauillac
1997 Château Mouton-Rothschild, Pauillac
1999 Château Mouton-Rothschild, Pauillac

Tischwein: 1994 Château Lynch-Bages, Magnum

Das waren die Weine dieses Januar-Abends. Alle Gabriel-Notizen auf sieben Seiten: www.bxtotal.com


1937 MOUTON D'ARMAILHACQ

Füllniveau perfekt. Erster Eindruck, direkt nach dem Entkorken. Deutlich aufhellend, schier in Roséfarben drehend, aber intakt und leuchtend. Moosig-süssliches Bouquet, helle, feuchte Baumrinde, dominikanischer Tabak, zarte Minze- und Kampfernoten, und gar noch rote Johannisbeerenresten, vielschichtig, delikat, aber logischerweise auch fragil. Aber wie auch in der Farbe schon festgestellt, sehr intakt in der Nase. Und das immerhin nach 80 Jahren! Schlanker Gaumen, gut stützende Säure, sanft dominierende Säure, auch hier immer noch dezent rotbeerige Spuren zeigend, Schokospuren, zarte Muskeln im Körper, endet minim kapselig im Finish. Dieser Pauillac-Greis war der allererste Rotwein dieser Probe und er kam bei den erstaunten Gästen sehr gut an. Er wusste mit seiner Vitalität durchaus noch zu verblüffen. Verkostet an der Mouton-Probe im Olds-Swiss-House in Luzern. 17/20 vorbei


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STELLDICHEIN MIT PALMERWEIN

Grosse Weine – grossartige Stimmung! Der traditionelle Januar-Montagabend im Gasthaus Sempacherhof war mit 80 Gästen bis auf den letzten Platz ausgebucht.

Auf dem Bild die Gastgeber Riccarda und Hanspeter Müller mit James Sichel (Bordeauxhändler und Mitbesitzer von Château Angludet und Palmer)

Die Weine
2000 Château d’Angludet, Margaux  / 2005 Château d’Angludet, Margaux
2006 Alter Ego de Palmer, Margaux / 2012 Alter Ego de Palmer, Margaux
2006 Château Palmer, Margaux / 2011 Château Palmer, Margaux
2001 Château Palmer, Margaux / 1985 Château Palmer, Margaux


Der Erlebnisbericht auf fünf Seiten: www.bxtotal.com

2006: VIVE LA DIFFERENCE

Der Alter Ego 2006 wurde im zweiten Flight serviert. Der Palmer 2006 folgte darauf in der nächsten Serie. Während dem Kommentieren bat ich die Gäste sich die beiden 2006er genau zu merken, um allfällige Unterschiede zu erkennen. Ich degustierte den «Mini-Palmer» und den «Maxi-Palmer» im direkten Vergleich.
Der Alter Ego vermittelt bereits jetzt schon viel von dem in der Nase was der Palmer später abliefern wird. Im Gaumen fehlt dem Alter Ego der initiale Power und die Konzentration des Grand Vins. Dieses Manko wird momentan durch einen hemmungslosen Margaux-Genuss kompensiert.

2006 Alter Ego de Palmer: Erstaunlich dunkles Granat. Die Nase scheint mehr würzig wie fruchtig im ersten Moment, dunkles Holz, Mokka, gibt sich recht tiefgründig. Der Gaumen beginnt fleischig, die Tannine sind präsent aber gerundet, das Extrakt stoffig, das Finale aromatisch mit mittlerem Power. Ready to enjoy. 18/20 trinken

2006 Palmer: Sehr dunkles Purpur mit letztem Lilaschimmer, satte Mitte. Das Bouquet ist zwar verschlossen vermittelt trotzdem unheimlich viele Facetten, floraler Touch, Holunder, Lakritze und gar feine Trüffelnoten, welche aus dem Untergrund aufsteigen. Der Gaumen ist konzentriert, satt im Stoff, im Extrakt liegen unendlich viele neue Aromen verborgen, geht in die Tiefe und zeigt ein Potential für mindestens 40 Jahre. Ein Klassiker der neuen, moderneren Palmerzeit. Schier schon monumental. Der Petit-Verdot wurde deklassiert. Also ist der Blend: 56 % Cabernet Sauvignon, 44 % Merlot. Hat seit den ersten Eindrücken zugelegt. 19/20 2025 – 2050

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WENN EIN NEUES JAHR BEGINNT

SO IST DAS ALTE SCHON VERRINNT

DIE PERLEN FUNKELN QUIRLIG IM GLAS

DER MAGEN STELLT DERWEIL AUF VOLLGAS

ER MUSS NOCH VIEL VON 2017 VERDAUEN

WILL AUF DIE KOMMENDE DIÄT VERTRAUEN

ER HOFFT AUF MASSIVE KALORIENREDUKTION

MIT BEGLEITENDER MAGEN-ARBEITS-REDUKTION

DOCH LEIDER KANN ER DAS NICHT SELBST VERWALTEN

UND SO BLEIBT SCHON WIEDER ALLES BEIM ALTEN

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