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WAS SO ALLES WEINIGES IM JAHR 2017 PASSIERTE....

GOOD NEWS FÜR 1977ER-WEINFREUNDE

Es ist halt meistens so, und man kann daran nicht viel ändern. Wenn im Zusammenhang mit einem Jahrgang vom Wein gesprochen wird, dann macht Bordeaux die Musik, respektive liefert manchmal, im ersten Moment, einen falschen Ersteindruck ab.

Blickt man nach Bordeaux, und studiert die heutigen Bewertungen der bekanntesten Crus, dann stimmt die Theorie der bescheidenen, längst überfälligen 1977er. Nur verschiedene 23 Weine liefert mein Degustationsinventar und alle Weine haben das Zeitliche gesegnet. Und wenn diese noch nicht tot sind, dann liefern diese im besten Falle noch ein höchst bescheidenes 15-er-Erlebnis ab. Einzig dem Ducru-Beaucaillou würde ich noch eine halbwegs positive Überraschung zumuten. Und, jetzt neu wieder dem Château Latour. Da hatte ich früher eher bescheidene Flaschen. Der jetzt neu verkostete Eindruck war durchwegs recht positiv und zeigt die extrem langlebige Stärke dieses Pauillac Premiers. Der Bericht auf www.bxtotal.com


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1893 PREIGNAC

Im Jahr 1893 wurde in Basel der FC gegründet. Und in der ganzen Welt Trauben geerntet und der grössere Teil zu Wein verarbeitet. Ausser den Tafeltrauben. Natürlich.

Es war ein Restposten der mich schon lange wunder nahm. Als ein paar Basler Freunde bei mir am eichigen Weinkellertisch sassen, öffnete ich diesen «Vin blanc» als Zugabe. Als die Gäste das Etikett erblickten sagte Einer: «Das ist ja das Gründungsjahr vom FC Basel». So ein Zufall.  

Nicht mal Barsac, stand auf dem Label. Auch nicht Sauternes. Einfach nur Vin Blanc. Und doch war der Wein wunderbar süss, malzig, zeigte Schokotöne und war mehr als nur intakt.

Wenn ich die ganze Geschichte vorher gewusst hätte, dann hätte ich diesen Wein mit der FC-Basel-Legende Karli Odermatt getrunken. Den sehe ich im Dezember. Dann halt ohne diesen 1893er, aber mit anderen Gugen.

P.S. Welche sehr guten bis grossen Weine haben eine blau-rote Etikette???

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DIE GÜNSTIGSTE WEINPROBE MEINES LEBENS


So schnell komme ich wohl nie wieder zu dieser einmaligen Gelegenheit! Eine Probe mit vier Weinen für weniger als fünf Euro.  Preis für alle vier Flaschen zusammen!!! Alle Flaschen gekauft von Freund Richi im örtlichen Consum in Javea.

Man darf nicht nur immer wieder über Billigweine spötteln. Man muss da auch ab und zu wieder Kontakt zu diesen eimaligen Tropfen aufnehmen. Also gingen wir die vier spanischen Weine (alle aus der näheren Region des Supermarktes) sorgfältig durch.


Eines hatten alle vier Weine gemeinsam. Sie waren extrem leicht und im besten Fall oberflächlich. Immerhin. Aber im Charakter unterschieden sich diese Flaschen dafür ganz deutlich. Der eine war «grün», der andere «sauer» und der dritte ging in die Kategorie «Sirup».

Den Vogel abgeschossen hatte der die Preissensation Baron der Turis 2016. Im Supermarkt zu 99 Eurocent zu haben! Dieser war so grausam kontaminiert, dass man ihn nicht mal als Kochwein verwenden dürfte. Aber auch dieser im wahrsten Sinne «ganz besondere Tropfen» wird einen armen Tropf finden…   

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WELTKLASSE – OHNE FRANKREICH



Wenn es um die Frage geht, wo die besten Weine der Welt entstehen, so scheint Frankreich irgendwie das Copyright auf eine mögliche Antwort zu besitzen.

Dafür bürgt die Summe der ganz grossen Weine, welche in der Grande Nation entstehen. Und auch die Historie ist ein wesentlicher Faktor für diese mögliche Leaderposition. 
Dazu kommt der Umstand, dass man den allerbesten Weinen aus den Hauptregionen Bordeaux, Burgund und dem Rhônetal ein schier anderswo selten zu erreichendes Alterungspotential attestiert.


Doch – wenn es wirklich drauf ankommt, so kriegen die Franzosen nicht selten eins auf den Deckel. So beispielsweise bei der gross angelegten Blindverkostung der Académie du Vin, initiiert vom Engländer Stephen Spurrier MW. Am 24. Mai 1976 fand Paris eine grossangelegte Blindverkostung statt.
Weine von Bordeaux wurden verdeckt gegen Weine von Napa Valley verkostet.
Und – Amerika gewann haushoch. Damals bemängelte die Fachwelt, dass die amerikanischen Weine jung wohl viel Spass bereiten, aber die Franzosen durch deren Lagerfähigkeit dann letztendlich doch die grösseren Weine seien. Zehn Jahre später wiederholte der Wine Spectator dieselbe Probe. Und wieder gewannen die Amerikaner.  Auch noch später nachfolgende Verkostungen kamen mehr oder weniger immer wieder zu ähnlichen Resultaten.   

Aber selbst solche Antimarketingkampagnen können dem Renommee der französischen Weinkultur wenig anhaben. Denn es kommt für deren Bekanntheit und Ansehen noch ein anderer Faktor dazu. Von der Vielzahl der Spitzenweine habe ich schon berichtet. Jetzt geht es auch noch darum, dass auch mitunter respektable Mengen auf diesem Spitzen-Niveau abgefüllt werden. Vor allem im Grand-Cru-Bereich vom Bordelais.    

WELTKLASSE – OHNE FRANKREICH

So – jetzt ist genug französisch parliert. Jetzt geht es immer noch um Spitzenweine. Und auch solche, welche schon ziemlich lang in der Flasche gereift sind. Aber Frankreich schloss ich an diesem Abend aus.

Für meinen ganz speziellen Weinabend wollte ich keine Vergleiche anstreben. Also Konfrontationen vermeiden. Auch keine Suche nach möglichen Parallelen anstellen, sondern ich wollte einfach ein paar gehütete Schätze aus meinem Keller – in meinem Keller entkorken. Und diese mit ganz guten Freunden geniessen

Einer der besten Weine des Abends...

ECHTE VEGA KONKURRENZ

Den historischen Elite-Platz in der spanischen Rotweinszene hält Vega Sicilia. Doch auch dieses Weingut hat nicht über alle Dekaden immer Spitzenqualität abgeliefert.

Miguel Torres war einer der ersten Winzer der es wagte in der Region Penedes Cabernet Sauvignon anzupflanzen. Diesen vermischte er dann mit etwas heimischem Tempranillo.

Damals hiess der Wein noch Gran Coronas. Der Gran Coronas von heute ist eine günstigere Edition, welche unter 20 Franken zu haben ist. Der frühere, initiale Gran Coronas heisst heute «Mas la Plana». Also bitte nicht verwechseln.

Leider ist der nachfolgend degustierte 1961er gänzlich vom Markt verschwunden. Der Wine-Searcher meldet, dass er zum letzten Mal im Jahr 2012 irgendwo auf der Welt angeboten wurde. Also Pech für die Leser. Vielleicht weniger Pech für meine Freunde. Denn im Weininventar von Gabriel sind noch ein paar Flaschen vorhanden.

1961 Gran Coronas Torres: Noch sehr dunkel in der Mitte, gegen aussen dann aber doch eine zum Alter passende Verfärbung in Orange und Ziegelrot zeigend. Grossartiges Reifweinbouquet; Tabak, Leder, Korinthen, Teer und getrocknete Kräuter, besonders in Form von Jasmin und Thymian. Im Gaumen fleischig, markant, noch dezent körnig in der Struktur. Dies gibt viel Charakter. Das Finale ist geprägt von dunklen Trockenbeeren, sehr nachhaltig. Monumental. 20/20 austrinken

Ein grandioser Spanier, der es in diesem Jahrgang mit jeglicher Konkurrenz aus Ribera del Duero und auch Rioja aufnehmen kann.

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UNENDLICHE ALTWEIN-RESERVEN

Wie kann es sein, dass man auch heute noch einen mehr als 200jährigen Malaga im Markt findet? Die Antwort ist – im Falle von der Bodega Larios – relativ einfach. Dieses andalusische Weingut hortet eine Reserve von rund 2000 Barriquen mit sehr alten Malagas. Jahr für Jahr wird eine kleine Tranche davon lanciert. Im Markt würde man diesen Uralt-Malaga zwischen 300 bis 400 Franken finden.

1800 Vino Seco Benefique Trasanejo, Larios: Recht hell, Kupfergold mit dezent bräunlichem Schimmer. Das Glas befand sich einen halben Meter neben meinem Computer und es duftete bis über diese weite Entfernung verführerisch. Rosiniges Bouquet mit intensivem Duft mi dezenter Süsse, feine Curcumanoten im Hintergrund aufzeigend. Im Gaumen wirkt er eher trocken, zeigt eine gute Säure und erinnert im Grundgeschmack an einen alten Wermuth, wunderschöne Gewürznoten im Finale. Das Grosse an diesem aufgespriteten Wein ist ein unglaublich lang- anhaltender Nachhall. 18/20 austrinken

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20 CHÂTEAUX – 20 MAGNUM



Ein sehr seltener Anblick. Das volle Bordeauxprogramm. In Weiss, Rot und Süss. Und – alles in Magnumflaschen.
Von 1928 Château Batailley bis 2003 Château d’Yquem.

Weit über 90 Prozent der Gesamtabfüllung eines Bordeauxweingutes betragen die normalen Flaschen. Wobei diese in letzter Zeit auch nicht mehr so normal sind. Mouton hat in Grösse und gewichtsmässig nachgerüstet.

Pavie hat auf eine Haut-Brion-ähnliche Flasche gewechselt. Pontet-Canet hat seine Flaschen so stark abgedunkelt, dass man nur noch mit einer Laserlampe etwas sieht beim Dekantieren.

Auch halbe Flaschen werden immer weniger produziert. Die Premiers haben damit schon vor mehr als 10 Jahren aufgehört.

Grund: Die Nachfrage sei stetig gesunken und nur ab Normalflaschen sei eine optimale Lagerfähigkeit bestmöglich garantiert. So die Begründungen seitens der Weingüter.
Die Grossflaschenabfüllungen laufen praktisch nur über Vorbestellungen. Auch das geht nur in Bordeaux. Der Wein wird ja bekanntlich «en primeur» verkauft. Will heissen; wenn der Kunde bestellt und bezahlt, dann reift der Wein noch im Fass.

Bei der «instruction du mise», welche etwa ein halbes Jahr vor der effektiven Abfüllung passiert, kann der Kunde noch entscheiden, in welchen Formaten er seine Lieferungen haben will.

Hat er beispielsweise 120 Flaschen von einem Wein gekauft, so kann er dafür 12 Magnum (24), 3 Doppelmagnum (12) und 3 Imperialflaschen (24) bestellen. (In Klammern die umgerechnete Anzahl Normalflaschen). Ergibt Summa Summarum wieder die 120 bestellten Flaschen, respektive 90 Liter. Diese Bestellung leitet der Négociant, welcher dem Weinhändler diese Menge verkauft hat, an das Weingut weiter. Aufgrund dieser gewünschten Spezialformate, werden dann die Gross-flaschen, Etiketten und Holzkisten bestellt.

JE GRÖSSER – DESTO RARER

Man könnte auch schreiben, je älter und grösser – desto teurer. Grossflaschen sind eine sehr gute Weinkapitalanlage. Eine Imperiale entspricht ja bekanntlich einer Menge von 6 Litern. Will heissen, da sind mengenmässig acht normale Flaschen drin. Kauft man eine solche Imperial in einer ersten, noch jugendlichen Phase, so muss man mit einem Preis von umgerechnet neun Flaschen zu 75 cl rechnen. Nicht wegen der Menge, sondern wegen den Materialkosten. Insbesondere die leere Flasche kostet rund 150 Euro.

Da solche Formate wie schon erwähnt nur auf Vorbestellung produziert werden, sind diese Mengen, nach der Auslieferung sofort, sehr breitgefächert bei den Bestellern in aller Welt verteilt. Die Négociants machen da keine Bestellungen auf Vorrat, weil sich die Normalflaschen besser verkaufen lassen. Weil es halt das übliche Format ist. Auch die Weingüter füllen da nur wenige grosse Exemplare für sich. Für besondere Gelegenheiten. Zugegeben, die Premiers machen da in der Regel schon einen gewissen Stock. Meist wird dieser aber nie angerührt und landet in der eisernen Keller-Bibliothek.

Es ist anzunehmen, dass der Magnumanteil bei den Abfüllungen heute bei etwa drei Prozent liegt. Am besten kann man das am vielleicht an einem historischen Beispiel erklären. Beim Château Mouton-Rothschild 1945 füllte der Baron damals 74'422 Normalflaschen ab. Produzierte jedoch lediglich 1'475 Magnums. Eine Normalflasche kostet bei Arvi im Moment rund 15'000 Franken. Eine Magnum im Markt rund das Dreifache. Mindestens. 

Unter den Weinkennern ist das Magnumformat sehr bleibt. Dies aus verschiedenen Gründen. Einerseits bewirkt eine Magnum in einem Weinkeller einen ganz bestimmten Showeffekt. Den besonders angefressenen Weinsammlern kann man durchaus einen gewissen Exhibitionismus attestieren.

In jungem Alter bewahren konservieren die Magnums die Fruchtphase besser, respektive länger. Ist ein Wein einmal in der vollen Reife, so glaubt man, dass die 150cl-Flasche länger den initialen Genuss abliefert. Man spricht in solchen Fällen unter Freaks von einem «Magnumbonus»
Schreibt man einen Weinevent mit dem Titel «20 Châteaux – 20 Magnum» aus, so wirkt dieser fürs interessierte Publikum sicherlich attraktiver, wie wenn man den gleichen Anlass mit Normalflaschen anpreisen würde.

Auf jeden Fall war dieses ganz besondere Wine & Dine welches an einem Mai-Mittwochabend im Gasthaus Sempacherhof stattfand, sehr schnell ausgebucht. Und –
es bestand eine respektable Warteliste.

Ich selbst freute mich wie ein kleines Kind auf diesen Abend. Zwar komme ich schon ab und zu an eine Magnum heran, aber gleich 20 auf einmal, das ist auch für mich eine Rarität. Zudem hatte ich den 1928er Batailley noch nie im Gabriel-Glas. Und vielen der dargebotenen Weinen bin ich zum Teil schon lange recht nicht mehr begegnet. Also eine Art Revival.

Acht Magnumseiten: www.bxtotal.com

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UNITED COLOURS OF YQUEM

Nicht nur der Farbunterschied war frappant, sondern auch der Altersunterschied. Von der generellen Ausgangslage her, könnte man beide Yquem’s auf dasselbe Niveau anheben.

Beim Verkosten allerdings merkt man ganz deutlich, dass es sich lohnt auf einen grossen Château d’Yquem jahrzehntelang zu warten.

Hier könnte sich allenfalls das Magnumformat vom Jahrgang 2003 möglicherweise auch minim negativ ausgewirkt haben.      

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1997 ORNELLAIA

Ein ganz grosser Toskana ist in seiner Endreifephase angelangt! Dabei zeigt er eine schier barocke Tiefe mit schwarzen Trüffelkomponenten aber auch noch gewissen Cassisresten. Darunter eingelegte schwarze Pilze mit einem minimsten Hauch von einer beginnenden Oxydation. So, dass er irgendwie perfekt zum Gesamtrahmen passt. Da würde ich auf gar nichts mehr warten. 19/20

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2004 Granato, Foradori
Teroldego? Das ist immer noch eine ziemlich unbekannte Rebsorte. Meist sind diese eher als kühle, spassige, rote Sommerweine bekannt. Elisabetta Foradori hat in den letzten 25 Jahren der Weinwelt gezeigt, dass man daraus Weltklasseweine herstellen kann. Keine lauten Bomber, aber hochintensive Kuschel-Italiener. Solche die gut altern und dabei unglaublich viel von deren Initialfrucht konservieren können. Die Farbe ist purpurtief und zeigt gar noch bläulichen Schimmer. Die Nase floral und fruchtig zugleich, vielleicht etwas kühl im Ansatz aber das gibt ihm auch gleichieztig viel frische, schwarze Kirschen, Cassis, Lakritze und dunkle Rosen, recht intensiv und vielschichtig. Im Gaumen extrastoffig, samtig und anmutig, intensives schier nur noch schwarzbeeriges Finale. Gibt es einen besseren «Vigneti delle Dolomiti rosso»? 19/20 trinken

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WEINKARTE ODER BLINDVERKOSTUNG?

Was ist der Unterschied zwischen einer Weinkarte und eine Blinddegustation? Sehr gross – meine ich. Würden Sie in einem Restaurant spontan einen 2007er Château Léoville Poyferré bestellen? Wohl kaum. Das ist zwar ein sehr bekanntes Château aber doch ein höchst bescheidener Jahrgang…

Andere Situation. Ich bin an einer Blindverkostung in der Bussumschen Wijnkoopery in S’Hertogenbosch (Holland). Ein Bordeaux nach dem anderen wird verdeckt eingeschenkt. Beim dritten Wein in der dritten Serie flippen alle Sommeliers (und Gabriel) am Tisch aus. Ich scheibe mir – in Unkenntnis des Weines – das Wort «kaufen» hin und bewerte den Wein mit 18-Punkten.   

Tara! Die Verpackung ist weg und der 2007 Léoville Poyferré kommt zum Vorschein. Kaufen werde ich ihn trotzdem nicht, dafür habe ich glücklicherweise sehr viel reife Bordeaux’ (auch Poyferré’s) in meinem Keller. Aber bestellen werde ich ihn, wenn ich ihn demnächst auf einer Weinkarte in einem Restaurant entdecke…

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2001 Cariad, Colgin, Napa Valley: Extrem dunkles Purpur. Die Nase ist wie ein Blend aus Masseto und Le Pin, viel Cassis, viel konfierte Beeren, Cakesfrüchte, exotischen Edelhölzern helle Kaffeeröstung, so ein minimer Hauch von einem grossen, aber nicht überladenen Amarone ist da auch mit drin und eine volle Reife. Im Gaumen extrem konzentriert aber nicht überfleischig, ein richtiges Aromenrodeo, welches sich dann doch eher im rotbeerigen Bereich befindet. Das nimmt ihm die nasale Schwere und gibt ihm eine geschmackliche Frische, da Finale geht in eine selten erbebte Verlängerung. Früher war dies eine Kompetitions-Cabernet-Marmelade. Jetzt ist er gereift um mit einer ganz speziellen Erotik zu betören. Ich war hin und weg. Weg von jeglicher Norm und trotzdem Weltklasse. 20/20 trinken    

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JETZT AUF DEM MARKT!

Während die Bordeauxwinzer ihre Weine am liebsten gleich aus dem Fass verkaufen, ticken die Uhren bei der Kellerei in Terlan (Südtirol) etwas anders. Ganz anders. Denn just jetzt wurde jetzt ein Weissburgunder vom Jahrgang 1991 lanciert. Der schlummerte 24 Jahre lang im Stahltank auf der Hefe und wurde dann ein Jahr im grossen Holzfass ausgebaut und wartete nach der Füllung noch ein weiteres Jahr in der Kellerei bis zu der Lancierung. Nun werden die rund 3'000 produzierten Flaschen auf gastronomische Spitzenbetriebe und ganz wenige Weinhändler verteilt. Wer Glück hat, der findet diesen Wein um 200 Euro im spärlichen Markt. Das ist sehr viel für einen Weisswein, aber das ist gleichzeitig nicht viel für einen sensationellen 1991er! Denn – davon gab es in Europa wirklich nicht viele.

1991 Weissburgunder Terlan: Unglaublich helles Gelb mit zart lindengründen Reflexen. Facettenreiches Bouquet, mineralisch, minzig, Spuren von weissem Pfeffermehl, dann Sternfrucht und Mirabellen zeigend, absolut delikat. Im Gaumen schlank, elegant, zart cremig, so herrlich über die Zunge tanzend. Die Renaissance der Altersfrische. 19/20  

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TUTTI FRUTTI IN BAD BUBENDORF

Das war ein honoriger Weinabend in Bad Bubendorf.  Dabei nahm jeder eine «sehr gute Flasche» Wein mit. Die weinigen Freunde dinierten dann zusammen und genossen dabei die mitgebrachten Weine.

Der vorgegebene Rahmen; nicht teurer als 300 Franken im Einkauf. Land, Region, Rebsorten und Jahrgang egal. Und so kam es, wie es in solchen Fällen meist kommt; das Gebotene ist dann halt wie im Titel beschrieben ein «vinöses Tutti-Frutti» oder «United Colours of Bad Bubendorf» hätte man das Gebotene auch bezeichnen können.


Meine vorgängige Angst, dass der Abend zu einem Bewertungshickhack mit einem fraglichen Sieger ausarten würde, war zum Glück unbegründet. Jeder Wein hatte seine volle Genusschance. Und – die edlen Tropfen wurden nicht endlos zerredet, sondern vielmehr gemeinsam genüsslich getrunken.

MEIN BESTER WEIN DES ABENDS

2007 Clos de la Roche Domaine Dujac: Deutlich aufhellendes Granat-Rubin. Absolut  delikates, feinstes, warmes Nuitsaroma, rote Pflaumen, heller Tabak, Süssholz, zart und schmeichelnd im verführerischen Nasenbild. Im Gaumen sanftmütig, seidig im Fluss, perfekte Tanninkonstellation, wunderbar integrierte Säure. Die Musse und Eleganz eines ganz grossen Burgunders vermittelnd. Dies war für mich der feinste und gleichzeitig der bewegendste Wein dieses wunderbaren Weinabends. 20/20 trinken
Die ganze Gesichte: www.bxtotal.com

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ZWEI MONATE OHNE WEIN

Das Leben schreibt Geschichten. Manchmal wie ganz voll alleine. Gute und schlechte. Bevor wir zu der nachfolgend beschriebenen Weinprobe in Bad Bubendorf eintrafen, machten wir noch einen kleinen Ausflug ins Baselbiet.

In Arlesheim sahen wir diesen originellen Schriftzug an einem Gebäude und der zog uns magisch an, um dort einen verdienten Aperitif einzunehmen.


Wir bestellten zwei Gläser Weisswein. Ein Mann kam ebenfalls an die Bar und wollte Rotwein. «Welchen», fragte die bedienende Servicefrau. «Einfach was Sie grad dahaben», antwortete der Mann. «Momentan wäre keiner parat. Er könne sich eine Flasche auswählen und den dann als Offenausschank geniessen. Die beiden gingen zum Regal und kamen mit einem Nebbiolo zurück. «Zwei Dezi gerne», meinte der Mann.

Dabei kamen wir ins Gespräch. Man merkte, dass ihm das Sprechen nicht einfach fiel und er bemerkte: «Das ist mein erstes Glas Wein seit zwei Monaten». Ich wollte da nicht gleich nachhacken, denn die Gründe für eine derartige Abstinenz können mannigfaltig sein.

Doch der etwa 50jährige Mann gab sich mitteilungsbedürftig und berichtete, dass er in Arlesheim in der Rekonvaleszenz sei, wegen seinen Operationen. Er hätte einen bösartigen Gehirntumor gehabt und sei zwei mal sieben Stunden lang operiert worden. Dabei zog er seinen flachen Hut vom Kopf und zeigte uns die quer über seine obere Kopfhaut verlaufenden, hässlichen Narben.

Ja und jetzt hätte er das erste Mal wieder Lust auf einen Schluck Wein gehabt. Jörg bezahlte sein «Zweierli». So hatte er wenigstens etwas Glück in seinem grossen Unglück…

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1957:

VON KREMATION


BIS FASZINATION




Was macht ein angefressener Weinfreak, wenn er einen runden Geburtstag feiert?
Er trinkt «seinen» Jahrgang.

Das kann dann Fluch oder Segen sein. Bei meinem Geburtsjahrgang 1957 ist es eine Mischung zwischen «sowohl als auch».


Vor etwa 25 Jahren machte ich eine grössere Weinprobe mit diesem «mittelmässigen Millesime». Damals in den Ardennen mit meinem Freund Paul Hermann. Er reiste mit ein paar Kollegen aus Holland an. Ich mit ein paar Kollegen aus der Schweiz. In der Mitte trafen wir uns und jeder hatte mehrere 1957er-Bouteillen aus seinem Reservoir dabei.

Seither hatte ich nur noch spärlich Kontakte mit meinem Geburtsjahr. Dies – obwohl ich da noch recht viele Flaschen im Keller liegen hatte. Jetzt – angesichts der Erreichung meines 60igsten Alters – war es wohl allerhöchste Zeit für eine «generelle Entkorkung».
Also suchte ich alles zusammen und fand da ein noch recht schönes Assortiment an möglicherweise noch zuverlässigen, bis hin zu wohl todgeweihten Flacons. Das war wohl der ideale Zeitpunkt (und möglicherweise auch letzte gute Chance), um all diesen Flaschen endgültig den Garaus zu machen.

Im Rahmen einer Semester-Probe war es am Freitag dem 21. April 2017 (zwei Tage vor meinem grossen Fest) so weit.

Der grosse Reisebus fuhr vom Hotel Birdland (Sempach-Station) in kleine Dorf Sigigen (LU). Der Sommelier Patrick Bopp war zu dieser Zeit schon gut drei Stunden im Keller um die Flaschen zu präparieren. Und der Patron Philippe Felber stand in der Küche, um für uns ein passendes Menu zu kochen.

Da nicht wenige «1957er-Männer» mit von der Partie waren, schien die generelle Neugier grundsätzlich gewährleistet zu sein…

ERWARTE NICHT ZU VIEL, DANN WIRST DU NICHT ENTTÄUSCHT

Dies ist ein Grundsatz für alle Weinproben.
Ich denke aber, dass die Erwartungshaltung für diesen Event nicht allzu dramatisch hoch nivelliert wurde. Denn 1957 ist aus dem Konversationsrepertoire von Weinfreaks bereits schier gänzlich verschwunden. 

Wenn man an Raritätenproben schon alte Weine entkorkt, dann nimmt man die grossen Jahrgänge. Mit einer Verkostung von kleinen, mittelmässigen Risikojahren lockt man keinen Weinkenner hinter dem Ofen hervor.

Nun denn. Das Erlebte kann man beschreiben als «durchzogen wie eine Speckschwarte». Mit wenigen ganz grossen Genusspeaks: Mission und d’Yquem. Mit Überraschungen: Cabernet Sauvignon Reserve Louis Martini, Nenin, Margaux, Lynch Bages. Und auch der Clos St. Martin gehört in diese Kategorie. Letzter war aber nicht der bekannte Saint Emilion, sondern ein heute völlig unbekannter Pauillac.

Und auch Enttäuschungen von grossen Namen mussten wir hinnehmen: Léoville Las-Cases und Latour. Der jüngste Wein des Abends: Mouton-Rothschild. Nicht gross aber irgendwie immer noch faszinierend. 1957 auf acht Seiten: www.bxtotal.com

MISSION: KAM, SAH UND SIEGTE

Der Mission ist – zusammen mit Château Latour – der beste Garant für sehr gute Leistungen in schwierigen Jahren. Genau diese Theorie hat er an dieser Probe wieder einmal mehr bestätigt. Für mich war dies ein gigantisches Weinerlebnis, welches ich blind einem ganz grossen Jahrgang zuordnen würde.
1957 Château La Mission Haut-Brion, Pessac-Léognan: Unglaublich dunkle und jünger als 60 Jahre wirkende Farbe. Absolut geniales Bouquet, so richtig Mission aber auch viel grösser als man je von diesem schwierigen Jahrgang erwarten würde, Black Currant, Malz, Ratafianoten, dunkles Leder, Kampfer und wilder Rosmarin. Grosser Gaumen, füllig, schmeichelnd und wieder diese absolut geniale Pessac-Aromatik herzeigend, gebündeltes, extrem langes Finale. Ist das der beste Wein des Jahrganges 1957? Das war nicht das erste Mal, dass er mich so unglaublich überraschte und überzeugte. 19/20 austrinken 

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SPONTANER 1983ER-BORDEAUX-ABEND

Der Montag ist bei uns nicht der Focustag, sondern oft der Jasstag. Entweder stelle ich da einfach mal ne saufige Magnum hin, oder wird geniessen den Abend degustatorisch.

Diese Woche war es Letzteres. Und fast hätte es gar noch einen weissen Aperitif vom Jahrgang 1983 gegeben. Zwar nicht aus Bordeaux, aber dafür aus dem Elsass. Aber der Pinot Gris von Zindt-Humbrecht war hinüber. Da half auch der Zusatz «Vendage tardive» nichts mehr auf der Etikette.

Und manchmal gelangt man halt auch durch Umwege erst auf das mögliche Abend-Thema.
  
Da André mit von der Partie war, überlegte ich mir den 1964er Figeac zu trinken. Davon besitze ich nämlich noch eine ganze, ungeöffnete 12-er Kiste. Und diese befindet sich, weil Übermass, nicht in den normalen Regalen, sondern ganz oben.
Doch so «ganz oben» dann auch wieder nicht, denn darauf liegen noch vier andere noch vollgefüllte, schwere Kisten.
Das war mir zu viel Aufwand, denn ich war spät dran und somit entschied ich mich, halt einfach einen anderen Figeac aufzumachen.

Diese Kisten waren weiter unten und somit sehr gut zugänglich. Der erste Blick fiel auf eine Flasche 1983 Figeac. Spontan wurden bei mir Erinnerungen wach. Das war der Lieblingswein vom ehemaligen, leider verstorbenen Figeac-Besitzer Thierry Manoncourt. Da ich mit der Familie befreundet war, gab es öfters Einladungen für mich. Und da stand nicht selten dieser Wein auf dem Tisch. Und auf dem Teller der dampfende, legendäre Pot-au-Feu.  

Und mit den Reflektionen an den Figeac kam mir auch in den Sinn, dass es da sensationelle und andere Flaschen gab. Die süssen guten, und die dumpfen schlechten. Denn Figeac hatte über mehr als ein Jahrzehnt immer wieder partielle Keller-Probleme mit variablen Flaschen. Doch damit war er nicht der einzige im Bordelais. Und bei solchen Bouteillen half dann auch langes Dekantieren nicht. Alle Notizen: www.bxtotal.com

1983 Château Lafleur, Pomerol: Halbe Flasche. Sehr reifes Rot mit ziegelrotem Schimmer, nicht besonders tief.Die Nase erst kompakt und nur wenig Aromen hergebend, man spürt eine trockene Süsse, man erahnt die Tiefe, aber man spürt auch instinktiv, dass man hier Geduld braucht. Das war mein erster Eindruck, just nach dem Öffnen. Ich dekantierte den Wein in die Riedel-Piccolo-Karaffe (Bild oben). Die Nase war jetzt zugänglicher und zeigte den urtypischen Lafleur-Kräuterton, Eisenkraut, getrockneter Rosmarin, Salbei, dann in Aromen von Baumnusslikör und Fernet Branca drehend, er wurde fülliger und zeigte süsses Malz im Untergrund. Im Gaumen satt, eher fleischig, denn voluminös, eine unglaubliche, gereifte Cabernet-Franc-Essenz zeigend, nachhaltiges Finale. Ich habe versucht, irgendwelche Parallelen mit anderen Pomerols zu finden, aber es kam mir rein gar nichts in den Sinn. Lafleur ist halt Lafleur! Und das versteht nicht jeder Weinkenner. Ausser er ist ein Lafleur-Kenner! 20/20 austrinken  

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LANGER ABGANG

Der Höhepunkt unserer Weinreise war der Schlussabend. Ich kreierte da eine ausgeklügelte Formel für einen lustigen Weinwettkampf mit meinem Co-Organisator. Er Italien – ich Frankreich. Die Gäste durften abstimmen.

Bereits im Vorfeld bekam ich einen Anruf, dass das mit dem Menu dann so überhaupt nicht ginge. Man müsste da Einiges ändern. Da ich im Vorfeld nur einen groben Raster vorgab, war mir eigentlich egal, ob statt etwas Gebratenem zum Hauptgang nun halt etwas Geschmortes möglicherweise auf dem Teller sein sollte.

Da wir schon über Tage schier nichts anders als Wein getrunken hatten bemerkte ich bei einem Gespräch in der Runde ein paar Tage zuvor, dass zum Apéro jeder trinken durfte, was er wolle. Mein Gegenüber sagte mir, dass der Aperitif schon längst von ihm organisiert und auch von ihm offeriert sei: «Es gäbe Dom Perignon»! Auch gut, respektive noch besser und zudem galt hier das Gaul-Maul-Prinzip. Was mich aber nicht davon abhielt, dann aus Durstgründen zuerst ein Bier zu trinken.

Auch musste ich mir nicht überlegen, an welchem der drei möglichen Tischen ich dann eventuell Platz nehmen sollte, denn es existierte bereits eine zwingende Tischordnung. Das war mir dann sehr willkommen, schliesslich will man sich ja als rechnungsbegleichender Gastgeber mit wichtigeren Dingen beschäftigen…

Der Abend begann stimmig und ich verlor den ersten Flight, weil der Gavi besser ankam als mein weisser Domaine de Chevalier. Und er war auch wirklich besser! Wieder einmal mehr ein teurer Bordeaux blanc welcher es nicht brachte.

Dann wären eigentlich die ersten zwei Rotweine gekommen. Und zwar zu der von mir bestellten zweiten, warmen Vorspeise. Ein Blick auf die Menukarte zeigte mir aber an, dass hier noch was (ohne meinen ausdrücklichen Wunsch!) zwischengeschoben wurde. Nämlich eine Suppe. Doch irgendwie schien der Koch das Rezept verloren zu haben, denn die Suppe kam nicht, respektive erst nach einer halben Stunde. Da waren die Weissweingläser gähnend leer und die Rotweingläser voll. Aber nicht mit Wein, sondern mit Luft. Durch die von mir nicht bestellten Suppe verloren wir rund 30 sinn- und weinlose Minuten.

Dann endlich ging es weiter. Ich gewann die erste Abstimmung mit meinem Châteauneuf du Pape gegen den Barolo nur ganz knapp mit 13 zu 12. Nach den Trüffelravioli stimmten wir nochmals ab und irgendjemand wechselte das Lager und da war das Resultat wieder 13 zu 12 – aber jetzt für den Barolo.

Nächster Flight. Leider korkte die Bordeaux-Doppelmagnum minim, aber die Toskaner-Doppelmagnum war dafür absolut genial. Gleichzeitig wurde ein BX-Tischwein aus der Imperial aufgefahren. Das war dann ein mehr als nur ausreichender Trost für den Zapfenbordeaux. Doch die Zeit um die Weine ausreichend anzuschauen war nur kurz, denn die Hauptspeise kam nicht wie angekündigt und so bestellt in 20 Minuten, sondern unverzüglich. Der Hauptgang war genial und nicht geschmort, sondern gebraten. Also war die Vorevaluation eher ein Sturm im Weinglas.

Ich wollte aufstehen und den Gästen mitteilen, dass halt so ein Korkfehler ein ganz normales Risiko im Weinleben wäre und ja ausreichend Trost mit den immer noch sehr gut gefüllten Gläsern vom Tischwein vorhanden war. Vorher ging ich zum Sommelier und sagte ihm, dass er nach unserem Co-Moderationsdisput sofort die nächsten zwei Weine (beide wieder aus Doppelmagnum) einschenken könne. Und überhaupt könnte man jetzt endlich noch einen Zacken zulegen, denn die Uhr zeigte bereits Elf. So rechnete ich mit einem Schluss nach Mitternacht. Und das ist überhaupt nicht mein Stil. Denn dies grenzt an «gastronomische Freiheitsberaubung». Solche Wine & Dines müssen um 23.00 Uhr komplett über die Bühne gelaufen sein. Dann kann man sich, wenn man will, noch ein weiteres Glas gönnen, oder einen Kaffee oder halt wieder ein Bier. Egal was, es geht dabei einfach um den ebenfalls wichtigen «gemütlichen Teil» nach dem «perfekt organisierten Bankett».
Der Sommelier teilte mir aber mit, dass jetzt noch nicht unsere Weine kommen würden, sondern ein anderer. Als Ersatz für den Zapfenwein. Von einem Gast offeriert. Den hätte er jetzt grad dekantiert und würde ihn jetzt bald einsetzen.

Jetzt sah meine Tanninfelle endgültig davonschwimmen. Und rechnete mir aus, dass jetzt ein Wein kommt, ohne jegliches Essen. Dann irgendwann kämen dann wieder «unsere Weine» mit dem Käse. Das zusätzlich eingeschobene Weinsupplement war zwar schon irgendwie grosszügig, aber – zumindest genau in diesem einen Moment – völlig überflüssig und nur zeitraubend. Mit den zwei noch vorgesehen Doppelmagnum und dem restlichen Tischwein waren, eine Stunde vor Mitternacht, noch mehr als 10 Liter Rotwein in der Trinkreserve. Das hätte locker gereicht. Und danach hätte man dann immer noch den zur Zeit ungenügend lang dekantierten Zapfen-Ersatz-Wein genüsslich trinken können.  

Als Organisator fühlte ich mich jetzt endgültig überrumpelt ob so viel spontaner Mithilfe. Bei so viel fremder Eigendynamik braucht es dann wirklich keinen Gabriel mehr! Ich gab forfait und verliess konsterniert und innerlich heftig aufgebracht die fröhliche Weinrunde mit einem «langen Abgang».   

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20 MAL CHÂTEAU MARGAUX (1934 BIS 2001)

Château Margaux besitzt in seiner eigenen Appellation Narrensicherheit. Denn – der Wein ist, zumindest was seinen Rang betrifft, absolut konkurrenzlos.

Fast so nach dem Motto: «Einmal Premier – immer Premier!». Die unglaubliche Qualitätslethargie zu den Zeiten von Ginestet ist heute vergessen. Immerhin ist es jetzt ja schon genau 40 Jahre her, seitdem die Familie Mentzelopoulos dieses schmucke Château seit 1977 auf stetig hohem Niveau wieder ins richtige Rampenlicht gerückt hat.  

In seiner Geschichte erhielt Château Margaux immer wieder Support von berühmten Persönlichkeiten. Seine unsterbliche Lagerfähigkeit dokumentierte der britische Weinautor Michael Broadbent, als er nach 200 Jahren den 1787er Margaux entkorkte und ihm sein Punktemaximum von fünf Sternen verlieh. Mit den löblichen Attributen von «grosser Reichhaltigkeit und Tiefe»…
In Verehrung seines Lieblingsweines, soll die Enkelin von Ernest Hemingway (einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller) den Namen Margaux erhalten haben. Auch am Britischen Königshof gehört der Château Margaux zu den bevorzugten Tropfen, wenn es etwas zu feiern gibt.

Im Rahmen einer Semester-Raritätenprobe trafen sich zwei Dutzend Bordeauxfreunde an einem Aprilsamstagabend im Restaurant Sempacherhof in Sempach-Station (LU).

Nebst 20 Jahrgängen Château Margaux von 1979 bis 2001 wurde zum Aperitif auch ein «weisser Margaux» angestellt. Und der wusste mit seinem 30 Jahren Flaschenreife mehr als nur sehr gut zu gefallen.

MARGAUX FÜR DIE QUEEN

Wir waren mit einer Gruppe zu einem Diner auf Château Margaux eingeladen. Paul Pontallier, der damalige Direktor fragte beim Primeur, welche Weine ich für mir da am Tisch wünschen würde.
Ich war nicht unverschämt und sagte «auf alle Fälle würde ich gerne den 1993er trinken». Er stutzte und meinte, dass dieser Jahrgang nie zelebriert würde und auch er ihn schon lange nicht mehr im Glas gehabt hatte. Am besagten Abend waren alle von diesem «Bordeaux-Burgunder» begeistert. Inklusive Paul.

Kurz darauf kontaktierte der englische Königshof das Weingut und fragte nach einem idealen Wein für den Geburtstag der Queen Elisabeth.

Aufgrund der Erfahrung mit diesem Wein, offerierte man den 1993er und so kam es, dass die Königin von England «Gabriel’s Empfehlung» mit ihren Gästen trank.

1993 Château Margaux: Mittleres Rubin, nur wenig Reife zeigend, deutlich aufhellender Rand. Das Bouquet zeigt ein leicht laubiges, waldig-süsses Bild, wenig Druck, heller Tabak, Spuren von rotem Kapsin von nicht ganz ausgereiftem Traubengut im Hintergrund zeigend. Im Gaumen halbschlank, gut stützende Säure, die Restfrucht liegt im rotbeerigen Bereich (Johannisbeeren und Piemontkirschen), das Finale ist leicht gehalten und bekömmlich. Ein «Margaux-light» mit viel Eleganz und sehr guter Balance. Am besten schmeckt er, wenn er leicht unterkühlt ins Glas kommt. Und man sollte dabei keine grossen Margaux als direkten Vergleich in der Nähe haben. 18/20 austrinken

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WENN DER PINOT EINS AUF DIE NÜSSE BEKOMMT

Den Daniel Twardowski kenne ich von früher. Als Fan von grossen Weinen. Raritäten halt eben. Das er Winzer ist wusste ich (noch) nicht. Dann schickte mir jemand seinen 2013er Pinot Noix. Den fand ich zwar grossartig, aber doch eher streng vinifiziert. Da hat er wohl den Jahrgang überschätzt und am oberen Limit vinifiziert, dachte ich mir. Und stellte den Rest in den Kühlschrank. Am anderen Tag verkostete ich ihn wieder. Da war er schon wesentlich runder. Am zweiten Tag war das mit Gerbstoff verschnürte Paket ein richtiges Genuss-Geschenk. Und aus meinen anfänglichen 17/20 wurden 18/20!

Ich beschriebe den Wein und machte dabei nicht nur bei dessen Einschätzung Fehler, sondern auch bei der genauen Bezeichnung. Ich schrieb nämlich Pinot Noir und wunderte mich über den doof ausgeschriebenen «r» am Schluss. Dass es nicht Noir, sondern eben Noix heisst. Also «Nuss» statt «Schwarz». Die Entstehungsgeschichte stammt nämlich von den Vögeln, welche sich Nüsse picken und dann aus der Höhe fallen lassen, damit diese auf dem Schieferboden im Weinberg aufkrachen.

Nun kam der Neujungwinzer nach Luzern und zeigte seine bisherige Palette…

Der Jahrgang 2011 ist ein gefälliger Schmeichler (17/20). Der 2012 ist nasal recht kommunikativ, zeigt aber im Gaumen, dass er noch etwas Zeit braucht (18/20). Der 2013 ist kompakt, verlangt und macht noch die Faust. Das dürfte der momentan grösste Pinot Noix sein (18/20). Der 2014 strahlt eine aromatische Kühle aus, zeigt sich pfeffrig würzig. Im Gaumen mit gut stützender Säure und toller Länge. Das wird ein beruhigender Klassiker 17/20.

Zusammengefasst ist das ein «Mosel-Burgunder» der aufzeigt, dass er zur deutschen Pinot-Noir-Elite avancieren will. Er verdeutlicht genial die jeweiligen Jahrgangsreflektionen. Was man noch nicht genau justieren kann, ist sein Alterungspotential. Angesichts meines Mehrtagetests dürfte aber hier eine sorglose Garantie vorhanden sein…
  
  
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PRIVILEGIERTE GEDANKEN


Diese Zeilen schreibe ich, ein paar Tage vor meinem 60igsten Geburtstag nieder.

Am Morgen habe ich noch mit Bärti den gewohnten Morgenspaziergang durch den ungewohnt frühlingskalten Eschenbacher Wald gemacht. So eine Stunde. Etwa 6'500 Schritte. Das lüftet das Hirn und formatiert die Gedanken für den neuen Tag...



Es ist ein Privileg 60 Jahre alt zu werden. Vor allem, wenn man auf ein derartig, intensives und faszinierendes Leben zurückblicken kann. Das Privileg zu besitzen gesund zu sein. Das Privileg zu haben in der Schweiz aufwachsen zu dürfen.

Wohlbehütet und sicher. In einer föderalistisch gelebten «Büenzlidemokratie». Was in diesem Falle keine Reklamation, sondern – schon wieder ein Privileg bedeutet.

Nach 60 Jahren blickt man wohl tendenziell erst mal zurück, bevor man in die Zukunft schaut. Ich weiss nicht, ob das so richtig ist, aber ich konnte diesen Zustand unmöglich trainieren. Denn – ich werde das erste und wohl auch das einzige Mal in meinem Leben 60 Jahre alt.

So sehe ich dann – rückblickend – mein bisheriges Leben als eine «Aneinanderreihung ergriffener Chancen».

Ich glaube nämlich nicht an den Spruch «zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein».
Dieser Slogan gilt für mich höchstens, wenn ich auf den Bus oder einen Zug warte.
Das Geheimrezept meines Erfolges ist mit einem Wort zusammenzufassen: «proaktiv».

Nicht warten, bis die Chancen eventuell kommen. Man muss im Vorfeld schon Möglichkeiten kreieren. Je mehr Möglichkeiten man erarbeitet, desto grösser ist die Auswahl. Je mehr Opportunitäten man für sich schafft, desto mehr hat man sich mit einer Selektion, einen zu fällenden Entscheid oder einer möglichen Neuausrichtung umfassend   auseinandergesetzt. Und so hat man dann ein supergutes Gefühl, wenn man sich entscheidet.

Das Wichtigste ist, dass man dabei nicht zum «Hesistator» wird. Das sind Menschen, welche leider meist an Kaderstellen hocken und den Ball so lange wie möglich vor sich herschieben ohne sich zu entschieden. Nach dem Motto: «Wer nichts macht, der macht auch keine Fehler». Wenn diesen «Nichtenscheidern» der Job weggenommen wird, sind diese in der Folge nur noch schwer vermittlungsfähig.

In meinem Leben musste ich mich oft entscheiden. Und nicht immer war es das Optimum. Manchmal hat man schlichtweg auch keine Wahl. Jeder Mensch hat Prüfungen zu bestehen. Jedem droht oder widerfährt mal ein Schicksal. Es gab da auch ganz viele dunkle Stunden in meinen bisherigen Leben. Dank meinem Credo des gelebten, «positiven Egoismus» habe ich diese Situationen immer relativ gut durchstanden.

Dabei kam mir stets mein menschliches Vorbild in den Sinn. Dale Carnegie sagte einmal sinngemäss: «Wenn Du bereit bist den schlimmsten Fall zu akzeptieren, dann ist alles was effektiv kommt eine Verbesserung»!

Doch wirklich schlimm war es selten. Nein – ich schaue heute auf ein wirklich «geiles Leben» zurück. Es war nie die Sucht nach Glück, sondern immer ein streben nach einem hohen Mass an Zufriedenheit.

Mit einer sorgfältig konstruierten Balance zwischen Familie und Freunden. Und einem permanent kontrollierten Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit.

Heute halte ich es wie Arthur Rubinstein und kann mit Fug und Recht behaupten: «Ich bin wohl der glücklichste Mensch dem ich je begegnet bin»!  

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PFAFFL: DER KANN WAS


Winzerbesuch in Stetten. Erst mal eher unscheinbar. Nettes Verkaufslokal. Über der Strasse die «Winery». Bei jeder Türöffnung wird das Ding grösser und gigantischer.

So wie im Kastensystem angebaut. Und proppenvoll. Da werden mittlerweile mehr als eine Million produziert und abgefüllt.

Praktisch von 0.7 Hektar auf 100 – so das Motto! In kurzer Zeit. Gewachsen durch den Erfolg einhergehend mit der Beliebtheit der Weine.

Dann zeigt Roman Josef seine Weine. Durchs Band gelungen. Ein lückenloses Qualitätsmanagement dokumentierend. Und bei den gängigen Weinen hat man bei jedem Schluck das Gefühl, dass man mehr Wein fürs Geld bekommt als man dafür zahlen muss.

Der meist unterschätzte im eigenen Haus ist der Grüner Veltliner Hundsleiten. Die DAC-Reserve zu 14.50 muss man haben. Der bekommt bei mir 18/20. Und nicht gleich alles trinken – der hält lange und entwickelt sich.  Noch etwas suchen muss sich der Jungwinzer beim Reserve Riesling Passion. Der ist mal etwas strohig, dann darauf leicht Restsüss. Aber auf alle Fälle ist er anders als viele andere Rieslinge. Auch ein mögliches Verkaufsargument.

Zu den schmackhaften Brötchen, welche auf dem Tisch nach der Probe stehen, gönne ich mir ein Glas vom bereits gefüllten 2016er Zweigelt Sandsteins (8.70). Und noch eines! Selten hat mir ein noch zu junger Wein so viel Spass bereitet.

Pfafflweine, das sind garantierte Wertgenusskäufe!

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AUSTRIA-CABERNET-FRANC


Wir sind in Österreich. Redet man von Rotweinsorten, so sind der Blaufränkisch und der Zweigelt klar im Popularitäts-Lead. Auch andere internationale Sorten werden angebaut, gefördert und proklamiert. Der Cabernet Franc führ da ein Bonsai-Schattendasein. Man schätzt die Anbaufläche insgesamt auf etwa 56 Hektar. Das wären dann etwa mickrige 0.1 %.


Der lauteste Cabernet Franc kommt aus Deutschkreutz aus dem Hause Kirnbauer. Er heisst dort Konquest und ist ein massives Konzentrat mit beachtlichem Alterungspotential. Ebenfalls in Deutschkreuz macht Gager mehrere Cabernet Francs. Zwei in Ungarn und einen im Burgenland. Bründlmayer in Langenlois produziert ab und zu den «Vincent» – auch einen reinsortigen, aromatischen Cabernet Franc. Ein grossartiger Charmeur. Feiler-Artinger füllt manchmal seinen kleinen Cabernet-Franc-Anteil ebenfalls reinsortig aus. So beispielsweise im Jahr 2010.

Und nun an den Neusiedlersee. In Schützen am Gebirge gibt es zwei Wein-Stephans. Den Senior (verantwortlich für die Weinberge) und den Junior (verantwortlich im Keller). Im Weingut Zehetbauer werden alle gängigen Weine der Region produziert. Und… Cabernet Franc. So um die 5'000 Flaschen auf bald 2.5 Hektar.

Dort durften wir vier Jahrgänge verkosten. Erstaunlich war der – zugegeben etwas überreife – 1994er. Von heller, rostiger Farbe und durch seine Balance erhalten, leicht malzig-süss im fraglien Finale. War damals von ganz jungen Reben.

Am Ende seiner Genussreife; der 1999er. Eher bescheiden in der Nase, dann im Gaumen mit einer milden Fülle, bekömmlich und würzig aufwartend. 16/20 austrinken

Just auf dem Peak; der 2008er. Mittleres Granat. Feine Mineralik in der Nase, dunkles Rosenholz, zwar duftend und ausladend mit einem Anklang von Dörrpflaumen. Im Gaumen samtig mit Charme. Harmonie und Bekömmlichkeit in Einem. 17/20 trinken

2014 Cabernet Franc Weingut St. Zehetbauer: Mitteldunkles Rubin-Granat. Schlank im Ansatz, schön floral und eine gewisse Tiefe anzeigend. Im zweiten Ansatz, dunkle Pflaumen, Tabak, schwarze Pfefferkörnern. Wunderbare Aromatik mit feiner Tannin- und Säurestütze. Kein lauter Rotwein, sondern einer mit Konversationspotential, wenn man sich Zeit nimmt. 17/20 trinken

Während der Cabernet Franc (zusammen mit dem bekömmlichen Merlot Sinner) die Kür des Betriebes darstellt, zeigen sich die Top-Qualitäten bei den Blaufränkisch. Hier geht es mit dem Leithaberg DAV und dem Ried Steinberg in die vollen. Die Zehetbauers warten immer etwas ab mit dem Verkauf der jungen Jahrgänge. Das kostet den Winzer Geduld und Geld. Zum Vorteil der Reifweingeniesser…    www.zehetbauerwein.at   

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DER GROSSE MAGNUMBERICHT IST ONLINE

Letzten Samstag. Raritätenverkostung von Jürg Richter auf der Farnsburg. Weine von 1925 bis 1971 und alle in Magnumflaschen.




Einige Höhepunkte: ...
1929 Beychevelle / 1929 Domaine de Chevalier / 1945 Gruaud-Larose / 1948 La Mission Haut-Brion
1953 Haut-Brion / 1955 Lynch-Bages / 1961 La Mission Haut-Brion / 1971 Coutet Cuvée Madame

Die 9-Seiten-Story: www.bxtotal.com

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LA MISSION: GRAND PREMIER CRU?

Auf dem 1948er Etikett steht es ganz deutlich «Grand Premier Cru». Und das war damals auch (noch) legitim.

Als das offizielle Graves-Klassement 1953 eingeführt wurde, musste er sich dann nur noch mit «Cru classé» begnügen.

Kenner wissen aber, dass der Mission nicht selten die Qualität eines Premiers aufweist.


1948 La Mission Haut-Brion: Magnum. Sehr dunkel, in der Mitte gar schwarze Reflexe. Das Bouquet kommt unheimlich frisch daher, vor allem durch seine Minz- und Bergkräutertöne, dann malzig werdend, Ratafianoten, Avernatouch, Fernet-Branca, frisch zerdrückter Szechuanpfeffer, Zedern, dann Rauch und Karbonileum, was die Mineralik unterzeichnet. Im Gaumen schlank, respektive maximal mittleren Körper zeigend. Eine feine, aber durchaus noble Bitternote geht vom sehr konzentriert, schier essenzartigen Extrakt aus. Die Gerbstoffe wirken am Gaumenrand sanft adstringierend und geben dem maskulinen Zungenfluss eine gerbige, dezent aufrauhende Note. Eine eindrückliche gigantische, hyperrare Magnumflasche. 19/20 austrinken  

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AUSSERIRDISCHER 1946ER

Ein schwer erklärbarer Wein! Das Weingut Toro Albalá liegt in der Ortschaft Aguilar de la Frontera. Das liegt im Süden von Spanien in der Provinz Cordoba (Region Andalusien). Dort führt Antonio Sanchez Romera heute das 1922 gegründete Familienweingut. Im Fasstresor schlummern noch viele alte Jahrgänge und warten auf die Lancierung.
Die Pedro-Ximenez-Trauben werden vor dem Vergären an der Sonne angetrocknet. Von diesem legendären 1946er wurden im Jahr 2011 825 Flaschen gefüllt. Also gut 65 Jahre nach der Ernte! Und dieser «ausserrirdische 1946er ist sogar im Markt noch zu finden, so ab CHF 240.    

1946 Don PX Convento Seleccion, Toro Albalá: Magnum. Schwarz-Braun, völlig undurchsichtig. Das Bouquet ist unglaublich, erschlagend, nicht einzuordnen und vermittelt eine unvergleichliche Aromen-Dimension. Jasminblüten, Veilchen, wirkt so eher verspielt zu Beginn. Dann Cassis, Malagarosinen, dann deutlich Bergamotte mit Tee vermischt (Earl-Grey). Man spürt die volle Süsse, aber diese wirkt von hinten stützend, dann kommen Dörrpflaumen ins Spiel und eine Mischung zwischen grossem Vintage-Port und Malmsey-Madeira. Die breit angelegten Schichten sind wie vertausendfacht und zeigen ausufernde Facetten. Wenn man meinte, schon alle Weltklassesüssweine gekannt zu haben, so kommt das Bouquet dieses Don PX wie eine ausserirdische Wein-Rakete aus dem Weltall ins Glas, respektive in die Nase. Im Gaumen zum Durchdrehen! Satt, dicht, wie ein Superelixier. Eingedickter Birnensaft, gehackte dunkle Rosinen, Feigensirup. Keine extreme Übersüsse zeigend und doch ein unglaubliches Konzentrat. Man hat das Gefühl, dass es diesem Winzer gelang eine Doppelmagnum in diese Magnum zu füllen. Ein neuer Stern an einem alten Süssweinhimmel. Eine kleine Ration reicht aus, um eine überdimensioniertes Glücksgefühl zu kolportieren. 20/20 trinken   

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DEM HIMMEL SO NAH

Bereits vor der Abfahrt studierte ich darüber nach, welche Weine ich für unseren langen Abend mitnehmen könnte. Die Gemeinde Juf ist mit 2126 Metern über Meer das höchstgelegene, ständig bewohnte Dorf in ganz Europa.

Da kam mir die glorreiche Idee, «heilige Weine» mitzunehmen, da wir ja dem Himmel dort besonders nah sein werden.

Den hochreifen Dominus 1991 und den allerersten Jahrgang vom Hosanna 1999. Der ist immer noch sehr gut in Schuss und eine kleinere Jahrgangssensation.

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MORGENKAFFEE!

Die Tasse vorwärmen. Dann eine normale Ration Kaffee. Dann etwas Milch und dann noch eine Espresso-Ration.

Keine Kapseln!!! Apropos Kapseln. Grad in der heutigen Tageszeitung habe ich gelesen, dass Starbucks jetzt neu auch Kapseln lanciert. Und zufälligerweise passen diese Dinger ganz genau in eine herkömmliche Nespresso-Maschine. Genauso wie die just lancierten Mövenpickkapseln. Und alle anderen Nespresso-kompatiblen Hülsen von allen wichtigen Discountern. Das ist ein echter Fortschritt in der Menschheit! Statt alle möglichen Kaffeebohnen in eine ganz normale Kaffeemaschine zu füllen, kauft man Kapseln welche ganz genau und nur in eine Nespresso-Maschine passen. Dümmer geht nicht!!!

Wissen Sie eigentlich was ein Kilogramm geröstete Kaffeebohnen kostet?  

Discounter haben auch schon welchen unter fünf Franken in Superaktionen angeboten. Wir bezahlen für unsere Edloradomischung von Rast etwa 15 Franken. Man braucht für sehr einen guten Kaffee etwa 10 Gramm Bohnen. Macht einen Warenwert von maximal 15 Rappen aus. Die neuen Starbuckskapseln kosten um 45 Rappen. Die originellen, pardon originalen Nespressobüchslein sind um die 50 Rappen zu haben. Das ist in jedem Fall das Dreifache von einem selbst gemachten Kaffee.
Nun denn, mein Kaffee duftet herrlich und schmeckt auch grossartig. So eine milde Fülle hat er. Und auch eine sehr intensive Aromatik.

Abschliessende Frage. Würden Sie einem Milliardär Geld schenken? Ganz sicher nicht. Aber beim Kaffee macht man das ja gerne. Ist ja auch für einen guten Zweck. Mit jedem Nespresso-Kapselkauf unterstützt man ja schliesslich die Nestlé. Das ist jener Konzern der unten Wasser gräbt, derweil oben ganze Völker verdursten!  

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1990 HERMITAGE LA CHAPELLE

So bekannt wie der Hermitage La Chapelle auch ist, so wenig wirklich ganz grosse Jahrgänge gibt es. Und die ganz grossen «Millesimes» ragen denn auch aus der langen Hermitage-Geschichte wie überproportionelle Ikonen heraus. So auch der legendäre 1990er. Den gab es aus der Magnum bei einer Einladung bei Patrik in Rolle. Normalerweise schraube ich ja meine Erwartungen immer runter, damit ein möglicher Enttäuschungsfaktor reduziert wird. Doch diesen absolut raren, heroischen Jaboulet-Gigant das erste Mal in meinem langen Weinleben aus der Magnum trinken zu dürfen, hielt meine Erwartungen beileibe nicht in Grenzen.

Die Farbe schwarz. Die Nase dumpf. Dumpf? Ja – nicht ganz sauber. Ganz leicht zapfig? Oder mineralisch? Nein, das konnte nicht das sein, was es sein musste oder wie es sein müsste. Der Gastgeber fackelte nicht lange, ging in seinen wohl dotierten Keller und kam mit Ersatz. Nicht mit irgendeinem Ersatz, sondern nochmals mit einer 1990er Magnum Hermitage la Chapelle. Wahnsinn!!! Ich zitterte, als ich ihn zum zweiten Mal vor mir im Gabriel-Gold-Glas hatte. Die Farbe war identisch zum Erstkontakt. Also Schwarz! Die Nase geballt, eine Minute lang reduktiv, dann barock, erst die Tiefe zeigend in Form von Asphalt und mineralischen Roherdölschimmer, dann mit schwarzen Trüffel aufwartend und weiter zu Bakelit, Karbonileum und schliesslich und Korinthen und Backpflaumen mutierend. In eine solch unerfindlichen Tiefe habe ich bisher nur die ganz grossen Latours erlebt. Im Gaumen immer noch umfassend und verlangend adstringierend. Der Körper ist mächtig mit einer extrem seltenen, köperumfassenden Syrah-Dramaturgie bestrückt. Das Finale unvergesslich. Das ausufernde Privileg diesen Wein geniessen zu dürfen bestand auch darin, das Glas nach dem ersten Probeschluck noch zwei Mal nachfüllen zu dürfen. Wir genossen diesen Wein in demütigem Kreis über fast zwei Stunden. Besonders aus dieser extrem raren (zweiten) Magnumflasche. 20/20    

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GROSSER UNTERSCHIED

Es muss nicht immer ein Grand Cru sein. Denn - der Les Pucelles von Leflaive ist oft ein echter Geheimtipp und steht den wesentlich teureren «richtigen Montrâchets» wenig nach. In dem heissen Jahr 2009 ist die Differenz aber unglaublich markant...

Während der Les Pucelles, fett und mit eher wenig Spannung daher kommt, ist der Chevalier-Montrachet zwar auch mit üppigem Reichtum und dafür mit einer ausgleichenden, unvergleichlichen Mineralik ausgestattet. So ein richtiger Rubens-Burgunder!

Eigentlich sollte man ja auch solch unterschiedlich klassifizierte weisse Burgunder auch gar nicht vergleichen, sondern einfach separat trinken und geniessen. Ohne nörgelnde Kritik.

Das haben wir dann auch gemacht. Zuerst den Les Pucelles und dann den Chevalier-Montrachet.



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25 JAHRE IN DER FLASCHE:

1992 KALIFORNIEN


Nach den ersten drei Weinen dachte ich mir, dass das zwar ein sehr guter, aber doch eher etwas leicht gehaltener Jahrgang sei.

Dann kam der Marthas und zerschmetterte meine globale Theorie. Oder ist das die berühmte Ausnahme jeder Regel?








1992 Cabernet Sauvignon Alexander Valley, Silver Oaks: Saufig wie ein etwas verdünnter Pichon-Lalande. Immer noch Fruchtresten zeigend und wohl durch seine leicht dominierende Säure erhalten. Das ist ja die etwas günstiger Silver-Oak-Variante, somit war dies nach 25 Jahren mehr als nur ein Achtungserfolg. 17/20   

1992 Monte Bello, Ridge: Ein Tick dichter, mehr nach Bordeaux duftend. Noch absolut frisch und sehr direkt und somit gradlinig daherkommend. Mit tollen, dunkelbeerigen Aromen aufwartend und mit einem Hauch von Lakritze und Korinthen endend. Wie immer auf mehr Eleganz setzend. Für jene, die es noch nicht wissen. Das ist kein Napa, sondern Sana Cruz Mountains! 18/20

1992 Cabernet Sauvignon Hillside Select, Shafer: Klares Napa-Bouquet, schwarze Schoko, Pflaumen, eine sehr, sehr reife Frucht zeigend und so mit einem ganz minimen Amaronetouch daherkommend im ausladenden Nasenbild. Im Gaumen süss und weich mit einem satten, noch schwarzbeerigen Extrakt. Sein Grundgeschmack ist begeisternd und vor allem mehrheitsfähig. 18/20     

1992 Cabernet Sauvignon Marthas Vineyard, Heitz: Die dunkelste Farbe aller vier Weine. Das Bouquet kompakt, tief, schwarzwürzig und sich nur langsam entwickelnd. Wirkt unglaublich jung für seine 25 Jahre und zeigt nasal an, dass er eigentlich dekantiert werden will. Im Gaumen satt, fleischig, extrem konzentriert ohne überladen zu sein. Auf jeden Fall – von der Adstringenz her – noch verlangend. Das war der letzte Jahrgang des «alten Heitz-Testaments». Danach wurden die Reben infolge Reblaus ausgerissen und der erste neue Marthas war dann der ebenfalls begeisternde 1997er! Die Wertung für diesen sagenhaften und vielleicht in der Szene unterschätzten 1992er: 19/20   

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1929 CORCOL: MEIN ÄLTESTER MONTRACHET



Patrick brachte die Flasche mit. Einfach so. Aus weiniger Neugier und Flaschenteillust. Er entkorkte das Teil und schenkte uns die braune Flüssigkeit blind ein. Will heissen; wir wussten nicht was da kommen sollte, respektive, was es war. Wichtig ist dabei nicht das erraten, sondern das bewusst erleben.

Da die Flasche keinen optimalen Füllstand hatte, war noch ein gewisser Risikofaktor mit geliefert wurden.   

Nun hin zum braunen Ding! Die Nase war feucht-laubig. Und da gibt es bereits zwei verschiedene Ausgangslagen. Das Herbstlaub ist frisch, das Frühlingslaub schon etwas welk, respektive morbide. Die ersten Laubaromen passten sich der Saison an. Draussen war Frühling. Aus der ersten Abweisung erholte sich der Wein etwas an der Luft. Das ist die Stinklufttheorie. Will heissen; ein alter Wein hat oben zwischen dem Wein und dem Korken Luft. Und diese Luft kann nicht atmen, erstickt und fängt an zu stinken. So fast wie altes Blumenwasser. Giesst man den Wein ins Glas kommt diese stinkige Luft mit. Also muss man warten bis diese absorbiert ist. Mit Dekantieren bringt man es noch schneller hin. Die nasalen Eindrücke schwankten zwischen ranzig, altem Sherry, Curcuma, hellen Rosinen, Ratafia, alten Mandeln, Lorbeer, nasser Birkenrinde, getrocknetem Lorbeerblatt und Brottrunk. Im Gaumen recht geschmeidig, weiche Säure und elegant. Schön mit einer gewissen Agonie belastet aber man spürt trotzdem förmlich die ehemalige Grösse. Die Frage nach dem effektivem Trinkspass sei erlaubt. Muss aber nicht beantwortet werden. Meine Frau probierte den Wein und entschied sich überspontan, sofort wieder nach dem jungen Te Koko (Edel-Sauvignon-Blanc von Cloudy Bay) zu greifen. Wir drei Männer tranken den Wein brav aus zur Vorspeise. Es gab Randencarpaccio mit einer weissen Sauce welche mit frischem Meerrettich, Schabziger und Schnittlauch gewürzt war. Das Ganze oben drauf noch mit gerösteten Pinienkernen garniert. Da passte dieser Montrachet-Methusalem noch ganz gut dazu. Ehre wem Ehre gebührt…

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BESUCH BEIM FLASCHEN SEPP


Spannendes Museum in Willisau:

http://www.flaschenmuseum.ch








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Irgendwie muss man ja die Enthaltsamkeit kompensieren!















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WEINFREUNDE: PART I




Die Netzausbeute beim Surfen nach dem Begriff «Weinfreunde» ist ziemlich mager. Lediglich 230'000 Treffer lieferte Google, als ich diese Wortkomposition eingab. Hätte ich nur «Wein» eingegeben, wäre das Resultat
auf sagenhafte 68 Millionen Angaben hochgeschnellt. Und das Wort «Freunde» hätte gar 148 Millionen Treffer generiert.

Auf die Schweiz bezogen, findet man mit «Weinfreunde» praktisch nur als regionale Vereinigungen. So wie Berner Weinfreunde, Weinfreunde Engadin, Weinfreunde Baden, Weinfreunde Oberes Fricktal, Freiämter Weinfreunde, Weinfreunde Thunersee. Alle in Vereinsform und mehr oder weniger aktiv. Die Weinfreunde Chressenberg haben sich gemäss deren Webseite im Jahr 2016 aufgelöst.

Und eine neue Vereinigung mit dem Titel «Weinfreunde» hat sich im selben Jahr konstituiert. Es war beileibe keine sogenannte Schnapsidee, denn Schnaps war keiner im Bus. Auch kein Wein. Wir sassen mit einer Reisegruppe im Bus in Südafrika, bereit ein weiteres Weingut zu besuchen.
Irgendwann kam das Gespräch in Richtung «aktuelles Alter» und «Weinvorräte im eigenen Keller». Und jeder der Mitdiskutierenden schien da ein ähnliches Problem zu haben.

Ein weiteres «Problem» schien der Umstand zu sein, dass man irgendwie nicht ganz genau wusste, mit wem man seine besten Flaschen geniessen sollte. Spontan kam die Idee einer «überregionalen Vereinigung» mit dem Sinn und Zweck, diesem önologischen Mengenübel Abhilfe schaffen zu können.

Nach dem Rückflug von Kapstadt, konkretisierte ich die Idee und entwarf Rahmenbedingungen. Nicht zu viele «Mitglieder», ein bis zwei Treffs pro Jahr.

Einer spielt Gastgeber und lädt die anderen ein. Die Idee wurde sehr positiv aufgenommen und ein Datum «gedoodelt».

Mitte März 2017 war dann das erste Treffen in der Region Luzern. Ich kann nur sagen; dieses System ist zur Nachahmung empfohlen. Der 10-Seiten-Gabriel-Bericht ist/wäre auf www.bxtotal.com

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ZWEI ABSOLUT GENIALE 1974ER

1974 Cabernet Sauvignon Marthas Vineyard, Napa Valley, Heitz Cellar:
Dunkel, satt in der Mitte, am Rand zeigt er seine Reife. Das Bouquet ist einzigartig, dramatisch, unvergleichlich. Viel Minze, helles Malz, Eucalyptus, Perubalm, süss, tief und immer wieder; unvergleichlich! Im zweiten Ansatz Kampfernoten, Backpflaumen, zeigt eine dramatische, warme, zulegende Cabernetsüsse welche schier in Likörige dreht. Nach zwanzig Minuten wie Kräuterlikör (Appenzeller). Er legt an der Luft permanent zu, wirkt immer süsser und kompensiert das gleichzeitig parallel mit Würze. Im füllig-reichen Gaumen samtig, elegant und doch mit unerhört viel Druck, die Aromen wiederholen und überschlagen sich, das Finale ist bewegend. Er zeigt eine extrem hohe Reife und doch reflektiert er immer noch seinen legendenhaften Status. 20/20 austrinken

1974 Penfolds Grange, Bin 95: Gereiftes, dunkles Weinrot, etwas matt und am Rand auch seine verdiente Reife farblich andeutend. Das extrem würzige, schier überbordende Bouquet zeigt Zimt, noch etwas Cassis, wilden Rosmarin, Kiefer, feine Harznoten, schwitzendes Leder, frisch zerdrückter Szechuanpfeffer. So unerhört intensiv, dass man von «zu Kopf steigend» artikulieren kann. Braucht Luft (ich hätte ihn länger dekantieren sollen). Er zeigt dabei eine dezent erdige Note, welche dann glücklicherweise mit Sommertrüffel, Dörrpflaumen und Moschusnoten ergänzt wird. Im Gaumen nicht überladen, von mittlerer Statur und dabei mit Aromen nur so um sich werfend, das Finale ist minutenlang und vermittelt im Nachklang noch feine Muskeln und Reserven. Ein brachialer, luftschnappender, artisanaler Australier. Der Grange war Jahrzehntelang der einzige Australien-Red, welcher für diesen Kontinent den späteren Ruhm aufbaute. So zeugen denn nicht wenige legendäre, alte Granges von dieser unerreichten Shiraz-Story. Und dieser gehört zu den Grange-Ikonen. 20/20 austrinken

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ARGENTINIEN-LEGENDE

Wer im Jahr 1977 geboren ist und einen sehr guten Wein aus seinem Jahrgang geniessen will, muss das Bordelais meiden und ausweichen auf Kalifornien oder Vintage Port.

Oder allenfalls auf Château Musar (Libanon). Den entkorkten wir zwar an diesem Abend, aber leider «zapfte» er fürchterlich. Das wäre ein spannendes 1977er Blind-Duo gewesen.

1977 Malbec Estrella, Weinert: Unglaublich dunkle, noch jugendliche Farbe, eine sehr dichte Mitte vermittelnd. Das Bouquet zeigt Black-Currantnoten, Cassisspuren, schwarze Schokolade, Wildleder, Moos, schwarzes Pfeffermehl und dunkles Malz. Im Gaumen samtig, fleischig, veloursartige Textur, zarte Kräuternuancen, viel Lakritze im Extrakt, gebündeltes, extrem langes Finale. Ein zeitloser Klassiker welcher aufzeigt, was Argentinien auf zwei Arten kann: a.) besonders alterungsfähige Malbec’s zu produzieren. Und b.) solche Malbec’s welche dann Finessen und Power aufweisen. 20/20 trinken

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1937 Château d'Yquem, Sauternes: Reifes, dunkles schier bräunliches Ocker mit orangem Rand. Das Bouquet zeigt viel Dörrfrüchte, Feigen in getrockneter Form, Sultaninen, weisse Schokolade, dunkles Caramel, Ginster, weisser Pfeffer, gerösteter Sesam, zart vielschichtig, verspielt und stetig an nasalem Druck zulegend. Alles ist da extrem vielschichtig, die erschlagende Süsse wird mit einer perforierten Botrytis ausgeglichen. Im dritten Ansatz; getrocknete Mandarinenschalen und Cointreau. Im Gaumen wiederholen und überaschlagen sich die nasalen Aromen nochmals. Ein regelrechter Cocktail von diversen getrockneten Weinbeeren rauscht an einem vorüber. Das Finale ist dann wahrlich likörhaft und doch ist die Süsse nicht aufdringlich, sondern strahlt royal aus. Es gehört zu den grössten Privilegien eines Weinkenners, von diesem Wein einmal im Leben trinken zu dürfen. Demütige Ehrfurcht zollend! 20/20 trinken / Getrunken im Baachus Hildsirieden mit Freunden.

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KEIN EKLEKTISCHES ELIXIR

Ekletisch hätte eigentlich eine eher abwertende Bedeutung, weil der Begriff im Prinzip mit «unschöpferisch, imitierend und nachahmend» definiert wird. Deshalb trifft dies für den nun folgenden Wein absolut nicht zu.

Und – warum der Schöpfer dieses Weines seinen Wein mit Elixier (hoch Zwei) definiert, ist mir auch nicht ganz so klar. Denn Elixir (ohne e vor dem r) wäre per Definition ein «Wein oder Alkohol gelöster Auszug aus Heilpflanzen mit verschiedenen Zusätzen».




Ist dieser Erstlingswein einmal im Glas, erklärt er sich dann glücklicherweise ganz schnell von selbst. Und diese sehr anspruchsvolle Cuvée hat Interesse, sich bei den Schweizer Spitzenrotweinen gleich von Beginn weg auf hohem Niveau zu etablieren. Untern den Blends ist er dann gar ein Sparringpartner bei der Top-Elite!  
  
Und am Besten informiert man sich gleich direkt beim Schöpfer dieses Projektes. Hinter www.weinschroeter.ch steht nämlich der Sommelier Andreas Schröter, der seinen Weinbusiness in der Gastronomie, aber auch in eigener Sache betreibt. Er hat aus dem grossen Fundus von der Domaine Vins de Chevaliers aus Lagen der Gemeinden Leuk / Valens und Salgesch einen genialen Blend kreiert, welcher aus 40 % Syrah, 40 % Merlot und 20 % Cornalin besteht. Ausgebaut wurde er rund 20 Monate in 50 % neuen und in 50 % gebrauchen 300-Liter Eichenfässern. Die stammen aus Europa, aber auch spannenderweise aus Amerika.

«Ein Wein der alles andere als Mainstrem sein soll», so das Credo der Webseite. Und weiter: «Keineswegs ein erschlagender Kraftprotz, sondern vielmehr ein filigraner Essenbegleiter mit Charakter, Struktur und komplexer Aromatik». Und was jetzt möglicherweise auf den ersten Blick eher marktschreierisch rüberkommt, stimmt von A bis Z, wenn man diesen «Elixir» im Glas hat.

2014 Elixir² Cuvée Grande Réserve, Création Andreas Schröter: (CHF 48). Syrah, Merlot, Cornalin. Produktion: 3'000 Flaschen. Sehr dunkles Rubin mit lila Schimmer. Beginnt mit einem wunderbar aromatischen, sehr würzigen, sanft rauchigen Bouquet, ergänzt mit viel Lakritze, schwarzen Johannisbeeren, Gaba-Tabletten und frisch zerdrückten, tasmanischen Pfefferkörnern. Er gibt sich erstaunlich zugänglich und lädt weit aus. Das zweite Nasenbild zeigt eine ganz minime unterkühlte Note, was ihm auch gleichzeitig viel Frische verleiht. Im dritten Ansatz dreht die Aromatik in noble dunkle, schwarze Schokolade. Im Gaumen samtig, wunderbar schmeichelnde, verloursartige Gerbstoffe, die Adstringenz ist absolut harmonisch und der Wein wird von einem erhabenen, anhaltenden Finale begleitet. Nur auf der Zunge wird mit einem ganz feinen Korn das weitere Potential angedeutet. Das Alterungspotential ist schwer einzuschätzen, aber in dieser Phase, bereitet dieser, spannende Walliser-Blend bereits unheimlich viel Freude und zeigt dabei auch eine bemerkenswerte Grösse. Ein absolut gelungenes Debut. Ein Spitzenwein, der auch in einer gewissen Menge daherkommt. Und genau das ist die Kunst: Nicht einfach nur eine Super-Super-Cuvée von ein paar hundert Flaschen zu selektionieren, sondern gleich ein paar tausend Flaschen auf diesem Niveau in die Flaschen zu füllen. Vom Geschmack her ist er als Walliser nicht erkennbar. Muss er auch ganz und gar nicht mit dieser Rebsortenkomposition. Ein spontanes Gabriel-Bravo! Hoch Zwei! 18/20

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WIE ZELEBRIEREN SIE DIE BESTE FLASCHE AUS IHREM KELLER?

Sie haben zu Hause eine ganz besondere Flasche. Eine die wesentlich teurer ist als alle anderen. Eine die sehr gesucht ist. Eine, die aus einem ganz grossen Jahrgang stammt. Eine Flasche die von namhaften Degustatoren hoch bewertet wurde. Eine Flasche, die man bald geniessen sollte, will man deren besten Zeitpunkt nicht verpassen!

Sie überlegen sich schon ziemlich lange, wie man eine solche Flasche zelebrieren soll und mit wem und wann. Und irgendwann kommt der grosse Tag. Alles ist bis ins Detail geplant. Der Wein duftet herrlich beim Dekantieren. Dem Gastgeber fällt in diesem glückseligen Augenblick ein zentnerschwerer Stein vom Herzen. Nun haben Sie zwei Möglichkeiten diesen Wein mit den Gästen zu Zelebrieren:

Variante A: Sie erzählen Ihre persönliche Geschichte zu dieser besonderen Flasche, zeigen diese her und sagen ganz genau was es ist, Jahrgang und Bezeichnung des Weingutes. Sie setzten so eine gewisse, nicht übertriebene Erwartungshaltung die der Wein locker erfüllen kann. Gelingt das dem edlen Tropfen ist der Genuss grenzenlos. Alle werden sich diesen Wein in liebevoller Erinnerung behalten und es wird über längere Zeit am Tisch über diese grossartige Flasche gesprochen. Der Gastgeber gewinnt an Sympathie und erneuert so ihm wichtige Freundschaften.  

Variante B: Sie machen eine spannende Blindprobe und setzten ein paar Kandidaten dagegen. Schliesslich wird es dem hoch bewerteten, teuren Wein sicherlich gelingen, alle anderen Konkurrenten in den Schatten zu stellen. Die Leute haben keine Ahnung was sich in den Gläsern befindet und dürfen nach Ihren persönlichen Vorlieben bewerten. Nun mögen viele Geniesser zwar reife Weine, aber bei verdeckten Proben gewinnen in der Regel die bombigen, jüngeren Weine. Sie können sich den Ausgang bei diesem System schon irgendwie ausrechnen. Der Star des Abends geht sang und klanglos unter. Der Gastgeber ist enttäuscht die Gäste sind heimlich frustriert, weil Sie die Ikone nicht erkannt haben.       

Es braucht um eine besondere Flasche zu Zelebrieren kein Affentheater, aber halt doch ein gewisses, nicht übertriebenes Szenario. Sie glauben mir nicht? Folgende Geschichte, die meine These stützt, wurde mir kürzlich zugetragen…

An einer U-Bahnhaltestelle in Washington DC, spielte ein Mann an einem kalten Januar Morgen für 45 Minuten, auf seiner Violine sechs Stücke von Bach.

Während dieser Zeit benutzten ca. 2000 Menschen diese Haltestelle, die meisten auf dem Weg zur Arbeit. Nach etwa 3 Minuten bemerkte ein Passant die Musik.
Für ein paar Sekunden verlangsamte er seine Schritte, um dann schnell wieder seinen Weg zur Arbeit fortzusetzen.

4 Minuten später: Der Geiger erhält seinen ersten Dollar. Eine Frau wirft ihm einen Dollar in den Hut ohne ihr Tempo zu verringern.

6 Minuten später: Ein junger Mann lehnt sich gegen die Wand um zuzuhören. Dann blickt er auf seine Uhr und setzt seinen Weg fort.

10 Minuten später: Ein etwa 3jähriger Junge bleibt stehen, aber seine Mutter zieht ihn fort. Das Kind bleibt erneut stehen, um dem Musiker zuzusehen, aber seine Mutter treibt ihn an und das Kind geht weiter.

Mehrere andere Kinder verhalten sich ebenso. Aber alle Eltern, ohne Ausnahme, 
drängen ihre Kinder zum schnellen Weitergehen.

Nach 45 Minuten: Der Musiker spielt ohne abzusetzen. Nur 6 Menschen insgesamt blieben stehen und hören für kurze Zeit zu. Zirka 20 Personen gaben ihm Geld und gingen aber in ihrer normalen Geschwindigkeit weiter. Die Gesamteinnahmen des Mannes sind 32 Dollar.

Nach einer Stunde: Der Musiker beendet seine Darbietung und es wird still.
Niemand nimmt Notiz und niemand applaudiert. Es gibt keine Anerkennung.

Niemand wusste es, aber der Violinist war Joshua Bell, einer der größten Musiker der Welt!
Er spielte eines der komplexesten und schwierigsten Musikstücke, die je geschrieben wurden auf einer Violine im Wert von 3,5 Millionen Dollar!

Zwei Tage zuvor spielte Joshua Bell vor ausverkauftem Haus in Boston das gleiche Stück,
zu einem Durchschnittspreis von 100 Dollar pro Platz.

Dies ist eine wahre Geschichte. Joshua Bell spielte inkognito in der Untergrundstation.
Auftraggeber dieses sozialen Experimentes über Wahrnehmung, Geschmack und Prioritäten war die Washington Post.

Wählen Sie Variante A!

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DIE ZAHL DES TAGES: € 2.19


Genau so viel Geld gaben die deutschen Weintrinker (ich finde das Wort Weingeniesser hier eher unpassend) im Schnitt im Jahr 2016 für eine 0.75 Liter Weinflasche aus.


Das stimmt denn auch in den Relationen zum Benzinpreis! Denn diesen gibt es im Offenausschank. Also muss der Spritzulieferer keine Reben pflegen, die Trauben nicht vergären lassen, keine Flaschen und Korken kaufen und auch keine Etiketten drucken und Kartons produzieren lassen.

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DEUTSCHER PINOT-QUERAUFSTEIGER?

Das ist eine Wortverbindung! Ein Blend aus Quereinsteiger und Aufsteiger. Will erklärenderweise heissen; da steigt ein mutiger Hobbywinzer (Daniel Twardowski) neu in die deutsche Pinotszene ein.
Und steigt gleichzeitig da schon beim ersten Launch möglicherweise auf. In einen Pinot-Markt, bei dem alles möglich ist. Beim sehr guten Pinot Noir (und da gehört dieser Wein dazu) gibt es alles – ausser billig. Der unten folgende 2013er wird bei Weinart für 69 Euro angeboten. Doch beim direkten Preisvergleich helfen als Support immer momentan noch die drei Marketingzusätze: «rar», «first vintage» und «local hero»!  

2013 Pinot Noir Ardoise, Mosel, Daniel Twardowski: Produktion: 1388 Flaschen. Aufhellendes Rubin-Granat, transparent am Rand. Die Nase gibt sich im erstem Moment bedeckt, da sind Röstnoten, heller Kaffee, Brotkruste, dann reife Erdbeeren, nicht besonders süss, dezent trocken, schon eher in Richtung Würze drehend. Dabei findet man auch fein hölzern wirkende, respektive stielige Noten und eine angezeigten Tiefe. Das Ganze wirkt kompakt, aber irgendwie auch in sich gekehrt. Bei der Gaumenbeschreibung kommt mir als erstes wieder eines, der nasalen Attribute in den Sinn; «kompakt»! Irgendwie ist das ein recht satt geschnürtes Paket mit packender Adstringenz, mit Sehnen, Muskeln und einer durchgezogenen Säurestruktur. Die Säure ist nicht überproportioniert – sie passt zu diesem vielleicht momentan etwas introvertiert wirkenden Mosel-Pinot. Das ist kein «John-Wayne-Pinot!». Also kein Tropfen bei dem sich die Salontüren schwenken und gleich danach eine lautstrake Ballerei losgeht. Es ist aber kein tänzerischer Mussewein, von dem man immer wieder schlürft und dann zärtlich-sanft berauscht wird. Und er ist auch kein Wein zwischendrin, sondern ein schierer Aussenseiter-Pinot, bei dem man vermuten muss, dass sich seine beste Genusszeit nicht in dessen Jugend-Halbfruchtphase abspielt. Eher ist das ein verlangender, streng erzogener Pinot Noir den man ein paar Jahre lagert, dann blind dekantiert und die Leute rätseln lässt. Wenn dann ein Gast «grosser, recht markanter, etwas strenger Burgunder, aus der Côte de Beaune, vielleicht gar ein Volnay Premier Cru» sagt, dann hat er nicht ganz unrecht. Zumindest vom Stil und der Klasse her. 17/20 warten   

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Amerikanische Psychologen haben einen völlig neuen, direkten Weg der Kommunikation entdeckt!

Das Ganze basiert auf «voice communication» und funktioniert mit «permanent-3D».

Auf Deutsch heisst das: «mit jemanden ein Glas Wein trinken»

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KANN POMEROL GEIL SEIN?

Wenn es darum geht bei einem Wein mit den Wörtern «verführerisch» oder «erotisch» zu liebäugeln dann bin ich immer besonders vorsichtig. Ein Bisschen Heddonismus ist ja schon gut bei einer Weinbeschreibung, aber man muss als Verkoster nicht immer gleich die Wortgrenzen ausloten. Das kommt nicht bei allen Lesern gut an und die Wortwahl könnte auch als unseriös ausgelegt werden.

Und jetzt haue ich halt mal über die Strenge und schreibe einfach mal hin,... dass dieser einzigartige 2001er Le Pin für mich ganz schlicht und einfach «geil» war.


Die Farbe ist zwar eher harmlos und das eher schwache Rot weist denn auch schon recht viel orange Nuancen am Rand auf. Dann schaut man aufs Etikett, baut eine Erwartung auf und nimmt den Wein vorsichtig zur Nase. Doch schon von Weitem verspüht dieser mit nichts zu vergleichende Libournaiser Wein seine extreme, ausufernde, parfümierte Fruchtsüsse. Er trägt einfach etwas in sich, was andere überhaupt nicht haben. So ein «Surplus» - so was Unerklärliches. Im Gaumen geht es dann Richtung samtig-fülligem Pomerol. Für Burgunderkenner wäre das schon schier vergleichbar mit einem Chambertin. Mit einem ganz grossen Chambertin! Die Aromatik schwankt zwischen Kardamom, Caramel, kompottigen Walderdbeeren und Edelhölzern. Aber eben, trotz den Aromenversuchen ist das Ding schwer zu definieren. Es ist ganz einfach hemmungsloser Genuss. Die Lust auf den zweiten Schluck kommt schon bei der ersten Bouquet-Sekunde auf. Einfach nur geil! Sorry. 19/20 trinken

Im Fotohintergrund der Sponsor Daniel Groth...

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DAS NICHTERKENNUNGS-CHÂTEAU

Karin lacht mich immer aus, wenn dieser Wein bei Blindproben rein geschmuggelt wird und ich verzweifelt rätsle. Und am falschen Ufer suche. Dann sagt sie dann irgendwann ganz schnippisch (und vielleicht auch um mich zu erlösen): «Das ist doch genau wieder dieses Château, welches Du nie kennst!»


Das tut dann immer gleich zwei Mal ganz fest weh. Einerseits als bekannter Weindegustator so schändlich falsch zu liegen. Und andererseits, dass die eigene Frau recht hat.

Und wenn auch behauptet wird, dass man aus Weinfehlern klug wird, dann stimmt das hier nicht. Ich bin und bleibe wohl mein Leben lang «Palmerblindnichtherausfindungsresistent».

Grad ist es mir wieder passiert. Es sind vier Weine im Glas. Die Nummer der ist anders. Die anderen sind ähnlich. Sie schwanken von «etwas kühl, aber klassisch» (1998), über «etwas rotbeerig, nicht ganz gross, aber jetzt wunderschön zu trinken» (1999), bis «sensationell, dicht, versprechend, auf Jahrhundertweinbasis» (2009).

Aber ich suche am falschen Ufer! Ich bin ziemlich überzeugt, dass es sich um Weine aus dem Libournais handelt. Vornehmlich aus Saint Emilion. Ich bin halt kein Wein-Indianer der Spuren lesen kann, sondern ich halte mich an nasale Fakten.

Viel Power in der Nase, nussig, schokoladig, pflaumig; das ist nasaler Merlotpower. Mit Cabernetkonturen, welche zwar genügend Fundament verleihen, aber doch andächtig im Hintergrund wirken. Es wird diskutiert und ich kommentiere die Weine. Das ist nicht schwierig, denn ich schätze die Qualitäten richtig ein und bringe das Wesen und die Aromatik aller Weine auf den ziemlich richtigen Punkt.

Doch es sind keine Weine vom rechten Ufer, sondern es ist ein Wein vom linken Ufer. Aus Margaux! Und genau das behaupte ich auch immer. Dass nämlich die Weine von der Appellation Margaux die «Burgundertüren» des Médoc’s seien. Dass man von den merlotlastigen Weinen des Libournais am ehesten via Margaux den Zugang zu den Cabernetlastigen Weinen des linken Ufers finden würde.

Und es gibt da nur einen einzigen Wein unter den allerbesten honorablen Grand Crus der ungebührlich viel Merlot in seinem ergänzenden Cabernet-Blend mit drin hat. Und das ist und bleibt der Château Palmer. Meist sind da, nebst ganz wenig Petit Verdot, genau gleich viel Merlot wie Cabernet Sauvignon in der Assemblage.

Und dann duftet er halt, ziemlich wie ein ganz grosser Saint Emilion. Und dann finde ich ihn – blind verkostet – genial, aber errate ihn eigentlich nie. Und was beweist das? Auch ein so genannter Weinpapst ist bei Weitem nicht unfehlbar!     

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LINZER-BORDEAUX-RUNDE

Der Name Linz forciert in jenen, welche die Stadt zwar nie besucht, aber wenigstens von ihr gehört haben einen sehr angenehmen, süsslichen Beigeschmack.

Wer kennt sie nicht, die weltberühmte Linzertorte?

Meine Anreise hatte aber nichts mit der besagten Konditoreiköstlichkeit zu tun. Doch das Süsse begleitete mich schon auf der Zugfahrt von Wine nach Linz.


Mehr darüber in der grossen Story. Und auch der Abschluss dieses nachfolgend beschriebenen Weinabends war dann auch verführerisch süss. Er endete nämlich mit Palatschinken und Sauternes.

Alle Weinbeschriebe auf fünf Seiten: www.bxtotal.com

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PALATSCHINKEN-BARSAC

2005 Nairac: Orangegold. Intensives, vollsüsses und doch pfeffriges Bouquet, sensationell parfümierte Botrytis, frisch gebrochene Mandarinenschalen und Cointreau Likör. Im Gaumen saftig, elegant und ganz und gar nicht überladen von der Süsse her, im Extrakt konzentriert, tolle Länge. Ein emotioneller Schluck eines Jahrhundert-Barsacs! 20/20 trinken


P.S. Er hat ganz wunderbar zum sensationellen Marillenpalatschinken (Restaurant Schmiedgraben Linz/Lichtenberg) gepasst.

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OTELLO IM HEMD

Auch das noch!
Ein neues Dessert bei den österreichischen Bundesbahnen: «Otello im Hemd». Das Gericht kannte ich noch von früher, da hiess es noch «Mohr im Hemd». Heute nicht mehr. Wohl wegen der möglichen Rassendiskriminierung. Wenigstens wissen Opernkenner Bescheid. Der Othello war nämlich der Mohr von Venedig.
Und der hatte auch Schokolade im Gesicht…

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M
 ARKANTER

 M ONTUS

 M ONTAG

Wie gross der Montus-Fanclub heute noch ist kann man nur schwer abschätzen. Sicherlich war er mal wesentlich grösser…

Château Montus? Hier erst mal ein paar Informationen für Nichtwisser: Dieses Weingut liegt rund zwei Autofahrstunden und 190 Kilometer südlich von Bordeaux. Ziemlich genau zwischen Toulouse und Bayonne.

Im Jahr 1980 kauft Alain Brumont das schulhaus-ähnliche Château Montus (Bild unten) und gibt da von Beginn weg Vollgas. Mit seinem Slogan «Ich stürze die Bordeaux Hierarchie» machte er auf sich aufmerksam und tingelte durch die Europäische Weinwelt er stellte seine Weine auf ganz vielen Events vor. Und kam damit auch sehr schnell gut an…

Die Weine kamen dunkler und kräftiger als die Bordeaux’ daher. Die nasale Fruchtladung war gewaltig und lag praktisch nur im schwarzbeerigen Bereich. Im besonders fleischigen Gaumen versprachen massive Tannine ein extrem langes Leben.

Begeisterte Weinfreaks kauften spontan kistenweise Château Montus und legten diese Flaschen auf die Seite, um nach Jahren neugierig nach dem Rechten zu schauen. Meist zeigten sich dann die Weine aber völlig unzugänglich und versprachen, wie schon in deren ersten Jugendzeit; ein langes Leben.

Einige versuchten mit langem Dekantieren etwas nachzuhelfen, respektive die erste Genussreife zu erzwingen. Erfolglos. Statt sich ein wenig zu öffnen, zogen sich die strengen «Montussen» in ihre griffigen, tanninigen Schneckenschalen zurück, zeigten sich unnahbar, ja garstig bockig.

Nach 10 Jahren kam dann Hoffnung auf, aber noch bei weitem kein Trinkspass in Sicht.
Denn, die erwartete Evolution war immer noch von Introvertiertheit geprägt. Nicht selten wiesen diese nach wie vor schier schwarzen Weine leidlich reduktive Noten auf. Die Tannine blieben hart, die Weine zeigten sich bäuerlich, von Finessen keine Spur… Die eigenwillige Rebsorte Tannat forderte kompromisslos ihren Tribut. Immer mehr Montus-Fans verzweifelten. Weinhändler rabattierten die Brumontweine stark um das Lager zu bereinigen. Auch auf Auktionen erschienen häufig Montus-Kisten und gingen für ein Butterbrot weg.

Die heutigen Brumontweine (er hat da mehrere verschiedene Weingüter und Labels) sollen zugänglicher, geschliffener, kommerzieller sein. So kann man denn von den alten und älteren Jahrgängen behaupten, dass diese dem «alten Brumont-Testament» angehören.

Und wie diese alten, gereiften oder wenigstens halbwegs gereiften Weine schmecken, konnten acht Männer an diesem markanten Montus Montag im bernischen Langenthal erfahren.

Hans Flückiger (Bild) hatte viele Brumont-flaschen von vielen verschiedenen Jahrgängen auf den Tisch gestellt und entkorkt. Derweil seine Frau Silvia eine deftige Bernerplatte zubereitete, welche dann ideal als Food-Sparringpartner zu diesen speziellen Rotweinen passte.

Die Verkostungnotizen sind auf www.bxtotal.com

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TANNAT WELTKLASSE

Und wenn man dann alles weiss über den Tannat und begriffen hat, dass er nicht gerade zu den besonders feinen Rotweinen dieser Welt gehört, dann gilt auch hier das Motto: «Keine Regel ohne Ausnahme». Und ausgerechnet Brumont selbst liefert den Beweis, dass er aus dem Tannat einen Wein zaubern kann welcher gleichzeitig Finesse und Power aufweist!  

Sein «La Tyre» ist eine Selektion aus seinen besten Rebbergen. Er produziert für diesen Wein lediglich 5 bis 6 Trauben pro Rebstock. Er lässt ihn bei 28 Grad im klassischen Temperaturbereich vergären und mazeriert ihn – je nach Potential – zwischen 3 bis 6 Wochen an der Maische. Der geschieht in 100 % neuen Barriques mit einer vernünftig erscheinenden Ausbaudauer von lediglich 14 bis 16 Monaten.

Auch dieser Wein braucht seine Flaschenzeit. Einmal in voller Reife, zeigt er eine Sonderklasse, welche ihn von allen anderen Brumontweinen abheben lässt!

2000 Montus La Tyre: Gereiftes Weinrot mit satter Mitte. Die Nase ist royal, vielschichtig, facettenreich, so zwischen blauen und schwarzen Fruchtnoten tanzend, Darjeelingteenoten, dunkle Edelhölzer, Mokka, noch einen Hauch von Bourbon-Vanille vermittelnd. Im Gaumen angenehm füllig, aber nicht opulent, dichte Tannine, fleischig, alles wunderschön abgerundet, langes gebündeltes Finale. Kein Bluffer, sondern ein Tannat-Leader mit Weltklasse!
19/20 trinken

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DA STRAHLT ELISABETTA GEPPETTI!

Für den 2012er Saffredi hat sie von James Suckling 100 Punkte bekommen.
Parker taxiert den 2013er mit 98/10
und für den 2014er bekommt sie 19 Gabriel-Punkte...


2014 Saffredi Fattoria le Pupille: Sehr dunkles Weinrot mit violetten Reflexen. Das Bouquet ist geprägt von schwarzen Fruchtaromen; Kirschen, Cassis, Heidelbeeren, dann schwarze Oliven, dunkles Edelholz, ergänzt mit ganz feinen Rauch- und Lakritzespuren. Im zweiten Ansatz ist das bullig-intensive etwas zurückhaltender und es kommen verspielte, schier parfümierte Noten zum Zug. Da findet man Minze und Veilchen und eine ziemlich klare Cabernet-Ansage in den Grundaromen. Und nach weiteren 10 Minuten geht er so richtig in die Tiefe, Teernoten und ein Hauch von Terpentin zeigen die Mineralität dieses seriösen und gleichzeitig vielseitigen Nasenbildes an. Im Gaumen fleischig, kompakt, verlangend. Zeigt viel Charakter und auch eine gewisse Jugendarroganz auf der körnigen Zunge. Dies bei intensiven und auch reifen, aber (noch) nicht ganz so gerundeten Tanninen. Da ist ein Potential von gut 20 oder noch mehr Jahren in diese tolle Flasche verpackt. Also wird dies ein sehr langlebiger Saffredi. Da ist dann auch gleichzeitig ein Bonus-Malus-System integriert. Die Langlebigkeit wird für ungeduldige Maremma-Fans ein gewisses Jugendhandicap sein. Gehört zu den ganz grossen Jahrgängen dieses Weingutes. Und, vom Hörensagen soll der 2015 sogar noch besser sein. Dieser 2014er liegt nahe dem 2011 mit etwas weniger Finessen, bei gleich viel grosszügigem Weinfleisch am Toskana-Knochen! Ich habe den Wein anlässlich eines Wine&Dine bei Wein&Co in Wien mit Elisabetta verkostet. 19/20 2020 – 2035

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SPANISCHER ROTWEIN

Genauso spartanisch steht es auf der Etikette. Importiert damals von Alpina (Boevensipen). Wohl aus einer Zeit, als man vielen deutschen Weintrinkern noch erklären musste wie die rote Flüssigkeit von vergorenen dunklen Trauben richtig heisst. Und aus welchem Land er stammt. Eingefleischten Rioja-Kennern muss man nur den Schriftzug «La Rioja Alta S.A.» zeigen und dann steigen Erwartungen oder Erinnerungen werden wach. Oder beides. Wie bei mir.

Schon in der ...ersten Spanien-Wein-Lehrstunde musste man lernen, dass es verschiedene Rioja-Gebiete gibt aber das La Rioja Alta das beste ist.

Und jetzt ist ein 47jähriger Rioja in meinem Glas. Es ist der 1970 Reserva 904 von La Rioja Alta. Die Farbe mitteldunkel. Er kann sein Alter nicht verleugnen und die restroten Reflexe haben wenig Chancen gegen die ziegelfarbenen Nuancen, gegen Orange (vor allem am aufhellenden Rand) und gegen bräunliche Konturen durchzudringen. Mir egal – Reifsein verpflichtet halt. Auch farblich! Die Nase zeigt den Weinherbst des Lebens dieser Flasche. Erst moosig, dann welkes Herbstlaub. Uneinsichtige oder ungeduldige Nichtweinkenner, oder notorische Fruchttrinker würden jetzt wohl sich schon in den ersten Sekunden angewidert abwenden. Der Altweinrioja-Kenner wartet. Er gibt dem Wein die nötige Luft. Nach 10 Minuten kommt Stufe Zwei; erste Nuancen von Süssholz, Tabakblatt und Schokolade. Habe noch keinen Schluck genommen. Warte nochmals 10 Minuten auf Stufe Drei: Jetzt lädt das Bouquet immer mehr aus, mit einer sublimen, hochfeinen Fülle. Das Nasenbild wird absolut homogen, rundet sich ab. Es zeigt auf, dass auch die besten Weingebiete in Spanien die fraglose Erlaubnis haben, um von «Terroir» zu sprechen. Sandelholz und Rosenholz, Sommertrüffel, Backpflaumen, ein Hauch von Malagarosinen und Kaffee. Nicht nur intakt, sondern genial, sofern man eben ein erfahrener Rioja-Ambassador ist.

Nach dreissig Minuten von Duftbegleiten – bei sanftem Wärmerwerden – der erste Schluck! Samtig, weich, harmonisch, anmutig. Keine Bombe, sondern ein klassisches Konzert. Wäre dieser Wein ein Musikstück, so könnte man ihn wohl mit der «Symphonie espagnole» einem Cellokonzert von Edouard Lalo vergleichen. Er bleibt im Gaumen, im eher schlank anmutendem Körper extrem lang und klingt dementsprechend aus. Nebst dem Begriff «spanischer Rotwein» steht noch eine weitere Information auf dem Etikett: 12.2 Vol. Und da kommt jetzt noch eine aktuelle Gabriel-Information dazu: 19/20!

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CLERC-MILON ALS MOUTON-KONKURRENT


Im halbdirekten Vergleich mit Mouton-Rothschild machte der Clerc-Milon eine besonders gute Falle…

Verkostet man Wein dann stellt man persönliche Vergleiche an.  So ist immer alles relativ. An unserem Mouton-Memory-Abend im Januar 2017 im Restaurant Old Swiss House wussten fünf Jahrgänge von Château Clerc-Milon (gleicher Besitz wie Mouton-Rothschild) besonders gut zu gefallen.

Vom Punkteschnitt her, wäre der Clerc-Milon sogar besser gewesen als der Mouton. Doch eben; man muss auch relativieren.
Denn – Clerc-Milon trat mit fünf grossen und jungen Jahrgängen an. Der Mouton-Rothschild mit kleinen und grossen, älteren Jahrgängen. Mit Bouteillen, welche alle mehr oder weniger Reife zeigten. Oder gar etwas zu fest in die Jahre gekommen waren.

Und genau darum geht es an diesem Wine & Dine, welches zu Ehren des Baron Philippe de Rothschild jeweils im Monat seines Todestages in diesem rustikalen und ebenfalls historienträchtigen Luzerner Restaurant jährlich widerkehrend stattfindet. 
Die Notizen zu allen Weinen von oben

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WARTEN BIS DER MERLOT ...
                ...DEN CABERNET FRANC ÜBERHOLT



Der Anlass war kein fröhlicher. Ich öffnete diese Flasche im Gedenken an meinen verstorbenen Freund Marino. Der Cheval war nämlich einer seiner vielen Favoriten. Doch Marino hätte sich sicherlich gefreut, wenn er wüsste, dass seine manchmal ziemlich ausufernde Weinfreude auf die Hinterlassenen ab und zu überspringt.




1985 CHATEAU CHEVAL-BLANC: Der Wein war viel dunkler als früher. Und er duftete auch ganz anders als früher. Mit früher meine ich seine rotpflaumige, mittelintensive, oft etwas milchig anmutende Phase, welche wohl, respektive logischerweise vom Merlot beherrscht wurde. Und selbst ein ziemlich guter Merlot macht noch lange keinen grossen Cheval-Blanc aus. Und dieser meist etwas kleinere Merlot-Anteil ist und bleibt sein ewiges Jugendhandicap. Erst wenn seine leicht grössere Cabernet-Franc-Ration durch seine Flaschenalterung so nach etwa zwanzig Jahren übernimmt. Ja erst dann entsteht das schier unerklärliche Cheval-Wunder. Der 1985er duftet heute nach Rauch, nach dunklem Leder, nach Brazil-Cigarren, nach Korinthen, nach braunem Peru Balm und geht als eigentlich nur mittelgewichtiger Wein beeindruckend in die Tiefe. Der Gaumen zeigt durch seine angenehme, aber halt doch minim spröde Trockenheit Charakter und Kraft, das Finale ist dann wieder geprägt von dunklen, bis schwarzen, geerdeten und somit auch schwarztrüffeligen Aromen. Genau dieser Wein zeigt mir (leider) auf, dass die paar in meinem Keller lagernden Flaschen vom riesigen Jahrgang 1998 noch ganz viele Jahre brauchen werden bis der Cabernet Franc endlich den Merlot überholt…  Bewertung für den 1985er: 19/20 austrinken

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TSCHAU MARINO

Er hatte unglaublich viele Freunde. Marino Aliprandi ist kurz vor seinem 70. Geburtstag von uns gegangen.

Mit ihm verbinden mich unzählige, gesellige Stunden voller Geschichten, immer guten Weinen und besonders reichhaltigen Mahlzeiten.

Ein trauriger Tag mit tröstenden Erinnerungen...

Hier eine Reminiszenz von einem gemeinsamen Ausflug…

METZGETE MIT MARINO

Unter «Metzgete» versteht man ein Schweineschlachtfest im Restaurant. Unter Marino muss man sich einen gewaltigen, respektive gewichtigen Mann vorstellen, der sehr gerne isst und die Essensmengen in der Regel mit denselben Mengen Wein kalibriert.
Die Geschichte stammt noch aus meiner wilden Zeit. Damals war ich noch der Ansicht, dass ein Mann mindestens einmal im Monat einen tüchtigen Rausch zu gut hatte. Und das war offensichtlich an diesem Sonntag der Fall. Wir beschlossen an eine Metzgete zu gehen. Der Marino und ich. In örtlichen Gratisanzeiger vernahmen wir, dass das Restaurant Kreuz in Gunzwil eine Solche anbot. Also nichts wie hin! Als ich die Weinkarte studierte befanden sich nicht besonders viele Weine im Angebot. «Es gibt zwei Bordeaux, einen St. Emilion und einen Médoc. Da die Metzgete eher rustikal ist, schlage ich vor den Médoc zu nehme». Marino entgegnete: «Aber meistens sind die St.Emilion etwas süffiger, wenn diese jung sind.».
Als die Serviertochter eintraf bestellten wir die den ersten Teil unserer Schweinischen Wünsche in form von Blut- & Leberwurst und einer Bratwurst mit Rösti und ich orderte den Médoc. Marino rief dem Servicefräulein noch nach: «Und ich den St. Emilion!».
So brachte diese schon bald zwei Siebeneinhalbdezilitertflaschen an den Tisch und öffnete beide. Da wir uns in der Mitte des Restaurants befanden fiel das Zeremoniell den anderen Gästen auf und wir waren uns der Aufmerksamkeit sämtlicher Augenpaare sicher.
Nach 45 Minuten bestellten wir die nächsten Gerichte. Ein Gnagi (Eisbein) und geschnetzelte Schweinsleber. Da Marino von meinem Wein versuchte und ich von seinem, fanden wir heraus, dass der Médoc doch wirklich der bessere Wein war und Marino rief der netten, mittlerweile Kopfschüttelnden Servierdame noch nach: «Und noch einen Médoc!».

Den Kaffee beschlossen wir in einem nobleren Restaurant zu genehmigen und dazu eine feine Havanna zu rauchen. Das Taxi brachte uns ins Dorf Hildisrieden ins Restaurant Kreuz. Wir setzten uns an die Bar vom Restaurant und hielten uns an der Theke fest. Keine Bedienung in Sicht. So glotzten wir auf eine Batterie leerer Moutonflaschen und ich studierte die Künstleretiketten. Statt einer Serviertochter kam der Wirt aus der Küche, erkannte mich und begrüsste uns überschwänglich. Ich deutete auf die Mouton's und sagte ihm; «da fehlt ja der 1982er». Er antwortete: «Von dem habe ich eine ganze Kiste, aber der ist zu teuer und so bestellen die Gäste halt die anderen Jahrgänge!». Da ich ja mit meinen Weinkenntnissen ständig am Markt war, wusste ich, dass momentan für diesen 500 Franken an Auktionen bezahlt werden musste. (Das war damals – heute ist es noch viel, viel mehr…).
Der Wirt hatte offensichtlich weniger Marktkenntnisse. Als ich ihn fragte, was er denn für eine solche Flasche heute als Tagespreis haben müsste, gab er einen sehr fairen Tarif durch. Und dieser Preis hielt mich von der Absicht einen Kaffee mit Digestif zu trinken spontan ab. Nur 250 Franken – für einen Château Mouton-Rothschild vom Jahrgang 1982? Das war ein echtes Schnäppchen! Und so orderte ich wie folgt: «Dann nehme ich eine Flasche!». Mein gewichtiger Freund Marino, der bereits die Spirituosenkarte am Studieren war doppelte noch nach: «Ich auch!»

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GRAF NEIPPERG GIBT SICH DIE EHRE

Wer mehr über die Neippergs erfahren will, der kann sich dem Wikipedia bedienen.
Es ist eine besonders geschichtsträchtige Familiengeschichte bei der man viel lesen und ganz lange nach unten scrollen kann…

Das Fundament der Familie bildete die Burg Neipperg. Diese befindet sich in Neipperg (heute ein Ortsteil von Brackenheim) im Landkreis Heilbronn (Baden-Württemberg). Sie gilt als Stammburg der Herren und Grafen von Neipperg. Wir reden vom 12. Jahrhundert!


Blättern wir das Rad nach vorne. In die heutige Zeit. Es ist Montag, der 23. Januar im Jahr 2017. Graf von Neipperg gibt sich im Gasthof Sempacherhof (Sempach-Station) die Ehre. Er ist für einen besonders weinigen Abend extra von Bordeaux in den Kanton Luzern gereist, um einen grossen Teil seiner Weingüter persönlich vorzustellen.
Der Sempacherhof ist schon seit Wochen bis auf den letzten Stuhl ausgebucht. Rund 80 Weinliebhaber nehmen im Gourmetsaal und im Rosso vor Gabriel-Gläsern Platz.
Die Weine wurden schon Monate zuvor importiert und jetzt im kleinen Stübli aufgestellt. Das Servicepersonal hat die Weine bereits entkorkt. Stephan von Neipperg probiert alle Flaschen höchst persönlich.
Von den insgesamt 88 Flaschen korkt lediglich eine Bouteille. René Gabriel dekantiert alle Weine und trennt diese vom Depot und giesst diese vorsichtig in die Originalflaschen zurück

2003 La Mondotte, Saint Emilion: Doppel-magnum. Sattes Rubin-Granat. Umwerfendes Bouquet!!! Das verrückte Nasenbild zeigt eine spontane Merlot-Sensation. Alles wirkt pfeffrig, fruchtfrisch und dokumentiert schier das Gegenteil des heissen Jahrganges. Johannisbeeren, Himbeeren, Waldbeeren, Cassis, kandierte Cakesfrüchte, Zitronen-melisse, extrem süss ohne konfitürig zu wirken. Im Gaumen satt, perfektes Säurespiel, noch jung, frisch und es mangelt da vielleicht an einer Nuance Charme, aber das macht die atemberaubende Merlotsüsse locker wieder wett. Ein möglicher Winner in einem Merlot-Blend-Blindtasting. 19/20 trinken

Die restlichen Weine auf vier Seiten: www.bxtotal.com



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PROVIDENCE IST ANDERS –
GANZ ANDERS


Profilierte Weinkenner werden den einen oder anderen Providence kennen. Da gab es zum Beispiel einen Providence in Pomerol. Bis er vor kurzem dem Château La Fleur-Pétrus einverleibt wurde. Und es gibt den Providence in New Zealand. Um den geht es hier in dieser sonderbaren Geschichte…

Wir sind in Matakana. Das liegt eine knappe Autostunde nördlich von der Hauptstad Auckland entfernt. Also auf der Nordinsel. Matakana ist ein beliebter Ausflugs- und Ferienort.


Und da wird auch Wein angebaut. Auf dem Prospekt den wir bei der Ankunft in unserem Hotel bekommen sind 14 Wineries aufgeführt. Alle produzieren mehrere Weine. Auf jedem Weingut kann man deren Weine degustieren. Fast alle bieten zusätzlich ein gastronomisches Angebot in Form eines Restaurants oder Bistros an. Auch Übernachten kann man bei einigen Weingütern. Von einfach bis luxuriös.
Ein ziemlich bekanntes Weingut ist da nicht auf dem Prospekt drauf. Dieses kann man auch nicht visitieren. Denn – würde man Providence an der 45 Takatu Road ausfindig machen, steht am verschlossenen Türgatter die Information: «Closed». Also Nichts mit Degustieren, Wein kaufen, Essen oder gar Übernachten.

Das ist nur eine von ganz vielen Seiten des Andersseins von Providence. Bei einem, respektive bei drei Besuchen haben wir den vielleicht etwas eigenwilligen, kurligen Winzer Jim Vuletic näher kennen gelernt. Die Konklusion daraus: Providence ist anders… Der Bericht: www.bxtotal.com

2004: SEHR VIEL UND SEHR GUT

Mit rund 10'000 Flaschen war dies die grösste Ernte der Providence-Geschichte. Die grössten Produktionen lagen sonst bei rund 8'000 Flaschen…
Und trotzdem ist das der wohl beste Providence in dessen Geschichte. Hier zeigt dieser sonst nicht ganz so einfach zu degu-stierende Nord-Neuseeländer Premiumrotwein absolute Weltklasse! Das war dann zugleich Gabriel’s fragloser Liebling an dieser Achterbahnvertikale.

2004 Providence, Matakana: Tiefes Purpur etwas matt in seiner Erscheinung und das Alter durch passende Reifetöne vermittelnd Bouquet zeigt reife, dunkle Pflaumen, Zedern und Tabak. Das Nasenbild schwankt zwischen einem Libournaiserwein und einem südlichen Rhônewein durch die feinen Bluttöne. Im zweiten Ansatz; Gewürznelken, schwarze Pfefferkörner, rauchige Konturen und traumhafte Aromen von schwarzen Johannisbeeren. Im Gaumen intensiv schwarzbeerig, Dörrfrüchte, getrocknete Bananen und somit viel weinige Süsse zeigend, füllig und harmonisch mit gebündeltem Finale. Für mich ist das fraglos der beste Providence, den ich je im Glas hatte. Nach der Verkostung schaute ich, dass sich die Flasche während dem Nachtessen permanent in meiner Nähe befand. 19/20 trinken



VULETIC SALADE NICOISE


Man nehme…

Schon oft habe ich irgendwo den so genannten Salade Niçoise gegessen, aber das war der beste meines Lebens! Die Ingredienzen sind äusserst einfach, aber vielleicht liegt das Geheimnis möglicherweise an den wohl selektionierten Zutaten!

Ganz unten in die grosse Schüssel; frisch gekochte, lauwarme Kartoffelstücke, darüber, lauwarme, ebenfalls frisch gekochte, gedrittelte Coco-Bohnen. Dann mittelkleine Stücke von frisch geschnittenen Bio-Tomaten. Als nächste Lage; frisch gekochte und halb erkaltete Hälften von Rebhuhneier vom eigenen Providence-Hof. Schliesslich zwei Büchsen Thon (Consorcio), etwas Essig (Bragg Organic Apple Cider Vinegar), Olivenöl (Château des fines Roches, Châteauneuf-du-Pape) etwas Salz und Pfeffer und dann alles behutsam untereinander mischen.

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WER NICHT BEREIT IST FÜR VERÄNDERUNGEN,
DER WIRD EINES TAGES AUCH DAS VERLIEREN,
WAS ER EIGENTLICH BEWAHREN WOLLTE…


Liebe Weinfreundinnen, liebe Weinfreunde

In meinem Leben gibt es eine ganz besondere Freundin und einen ganz besonderen Freund. Meine ganz besondere Freundin ist meine Frau Karin. Mit der bin ich glücklich verheiratet. Mein ganz besonderer Freund ist der Wein. Mit dem bin ich liiert.

Beide begleiten mich schon eine ganz grosse Weile durch mein wunderbares Leben. Und mit beiden bin ich glücklich und zufrieden. Mein bisheriges Jahrwandern war immer eine Evolution – nie eine Revolution. Das Leben ist schliesslich eine Mission – keine Karriere! Durch das Geniessen habe ich immer sehr bewusst gelebt. Will heissen; ich liess mich nicht einfach treiben, sondern überlegte mir jeweils immer ganz genau und extrem langfristig meine künftigen Schritte.

Und dieses antizipierte Vorausschauen beflügelte mich, noch vor meinem 60igsten Geburtstag – also per Ende 2016 – ein paar Veränderungen einzuleiten. Im Französischen sagt man zu diesem Schritt: «reculer pour mieux sortir». Eigentlich heisst das Sprichwort ja anders, aber für mich soll es die Definition von «Abbremsen, um besser Auszusteigen» sein.

FERTIG WEINWISSER! FERTIG MÖVENPICK! FERTIG ACADEMIE DU VIN!

Ich werde mich im kommenden April nicht mehr wie gewohnt durch die Tannine vom neuen Bordeaux-Primeur durchbeissen. Nach mehr als 30 Jahren, ist damit Schluss. Ich will nicht mehr Weine verkosten, die ich selbst nicht mehr kaufe und auch wohl nie trinkreif erleben werde. Doch das ist nur ein Teil der ganzen Wahrheit. Mehr dazu an anderer Stelle…

Ende 2016 ist auch offizieller Schluss mit WeinWisser. Nach dem Verkauf (2007) dieses weinigen Newsletters versprach ich noch ein paar Jahre weiter zu schreiben. Jetzt mache ich da Platz für andere Weinschreiberlinge. Möglicherweise mit sehr sporadischen Ausnahmen.

Seit 1990 bin ich unter der Flagge von Mövenpick gesegelt und habe dieser fantastischen Weinhandlung sehr viel in meinem Öno-Leben zu verdanken. Nach dem Ausscheiden aus der Geschäftsleitung im Jahr 2005 bin ich als Berater der weissen Geniesser-Möwe weiterhin treu geblieben. Auch hier beende ich mein bisher fixes Teilpensum per Ende 2016. Vielleicht lädt man mich noch ab und zu ein, um einen besonders schönen Weinabend zu kommentieren…

Während meiner ersten Mövenpick-Zeit leitete ich auch die ADV Académie du Vin. Nach deren Veräusserung referierte ich noch ein paar Jahre an Kursen. Regelmässig agierte ich dort auch als Reiseleiter im Bordelais. Auch damit ist nun Schluss. Es wird zwar noch weiterhin Bordeauxreisen mit René Gabriel geben, aber nur noch in eigener Regie und mit kleineren Gruppen.

Nach dem Ableben unserer Weinbörse-Vaterfigur Peter Bertschinger haben Max Gerstl und ich – zusammen mit einem ganz tollen Team (Karin Gabriel und Carlo Haueter) – dieses kleine, feine Auktionshaus weitergeführt. Nun haben wir per Anfang 2016 den Weinfreak Jürg Richter und die Gerstl Weinselektionen als gleichwertige Partner mit ins Boot genommen. Wir versprechen uns da Synergien und irgendwann…auch ein neues Mutterhaus.

Was (noch) bleibt, sind die Aktivitäten von Beratungen, Degustationen und Weinreisen. Das gefällt mir und da gehe ich voll auf! Ich liebe Menschen. Und noch mehr liebe ich Menschen welche auch Wein lieben!
    
MEHR (ER)LEBEN – ETWAS WENIGER WEIN IM LEBEN  

Eigentlich ist es ein ironischer Titel. Denn ich glaube kaum, dass ich fortan massiv weniger Wein trinken werde. Um nämlich viel weniger Wein trinken zu können, müsste man vorher massiv viel Wein getrunken haben. Bisher habe ich – als Profi – wohl mehr Wein gespuckt wie geschluckt. Doch auch damit soll jetzt Schluss sein. Ich möchte gerne meinen gewichtigen, privaten Weinkeller besser haushalten. Schon seit Jahren habe ich festgestellt, dass mir reife Weine viel mehr Spass bereiten als Tannine im Mund hin und her zu bewegen und dann – aufgrund Ausspuck-Zero-Weinkonsum – riesige Litaneien zu notieren. Das Motto heisst künftig: «Mehr Geniessen – weniger Schreiben»!

Da der Wein mit so vielen verschiedenen Engagements eine ziemlich dominante Rolle in meinem bisherigen Leben einnahm, kamen viele Familie, Freunde und Bekannte oft zu kurz. Dies möchte ich in meinem zweitletzten Lebensabschnitt wieder kompensieren.

Etwas mehr Pensum hat mir das Gabriel-Glas in letzter Zeit abverlangt. Einerseits habe ich letztes Jahr sämtliche Anteile des Hauptgeschäftes in Österreich übernommen und andererseits boomt diese fantastische Glasidee fast überall in der Welt. Fast monatlich sind neue Märkte und Vertriebspartner dazu gekommen. Alleine in der Schweiz hat sich der Umsatz in den letzten zwei Jahren mehr als verdoppelt. Der erste Platz bei der Kategorie Universal-Glas bei VINUM bewirkte einen regelrechten Marketing-Urknall!
   
Der alternde Weinkater wird das Mausen wohl nicht ganz lassen können. Aber man muss halt trotzdem die Weichen stellen, damit der Lebenszug die richtigen Bahnhöfe anrollt…

Danke Euch allen und ein gutes, besonders Weiniges 2017!

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